Die Kugel Eine Philosophie in Versen

Chapter 1

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DIE KUGEL

Eine Philosophie in Versen

von

OTTO ZUR LINDE

CHARONVERLAG

Gr. Lichterfelde

1909.

Dr. Charles Humphrey Clarke gewidmet im Jahre 1902.

Gedichtanfänge:

Seite

Kam uns aus Betlehem die Kunde 9

Umlernen muss die Mathematik 10

Suh -- suh -- die Welt ist rund 13

Tausend Gründe dawider 15

Über den Anger bin ich gegangen 15

Was ich gelernt in Sünde 16

Abdruck nicht bin ich des Schöpfers 17

Wollt ichs in Prosa zerlegen 18

Um sich selber der Punkt 19

Gott ist original 20

Aber der Kreis, was ist er 21

Aber was _ist_ der Kreis 22

Da hätt ich selbst mir widersprochen 23

Können sie nichts dawider 24

Wohl schreitet die Sehnsucht 27

Suh -- suh -- ein Ton in mir 28

Im Gedränge 29

Aus deinem Innern sollst du's heben 32

Der Mensch ist allwissend. I u. II 34-35

Demut steigt in sich hinein 36

Liebe geht aus sich heraus 37

Als sich der Mensch die Sprache schuf 38

Innen und Aussen der Kugel 43

Warum dreht sich bei euch 44

Suche dich selbst 47

Grade aus liegt die Wahrheit 48

Philosophus Hanswurst, der Weise 50

Nennt mich nicht einsam 52

Riesengross wuchs meine Liebe 53

Wirfst mir den Apfel in Schooss 54

Da zählen wir es an den Fingern ab 55

Kannst du ein Ganzes teilen 57

Was die Seele dir drückt 58

Kenne dich selbst 59

Es ist ein Ton geklungen 59

I.

Kam uns aus Betlehem die Kunde Von einer Lieb im Weltenrunde; In Cusa sprach ein weiser Mund: Lieb, Welt, und All und eins ist rund. Als Drittes lernet noch hinzu: Das Ipse stirbt und schafft das Tu. So wird aus Etwas Nichts und All, Erlöst aus Egos Höllenqual. Die Lieb ist eins, von eins zu eins, Und Eins und Eins und Eins ist eins; So drei zwei eins ist urselbstein, Wo's All ist muss ein Nichts auch sein -- Das aber ist der Sündenfall: Etwas und Ego, Teil und Zahl.

Umlernen muss die Mathematik, Astronomie auch, und Physik.

Und wollen wir das Heil ergründen: Nur in der Kugel lässt sich's finden.

Das Nichts, der Punkt, die Kugel, All -- Rund ist der Cubus und der Ball.

Der schnellste Weg? Die Grade sei's? Das ist allein der Kugelkreis.

Werft fort die Kraft- und Richtungsell Und greift zum Kugelparallel,

Das alles Endes Anfang ist: Dieweil es seiner selbst vergisst:

Im Anschaun seinerselbst sich schafft Mit urselbsteiner Opferkraft:

Und urselbsteiner Stell und Stund Als Nichts und All sich fügt zum Rund ...

Es stösst im Raum sich das Quadrat, Dieweil's kein Immerwannszentrum hat;

Und in der Zeit rückt es nicht fort: Ihm fehlt der Allerwo'smittelort.

Doch wollen wir das Heil ergründen: Nur in der Kugel lässt sich's finden.

Suh -- suh -- die Welt ist rund, Ein Traum, ein Urakkord; Terz und Quint aus Gottes Mund, Septime Menschenwort.

Kugelverse. -- Erstes Körbchen.

1.

Tausend Gründe dawider zählt ihr an Fingern und Daumen, Gleich als hab' ich noch nie gründen und zählen gelernt.

2.

Was ihr selber nicht seht, ein anderes Auge wohl sieht es. -- Was ihr euch aber getraut, traut es auch anderen zu.

3.

Hinter dem Busch, wo ihr sitzet, haben auch andre gesessen, Haben das Gras gedrückt, das folgendes Morgens sich hob.

4.

Über den Anger bin ich gegangen, Habe die Blumen blühen gesehn. Farbige Lieder dufteten, sangen, Aus der Allunitas fühlt ich ein Wehn. Aber mein Auge nur sieht: mein Ohr Hört: der Zwietracht gemischten Chor.

5.

Was ich gelernt in Sünde segmentarisch erscheint es; Aber der Unschuld Kreis hab ich im Herzen gefühlt.

6.

Stosst euch an Ecken und Enden, reisst euch an Disteln und Dornen, Blutet von Schnitt und Schlag -- aber die Welt ist rund.

7.

Klagten nicht Hirn so und Herz mir, schmerzten nicht Arme und Beine, Würd' ich wohl dann noch sagen: rund ist die Welt und gut?

8.

Wenn ich ein Esel nicht wär, der Distelköpfe gefressen, Würd' ich wohl sagen, dass ihr Distelköpfe fresst?

9.

Wenn ich nicht immer noch frässe stachlige Distelköpfe, Spräch ich von Ananas euch, Brüder im langen Ohr?

10.

Könnt ich beweisen, was ich im innersten Herzen glaube, Glaube Beweis und ich schwänden im schwebenden Rund.

11.

An der Erscheinung in mir [Eder und Angeln und Ecken] Raten mögt ich ihr und regeln, aber rund ist das Sein.

12.

Innen und aussen nur Schein, Narren und Narrenhäuser, Drinnen ich, draussen ihr -- ist doch jeder ein Narr.

Kugelverse. -- Zweites Körbchen.

13.

Abdruck nicht bin ich des Schöpfers, mögt mich Analogon nennen, Ungeboren, unsterblich -- bin ich Gott parallel.

14.

Ja und Nein und Vielleicht, Punkt-Kugel-Allkonzentrisch; Schwindet die Kugel ins Nichts, schwillt der Punkt zum All.

15.

Alles dasselbe -- »und doch siehst du es tausendfältig?« Einfalt! lernet daraus, dass ihr es tausendfalt _seht_.

16.

»Sprichst uns von Kugel und Kreis .... Und all die Winkel und Ecken, Linien, Flächen und Würfel? Weiser, du bist verrückt.«

17.

Recht verrückt gesprochen! Das eben ist die Verrückung, Dass ihr die Wahrheit verrückt, dass ihr den Kreis quadriert.

18.

»Also willst du das Viereck uns zum Unendlicheck zirkeln? Willst das Verrückte verrücken, machst uns das Grade krumm?«

19.

Schwätzt nicht von Rücken und Drehen! Schwindelt euch auf der Erde? Hängt ihr des Tags an den Füssen, steht ihr des Nachts auf dem Kopf.

20.

»Stellst Du uns auf den Kopf, so strömt uns das Blut ins Gehirne.« Ach! da habt ihr wohl recht, euer Gehirn ist im Weg.

Kugelverse. -- Drittes Körbchen.

21.

Wollt' ich's in Prosa zerlegen, bräche die Kugel in Scherben; Aber im Verse geglüht schmelzen die Teile zum All.

22.

Körbchen dutzendweis senden wollt' ich dir, lieber Freund Humphrey, Würdest sie leeren und lernen ..... Aber das Publikum auch?

23.

Schwach ist ihr Magen, und kurz die Windung ihrer Gedärme; Füll ich zu viel und zu schnell, geht es unverdaut ab.

24.

Segmentarische Hirne denken nur in Segmenten; Also stopf ich den Kreis segmentarisch hinein.

25.

Haben sie erst gehäuft der Kugel Teile im Schädel, Quirlt eine glückliche Stunde das Chaos wohl zum Rund.

Kugelverse. -- Viertes Körbchen.

26.

Um sich selber der Punkt dreht sich im ewigen Stillstand; Ewig unbewegt wirbelt der Kreis ohne Rast.

27.

Auf der Peripherie kreist Gottes grenzlose Weisheit; Aber die Mathematik rutscht auf der Achse begrenzt.

28.

Alles, alles ist rund: Punkt und Fläche und Körper; Überall ist Gott -- mitten zwischen der Mensch.

29.

Mag er wohl wandern vom Punkt zu jedem Peripheriepunkt, Kehrt er zum Mittelpunkt nie kreisend als Mensch zurück.

30.

Also schafft sich der Mensch ewiggetrennte Grenzen; Grenzend schlägt er die Brücke hinter sich, vor sich, ab.

31.

Eilt die Grade dahin ruhelos in die Zukunft, Kehrt sie sausend zurück aus der Vergangenheit.

32.

Ist die Grade geründet, rollen die Ewigkeiten; Ist die Grade gerad, holpert und stolpert die Zeit.

Kugelverse. -- Fünftes Körbchen.

33.

Gott ist original; nimmer dieselbe Strecke Gehet er zweimal ab, nimmer im Pendelgang.

34.

Gleitend von A nach B vorwärts stürmt er ins Allrund, Vorwärts, immer im Kreis schwingt er nach A zurück.

35.

Ist der ängstliche Mensch von A nach B gegangen, Starrt er von B ins Leere, flieht er nach A zurück.

36.

Aber von A ins Nicht schaut er und pendelt rückwärts. So -- zwischen Nichts und Nichts hängt er am schwebenden Reck.

37.

Aber die Grade A B, die schwimmende Scholle im Weltmeer, Trägt uns nach Ost und West, trägt uns nach Nord und Süd.

38.

Hat uns die Mathematik errettet aus drohendem Tode, Hält sie auf treibender Scholle hungernd uns festgebannt.

39.

Aber die Elle, die uns unser Gefängnis quadrieret Oder zum Cubus zwingt -- ist trotz ein Kreissegment.

40.

Menschen endliche Zahl, Gottes unendliche Unzahl; Schneidet der Mensch sich Stullen, fügt sie Gott zum Leib.

Kugelverse. -- Sechstes Körbchen.

41.

Aber der Kreis, was ist er? Quadrat mit zahllosen Ecken? Nein, es ist das Quadrat vielfach gezählt ein Kreis.

42.

Sind wir in Sünde geboren, messen unser Gefängnis, Zwischen Unschuld und Allschuld zählen wir zagend die Schuld.

43.

Zwischen Nichts und All, kriechen von Etwas zu Etwas, Ausgestossen vom Nichts, ausgeschlossen vom All.

Kugelverse. -- Siebentes Körbchen.

44.

Aber was _ist_ der Kreis? Punkt hier nenn ich die Unschuld, Und im Kerker der Schuld Christus Heiland den Kreis.

45.

Mensch geworden der Gott, Symbolon: endlich -- unendlich. -- Unschuld Allwissenheit zeugten Etwas aus Nichts und All.

46.

Vater Sohn Heiliger Geist schafften mit Wissen und Wollen Drei Symbole: Punkt-Geist, Kugel-Vater, Kreis-Sohn.

Emballage zurück.

47.

Da hätt ich selbst mir wiedersprochen? Das Nichts und All sei ohne End; Nun wärs vom Etwas unterbrochen, Wo man doch End und Anfang kennt.

Fast dauern mich die armen Seelen, Kurz ist der Menschen Unverstand. Da haben sie trotz allem Zählen Fünf Finger nur an jeder Hand.

Beim Kleinsten kaum den Anfang nommen, Beim Daumen schon ans Ziel gekommen.

Quittung.

48.

Können sie nichts dawider, gar nichts dawider mir sagen _Was_ ich ihnen gesagt -- tadeln sie, _wie_ ich's gesagt.

49.

»Über das holprige Pflaster rasselt dein Distichonkarren; Zwischen der Achse Geächz langhin hallet dein Hüh.«

50.

»Jämmerlich jeglichen Vers hackt die Zäsur in zwei Verse. Freund! Deine Distichen sind triplex quadruplex gebaut.«

51.

Lest ihr so akkurat meiner Distichen Bauplan? Freunde! wenn sie nun gar keine Distichen sind?

52.

Ja sie taumeln im Hipphopp, zweimal zwei Rummeldumhälften, Griechisch, gallisch, germanisch, leider auch alliteriert.

53.

Hammerschläge ein Dutzend, knisternd sprühen die Funken. Saust der Hammer hernieder, kläppert der glühende Stahl.

54.

Sekundieren am Ambos zwei Schmiedegesellen den Meister. Viermal wechselt der Dreischlag -- schnell mit dem Stahl ins Bad.

II.

Wohl schreitet die Sehnsucht brückendes Schrittes Von Berg zu Berg übers Tal, Von Stern zu Stern; die Spur ihres Trittes Leuchtet im Weltenall.

Sie schreitet, schreitet auf glühenden Sohlen Ewig im ewigen Raum; Wo End und Anfang zeitlos rollen, Schleift ihrer Schleppe Saum.

Sie schreitet, schreitet mit suchenden Füssen Vom Vollen ins leerste Nichts; Und wo sie hintritt, im Dunkel spriessen Brennende Blumen des Lichts.

Und wo sie hintritt, im ewig Leeren Urewige Fülle aufquillt; Urewig des Endes Anfangbegehren Des Anfangs Ende stillt.

So über die Weiten und über die Zeiten Vom Nirgendwo zum Niemal Mag wohl die Sehnsucht brückend schreiten Von Berg zu Berg übers Tal.

Suh -- suh -- ein Ton in mir Der schwillt und ebbt im All Zur Weltenfuge Klanggewirr, Zur Einheit Urchoral.

Ruh -- Ruh -- so singt der Ton Der Seele Sehnsuchtslied, So schreit die Möve sturmentflohn Der übers Meer herzieht;

So heult der Sturm den Brausesang, So brüllt das Meer im Grund, Des Weltenwütens Sterbedrang, Der Tod am Leben wund.

Weh -- weh -- ein Ton in mir Zur Meeresbrandung schwillt, Die aller Ufer Qualrevier Mit bangem Schrei erfüllt.

Bis einst des Schweigens Abgrund weit Den Mutterschooss auftut, Und alles Leben, alles Leid Erlöst im Tode ruht.

Im Gedränge Der Menge Urseiender Wahrheit Zu sehen Verstehen Die werdende Klarheit; Im kleinen Erscheinen Das grosse »An-sich«, Beim Zahl-viel Ans All-ziel Erinnere dich. Da drinnen Beginnen, Da draussen das Ende; -- Dass im Innern Erinnern Das Aussen fände, Lern nennen Lern kennen Was aussen ist; Werde jetzt Was zuletzt Von Anfang du bist. Gewärtig Unfertig Die Einzelheit, Doch vorwärts Und rückwärts Die Ewigkeit. Das Leben Ein Schweben Um zuckende Flammen; Folg allen, Sie fallen Zur Sonne zusammen. Folg einer, Stets kleiner Zum Nichts sie verschwindet. Tauchst dort du, immerfort du, Ohne Rast du, so hast du Im Nichts das All ergründet. Du magst, Wo du fragst Wohl Antwort erwerben, Vom Einen Zum Keinen Zum All wohl sterben. Magst zählen, Magst schwellen, Zum Endlosen streben. Durch Tod Zu Gott; Zu Gott durch Leben. Im Innern Erinnern Und aussen Lernen. Doch immer Geflimmer Von bekannten Sternen. Wusstest schon Die Lektion Vorm Unterricht, Siehst eben Im Leben Dein eigen Gesicht. Was gewesen, Was du vergessen, Sagt dir Erinnerung. Was alt Wird bald Im Gedächtnis jung -- Stets nur Die Spur Von _deinem_ Sein. Erinnern im innern Und Lernen im Fernen; Hier, dort, das Urselbstein.

Aus deinem Innern sollst du's heben, Im Innern kreist die ganze Welt. In dich hinein das Aussenleben In einen tiefen Abgrund fällt. Aus dir heraus -- bist stets am Ende; Hinauf, hinab, rundum ..... nur Wände.

Oh wolle nicht nach Aussen schweifen, Wo deine Kerze flickernd tropft. Erkennen nenne nicht Begreifen, Gefühl nicht, wenn dein Finger klopft. Dem Spiegel wuchsen keine Flügel, Und doch siehst du die Welt -- im Spiegel.

Oh trachte nicht dich auszudehnen! Sink in dein Inneres still hinab. Lass draussen der Erscheinung Wähnen, Steig aus dem engen Weltengrab; Dort wolle nicht zur Tiefe sinken -- Kann doch in dir das All ertrinken.

Woll' nicht der Gründe Grund ergründen, Und nicht durchmessen Raum und Zeit! Nur in der Seele kannst du's finden: Das »Welteneng«, das »Weltenweit«. Da ordnen sich des Chaos Trümmer: Das Nichts, das All, das Ja, das Nimmer.

Der Kugel All ist ohne Ende, In Punktes Nichts ist kein Beginn. Von innen dich nach aussen wende Zurück zum Innerstinnen hin. Die Welt des Seins, das Nichts des Scheines, Das Ipse, Tu -- Allselbst, Alleines.

I.

Der Mensch ist allwissend, nur weiss er es nicht. Es sendet die Sonne ihr strahlendes Licht Hinaus ins weite Weltenrund. Der Sonne aber wird es nicht kund, Dass sie das Universum erhellt. Sie selber schaut sich um in der Welt Fragend und zagend von Stern zu Stern Und sieht in jeglicher Himmelsfern Die eine urewige finstere Nacht Und nichts von all der leuchtenden Pracht. Die Sonne sendet das schaffende Licht Und sucht es in Sehnsucht und findet es nicht.

II.

Der Mensch ist allwissend, und dunkel er's fühlt. In seinem Innern er suchend wühlt Und findet langsam Stück um Stück. Und heller und heller wird sein Blick, Den ihm sein Ego so gänzlich getrübt. Und wie den Säugling die säugende Amme So liebt das Ipse die leuchtende Flamme, Das eine urewige Objekt, das Tu. So stirbt das Subjekt und findet die Ruh. Allwissenheit schaff ich durch eigenen Tod, Ich war, ich bin, ich werde -- -- Gott.

Im Anfang war das Wort.

I.

Demut steigt in sich hinein Milliarden Weltenaxen weit. Ist so unermesslich klein In des Punktes Rätselewigkeit.

Innenwärts zum Innenmeere, Niederwärts zum Abgrund, zum Gefühle; Untertauchen in das Leere, Zu des Nichts unendlichem Gewühle.

Einwärts, kleinwärts, selbstwärts sinken -- Wenn ich erst das Zauberwort gefunden, Kann ich in mir selbst ertrinken -- Schrumpfen, Sterben, Schwinden, Nichts, Entschwunden.

II.

Liebe geht aus sich heraus In die allerfernste Weltenferne; Breitet ihren Mantel aus Überdeckend Milliarden Sterne.

Aussenwärts zur letzten Sphäre Überflügelt sie das letzte Licht, Wo das Volle und das Leere: Kugellall und Punktes Nichts sich trifft.

Demut, Liebe, aus und ein, Sucht mir was euch eint das Zauberwort, Urselbstein, und Ja und Nein, Grundzweck, Schale-Kern, und Hier und Dort.

Die Sprache.

Als sich der Mensch die Sprache schuf In seiner Sünden Wildnis, Was konnt sein Werk wohl anders sein Denn seines Jammers Bildnis?

Denn Sehnsucht nach dem Paradies Und Schmerz des Gottvertriebnen, Denn Trotz der eignen Willenskraft Und Trost des Gottgebliebnen?

Ja, was von Gott kommt, kehrt zu ihm. Durchmisst den Kreis der Sünden. Was ist und ward und wird -- es muss Sich alles, alles ründen.

Wohl in der Sprache hat der Mensch Den halben Kreis vollendet; Doch leuchtet sie ihn auf der Bahn, Die rück zu Gott sich endet.

Der Sünden grösste war das Wort, Doch auch der Strafen schwerste; Der Ausfahrt fernste Endstation, Doch auch der Heimfahrt erste.

Nun suchen wir den Weg zurück, Da muss das Wort uns scheinen. So kommen wir vom Schein zum Sein, Zum Glauben durch das Meinen.

Denn was ich meine, das ist mein, Und ist ans Ich gebunden, Und muss auch sterben mit dem Ich, Wenn wir das Du gefunden.

Und brennt der Worte Fackel hell, Sie zehrt am eignen Stamme; Je näher sie dem letzten Stumpf Je höher loht die Flamme.

So wandeln wir den Weg dahin Im Wortschein irdscher Klarheit, So leuchtet uns der Sprache Licht Zur Sonne ewger Wahrheit.

Das ist des Scheines leuchtend Amt, Dass es zum Sein uns lenke; Das ist des Menschen Fluch und Trost, Dass er im Irrtum -- denke.

Das ist der Zweck der Konsequenz, Die Busse unserer Sünden: Das sündgend wir von Schuld zu Schuld Den Weg zur Unschuld finden.

Es führt vom Schein kein Weg zurück Auf vor-befahrnen Gleisen; Uns muss der Schein vorwärts durch Schein Zum Sein den Weg uns weisen.

Gott gebe, dass die Fackel brenn', Bis wir zum Ziele kommen; Und dass des Glaubens Licht strahl', wenn Der Worte Schein verglommen.

III.

Innen und Aussen der Kugel allein der Mittelpunkt ist es, Überall sonst, wo du weilst, Kugel-in, Punkt-aus du bist.

Schiffst du im Meer des All ewig vom Ende zum Anfang, Ewig weiter im Nichts steuert dein Schiff seinen Curs.

Sehnend schaust du vom Bug zur Insel des Nichts der Ankunft, Hinter dir -- weltfern die Insel -- liegt das Abfahrtsall.

So von Sphäre zu Zentrum suchst du die Kugel zu queren -- Wie die Sphäre nicht abwich, nähert das Zentrum nicht an.

So von Insel zu Insel pflügt dein Schifflein die Wogen; Kommst von Nirgendwoher, steuerst nach Nirgendwohin.

Immer im Irgendwo, nimmer am Ende: am Anfang! Punktall unbrückbar und du pendelnd im Kerkersegment.

Ach! des weitesten Endes engstes Innen, des engsten Anfangs weitestes Aussen ist nur Mittelpunkt Gott.

Warum dreht sich bei euch Alles um eine Achse? Warum raubt ihr dem Punkt schnöde sein Mittelpunktsrecht?

Mittelpunkt sei der Erde ihr allerinnerstes Zentrum? Aber der Nordpol ewig vom Südpol bleibt er getrennt.

Schwingt der Äquator allein um des Äquators Mitte; Jegliche Latitud hat ihren Mittelpunkt.

Alle sitzt ihr am Stiel, fest am Stiele der Zwietracht; Doch die Allunitas schwebt um den Mittelpunkt frei.

Also befestigt der Knabe die Windvogelleine am Hölzchen; Wehe der Wind aus Nord, Osten, Süd, oder West,

Weh' er aus Allen zugleich -- nimmer wird er des Drachen Nimmer der Drachen des Windes freier Herr oder Knecht.

Immer die leidige Achse, immer das leidige Ipse, Nimmer das Kugelpunktzentrum, nimmer das einzige Tu.

Ewig weben die Parzen der Endlichkeit Drachenleine, Aber Atropos Scheere schneidet sie ewig ab.

Also reisst sich vom Stiel endlich der reifende Apfel; Aber im Kerngehäus treiben schon Stiele aufs neu.

Von der Unendlichkeit Spindeln lösen sich endliche Fäden, Aber die Fäden verknüpft geben ein endloses Band.

Liess dich Atropos frei, Atropos Dea Terrestris, Knüpft dich auf anderem Stern Atropos Altera an.

Jupiter Discors der Narr lässt seinen Drachen steigen, Und die Mütter der Tiefe weben ihm Windvogelband.

Endchen um Endchen verknüpft er zur endlosen Endlichkeitsleine, Aber am knotigen Strick hält auch der Vogel ihn fest.

Also ist auch der Wille immer der Sklave des Willens; Nimmer noch liess den Willen der Wille dem Willen mit Gunst.

Immer noch war der Gehorsam verzichtenwollen auf Willen; Herr und Sklave des Sklaven, des Sklaven Sklave und Herr.

Geben und Nehmen: zur Einheit ist es getrennt in Zwietracht -- Geben und Nehmen: zur Vielheit ist es in Eintracht vereint.

Aber was red ich von Vielheit! mit Hülfe der Elle der Zwietracht Auszumessen das Urselbst -- wahrlich ein Narrenstück.

Urselbsteiniges Wesens schwebt allwissend das Tu-Rund, Aber das Ipsesegment zehrt von Erinnerung.

Abgebröckelt vom Urselbst sucht das Teilselbst die Heimat, Jupiter Discors der Narr hält am Knotenstrick fest es der Zahl.

Fliegt ein Eins zum Zweiten, sucht beim Dritten und Vierten, In sich selber sogar findet es forschend das Viel.

Aber das Eins im Vielen ahnt es, das Tu der Erfüllung -- Stürzt sich das Ipse ins Nichts, steigt das Tu auf zum All.

Suche dich selbst; du findest die Menschheit, Gott und Welt -- und schwindest ins Nichts. Da wurzelt die Strahlenkugel der Eintracht, Die sich im Punkt verneint Und in der Sphäre bejaht.

Fliehe dich selbst; am ewigen Etwas Rüttelst du ratlos, am vielen Vielleicht. Das weicht nicht aussen noch innen; in Zwietracht Pendelnd von Sphäre zum Punkt Bleibst du ein Zwischensegment.

Jedes: Punkt, Kugel: eint Aussen und Innen, Beide: Punkt, Kugel: sind parallel Mitander, mitselbst, und sind eins. -- Kein Etwas: Oder sich selbst divergent Klemmt's zwischen Nichts und All.

»Grade aus liegt die Wahrheit; folge nur deiner Nase!« Aber die Nase sie steht im Gesichte mir schief.

Also gehe du schief, und mache du einen Umweg; Führt doch jeglicher Weg immer im Kreise herum.

Wo du auch hingehst, geh nur vorwärts, kommst du doch immer Von der anderen Seite zum Ausgangspunkt zurück.

Also siehst du, wie recht jener Weltweise hatte, Als er sprach: Das Ding ist immer ein Widerspruch.

Sein und Nichtsein am Ort .... wahrlich um nicht zu sein dort Wo du nicht bist, musst du an eben dem Orte sein.

Denn wie könntest du wissen, dass dieses Ding nicht am Ort ist, Bist du nicht selber am Ort, wo du das Ding nicht findst.

Aber ich _muss_ dort nicht sein, um dieses Ding nicht zu sehen. Aber ist Sehen etwa weniger anwesend sein?

Doch ich brauch nicht zu sehen, brauche nur eben zu denken; Bist du selber auch hier, ist dein Denken doch dort.

Bist du in A, so bist du nicht in B selbsteigen; Aber mein Freund nur dann -- wenn du in B dich nicht fandst,

Bist du mehr nun in A, denn als du in B warst auf Kundschaft? Häh, mein Freund, da sind wir wieder beim Ipse und Tu.

Hat dir solches gepredigt Hänschen im Puppenkasten, Predigt die Weisheit dir Hans, selbst bis zum Überdruss.

Also ist es gewesen immer in deutschen Landen: Soll man dir glauben, so sage unbeirrt deinen Spruch.

Sage ihn einmal und zweimal, sage ihn heute und morgen; Was du dem Vater gesagt, glaubt dir am Ende der Sohn.

Philosophus Hanswurst, der Weise, Dreht auf dem Absatz sich im Kreise. Das Welten Weit-rund kennt er nun, Bleibt noch das Allrund abzutun, Das Oben und Unten im Kugelraum -- Hans Wurst schlägt einen Purzelbaum. Das Innen will er noch durchqueren Zur Insel Nichts im Meer des Leeren. Da krümmt und windet sich der Weise Auf eine ganz verzwickte Weise Und beisst sich in den grossen Zeh Inbrünstiglich aus Demutsweh. So Kugel-Igel-kontrahiert, Wie er sich einzieht, schrumpft, und schnürt, Und abstrahiert, und dividiert, Zum Schluss den Nabel noch negiert -- Da kommt des Wegs ein Düngerkarren, Der hätt ihn beinah überfahren; Dieweil der punktgeschrumpfte Weise Ganz körperhaft im Fahrgeleise Wie ein Paket am Wege lag. Der Fuhrmann aber fluchte sehr, Und hat noch schnell sein Pferd gezügelt: Was das für ein Gebaren wär, Dass einer gar am hellen Tag Betrunken sich am Boden kügelt!? Und ho! und he! nicht sehr zivil Traktiert ihn mit dem Peitschenstiel. Da fühlt der Narr, was ihn verdross, Sich körperhaft an Schlag und Stoss; Hat sich die wunde Haut gerieben. An der Erkenntniss trug er schwer, Die Insel aber im leeren Meer -- Ist diesmal unentdeckt geblieben.

Nennt mich nicht einsam, wenn ich angstvoll lausche Dem Rätselraunen des, der Grösser ist, Vor dem ich widerstrebend schrumpfe, dem ich Niemals entrinne, der mich niederbeugt, Und ist mein ander selbst -- nennt mich nicht einsam.

Da flieh ich in die Einsamkeit vor ihm Zu andern Menschen, die kein ich kein Du sind. Ich einsam unter ihnen als ein Er Bin ledig meines Du's -- das ist das Weltmeer; Es soll mich trinken ach! und ist so leer; Mich füllen ach! zu voll ist seine Fülle.