Part 1
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DIE NATURWISSENSCHAFTEN
IN IHRER ENTWICKLUNG UND IN IHREM ZUSAMMENHANGE
DARGESTELLT VON
FRIEDRICH DANNEMANN
VIERTER BAND:
DAS EMPORBLÜHEN DER MODERNEN NATURWISSENSCHAFTEN SEIT DER ENTDECKUNG DES ENERGIEPRINZIPS
MIT 70 ABBILDUNGEN IM TEXT UND MIT EINEM BILDNIS VON *HELMHOLTZ*
LEIPZIG UND BERLIN
VERLAG VON WILHELM ENGELMANN 1913
Copyright 1913 by Wilhelm Engelmann, Leipzig.
Druck der Königl. Universitätsdruckerei H. Stürtz A. G., Würzburg.
Vorwort.
Mit dem vorliegenden, vierten Bande kommt das Unternehmen, die Naturwissenschaften in ihrer Entwicklung und in ihrem Zusammenhange darzustellen, zum Abschluß. Der erste Band führte von den Anfängen bis zum Wiederaufleben der Wissenschaften, der zweite von Galilei bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts. Zwischen dem 3. und dem jetzt erscheinenden 4. Bande ließ sich keine scharfe chronologische Schranke ziehen. Beide Bände schildern in der Hauptsache das Emporblühen der modernen Naturwissenschaften, das mit der Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert anhebt. Einen gewissen Abschnitt bildet die Aufstellung des Energieprinzips. Die Entdeckung dieses, die moderne Wissenschaft beherrschenden Prinzips war aber keine unvermittelte. Sie wurde durch das Auffinden zahlreicher Tatsachen und Beziehungen allmählich vorbereitet. Infolgedessen tritt das neue Prinzip in den ersten Abschnitten des vierten Bandes erst nach und nach immer deutlicher in die Erscheinung, bis es gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts zu einem klaren Ausdruck und seitdem zur bewußten Ausdehnung auf sämtliche Naturwissenschaften gelangt. Gleichzeitig erfolgt auf dem Gebiete der organischen Wissenschaften das Emporkeimen des Entwicklungsgedankens. Wir stehen noch heute inmitten des Ringens, das an der Hand dieser umfassenden, dem 19. Jahrhundert sein Gepräge verleihenden Prinzipien zu immer größerer Klarheit führen wird. Es mußte daher das Ziel des letzten Bandes sein, den Wegen nachzugehen, die von dem älteren, gesicherten Bestande zu den Problemen des Tages hinüberführen. Als Marksteine auf diesen Wegen begegnen uns die Originalarbeiten der großen Forscher. Diese Arbeiten sind durch *Ostwalds* umfangreiches Unternehmen der »Klassiker der exakten Wissenschaften« weiteren Kreisen zugänglicher geworden. Der Aufgabe, für dieses Unternehmen gewissermaßen einen Rahmen zu schaffen, ist sich der Verfasser auch in dem vorliegenden Bande stets bewußt geblieben.
Nur unter Beachtung der erwähnten Gesichtspunkte war es möglich, den immer mehr anschwellenden Stoff zu bewältigen und die Darstellung zu einem hoffentlich glücklichen Abschluß zu führen. Da die Beschränkung auf das Wichtigste und das Allgemeine für den letzten Band noch mehr geboten schien als für die drei übrigen, so darf man das nunmehr vollendete Werk nicht als ein Nachschlagebuch betrachten und es gar unbefriedigt aus der Hand legen, wenn es über dieses oder jenes Einzelwissen keine Auskunft gibt. Trotzdem wurde auf ein ausführliches Namen-, Sach- und Literaturverzeichnis nicht verzichtet, da es immerhin erwünscht ist, die Zusammengehörigkeit der im Text getrennten Angaben rasch auffinden zu können.
Hoffentlich ist es gelungen, ein Werk zu schaffen, das die Beziehungen der Naturwissenschaften unter sich und zu den Nachbargebieten im Rahmen der Gesamtentwicklung aufweist und das den weitesten Kreisen der Forschenden, der Lehrenden und Lernenden dasjenige bringt, was zu einem tieferen Verständnis des heutigen Wissenschaftsgebäudes nötig ist. Auch solchen, die ihre Aufgabe in der Anwendung der Wissenschaften erblicken, wie den Ärzten und den Technikern, dürfte das Gebotene willkommen sein, um so mehr, als auf wichtige Anwendungen der Wissenschaft an vielen Stellen Bezug genommen ist. Was die Wissenschaftsgeschichte für die Gegenwart bedeutet, wird zu Beginn des ersten Abschnittes geschildert. In seinem zweiten Teile wird dann der Faden der zusammenhängenden Darstellung wieder aufgenommen.
=Friedrich Dannemann.=
Inhalt.
1. Wissenschaft und Wissenschaftsgeschichte.
(S. 1-25.)
1. Einleitendes. -- 2. Einzeldarstellungen und Schilderung der Gesamtentwicklung. -- 3. Förderung der Wissenschaftsgeschichte. -- 4. Vorlesungen über Wissenschaftsgeschichte. -- 6. Wert des geschichtlichen Studiums. -- 8. Geschichte der Medizin und der Technik. -- 9. Anfänge der Wissenschaft. -- 10. Rückblick auf das Altertum. -- 12. Das Weltbild im Altertum. -- 13. Das Experiment im Altertum. -- 14. Naturwissenschaft und Philosophie. -- 15. Rückblick auf das Mittelalter. -- 16. Das arabische Zeitalter. -- 17. Das Wiederaufleben der Wissenschaften. -- 19. Das Zeitalter Galileis. -- 21. Newtons Zeitalter. -- 23. Astronomie der Fixsterne -- 25. Einheitliche Auffassung der Natur.
2. Die Astronomie nach ihrer Begründung als Mechanik des Himmels.
(S. 27-37.)
27. Die Entdeckung des Uranus. -- 29. Die Parallaxe der Fixsterne. -- 32. Die Länge des Sekundenpendels. -- 34. Enckes Komet. -- 35. Himmelskarten. -- 36. Sonnenparallaxe. -- 37. Bahnberechnungen.
3. Die älteren Zweige der Physik bis zu ihrem Eintritt in das Zeitalter des Energieprinzips.
(S. 38-68.)
38. Die Entdeckung der Osmose. -- 40. Die Entdeckung der Diffusion. -- 42. Trennung durch Dialyse. -- 43. Kolloide und Kristalloide. -- 44. Osmotische Vorgänge. -- 45. Ausdehnungskoeffizient der Gase. -- 46. Rudbergs Nachprüfung. -- 47. Versuche von Magnus und Regnault. -- 48. Die Natur des gasförmigen Zustandes. -- 50. Kritische Temperatur. -- 51. Permanente Gase. -- 52. Zustandsgleichung. -- 53. Avogadros Regel. -- 55. Dampfdichtebestimmung. -- 57. Theoretische Optik. -- 58. Dopplers Prinzip. -- 60. Polaristrobometer. -- 61. Stereoskop. -- 63. Schlierenapparat. -- 65. Lichtgeschwindigkeit. -- 67. Emission oder Undulation. -- 68. Licht und Wärme.
4. Die Begründung der neueren Elektrizitätslehre.
(S. 69-117.)
69. Faraday. -- 71. Elektrizität und Magnetismus. -- 72. Die Entdeckung der Induktion. -- 74. Aragos Versuch. -- 76. Wärmewirkung der Induktionsströme. -- 77. Induzierende Wirkung des Erdmagnetismus. -- 79. Die Entdeckung des Extrastromes. -- 82. Entladung durch Gase. -- 84. Elektrizitätsarten. -- 85. Chemische Wirkungen der Elektrizität. -- 86. Magnetelektrische Maschine. -- 87. Voltaelektrometer. -- 88. Elektrolytisches Grundgesetz. -- 90. Bekämpfung der Kontakttheorie. -- 91. Chemische Theorie des Stromes. -- 92. Magnetisierung des Lichtes. -- 94. Diamagnetismus. -- Diëlektrikum. -- 96. Theorie der Elektrizität. -- 97. Das Biot-Savartsche Gesetz. -- 98. Ampères elektrodynamisches Grundgesetz. -- 99. Georg Simon Ohm. -- 100. Das Ohmsche Gesetz. -- 102. Wärmewirkung des Stromes. -- 103. Das Joulesche Gesetz. -- 104. Thermoströme. -- 105. Peltiers Phänomen. -- 106. Stärke der Induktionsströme. -- 107. Lenzsches Grundgesetz. -- 108. Franz Ernst Neumann. -- 109. Die Theorie induzierter Ströme. -- 110. Webers elektrodynamisches Grundgesetz. -- 111. Die Theorie der Induktion. -- 112. Webers Tangentenbussole. -- 113. Elektrochemisches Äquivalent. -- 115. Elektrodynamometer. -- 116. Einheit der Elektrizität.
5. Die Begründung der organischen Chemie und ihr Einfluß auf die Entwicklung der chemischen Vorstellungen.
(S. 118-145.)
118. Einleitendes. -- 119. Radikale. -- 120. Radikaltheorie. -- 122. Liebig. -- 124. Chemische Laboratorien. -- 125. Wöhler. -- 126. Isomerie. -- 127. Synthese organischer Verbindungen. -- 128. Säuren und Salze. -- 129. Basizität der Säuren.-- 130. Benzol. -- 131. Benzolderivate. -- 132. Organische Säuren. -- 133. Bunsen. -- 134. Das Radikal Kakodyl. -- 136. Organische und unorganische Chemie. -- 137. Alkohole und Säuren. -- 138. Radikale und Typen. -- 139. Begründung der Typentheorie. -- 140. Einzelne Typen. -- 141. Doppeltypen. -- 142. Gemischte Typen. -- 143. Äquivalent, Atom, Molekül. -- 144. Anfänge der Strukturtheorie.
6. Die Begründung der Physiologie als eines besonderen Wissenszweiges.
(S. 146-154.)
146. Einleitendes. -- 147. Physiologie und Bodenkunde. -- 148. Chemie und Physiologie. -- 149. Naturwissenschaft und Medizin. -- 150. Naturwissenschaft und Philosophie. -- 151. Physiologie und Anatomie. -- 152. Physiologie der Sinnesorgane. -- 154. Erschütterung der Lehre von der Lebenskraft.
7. Die Zelle wird als das Grundorgan der pflanzlichen und tierischen Organismen erkannt.
(S. 155-166.)
155. Erneuerung der Pflanzenanatomie. -- 156. Fortschritte der Mikroskopie. -- 157. Tier- und Pflanzenzellen. -- 158. Elementarorganismen. -- 159. Die Zusammensetzung der Zellen. -- 160. Der Organismus, ein Zellenstaat. -- 161. Zellularpathologie. -- 162. Die Entstehung der Zellen. -- 163. Die Natur des Protoplasmas. -- 164. Wachstum und Werden der Zellen. -- 165. Entwicklung und Morphologie der Gewebe. -- 166. Das Gefüge der organisierten Substanz.
8. Die Geologie im Zeitalter des Aktualismus und in engerer Verknüpfung mit den übrigen Naturwissenschaften.
(S. 167-176.)
167. Abkehr von der Katastrophentheorie. -- 169. Die Zeit als geologischer Faktor. -- 171. Geologie und Biologie. -- 172. Das Leben als geologischer Faktor. -- 173. Ehrenbergs Mikrogeologie. -- 174. Korallen und Korallenriffe. -- 175. Gebirgsbildung. -- 176. Tiefseeforschungen.
9. Die Ausdehnung des Energieprinzips auf sämtliche Naturwissenschaften.
(S. 177-200.)
177. Das Prinzip vom ausgeschlossenen Perpetuum mobile. -- 178. Der Zusammenhang der Kräfte. -- 179. Robert Mayer. -- 180. Wärme und Arbeit. -- 181. Das mechanische Äquivalent der Wärme. -- 182. Die Äquivalenz sämtlicher Naturkräfte. -- 183. Das Wesen der Kräfte. -- 185. Physik und Biologie. -- 186. Joule. -- 187. Die Bestimmung des Wärmeäquivalents. -- 189. Colding. -- 190. Helmholtz. -- 191. Lebendige Kraft und Spannkraft. -- 192. Das Prinzip von der Erhaltung der Kraft. -- 194. Der Kraftvorrat des Sonnensystems. -- 195. Mechanische Wärmetheorie. -- 196. Hauptsätze der mechanischen Wärmetheorie. -- 198. Die kinetische Gastheorie. -- 200. Die Thermodynamik der Lösungen.
10. Neuere Fortschritte in der Erforschung des organischen Lebens.
(S. 201-241.)
201. Biologie der Mikroorganismen. -- 204. Die Erreger der Gärung und der Fäulnis. -- 205. Fortpflanzung durch Schwärmsporen. -- 206. Sexualität der Kryptogamen. -- 207. Verwandtschaftliche Zusammenhänge. -- 208. Erklärung der Lebenserscheinungen. -- 209. Anatomie und Physiologie. -- 210. Aufbau der Gewebe. -- 211. Die Reizbarkeit. -- 212. Richtungsbewegungen. -- 213. Mechanik der Bewegungen. -- 214. Mechanik des Saftsteigens. -- 216. Organisation des Protoplasmas. -- 217. Physik und Physiologie. -- 218. Puls- und Wellenlehre. -- 220. Mechanik der Sekretionsvorgänge. -- 222. Messung des Sekretionsdruckes. -- 223. Physiologie und graphisches Verfahren. -- 224. Die Erklärung des Farbenwechsels. -- 225. Interferenz und Pigmente. -- 226. Reflextätigkeit. -- 227. Chromatische Funktion. -- 228. Physiologie des Gesichtssinnes. -- 229. Entoptische Erscheinungen. -- 230. Physiologie und Psychologie. -- 231. Experimentelle Grundlagen der Psychologie. -- 233. Das psychophysische Grundgesetz. -- 234. Individuelles und phylogenetisches Gedächtnis. -- 235. Nerventätigkeit. -- 236. Lehre von der Lebenskraft. -- 237. Verwandtschaft und Entwicklung. -- 238. Parthenogenese. -- 239. Generationswechsel. -- 241. Tier- und Pflanzenleben.
11. Die wissenschaftliche Begründung der Entwicklungslehre.
(S. 242-266.)
243. Organismus und Umwelt. -- 244. Umbildung durch Anpassung. -- 245. Aussterben und Entstehen von Arten. -- 246. Entwicklungsgeschichtliche Methode. -- 247. Verwandtschaftliche Beziehungen. -- 248. Morphologie und Embryologie. -- 249. Gemeinsame Urform. -- 250. Die Bedeutung der Übergangsformen. -- 251. Charles Darwin. -- 252. Mechanisch wirkende Ursachen. -- 253. Die Malthussche Lehre. -- 254. Natürliche Zuchtwahl. -- 255. Beweismittel der Deszendenztheorie. -- 256. Unzulänglichkeit der Darwinschen Theorie. -- 257. Abstammung des Menschen. -- 258. Biogenetisches Grundgesetz. -- 259. Entwicklungsmechanik. -- 260. Bastardbildung. -- 262. Mendels Versuche. -- 263. Dominierende und rezessive Merkmale. -- 264. Mendelsche Regeln. -- 266. Mendelismus.
12. Geologie und Mineralogie unter dem Einfluß der chemisch-physikalischen Forschung.
(S. 267-284.)
268. Mikroskopie und Gesteinskunde. -- 269. Ergebnisse der Gesteinsmikroskopie. -- 270. Geologische Experimente. -- 271. Gebirgsbildung. -- 272. Erdbebenforschung. -- 273. Das Leben als geologischer Faktor. -- 274. Mikrogeologische Studien. -- 275. Gletscher und Moränen. -- 276. Das Eis als geologischer Faktor. -- 277. Die Lehre von den Eiszeiten. -- 278. Gestalt und Masse der Erde. -- 279. Form und Eigenschaften der Mineralien. -- 280. Ableitung der Kristallsysteme. -- 282. Kristallographie und Mathematik. -- 283. Kristallographie und Physik. -- 284. Die Entstehung der Mineralien.
13. Die Entwicklung der Strukturchemie und der Systematik der chemischen Elemente.
(S. 285-307.)
286. Valenztheorie und Strukturchemie. -- 287. Atomverkettung. -- 288. Strukturformeln. -- 289. Aromatische Verbindungen. -- 290. Benzoltheorie. -- 292. Bestimmung des chemischen Ortes. -- 294. Erweiterung der Benzoltheorie. -- 295. Fortschritte der Synthese. -- 296. Physikalische Isomerie. -- 297. Symmetrischer und asymmetrischer Aufbau. -- 298. Die Anfänge der Stereochemie. -- 299. Döbereiners Triaden. -- 301. Versuch einer Gruppierung sämtlicher Elemente. -- 302. Nachprüfung der Atomgewichte. -- 303. Das periodische System. -- 306. Vorhersage der Existenz des Germaniums.
14. In der Spektralanalyse und in der Photographie entstehen die wichtigsten neuzeitlichen Forschungsmittel.
(S. 308-328.)
309. Anfänge der Spektralanalyse. -- 310. Die Entdeckung der Fraunhoferschen Linien. -- 312. Bunsen und Kirchhoff erfinden das Spektroskop. -- 313. Die Spektren der Metalle. -- 314. Die Empfindlichkeit der Spektralreaktion. -- 316. Die Umkehrung der Spektren. -- 317. Emission und Absorption. -- 318. Die spektralanalytische Untersuchung der Sonne. -- 320. Die Entdeckung neuer Elemente. -- 322. Verbesserungen des Spektroskops. -- 323. Anwendungen der Spektralanalyse. -- 324. Spektroskopie und Astronomie. -- 325. Anfänge der Photographie. -- 327. Photographie und Astronomie. -- 328. Farbenphotographie.
15. Das Emporblühen der physikalischen Chemie.
(S. 329-371.)
330. Physikalische und chemische Eigenschaften. -- 331. Photochemische Messungen. -- 334. Photochemische Induktion. -- 335. Photochemie und Astronomie. -- 336. Photochemische Wirkungen des Spektrums. -- 337. Polarisiertes Licht und chemische Zusammensetzung. -- 338. Polarisation und kristallinisches Gefüge. -- 339. Chemisch-optische Untersuchungen. -- 342. Drehungsvermögen und chemisches Gleichgewicht. -- 345. Dynamisches oder statisches Gleichgewicht. -- 346. Affinität und Wärmetönung. -- 347. Grundgesetz der Thermochemie. -- 349. Abnorme Dampfdichten. -- 350. Theorie der Dissoziation. -- 352. Thermodynamische Untersuchungen. -- 353. Massenwirkungsgesetz. -- 354. Reaktionsgeschwindigkeit. -- 356. Geschwindigkeitskoeffizient. -- 357. Reaktionsverlauf. -- 358. Bedingungen des Gleichgewichtszustandes. -- 359. Mechanik der chemischen Vorgänge. -- 360. Grundgesetze der chemischen Mechanik. -- 362. Osmotische Untersuchungen. -- 363. Ähnlichkeit des gasförmigen und des gelösten Zustandes. -- 364. Osmotischer Druck und absolute Temperatur. -- 365. Ausdehnung der Gasgesetze auf Lösungen. -- 366. Dissoziation in Lösungen. -- 367. Theorie der elektrolytischen Dissoziation. -- 368. Der Vorgang der Elektrolyse. -- 370. Die Wanderung der Ionen. -- 371. Leitfähigkeit der Elektrolyte.
16. Neuere Fortschritte der theoretischen und der angewandten Physik.
(S. 372-390.)
373. Fortschritte der mathematischen Physik. -- 374. Fortschritte der Akustik. -- 375. Analyse des Klanges. -- 376. Fortschritte der Optik. -- 377. Physiologie und Optik. -- 378. Physiologie und Psychophysik. -- 379. Fortschritte der Elektrizitätslehre. -- 380. Elektrische Schwingungen. -- 382. Die Versuche von Hertz. -- 383. Elektrische Strahlen. -- 384. Licht und Elektrizität. -- 385. Funkentelegraphie. -- 386. Faradays Kraftlinien. -- 387. *Maxwell*sche Theorie. -- 388. Elektromagnetische Theorie des Lichtes. -- 389. Elektronentheorie. -- 390. Theorie der galvanischen Elemente.
17. Die Naturwissenschaften und die moderne Kultur.
(S. 391-435.)
392. Die Grundlagen der chemischen Industrie. -- 393. Chemische Industrie und Leuchtgaserzeugung. -- 394. Neue Herstellungsweisen. -- 396. Die organisch-chemische Industrie. -- 397. Wichtige Synthesen. -- 398. Technik und Physik. -- 399. Telegraphie und Telephonie. -- 400. Galvanoplastik. -- 401. Elektrisches Licht. -- 402. Elektrizitätsquellen. -- 403. Dynamoelektrisches Prinzip. -- 404. Elektrotechnik und Chemie. -- 405. Neue wirtschaftliche Probleme. -- 407. Wissenschaft und Produktion. -- 408. Materielle und geistige Kultur. -- 409. Naturwissenschaft und Erkenntnistheorie. -- 410. Naturwissenschaft und Geisteswissenschaften. -- 411. Ethische Bedeutung der Naturwissenschaften. -- 412. Grenzen der Naturwissenschaften. -- 413. Ausgestaltung des Weltbildes.
18. Aufgaben und Ziele.
(S. 414-433.)
415. Fortschritte der Methode. -- 416. Forschungsinstitute. -- 417. Tiefe und hohe Temperaturen. -- 419. Verknüpfung der Wissenschaftsgebiete. -- 421. Neue physikalische Gebiete. -- 422. Die Entdeckung der Radioaktivität. -- 423. Neue Strahlengattungen. -- 424. Elektronentheorie. -- 426. Fortschritte der Methoden. -- 427. Fortschritte der Photographie und Mikroskopie. -- 429. Fortschritte der Astronomie. -- 430. Astronomische Probleme. -- 431. Probleme der Biologie. -- 433. Schlußwort.
Namenverzeichnis für Band I-IV S. 434
Sachverzeichnis für Band I-IV S. 453
Literaturverzeichnis für Band I-IV S. 470
Verzeichnis der Abbildungen für Band IV S. 506
1. Wissenschaft und Wissenschaftsgeschichte.
Von keinem Gegenstand im gesamten Bereich unserer Erfahrung besitzen wir einen klaren Begriff, wenn wir uns nicht seine Entwicklung vergegenwärtigen können. Am längsten gilt dieser Satz für das Verständnis der Staatengebilde. Für alles, was den Menschen als Staatsbürger angeht, hat daher stets die Geschichte als die große Lehrmeisterin gegolten. Auch die heutige Naturwissenschaft steht unter dem Einfluß des Entwicklungsgedankens. Dieser Gedanke hat im Laufe des 19. Jahrhunderts alle Gebiete erobert, besonders, seitdem es gelungen ist, die allmähliche Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt begreiflich zu machen. Sonderbarerweise hat man die Wissenschaft selbst erst in der neuesten Zeit häufiger und tiefer eindringend unter dem Gesichtspunkte der Entwicklung ins Auge gefasst. Und doch gilt gerade hier der Satz, daß sich erst aus der Einsicht in das Werden ein richtiges Verständnis für das Gewordene gewinnen läßt.
Eine bedeutende Anregung empfing die Geschichte der Wissenschaften um die Mitte des vorigen Jahrhunderts durch die Bayrische Akademie. Sie ließ nämlich die Geschichte der einzelnen Wissenszweige durch hervorragende Fachleute bearbeiten. So entstanden die Geschichte der Botanik von *Sachs*, die Geschichte der Zoologie von *Carus*, die Geschichte der Astronomie von *Wolff* usw. Etwa zur selben Zeit, als die Bayrische Akademie ihr großes Unternehmen ins Werk setzte, entstand *Poggendorffs* biographisch-literarisches Handwörterbuch, das noch heute und noch wohl für lange Zeit als eins der wichtigsten Hilfsmittel der historischen Forschung zu betrachten ist. Die Geschichtsschreibung auf naturwissenschaftlichem Gebiete nahm während des 19. Jahrhunderts nicht nur an Umfang zu, sondern sie ging auch mehr in die Tiefe. Das bloße Verzeichnen der Tatsachen und das biographische Moment traten zurück gegenüber dem Bestreben, die allmähliche Entwicklung der Gedanken zu verfolgen. In dieser Hinsicht fand die Geschichte der Naturwissenschaften gute Vorbilder in der neueren Behandlung der Geschichte der Philosophie und in der Literaturgeschichte. Wie man es auf diesen Nachbargebieten gelernt hatte, vor allem in das Werden und in das Reifen der philosophischen oder der literarischen Richtungen und Einzelschöpfungen einzudringen, so erblickte man auch auf unserem Gebiete die Hauptaufgabe immer mehr in der Darstellung des Werdens, der Klärung der grundlegenden Begriffe und darin, diesen Vorgang des Werdens aus möglichst allen Umständen und treibenden Ursachen heraus zu verstehen. Als ein Beispiel für diese Art der Geschichtsschreibung kann Dührings kritische Geschichte der allgemeinen Prinzipien der Mechanik gelten. Auch die bekannten historisch-kritischen Werke von *Mach* über die Mechanik und über die Wärmelehre gehören hierher.
Was das 19. Jahrhundert auf dem Gebiete der Wissenschaftsgeschichte bot, blieb indessen, von wenigen Ausnahmen abgesehen, Spezialgeschichte. Neben besonderen Geschichtswerken über Mechanik und Wärmelehre entstanden solche über Optik, Elektrizitätslehre, Elektrochemie, Geologie, Meteorologie, Mineralogie usw. So wichtig die historische Bearbeitung begrenzter Teilgebiete ist, so wenig interessiert sie weitere Kreise. Man kann nicht einmal dem Physiker, geschweige denn dem Studierenden der Physik zumuten, sich über die Geschichte eines jeden Teilgebietes dieser Wissenschaft durch ein besonderes Werk zu unterrichten. Auch auf chemischem Gebiete ist die Anzahl der geschichtlichen Werke nicht gering. Ein Mangel, der den meisten anhaftet, besteht darin, daß sie zu wenig die Beziehungen zu den übrigen Wissensgebieten und zum allgemeinen Gange der Kulturentwickelung aufdecken. Eine Ausnahme hiervon bildet die Geschichte der induktiven Wissenschaften von *Whewell*. Das Werk gehört indessen der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts und damit eigentlich selbst schon der Geschichte an. (Eine deutsche Übersetzung erschien vor 70 Jahren.)
Eine Geschichtsschreibung, wie wir sie für die Naturwissenschaften neben Einzeldarstellungen brauchen, muß diese Wissenschaften im Rahmen der Gesamtentwickelung darstellen. Ferner ist der Werdegang der Naturwissenschaften nicht nur als ein Ergebnis der gesamten Kultur, sondern auch unter Bezugnahme auf die Entwicklung der übrigen Wissenschaften, insbesondere der Philosophie, der Mathematik, der Medizin und Technik zu verfolgen. Vor allem ist zu zeigen, wie sich diese Zweige des Denkens und der Forschung gegenseitig gefordert und bedingt haben. Eine von einer solchen Auffassung durchdrungene Darstellung der Geschichte der Naturwissenschaften wäre vielleicht imstande, *Du Bois Reymonds* Wort, daß sie die eigentliche Geschichte der Menschheit sei, zu rechtfertigen[1].