Die krankheiterregenden Bakterien Entstehung, Heilung und Bekämpfung der bakteriellen Infektionskrankheiten des Menschen

Part 1

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Die Sammlung

»Aus Natur und Geisteswelt«

nunmehr schon über 600 Bändchen umfassend, sucht seit ihrem Entstehen dem Gedanken zu dienen, der heute in das Wort: »_Freie Bahn dem Tüchtigen!_« geprägt ist. Sie will die Errungenschaften von Wissenschaft, Kunst und Technik _einem jeden zugänglich_ machen, ihn dabei zugleich unmittelbar im _Beruf fördern_, den _Gesichtskreis erweiternd_, die _Einsicht_ in die Bedingungen der Berufsarbeit _vertiefend_.

Sie bietet wirkliche »_Einführungen_« in die Hauptwissensgebiete für den _Unterricht oder Selbstunterricht des Laien_, wie sie den heutigen methodischen Anforderungen entsprechen. So erfüllt sie ein Bedürfnis, dem Skizzen, die den Charakter von »Auszügen« aus großen Lehrbüchern tragen, nie entsprechen können; denn solche setzen vielmehr eine Vertrautheit mit dem Stoffe schon voraus.

Sie bietet aber auch dem _Fachmann_ eine _rasche zuverlässige Übersicht_ über die sich heute von Tag zu Tag weitenden Gebiete des geistigen Lebens in weitestem Umfang und vermag so vor allem auch dem immer stärker werdenden Bedürfnis des _Forschern_ zu dienen, sich _auf den Nachbargebieten_ auf dem laufenden zu erhalten.

In den Dienst dieser Aufgabe haben sich darum auch in dankenswerter Weise von Anfang an die besten Namen gestellt, gern die Gelegenheit benutzend, sich an weiteste Kreise zu wenden, an ihrem Teil bestrebt, der Gefahr der »Spezialisierung« unserer Kultur entgegenzuarbeiten.

Damit sie stets auf die Höhe der Forschung gebracht werden können, sind die Bändchen nicht, wie die anderer Sammlungen, stereotypiert, sondern werden -- was freilich die Aufwendungen sehr wesentlich erhöht -- bei jeder Auflage durchaus neu bearbeitet und völlig neu gesetzt. So konnte der Sammlung auch der Erfolg nicht fehlen. Mehr als die Hälfte der Bändchen liegen bereits in 2. bis 6. Auflage vor, insgesamt hat sie bis jetzt eine Verbreitung von weit über 4 Millionen Exemplaren (bis 1. Aug. 1917) gefunden.

Alles in allem sind die schmucken, gehaltvollen Bände, denen Professor _Tiemann_ ein neues künstlerisches Gewand gegeben, besonders geeignet, die Freude am Buche zu wecken und daran zu gewöhnen, einen kleinen Betrag, den man für Erfüllung körperlicher Bedürfnisse nicht anzusehen pflegt, auch für die Befriedigung geistiger anzuwenden. Durch den billigen Preis ermöglichen sie es tatsächlich jedem, auch dem wenig Begüterten, sich eine Bücherei zu schaffen, die das für ihn Wertvollste »Aus Natur und Geisteswelt« vereinigt.

Jedes der meist reich illustrierten Bändchen ist in sich abgeschlossen und einzeln käuflich

Jedes Bändchen geheftet M. 1.20, gebunden M. 1.50 Werke, die mehrere Bändchen umfassen, auch in _einem_ Band gebunden

=Leipzig=, im Januar 1918. =B. G. Teubner=

Jedes Bändchen geheftet M. 1.20, gebunden M. 1.50

Zur Gesundheitspflege und Heilkunde

sind bisher erschienen:

Bau und Leben des menschlichen Körpers im allgemeinen:

=Bau und Tätigkeit des menschlichen Körpers.= Einführung in die Physiologie des Menschen. Von Prof. ~Dr.~ _H. Sachs_. 4. Auflage. Mit 34 Abbildungen. (Bd. 32.)

=Die Anatomie des Menschen.= Von Prof. ~Dr.~ _K. v. Bardeleben_. 6 Bände. (Bd. 418–423.) ~I.~ Teil: Zellen- und Gewebelehre. Entwicklungsgeschichte. Der Körper als Ganzes. 2. Auflage. Mit 70 Abbildungen. ~II.~ Teil: Das Skelett. 2. Auflage. Mit 53 Abbildungen. ~III.~ Teil: Das Muskel- und Gefäßsystem. 3. Auflage. Mit 68 Abbildungen. ~IV.~ Teil: Die Eingeweide (Darm-, Atmungs-, Harn- und Geschlechtsorgane). 2. Auflage. Mit 39 Abbildungen. ~V.~ Teil: Nervensystem und Sinnesorgane. Mit 50 Abb. ~VI.~ Teil: Mechanik (Statik u. Kinetik) des menschlichen Körpern 2. Aufl. Mit Abb.

=*Physiologie des Menschen.= Von Privatdozent ~Dr.~ _A. Lipschütz_. 4 Bände. (Bd. 527–530.) ~I.~ Allgemeine Physiologie ~II.~ Physiologie des Stoffwechsels. ~III.~ Physiologie der Atmung, des Kreislaufs und der Ausscheidung. ~IV.~ Physiologie der Bewegungen und der Empfindungen.

=Vom Nervensystem=, seinem Bau und seiner Bedeutung für Leib und Seele im gesunden und kranken Zustande. Von Prof. ~Dr.~ _R. Zander_. 3. Auflage. Mit Figuren. (Bd. 48.)

=Die Arbeitsleistungen des Menschen.= Einführung in die Arbeitsphysiologie. Von Prof. ~Dr.~ _H. Boruttau_. Mit 14 Figuren im Text. (Bd. 539.)

=Berufswahl, Begabung und Arbeitsleistung= in ihren gegenseitigen Beziehungen. Von _W. J. Ruttmann_. Mit 7 Abbildungen. (Bd. 522.)

Einzelne Organe:

=Herz, Blutgefäße und Blut und ihre Erkrankungen.= Von Prof. ~Dr.~ _H. Rosin_. Mit 18 Abbildungen. (Bd. 312.)

=Die Sinne des Menschen.= Sinnesorgane und Sinnesempfindungen. Von weil. Hofrat Prof. ~Dr.~ _J. K. Kreibig_. 3. verbesserte Auflage. Mit 30 Abbildungen. (Bd. 27.)

=Das Auge und die Brille.= Von Professor ~Dr.~ _M. v. Rohr_. 2. Aufl. Mit Abbildungen (Bd. 372.)

=*Entwicklung der Sprache= und Heilung ihrer Gebrechen bei Normalen, Schwachsinnigen und Schwerhörigen. Von Lehrer _K. Nickel_. (Bd. 586.)

=Die menschliche Stimme und ihre Hygiene.= Von Professor ~Dr.~ _P. H. Gerber_. 2. Auflage. Mit 20 Abbildungen. (Bd. 136.)

=Das menschliche Gebiß, seine Erkrankung und Pflege.= Von Zahnarzt _F. Jäger_. Mit 24 Abbildungen. (Bd. 229.)

Vererbung und Fortpflanzung:

=Experimentelle Abstammungs- und Vererbungslehre.= Von Professor ~Dr.~ _E. Lehmann_. Mit 26 Abbildungen. (Bd. 379.)

=Abstammungslehre und Darwinismus.= Von Prof. ~Dr.~ _R. Hesse_. 5. Auflage. Mit 46 Figuren. (Bd. 39.)

=Der Befruchtungsvorgang, sein Wesen und seine Bedeutung.= Von ~Dr.~ _E. Teichmann_. 2. Auflage. Mit 9 Textabbildungen und 4 Doppeltafeln. (Bd. 70.)

=Fortpflanzung und Geschlechtsunterschiede des Menschen.= Eine Einführung in die Sexualbiologie. Von Prof. ~Dr.~ _H. Boruttau_. Mit 39 Abbildungen. (Bd. 540.)

=Geistige Veranlagung und Vererbung.= V. ~Dr. phil. et. med.~ _G. Sommer_. (Bd. 512.)

=Sexualethik.= Von Prof. ~Dr.~ _H. E. Timerding_. (Bd. 592.)

Die Ernährung des Menschen:

=Ernährung und Nahrungsmittel.= Von Geh. Reg.-Rat Prof. ~Dr.~ _N. Zuntz_. Mit 6 Abbildungen und 1 Tafel. 3. Auflage. (Bd. 19.)

=Die Milch und ihre Produkte.= Von ~Dr.~ _A. Reitz_. Mit 16 Abbildungen. (Bd. 362.)

=Die Pilze.= Von ~Dr.~ _A. Eichinger_. Mit 54 Abbildungen. (Bd. 334.)

=Die Bakterien= im Haushalt der Natur und des Menschen. Von Professor ~Dr.~ _E. Gutzeit_. 2. Auflage. Mit 13 Abbildungen. (Bd. 242.)

Allgemeine Gesundheitspflege:

=Gesundheitslehre.= 4. Auflage bearbeitet von Obermedizinalrat Professor ~Dr.~ _M. v. Gruber_. Mit 26 Abb. (Bd. 1.)

=Die Leibesübungen und ihre Bedeutung für die Gesundheit.= Von Professor ~Dr.~ _R. Zander_. 4. Auflage. Mit 27 Abbildungen. (Bd. 13.)

=Turnen.= Von Oberlehrer _F. Eckardt_. Mit einem Bildnis Jahns. (Bd. 583.)

=Gesundheitslehre für Frauen.= Von Prof. ~Dr.~ _K. Baisch_. Dir. d. geburtshilflich-gynäkol. Abteilung d. Katharinen-Hospitals zu Stuttgart. Mit 11 Abbildungen. (Bd. 538.)

=Kosmetik.= Ein kurzer Abriß der ärztlichen Verschönerungskunde. Von ~Dr.~ _J. Saudek_. Mit 10 Abbildungen. (Bd. 489.)

=Die Abwehrkräfte des Körpers.= Eine Einführung in die Immunitätslehre. Von Professor ~Dr. med.~ _H. Kämmerer_. Mit 52 Abbildungen. (Bd. 479.)

Gesundheitspflege des Kindes:

=Säuglingspflege.= 2. Auflage von ~Dr.~ _E. Kobrak_. Mit Abbildungen. (Bd. 154.)

=Körperliche Verbildungen im Kindesalter und ihre Verhütung.= Von ~Dr.~ _M. David_. Mit 26 Abbildungen. (Bd. 321.)

=Schulhygiene.= Von Prof. ~Dr.~ _L. Burgerstein_. 3. Aufl. Mit 43 Figuren. (Bd. 96.)

Krankheiten:

=Die krankheiterregenden Bakterien.= Von Privatdozent ~Dr.~ _M. Loehlein_. Mit 33 Abbildungen. (Bd. 307.)

=Die Geschlechtskrankheiten=, ihr Wesen, ihre Verbreitung, Bekämpfung und Verhütung. Von Generalarzt Prof. ~Dr.~ _W. Schumburg_. 4. Aufl. Mit Abb. u. 1 Tafel. (Bd. 251.)

=Die Tuberkulose=, ihr Wesen, ihre Verbreitung, Ursache, Verhütung und Heilung. Von Generalarzt Prof. ~Dr.~ _W. Schumburg_. 2. Aufl. Mit 1 Tafel u. 8 Figuren. (Bd. 47.)

=Der Alkoholismus.= Von ~Dr.~ _G. B. Gruber_. Mit 7 Abbildungen. (Bd. 103.)

=Geisteskrankheiten.= Von Geh.-Medizinalrat Oberstabsarzt ~Dr.~ _G. Ilberg_. 2. Auflage. (Bd. 151.)

Arzt, Heilkunst und Krankenpflege:

=Der Arzt.= Seine Stellung und Aufgaben im Kulturleben der Gegenwart. Ein Leitfaden der sozialen Medizin. Von ~Dr. med.~ _M. Fürst_. 2. Aufl. (Bd. 265.)

=Die Chirurgie unserer Zeit.= Von Professor ~Dr.~ _J. Fehler_. Mit 52 Abb. (Bd. 339.)

=Der Aberglaube in der Medizin= und seine Gefahr für Gesundheit und Leben. Von Professor ~Dr.~ _D. v. Hansemann_. 2. Auflage. (Bd. 83.)

=*Krankenpflege in Haus und Beruf.= Von Chefarzt ~Dr.~ _M. Berg_. Mit Abb. (Bd. 533.)

Heilmittel und Heilmethoden:

=Arzneimittel und Genußmittel.= Von Professor ~Dr.~ _O. Schmiedeberg_. (Bd. 363.)

=Die Röntgenstrahlen und ihre Anwendung.= Von ~Dr. med.~ _G. Bucky_. Mit Abbildungen. (Bd. 556.)

=Hypnotismus und Suggestion.= Von ~Dr.~ _E. Trömner_. 3. Auflage. (Bd. 199.)

=Desinfektion, Sterilisation, Konservierung.= Von Regierungs- und Medizinalrat ~Dr.~ _O. Solbrig_. Mit 20 Abbildungen. (Bd. 401.)

Die mit * bezeichneten und weitere Bände befinden sich in Vorbereitung.

Aus Natur und Geisteswelt

Sammlung wissenschaftlich-gemeinverständlicher Darstellungen

307. Bändchen

Die krankheiterregenden Bakterien

Entstehung, Heilung und Bekämpfung der bakteriellen Infektionskrankheiten des Menschen

gemeinverständlich dargestellt von

~Dr. med.~ M. Loehlein

Privatdozent in Leipzig

Mit 33 Abbildungen im Text

Druck und Verlag von B. G. Teubner in Leipzig 1910

~Copyright 1910 by B. G. Teubner in Leipzig.~

Alle Rechte, einschließlich des Übersetzungsrechts, vorbehalten.

Vorwort.

Eine ganz kurze Behandlung der krankheiterregenden Bakterien findet sich im ersten Bändchen dieser Sammlung im letzten der »Acht Vorträge aus der Gesundheitslehre« von _H. Buchner_. -- Im 233. Bändchen hat ferner _E. Gutzeit_ die Lebensäußerungen der Spaltpilze und ihre Rolle im Haushalt der Natur _unter Ausschaltung der krankheiterregenden Arten_ übersichtlich dargestellt.

Gerade das Sondergebiet der _pathogenen_ Bakterien, das im Laufe der letzten Jahrzehnte eine außerordentlich fruchtbare Bearbeitung erfahren hat, soll in dem vorliegenden Bändchen nach dem heutigen Stande des Wissens erörtert werden, soweit dies ohne die Voraussetzung medizinischer Vorkenntnisse möglich und rätlich ist. Nur die für ein Verständnis der Wirkung der Schutzimpfungen und der Heilserumbehandlung unumgänglich notwendigen Grundvorstellungen über den Verlauf und die Heilung von Infektionskrankheiten und über die Entstehung der Immunität gegen Krankheitserreger habe ich (in Kapitel II und III) eingehender, als dies in anderen volkstümlichen Schriften über den Gegenstand geschehen ist, behandelt. Man mag den Versuch, unsere Kenntnisse auf diesen noch heiß umstrittenen Gebieten der Forschung gemeinverständlich darzustellen, für gewagt halten. Ich habe mich aber bemüht, unter Ausschaltung aller Hypothesen nur diejenigen Tatsachen anzuführen, die mir einerseits gesichert, anderseits für den gebildeten Laien wissenswert erscheinen. Hoffentlich ist mir dies gelungen.

Die Abbildungen sind, soweit sie nicht ausdrücklich als schematisch bezeichnet sind, von Herrn Maler _Kirchner_ möglichst naturgetreu nach Präparaten meiner Sammlung gezeichnet.

_Leipzig_, im September 1909.

~Dr.~ M. Loehlein.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

_Einleitung_ 1–11

Abriß der Geschichte der Erforschung der krankheiterregenden Spaltpilze. -- _Athanasius Kircher._ -- _Leeuwenhoek._ -- Der Streit um die »Urzeugung«. -- _Ferd. Cohn_ und _Naegeli_. -- _Pasteur_ und _Koch_. -- Die Konstanz der Bakterienarten; die »Spezifität« der Krankheiterreger. -- Die »Plattenmethode« und ihre Bedeutung 1–11

Allgemeiner Teil.

Allgemeines über das Wesen der pathogenen Bakterien, über Zustandekommen und Heilung bakterieller Infektionen, über Immunität und über Verhütung von Infektionskrankheiten.

Kapitel I.

Die wichtigsten Methoden der Bakterienbeobachtung. -- Mikroskopische Beobachtung lebender Spaltpilze; ihre Größe, Gestalt, Beweglichkeit. -- Gefärbte Ausstrichpräparate; selektive Färbungen. -- Die Sporenbildung. -- Die Sterilisierungsmethoden. -- Mannigfaltige Wachstumsbedingungen der verschiedenen Spaltpilzarten. Ansprüche an Temperatur, Sauerstoff, Reaktion und besondere Zusammensetzung der Nährböden. -- Das Tierexperiment als Mittel bakteriologischer Forschung 11–27

Kapitel II.

Pathogene und saprophytische Bakterien. -- Bedingungen der Krankheiterzeugung durch Bakterien. -- Die Einfallspforten infektiöser Keime. -- Die gesunden Bedeckungen als Schutzwehr des Körpers gegen bakterielle Infektionen. -- Angriffswaffen der Bakterien. -- Besondere Reaktionsvorgänge nach dem Eindringen pathogener Keime in die Gewebe. -- Die wichtigsten Bestandteile des Blutes und ihre Beteiligung an der Abwehr von Infektionen. -- Die »Entzündung«. -- Die weißen Blutkörperchen und die »Phagocytose«. -- Bakterienfeindliche Stoffe des Blutserums. -- Lokale und allgemeine Infektionen. -- Verschiedener Verlauf der Infektionskrankheiten. -- Nachkrankheiten 27–40

Kapitel III.

Immunität. -- Natürliche Immunität durch Überstehen einer Infektionskrankheit. -- »Spezifität« des Zustandes. -- Künstliche Immunisierung gegen Pocken. -- Immunisierung mit Hilfe abgeschwächter lebender Krankheiterreger. -- Immunisierung mittels abgetöteter Reinkulturen von Krankheiterregern. -- _Behrings_ Entdeckung der Antitoxine im Serum immunisierter Tiere. -- Antibakterielle Immunsubstanzen. -- Serodiagnostik. -- Immunreaktionen nach »parenteraler« Einverleibung von Fremdeiweiß 40–54

Kapitel IV.

Maßnahmen zur Bekämpfung der Infektionskrankheiten im allgemeinen. -- Die wichtigste Ansteckungsquelle ist der infektiös kranke Mensch. -- Keimträger. -- Maßnahmen der allgemeinen Prophylaxe: Quarantäne und Kontrollsystem zur Aussperrung exotischer Seuchen. -- Isolierung infektiös Kranker. -- Vernichtung der Ausscheidungen solcher Kranker. -- Verhütung der Verschleppung von Keimen. -- Verhütung des Eindringens von Keimen in den gesunden Körper 54–62

Besonderer Teil.

Die wichtigsten bakteriellen Infektionskrankheiten.

_Vorbemerkung_ 63–65

Kapitel V.

Milzbrand; Rückfallfieber 65–70

Kapitel VI.

Die beiden wichtigsten exotischen Seuchen, Pest und asiatische Cholera, mit einer Vorbemerkung zu ihrer Geschichte und Epidemiologie 70–79

Kapitel VII.

Beispiele von Infektionskrankheiten unseres Klimas, die durch Stäbchenbakterien hervorgerufen werden: Diphtherie. -- Tetanus. -- Influenza. -- Keuchhusten. -- Unterleibstyphus (mit einer Anmerkung über Nahrungsmittelvergiftungen durch Bakterien) 79–89

Kapitel VIII.

Beispiele von Infektionskrankheiten unseres Klimas, die durch Kugelbakterien hervorgerufen werden: Staphylokokken als Krankheitserreger. -- Streptokokken als Krankheitserreger. -- Gonokokken und gonorrhoische Erkrankungen. -- Meningokokken und epidemische Genickstarre. -- Pneumokokken und ihre Bedeutung 89–102

Kapitel IX.

Die wichtigsten chronischen Infektionskrankheiten des Menschen: Tuberkulose. -- Syphilis. -- Lepra 102–117

_Schlußwort._ Rückblick und Ausblick 117–120

Einleitung.

Kurzer Abriß der Geschichte der Erforschung der krankheiterregenden Spaltpilze. -- _Athanasius Kircher._ -- _Leeuwenhoek._ -- Der Streit um die »Urzeugung«. -- _Ferd. Cohn_ und _Naegeli_. -- _Pasteur_ und _Robert Koch_. -- Die Konstanz der Bakterienarten; die »Spezifität« der Krankheiterreger.

Unter den Krankheiten, die das Menschengeschlecht bedrohen, sind eine ganze Anzahl durch die auffällige Eigenschaft ausgezeichnet, »_ansteckend_« zu sein, d. h. von einem kranken Individuum auf ein anderes bisher gesundes übertragen werden zu können, so wie eine Feuersbrunst durch den Funken verbreitet wird, der vom brennenden Hause auf das Dach des Nachbarhauses überspringt und es »ansteckt«. Die furchtbarsten Beispiele aus dieser Krankheitsgruppe stellen die eigentlichen _Volksseuchen_ dar, die -- wie Pest und Cholera -- seit Jahrtausenden der Menschheit unübersehbaren Jammer gebracht haben, die auch heute noch nicht endgültig besiegt sind, wohl aber -- dank den Fortschritten der Wissenschaft in den letzten Jahrzehnten -- für hochkultivierte Länder und Völker ihren Schrecken größtenteils eingebüßt haben. Die Menschheit hat Mittel kennen gelernt, diesen Gefahren mit Erfolg zu begegnen, seit als die _Ursache_ der Seuchen kleinste Lebewesen erkannt wurden, Lebewesen, die größtenteils zu dem auf der Erde außerordentlich verbreiteten Reiche der _Spaltpilze_ oder _Bakterien_ gehören.

Schon lange vor der wissenschaftlichen Sicherstellung dieser wichtigen Tatsache hatten klar denkende Beobachter -- Naturforscher und Ärzte sowohl wie auch Laien -- die richtige Vorstellung gehabt, daß den Volksseuchen ein »belebter Ansteckungsstoff« (ein »~contagium animatum~«) zugrunde liege. Aber alle Versuche, dieses gefährliche Lebewesen zu finden und zu fassen, mußten an seiner Kleinheit scheitern: die Bakterien sind unsichtbar klein. Die größten unter ihnen haben Durchmesser von einigen Tausendsteln eines Millimeters (1/1000 ~mm~ wird als ein Mikron bezeichnet und 1 µ geschrieben), die kleineren einen solchen, der nur Bruchteile eines µ beträgt. Die ganze Welt der Spaltpilze von denen die _krankheiterregenden_ nur einen ganz kleinen Teil bilden, blieb der Menschheit deshalb unbekannt, solange man leistungsfähige Vergrößerungsgläser -- Mikroskope -- noch nicht besaß. Die Erforschung dieser kleinen Wesen aber war in ihren Fortschritten auch nach der Herstellung des ersten Mikroskops abhängig von der Entwicklung und Verbesserung dieses Instruments, und sie ist auch heute noch längst nicht an ihrem Ende angelangt.[1]

Die ersten Beobachtungen von Bakterien sind gegen Mitte des 17. Jahrhunderts gemacht worden. Der gelehrte Jesuitenpater _Athanasius Kircher_, wohl der erste Mensch, der lebende Spaltpilze gesehen und beschrieben hat, besaß nur ein recht primitives Vergrößerungsglas, dem man den stolzen Namen Mikroskop heute kaum gönnen würde. Es soll eine 32fache (lineare) Vergrößerung ermöglicht haben, hat also gerade eben nur gestattet, größere Spaltpilze zu _sehen_. So ist es denn nicht verwunderlich, daß der gelehrte Pater, der ganz richtige Vermutungen über die Existenz kleinster _krankheiterregender_ Lebewesen hegte, zu irrtümlichen Beobachtungen gelangte, da er außerstande war, Bakterien von anderen sehr kleinen Objekten zu unterscheiden. So fand _Kircher_ bei einer im Jahre 1656 in Süditalien herrschenden »Pestseuche« mit Hilfe seines Vergrößerungsglases im Blute der Kranken kleine »Würmchen«, die er als die gesuchten krankheiterregenden Wesen ansprach -- gewiß mit Unrecht, denn er hat wahrscheinlich nichts anderes gesehen als die sogenannten roten Blutkörperchen, kleine Scheibchen, die in unserem Blute immer vorhanden sind und einen seiner wichtigsten Bestandteile bilden. _Athanasius Kircher_ war eben ganz auf dem richtigen Wege zum Ziele, aber mit seinen mangelhaften Hilfsmitteln konnte er es nicht erreichen.

Ein halbes Jahrhundert später erst gelang es den geschickten Händen _Antony van Leeuwenhoeks_, kleine Linsen so sorgfältig und gleichmäßig zu schleifen, daß sie alle bis dahin angefertigten an Vergrößerungskraft übertrafen; er vervollkommnete hierdurch und durch kleine anderweitige Kunstgriffe seine optische Ausrüstung in bisher noch nicht dagewesenem Maße und untersuchte nun -- von Haus aus ohne jede naturwissenschaftliche Ausbildung -- mit ihrer Hilfe allerhand Flüssigkeiten: Regenwasser, Pflanzenaufgüsse, Darminhalt von Tieren und Menschen, den eigenen Speichel u. a. m. mikroskopisch. Überall fand er -- bald reichlicher, bald spärlicher -- kleinste, vollkommen farblose »Tierchen«, die verschieden gestaltet, zum Teil lebhaft beweglich waren. Dank einer vorzüglichen Beobachtungsgabe und ebenso großer Zuverlässigkeit beschrieb _Leeuwenhoek_ diese »Tierchen« so genau, daß wir sie heute mit Sicherheit als Bakterien wiedererkennen können. Auch gab er durchaus naturgetreue Abbildungen von ihnen, die die drei Hauptformen der Spaltpilze vollkommen richtig darstellen: alle die unzähligen Bakterien, die seitdem beobachtet worden sind, lassen sich ihrer Gestalt nach in kugelförmige (Mikrokokken), stäbchenförmige (Bazillen) und schraubenförmige (Spirillen) scheiden (s. Abb. 1). Freilich wechseln sie nach Dimensionen und kleinen Einzelheiten ihres Baues, wie wir sehen werden, in mannigfaltigster Weise, aber alle lassen sich auf einen der drei schon von _Leeuwenhoek_ unterschiedenen Grundtypen zurückführen.

Auf die Frage nach der Bedeutung der entdeckten Kleinlebewesen ging _Leeuwenhoek_, der aller Spekulation abhold war, gar nicht ein; er begnügte sich mit der Feststellung der Tatsachen, die die Existenz einer ganzen Welt kleinster Lebewesen bewiesen, von der man bislang kaum etwas geahnt hatte. Nur zu einer Frage nahm _Leeuwenhoek_ Stellung: die Möglichkeit, daß die neu entdeckten »Tierchen« in das Blut eindringen und Krankheiten verursachen könnten, glaubte er -- auf Grund falscher Vorstellungen von dem feineren Bau des menschlichen Körpers -- ausschließen zu müssen. Darin hatte nun wiederum _Leeuwenhoek_ trotz aller Überlegenheit seiner Beobachtungen unrecht gegenüber _Kirchers_ richtigeren, aber falsch begründeten Anschauungen. Es hat aber ungefähr zwei Jahrhunderte langer wissenschaftlicher Forscherarbeit bedurft, bis die Rolle der Bakterien in der Natur und insbesondere ihre Bedeutung als Krankheitserreger in einwandfreier Weise klargestellt wurde.

Seit _Leeuwenhoeks_ grundlegenden Beobachtungen hatte sich -- mit zunehmender Verbreitung und allmählicher Verbesserung des Mikroskopes -- eine immer größere Zahl von Naturforschern mit dem Studium der Bakterien abgegeben. Allmählich hatte sich die Anschauung durchgesetzt, daß die kleinen Lebewesen, die man zunächst, hauptsächlich weil man an manchen von ihnen lebhafte Fortbewegung beobachtete, als »Tierchen« angesehen hatte, dem _Pflanzen_reiche zugehörten. Wieder und wieder erörterte man auch die Rolle, die sie im Haushalt der Natur wohl spielen möchten; die richtige Anschauung, daß sie _Fäulnis_- und _Gährungsvorgänge verursachten_, tauchte immer von neuem auf, um immer wieder bekämpft zu werden, ebenso auch die Ansicht, daß Bakterien krankheiterregend wirken könnten. Es ist hier nicht möglich, ein auch nur annähernd vollständiges Bild von dem Chaos der Meinungen zu geben, die von _Kircher_ bis _Pasteur_ und _Koch_ in dieser Frage zu Worte kamen.