Die Metalle bei den Naturvölkern
Part 15
Von der Westküste Grönlands kennen wir durch denselben SABINE auch verarbeitetes Meteoreisen. Als er 1818 mit JOHN ROSS den kleinen Eskimostamm am Kap York (am Eingange des Smithsundes) entdeckte, fielen ihm sogleich die Messer dieser Polarmenschen auf. Er berichtet[290]: »Jeder der uns am 10. August besuchenden Eskimos, und ich glaube jeder der uns später besuchenden, besaß ein roh gearbeitetes Instrument, welches die Stelle eines Messers vertrat. Der Griff war aus Knochen von 23-28 cm lang und dem Handgriffe eines Einschlagemessers ähnlich gearbeitet; in einem auf der Kante entlang laufenden Einschnitte sind dann eine Anzahl plattgeschlagener Eisenstückchen, von drei bis zu sieben Stück bei einzelnen Messern und gewöhnlich bis zur halben Länge des Messers, eingefügt. Keines dieser Stücke war an dem Handgriffe besonders befestigt, mit Ausnahme des die Spitze bildenden, welches in der Regel zweischneidig und roh vernietet war (Fig. 31). In der ersten Antwort auf unsere Frage, woher sie das Eisen erhalten hätten, wurde uns zu verstehen gegeben, sie hätten es am Meeresufer gefunden, und wir vermuteten, es stamme von den Beschlägen gelegentlich an die Küste getriebener Tonnen. Nur wunderten wir uns über die Leichtigkeit, mit welcher sie ihre Messer hergaben; sie erhielten allerdings unendlich viel bessere Messer im Austausche gegen die ihrigen, es schien uns aber doch, als ob sie das so zufällig erhaltene Eisen nicht so hoch schätzten, als wir erwarten konnten. Das veranlaßte eine Diskussion unter uns, bei welcher einige der bei der Befragung der Eskimos in der Kajüte zugegen gewesene Offiziere bezweifelten, daß der Dolmetscher ZACHEUS richtig verstanden worden sei; er wurde also wieder herbeigeholt und ihm gesagt, man wünsche zu wissen, was über das Eisen an den Messern, von denen eins auf dem Tische lag, gesagt worden sei, worauf man ihm das, was er anzugeben hatte, ohne ihn zu unterbrechen oder ihm einzuhelfen, sagen ließ. Er erklärte, es sei kein englisches oder dänisches, sondern Eskimoeisen; es komme von zwei großen Steinen auf einem Hügel, nahe an einer Gegend der Küste, an der wir kürzlich vorbeigefahren und die jetzt noch in Sicht sei. Die Steine seien sehr hart; kleine Stücke würden davon ab- und zwischen anderen Steinen plattgeschlagen. Diesen Bericht wiederholte er gleichmäßig mehrere Mal, so daß der Sinn desselben nicht zweifelhaft bleiben konnte. Ferner brachten wir von ihm heraus, daß er von dem Vorkommen solcher Steine in Südgrönland nie gehört habe, daß die Eskimos ausgesagt hätten, sie wüßten von keinen anderen Steinen außer diesen beiden und endlich, daß das Eisen, so wie es von dem Steine losgebrochen werde, unverändert vor uns liege und im kalten Zustande platt gehämmert worden sei. Unsere späteren Besucher bestätigten obigen Bericht mit dem Hinzufügen eines merkwürdigen Umstandes, nämlich, daß die beiden Steine nicht gleichartig seien. Der eine nämlich bestehe ganz und gar aus Eisen und sei so hart und schwierig zu zerschlagen, daß sie das nötige Metall lediglich aus dem anderen, in der Hauptsache aus einer harten, dunklen Gesteinsart bestehenden Blocke entnähmen.[291] Aus den abgeschlagenen Bruchstücken gewännen sie dann kleine Eisenstückchen, welche sie so flach schlügen, wie wir sie vor uns sähen. Der Hügel, wo das Meteoreisen vorkommt, wird von den Eingeborenen _Sowilie_ (_Sauwilie_) genannt, abgeleitet von _Sowie_ (_Sauwie_), dem bei den Grönländern gebräuchlichen Namen für Eisen. ZACHEUS sagte mir, das Wort bedeute eigentlich einen »harten, schwarzen Stein«, aus dem die Eskimos Eisen zu ihren Messern gewannen, ehe die Dänen Eisen bei ihnen einführten, und daß nun das Eisen, als zu gleichem Zwecke dienend, auch denselben Namen bekommen habe. Ich meine nun, daß die nördlichen Eskimos den Namen in ähnlicher Weise für das so zufällig von ihnen gefundene Eisen benutzten. Der Bericht über Kapitän COOK's dritte Reise belehrt uns, daß die Bewohner des in unmittelbarer Nachbarschaft der Beringstraße belegenen Nortonsundes ihr von den Russen bezogenes Eisen _Shawie_ nannten, was offenbar dasselbe Wort ist. Die eigentümliche Farbe dieser Eisenstücke, ihre Weichheit und Freiheit von Rost ließen es als sehr wahrscheinlich erscheinen, daß sie aus Meteoreisen beständen, wie auch seitdem die Analyse nachgewiesen hat.«
Soweit der interessante Bericht SABINE's, der uns die nördlichen, 1818 entdeckten Eskimos im Besitze von Meteoreisenmessern zeigt, über deren Herstellung wir genau unterrichtet werden. Würden wir noch Zweifel hegen an der meteorischen Natur des Eisens der Eskimomesser, so würden dieselben zerstört durch die 1870 erfolgten riesigen Meteoreisenfunde im nördlichen Westgrönland durch NORDENSKIÖLD, sowie das anderweitig konstatierte Vorkommen von Meteoreisenmessern bei Eskimos.
Es scheint in diese Kategorie auch das Eisen zu gehören, welches S. HEARNE 1772 in einem Eskimolager am Kupferminenflusse fand, bei einem Stamme, der sonst gediegenes Kupfer zu Waffen und Geräten benutzte. Es waren zwei kleine Stückchen, »eins 3,5 cm lang und 90 mm breit, welches ein Weibermesser vorstellte, das andere war nur 2,5 cm lang und 60 mm breit. Dieses letztere war in ein Stück Elfenbein (Walroßzahn) befestigt, so daß es ein Mannsmesser ausmachte, dergleichen in der Hudsonsbai unter dem Namen _Mokeatoggen_ bekannt und das einzige Werkzeug sind, dessen sie sich zur Verfertigung ihrer Holzarbeiten bedienen.«[292]
Daß die sogenannten Moundbuilder im Bereiche der Vereinigten Staaten neben den verschiedenen oben erwähnten Metallen auch selten das Meteoreisen benutzten, dieses zu konstatieren ist erst in der allerneuesten Zeit dem verdienstvollen Direktor des Peabody-Museums, PUTNAM, gelungen. Er fand in einem Mound am Little Miami (Distrikt Anderson, Ohio) eine Kupferscheibe mit Eisen überzogen, dessen Nickelgehalt und Hämmerbarkeit den meteorischen Ursprung bezeugten.[293]
Unser Eisen wurde in Grönland erst durch die Dänen verbreitet, wenn auch in geringerem Maße solches den Eingeborenen schon durch die alten normannischen Besiedler des Landes zugegangen sein kann. Es ist dabei aber nicht zu übersehen, daß erst von der Mitte des 14. Jahrhunderts an die Eskimos von der Westküste der Davisstraße via Smithsund nach Grönland vorrückten und mit den Normännern in feindliche Berührung (als Skrälingar) gerieten, deren dunkle Farbe, breite Backenknochen, Pelzkleider, Lederbote, Gerätschaften aus Stein oder Zahn und Unbekanntschaft mit dem Eisen in den Quellen geschildert werden.[294] Gelegentlicher Tauschverkehr brachte im 17. Jahrhundert -- lange nach dem Eingehen der normannischen Kolonien -- den Grönländern einiges Eisen, dessen Wert man bald erkannte, wie denn die durch DANELL 1654 nach Dänemark gebrachten Grönländer, welche OLEARIUS in Flensburg kennen lernte, stets begierig nach Eisen und Messern griffen, Geld aber und andere Dinge, wenn ihnen die Wahl gestattet war, liegen ließen.[295] Noch zu EGEDE's Zeit (1721) waren die Pfeil- und Lanzenspitzen der Grönländer teilweise aus Knochen und Stein und nur teilweise aus Eisen.[296]
~Nordwestamerika erhielt das Eisen von Asien.~ Den westlichen Eskimos an der Beringstraße und den ihnen benachbarten Indianern kam die Kunde des Eisens von Asien her und zwar vereinzelt schon vor der Ankunft der Russen am östlichen Ende der alten Welt.
Die Berührungen zwischen der alten und neuen Welt sind, da wo beide sich am meisten nähern, immer sehr mannigfaltiger Art gewesen. Der Tauschverkehr zwischen den zu beiden Seiten der schmalen Beringstraße angesessenen Völkern ist ein lebhafter; Lebensart und Sitten zeigen bei den Tschuktschen der alten Welt und den Eskimos der neuen ungemein viel Übereinstimmendes bis in die geringsten Kleinigkeiten. »Die Amerikaner, welche wir bei Schumachins Insel auf Amerika gesehen, sind den hiesigen Völkern (Kamtschadalen etc.) so gleich, als ein Ei dem anderen«, schreibt der alte STELLER[297], und der Verständigung der Asiaten und Amerikaner untereinander steht in diesem Erdwinkel nichts entgegen. Aber auch die weiter südlich gelegenen Küsten Nordamerikas, bis nach Kalifornien hin, haben nachweisbar asiatische Einflüsse, wenn auch in einem weit geringeren und keineswegs nachhaltigen Maße, erhalten. Wir meinen die mit dem Kuro Siwo oder schwarzen Strome von Japan nach Amerika hinübergetriebenen schiffbrüchigen Dschonken. Es sind aus dem vorigen und diesem Jahrhundert eine große Anzahl festgestellter Fälle dieser Art bekannt; japanische Dschonken scheiterten an den Alëuten, ja auf den Sandwichinseln, und mit ihnen wurde stets Eisen nach der neuen Welt gebracht. So ist es ohne Zweifel auch in der Zeit gewesen, als Europäer noch nicht nach Nordwestamerika gelangt waren. Hieraus erklärt sich vielleicht teilweise die Bekanntschaft der Bewohner Kaliforniens, Oregons und der weiter nördlich wohnenden Völker mit dem Eisen, als ihre Küsten im vorigen Jahrhundert zuerst von europäischen Schiffen besucht wurden. Anderseits aber, und wohl vorwiegend, kam ihnen dasselbe von Norden her, von den Russen, welche im vorigen Jahrhundert die Länder an der Beringsee in Besitz nahmen. Eine merkwürdige Thatsache bleibt es auch, daß die Konjagen, eines der dort wohnenden Völker, zu jener Zeit durch die Russen den Tabak kennen lernten[298], welcher somit auf einem Gange rund um den Globus zu ihnen, den Amerikanern, gelangte. Es ist aber der Tabak ein Genußmittel, das noch schneller als das Eisen sich verbreitete, hier aber gleichzeitig mit diesem seinen Einzug hielt. In dieser Thatsache sehen wir aber auch eine Bestätigung dafür, daß nicht von Osten oder Süden her das Eisen nach dem Nordwesten Amerikas gelangt sein kann; denn die Völker in den Vereinigten Staaten, wie die Tolteken-Azteken im Süden waren große Raucher und durch Angelsachsen wie Spanier mit dem Eisen schon vertraut, als der Nordwesten letzteres noch nicht kannte. Wäre das Eisen von Osten oder Süden gekommen, sicher wäre dabei auch dem Tabakrauchen die Bahn gebrochen worden.
Die Expedition BERING's, auf welcher Amerika von Kamtschatka aus entdeckt wurde, fällt in das Jahr 1741 und sehr bald darauf begannen die Züge der russischen Pelzjäger nach den Alëuten und dem amerikanischen Festlande. Aber nur langsam verbreiteten sich Eisengeräte. BILLINGS fand 1790 auf Unalaschka noch Nähnadeln aus den Flügelknochen der Möve gearbeitet und Speere mit Knochenspitzen; ebenso auf Kadjak. Im Prinz Williamssund, wo er ankerte, bezeugten die Eingeborenen eine starke Neigung, alles, was von Eisen war, zu stehlen.[299] Trotzdem war hier, wie wir erwähnten, das Eisen schon vor der Ankunft der Weißen bekannt, wiewohl die alten Steinwerkzeuge noch vorherrschten und die Modelle für die neuen eisernen abgaben, zu denen der Stoff von den Bestandteilen verunglückter Schiffe entnommen wurde.[300]
Alle Stämme an der Westküste Nordamerikas zwischen 40° und 60° nördl. Br. waren in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit dem Eisen wenigstens vertraut, so fand es COOK 1778 am Nutkasund im Gebrauche, da die Haidas es von Norden oder von japanischen Schiffbrüchigen erhalten hatten. _It was certainly used in British Columbia for various purposes before the coming of the whites._[301] VANCOUVER, dessen Reise etwas später fällt, sah bei den Indianern am Discoveryhafen der Juan de Fuca Einfahrt Speere, Pfeile und Fischhaken von Achat oder Knochen, »doch hatten auch einige Pfeile eine Spitze von dünnem glatten Eisen«. An der Johnstonestraße zwischen der Vancouverinsel und dem Festlande, fand er bei den Indianern »viele Speere mit eisernen Spitzen«, und auch am Nutkasunde traf er 5-6 m lange Speere, die »oben eine lange polierte eiserne Spitze« hatten; anderseits aber traf er in derselben Region noch Lanzen mit Schieferspitzen.[302] Diesen Übergangszustand charakterisiert auch MAURELLE, der Steuermann BODEGA's, welcher 1775 nach Kap Mendocino an der nordkalifornischen Küste kam. Die Waffen der Indianer »waren hauptsächlich Pfeile mit Spitzen von Feuerstein, auch Kupfer und Eisen, welches sie, soviel wir verstanden, von Norden her bekommen und worauf wir, an einem Pfeil, das Zeichen G bemerkten. Den größten Wert setzten sie auf Eisen, besonders Messerklingen und alte Faßringe«.[303]
~Eisen in Kalifornien.~ Bis hierher reicht der russische Einfluß. Südkalifornien dagegen erhielt sein erstes Eisen aus dem spanischen Kulturkreise, worauf noch jetzt die Funde von Eisen in alten Gräbern deuten. CABRILLO hatte 1542 im Auftrage des Vicekönigs von Mexiko die kalifornischen Küsten aufgesucht und damit treten spanische Metallwaren und Waffen bei den Eingeborenen auf. Die südkalifornischen Indianergräber bergen dieselben in Menge neben silbernen Löffeln, Porzellantassen und Pistolenläufen, so daß über die Herkunft kein Zweifel entstehen kann. Es ist aber aus den Grabfunden, namentlich jenen des Isthmus von Santa Catalina, die hohe Wertschätzung zu ersehen, welche die kalifornischen Indianer dem neuen Metall zu Teil werden ließen. Selbst kleine Stückchen Eisen schliff man zu in der Form wie die alten Feuersteingeräte und befestigte sie in hölzerne Hefte, ganz nach Art dieser (Fig. 32), wie ein Fund von Santa Cruz Island beweist; andere Eisenstücke, die als Grabbeigaben gefunden wurden, sind höchst sorgfältig in Stoffe oder pelzbesetzte Scheiden eingewickelt worden, deren Spuren bei den Funden der Gräber von La Patera sich noch deutlich erhalten haben.[304]
Auch anderwärts dieselbe Wertschätzung der ersten zugeführten Eisenstückchen und deren Mitgabe in Gräber! In den alten Indianergräbern von Kantunile in Yukatan fand man neben Perlen, geschnitzten Muschelschalen, auch thönerne Vasen bis zum Rande gefüllt mit Pfeilspitzen aus Obsidian und dazwischen ein Federmesser mit Hornschale in höchst zerfressenem Zustande. _At the time of the conquest it was doubtless considered precious, worthy of being buried with the heirlooms of its owner, and of accompanying him to the world of spirits._[305]
So geht naturgemäß die Ausbreitung der Kenntnis des Eisens bei den amerikanischen Eingeborenen mit der Entdeckungsgeschichte Hand in Hand, sie läßt sich mit Hilfe derselben leicht weiter verfolgen. Es erscheint hierbei aber als eine Thatsache, daß die Eingeborenen, wiewohl sie das neue Metall kennen lernten, nur in den seltensten Fällen selbst zur Darstellung desselben schritten. Europa führte es ihnen in genügender Menge und billig zu im Austausche gegen die leicht zu erhaltenden heimischen Naturprodukte, deren schnelle und einfache Gewinnung den Antrieb zur Selbstbereitung des Eisen hinfällig machen mußte. Es erscheint daher auffallend und als Ausnahme, wenn MUSTERS berichtet, daß die Patagonier es gelernt hätten, Eisenerz zu reduzieren und das gewonnene Eisen zu Bolaskugeln zu schmieden. Diese Südamerikaner sind nach ihm geschickte Eisenarbeiter; sie verfertigen aus jedem Stückchen Metall, das sie durch Diebstahl, Handel oder Wraks von der Küste bekommen, ein Messer oder Beil. Aber auf kaltem Wege, denn sie benutzen dazu onomatopoetisch _Kikerki_ genannte Feilen, die sie auf dem Handelswege erhalten.[306] Die Indianer der Vereinigten Staaten haben sich nirgends -- es sei denn da, wo sie ansässig in den Reservationen wurden -- zum Schmieden, geschweige denn zur Herstellung des Eisens bequemt. Die _Wihinkpi_ oder Pfeile der Dakota sind jetzt mit eisernen Spitzen statt solcher von Feuerstein versehen. Aber dieses Eisen ist europäisches (oder nordamerikanisches) Bandeisen, einfach kalt auf Steinen zugeschliffen.[307]
Nach ~Traditionen~ und ~Sagen~ in bezug auf das Eisen bei den Amerikanern zu forschen, erscheint bei der Sachlage nicht am Platze, es sei denn, daß man die Frage erweiterte und nach der Herkunft der Metalle frage. Es fehlt nicht an Andeutungen, daß die Metallarbeiter in ähnlicher Weise hoch geschätzt wurden, wie in anderen Ländern. Einer alten Tradition zufolge soll bei den Thlinkithen in Nordwestamerika ein Weib die Kunst, zu schmieden, erfunden haben, weshalb ihr auch eine fast göttliche Verehrung zu teil wurde. Noch zu HOLMBERG's Zeit wurde diese Kunst als Geheimnis bewahrt und lebte als Erbteil in gewissen Familien fort.[308] Als KITTLITZ in Sitcha war, stand eine Frau an der Chathamstreet im besonderen Rufe als Waffenschmiedin.[309] Zwei schiffbrüchige Seeleute wurden noch in diesem Jahrhundert von den Klatsopindianern an der Mündung des Columbia als Sklaven gehalten _until it was found, that one was a worker in iron, of which the Indians began to see the value, when they made him a chief_.[310]
Ich will hier, wo ich die Darstellung der Einführung des Eisens bei den Indianern verlasse, noch auf eine Tradition hinweisen, die ich bei Abbé PETITOT[311] finde und die auf die Entdeckung und Ausarbeitung des Eisens aus _fer oligiste_ durch die Tinnéindianer hinweist. Ich kann mich indessen einiger Zweifel über diese Darstellung nicht erwehren und glaube, daß hier »Kupfer« statt Eisen zu lesen ist, worauf die _substance dure et rouge_ hinweist. Die Tinné erzählen also: Einer der ihrigen gelangte an den Lé-kota-la-délin, einen Zufluß des Mackenzie. _Il apperçut une substance dure et rouge, semblable à la fiente de l'ours noir frugivore; c'est pourquoi il l'appela sa-tsonne (fumées d'ours). C'était du fer oligiste. Jusqu'alors les Dènè s'étaient servis d'armes et d'outils de pierre; toutefois ils devaient connaître le métal, car leur tradition dit que jusqu'à la trouvaille du vieillard, ils n'en avaient point vu sur le nouveau continent. De ce fer ils se fabriquèrent des aiguillettes ou alènes de la longeur du petit doigt, qu'ils vendaient pour dix peaux d'orignal aux Esba-t'a-ottiné de la rivière des Liards._
~Sprachliche Bezeichnungen für Eisen bei den Amerikanern.~ Die Völker Amerikas, welche durch die Spanier das Eisen kennen lernten, nahmen mit der fremden Sache keineswegs den fremden Namen an, sondern bildeten aus dem heimischen Wortvorrat mit Anlehnung an die eigenen Bezeichnungen für Metall und Kupfer eine neue zusammengesetzte Bezeichnung. In MOLINA's _Vocabulario de la lengua Mexicana_, Mexico 1571, ist _hierro metal_ mit _tlitic tepuztli_ wiedergegeben. _Tlitic_ wird als _cosa negra_ erklärt und _tepuztli_ als _cobre o hierro_; wir hätten danach bei den Mexikanern ein »schwarzes Kupfer« für Eisen.
Die Völker des südlichen Kulturkreises verfuhren in ähnlicher Weise; hier erscheint das Wort _qquillay_, _cquellay_, _quellaya_ für Eisen. Im ältesten Wörterbuche der Quichuasprache[312] ist aber _quillay_ zugleich mit _hierro_ und _metal_ erklärt, so daß wir auch in der Quichuasprache eine Übertragung des Begriffes Metall auf Eisen annehmen dürfen. Freilich giebt HOLGUIN[313] _qquillay_ einfach als _hierro_ und hat für _metal o cobre_ das Wort _anta_ und _puca anta_ (rotes _anta_); daß aber in dem Worte _qquillay_ nur die Bedeutung Metall zu suchen ist, beweist uns das Aymara, denn hier heißt[314] _hierro_ = _yauri_ und _quellaya yauri_. _Yauri_ aber wird als _cobre_ erklärt und _quellaya_ als _hierro de Castilla_. So ist es auch im Araukanischen[315], wo _hierro_ und _metal_ = _pañilhue_ heißen und Kupfer speziell als _cum-pañilhue_ (rotes _pañilhue_) erklärt wird, und im _Moxa_[316], wo es heißt _hierro_ = _tumore_; _tumore_ aber wird durch _todo genero de metal_ erläutert.
Die Arowaken in Guiana nennen das Eisen _siparalli_ und den Stein _siba_, woraus sich leicht das erstere ableiten läßt; wenn nun die benachbarten Galibi für Eisen dasselbe Wort wie die Arowaken, nämlich _siparali_ und _sibarari_ gebrauchen, für Stein aber _topu_ haben, so erklärt sich dieses sicher dadurch, daß sie durch die Arowaken das fremde Metall kennen lernten und dabei den arowakischen Namen annahmen.[317]
Noch ein paar Beispiele. Der Indianer Costaricas bezeichnet Eisen und alles, was daraus bereitet ist, mit dem Worte für Messer, _tabé_. Danach ist ein eiserner Topf _tabé-ung_, wörtlich Messerthongefäß.[318]
Einfacher noch behelfen sich die Tsimsian, ein Stamm der Thlinkithen im Washington Territory, welche das Eisen mit ihrem Worte für schwarz, _tuts_, benannten.[319]
Fußnoten:
[283] LUBBOCK, Die vorgeschichtliche Zeit. Jena 1874. I. 244.
[284] ACOSTA, Historia natural y moral de las Indias. Sevilla 1590. 199.
[285] Transact. Americ. Ethnolog. Soc. II. 164. New-York 1848.
[286] BASTIAN, Kulturländer des alten Amerika. II. 677.
[287] NAVARRETE, Coleccion de los viages etc. Madrid 1825. I. 98. 115. 118. -- WAITZ, Anthropologie. IV. 325.
[288] PESCHEL, Zeitalter der Entdeckungen. 179. 182.
[289] PETERMANN's Mitteilungen. 1870. 326.
[290] Quarterly Journal of Science. 1819. vol. VII. 79.
[291] Hier handelt es sich also wohl um Meteoreisen und Meteorstein, letzterer mit eingesprengten Eisenpartikeln, die von den Eskimos benutzt wurden.
[292] HEARNE's Reisen nach dem nördlichen Weltmeer. Halle 1797. 118.
[293] Bullet. soc. d'Anthrop. 1883. 438.
[294] KONRAD MAURER in Zweite deutsche Nordpolfahrt. Leipzig 1873. I. 234.
[295] ADAMI OLEARII, Persianische Reisebeschreibung. Hamburg 1696. 88.
[296] HANS EGEDE's Beschreibung von Grönland. Berlin 1763. 124. 125.
[297] STELLER, Kamtschatka. 251.
[298] HOLMBERG, Völker des russ. Amerika. I. 132.
[299] SAUER, BILLINGS' Reise nach dem russ. Asien und Amerika. Weimar 1803. 161. 179. 190.
[300] HOLMBERG a. a. O. I. 101.
[301] BANCROFT, Native Races of the Pacific States. I. 164.
[302] VANCOUVER's Reise. Berlin 1799. I. 181. II. 233. 251. 283.
[303] PALLAS, Neue nordische Beyträge. St. Petersburg und Leipzig 1782. III. 223.
[304] Report upon U. S. Geograph. Survey west of the 100th Meridian. vol. VII. Archaeology. Wash. 1879. 273. Plate XV. und Plate IV. Fig. 8.
[305] STEPHENS, Incidents of travel in Yucatan. II. 344.
[306] MUSTERS, Unter den Patagoniern. Jena 1873. 177. 183.
[307] Nach Exemplaren im Leipziger Museum für Völkerkunde.
[308] HOLMBERG a. a. O. I. 28.
[309] Denkwürdigkeiten einer Reise etc. I. 214.
[310] GIBBS in Contribut. to North Americ. Ethnology. Wash. 1877. I. 237.
[311] Dictionnaire de la langue Dènè-Dindjiè. Paris 1876. XXVIII.
[312] THOMAS, Grammatica de la lengua del Peru. Valladolid (1560).
[313] Vocabulario de lengua Quichua. Lima 1608.
[314] BERTONIO, Arte y grammatica de la lengva Aymara. Roma 1603.
[315] FEBRES, Arte de la lengua general del regno de Chile. Lima 1765.
[316] MARBAN, Arte de la lengua Moxa (Lima 1701).
[317] MARTIUS, Glossaria linguarum brasiliensium. Erlangen 1863. 308. 309. 342. 350.
[318] GABB, Indian tribes of Costarica. In Americ. Philosoph. Soc. vol. XIV. 556. 565. Philadelphia 1875.
[319] Contributions to North Americ. Ethnology. I. 148.
Das Kupfer bei den Nordamerikanern.