Part 44
Ist auch die Zahl der authentischen Fragmente nur klein, so sind wir über *Demokrits* Lehren doch besser unterrichtet als über die Ansichten zahlreicher anderen Philosophen. Man hat mit Recht bemerkt, daß er eifriger ausgeschrieben als abgeschrieben wurde (*F. A. Lange*, Gesch. d. Materialismus. 1873. Bd. I. S. 11). Zumal durch *Aristoteles* und durch *Lukrez* sind wir mit *Demokrits* Anschauungen ziemlich genau bekannt. Selbst in der Überlieferung erscheinen sie als »so klar und folgerichtig, daß sich das kleinste Bruchstück mit Leichtigkeit dem Ganzen einfügen läßt« (*Lange*, a. a. O.).
[190] *Lucretius Carus*, De rerum natura. S. an späterer Stelle dies. Buches.
[191] 5. Buch. 181-194.
[192] 5. Buch. 419 u. f.
[193] *Cardanus*, De subtilitate. lib. XI. (Cardani operum tom. III. Lugduni 1663. p. 549.) Auf diese Stelle machte mich *Leopold Löwenheim* aufmerksam. Siehe auch die von ihm herausgegebene Schrift: Die Wissenschaft Demokrits und ihr Einfluß auf die moderne Naturwiss. Von *Louis Löwenheim*. Berlin 1914.
[194] Über diese Zusammenhänge siehe auch die soeben erwähnte Schrift *Löwenheims*.
Über den Einfluß, den die demokritischen Anschauungen auf die weitere Entwicklung der Wissenschaften ausgeübt haben, wurden von *Louis Löwenheim* eingehende Untersuchungen angestellt. *Löwenheims* Arbeit ist bisher nur im Auszuge (s. S. 74 Anm. 2) veröffentlicht. Sie ist dem Verfasser nach dem Erscheinen seines Werkes durch den Sohn des verstorbenen Forschers im Manuskript zugestellt worden, um bei einer neuen Auflage berücksichtigt zu werden. Dies konnte an mehreren Stellen dieses Bandes geschehen.
[195] *Fr. Schultze* in der Zeitschrift Kosmos. 1877. 8. u. 9. Heft.
[196] Siehe auch *H. C. Liepmann*, Die Mechanik der Leukipp-Demokritischen Atome. Leipzig 1885.
[197] *Schaubach*, Anaxagorae fragmenta. Lipsiae 1817. *Mullachius*, Fragm. phil. graec. Parisiis. I u. II. 1860-1867. Vor allem aber *Diels'* »Vorsokratiker«.
[198] D. h. Vernunft, hier Weltvernunft.
[199] Es besaß die Größe eines Mühlsteins und wird auch von *Plutarch* und *Plinius* erwähnt.
[200] *Anaxagoras* nahm an, daß die Sonne mehrere Male so groß sei wie der Peloponnes und daß der Mond ihr an Größe etwa gleich komme. Letzterer sei wie die Erde ein Wohnsitz lebender Wesen.
[201] *Lange*, Geschichte des Materialismus. Bd. I. S. 57.
[202] Man darf den hier gerügten Mangel der Alten aber auch nicht übertreiben, wie es z. B. *Du Bois Reymond* (Kulturgeschichte und Naturwissenschaft) getan hat. Daß das Experiment auch im Altertum eine Rolle spielte, und zumal bei den Alexandrinern zu wichtigen Ergebnissen führte, darf nicht verkannt werden. Im Mittelalter waren insbesondere die Araber bemüht, die ihnen von den Griechen übermittelten Wissenschaften durch experimentelle Untersuchungen weiter auszubauen. Siehe auch *E. Wiedemann*, Über das Experiment im Altertum und Mittelalter (Unterrichtsblätter für Mathem. und Naturwissensch. 1906. Nr. 4-6).
[203] *Cantor*, Geschichte der Mathematik. 1880. Bd. I. 128 u. 158.
[204] Näheres siehe bei *Diels*, Antike Technik, S. 21.
[205] *H. Vogt*, Die Geometrie des Pythagoras. Siehe Bibl. math. (3. Folge) 9. Bd. S. 15 u. f. Danach sind neuerdings auch Zweifel erhoben, ob Pythagoras mit der Konstruktion der fünf regulären Körper schon vertraut gewesen. Auch mit dem Begriff des Irrationalen wurden die Griechen wahrscheinlich erst viel später bekannt.
[206] Die Griechen haben schon über die Entwicklung der Mathematik geschrieben. Eudemos, ein Schüler des Aristoteles, verfaßte eine Geschichte der Astronomie und der Geometrie, die bis auf wenige, auch die erwähnten Angaben über Thales enthaltende Bruchstücke verloren gegangen ist. Ferner schrieb Theophrast von Eresos eine Geschichte der Mathematik. Sie ist leider ganz verloren gegangen (*Suter*, Geschichte der mathematischen Wissenschaften. 1873. S. 21). Die Fragmente des Eudemos wurden von *L. Spengel* gesammelt und herausgegeben: Eudemi fragmenta, quae supersunt. Berlin 1866. Zu erwähnen ist auch Menon. Er war gleichfalls ein Schüler des Aristoteles und schrieb eine Geschichte der Medizin. Die erhaltenen Bruchstücke veröffentlichte *Diels* (Suppl. Arist. III, 1. Berlin 1893).
[207] *Tropfke*, Geschichte der Mathematik. II. S. 5.
[208] *Proclos*, ed. *Friedlein*. S. 379.
[209] *Tropfke*, II. 88.
[210] Nach Angaben von *Platon* (Timäos) und *Vitruv* (De architectura). Näheres siehe *Tropfke*. II. 400.
[211] H. *Vogt*, Die Entdeckungsgeschichte des Irrationalen. Biblioth. mathemat. 10. Bd. S 97.
[212] Siehe *Paulys* Reallex. d. klass. Altert. Bd. VIII.
[213] Über Hippokrates siehe *Brettschneider*, Die Geometrie und die Geometer vor Euklid. Leipzig 1870.
[214] Antiphon um 430 v. Chr. Siehe *Cantor*, Vorlesungen zur Geschichte der Mathematik. I. 172. (1880.)
[215] Die wichtigsten Mitteilungen über die verschiedenen Wege, wie die Alten das delische Problem lösten, verdanken wir dem *Eutokios*, welcher die Schriften des *Archimedes* kommentierte, *Archimedes*, ed. *Heiberg*, III., S. 104.
[216] Diese Konstruktion, welche Eutokios in seinen Erläuterungen zu *Archimedes* bringt, wird *Platon* zugeschrieben. *Archimedes*, ed. *Heiberg*, III., S. 66-70.
[217] Näheres bringt die von *Cantor* (Bd. I. S. 199) nach Eutokios gegebene Darstellung der von Menächmos gefundenen Sätze.
[218] Ging man ähnlich wie bei der Ableitung der Parabel vor, stellte aber die Bedingung, daß von den an die Gerade anzutragenden Rechtecken stets ein Stück übrig bleibt, so ergab sich als geometrischer Ort die Ellipse (ἐλλείπειν heißt übrig bleiben). Überragten dagegen die Rechtecke die Gerade, so ergab sich die Hyperbel (ὑπερβάλλειν heißt überragen).
[219] Hippias von Elis.
[220] Näheres *Cantor*, I. 167.
[221] *Tropfke*, Geschichte der Elementarmathematik. Bd. II. S. 5.
[222] Beide Sätze werden Platons Schüler Eudoxos von Knidos zugeschrieben.
[223] Diese Entdeckung wird auf *Aristaeos* (um 320 v. Chr.), der ebenfalls der platonischen Schule angehörte, zurückgeführt. Er soll auch das erste Werk über die Kegelschnitte geschrieben haben. *Cantor* I, 211.
[224] Eine ausführliche Darstellung mit zahlreichen Literaturangaben enthält *Paulys* Realenzykl. f. d. klass. Altertum in Bd. II. (1896.) S. 1828-1862. Sie rührt von *Hultsch* her.
[225] *F. Cumont*, Babylon und die griechische Astronomie. Neue Jahrbücher f. d. klass. Altertum. 1911. S. 1.
[226] *Aristophanes*, Wolken. 615-619.
[227] Es ist wahrscheinlich, daß *Meton* sich hierzu der Tabellen bediente, welche die Chaldäer Jahrhunderte vorher für die Mondbewegung und die Finsternisse entworfen hatten.
[228] Das Wichtigste über die Hilfsmittel, welche im Altertum für die Zeitmessung zur Verfügung standen, bringt die Realenzykl. d. klass. Altertumswiss. von *Pauly-Wissowa-Kroll* (8. Bd. Sp. 2416-2433) in dem Beitrag »Horologium« von *A. Rehm*.
[229] Der Name Ekliptik (ἑκλειπτικός κύκλος) ist im Altertum erst spät in Gebrauch gekommen.
[230] Um 560 v. Chr. Siehe auch *Darmstädter*, Handbuch der Geschichte der Naturwissenschaften.
[231] Derartigen Versuchen, die Abstände der Planeten in eine mathematische Regel zu fassen, begegnet man bis ins 18. Jahrhundert (Titiussche Regel; 1766).
[232] *August Boeckh*, Philolaos des Pythagoreers Lehren nebst den Bruchstücken seines Werkes. Berlin, Vossische Buchhandlung. 1819.
[233] *Schiaparelli*, Die Vorläufer des Kopernikus im Altertum. 1873. Übersetzt von *Curtze*.
[234] Dies gilt z. B. von Anaxagoras, der nach der Begründung der pythagoreischen Schule lebte.
[235] *Schiaparelli*, a. a. O. S. 7.
[236] *Platon* erklärte im »Timäos«: »Vom Ganzen, welches kugelförmig ist, zu behaupten, daß es einen Ort unten, den anderen oben habe, ziemt keinem Verständigen« (siehe »Timäos«, 62 u. 63).
[237] Er lebte etwa von 390-310 und war den Pythagoreern in mancher Hinsicht geistesverwandt. Er verfaßte zahlreiche Schriften, von denen nur die Titel und Fragmente bekannt sind. Letztere den Titeln zuzuweisen, ist schwierig und oft nicht möglich. Über *Herakleides* siehe auch *Gomperz*, Griechische Denker. I, 98.
[238] Siehe die spätere Darstellung und Abbildung des Tychonischen Systems.
[239] *Vitruv*, De architectura. Von den meisten Schriftstellern wird der Ursprung dieser Lehre den Ägyptern zugeschrieben. *Koppernikus* selbst kannte sie durch *Martianus Capella* (siehe an späterer Stelle bei *Koppernikus*).
[240] *Platons* »Timäos«. 38.
[241] Siehe S. 93.
[242] Ein ausführlicher, von *Boll* herrührender Beitrag über die Fixsterne findet sich in *Paulys* Realenzyklopädie f. d. klass. Altert. VI. Bd. S. 2407-2431.
[243] *Platons* Phaedon. cap. 58. Leipzig, Wilhelm Engelmann. 1852.
[244] *Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. I. S. 5.
[245] Ausg. v. *Sturz*, Vers 160-163. Seine Worte lauten: »Jetzt zuvörderst vernimm des Alls vierfältige Wurzeln: Feuer und Wasser und Erd' und des Äthers unendliche Höhe. Daraus ward, was da war, was da sein wird, oder was nun ist.«
[246] *Meyer*, Geschichte der Botanik. Bd. I. S. 51.
[247] *Plut.* V. cap. 26.
[248] *Aristoteles*, De gen. animalium. Bd. I. S. 23.
[249] *Aristoteles*, De part. anim. I. S. 640a.
[250] *Aristoteles*, De generatione animalium. V. 8.
[251] *Diogenes Laertius* IX. 47.
[252] *E. Dacqué*, Der Deszendenzgedanke u. seine Geschichte. München 1903.
[253] Die auf *Epikur* und *Demokrit* zurückzuführenden Verse des *Lucretius* lauten folgendermaßen:
Denn wer nur immer sich jetzo erfreut der belebenden Lüfte, Den hat entweder List oder Stärke beschützt oder Schnelle Seit seiner frühesten Jugend und so sein Geschlecht stets erhalten. Viele jedoch existieren, die unserem Schutz es verdanken, Daß sie erhalten blieben, dem sichern Verderben entrissen. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Denen jedoch von alledem nichts die Natur hat gegeben, Daß sie aus eigener Kraft vermochten ihr Leben zu fristen, Diese sind selber zur Beute geworden.
[254] *E. Meyer*, Geschichte d. Altert. Bd. IV. 1901. S. 205.
[255] Über die den *Alkmäon* betreffenden Fragmente siehe die Angaben von *Meyer* in seiner Geschichte des Altertums Bd. IV. 1901. S. 207.
[256] *Th. Beck*, Hippokrates' Erkenntnisse. Jena 1907.
[257] *Platons* Protagoras. Kap. III.
[258] *Hippokrates* aus Kos lebte um 400 v. Chr.
[259] Als Corpus Hippocraticum sind der Nachwelt etwa 100 griechische und 30 lateinische Schriften übermittelt worden. Mit völliger Sicherheit lassen sich nur wenige Bücher auf *Hippokrates* selbst zurückführen. Man hat übrigens nie alle für echt gehalten. Näheres siehe in dem sehr ausführlichen Beitrag über Hippokrates in *Paulys* Reallexik. d. klass. Altert. Bd. VIII (1913). S. 1801-1852.
[260] *Beck*, Hippokrates' Erkenntnisse. Jena 1907. Das Werk enthält außer einer Untersuchung über die Entstehung und die Bedeutung der Hippokratischen Sammlung eine Auslese der wertvollsten Stellen mit Bezugnahme auf die moderne Heilkunde.
[261] *Haeser*, Geschichte der Medizin. Bd. I (1875). S. 141.
Nach den Ansichten, die *Platon* im »Timäos« entwickelt, bewirkt das Herz die Verknüpfung der Adern. Es ist die Quelle des durch alle Glieder heftig herumgetriebenen Blutes. Zur Abkühlung des Herzens dienen die Lungen.
[262] In der lateinischen Fassung von *Schiller* seinen »Räubern« als Motto vorangestellt: Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat. Quae ferrum non sanat, ignis sanat.
[263] R. *Burckhardt*, Geschichte der Zoologie. S. 18.
[264] *Stahr*, Das Leben des Aristoteles, als I. Teil von *Stahrs* Aristotelia. Halle 1830.
[265] Sein Vater *Nikomachos* war Leibarzt des Königs Amyntas von Mazedonien.
[266] *E. Meyer*, Gesch. d. Altertums. V. Bd. 1902. S. 338.
[267] *Zeller*, Die Philosophie der Griechen. Bd. II, 2. S. 172.
[268] Ein Talent hatte in Reichsmünze den Wert von etwa 4700 Mark.
[269] *Zeller*, Die Philosophie der Griechen. Bd. II, 2. S. 33.
[270] *Heller*, Geschichte der Physik. Bd. I. S. 48.
[271] Gedruckt wurden die Schriften des *Aristoteles* zuerst im Jahre 1473 in Rom, und zwar in lateinischer Übersetzung. 1493 erschien die erste gedruckte griechische Ausgabe. Augenblicklich gilt als beste die im Auftrage der Berliner Akademie der Wissenschaften veranstaltete Ausgabe von *Bekker*. Eine griechisch-deutsche (unvollendete) Ausgabe rührt von *Prantl* her. Sie erschien in Leipzig bei Wilhelm Engelmann und wurde der hier gegebenen Darstellung der aristotelischen Lehren besonders zugrunde gelegt.
[272] Diese Schrift ist indessen als nichtaristotelisch erkannt.
[273] *Zeller*, Die Philosophie der Griechen.
[274] Ein Beispiel dafür findet sich nach Eucken in de gener. et corr. (328,_{23}). *Aristoteles* meint dort, wenn ein großes Quantum mit einem sehr kleinen vereinigt werde, so entstehe keine Mischung, sondern das kleinere schlüge in das größere um. So werde ein Tropfen Wein in zehntausend Maß Wasser geradezu zu Wasser.
[275] Eine Zusammenstellung der auf die Mathematik bezüglichen Stellen hat schon *Biancani* veröffentlicht: Aristoteles loca mathematica. 1615.
[276] *E. Haas*, Grundfragen der antiken Dynamik (Archiv f. d. Geschichte d. Naturwiss. u. d. Technik. 1908. 1. Heft).
[277] Mit *Haas* a. a. O. (Archiv f. d. Geschichte d. Naturwiss. u. Technik. 1908. S. 47.)
[278] Besonders bei *Plutarch* und bei *Lukrez*.
[279] *Haas* a. a. O. S. 44.
[280] Daher lautet der Titel des Werkes auch »Quaestiones mechanicae«.
[281] Mechanische Probleme. Ausg. von *Poselger* 1881. S. 34.
[282] *Haas*, Antike Lichttheorien (Archiv für Geschichte d. Philos. 20. Bd. 1907. 3. Heft.)
[283] *Aristoteles*, Über die Sinne. Kap. II.
[284] *Wilde*, Über die Optik der Griechen. Berlin 1832.
[285] Die aristotelische Schrift über die Farben gilt allerdings nach neueren Untersuchungen als unecht.
[286] *Haas*, a. a. O. S. 386.
*Platon* hatte die Lehre von den Sehstrahlen und den Abbildern zu einer Theorie der Zusammenstrahlung (Synergie) verschmolzen.
[287] *Wolff*, Geschichte der Astronomie, S. 42.
[288] Nach der Ausgabe von *Prantl*.
[289] Nach *Diog. Laertius* VIII, 26, der aber wenig zuverlässig ist.
[290] Nach der Übersetzung von *Prantl*, *Aristoteles'* vier Bücher über das Himmelsgebäude. Leipzig 1857. Verlag von W. Engelmann. S. 180-181.
[291] De coelo II, 4.
[292] *Schiaparelli*, Le sfere omocentriche di Eudosso, di Calippo e d'Aristotele. Mailand 1876; deutsch von *Horn*. Abhandl. z. Gesch. d. Math. 1. Heft.
[293] Siehe *Wolff*, Geschichte der Astronomie. S. 195.
[294] Siehe *Martin Behaim*, 1492.
[295] De coelo II, 7.
[296] De coelo II, 8.
[297] De coelo II, 9.
[298] De coelo II, 8.
[299] *Kaiser*, Der Sternenhimmel. Berlin 1850.
[300] Daß *Nietzsche* dieser ἀποκατάστασις genannten Lehre einen besonderen Wert beilegte, ist bekannt genug.
[301] E. v. *Lasaulx*, Die Geologie der Griechen und Römer. München 1851. S. 32.
[302] Auch im Neuen Testament findet sich ein Anklang an diese Lehre (Apostelgeschichte 3. 21).
[303] S. *Günther*, Die antike Apokatastasis. Sitzungsber. d. k. bayer. Akad. d. Wissensch. math. phys. Kl. 1916. S. 83-111.
[304] Kap. 4 u. 5.
[305] *Arist.*, Meteor. I, 14.
[306] Ähnliche Anschauungen entwickelten auch *Strabon* und *Eratosthenes*. S. a. spät. Stelle. *Strabon* knüpfte seine Theorien an seine Kenntnis der vulkanischen Erscheinungen an, während *Eratosthenes* von der Beobachtung von Versteinerungen im Innern der Kontinente ausging.
[307] Die Begründung, die *Aristoteles* hierfür gibt, sei übergangen. Er spricht von der Blütezeit und dem Alter der einzelnen Teile der Erdoberfläche.
[308] *Aristoteles* führt dann des Näheren aus, weshalb die Erinnerung an solche Vorgänge selbst im Gedächtnis der Völker, die vor dem eindringenden Meere zurückwichen oder in neuentstandene Länder einwanderten, nicht festgehalten worden ist.
[309] *Barthélemy St. Hilaire* erklärt diese Darlegungen des Aristoteles in der Vorrede zu seinem Werke »Météorologie d'Aristote«. Paris 1863, für geradezu bewunderungswürdig.
[310] *Ovid* hat diesen Gedanken in seinen »Metamorphosen« in poetischer Form zum Ausdruck gebracht (XV, 260 u. f.). Es heißt dort:
260 So auch hat gar oft sich gewendet der Gegenden Schicksal. Ich sah selber als Meer, was fester und trockener Boden Vormals war; ich sah aus Wogen gewordene Länder. Fern ab lagen vom Meer in der See einheimische Muscheln, 265 Und man entdeckte sogar auf Gebirgshöhen Anker der Vorzeit. Was erst Ebene war, das schuf der Gewässer Herabsturz Um zum Tal, und der Berg ward niedergeschwemmt in die Fläche. Vordem sumpfiges Land ist lechzend von trockenem Sande, 269 Während von stehendem Sumpf feucht ist, was früher gedürstet.
Zu 265: *Pomponius Mela* berichtet, im Innern Numidiens seien »Reste von Schnecken, von den Fluten abgeschliffenes und von Strandsteinen nicht unterscheidbares Gestein, in Felsen haftende Anker(?), sowie andere Zeichen dafür gefunden worden, daß einst das Meer bis in diese Gegend gereicht habe«.
[311] Diodori bibliotheca historica I, 39. Dieser Darstellung der geologischen Ansichten *Demokrits* ist die oben erwähnte Schrift *Löwenheims* (siehe S. 75) zugrunde gelegt.
[312] *Aristoteles* bemerkt an dieser Stelle, daß er es lächerlich finde, wenn einige annehmen, die Sonne werde durch die feuchten Dünste ernährt und mache deswegen ihren Umlauf, da ihr nicht immer dieselben Orte die Nahrung liefern könnten.
[313] So sagt *Plutarch*: »Die Insel Pharos, die einst eine Tagfahrt von Ägypten entfernt war, ist jetzt ein Teil des Landes. Sie bewegte sich aber nicht an das Land heran, sondern das dazwischen liegende Meer wich vor dem, festes Land bildenden Flusse zurück.« Weiter bemerkt *Plutarch*: »Ägypten war nämlich ein Meer. Daher findet man noch jetzt viele Muscheln in den Schächten und auf den Bergen. Alle Quellen und Brunnen haben salziges und bitteres Wasser als Rest des ehemaligen Meeres« (*Plutarch*, »Über Isis und Osiris«, herausgegeben von Parthey, Berlin 1850. S. 70 u. 71).
[314] Auch *Platon* entwickelte schon die Lehre von den vier Elementen, sowie Ansichten über die Stoffe, aus denen sich die Mineralien, die Pflanzen und die Tiere zusammensetzen. Alchemistische Vorstellungen begegnen uns bei *Platon* und bei *Aristoteles* noch nicht, dennoch sind ihre Lehren von der Natur der Stoffe von großem Einfluß auf die Entstehung der Alchemie gewesen. Näheres hierüber enthält die Abhandlung O. E. v. *Lippmanns*, Chemisches und Physikalisches aus *Platon* (Journal für praktische Chemie, Bd. 76. S. 513 u. f.). Siehe auch v. *Lippmanns* Abhandlungen und Vorträge zur Gesch. d. Naturwiss. Bd. II, Leipzig 1913.
[315] Von den chemischen Kenntnissen des *Aristoteles* und seinen Vorstellungen handelt E. v. *Lippmann* im Archiv für die Gesch. der Naturwiss. u. d. Technik. 1910. Bd. 2. S. 235-300.
[316] Nach der »Physik«, nach »Entstehen und Vergehen« und der Schrift »Über das Himmelsgebäude«. Die betreffenden Stellen hat O. E. v. *Lippmann* im zweiten Bande des Archivs für die Gesch. d. Naturwissensch. u. d. Technik zusammengestellt. Dort findet man auf S. 235-300 eine große Zahl weiterer, die Hauptgedanken des *Aristoteles* wiedergebender Zitate.
[317] Mechanische Probleme. S. 9 u. 32. Die in dieser Schrift entwickelten allgemeinen Ansichten entsprechen denjenigen der älteren peripatetischen Schule. Trotzdem wird die Schrift nicht für echt aristotelisch gehalten, weil die Probleme und Lösungen im einzelnen auf praktische Anwendungen hinzielen. Dies gilt nämlich als unaristotelisch und entspricht mehr der Richtung *Stratons*, der nach dem Tode des *Theophrast* die Leitung der peripatetischen Schule übernommen hatte. Über grundlegende kritische und erklärende Ausgaben siehe *Paulys* Reallex. der klass. Altertumswiss. II. Bd. (1896) S. 1012-1055 (Aristoteles).
[318] »Physik« VIII, 1 und »Metaphysik« XII, 6.
Man darf solche Vorahnungen nicht zu hoch einschätzen, vor allem aber sie nicht den neuzeitlichen Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung als gleichwertig zur Seite stellen. Andererseits läßt sich auch nicht in Abrede stellen, daß sie häufig durch die Jahrhunderte hindurch anregend und befruchtend gewirkt haben. Man vergleiche z. B. hierzu die Beziehungen des *Koppernikus* zu den alten Schriftstellern.
[319] *Aristoteles*, Politik. I, 8.
[320] *Aristoteles*, Zwei Bücher über Entstehen und Vergehen. Übersetzung von *Prantl.* Leipzig, W. Engelmann. 1857. S. 451.
[321] A. a. O. S. 437.
[322] *Aristoteles'* Tierkunde, kritisch berichtigter Text mit deutscher Übersetzung, sachlicher und sprachlicher Erklärung und vollständigem Index von H. *Aubert* und Fr. *Wimmer*. 2 Bände. Mit 7 lithograph. Tafeln. Gr. 8. Leipzig, Verlag von Wilh. Engelmann. 1868.
[323] *Aristoteles*, Teile der Tiere. III, 4.
[324] Als Probe für die Art, wie *Aristoteles* die anatomischen Verhältnisse betrachtet, möge folgende Stelle aus seiner Schrift über die Teile der Tiere dienen (*Aristoteles*, Vier Bücher über die Teile der Tiere. Griechisch und Deutsch; herausgegeben von *Franzius*. Leipzig, W. Engelmann. 1853):
»Da das Blut eine Flüssigkeit ist, so muß notwendig ein Gefäß da sein, für welchen Zweck die Natur die Adern bildete. Für diese muß notwendig ein einziger Anfang sein. Denn, wenn es sein kann, ist einer besser als viele. Das Herz aber ist der Anfang der Adern, denn sie entspringen offenbar aus diesem, nicht aber gehen sie durch das Herz hindurch, und dessen Beschaffenheit als eines verwandten Teiles ist aderartig.«
[325] *Aristoteles*, 5 Bücher von der Zeugung und Entwicklung der Tiere, übersetzt und erklärt von H. *Aubert* und Fr. *Wimmer*. Leipzig, Verlag von W. Engelmann. 1860.
[326] Nach einem von O. *Lenz* in seiner Zoologie der Griechen und Römer mitgeteilten Auszug. S. dort S. 519.
[327] *Lenz*, a. a. O. S. 137.
[328] Zwischen der von *Aristoteles* erwähnten harten und weichen Haut (dura und pia mater) befindet sich noch die sehr zarte Spinnwebenhaut (Arachnoïdea).
[329] S. *Günther*, Geschichte der antiken Naturwissenschaft. Handbuch der klass. Altertumswissensch. Bd. V. 1. Abt. S. 100. Selbst den Elefanten, der bald darauf zu Kriegszwecken in die Mittelmeerländer eingeführt wurde, kannte *Aristoteles* nur vom Hörensagen (*Beloch*, Griech. Geschichte).
[330] Er unterscheidet Knorpelfische (Haie) und Grätenfische.
[331] Vgl. J. *Müller*, Über den glatten Hai des Aristoteles. Abhandl. der Berliner Akademie. 1840.
[332] *Claus*, Lehrbuch der Zoologie. 1883. S. 677.
[333] Der Name Insekten, welcher heute die sechsfüßigen Arthropoden bezeichnet, wurde von *Aristoteles* in viel weiterem Sinne gebraucht; er rechnete auch die Spinnentiere, sowie die Tausendfüßler und Eingeweidewürmer, kurz alle Geschöpfe mit Einschnitten rings um den Körper, zu den Insekten.
[334] Im dritten Buch der Schrift »Über die Teile der Tiere«.
[335] H. *Stadler* zieht einen Vergleich mit dieser Betrachtungsweise des Aristoteles und derjenigen moderner Biologen (Biologie und Teleologie, in den neuen Jahrbüchern für das klass. Altert. 1910. S. 147). Als Beispiel führt er folgende Stelle aus dem Lehrbuch der Zoologie von *Schmeil* an: »Schließt die Katze das Maul, so greifen die Zähne des Oberkiefers dicht an denen des Unterkiefers entlang. Da die Zähne aneinander vorbeigleiten, reiben sich ihre Kronen nicht ab, sie bleiben also stets scharf und schneidend, wie dies für ein Raubtier notwendig ist. Wenn die Katze gähnt, sieht man, daß ihr Maul weit gespalten ist. Sie vermag daher ihre Zähne tief in das Opfer einzuschlagen.« Ähnlich drückt sich auch *Goethe* in seiner Metamorphose der Tiere aus (siehe *Dannemann*, Aus der Werkstatt großer Forscher, 3. Aufl. W. Engelmann 1908. S. 4).
[336] Tierkunde I, 69.
[337] De anima. I, 4 u. 5.
[338] Eine Sammlung dieser Fragmente aristotelischer Pflanzenkunde gab *Wimmer* heraus. Fr. *Wimmer*, phytologiae Aristotelicae fragmenta. Breslau 1838. Eine Übersetzung dieser Fragmente findet sich in E. *Meyer*, Geschichte der Botanik, Bd. I. S. 94 u. f.
[339] Histor. animal VIII. cap. 1.
[340] De anima. cap. 6.
[341] De part. animal. 4, 5.