Die moderne Wohnung und ihre Ausstattung
Part 3
Auch der Teppich ist auf diese anheimelnde einfach vornehme Gesamtwirkung gestimmt. Es ist aber durchaus nicht »stilwidrig«, in einem solchen Raum einen echten Perserteppich aufzubreiten. Überhaupt was ist Stil? Wenn irgend ein antikisierender in Holz geschnitzter Fries, bald auf Schränken und Betten aufgetragen und auseinandergezerrt und dann wieder auf Nachtkästchen schmal zusammengedrängt wird, so nennt man das im Möbelhändlerverstande »stilgerecht«. Wenn aber jemand in seiner Wohnung heterogene Dinge zusammenträgt, die ihrer Entstehung nach, räumlich und zeitlich, sehr getrennt sein mögen, aber durchaus echt sind, so ergibt sich vermöge dieser Echtheit eine gewisse Einheit und diese Einheit kann man füglich Stil, vielleicht den einzig wahren und naturgemäßen Stil nennen. Darum beleidigt es unser Empfinden nicht, wenn wir in der neuen Wohnungs-Ausstattung einen echten Perser und an den Wänden gar echte Gobelins vorfinden. Die orientalischen Teppiche haben schöne geometrische Muster und die liegen uns ästhetisch wahrhaft näher, als alle plumpen Pflanzenstilisierungen, die man in der wohlfeilen Teppichfabrikation antrifft. Überdies hat die Moderne auch passende Teppiche geschaffen, die in ruhigen Farben gehalten sind, eine strenge geometrische Zeichnung oder irgend eine phantasievolle Linienführung aufweisen und die Stimmung solcher Räume harmonisch abschließen, Teppiche von Kolo Moser, Josef Hoffmann, Josef Olbrich, Leopold Bauer, Peter Behrens, Max Benirschke u. v. a.
Die weiblichen Handarbeiten, die in diesem Zusammenhange erwähnt werden müssen, bedürfen gleichfalls einer künstlerischen Reform. Hier sollte eigentlich der Ausgangspunkt der häuslichen Kunstpflege sein. Leider hat auf diesem Gebiete die Schablone jede Regung von Selbständigkeit und Geschmack erstickt. Die Arbeit ist zu einer ermüdenden, tötlich langweiligen Übung, zum bloßen mechanischen Ausnähen von allerlei Lappen herabgesunken und rechtfertigt die Verachtung, mit der die radikal Gesinnten die geistlose Beschäftigung ablehnen. Trotzdem sind sie nicht zu entbehren. Sie werden wieder ein Segen sein, wenn die rein mechanische Handarbeit zur künstlerischen Arbeit geadelt ist, was der Fall sein wird, wenn die »handarbeitenden« Frauen die Muster, die sie ausführen, selbst entwerfen auf Grund klarer Kenntnis der Technik, des Materials und des Zweckes.
Lichtkörper und Heizkörper.
Die moderne Lichtquelle, Elektrizität, hat zu Beleuchtungskörpern geführt, deren Form keinem Vorbild entlehnt werden konnte, sondern aus der Natur der Sache geschöpft werden mußte. Hier kann man die lehrreiche Wahrnehmung machen, daß solchen rein sachlichen Lösungen ein großer dekorativer Reiz innewohnt. Glühlampen an Leitungsdrähten in wohlgemessenen Abständen von der Decke herabhängend, können durch ihre Anordnung allein höchst erfreulich wirken. Hier bedarf es keines weiteren Ornaments. Würde ein solches hinzutreten, so dürfte es leicht störend empfunden werden. Die Tatsache, daß aus rein sachlichen Lösungen die glücklichsten dekorativen Wirkungen abzuleiten sind, ließe sich an allen bisher üblichen Beleuchtungskörpern demonstrieren, an denen wir leider gewohnt sind, ein Übermaß der unsinnigsten Ornamente zu sehen. Eine sachlich gelöste Petroleumlampe, die durch zweckmäßige Form allein edel wirkt, gehört, wenn sie wirklich vorkommt, zu den größten Seltenheiten. Für den Künstler ist hier noch immer ein Feld offen. Für Gasbeleuchtung sind moderne Beleuchtungskörper geschaffen worden, aus Metall und Opalscentglas, die formal zu den Schönsten gehören, das wir in diesem Genre besitzen. Dagegen kommt es vor, daß den Kerzenweibchen oder ehemaligen Kerzenlustern elektrische Glühlampen aufgesetzt werden, die auf imitierten Kerzenschäften stehen und solcherart den Anschein einer wirklichen Kerzenbeleuchtung erwecken. Es können immer Fälle vorkommen, bei Festessen z. B., wo man sich lieber der edelsten Lichtquelle, der Kerze selbst bedient, die wie kein anderes Beleuchtungsmaterial geeignet ist, Festweihe und feierlichen Glanz zu verbreiten. Dann aber sollen es wirkliche Kerzen sein. Aufrichtigkeit und ehrliches Bekennen, also hier Materialbekennen, sind Grundlage jedes gesunden Geschmacks. An elektrischen Tischglocken, Tastern, Lichtträgern und Leuchtern hat die neue Zeit viel geschaffen. Aber auch hier ist vor einer gewissen Überkunst zu warnen. Rein sachliche und geschmackvolle Lösungen sind selten. Es muß dahin gestellt bleiben, ob es ein glücklicher Gedanke ist, mit dem Zweckbegriff eine figurale Darstellung zu verbinden, die mit der Sache eigentlich nichts zu tun hat. Wir sehen Leuchter in Gestalt von Lichtträgerinnen, weibliche Gestalten, die Kerzen tragen, bald schwer belastet, bald mit geschlossenen Augen hinschreitend, als Symbol der Nacht, dann emporschwebend wie die züngelnde Flamme oder hingekauert, den Kerzenschaft wie eine Säule umklammernd. Der Plastiker lebt sich nur aus, wenn er an den Gebrauchsgegenständen, die er formt, seine figuralen Ideen verkörpern kann. Unzählige Symbole leitet seine Phantasie aus dem Lichtmotiv ab und umrankt es mit dem üppigen Gespinnst seiner Formerfindung. Diesen Dingen gegenüber, die ja zum Teil auch wirkliche Schönheit offenbaren, ist der Standpunkt fernzuhalten, daß ein sehr gebildeter und disziplinirter Geschmack die streng sachlichen Formen an allen Gebrauchsdingen vorzieht, damit die eigentlichen Kunstwerke, die sich im Raum befinden, zu jener unbestrittenen Geltung kommen können, die ihnen zukommt.
In Bezug auf die Heizkörper ist ähnliches zu sagen. Frühere Zeitalter, die u. zw. Renaissance vor allem, hat Öfen gehabt, an denen die Freude am Ornament wahre Orgien feierte. Jeder Kachel trug ein anderes Ornament, eine andere figurale Darstellung, eine andere Farbengebung. Das ganze war ein Wunderbau wie der babylonische Turm. Im Zeitalter des Barock, Rokoko und Empire begegnet man weiß glasirten Öfen in geschwungenen Linien, oder Obeliskenformen, die ein Postament für plastische Gruppen vorstellten. Später kam die Hafnerkunst gänzlich auf den Hund. Heute kann man dem Ofen und der Holz- und Kohlenheizung nicht mehr das Wort reden. Eine neue Beheizungsart stellt sich vor: die Zentralheizung durch erwärmtes Wasser oder Luft und die Gasheizung. Gaskamine wendet man in Wohnungen sehr vorteilhaft an; man kann sich des von der gerippten, blinkenden Metallfläche wiederstrahlten Feuerscheins erfreuen, ein Hochgenuß für romantische Gemüter, die nach der anheimelnden Poesie der »Fireside« der offenen Kamine, eine unbezähmbare Sehnsucht empfinden. Sie können am Gaskamin ihrer Sehnsucht fröhnen, ohne die Schattenseiten der begehrten Dinge zu empfinden. Denn diese Einrichtungen sind technisch vorzüglich. Aber sie sind vom ästhetischen Standpunkt aus unerträglich. Sie sind gewöhnlich mit den heillosesten Stilschnörkeln verbrämt. Da hilft nur Eines: Man gibt ihm eine hölzerne Umhüllung, weiß oder sonstwie lackiert, mit einem Gesimse für kleine Kunstwerke versehen und mit Sitzgelegenheiten rechts und links. Wir haben damit in unserer Stadtwohnung die gemütlichste und traulichste Einrichtung gewonnen, wie man sie sonst nur in einem englischen Hause zu finden gewohnt ist.
Vorzimmer und Dienerzimmer.
Der erste Schritt, den wir in eine Wohnung tun, belehrt uns gewöhnlich, wessen Geistes dieses Heim ist. Der Vorraum, den wir zuerst betreten, ist schon für alle anderen Räume bezeichnend. Die Persönlichkeit färbt überall ab. Ein Haus, dessen Neben- und Nutzräume nicht in Ordnung sind, wird auch nicht ein einziges Gemach besitzen, das volles Behagen gewährt. Umgekehrt wird sich ein ordnender und liebenswürdiger Hausgeist auch bis auf die äußerste Schwelle bemerkbar machen. Praktisch betrachtet, hat ein Vorzimmer zwei Aufgaben zu erfüllen. Es dient als Warteraum für den Besuch, der sich melden läßt, um nicht unvermittelt in die Gemächer zu treten. Der angemeldete Besuch benützt den Augenblick, Hut und Überkleider abzulegen und mit einem prüfenden Blick in den Spiegel sich über die Ordnungsmäßigkeit seiner Toilette zu versichern. Demnach ergeben sich als unerläßliche Möbelstücke: eine Kleiderablage für Röcke, Hüte, Stöcke und Schirme, ein Wandspiegel, der gewöhnlich damit in Verbindung steht, einige Sitzgelegenheiten, am besten einfache Stühle und ein Tischchen mit Lade. Die Hausfrau erkennt eine weitere Aufgabe des Vorzimmers darin, daß sie es zur Aufnahme ihrer eigenen Kleiderschränke einrichtet. Denn bei den heutigen beschränkten Raumverhältnissen in Mietshäusern und den neuen Raumgestaltungsprinzipien sucht man derartige große Wandschränke aus den Wohnzimmern zu bannen und ins Vorzimmer zu verlegen. So mag man denn an allen Wänden gleichförmige Schränke finden, die aus einem Stück, jedoch in viele Teile zerlegbar, bestehen können. Man wird aber gut tun, die ganze Wandhöhe bis zum Plafond schrankartig abzubauen und die oberen Fächer, die Separattüren ober der Kopfhöhe haben, zur Aufnahme von allerlei Schachteln und sonstigen Effekten, wenig benützten Kleidern u. s. w. zu verwenden, denn in einem Haushalt werden leicht alle Fächer und Schränke zu wenig, um zu beherbergen, was sich im Laufe der Zeit ansammelt. Es kann aber auch, um nicht eine Wand für die Kleiderablage mit Spiegelteil opfern zu müssen, eine solche Kleiderablage und der Spiegel vorne an einem oder mehreren der Schränke angebracht, der Spiegel in eine der Schranktüren eingelassen, die Kleiderhaken neben den Schranktüren befestigt und solcherart alle vier Wände mit Schränken abgebaut werden. Selbstverständlich wird man weiches Holz zu diesem Zweck verwenden und in einer Farbe, am besten weiß, lackieren oder streichen. Als Bodenbelag findet man vielfach Matten, die mit einfachem Muster von Künstlern entworfen, durch die Prag-Rudniker Korbwarenfabrikation stark in den Handel gebracht werden und sich vortrefflich bewähren. Ein solcherart ausgestatteter Vorraum besitzt alle Vornehmheit und Anspruchslosigkeit, deren er bedarf, wenn er den Besucher auf die gastlichen Haupträume vorbereiten will. Unterordnung in den Hauptgedanken der Wohnungsausstattung ist hier Gesetz. Im Vorraum pflegt man gute Bilder und sonstige Kunstwerke nicht unterzubringen; schlechte soll man aus Geschmacksgründen noch weniger hinstellen, weil der Raum keine Trödelkammer sein soll und da leicht eine geringschätzige Meinung von den Inwohnern erwecken kann. Aber es ist keineswegs Grundsatz, daß aus den Vorräumen Kunstwerke, wie Bilder und Plastik, verbannt sein sollen, im Gegenteil, wenn das Haus weitläufig genug ist, und das Vorzimmer, wie es heute geschieht, mehr den Charakter einer »Hall« empfängt, fänden sie auch hier ausgezeichnet Platz und trügen von dem Geist und der Vorliebe der Bewohner freundliche Spuren über die Schwelle ihrer inneren Wohnräume hinaus und dem Besucher einladend entgegen. Wir mögen uns da nur einmal Goethe’s Beispiel vor Augen führen und sein Haus in Weimar rekonstruieren, wie es anfangs des 19. Jahrhunderts ausgesehen hat. Ohne glänzend zu sein, war alles höchst edel und einfach; auch deuteten verschiedene an der Treppe stehende Abgüsse antiker Statuen auf Goethe’s besondere Neigung zur bildenden Kunst und dem griechischen Altertum. Der Vorraum in der I. Etage trug die Zeichen »Salve« als freundliches Willkommen und einer der zwei Vorräume, wo man zu warten genötigt war, war durch ein rotes Kanapee und Stühle von gleicher Farbe überaus heiter möbliert; zur Seite stand ein Flügel und an den Wänden sah man Handzeichnungen verschiedener Art und Größe.
So bei Goethe. Freilich zwischen dem Alt-Weimarer Hause Sr. Exzellenz und einer modernen Stadtwohnung, ist ein Unterschied.
Zu jenen Räumen, für die man im Allgemeinen auch das Schlechteste für gut genug hält, gehören die Dienerzimmer. Es ist ein trauriges Zeichen schlechter sozialer Begriffe und unzureichender menschlicher Einsicht, wenn man in einem Hause die Dienstleute, denen man doch Treue und Anhänglichkeit zum Gesetz macht, schlecht versorgt findet. Im Dienstverhältnis gibt es nach beiden Seiten hin Pflichten und Rechte und kein Teil, weder Dienstgeber noch Dienstnehmer, dürfte dem anderen etwas schuldig bleiben. Für menschenwürdige Zustände im Hinblick auf das Dienstpersonal zu sorgen, ist auch eine der ersten Pflichten der Hausfrau, wenn sie nicht Recht behalten sollte, daß sie wirklich »bezahlte Feinde« im Hause habe. Guter Geschmack heißt hier wie überall Reinlichkeit und Zweckdienlichkeit. Massiv eiserne Betten (Hohlräume sind immer Aufenthalt unausrottbarer Ungeziefer), einfache Möbel aus weichem Holz in irgend einer Farbe gestrichen, Tisch, Stuhl, Schrank und Waschgelegenheit möblieren den Raum vollständig und können ihn zugleich recht wohnlich machen. Wenn für das persönliche Wohl der Dienstleute in mustergiltiger Weise gesorgt ist, ist das immer eine Ehre für die Hausfrau.
Die Küche.
In einem Lobliede an die Küche meint Gilles Corrozet (1534), daß es eine schöne Sache sei um ein geschmücktes Haus, um eine behagliche Stube, um den wohlbestellten Speicher und Keller, daß aber ein Haus trotzdem nichts Erquickliches böte, wenn man nicht auch eine gute Küche sehe, die gute Küche, wo die freundlichen Götter Diana, Ceres und Bachus ihre gesegneten Gaben niederlegen, wo der freundliche, Zufriedenheit und Wohlbehagen spendende Hausgeist im Winkel am Herde tront und leibliche Stärkung und Mehrung der Daseinsfreude verheißungsvoll winken.
Der gute Corrozet ist ein praktischer Idealist; wer auf guten Tisch hält, (und wer tut das nicht) muß vor allem auf gute Küche halten, und darum gibt er seinen Zeitgenossen eine umständliche, in zierliche Reime geflochtene Darstellung einer ganzen Kücheneinrichtung, in der er auch nicht »die Lichtschneutzen« vergißt und daraus man leicht ersehen kann, welche hervorragende Wichtigkeit die Küche im damaligen Haushalt besaß. Sie ist die Urzelle des Hauses, aus der die anderen Räume erst nach und nach hervorgegangen sind. Noch im XVIII. Jahrhundert vollzog sich auf den seigneuralen Gütern Frankreichs das Leben vorzugsweise in der Küche, während die übrigen Gemächer des Hauses als bloße Repräsentationsräume nur gelegentlich benützt wurden.
Sicherlich ist die Küche der am frühesten und am vollkommensten ausgebildete Teil des Hauses gewesen. Über deren Einrichtung läßt uns auch die »Nürnberger Haushälterin« nicht im Zweifel, die im Jahre 1716 über das deutsche Bürgerhaus schrieb: »Von einer wohlgebauten Küche wird vornehmlich gefordert, daß sie nicht allzuweit von der Esstube entfernt seye, damit nicht im Winter das Essen, wenn es weit getragen werden muß, kalt auf den Tisch gebracht werde.« Man darf sich hierbei wohl nicht eine Stadtwohnung mit gedrängten Räumen vorstellen, sondern ein weitläufiges altdeutsches Bürgerhaus, wo möglicherweise die Küche, wie in den heutigen Landhäusern und Villen, im Untergeschoß gelegen war. Daher die Mahnung der »Nürnberger Haushalterin«, die zu ihrer Zeit die vortreffliche Einrichtung von Speiseaufzügen nicht gekannt haben dürfte.
Gegenüber den alten Küchen, so vollkommen sie auch mit Gerätschaften versehen sein mochten, haben die heutigen, von modernen Architekten eingerichteten Küchen entschieden bedeutende Vorzüge aufzuweisen. Das Gebot der Zweckmäßigkeit und sanitäre Rücksichten erfordern, daß die Küchen hell seien, in modernen Landhäusern legt man daher die Fenster breit und ziemlich hoch an, selbst wenn dies nicht durch die tiefe Lage des Raumes im Souterrain erforderlich sein sollte, damit die Wandflächen für die Kücheneinrichtung gut ausgenützt werden können. Unter diesen Fenstern befinden sich in der Regel die Schränke mit möglichst viel Laden und Stellagen, die mit Glastüren verschlossen sind. In der Mitte der Wand, unterhalb der Fenster finden wir häufig den Anrichtetisch, in seinen Unterteilen als Schrank ausgenützt und von einem Gesims mit verschließbaren Fächern gekrönt. Auf der gegenüberliegenden Seite steht der Herd. Im Gegensatz zur Küche von einst, die man erst dann für schön erachtete, wenn das blitzblanke Messing- und Kupfergeschirr, die bunten Töpfe aus Steingut und Porzellan, die Zinn- und Blechgefäße an Wänden und offenen Stellagen zum Entzücken der Hausfrau prangend ausgestellt waren, liebt man es heute, jegliches Küchenrequisit in den Schränken abzuschließen und hat damit vollkommen recht. Denn so kann das Geschirr von Staub und Fliegenunrat frei gehalten werden und man erspart ein Übermaß von Reinigungsarbeit. Nur das Kupfergeschirr läßt man frei hängen. Eine solche Küche sieht aber auch appetitlich genug aus, namentlich, wenn die Wände weiß verkachelt sind, wie das neuestens oft der Fall ist. Bis zu einer gewissen Höhe wenigstens sollen die Wände verkachelt sein, soweit eben spritzendes Wasser reicht. An Stelle der Kacheln werden auch dünne Marmorplatten verwendet und zwar nur weiße, weil es aus begreiflichen Gründen Grundsatz ist, daß weiß vorherrsche. Darum werden sämtliche Holzgegenstände, also die ganze Kücheneinrichtung weiß lackiert, wobei man den Vorteil hat, durch einfaches Abwaschen jeden Schmutz leicht zu entfernen. Daß man auf weiß jede Unreinlichkeit sofort sieht, ist nur ein Vorzug, denn sie soll nirgends und am allerwenigsten in der Küche geduldet werden. Will man durchaus ein Ornament, so soll es nur ein Flachornament sein, aufschablonirt und sparsam angewendet. Jede Schnitzerei ist zu verpönen, sie wirkt nur als Staubfänger. Im Übrigen hat man Bedacht auf gradlinige einfache Formen ohne Gesimse, und auf einfache ungeteilte Holzflächen, die durch bloßes Abwischen rein gehalten werden können. Die Küchenmöbel sollen mit ihrer Fläche bis auf den Fußboden herabgehen und auf diesem ohne Füße fest aufstehen, damit sich unterhalb der Schränke keine unkontrollierbaren Schmutzwinkel bilden können. Dagegen tut man gut, die Stuhl- und Tischflächen, die oft gerieben werden müssen, überhaupt nicht zu streichen, sondern bloß fein gehobelt im ursprünglichen Holzton stehen zu lassen, und so einzurichten, daß sie abnehmbar sind. Auf diese Art können sie am besten gewaschen und gerieben werden, wovon das Holz bald ein blühweißes Aussehen bekommt. In Bezug auf den Fußboden hat man auch zu bedenken, daß in Küchen immer Wasser verschüttet wird, und daß er mit Wasser abgeschwemmt und solcherart leicht gereinigt werden soll. Darum wird man den Steinboden dem bisherigen Brettelboden vorziehen. Der Steinboden aber bedeutet einen Angriff auf die Gesundheit der Köchinnen, die ohnehin meistens gichtisch sind. Da bietet denn das Xylolith einen Ausweg. Xylolith ist ein Kunststein, der auf Holz aufgetragen wird, nicht so hart wie Naturstein ist, aber sonst alle seine Vorzüge aufweist und noch mehr. Er ist nämlich schon in allen Farben zu haben und man kann ihn nach seinem persönlichen Geschmack wählen. Zu dem blinkenden Weiß der Wände passt sehr gut ein roter oder blauer Xylolithboden.
Die Französin des XVIII. Jahrhunderts mußte ihr Paradebett haben, die deutsche Frau ihre Prunkküche. Das kennzeichnet zur Genüge den Unterschied zweier Nationen. Heute existiert beides nicht mehr. Vieles wird heute fertig ins Haus gebracht, was einst im Hause erzeugt werden mußte. Selbst der Kohlenherd ist in Gefahr verdrängt zu werden. Gas und Elektrizität, Centralversorgung, spielen eine immer größere Rolle.
Wenn auch die Küche heute nicht so umfangreich ist, wie die altdeutschen Küchen waren, so bildet sie doch noch immer eine Macht im Hause, von der das Glück im Heimwesen zum großen Teil abhängt. An ihr sieht man, was die Hausfrau ist oder was sie nicht ist. Es gibt Köchinnen, die einen Dienstort verlassen, wenn ihre Werkstätte, die Küche, nicht der Würde und Bedeutung des Raumes entsprechend ausgerüstet ist. Die schlechtesten Köchinnen sind das sicherlich nicht.
Ästhetik des Eßtisches.