Die Mumie von Rotterdam. Erster Theil

Part 15

Chapter 152,047 wordsPublic domain

Seine Blicke flogen wild über die Wasserfläche. Nirgends war die Jölle zu sehen. Einen Augenblick lang trieb der Wind die Rauchwolke zur Seite, welche die Schebecke umgab. Die Aussicht hinter ihr wurde frei, auch dort keine Spur des Nachens, der das Verderben zu dem feindlichen Fahrzeuge getragen hatte! Todtenbleich stand =Clelia=, mit schlaff herabhängenden Armen, die großen trockenen Augen starr auf das brennende Schiff geheftet. Ihre Hände und Arme zitterten, sonst schien die ganze Gestalt starr, regungslos erhalten durch die allgewaltige Spannung, die sich ihres Innern bemächtigt hatte.

»Wir müssen es wagen, wir müssen ihn retten!« schrie =Jansen= mit einer Stimme, die Alle ergriff. »Die Ruder bewegt! Noch einmal an die Schebecke!«

Da flammte von der Oberfläche des Wassers ein ungeheurer Blitz empor zum heiter gewordenen Himmel. Eine schwarze, breite Rauchwolke stieg rasch auf von der Stelle, wo man so eben die Schebecke gesehen hatte. Dann folgte ein entsetzliches Krachen, der Himmel verdunkelte sich, die Wellen geriethen in Gährung, Todtenstille herrschte auf der Syrene. Als die finstere Rauchwolke sich vertheilt hatte, waren nur noch einzelne Trümmer des spanischen Schiffes zu erblicken, mit denen die Wellen spielten. Das Jammergeschrei derer, die noch vor einer Stunde lebensfroh und kräftig auf ihr gewaltet, war im Todeskampfe verstummt, des Schiffes stolzer Bau vernichtet.

In tiefer Ohnmacht lag =Clelia= neben dem erstarrten =Jansen=. Ruhig und majestätisch zog der Kutter über den bewegten Wellenspiegel heran.

In demselben Verlage sind folgende empfehlenswerthe Bücher erschienen:

=Döring=, Georg, =Sonnenberg=. Eine Novelle in drei Theilen. 12. Geheftet Rthlr. 4. 20 ggr. oder fl. 8. 24 kr.

Wir dürfen dieses neue Produkt des beliebten Verfassers, mit um so größerem Rechte der Theilnahme des Publikums empfehlen, da hier das Interesse der Dichtung selbst und zugleich die Wahl des historischen Hintergrundes, auf welchem jene erscheint, von hoher Bedeutung für den =deutschen= Leser sind. Wenn =Walter Scott= mit vorziehender Liebe die frühere Geschichte seiner Heimath benutzte, um sie mit seinen Dichtungen zu verschmelzen und in diesen zu verlebendigen, so ist dasselbe in Hinsicht auf die Geschichte unseres Vaterlandes gewiß mit nicht weniger Liebe von unserm Verfasser in der gegenwärtigen Novelle geschehen. Uns scheint das Zeitalter, der Kampf und Untergang Adolphs von Nassau mit lebendiger Erkenntniß aufgefaßt und dargestellt, die handelnden Personen scharf und anziehend gezeichnet, die Hauptgeschichte -- der rein romantische Theil des Werkes -- von außerordentlichem, fortwährend spannendem Interesse, und die Darstellung des Ganzen so blühend und ansprechend, wie sie die Lesewelt von dem Verfasser zu erwarten berechtigt ist. Wir erwähnen nur noch, daß dieses -- nach den seit Walter Scott angenommenen Bestimmungen -- die erste historische Novelle seyn dürfte, die, indem die reizendsten Gegenden unseres Vaterlandes ihr zur Scene dienen, einen allgemein wichtigen Zeitabschnitt umfaßt, da =Hauffs Lichtenstein= sein Interesse nur aus der würtembergischen Geschichte schöpft und =Spindlers Jude= überhaupt mehr in den Sittenzustand, als in die Geschichte Deutschlands selbst eingreift.

=Döring=, Georg, =Phantasiegemälde= für 1829. 8. Gebunden, mit einem Kupfer von =Fleischmann=. Rthlr. 1. 12 ggr. oder fl. 2. 45 kr.

Dieses Werk erfreut sich schon seit einer Reihe von Jahren einer so ausgezeichneten Gunst des Publikums, daß es überflüssig scheinen dürfte, diesen neuesten Jahrgang noch besonders zu empfehlen. Dennoch halten wir es für unsere Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, daß die reiche Phantasie des Verfassers sich hier in einer Fülle entfaltet, wie noch in keinem der früheren Jahrgänge, indem sie, bald das Meer, bald England und Frankreich, bald selbst das üppig herrliche Ostindien zum Schauplatze ihrer höchstanziehenden Darstellungen macht.

=König=, H., die =Wallfahrt=. Eine Novelle. 12. Geh. Rthlr. 1. 8 ggr. oder fl. 2. 24 kr.

Aus der Niederung eines geheimen Vergehens führt uns die anmuthige Erzählung zur Höhe eines Hülfsberges und zum Ueberblick alles Wallfahrenden auf Erden. -- Einheit der Idee in ihrer verschiedenen Lichtbrechung, heitre Darstellung bei tiefer Bedeutsamkeit und die dem Verf. eigne Ironie zeichnen dieses Büchlein aus, das der Leser nicht ohne Erquickung durch guten Humor und erfreuliche Ansichten des Lebens weglegen wird. Der verkappte Jesuit knüpft die Fabel an die jüngste Zeit an.

Liste der vorgenommenen Korrekturen

Seite 15, "pflegmatischer" durch "phlegmatischer" ersetzt (... so konnte wohl sein von Natur phlegmatischer holländischer Freund in Feuer gerathen ...)

Seite 16, "Spekulationen" durch "Speculationen" ersetzt (Er hatte das ansehnliche Vermögen, das er von seinem Vater ererbt, durch kluge, wenn gleich geheimnißvolle Speculationen, so bedeutend vermehrt, ...)

Seite 24, "Großvaterseßel" durch "Großvatersessel" ersetzt (... und denke ich einmal zu ruhen im gemächlichen Großvatersessel, so treibt mich's in die Höhe, ...)

Seite 30, "sey" durch "seyd" ersetzt (Ihr seyd ein Unverschämter oder ein Wahnsinniger!)

Seite 32, "tausen" durch "tausend" ersetzt (Und wenn das ein junger Fant mit tausend Schwüren seiner Liebsten versichert, ...)

Seite 33, "lugduner" durch "Lugduner" ersetzt (... als Professor _historiae naturalis_ und Custos _theatri anatomici_ der erlauchten Lugduner Academie ernannt und bestallt worden.)

Seite 33, "kannn" durch "kann" ersetzt (Von einem Manne, dem irgend ein anderer nur unter einem wissenschaftlichen Rapporte wichtig seyn kann?)

Seite 35, "meinen" durch "meinem" ersetzt (..., um mich nach meinem, will's Gott! noch weit entfernten Hintritte, ...)

Seite 36, Doppelpunkt vor der wörtlichen Rede ergänzt (... er lächelte freundlich und sagte im gefälligsten Tone:)

Seite 37, "hieb,-" durch "hieb-," ersetzt (... das Lebenselixir, das gegen den Tod stich-, hieb-, schuß- und krankheitsfest macht?)

Seite 40, "hoffunngsvoller" durch "hoffnungsvoller" ersetzt (Mein Herz flammte empor in neuer hoffnungsvoller Liebesgluth!)

Seite 46, "eiuer" durch "einer" ersetzt (So langten sie erst nach einer halben Stunde vor seiner Wohnung an, ...)

Seite 47, "Lichter" durch "Lichtern" ersetzt (..., sie umstellte das Götzenbild, das ihr so grauenhaft noch nie vorgekommen war, mit vielen brennenden Lichtern, ...)

Seite 53, "ausser" durch "außer" ersetzt (Der seltsame Kauz war ganz außer sich.)

Seite 56, "Fodert" durch "Fordert" ersetzt (Fordert Alles von mir, vieltheuere =Clelia=, nur das nicht!)

Seite 61, "unwarteten" durch "unerwarteten" ersetzt (..., welche Kriegslist der theuere =Cornelius= angewandt habe, sich dem unerwarteten Rencontre mit dem Gegner zu entziehn.)

Seite 66, "myn Heer" durch "Myn Heer" ersetzt (Wißt Ihr was, Myn Heer =van Daalen=?)

Seite 72, "nnd" durch "und" ersetzt ( sagte jetzt mit finsterem Angesichte und in einem sehr gedehnten Tone Herr =van Vlieten=.)

Seite 73, "ingrimmeg" durch "ingrimmig" ersetzt (»=Hoontschoten=, Er ist ein Esel!« sagte er ingrimmig.)

Seite 74, "weitläuftig" durch "weitläufig" ersetzt (... ein Professor aus Leyden, dem ich Euere und Herrn =van Vlietens= Personen weitläuftig beschreiben mußte, hierher verwieß.)

Seite 75, "myn Heer" durch "Myn Heer" ersetzt (Lebt wohl, Myn Heer =van Daalen=!)

Seite 76, "verläugnen" durch "verleugnen" ersetzt (...; Ihr könntet um des lumpigen Geldes Willen die edlern Gefühle des Herzens verleugnen?)

Seite 83, "Prinzenkollegium" durch "Prinzencollegium" ersetzt (..., heute hatte Herr =van Vlieten=, zum erstenmale seit der Tochter Gedenken, das Prinzencollegium versäumt, ...)

Seite 95, "erreten" durch "erretten" ersetzt (..., als daß die Reise zu der Muhme sie von dem schrecklichen, gefürchteten Abfalle von der rechten Lehre erretten, ...)

Seite 97, "fester" durch "festen" ersetzt (... aber sie lebte nun in der festen Ueberzeugung, ...)

Seite 101, "uud" durch "und" ersetzt (... wie es sich geziemt für einen rechtgläubigen Patron und Handelsmann?)

Seite 105, "Ihrem" durch "ihrem" ersetzt (Gott hat Euch wunderbar zu ihrem Schutzengel erwählt.)

Seite 106, "Relegion" durch "Religion" ersetzt (Aber wenn auch meine Religion mich forttreibt aus der Heimathsstätte ...)

Seite 110, "Kapitäns" durch "Capitäns" ersetzt (In der Frau des Capitäns, meines wackern Freundes =Jansen= von Harlem, werdet Ihr ein gutmüthiges, heiteres Wesen kennen lernen, ...)

Seite 114, "Marktbööte" durch "Marktboote" ersetzt (Näher am Haven befanden sich die Marktboote der aus der Ferne zurückkehrenden Schiffe, ...)

Seite 119, "Morgenstuuden" durch "Morgenstunden" ersetzt (Wie hat man die Morgenstunden zugebracht?)

Seite 121, "Sr. Majestät" ersetzt durch "Se. Majestät" (Se. Majestät, der allerchristlichste König, wird dieses Krämervolk nach seiner Pfeife tanzen lehren, wie es ihm gefällt!)

Seite 123, "Eobanaus" durch "Eobanus" ersetzt (»Wie?« rief =Eobanus= in neu erwachender Begeisterung.)

Seite 126, "mir" durch "wir" ersetzt (Dann begaben wir uns zu diesem.)

Seite 133, "Burgermeister" durch "Bürgermeister" ersetzt (»Wie, hochmögender Herr Bürgermeister,« hob er, von einer Täuschung befangen, an, ...)

Seite 135, "noch" durch "nach" ersetzt (Da hätte ich nach eigenem Urtheilsspruche ...)

Seite 139, "schmälichen" durch "schmählichen" ersetzt (... und ich müsse nun des Schimpfs halber meine Einwilligung geben zum schmählichen Ehebündniß!)

Seite 139, "Handlager" durch "Handlanger" ersetzt (..., den Handlanger des verruchten Sohnes, wird das Gericht ereilen.)

Seite 145, "ich," hinter "bitte" eingefügt (Solltet Ihr aber dennoch wider Verhoffen in eine schwere Krankheit verfallen, so bitte ich, mich sogleich davon zu benachrichtigen.)

Seite 153, "das" durch "daß" ersetzt (... schon abnehmen muß, daß Alles rein und gut steht auf der =Syrene=, ...)

Seite 160, "Backbort" durch "Backbord" ersetzt (Dort blick hin aufs Backbord! Da steht eine in einer Takellage, die für dich paßt.)

Seite 167, "gauben" durch "glauben" ersetzt (Ihr müßt nur nicht glauben, daß Ihr mir da etwas Neues sagt)

Seite 170, Komma eingefügt (von dem beispiellosen Glücke, das er =Clelien= als zärtlicher Gatte zu bereiten gedenke ...)

Seite 173, "ihr" durch "Ihr" ersetzt (Wenn Ihr mich verlaßt, so bin ich ja von Allem verlassen, ...)

Seite 175, "=Philippinje's=" durch "=Philippintje's"= ersetzt (... eine Gelegenheit, deren Frauenzimmer in =Philippintje's= Jahren sich so gern bemächtigen, ...)

Seite 177, "Angeleheit" durch "Angelegenheit" ersetzt (Von diesem Augenblicke sah die Hausjungfer des jungen Mannes Angelegenheit für ihre eigene an.)

Seite 180, "weißt" durch "weist" ersetzt (»Mein Degen soll an den Galgen gehängt werden, wenn er ihnen nicht die Wege weist auf gut oranisch!«)

Seite 182, Fehlendes einleitendes Anführungszeichen ergänzt (... erwiederte gedehnt der Junker =van Daalen=, »und es würde =mir= allerdings eine große Freude seyn, ...)

Seite 182, "Malborough" durch "Marlborough" ersetzt (»Hölle und =Marlborough!=« fuhr =Cornelius= wild auf ...)

Seite 185, "Kämpfen" durch "Kämpfe" ersetzt (Seine ganze Phantasie erfüllte sich jetzt mit Bildern des Kriegs und blutiger Kämpfe.)

Seite 189, Komma hinter "Unglück" entfernt (Diese räthselhaften, auf irgend ein dem Junker =van Daalen= bevorstehendes Unglück deutenden Worte verfehlten ihre Wirkung nicht.)

Seiten 189 bis 191, die im Originaltext zur Markierung geschachtelter wörtlicher Rede verwendeten »»verdoppelten Anführungszeichen«« wurden durch >halbe Guillemets< ersetzt.

Seite 198, "ausserdem" durch "außerdem" ersetzt (..., denn das Gerede, was außerdem entstünde, brächte mich doch ums Leben in den ersten vierundzwanzig Stunden.)

Seite 203, "Umfrieden" durch "Unfrieden" sowie "warlich" durch "wahrlich" ersetzt (Wenn nun jetzt die Wellen, die gierig nach uns heraufschnappen, plötzlich das Schiff hinunterschlucken mit Mann und Maus und du im Unfrieden stürbest, mit einem unversöhnlichen Gemüthe gegen den Junker, der es doch wahrlich nicht böse gemeint?)

Seite 205, "ausser" durch "außer" ersetzt (=Cornelius= war außer sich vor Freude.)

Seite 205, "Einwillung" durch "Einwilligung" ersetzt (... auf welche Weise sie, nachdem sie bei der Muhme glücklich angekommen wären, sich um die Einwilligung des Vaters bemühen müßten, ...)

Seite 220, "kielhohlen" durch "kielholen" ersetzt (..., und sie machten auf's Neue Anstalt, den alten Mann zu entern und zu kielholen.)

Seite 226, "sey" durch "seyd" ersetzt (»Ihr seyd gut bewandert in den Kriegshändeln,« erwiederte lächelnd der junge =van Daalen=:)

Seite 228, "Brandtwein" durch "Brandwein" ersetzt (..., die auf langen Wandbänken an einem schmalen Tische saßen, große Gläser mit Brandwein vor sich stehn hatten ...)

Seite 246, "gedehnt.« Nun" geändert in "gedehnt. »Nun" (»Ey, Ihr wollt allein schlafen?« sagte er gedehnt. »Nun dann müßt Ihr auch vorlieb nehmen mit dem, was Ihr bekommt, ...)

Seite 252, "gewatlthätigen" ersetzt durch "gewaltthätigen" (... daß Ihr ein rechtes Kunststück begangen habt mit Euerer gewaltthätigen Werbung; ...)

Seite 267, "Judenkracht" ersetzt durch "Jüdenkracht" (Da fiel mir der Jude =Abraham Eleazar=, auf der Jüdenkracht zunächst der Synagoge, ein.)

Seite 267, "viertel Stunde" durch "Viertelstunde" ersetzt (Kann ich nur glücklich aus dem Sünderhause entwischen, so bin ich in einer Viertelstunde bei ihm und ich lasse ihm keine Ruhe, bis er mitkommt zur Hülfe.)

Seite 269, "gleicheu" durch "gleichen" ersetzt (..., und nur meine innere Wuth konnte ihr gleichen.)

Seite 274, Semikolon hinter "Worten" durch Komma ersetzt (Ich berichtete ihm in wenigen Worten, woher der Wind in den letzten Stunden geblasen habe ...)

Seite 275, "geschaft" durch "geschafft" ersetzt (Jene wurden sogleich weiter, mitten durch die tobende Volksmenge, die nur mit großer Mühe von Mißhandlungen zurückgehalten werden konnte, ins Gefängniß geschafft.)

Seite 279, "begreiftich" durch "begreiflich" ersetzt (Es dauerte lange, ehe sie dem Juden die ganze Geschichte begreiflich machen konnte.)

Seite 285, "uud" durch "und" ersetzt (... noch vor einer Stunde dachte ich es mir als das Herrlichste und Größte, für Euch zu kämpfen, ...)

Seite 295, "mir" durch "wir" ersetzt (Aber er kommt näher, er will sich die heißen Brocken mit den Fingern aus der Suppe holen, die wir ihm kochen.)

Seite 301, "wie" durch "wir" ersetzt (»Der Himmel will nicht haben, daß wir den =Don= nehmen oder =er= uns.«)

Seite 301, Fehlendes öffnendes Anführungszeichen vor "Das" ergänzt (»Nein, nein!« antwortete der Capitän. »Das ist nur vorübergehend. Hier halten sich die Wetter nicht. Sie eilen der offenen See zu.«)