Die Mitschuldigen

Part 4

Chapter 4 499 words Public domain Markdown

Söller. Ich darf mich unterstehen. Gewiß, es ist kein Spaß, gehörnt herumzugehen. In summa, nehmen Sie's nur nicht so gar genau: Ich stahl dem Herrn sein Geld, und er mir meine Frau.

Alcest [drohend]. Was stahl ich?

Söller. Nichts, mein Herr! Es war schon längst Ihr eigen, Noch eh es meine war.

Alcest. Soll -

Söller. Da muß ich wohl schweigen.

Alcest. An Galgen mit dem Dieb!

Söller. Erinnern Sie sich nicht, Daß ein gewiß Gesetz von andern Leuten spricht?

Alcest. Herr Söller!

Söller [macht das Zeichen des Köpfens]. Ja, man hilft euch Näschern auch vom Brode.

Alcest. Ist Er ein Praktikus, und hält das Zeug für Mode: Gehangen wird Er noch, zum wenigsten gestäupt.

Söller [zeigt auf die Stirne]. Gebrandmarkt bin ich schon.

Letzter Auftritt

[Vorige. Der Wirt. Sophie.]

Sophie [im Fond]. Mein harter Vater bleibt Auf dem verhaßten Ton.

Wirt [im Fond]. Das Mädchen will nicht weichen.

Sophie. Da ist Alcest.

Wirt [erblickt Alcesten]. Aha!

Sophie. Es muß, es muß sich zeigen!

Wirt [zu Alcesten]. Mein Herr, sie ist der Dieb!

Sophie [auf der andern Seite]. Er ist der Dieb, mein Herr!

Alcest [sieht sie beide lachend an, dann sagt er in einem Tone wie sie, auf Söllern deutend]. Er ist der Dieb!

Söller [vor sich]. Nun, Haut, nun halt dich fest!

Sophie. Er!

Wirt. Er?

Alcest. Sie haben's beide nicht; er hat's!

Wirt. Schlagt einen Nagel Ihm durch den Kopf, aufs Rad!

Sophie. Du?

Söller [vor sich]. Wolkenbruch und Hagel!

Wirt. Ich möchte dich -

Alcest. Mein Herr! ich bitte nur Geduld! Sophie war im Verdacht, doch nicht mit ihrer Schuld. Sie kam, besuchte mich. Der Schritt war wohl verwegen; Doch ihre Tugend darf's - [Zu Söller.] Sie waren ja zugegen! [Sophie erstaunt.] Wir wußten nichts davon, vertraulich schwieg die Nacht, Die Tugend -!

Söller. Ja, sie hat mir ziemlich warm gemacht.

Alcest [zum Wirt]. Doch Sie?

Wirt. Aus Neugier war ich auch hinaufgekommen. Von dem verwünschten Brief war ich so eingenommen, Ich dacht, es schrieb ein Prinz, ein polnischer Magnat, Und aus dem Prinzen ward ein Pachter Kandidat.

Alcest. Verzeihn Sie diesen Scherz! Und Sie, Sophie, vergeben Mir auch gewiß?

Sophie. Alcest!

Alcest. Ich zweifl' in meinem Leben An Ihrer Tugend nie. Verzeihn Sie jenen Schritt! So groß wie tugendhaft -

Söller. Fast glaub ich's selbsten mit.

Alcest. Und Sie verzeihen doch auch unserm Söller?

Sophie. Gerne! [Sie gibt ihm die Hand.] Da!

Alcest [zum Wirt]. Allons!

Wirt [gibt Söllern die Hand]. Stiehl nicht mehr!

Söller. Die Länge bringt die Ferne!

Alcest. Allein was macht mein Geld?

Söller. O Herr, es war aus Not. Der Spieler peinigte mich Armen fast zu Tod. Ich wußte keinen Rat, ich stahl und zahlte Schulden. Da ist das übrige, ich weiß nicht wieviel Gulden.

Alcest. Was fort ist, schenk ich Ihm.

Söller [zum Parterre]. Für diesmal wär's vorbei!

Alcest. Allein ich hoff, Er wird fein höflich, still und treu! Und untersteht Er sich, noch einmal anzufangen - Dann - [Er macht ihm das Zeichen des Hängens.]

Söller. Nein, das wär zu viel - ein Hahnrei und gehangen!