Die Komposition des Buches Jes. c. 28-33.

c. 28,7-13 ist weder blos Erzählung noch blos Rede, sondern es ist

Chapter 4468 wordsPublic domain

Erzählung, direkte und indirekte Rede zusammen, kurz, es ist die lebendige historische Darstellung einer gewaltigen im Tempelvorhof vorgefallenen Scene. Die Einleitung erzählt oder vielmehr hat erzählt die Situation; denn wie wir oben gesehen haben, ist sie jetzt wahrscheinlich von einem späteren Bearbeiter stark modifiziert. In v. 9 f. folgt dann in direkter Rede die Wiedergabe der Anrede oder besser der Hohnrede der trunkenen Priester und Propheten. Sie reden nicht Jesaia, sondern sich gegenseitig an, da sie von Jesaia in der dritten Person reden. Und darauf folgt -- nicht eine Anrede an, sondern ein Urteil Jesaias über die Trunkenen und ihre Rede; denn von den Trunkenen ist im Folgenden in der dritten Person geredet. Wenn wir fragen wollen, an wen Jesaia sich dieses Urteil über die Trunkenen und ihre Rede gerichtet dachte, so werden wir wohl antworten müssen, dass er dabei nicht jene Spötter, sondern die Leser seines Buches im Auge hatte. Dass Jesaia nicht eine ähnliche Drohrede jenen Spöttern ins Gesicht geschleudert habe, soll damit wieder nicht gesagt sein; die hier so drastisch und lebendig dargestellte Szene hat Jesaia gewiss selbst erlebt. Aber die Form der Wiedergabe seiner Entgegnung ist doch nun einmal nicht Rede -- dann müsste die zweite Person stehen --, sondern urteilende Darstellung.

Der Überblick über die Form der in Frage stehenden jesajanischen Stücke hat uns gezeigt, dass dieselben nur zum kleinsten Teil wörtlich wiedergegebene Reden enthalten, dass die Aufzeichnung auch vieler Reden in indirekt referierender Form gehalten ist, und dass, was für unsere Frage die Hauptsache ist, sich sogar mehrere Stücke in rein historischer Darstellung finden. Um die letzteren noch einmal aufzuzählen, so sind dies c. 28,7-13. c. 29,13 f. c. 30,6 f. c. 30,8-11.

Dieser bisher immer übersehene Thatbestand ist natürlich ein sehr entscheidendes äusseres Moment für die Richtigkeit unserer Vermutung, dass die zusammenhängenden jesajanischen Stücke unseres Buches ursprünglich einem grösseren historischen Zusammenhange angehört haben. Denn bei dieser Annahme erklärt es sich allein, dass sich in den uns erhaltenen jesajanischen Stücken unseres Buches bald die Form der direkten, bald der indirekten Rede findet, und dass sogar einige Stücke die Form der reinen Erzählung tragen, während sich dieser Wechsel der Form bei der bisher üblichen Vorstellung der Entstehung jesajanischer Stücke doch durchaus nicht verstehen lässt. Wie sollte Jesaia dazu gekommen sein, solche zum Teil abgerissenen und unvollständigen Stücke von Reden, Erzählungen und Szenen aufgeschrieben und später zusammengestellt zu haben!

Auf einen grösseren ursprünglich historischen Zusammenhang weisen nun auch zweitens die oben besprochenen Eingänge einzelner Stücke hin, die jetzt zum Teil völlig Unzusammengehöriges eng mit einander verbinden. Es sind die Eingänge c. 28,7. 28,14. 29,13. 30,8. und in weiterem Sinne noch c. 31,4.

Am deutlichsten ist das bei c. 29,13. Die Worte ויאמר יהוה können, wie wir gesehen haben, nicht v. 13 mit v. 10 verbinden. Es muss also vor