Part 13
Die Ursache der Krankheit ist der von dem norwegischen Forscher _Hansen_ 1868 zuerst beobachtete Leprabazillus, ein schlankes, dem Tuberkelbazillus in mancher Hinsicht ähnliches, unbewegliches Stäbchen, das sich in ganz kolossalen Mengen in den Lepraknoten der Haut und Schleimhäute, besonders häufig auch im Nasensekret bei geschwürigen Prozessen der Nase, bei der Nervenlepra endlich im Zwischengewebe der Nerven findet. Die Kultur dieses Stäbchens ist trotz sehr zahlreicher Bemühungen nicht gelungen, auch sind bisher noch alle Versuche, die Krankheit auf Tiere der verschiedensten Arten überzuimpfen, fehlgeschlagen. Unsere Anschauungen von der Verbreitungsweise der Krankheit und somit auch die Maßnahmen zu ihrer Eindämmung, gründen sich also ganz ausschließlich auf die Beobachtungen am Menschen.
Es steht unzweifelhaft fest, daß die Krankheit ausschließlich bei Individuen auftritt, die einmal in ihrem Leben mit Leprösen in Berührung gekommen sind, freilich ist die Inkubationszeit außerordentlich lang, allem Anschein nach erstreckt sie sich über Jahre. Die Art und Weise der Übertragung der Keime ist noch nicht völlig aufgeklärt; besonders gefährlich scheint das bazillenhaltige Nasensekret zu sein, das sich in einem großen Teil der Fälle findet. Jedenfalls aber findet die Übertragung nur bei intimer Berührung resp. bei mangelnder Reinlichkeit statt; das wird auf das schlagendste bewiesen durch die Tatsache, daß _Hansen_ selbst in jahrzehntelanger Tätigkeit auch nicht einen einzigen Fall von Übertragung der Krankheit auf das _Pflegepersonal_ gesehen hat. Daß die Lepra allein durch die Isolierungsmethode auf das wirksamste bekämpft werden kann, zeigt das Beispiel Norwegens, wo die Zahl der Leprösen von 2870 im Jahre 1856 auf 577 im Jahre 1900 herabgegangen ist. Seit dem Jahre 1885 besteht dort der gesetzliche Zwang zur Aufnahme in ein Leprahaus für jeden von der Krankheit Befallenen, der nicht die Möglichkeit nachweist, in seiner eigenen Wohnung bestimmten, der Isolierung dienenden Vorschriften strengstens nachzukommen. In manchen Staaten ist Leprösen das Eingehen einer Ehe nicht gestattet; diese Bestimmung erscheint durchaus gerechtfertigt, solange die Krankheit, wenn sie einmal ausgebrochen, als unheilbar zu gelten hat.
In neuester Zeit berichteten die Zeitungen über günstige Erfolge, die der deutsche Forscher _Deycke_ mit einem Impfstoff gegen die Lepra erzielt haben soll. Vor der genauen Veröffentlichung der Resultate, die bisher noch aussteht, wird man sich jedes Urteils über den Wert des neuen Mittels enthalten müssen.
Schlußwort.
Rückblick und Ausblick.
Man hört zuweilen in Laienkreisen ungeduldige und abfällige Urteile über die Bakterienforscher und ihre Erfolge: »Wozu hilft uns die Entdeckung immer neuer Krankheitserreger, wenn man nicht gleichzeitig Mittel findet, um die Menschheit von ihnen zu befreien!« In der Tat, für unsere Wünsche und Hoffnungen geht der Fortschritt der Wissenschaft im Kampfe mit diesen tückischen kleinen Feinden immer zu langsam. Wir müssen mit Bedauern eingestehen, daß trotz aller geleisteten Arbeit noch immer unübersehbares Elend durch die pathogenen Bakterien entsteht. Das gilt auch, wenn wir von den außerordentlich großen Verlusten an Menschenleben ganz absehen, die auf Rechnung der _exotischen Seuchen_ zu setzen sind, wenn wir also nur unser Klima und die Verhältnisse in Europa betrachten.
Ein Versuch, ein zuverlässiges Urteil darüber zu gewinnen, welchen Schaden der Kulturmenschheit die bakteriellen Infektionskrankheiten heute noch zufügen, stößt auf große Schwierigkeiten. Wir müßten etwa festzustellen trachten, wie viele Menschen in einem bestimmten Zeitabschnitte in unserem Klima an bakteriellen Infektionen _erkranken_, wie lange Zeit sie arbeits- und genußunfähig werden, ob und welchen dauernden Schaden die »Geheilten« etwa behalten, wobei besonders auch an die Folgen bestimmter Krankheiten für Ehe und Nachkommenschaft zu denken wäre, endlich: wie viele den Krankheiten erliegen.
Die Beantwortung aller dieser Fragen stößt auf außerordentlich große Schwierigkeiten; am ehesten können wir noch die letzte von ihnen in präziser Weise beantworten -- auf Grund von Statistiken über die _Todesursachen_, die uns freilich nur einen gewissen gröbsten Maßstab für die Größe des Schadens geben. Anspruch auf völlige Zuverlässigkeit haben solche Zusammenstellungen streng genommen nur dann, wenn sie sich auf Sektionsbefunde stützen.
Als Beispiel einer solchen Zusammenstellung mag eine von Geheimrat _Marchand_ veröffentlichte Todesursachenstatistik dienen, die sich auf die im Leipziger Pathologischen Institut in den Jahren 1900 bis 1905 vorgenommenen Leichenöffnungen stützt:
Von 7140 Todesfällen waren allein 1652 (= 23%) auf Tuberkulose zurückzuführen; 687 (= 9,6%) weitere auf andere ansteckende Krankheiten, während z. B. auf äußere Einwirkungen aller Art (Unglücksfälle, Verbrennungen, Verletzungen) im ganzen 561 (= 7,8%) der Todesfälle zurückgingen. Auf Rechnung von pathogenen Bakterien sind nun aber weiterhin noch eine sehr beträchtliche Zahl von Todesfällen zu setzen, die durch Erkrankung lebenswichtiger Organe _im Anschluß_ an eine vorangegangene bakterielle Infektion entstanden sind. (»Nachkrankheiten«, s. o. in Kapitel II.) Die genaue Aussonderung dieser Fälle stößt auf gewisse Schwierigkeiten. Mit einiger Sicherheit kann man in dem hier herangezogenen Material noch mindestens 833 = 11,7% der Fälle in diese Rubrik einordnen. Die Gesamtzahl der sicher durch pathogene Bakterien verursachten Todesfälle beträgt demnach für unser Material 3172 = 44,4% der Gesamttodesfälle.
Nur _eine_ Krankheitsgruppe kann sich an trauriger Bedeutung für die Menschheit mit den Infektionskrankheiten messen: die »bösartigen Geschwülste«, die »Krebskrankheit« im weiteren Sinne, die in unserer Statistik mit 799 = 11,2% der Todesfälle vertreten ist.[13]
Wir müssen also ohne weiteres einräumen, daß auch heute noch -- trotz der gepriesenen Großtaten der Wissenschaft -- unendlich großes Elend durch pathogene Bakterien der Menschheit bereitet wird. Haben wir deshalb Grund zu verzagen, die Hände in den Schoß zu legen? Gewiß nicht; im Gegenteil, wir haben allen Grund, hoffnungsvoll in die Zukunft zu sehen. Dazu berechtigen uns die wirklich erreichten Erfolge. Freilich ist es noch außerordentlich viel schwieriger, von ihrem Umfang eine annähernd richtige Vorstellung zu gewinnen, als von den Verwüstungen, die die Infektionskrankheiten anrichten.
Die einfachsten und deshalb durchsichtigsten Verhältnisse finden wir bei den beiden Krankheiten, die wir am wirksamsten bekämpfen gelernt haben, bei den »Pocken« und bei der »Diphtherie«. Man kann wohl annehmen, daß im 18. Jahrhundert in Europa im allgemeinen 1/14 bis 1/12 aller Todesfälle durch Blattern verursacht waren. (_Kübler_, Geschichte der Pocken und der Impfung S. 101.) Heute ist _diese_ Krankheit in Deutschland so gut wie unbekannt, in den andern Kulturländern ebenfalls um so seltener, je allgemeiner die Schutzpockenimpfung durchgeführt ist. Hier dürfen wir mit Recht also von einem vollständigen Sieg der Kulturmenschheit über einen Infektionskeim sprechen.
Nicht ganz so günstig liegen die Erfolge gegenüber der Diphtherie, die auch nach der Einführung des _Behring_schen Heilserums immer noch Opfer fordert; darüber aber sind Ärzte und Laien sich einig, daß auch diese gefürchtete Krankheit seit der Entdeckung dieses Mittels ihren Schrecken größtenteils verloren hat. Das beweisen vor allem auch die statistischen Feststellungen, die von jenem Augenblick an einen ganz erheblichen Abfall der Diphtherie-Sterblichkeit zeigen.
Auch die Wutschutzimpfung mit ihren segensreichen Folgen gehört zu den unmittelbaren Erfolgen der Wissenschaft; ebenso ist hier die siegreiche Bekämpfung bakterieller Tierseuchen noch einmal zu erwähnen.
Aber -- kommt der ungeduldige Leser wieder zum Worte -- gegen alle die vielen anderen Krankheitserreger, die entdeckt und bis auf alle Einzelheiten ihrer Lebensbedingungen und Lebensäußerungen untersucht worden sind, hat man immer noch kein Radikalmittel von zweifellosem Wert? Die Antwort lautet: Nein; aber man hat vielversprechende Anfänge an verschiedenen Punkten, und wir dürfen hoffen, daß manche der Heilsera und manche Schutzimpfungsmethoden sich noch bewähren werden, oder aber, daß bessere Mittel an ihre Stelle treten werden.
Wir dürfen also _hoffen_, wird der Leser erwidern -- mit anderen Worten: Zukunftsmusik! -- Doch nicht ganz; denn man vergißt in seiner Ungeduld über dem Wunsche nach radikalen Heil- und Schutzmitteln, die ja freilich als letztes praktische Ziel aller Forschung über pathogene Bakterien vorschweben, den großen _mittelbaren_ Nutzen, den die bisherigen Ergebnisse der Wissenschaft schon gehabt haben.
Es ist hier schlechterdings nicht möglich, im einzelnen auszuführen, welchen Umschwung in den ärztlichen Anschauungen, in der Erkennung, Behandlung und vor allem in der _Verhütung_ von Krankheiten die Bakteriologie herbeigeführt hat. Hier muß vor allem auf den schwer schätzbaren, aber sicher gewaltigen Fortschritt hingewiesen werden, den die _Verhütung der Seuchen_ gemacht hat. Aber nicht nur exotischen Krankheiten stehen wir bei weitem besser gerüstet gegenüber als vor den Erfolgen _Robert Kochs_; auch den endemischen Infektionskrankheiten können wir wirksamer als zuvor entgegentreten.
Von unabsehbarer Bedeutung für die Menschheit ist aber ferner der gewaltige Aufschwung, den die _operative Medizin_ -- in erster Linie dank den Errungenschaften der Bakteriologie -- genommen hat. Die Voraussetzung für die erstaunliche Entwickelung der Chirurgie im Verlauf der drei letzten Jahrzehnte war die Entdeckung der Ursachen der Wundkrankheiten und die Ausbildung der Methoden zu ihrer Verhütung. Wer vermag zahlenmäßig zu belegen, wieviele Menschenleben um Jahre, ja Jahrzehnte, verlängert worden sind durch chirurgische Eingriffe, die früher gar nicht gewagt werden konnten, weil sie sicheren Tod des Operierten zur Folge gehabt hätten! Gerade auch der gefürchteten Krebskrankheit gegenüber hat so -- auf Umwegen -- die Entdeckung der pathogenen Bakterien zu großen Erfolgen geführt, indem sie operative Eingriffe ermöglichte, an die sich vor der Einführung von Antisepsis und Asepsis in die Chirurgie auch der kühnste Operateur mit Recht nicht heranwagte.
Kurz: die mittelbaren und unmittelbaren praktischen Ergebnisse der Wissenschaft für den Kampf gegen die Infektionskrankheiten sind heute schon gewaltig große, und mit Recht verehrt die Menschheit unter ihren Wohltätern _Jenner_, _Pasteur_, _Koch_, _Behring_. Mit Recht dürfen wir aber auch hoffen, daß der unaufhaltsame Fortschritt der Wissenschaft der Menschheit immer neue Mittel in die Hand geben wird, der pathogenen Bakterien Herr zu werden, ja, daß einmal der Tag kommen wird, an dem man, wenn nicht alle, so doch manche oder viele Arten dieser Schädlinge ebenso unschädlich gemacht hat, wie den Pockenkeim, der Tag, an dem man von Cholera und Pest, ja von Syphilis und Tuberkulose nur noch aus den Büchern der Geschichte erfahren wird, der Tag, an dem man die Abbildungen von diesen Krankheiten mit dem gleichen Interesse betrachten wird, mit dem wir heute vor den Skeletten der gewaltigen Tierarten stehen, die unseren Vorfahren nach dem Leben trachteten.
Druck von B. G. Teubner in Dresden.
Fußnoten
[1] Zur Geschichte der bakteriologischen Wissenschaft vgl. besonders: _Loeffler_, Vorlesungen über die geschichtliche Entwicklung der Lehre von den Bakterien. Leipzig 1887.
[2] Näheres über die Urzeugung s. bei _Gutzeit_, ~l. c.~, S. 16 ff.
[3] Näheres siehe bei _Gutzeit_, S. 22 ff.
[4] Die Einrichtung unserer modernen Mikroskope ist recht kompliziert und mit wenigen Worten nicht zu erörtern. Eine Einführung in die Konstruktion und Verwendung des Mikroskopes findet sich in Bd. 36 dieser Sammlung: Scheffer, Das Mikroskop.
[5] pathogen = krankheiterregend von griechisch πάθος = die Krankheit, Stamm γεν = erzeugen.
[6] Wir müssen hier mit einigen Worten die Zusammensetzung des Blutes und die wichtigsten Eigenschaften seiner Bestandteile besprechen. Das Blut besteht aus einem flüssigen Bestandteile, dem Plasma, und sehr zahlreichen kleinsten runden Scheibchen, den sogenannten roten Blutkörperchen, die das Hämoglobin enthalten, den roten Farbstoff, der die schöne rote Farbe frischen Blutes bewirkt. Diese Scheibchen sind außerordentlich klein: 1 ~cbmm~, also ein Bluttröpfchen, das kaum größer ist als ein Stecknadelkopf, enthält 4–5000000 davon. Mit Hilfe sehr feiner Meßapparate hat man den Durchmesser eines solchen roten Blutkörperchens des Menschen gleich ungefähr 7 µ bestimmt. Außer den roten enthält das Blut in viel geringerer Zahl noch andere zellige Elemente von etwas verschiedenem Charakter, die im Gegensatz zu jenen farblos sind und als weiße Blutkörperchen (Leukocyten) bezeichnet werden. Sie sind zum Teil ein wenig größer als die roten Blutkörperchen und besitzen ebenso wie niederste tierische Lebewesen, z. B. die Amöben, die Eigenschaft selbständig ihre Gestalt zu verändern und besonders auch kleine körperliche Elemente, die in ihr Bereich kommen, in ihren Zelleib aufzunehmen.
[7] _Kübler_, Geschichte der Pocken und der Impfung. Bibliothek von Coler. Bd. 1.
[8] Der technische Ausdruck für diese Einverleibungsmethoden lautet: parenteral, was aus dem Griechischen etwa zu übersetzen wäre: unter Vermeidung des Darmweges.
[9] Eine eingehendere gemeinverständliche Darstellung dieser höchst interessanten Phänomene von Prof. _Duerck_ wird demnächst in dieser Sammlung erscheinen.
[10] Eine Landgrenze vollständig zu sperren gilt als nahezu unmöglich -- selbst bei der Anwendung der strengsten Maßnahmen. -- Der Ausbau der Eisenbahnen, die Europa mit dem Orient verbinden, wird unsere Seuchen-Prophylaxe daher erschweren.
[11] Merkwürdigerweise hat sich zusammen mit dem Ausdruck: »die Luft verpesten« auch in weiten Kreisen ein Irrtum erhalten, der den unklaren und falschen mittelalterlichen Vorstellungen vom Wesen und der Entstehung von Seuchen entspricht und selbst in den Kreisen der Journalisten bedauerlicherweise noch lebendig ist: Als am Ende des Jahres 1908 die furchtbare Erdbebenkatastrophe Messina vernichtet hatte, brachten die Tageszeitungen wiederholt die Meldung, man befürchte, die verwesenden Leichen könnten zur Entstehung von Seuchen Anlaß geben. Ja, ein sehr verbreitetes Blatt ließ sich sogar telegraphieren, man beabsichtige, durch ein Bombardement der Trümmerstätte dem Ausbruch der _Pest_ vorzubeugen. Dies Bombardement ist mit Recht unterblieben, denn die italienischen Behörden wußten über Seuchenentstehung besser Bescheid als jener Korrespondent. Sie wußten, daß eine Pestepidemie durchaus nur im Anschluß an Pestfälle -- bei Menschen oder Tieren -- entstehen kann. Da nun vor dem Erdbeben sicher kein Pestfall in Messina vorhanden war, konnte sich auch aus den Leichen kein solcher »entwickeln«, denn die Pesterreger entwickeln sich ebensowenig durch »Urzeugung« wie andere Bakterien. (Vgl. die Einleitung zu diesem Bändchen.)
[12] In Band 47 dieser Sammlung findet sich eine Behandlung der Tuberkulose von Schumburg. Ich beschränke mich deshalb hier auf eine ganz kurze Besprechung der wichtigsten Punkte.
[13] Für die hier und da verteidigte Ansicht, daß auch die »Krebskrankheit« durch eine _belebte_ Krankheitsursache, ein pathogenes Kleinlebewesen, hervorgerufen werde, fehlt bisher jeder Beweis. Alle bisher entdeckten »Krebserreger« haben der Kritik nicht standhalten können.
Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin.
Einführung in die Physiologie der Einzelligen (Protozoen).
Von Dr. =S. v. Prowazek=. Zoolog. Assistent am Seemanns-Krankenhaus und Institut für Schiffs- und Tropenkrankheiten in Hamburg. Mit 51 Abbild. [IV u. 172 S.] gr. 8. 1910. In Leinw. geb. _M_ 6.--.
In dem Buch wird der Versuch gemacht, die wichtigsten, in vielen heterogenen Zeitschriften medizinischen und biologischen Inhalts zerstreuten Tatsachen, die sich auf die Physiologie der Protozoen, die jetzt gerade im Vordergrunde des medizinischen und biologischen Interesses stehen, beziehen, in übersichtlicher Weise zu sammeln und unter einheitlichen Gesichtspunkten darzustellen. Leider wurde bis jetzt die Physiologie der Einzelligen mit wenigen Ausnahmen selten von einheitlichen Gesichtspunkten bearbeitet, und so mußte sich die Darstellung manches Kapitels nur mit Anregungen für eine weitere Bearbeitung in diesem Sinne begnügen. Es ist aber in diesem Buche gleichzeitig der Versuch gemacht worden, die neuesten Ergebnisse der Morphologie der Protozoen mit der Physiologie in Einklang zu bringen und die letzten Gestaltprinzipien der Einzelligen -- ihre Morphe -- unter den Gesichtswinkel einer physiologischen Betrachtungsart zu stellen. In diesem Sinne stellt manches Kapitel dieser Schrift ein Programm für eine physiologische Promorphologie der Einzelligen, die nicht die einfachst organisierten Zellen, sondern die höchst differenzierten einzelligen Organismen sind. Natürlicherweise mußten wiederholt die Probleme des neueren Vitalismus gestreift werden -- doch ist diese Stellungnahme mehr subjektiver Natur, und es soll in diesem Sinne überhaupt nicht das letzte Wort gesprochen werden. In erster Linie soll aber das Buch nur eine Einführung in eine Protistenphysiologie sein, ein Nachschlagebuch, das für den Mediziner und den Biologen die wichtigsten Tatsachen aus dem Gebiete der Protistenphysiologie in kurzer Form mit den entsprechenden Literaturnachweisen bringt. Die Hauptkapitel sind aber derart abgefaßt worden, daß der der Protozoenbiologie Fernerstehende sich über die wichtigsten Probleme der Kern- und Protoplasmaphysiologie, über Befruchtung, Vermehrung, Ernährung und die verschiedenen Tropismen der Protozoen orientieren kann.
Planktonkunde.
Von Dr. =A. Steuer=. Privatdozent an der Universität Innsbruck. Mit 365 Abbild. und einer farb. Tafel. [XV u. 723 S.] gr 8. 1910. In Leinw. geb. _M_ 26.--.
Bei dem ungeahnten Aufschwung, den die Planktonkunde in den letzten Jahren genommen, dürfte eine zusammenfassende Darstellung der gesamten Planktologie, wie sie hier zum ersten Male geboten wird, nicht unerwünscht sein: dem Geographen, Zoologen und Botaniker und nicht in letzter Linie dem praktischen Fischer als übersichtliches Handbuch, dem Lehrer und Lernenden als Grundlage für den Unterricht sowohl wie für selbständige wissenschaftliche Arbeit auf den einschlägigen Gebieten.
Lehrbuch der Paläozoologie.
Von Dr. =E. Stromer von Reichenbach=. Privatdozent an der Universität München. 2 Teile. Mit zahlr. Abbild. gr. 8. In Leinw. geb. I. Teil: Wirbellose Tiere. Mit 398 Abbild. [X u. 342 S.] 1909. _M_ 10.--. II. Teil: Wirbeltiere. (Erscheint im Herbst 1910.)
Verfasser legt im engsten Anschlusse an die Resultate der Zoologie die Organisation der Tiere klar, erörtert ihre Lebensweise, während die Systematik nur in ihren Prinzipien und bis zu den Ordnungen genauere Berücksichtigung findet. Der allgemeinen Paläozoologie wird ein größerer Raum gewährt. So folgen im ersten Bande der kurzen Definition und Vorgeschichte der Wissenschaft eine ausführliche Darstellung der Erhaltungsbedingungen von Tierresten, eine Abhandlung über Skelettbildung und eine Klarlegung des Verhältnisses der Paläozoologie zu den anderen beschreibenden Naturwissenschaften. Im speziellen Teile werden dann die Stämme der Wirbellosen nach Bau, Einteilung, räumlicher und zeitlicher Verbreitung sowie in bezug auf die Stammesgeschichte besprochen. In dem zweiten Bande werden die Wirbeltiere ebenso behandelt und zum Schlusse soll eine Ergänzung der einleitenden allgemeinen Paläozoologie folgen, nämlich eine Darstellung der Rolle der gesamten Tierwelt in den früheren Zeiten, ihrer Gesamtentwicklung und der dabei geltenden Gesetze und damit eine Klarlegung der Bedeutung der Paläozoologie für die Tiergeographie und die Abstammungslehre.
Anleitung zur Kultur der Mikroorganismen.
Für den Gebrauch in zoologischen, botanischen, medizinischen und landwirtschaftlichen Laboratorien
Von Dr. =Ernst Küster=
Professor am Botanischen Institut in Kiel.
Mit 16 Abbildungen. In Leinwand geb. _M_ 7.--.
Das Buch gibt eine Anleitung zum Kultivieren aller Arten von Mikroorganismen (Protozoen, Flagellaten, Myzetozoen, Algen, Pilzen, Bakterien), bringt eine Übersicht über die wichtigsten Methoden zu ihrer Gewinnung und Isolierung, behandelt ihre Physiologie, insbesondere die Ernährungsphysiologie, soweit ihre Kenntnis für Anlegen und Behandeln der Kulturen unerläßlich ist, und versucht zu zeigen, in wie mannigfaltiger Weise die Kulturen von Mikroben für das Studium ihrer Entwicklungsgeschichte, Physiologie und Biologie verwertet werden können und schon verwertet worden sind.
»Das Küstersche Buch gibt in knapp 200 Seiten eine übersichtliche und doch reiche Darstellung der Kulturmethoden der Mikroorganismen. Ein allgemeiner Teil, der gerade dem Mediziner viel Anregung bietet, beschäftigt sich mit den Nährböden, ihrer Herstellung und ihrer Wirkung auf die Organismen, mit den Behältern der Nährböden und mit der Herstellung der Kulturen, im besonderen der Reinkulturen. Wertvoll ist die Zusammenstellung bisher zerstreuter und schwer zugänglicher Angaben und Rezepte.«
(=Deutsche Medizinische Wochenschrift.=)
Das Verhalten der niederen Organismen unter natürlichen und experimentellen Bedingungen.
Von =H. S. Jennings=
Professor der experimentellen Zoologie an der Johns Hopkins University in Baltimore.
Übersetzt von Dr. med. et phil. =E. Mangold=
Privatdozent an der Universität Greifswald.
[ca. 580 S.] gr. 8. In Leinwand geb. [Erscheint Ostern 1910.]
Der bekannte amerikanische Biologe gibt eine äußerst klare und ansprechende, von zahlreichen Abbildungen begleitete Darstellung des physiologischen Verhaltens und der auf die verschiedenen Reize der Außenwelt erfolgenden allgemeinen Körperbewegungen der einzelligen Organismen und der niederen Tiere. Der objektiv beschreibende und der theoretisch analysierende Teil des Buches bilden die Grundzüge einer vergleichenden Physiologie, welche es verdienen, weiteren Kreisen zugänglich gemacht zu werden.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Der Katalog »Aus Natur und Geisteswelt« wurde als eigenes Projekt PG54614 auf gutenberg.org veröffentlicht und hier entfernt.
Korrekturen:
S. 29: Menschen → Mengen mit genau gleichen {Mengen} einer Reinkultur
S. 122: Psychologie → Physiologie Grundzüge einer vergleichenden {Physiologie}
End of Project Gutenberg's Die krankheiterregenden Bakterien, by Max Loehlein