Die moderne Ehe und wie man sie ertragen soll

Chapter 12

Chapter 122,369 wordsPublic domain

Aber vielleicht ist es das tragische Verhängnis der in Rede stehenden Frauen, daß sie ihren Männern nicht vertrauen können, und mit Recht. Vielleicht lebt in ihrem Herzen das betrübende Bewußtsein, hintergangen zu werden, und sie fürchten, daß der Klub als Vorwand für einen Abend gebraucht wird, dessen Gesellschaft dem weiblichen Standpunkt weniger wünschenswert erscheint. Selbst dann ist der Klub ein Segen; denn wenigstens kann eine Frau hoffen und zu glauben trachten, daß ihr Mann wirklich dort ist, während, wenn er keinen Klub hat, die Durchsichtigkeit seiner abwechselnden Ausreden ihre ärgsten Verdächtigungen bekräftigen muß. Wenn ein Mann entschlossen ist, derartige Dinge zu tun, so kann ihn nichts aufhalten; sollte _ein_ Vorwand, seine Zeit außer Hause zu verbringen, fehlschlagen, so wird er einen anderen vorbringen, und je weniger Aussicht seine Frau hat, die wirkliche Sachlage zu entdecken, desto besser ist es für ihren Seelenfrieden.

Daß die Unwissenheit ein Segen ist, ist eine tiefe Wahrheit im Eheleben, und die Frauen sollten sich von ihr leiten lassen. Ich glaube, es gibt Frauen, die sich's zur Gewohnheit machen, bei Gelegenheit die Taschen ihrer Ehegatten zu durchsuchen, voraussichtlich in der Erwartung, irgendwelche verräterische Briefe oder Rechnungen zu finden. Was sie im Falle einer unangenehmen Entdeckung zu gewinnen hoffen, das weiß der liebe Himmel allein! Nichts als eine mehr oder weniger verabscheuenswerte Szene, den daraus folgenden Verlust alles häuslichen Friedens, ohne die wirkliche Quelle der Betrübnis auch nur im geringsten zu beeinträchtigen. Zum Glück sind wenige Gatten so verrückt, ihre kompromittierenden Dokumente bei sich zu tragen. In jedem Fall ist diese Überwachung empörend, und wo gegenseitige Achtung existiert, für deren Notwendigkeit ich schon so energisch eingetreten bin, da können solche Geschmacksverirrungen nicht vorkommen.

Um auch jenen unglücklichen Frauen gerecht zu werden, deren Mann zu ihrem großen Kummer dem Würfel oder Becher allzusehr ergeben ist, muß ich hinzufügen, daß die Frauen, wo das der Fall ist, das Recht haben, durch alle ihnen zu Gebote stehenden Mittel den Mann vom Klub fernzuhalten, der größere Gelegenheiten bietet als der Familienkreis, diesen Lastern zu frönen.

Und jetzt noch ein spezielles Wort an die Männer. An früherer Stelle erwähnte ich die Möglichkeit einer verheirateten Frau, mit einem Freund ins Theater und soupieren zu gehen. Im Londoner Leben kommt das so häufig vor, daß eine Erklärung dafür dem Eingeweihten simpel und abgeschmackt vorkommt; aber die Eingeweihten sind ein sehr kleiner Teil der Gesamtheit und da dieses Buch bescheiden für jene, die sich für die Ehe interessieren, also für _jeden, der es lesen will_, gedacht ist, so will ich mich zugunsten der uneingeweihten Majorität ein wenig über dieses Thema verbreiten. -- Eine große Zahl Männer ließe sich's nicht im Traum einfallen, ihre Frauen abends mit einem anderen Mann allein ausgehen zu lassen. Warum, das kann ich mir nicht erklären! Denn sie können gewiß ihre Frau und ihren Freund nicht durch den Gedanken an irgend etwas Unschickliches beleidigen wollen. Es entspringt das wohl den Überresten eines primitiven männlichen Gefühls, das sie nicht erklären können, (in früheren Zeiten waren die Männer noch anspruchsvoller, und nach Justinianischem Gesetz konnte ein Mann sich von seiner Frau bloß deshalb scheiden lassen, weil sie ohne seine Einwilligung mit anderen Männern in den Zirkus, in die Bäder oder zu Festmählern ging). Mir erscheint es ebenso unvernünftig wie die Mißbilligung der Männerklubs seitens der Frauen. So wie eine vernünftige Frau keinen Einwand gegen den Klub ihres Mannes erhebt, so erlaubt ein gescheiter Mann seiner Frau, wenn sie es wünscht, mit einem anderen Manne auszugehen. Wenn er etwas von der weiblichen Natur versteht -- und kein Mann sollte heiraten, ehe er nicht soweit ist -- dann erkennt er, daß die Bewunderung anderer Männer seiner Frau angenehm ist und ein bißchen Heiterkeit eine wunderbare Wirkung auf ihre Stimmung ausübt.

Ich erinnere mich an die Zeit, als Theodor und Amoret darüber heftig auseinandergerieten. Aber Theodor gab nach. »Er pflegte es für sehr unrecht von mir zu halten, daß ich ganz gern andere Männer in mich ein bißchen verliebt sehe,« sagte Amoret, »aber ich erklärte ihm, daß ich es gern habe, weil es mir ein so schönes Machtgefühl gibt und dem Leben eine Würze verleiht. Dann sagte er immer, es sei für eine verheiratete Frau sehr gefährlich, irgend eine andere Würze im Leben zu haben als ihren Mann, und ich pflegte ihm zu antworten, daß er eine Menge 'Würzen' außer mir habe, und was ich denn die langen Abende tun solle, wo er endlos Bridge spielt. Schließlich versprach ich, daß es mich zufriedener machen würde und fähiger, die Eintönigkeit des Ehelebens zu ertragen, wenn er mich ausgehen ließe. Darauf meinte er, es sei schrecklich schlecht von mir, die Ehe eintönig zu finden, und sagte, seine Mutter wäre bei einer solchen Bemerkung entsetzt gewesen. Da sagte ich ihm, es wäre nicht gut von einer jungen Frau zu erwarten, daß sie sich wie seine eigene Mutter benähme -- und er sagte, es wäre ihm lieber, ich würde es nicht tun. Dann lachten wir beide, und der gute alte Junge gab nach und sagte, daß Eberhard ein unschuldiges Lamm sei, und daß er einmal zum Versuch mit mir ausgehen solle. Seither bin ich mit allen Freunden ins Theater gegangen und habe Theodor um so lieber, je mehr ich andere Männer kennen lerne, und bin auch viel zufriedener und heiterer.« Ein Zeugnis, das für sich selbst spricht.

Wenige Menschen scheinen die vielen Vorteile zu kennen, die es hat, einen schweigsamen Mann zu erwählen. Der ideale Gatte spricht wenig. Er sieht ein, daß die Frauen das lieber selbst besorgen, und daß es in einer glücklichen Familie nicht Platz für zwei redselige Personen gibt. Der geschwätzige Mann sollte lieber eine schweigsame Frau suchen und sie _sofort_ heiraten, wenn er sie findet. Solche Geschöpfe sind so selten wie Kometen, und in der Regel sind sie schon mit ebenso schweigsamen Männern verheiratet, was wirklich ein betrübender Schnitzer der Natur ist. Nichts ist entsetzlicher, als ein so schweigsames Paar unterhalten zu müssen. Ein übermäßig redseliges Paar ist dem weit vorzuziehen, da man wenigstens ruhig zuhören und die anderen drauflosreden lassen kann.

Eine endlose Quelle von Mißhelligkeiten zwischen Eheleuten ist die Geldfrage. Die Frauen sind am Anfang oft verschwenderisch und gewöhnlich sündhaft unwissend in Geldsachen. Es ist ohne Zweifel richtig, wie Isolda sagt: »Geld (und Gesinde) zerstören die Ehe«. Über das letztere traue ich mich nicht zu sprechen, aber ich weiß, daß Geldmangel, Geldversagen und unvernünftige Geldausgaben einen großen Teil der Ehekonflikte verschulden. Manche Männer scheinen zu glauben, daß ihre Frauen den Haushalt ohne Mittel führen können, und diese unglücklichen Frauen müssen schmeicheln und bitten und es sich als eine Gnade anrechnen, bevor sie die ihnen gebührende Summe erhalten. Selbst dann werden sie wie Kinder behandelt und über die Verwendung des Geldes in höchst demütigender Weise ausgefragt, als ob es Spielraum für königliche Extravaganzen böte.

Ich erinnere mich an den Fall des armen kleinen Hildebrand. Er war ein sehr junger Gatte, und sehr altmodisch erzogen worden. Eine seiner wunderlichen mittelalterlichen Vorstellungen war, daß die Frauen keine Fähigkeit zur Geldverwaltung haben, und daß man ihnen auf keinen Fall bares Geld anvertrauen könne. Ich glaube wirklich, er hätte, wenn seine Zeit es ihm erlaubte, seinen Haushalt allein geführt. Zum Glück für den Hausfrieden war das unmöglich; dennoch überwachte er den Haushalt soviel als möglich und revidierte sogar die Einschreibebücher. Natürlich verstand er nicht das geringste von ihren sonderbaren Zeichen, und bot einen komischen Anblick, wie er über den kleinen roten Büchern saß und in äußerster Verlegenheit die Stirne runzelte. Jeden Moment wandte er sich um Aufklärung an seine Frau, die glücklicherweise einen sehr gesunden Sinn für Humor besaß. Schließlich mußte er es ihr überlassen; aber wenige Frauen hätten Valeries Geduld bei dieser sehr überflüssigen Sache gezeigt. -- Freilich ist das ein extremer Fall; aber eine Menge Männer greifen in höchst aufreizender Weise in das Gebiet ihrer Frauen ein. Nach meiner Meinung ist es am besten, das ganze Wirtschaftsbudget der Frau, sowie das Budget des Bureaus oder des Vermögens dem Manne zu überlassen. Ich spreche da von Leuten mit beschränkten Mitteln. In der Regel hat ein Mann während seines Arbeitstages ganz genug mit Geldangelegenheiten zu tun und soll Ruhe vor ihnen haben, wenn er nach Hause kommt. Abends zu Hause sitzen müssen und Rechnungen revidieren, ist eine Aufgabe, die die ärgsten Eigenschaften in einem Ehegatten auslöst. Er mag als ein hingebender Liebhaber nach Hause kommen und im Schoße seiner Frau Abendblätter, Blumen und Schokolade anhäufen, beim Abendessen genial, witzig, liebevoll, reizend sein -- aber reicht ihm um 10 Uhr abends einen Pack Rechnungen mit der Bemerkung, daß sie wirklich durchgesehen werden müssen, und plötzlich wird er ein wildes, brummiges, rohes, abstoßendes und lästerndes Wesen. Mag seine Bankbilanz auch noch so befriedigend sein, jede Rechnung eines seiner persönlichen Bedürfnisse und kein einziges seiner Frau betreffen -- es nützt alles nichts. Rechnungen sind Rechnungen, und bei ihrem bloßen Anblick werden die Männer wild. Wenn ich zwischen dem 7. und 8. eines Monats am Vormittag zu Miranda komme, bin ich überzeugt, daß sie mir mit roten Augen und matter Stimme sagt: »Gestern abend sagte Lysander, er müsse die Rechnungen durchnehmen, natürlich hat er seither fortwährend geschimpft und geflucht, obzwar sie diesen Monat lächerlich niedrig sind.« Ebenso ist es bei Isolda. »Lancelot hat gestern abend die Monatsschecks geschrieben,« sagt sie, »und das Umgehen mit Rechnungen hat immer eine schreckliche Wirkung auf ihn. Es ist bei dem Ärmsten eine wahre Krankheit, und ich kann nachher nie schlafen.« Und doch sind Lancelot und Lysander in jeder Hinsicht ideale Gatten.

Mein Rat an die Frauen ist daher folgender: Erledigt alle wöchentlichen und Kassazahlungen, die den Kopf der Frau belasten, kontrolliert einmal wöchentlich alle Bücher, prüfet dieselben mit jenem Grade von Sorgfalt, den der Redlichkeitsstandpunkt eurer Lieferanten erfordert. Schreibt diese Summen in ein Haushaltungsbuch ein. Am Ende des Monats, wenn alle Rechnungen drinnen sind, macht für euren Mann einen Bilanzbogen. Er wird sicher zuerst auf die Endsumme sehen, und wenn sie ihn befriedigt, nicht weiter forschen, wenn er klug ist. Dann laßt ihn einen Scheck auf die ganze Summe ausstellen, ihn in eure Bank einzahlen, und das übrige tut selbst. Die Rechnungen, die ratenweise kommen, und was sonst noch vierteljährlich eingeschickt wird, schließt in eure Monatsliste ein, und so wird euer Mann für seinen Haushalt anstatt einer Unzahl Rechnungen nur 12 Schecks im Jahre zu schreiben haben. Der fürchterliche Anfall, den er monatlich bekommt, wird so auf ein Minimum reduziert werden. Wenn er Stallungen oder einen ausgedehnten Weinkeller hat, so ordnet an, daß die Rechnungen dafür und auch alle anderen, die in das Ressort des Mannes gehören, in sein Bureau oder seinen Klub geschickt werden, mitsamt den Schneiderrechnungen und anderen für seine persönlichen Bedürfnisse. So werdet ihr nicht darunter leiden, wenn ihre Erledigung notwendig wird. Es ist eine seltsame Tatsache, daß ein Mann im Bureau wie ein Lamm dasitzt und Schecks ausstellt, während dieselbe Beschäftigung ihn zu Hause dazu bringen würde, das Dach abzuheben oder die Grundmauern zu erschüttern.

Es könnten Bände darüber geschrieben werden, wie man, obgleich verheiratet, glücklich werden kann, aber ich komme nun zum Ende. Also fassen wir zusammen. Frauen: Wenn ihr glücklich sein wollt, merkt es euch: Streicht euren Mann heraus, schmeichelt ihm diskret, lacht bei seinen Witzen, versucht nicht, seinen Klub herabzusetzen, werft ihm nie häusliche Wahrheiten an den Kopf und weint nie, nie!

Ehemänner: Liebt und bewundert eure Frauen und laßt auch andere Männer sie bewundern; greift nie in ihr Ressort ein; schreibt eure monatlichen Schecks mit freundlicher Miene; seid in Geldsachen vernünftig, wenn ihr schon nicht freigebig sein könnt und bezähmt eure Vorliebe für eure eigene Stimme!

Und ihr beiden: Seid sehr duldsam, erwartet wenig, gebt freudig, stellt die Achtung über alles, befleißigt euch der Höflichkeit und liebt einander, so sehr ihr könnt. Wenn ihr all das tut, werdet ihr sicherlich, wenn auch verheiratet, glücklich werden. Und hört auch, was Robert Burton in seinem wunderbaren Buch »Die Anatomie der Schwermut« sagt: »Hast du Mittel? Du hast keine, wenn du unverheiratet bist, um sie zu bewahren und sie zu vermehren. Hast du keine? Dann hast du welche, wenn du verheiratet bist, um dir zu helfen, sie zu bekommen. Bist du im Wohlstand, so wird dein Glück mit einer Frau nur verdoppelt; bist du in Trübsal, sie wird dich trösten und dir beistehen. Bist du zu Hause, sie wird deine Schwermut verscheuchen. Bist du fort, ihre Wünsche werden dich begleiten, und sie wird deine Heimkehr mit Freuden begrüßen. Nichts ist angenehm ohne Gesellschaft, und keine Gesellschaft ist so süß wie die der Gattin.«

Ende

Gedruckt in der Spamerschen Buchdruckerei zu Leipzig im Jahre 1911

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Druckfehler

Der Name »Sommerset Maugham« ist immer mit zwei -m-, manchmal auch mit Bindestrich, geschrieben.

tiefer Dankbarkeit für ein Leben [Dankbarbeit] seichte Schriftsteller, die ... konnten, [Schriftsteller die] da sie sich nicht über die ihre Dienstboten und Kinder [incht] für die Mißlaunigkeit des Mannes gewesen [gwesen] mit den Sünden von Jahrhunderten [Jahrhunderte] und keines der Mädchen,« soll [Mädchen,«soll] als Grund für ihr fortgesetztes Junggesellentum [Jungesellentum] Der vierzehnte Junggeselle war Bayard [Jungeselle] Das obengesagte bezieht sich [obbesagte] für sie passend er auch sein mag [passender] Es ist heutzutage Mode, das Heim zu diskreditieren [diskretieren] nähen, ausbessern, unterrichten, überwachen [ausbessern unterrichten] das Bedürfnis, zu lieben und geliebt zu werden [leben] Was nützt es ... wenn ihr sie nicht zu Frauen begehrt. [_ungeändert: . für ?_] der See, die grünen Bäume, das Prasseln [Bäume das] Schlingen, Fallen, Netzen und Fallgruben besät [Fallen Netzen, und] zu jenen gemäßigteren ... Verbindungen [jenem] und dann ist natürlich der Teufel los [derTeufel] über »die Frauen und den Humor«, eines Artikels [Humor«. eines] [Kap. IV] ... _G. Bernard Shaw_. [Bernhard] Die Geheimnisse vieler Frauen [Geheinmisse] von der physischen Seite der Ehe vor ihr fürchten. [fürchten] Wenn wir alle jungen Leute ... lehren würden [allen] eine andere Romanschriftstellerin, Florence Warden, [Romanschriftstellerin Florence Warden,] die monogamische Ehe eine göttliche Institution ist.« [ist.] »Bravo, 'Blaustrumpf'«, sagte der 'verlebte Roué'. ['Blaustrumpf', sagte] »'Ein heiliges Mysterium ['Ein] an dem sichtlichen Ärger des 'biederen Börsenmannes' weidete [Börsenmannes] was die Zeitungen »Ausschweifung« nennen gehen zu meinem »Zweiten« [_anführungszeichen ungeändert (gewöhnlich 'nnn')_] Ich habe ja an die Kinder ganz vergessen. [_ungeändert_] sind noch einmal so leicht zu lenken [ein- mal so] die Kinder kommen ... wenn ich ihren Bereich betrete [ihr] in Stephen Philips »Marpessa« [_ungeändert_] Die Achtung wird das schwankende Gebäude [schwanke] man kann in einer Ehe ohne Liebe recht glücklich sein [Lieberecht] Geradeso wie ihr in Gesellschaft [wir] sagte plötzlich mit leisem Lachen: »Wie häßlich Du bist . . . .« [_anführungszeichen ungeändert (gewöhnlich 'nnn')_]