Die Kinder auf dem Abendberg: Eine Weihnachtsgabe

Part 2

Chapter 2269 wordsPublic domain

Als wir nach ein Paar Stunden fortgehen wollten hing ein dichter Nebel, der als feiner Regen herabfiel, um den Berg, und verhüllte den schmalen steilen Fußpfad, indem er ihn zugleich sehr schlüpfrig machte. Der Doctor Guggenbühl gab mir zur Stütze einen Knecht mit, an dessen Arm ich wohlbehalten herabkam. Dieser Mann -- ebenfalls ein Zürcher, wie auch der junge Lehrer der Kinder -- hatte ohne im geringsten ein Geßnerscher Schäfer zu sein, ein so gutes verständiges treuherziges Wesen, daß es mir sehr angenehm war ihn sprechen zu hören von dem Leben und den Einrichtungen da oben. Jedes Wort drückte herzliche Verehrung für seinen Herrn, und herzliche Theilnahme für die Kinder ganz unbefangen aus, und dazwischen lobte er das Gedeihen seiner Heerde und seiner Gartenfrüchte eben so herzlich. »Der Berg giebts gern« -- antwortete er auf meine Frage ob der Boden fruchtbar sei. Als wir durch das große Dorf Matten am Fuß des Abendbergs gingen, riefen ihn die Leute unter ihren Hausthüren an: »Wie gehts auf dem Berg? was machen die Kinder?« und er mußte ihnen Rede stehen. Wie diese Theilnahme mich freute! Und wer von uns könnte sie versagen? Lob, Ehrenzeichen, Beifall, Auszeichnungen, sind tausendmal durch Mißbrauch entweiht, und können Keinen freuen, der für eine Idee lebt. Aber ein Wort des Danks, ein Händedruck, ein Zeichen der Theilnahme an seinem Werk: _das_ freut ihn, weil es ihm zeigt, daß es eine Gemeinschaft der Guten auf Erden giebt.

_Dresden_, im November 1842.

Gedruckt bei _A. W. Schade_, Grünstraße 18.

Berlin. Verlag von Alexander Duncker, Königl. Hofbuchhändler. 1843.

Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert.

End of Project Gutenberg's Die Kinder auf dem Abendberg, by Ida Hahn-Hahn