Die Komposition des Buches Jes. c. 28-33.
c. 28-33 zu Grunde liegenden jesajanischen Schrift nach Zweck und
Anlage so überaus ähnlich ist.
Dieselbe kann dem von uns gefundenen Resultate einer ursprünglich geschichtlichen Form jener Schrift um so mehr zur Bestätigung dienen, als hier die geschichtliche Darstellungsform in den einzelnen Stücken noch viel deutlicher zu Tage tritt. Sehen wir uns dieselben daraufhin etwas näher an!
c. 7,1-17 enthält nach ~Duhm~ einen „Bericht“ von Handlungen und Reden Jesaias beim Herannahen der Syrer und Israeliten gegen Juda. Wirklich enthält auch c. 7, auch wenn man v. 1 (= II. Kön. 16,5) vom Sammler entlehnt sein lässt, um den verlorenen Eingang einigermassen zu ersetzen, nicht die Wiedergabe einer Rede Jesaias, sondern einen Bericht, eine Erzählung aus des Propheten Feder.
Zuerst erzählt der Prophet kurz von dem Herannahen der beiden Heere und den darob entstandenen Schrecken beim Hause Davids. Darauf giebt er den ihm von Jahwe zu teil gewordenen Auftrag wieder, dem Ahas auf die Strasse des Walkerfeldes ans Ende der Wasserleitung des oberen Teiches entgegenzugehen und ihm Mut und Trost zuzusprechen. Hieran schliesst sich die Wiedergabe der Unterredung zwischen Jesaia und dem Könige: Jesaia bietet dem Ahas ein Zeichen (או ת) an; Ahas schlägt es ab; Jesaia bestimmt nun selbst ein tröstliches Zeichen baldiger Rettung, knüpft aber zugleich wegen des verstockten Unglaubens des Königs eine Drohung gegen ihn und das Reich Juda daran.[14]
In c. 8,1 und 3 f. ~erzählt~ Jesaia zwei weitere Versuche, das verstockte Volk zur Umkehr und zum Glauben zu bewegen. Da seine Reden nichts helfen, versucht er, durch ein anderes Wahrzeichen (אות) seinem Volke nahe zu kommen. Er nimmt eine Tafel und schreibt darauf: Maher-schalal-chas-baz. Dann giebt er diesen Namen seinem bald darauf geborenen Sohne. So viel hat Jesaia gethan, um das Volk zur Umkehr und zum Glauben zu bringen. Es hat aber nichts geholfen: c. 8,6:
מאס העם הזה את מי השלח ההלכים לאט
Nun folgt das Verwerfungsurteil über Juda in mehreren Drohreden c. 8,6-18, die wohl inhaltlich zusammengehören, aber auch wie in c. 28 ff. die schriftstellerische Verbindung nicht mehr aufweisen.
Wie in der in c. 28 ff. enthaltenen jesajanischen Schrift ist auch hier der Zweck derselben, dem verstockten Volke das Verwerfungsurteil Jahwes zu verkünden und zu begründen. Auch diese Schrift zerfällt in zwei Teile: c. 7-8,4 schildern die Bemühungen Jesaias um die Bekehrung des Volkes; c. 8,5-16 verkünden dem verstockten Volke das Gericht.
Dass c. 8,5 ff. wirklich mit dem Vorhergehenden zusammenhängen, zeigt v. 5:
ויסף יהוה דבר אלי עוד לאמר
Nur kann Jesaia unmöglich die mit diesen Worten eingeleitete Rede so an das vorhergehende Stück angeschlossen haben. Denn v. 3 f. enthalten eine tröstliche Zusage an Juda, v. 6 ff. dagegen eine scharfe Gerichtsdrohung. Es muss also zwischen v. 4 und 5 etwas ausgefallen sein; und zwar muss vor v. 5 eine ähnliche Drohrede gestanden haben wegen des יוסף und des עוד in v. 5. Das ist vielleicht die Drohung gewesen, die jetzt in c. 7,18 ff. enthalten ist (vgl. vorige Anmerkung).
Dass auch dieser zweite Teil der Schrift ursprünglich in historischem Rahmen gestanden hat, beweist der in der Form eines Berichtes abgefasste Eingang zu v. 11 ff., beweist auch der Schluss der Schrift