Die Kakomonade Ein Nachlaß vom Doktor Panglos, als ein Supplement des Kandide

Part 5

Chapter 53,671 wordsPublic domain

Wenn man die Augen auf den folgenden kurzen Dialog wirft, wird man einen Begriff sowohl von seiner Wirksamkeit, als von den verschiedenen Arten, es zu zubereiten, und von ihren Folgen haben. Zween Männer führen das Gespräch. Der Eine davon ist eine von den litterarischen Magistratspersonen, die man in China Kolaos nennt, und die sich die Europäer, ohne davon den zureichenden Grund zu wissen, beifallen ließen, Mandarine zu nennen. Der zweite ist der Sohn meines nochgeehrten Herrn, des Herrn Baron von Donnerstrunkshausen. Ich hatte das Vergnügen, ihn zu Peking wieder anzutreffen, im Jahre unser Heils 1761. Er fieng da an zu Würden zu steigen. Er hatte mit einem Mandarin vom dritten Range folgende Unterredung gepflogen, und die Güte, sie mir mitzutheilen.

Der Mandarin. -- Guten Tag, Eure Hochwürden. Ich ließ mich in meiner lakirten, unausgezierten Sänfte hieherbringen. Ich habe nur bloß dreißig Reuter bei mir, und achtzehn Tambours. Haben Sie mich entschuldigt darüber, ich wünschte Sie inkognito zu sehen.

Der Baron. Wären wir wohl so glücklich, Eurer Excellenz dienen zu können?

Mandarin. Ja, Sie können mir einen großen Gefallen thun.

Baron. Wollten Dieselben in der pneumatischen Maschine eine Katze den Geist aufgeben, oder mit der elektrischen Nadel den Donner ableiten sehn?

Mandarin. Nein, das führte mich nicht her.

Baron. Wollten Dieselben einiger Ballen roher Seide, einiges alten Porzellan los werden, und sie nach Europa schicken? Es ist hohe Zeit, Eure Excellenz; ich möchte es rathen. Sie werden bald im Preise fallen, seit dem erfahrne Chimisten dieses Geheimniß entdecket haben.

Mandarin. Das kümmert mich gar nicht.

Baron. Wollten Sie etwa zur Beichte gehn, und auf die Fürbitte des heiligen Ignazius von Lojola, des seligen Franziskus Regis, des großen heiligen Franziskus von Gonzaga, der sich eine feuchte Leinwand auf die Brust legte, damit ihm von der Liebe Gottes sein Herz nicht in Flammen gerieth, Verzeihung Ihrer Sünden erhalten?

Mandarin. Ei mein! Von all dem will ich nichts. Sie sollen mich bloß nur lehren, was für eines Geheimnisses Sie in den andern Ländern sich bedienen, wenn Sie die -- -- -- -- haben.

Baron. Ach! ach! Eure Excellenz -- Wir! -- Die? -- -- -- Pfuy doch! --

Mandarin. Meiner Treue, Eure Hochwürden, ich habe sie, ich, -- wie ich mit Ihnen rede. Nichts desto weniger habe ich alle meine Prüfungen mit Ehren bestanden. Ich ward bei dem grossen Konkurse im ersten Jahre der Regierung Fontchins aufgenommen. Ich führe den Pinsel so gut als Einer im Kaiserthume: der Schönheit meiner Schrift bin ich meine Stelle schuldig, und doch habe ich die -- -- -- -- Warum sollten nicht auch sie sie zuweilen haben?

Baron. Aber Eure Excellenz vergessen, was für ein Kleid ich zu tragen die Ehre habe. Man hat uns wohl in einigen Orten vorgeworfen, daß wir dem Menschen viele Uibel zufügen; aber eines zu vertrauten Umganges mit den Frauenzimmern hat man uns nie geziehen.

Mandarin. Bei, meiner Seele! desto besser für sie! Daß ich nicht auch immer so klug war! So fände ich mich nicht in der Verlegenheit, die mir itzt die Ehre Ihrer Gegenwart verschaffet. Auf dem letzten Schiffe, das Ihnen Purpurtücher, Rosenkränze, Uhren, und Orgeln brachte, fand sich ein sehr schönes Frauenzimmer. Haben Sie nicht von ihr reden gehört?

Baron. Kein Wort. Wir kümmern uns um so Neuigkeiten nicht. Es maskirt sich der Teufel, Eure Excellenz, in dergleichen Gesichter.

Mandarin. Mag seyn, aber da ist er trefflich verkappt. In dem Augenblicke der Ausschiffung befand ich mich eben am Borde. Ich sah dieses Frauenzimmer aus der Chalouppe steigen. Sie hatte so ein schön Stümpfnäschen! Ihre Augenlieder schloß sie mit so viel Anmuth! Ihr Mund war so schön gespalten, zog sich so angenehm durchschnitten von einem Ohre zum andern! Und einen Fuß, einen Fuß, Eure Hochwürden! -- Mein Daumen hätte ihren ganzen Pantoffel ausgefüllt. Ich zweifle, ob man vom Flusse der Unmöglichkeit an, bis zum Flusse der Vergessenheit, je etwas schöners gesehen habe.

Baron. Dennoch geht der Raum zwischen diesen beiden Flüssen ziemlich in die Länge.

Mandarin. Macht nichts. Wie ich diesen kleinen Fuß sah, bewunderte ich die Oekonomie der Natur. Welche Wonnen, sagte ich bei mir selbst, wenn an allen Theilen die Verhältnisse genau beobachtet sind!

Ich wurde bald gewahr, daß die Natur dem Falle unterworfen sey, sich zu vergessen, und ich wollte wünschen, ich hätte außer über diesen Punkt, keine Erfahrung gemacht. Die schöne Fremde wurde von einem Bootsknechte gehohnneckt. So bald sie wußte, ich sey der Gouverneur, bath sie mich um Rache. Ich schlug ihr Bedingnisse vor; sie nahm sie an. Ich ließ den Bootsknecht abstrafen. Ich hielt mich für den glücklichsten Menschen. Der arme Teufel hatte die P -- -- --, und ich, geistlicher Vater, ich bekam noch viel was ärgers.

Baron. Gott straft Eure Excellenz. Er will nicht, daß man sich gegen das Weibsvolk zu gefällig erzeige. Er hat gesagt: Non moechaberis, und Sie leiden billig -- --

Mandarin. Ich weis nicht, geistlicher Herr, ob es Gott ist, der mich krank gemacht hat; aber das seh ich wohl, daß Menschen mich gesund machen müssen. Unsere Aerzte wollen mich nicht annehmen; man sagt, Sie seyn sehr geschickt; Sind Sie es bis auf den Grad, daß Sie mir ein Mittel hierinn verrathen können? Ich nehme Ihnen sechs und dreißig Dutzend Rosenkränze ab, und gebe Ihnen hundert Pfunde Thee Peko, der noch nicht gesotten worden seyn soll.

Baron. Gut, wollen sehn. Ob wir gleich den Krankheiten wenig unterworfen sind, so haben wir doch immer allerhand Mittel bei uns, so, wie eine Menge anderer Dinge, die wir für uns nicht brauchen, sondern nur andern zukommen lassen. Hier kommts nur darauf an, daß wir eine Heilungsart wählen.

Mandarin. Mir scheint aber, es wäre die bekannteste, und beste anzunehmen.

Baron. Das ist bald gesagt; aber halten Sie die Wahl für eben so leicht! Von allen Arten, die ich kenne, ist keine einzige, die nicht durch große Namen, durch starke Beispiele, und durch schöne Schlüsse unterstützt, und bestritten wäre.

Mandarin. Die Namen, und Schlüsse sind nichts. Man muß sich nur an die Beispiele halten.

Baron. Ja in China. Aber es giebt Länder, wo man ganz anders denkt. Wenn etwas nur halbwegs nützlich scheint, so fragt man sogleich, von wenn das herrühre. Daraus zieht man denn in der Folge durch eine Kette von Schlüssen den Beweis, daß es böse sey; Und giebt man dessen Güte zu, so geschieht es immer so spät, als möglich. -- Nun, nach welcher Art wollen Sie sich behandeln lassen? Durch Frikzionen?

Mandarin. Was verstehn Sie dadurch?

Baron. Ich nehme ein wenig von jener Salbe, die man das Neapolitanum nennt. Sie besteht aus Fette, und Merkurius. Damit reibe ich Ihnen alle Tage einen gewissen Theil des Leibes. Nach vierzig Tagen werden sie sich mit einer ölichten Rinde überzogen finden, von der Ferse an bis über die Achsel, und vom Schulterbeine bis an die Fingerspitzen. Sie werden fett, stinkend, sich selbst unerträglich seyn.

Mandarin. Aber doch endlich genesen?

Baron. Man darf es hoffen.

Mandarin. Ist keine Inkonvenienz dabei zu fürchten?

Baron. Sie vergeben. Ihr Kopf wird ungeheuer anschwellen; ihre Zähne werden locker werden, und vielleicht ausfallen. Ihr Zahnfleisch und die Gurgel werden voll Geschwäre seyn. Sie werden eine schreckliche Menge Speichel von sich geben. Sie können dabei um ein Aug, um einen Arm, um ein Bein, oder um das Zäpflein[*] kommen, wie der höchstheilige König F -- -- E -- -- glorreichen Andenkens, und viele andere, die, bei weniger Ruhm, kein besseres Glück genossen.

Mandarin. Lieber Pater! Ich bedanke mich für die Frikzionen.

[Fußnote *: Lettres de Gul Patin. let. 133.]

Baron. Man könnte sie mäßigen, und sie ihnen nur verlöschend beibringen. Man müßte Sie immer frottiren, aber sparsamer. Sie müßten mir manchmal Milch nehmen, um die Wirkung des Merkurs, wenn sie zu stark wäre, aufzuhalten. Sie werden weniger, spucken, weniger geschwellen, weniger stinken. Dieß ist bequemer.

Mandarin. In eine Gefahr dabei?

Baron. Die größte wäre, daß Sie nicht gesund würden.

Mandarin. Oh! oh!

Baron. Ohne Widerspruch. Je sanfter die Arztnei seyn wird, desto weniger wird sie wirken. Die wohlthätigen Kügelchen werden in die vom Gifte schwangern Theile nicht so tief eindringen können. Dieses darf nur ein wenig überflüssig seyn, so wird genug davon zurücke bleiben, um Sie bald noch ärger zuzurichten, als Sie es sind. Fünf oder sechs Jahre nach einigen leichten Tagen werden Sie sich neuerdings krank befinden, wie ein sehr geschickter Professor der Beredtsamkeit an der Universität zu Paris sich irgendwo ausdrückt.

Mandarin. Das ist traurig! Ach, mein Freund! wer hätte dieß bei dem Anblicke eines so kleinen Fusses gesagt?

Baron. Reden Sie von ihm nichts Böses: nicht er wars, der Sie verwundet hat. -- Uibrigens verzweifeln sie nicht. Sie könnten auch versuchen, sich zu räuchern.

Mandarin. Wie geschieht dieß?

Baron. Sie müßten sich ganz nackt in eine Schachtel von Tannenholz setzen, die wohl verschlossen würde, und wo Ihnen nur der Kopf heraus stünde. Unter das Gesäß würde Ihnen eine Glutpfanne mit lebendigen Kohlen und Merkurius darauf gesetzt. Diese durch das Feuer volatilisirte, und durch die Maschine, und einen sie überdeckenden großen Mantel rund um Sie zurückgehaltene Flüssigkeit würde Ihnen nach und nach in die Poros eindringen. Sie würden sehr schwitzen, und vielleicht würden Sie sich endlich geheilet finden. Man weis Leute, denen diese Methode zu Statten kam.

Mandarin. Mir behagt sie nicht. -- -- Aber es ist doch sonderbar: Sie sind so ein geschickter Mann, und alle Ihre Geheimnisse laufen darauf hinaus, Einem den Kopf geschwollen zu machen, oder nur eine ungewisse Genesung zu verschaffen, oder eine Glutpfanne unter den Arsch zu setzen.

Baron. Halten Sie, ich bin noch nicht fertig. Man könnte Ihnen Panaces, und verschiedene Mineralien brauchen; man könnte Ihnen einen aufgelösten Merkur, oder Gold- und Silbertinkturen geben. Dieß alles habe ich nicht: aber unser Bruder Apotheker wird Ihnen die Sache machen, wenn Sie wollen.

Mandarin. Ei zum Plunder lassen Sie das, was man thun könnte, bei Seite, und sagen Sie mir, was ich thun soll.

Baron. Wollen Sie sich mir vertrauen? Sie sehen dieses kleine rothe Schächtelchen; an Ihrer Stelle würde ich mich an dieses halten.

Mandarin. Es sind eine Menge graue Kügelchen darinnen. Wie heißen Sie die?

Baron. In Europa nennt man sie Kaiserpillen. Herr Kaiser ist ein deutscher Praktikus, und mein Landsmann, der eine ganz neue Komposition gegen die Krankheit, über die Sie sich beklagen, erfunden hat. Glauben Sie mir, und brauchen Sie sein Rezept. Ich will Ihnen dazu die Anleitung geben, und Sie werden sicher genesen.

Mandarin. Sind Sie dessen auch gewiß?

Baron. So gewiß, daß ich die hundert Pfunde Thee nur erst nach Ihrer Herstellung verlange.

Mandarin. Ich verlasse mich auf Ihr Wort. Ich will mich an die rothen Schächtelchen halten. Wohlan, ich will meine Kur auf der Stelle anfangen. Sie haben von meiner Erkenntlichkeit Alles zu erwarten.

Dreizehntes Kapitel.

Erstaunliche Progressen der Kakomonade. Mittel, sich ihrer zu entledigen.

Man hat hier oben gesehen, daß die Gesellen Seiner Hochwürden des Herrn Baron von Donnerstrunkshausen, das Geheimniß und den Namen des Herrn Kaiser mit dem Blitzpulver, den Agnus Dei, und den Bataverthränen bis in China brachten. Man hörte ihn in wenig Worten diesen so berufenen Pillen ihre Lobrede halten, und seinem Proseliten ihren Gebrauch anempfehlen. Dieß scheint ein Bißchen demjenigen zu widersprechen, was wir im zehnten Kapitel sagten. Da findet man, daß alle ersonnenen Hilfsmittel sehr wenig ergiebig, und unzureichend seyn.

Allein wir sprachen von ihrer Unzureichlichkeit in Rücksicht des Menschengeschlechts im Allgemeinen, in Rücksicht der Totalität der Zufälle, die sie im Allgemeinen, und nicht im Bezuge auf jedes einzle Individuum, zu fürchten haben. Gewiß ists, daß man so glücklich war, die Partikuliers wieder herzustellen. Man wäscht sie von dem Unrath, den sie unvorsichtig an sich gezogen haben, ab; man nimmt ihnen, was sie bekamen; man giebt ihnen wieder, was sie verloren, sogar die Unschuld beinah, die, gleich der Gelegenheit, nur von vorne behaaret ist, und die man, wenn man sie einmal entwischen ließ, nicht mehr erhaschet.

Aber das menschliche Geschlecht wird darum nicht weniger angegriffen. Die Kakomonade, der Hyder in der Fabel gleich, verlor kaum einen Kopf, als sie dafür schon andre zehn erhält. Unterdessen, als hundert Kranke sich bemühen, ihrer los zu werden, so suchen sie tausend begierig auf, so, daß, trotz den Fluthen von Quecksilber, mit denen man Europa überschwemmt, die Nothwendigkeit seines Gebrauchs mit jedem Tage dringender, und empfindlicher wird. Man wird nie so glücklich seyn, sich davon zu befreien, außer das Ungeheuer, das uns das Eingeweid auffrißt, wird mit Einem Streiche zermalmet. Sie ist, wie wir sagten, eine Hyder, die sich eben durch ihren Verlust vervielfältigt. Um sie auszurotten, muß man mit einemmale alle ihre Köpfe abhauen. Um sie zu hindern, nachzuwachsen, muß man auf der Stelle Schwert und Feuer dagegen brauchen.

Die Regierungen werden, so bald sie das Herz haben werden, es zu wollen, Herkulesse werden, im Stande, diese heroische, und heilsame Operation auszuführen. Hierzu wird es von ihrer Seite nur darauf ankommen, Vorsichten, die man für diesen Gegenstand schon lange getroffen hat, und die durch die Einstimmigkeit der alten Völker in viel minder wichtigen Gelegenheiten autorisirt worden sind, wieder zu erneuern und vorzüglich auf ihre Ausführung zu wachen.

Die Aussätzigen bei den Juden waren aus dem Umkreise der Städte verbannt. Todesgefahr drohete denjenigen, die es wagten, sich hinein zu begeben. Man nahm ihnen die Verwaltung der Geschäfte ab. Man sonderte sie von der menschlichen Gesellschaft aus; und ob es gleich ein Vorzug ihres Staates war, das Band der Ehe, wie mans gesehen hat, fester zu knüpfen, so foderte man doch, daß sie ihre Gaben, und ihr Jücken weiter tragen sollen.

Diese weise Politik ward in der Folge in allen Ländern, denen ihre Erhaltung nahe gieng, nachgeahmet. Selbst in Frankreich gebrauchte man sich ihrer Anfangs gegen den Aussatz, als es diesem gefiel, von den Gestaden des todten an die des mittelländischen Meeres zu übersiedeln, und er sich vom Jordan an die Seine begeben hatte. Man dachte ihrer auch in der Folge bei der ersten Ausschiffung seiner Nebenbuhlerinn aus Amerika. Die unermüdlichen Obrigkeiten, welche für die Ruhe, und Sicherheit der Bewohner von Paris Sorge tragen, ließen gegen dieses Erzeugniß von St. Domingo die strengsten Verordnungen ergehn. Sie verbothen die Uibermachung desselben in das Innere der Stadt, und suchten die schleunige Ausfuhr damit zu erleichtern. Vor dem Jahre 1498. findet man Polizeiverordnungen, die diesen Gegenstand zum Ziele haben.

Sie gebieten allen Personen, welche eines Verständnisses mit der Prinzessin von Amerika verdächtig sind, jedermann, wer es immer sey, der sich durch ihre Listen überraschen ließ, binnen vier und zwanzig Stunden Paris zu verlassen bei Strafe des Strangs. Man berichtet, daß sich bei dem Thore, bei welchen ihnen geboten wäre, hinauszugehn, Austheiler finden werden mit dem Auftrage, Jedermann vier Pariser Sols zu reichen, um sie wegen der Reisekosten zu entschädigen. Selbst die Reichen, und die Eingebornen des Lands werden von den Strassen ausgeschlossen unter der Strafe, wenn sie betreten würden, in den Fluß geworfen zu werden[*]. Man sperrt sie, wenn sie Häuser haben, darinnen, und wenn sie keine Häuser haben, in öffentlichen, zu diesem Gebrauche bestimmten Gebäuden ein. Man übernimmt die Last, sie mit Lebensmitteln, und mit allem Beistande zu versehen, den ihr Zustand fordert, bis sie das Joch der Feindinn abgeschworen haben, und sich in einem Stande befinden, in der Gesellschaft auftreten zu können, ohne zu erröthen, oder ihr Unruhe zu machen.

[Fußnote *: Sieh die registres du Parlement & du Chatelet.]

Das sind die Verordnungen, die man, doch mit einigen Modifikazionen, wieder in den Schwang zu bringen eilen muß. Es ist sehr wohl gethan, daß man alle jene, die, nach einer bestimmten, zu den Reinigungen einberaumten Zeitfrist, mit Unreinigkeit zu erscheinen wagen werden, mit dem Strange bestraft. Aber genug wär es nicht, wenn man ihnen vier Parisersols zu ihrer Reise geben wollte. Alles, was man damit gewinnen würde, wäre, daß sie die Kakomonade Jeder in seinem Lande zu pflanzen abgeschickt würden. Sie würde sich da vervielfältigen, wenn das Land ihrer Verbreitung nur ein wenig günstig wäre. Die Früchte davon würde man sehr bald in einem Schwalle gegen die Hauptstadt zurückfließen sehn.

Es ist also nicht damit gethan, daß man die Unterthanen der Fremden ausjagt. Man thut viel sicherer, und viel vernünftiger, wenn man sie dieser lästigen Unterthänigkeit entreißt. Man muß ihnen Freistätten eröffnen, wo sie sich ohne Zwang in Freiheit sehen können, und wo die Leichtigkeit, ihre Bande zu zerbrechen, in ihnen hierzu das Verlangen erwecket. Man muß in jeder Stadt, oder in, jedem Flecken, einen beträchtlichen Ort, ein Haus errichten, wo jeder Büsser, er sey wer er wolle, aufgenommen, und zur Busse zugelassen werden könne. Man muß da die Freiheit haben, zu zahlen, oder nicht zu zahlen, bekannt, oder unbekannt zu bleiben. Man muß den Eintritt darein allen Leuten, von allen Altern und Ständen, sogar in Masken, wenn sich solche darstellen, gestatten. Da es im Wesentlichen nicht das Gesicht ist, das der Hilfe bedarf, so erhellet, daß die Krankenwärter, um denen, die ihren Beistand suchen, zu helfen, ihre Gesichter nicht zu kennen brauchen.

Vierzehntes Kapitel.

Antwort auf einige Einwürfe, die man gegen die Mittel, die Kakomonade zu unterdrücken, machen könnte.

Ohne Zweifel wird man gegen diese Einrichtung Lärmen erheben. Man wird sagen, zu einer Zeit, wo der Staat kein Gold hat, um seine Bedürfnisse zu bestreiten, könnte er für diese seine Glieder unmöglich so das Quecksilber verschwenden. Die so reden möchten, wären wohl ziemlich grausame Politiker, oder Räsonneurs, die von der ächten Oekonomie ziemlich schlecht unterrichtet wären.

Wenn zu Marseille die Pest wäre, würde wohl die Dürftigkeit des Staats hindern, Trouppen marschiren zu lassen? Würde man kein Geld finden, das man dahin senden könnte, entweder der Stadt zu Hilfe zu kommen, oder die Gemeinschaft mit ihr abzuschneiden? Nun ist die Kakomonade aber wirklich noch viel schlimmer, als die Pest.

Diese greift nur das gegenwärtige Geschlecht an; jene vernichtet, oder entächtet wenigstens fast immer sich auch die zukünftigen Geschlechter. Die Eine nimmt einen schrecklichen Anfang; die Klugheit kann sich davor verwahren; man hat gewisse Vorsichten, um sie abzuhalten. Die andere ist immer vom Vergnügen begleitet; sie macht ihren Anfang mit der Verblendung der Klugheit, und ihr Ende mit ihrem Untergange. Sie hat also viel mehr Leichtigkeit, sich auszubreiten. Sie zieht viel traurigere Folgen nach sich. Sie heischt daher von den Regierungen eine viel größere Sorgfalt.

Diese Sorgfalt würde eben nicht so kostspielig seyn, als man sich einbildet. Erstlich hat man die Aussätzigenhäuser der Alten, von denen man die Stiftungen, und das Bauwerk zu diesem nützlichen Gegenstande annehmen könnte. Dieß hieße den Sinn der Stifter befolgen. Die Kakomonade hat die Stelle des Aussatzes angenommen. Sie muß die Früchte dieses reichen Nachlasses beziehen. Man kann ihr ihre Ansprüche nicht streitig machen.

Uiberdieß, wer zweifelt, daß bei dem ersten Gerüchte von diesem Vorschlage nicht das allgemeine Mitleid erwachen werde? Wie viele Fürsten der Kirche, wie viele wachsame Hirten, würden sich mit einem uneigennützigen Eifer bestreben, eine Zufluchtsstätte gegen Uibel zu schaffen, worunter sie leiden, sobald ihre Schäflein davon angegriffen sind? Wie viele andächtige Schwestern würden nicht ihrem Beispiele folgen! Mit welcher Beredtsamkeit würden nicht die Direktoren die Nothwendigkeit predigen, Einrichtungen zu vervielfältigen, die bestimmet sind, Schwachheiten zu verbergen, oder die Kraft wieder in den Stand zu setzen, ohne Gefahr ihres Gleichen hervorzubringen! Gewiß ists, diese Zufluchtsörter würden in kurzer Zeit, so wie die volkreichsten, auch die begütertsten Häuser im ganzen Königreiche seyn. Sie würden bald der bequemste Stappelort seyn, um das Joch der Kakomonade abzulegen, so wie L -- -- -- bisher der sicherste gewesen ist, sich dasselbe aufzubürden.

Die Leichtigkeit des ersten Verfahrens würde die Weigerung, sich dahin zu verstehen zum Verbrechen machen. Die Gerechtigkeit würde nur nach aller Billigkeit handeln, wenn sie gegen jene, die davon überwiesen wären, die Todesstrafe verhängte. Unterdessen giebt es zarte Herzen, bei denen die Sanftmuth in Schwachheit übergeht. Sie werden sich über diese strenge Verordnung entrüsten, sie werden zwischen der Strafe und dem Verbrechen kein Verhältniß sehen.

Es ist so süß, so natürlich, werden sie sagen, die Gefahren zu wagen, derer Folge sie ist. Sollt es gerecht seyn, den Irrthum eines Augenblicks mit einer so schmählichen Züchtigung zu ahnden? Sollte man sich entschließen können, gegen ein vernünftiges Wesen den Tod zu verhängen, weil es seines Lebens nicht ordentlich genoß? Was man ihnen antworten könnte, ist dieses.

Ich gebe Ihnen zu, meine Herrn! mein Rath mag strenge scheinen. Aber untersuchen Sie, was unter Ihren Augen vorgeht. Wer sind jene Armseligen, die sie dort mit den rothen Kappen auf den Galeeren sehn? Wer sind jene, derer Hinrichtung so viel Volks auf den freyen Platz spornt? Unter ihnen befinden sich Leute, die Schwärzer, Betrüger waren. Das Gesetz waffnet sich mit einer unbeugsamen Schärfe, und verurtheilt sie ohne Barmherzigkeit!

Nun ich bitte Sie, giebt es wohl eine schrecklichere Schwärzerei, als die Kakomonade? Kann man die Einführung ihrer Geschenke mit der Einführung eines Holländertobaks oder Spaniols in Vergleichung ziehen? Die Kutzenelle, so roth sie ist, kann sie die Vergleichung mit gewissen Purpurknöpfchen ertragen, welche die Ehrbarkeit nicht nennen läßt.

Wenn Sie ohne Anstand arme Leute, die Ihnen für wohlfeilen Preis weis nicht welch braunen, gelben, oder feuerfarbenen Staub brachten, rudern lassen, hängen und rädern; was sind Sie wohl denen schuldig, welche sich erdreusten, die Quelle der Vergnügungen zu vergiften? Was werden Sie jenen Frevlern nicht anthun, die es wagen, in das Heiligthum der Wohllust Betrübnis, und Thränen in die Wohnung der Freude zu bringen?

Die aufgeklärte Menschheit gebietet ohne Zweifel ihre Bestrafung zum Wohle der leidenden Menschheit. Man muß alle ohne zu schwanken eine bestimmte Zeit festsetzen, nach welcher Niemand mehr angenommen werde, der sich angiebt, mit einem Ungemache behaftet zu seyn, wovon er sich wird haben entledigen können. Man muß die Kakomonade wie eine ausländische Waare ansehen, und die, bei denen sie gefunden wird, ohne Barmherzigkeit konfisziren.

Fünfzehntes Kapitel.

Nöthige Vorsichten gegen die Wiederkunft der Kakomonade, und Schluß des Werks.

Aber auch damit wär es nicht gethan, daß man die verdächtigen Wirkungen hemmte. Man müßte auch Vorkehrungen treffen, ihren Eingang zu verhindern. Man müßte Amtsstuben, Gerichtsdiener, und Wächter haben, die über Paquette, wo diese traurige Gattung Kontrebandwaaren sich verbergen läßt, zu wachen hätten; und für dieß habe ich gesorgt.

Der durch seine große Nase berufene Kaiser Heliogabal oder Elagabal, sagt man, habe einen Frauenzimmersenat errichtet. Diese erlauchte Gesellschaft hatte über alle weiblichen Angelegenheiten zu richten. Vor ihr brachte man all die kleinen Zänkereien, die häuslichen Klätschereien, die Uiberwerfungen der Verliebten an. Sie gab auch den Ausschlag über die Moden, den Haarputz, und den Anzug von allen Arten. Diese Politik, wünschte ich, sollte man in Paris, in ganz Frankreich, ja sogar in ganz Europa nachahmen können.