Chapter 2
Fräulein möge sich bequemen: Von dem _Treuen_ noch ein Wort, Vor der Reise zu vernehmen, Dort, am ihr bewussten Ort'!
Heute, nach vollbrachtem Mahle, Bei der _Mittagsonne_ Strahl', Harret _Victor Heil_ im Thale; Und -- vielleicht -- zum _letzten_ Mal!«
Diese trauervolle Kunde, Nicht der Liebe Träumen hold: Kam der _Braut_ aus _Boten-Munde_, Nach dem _Schein_, von _Segewold_.
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Sinnend ob des Wort's Bedeuten, Sprach sie dennoch schnell gefasst: »Wenn sie heut' zu _Mittag_ läuten, Bin ich meines Trauten Gast.« --
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Und der Bote zieht von dannen, Eilig wie Verhängnissflug: Seinem Orte zu, von wannen Ihn der Hölle Dämon trug.
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Todeskälte, Fieberbeben, Namenloses Weh' und Leid: Ueberzog Dein Rosenleben, _Rosa_, wundersüsse Maid!
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»Heute, nach vollbrachtem Mahle. Bei der _Mittagsonne_ Strahl, Harret _Victor Heil_ im Thale; Und -- vielleicht -- zum _letzten_ Mal?«
»Welch Gebot ist dir geworden? Welche Sendung trägt dich fort? -- Wer, um unser Glück zu morden, Sprach dir solches Unheilwort? --
_Dich_, mein _Leben_, soll ich meiden, Noch im _Frühling_ deiner Bahn? Von dem _Himmel_ soll ich scheiden, Der sich kaum mir aufgethan? --
Träger Morgen, nimm dir Schwingen! Mittagstunde, komm herbei! Sich're Kunde mir zu bringen, Ob mein Traum zu Ende sei. --
_Kommen will_ ich, zu dir eilen: Einer flücht'gen Stunde Frist, Glücklich noch, bei _Dem_ zu weilen, Dessen Glück mein Himmel ist.« --
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_Also_ tönt der Jungfrau Klage; Und sie eilt im Flügelschritt'; Und den Pflegern ihrer Tage Theilt sie schnell die _Kunde_ mit.
Bergend in der Brust die Wunde, Ruhig scheinend, ohne Ruh', Sprach sie; -- und der bösen Kunde Hören _bang_ die _Lieben_ zu.
Inn're _Warnerstimmen_ sprechen, _Zweifel_ stürmt die alte Brust: _Rosa_ weiss den Sturm zu brechen, Sich nur _frommer_ That bewusst.
Weich, wie Flötenklänge wehen, Zärtlich, wie das Auge sprach, Sendet sie der Blicke Flehen Noch einmal die _Worte_ nach:
»Möge Vaterhuld gestatten, Was die Mutter nie versagt! Jener Gang im Abendschatten, Sei zu _Mittag_ heut' gewagt!« --
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Und die _Lieben_? -- Sie gewähren Ihr, zu Tages heller Zeit, Neu, den alten Gang in Ehren, Und die _Schwester_ zum Geleit'.
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Dann enteilt sie; wählt zum Kleide, Aus dem hellgebohnten Schrein, Ihren Festtagschmuck von Seide, Perlen auch und Edelstein.
Alles muss den Reiz erheben, Was die schöne Welt entzückt; Was da ziert der _Liebe_ Leben, Und -- die _Braut_ im _Sarge_ schmückt.
Dann der _Liebe_ zu genügen, Wählt sie noch ein _Busentuch_, Dessen _Rand_, in gold'nen Zügen, Darbot diesen _Römerspruch_:
»Lass' des _Muthes_ Fahne wehen. Wenn den Stab dein Schicksal bricht! Lass' dein _Leben_ untergehen, Aber deine _Ehre_ nicht!«
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»Ja,« so sprach sie, »diese Gabe, Seiner Liebe Brautgeschenk: Soll mich finden bis zum Grabe, Treu, des Treuen eingedenk!« --
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Rosenroth, wie _Rosen's_ Wangen, Malet sich des Tuches Grund; Zarte, gold'ne Sterne prangen, Mitten d'rauf, im Zirkelrund.
_Also_, wie zum Hochzeittage, Schmuckreich, glänzend angethan: Eilt sie, mit dem Glockenschlage; Und die Schwester geht voran.
_Leutha_ hüpft im Jubelreigen, Durch den Hain, ihr Königreich; _Rosa_ folgt, in düst'rem Schweigen, Ihrem Todesengel gleich!
Oft noch, wie von _Ahnung_ bange, Wendet sie den feuchten Blick, Auf des Lebens letztem Gange, Nach dem _Vaterhaus_ zurück!
Und mit Augen, deren Milde Nur von Glück und Segen sprach: Schauen ihrem Engelbilde, Lange noch, die _Lieben_ nach.
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Sinnend geht sie weit und weiter, Näher doch dem frühen Grab'! _Engel_, auf der Himmelsleiter, Steigen ihrem Traum' herab.
Doch, die guten Engel _weinen_! Schmerz umflort ihr Angesicht! Und -- die _Zeichen_, die erscheinen, Melden Glück der Liebe nicht.
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Raben, Krähen, Dohlen kreisen, Wie zu wehren diesem Gang'; Und es tönt, in Schauerweisen, Um sie her wie Grabgesang!
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Durch des Thales grüne Matten, Sucht und wählt sie neue Bahn; Sieh, da starrt ein bleicher _Schatten_ Sie mit Todes-Augen an!
_Horch_! und _Geisterworte_ schallen, Wie aus Gräbern, hohl und tief: »_Weh'_, der Würfel ist gefallen! _Todesbraut_ -- dein Schicksal rief!«
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Doch, von Schrecken ungeblendet, Muthbewehrt am Schauerort, Ruft, dem _Schatten_ zugewendet, _Rosa Mai_ -- des _Bannes_ Wort:
»Bist du _Gottes_: lass' mich wandern! Hab' in deinem Grabe _Ruh'_! Aber dienest du dem _Andern_, Weiche -- deiner Hölle zu!«
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Und sie sah das Bild entschwinden, Wesenlos, in blauer Luft; Doch, von seiner _Heimath_ künden Schwefeldampf und Moderduft.
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_Rosa_ weilt nun, an den Stufen, Deren Weg zur _Grotte_ führt; Aber -- _and're_ Stimmen rufen, Deren »_Ach_« die _Felsen_ rührt:
»Nah' ist, _Jungfrau_, dein Verderben! Nah' der Rose Blüthenfall!« -- Doch die Geistertöne sterben, Ohne Frucht, im Widerhall.
Muth und Kraft der Liebe _siegen_; Das Phantom der Schrecken weicht; Und sie hat den Fels erstiegen, Und der Grotte Ziel erreicht.
Ringsum, nach dem Stern des Lebens, Wendet sie den Blick umher: Doch ihr Auge sucht vergebens! _Rosa_ fand -- die Grotte _leer_.
* * *
Bleich und kalt, in _Weh'_ begraben. Schaut sie nach dem Thalgefild; Einsam, schweigend und erhaben, Wie am Grab' ein Marmorbild!
_So_ ermass, am Felsenhügel, _Ariadne_ den Betrug: Der ihr Glück, mit Windesflügel, Flüchtig, in die _Ferne_ trug. --
* * *
Endlich naht es, -- auf den Zehen! Doch der Ton der Tritte gleicht -- _Wolfesgang'_, der ungesehen, Leise nach dem _Raube_ schleicht.
Wie ein Tiger gräbt die Zähne Tief dem Opfer in die Brust; Wie bei Nacht die Grabhyäne Nährt an Leichen Würgerlust:
_Also_ naht in Gluht und Feuer, Ungezähmter _Gierde_ Raub, _Rosa_, Dir, das _Ungeheuer_! Tränkt mit Blut der Höhle Staub!
* * *
_Fremdling_! soll ich _Mehr_ Dir sagen? Heute, _Fremdling_, frage nicht! Aber, wird ein _Morgen_ tagen: Folge mir -- zum _Weltgericht_!
X.
Desselben Tages, noch spät am Abend.
Bericht und Klage, aus der Burg von Treiden: an den Landrichter, zu Neuhof.
Versammelt war das _Landgericht_, Zu _Neuenhof_, bei _Treiden_: Um über Klage von Gewicht So eben zu entscheiden. Da kam, entsandt von diesem Schloss, Wie Sturm, ein Reiter, hoch zu Ross; Und brachte, spät am Tage, Noch diese Schauerklage:
»Erschlagen hat, in blinder Wuth, Ein wildes _Ungeheuer_: Ein _Mägdlein_, fromm und engelgut, Uns Allen werth und theuer! Sie war die _Braut_ vom Gärtner _Heil_; Im Blute lag das kurze _Beil_, Das _er_, in diesen Tagen, Im Gürtel stets getragen.
Ihr Blut bedeckt den Bodenstaub Der _ihr_ geweihten _Höhle_; Nicht aber sann auf schnöden Raub Die freche Mörderseele. Der Mörder will nicht Räuber sein; Nicht Perle fehlt, noch Edelstein; Wir fanden ihr Geschmeide, Und ihr Gewand von Seide.
Doch zeugen Spuren, am Gewand', Von Kämpfen um ihr Leben; Und Beilschlag, von verruchter Hand, Hat ihr den Tod gegeben. Ein _Rosatuch_, von Blut befleckt, Das, faltenreich, den _Hals_ bedeckt: Kann, von _demselben_ Eisen, Des Schlages Kraft beweisen.
Will aber diese Waffe zwar Den jungen _Heil_ verrathen: So zeugt dagegen, offenbar, Ein Heer von Edelthaten. Sein Leben leuchtet makelrein! Und reiner mag kein Engel sein: Wie _er_, von uns gepriesen, In Wort und That bewiesen.
Er übte magische Gewalt, Und flocht nur _Liebes_bande; Den _Edlen_ ehrte Jung und Alt, Und Herr und Knecht im Lande. Die Töchter blickten, nah' und fern, Nach ihm, wie nach dem Morgenstern; Und er gewann Vertrauen, Bei Männervolk und Frauen.
Er eilte, wie sein _Herz_ gebot: Dem Armen, wie dem Reichen, Bei Sturmesnacht, bei Todesnoth, Die Bruderhand zu reichen. Er half, mit jedem Tage neu, Geschäftig, ohne Mühenscheu; Und ohne _Dankes_-Ehren, Noch _Lohnes_ zu begehren.
Kein Wunder, wenn die _schönste Maid_, Für die sein Herz entbrannte, Ihr liebes Weh' und süsses Leid, Auch _ihm_, wie _er_, bekannte! Der blasse _Neid_, bei stillem Groll, War _selber_ doch des _Lobes_ voll: Es sei, sich zu verbinden, Kein schön'res Paar zu finden.
Und Vater _Greif_ und sein _Gemahl_, Ein Paar, so fromm und bieder: Sie sahen auf so edle Wahl Mit Segenblick danieder. Gegeben war der _Treue_ Ring; Und bei Trompetenschall beging Die alte Burg von Treiden -- _Verlobungfest_ der _Beiden_.
* * *
Der Gartenkünste Meister liess, Bei nimmermüdem Streben, Für _Segewold_ ein Paradies Auf Oeden sich erheben. Und noch ein _neues Werk_ erstand, Von seiner Kunst und Meisterhand: Die _Grotte_ sein, auf Höhen, Soll ferne Zeit noch sehen.
Die _Liven-Grotte_ schuf _Natur_; Die _seine_, hoch daneben: Sieht unter sich, in Thalesflur, Der Landschaft Reiz und Leben. Da mass die Jungfrau _Segewold_; Und sah, bestrahlt von Abendgold, Den Liebling täglich eilen, Sein Glück mit ihr zu theilen.
Hier mochte sie, auf grüner Bank, Den Bräutigam erwarten: Der, wenn sein Tag hinuntersank, Verliess den Blüthengarten. Mit _Blumen_ war, von ihm gepflückt, Die Grotte täglich neu geschmückt; Bis ihr von Rosenstunden Die _letzte_ heut' geschwunden!
Denn _heut'_, in früher Morgenstund', (Was nie bisher geschehen!) Liess _Heil_ an sie, durch _Boten_-Mund, Den lauten _Wunsch_ ergehen: Sie möge nach dem Mittagmahl', Zum Gange nach dem Höhlenthal', In Liebe sich bequemen, Und -- »_Scheidegruss_« vernehmen!
Er habe noch der Arbeit Viel Am Abend, zu besorgen; Und -- Fahrt ins Weite sei das Ziel, Schon für den nächsten Morgen. Er wolle, wenn sein Glück entweicht, Die Braut, zum _letzten_ Mal vielleicht, In seiner Grotte schauen; Und And'res -- _Gott_ vertrauen.
Die _Eltern_, um ihr Wort befragt, Den Gang ihr zu gewähren: Sie mögen, was sie _nie_ versagt, Auch heute nicht verwehren. -- Ob _Ahnung_, ob es _Laune_ war: Geschmückt, wie vor dem Traualtar, Erscheint, im Festgewande, Die schönste Braut im Lande.
Und sieh, der letzte Gang beginnt! Er nimmt sie fort von _Treiden_! Sie aber wandelt still und sinnt, Und weilet noch im Scheiden! -- Dann, wie der Sonne Majestät In Wolken freundlich untergeht, Und stirbt, im Abendrothe: Geht _Rosa-Mai_ -- zum _Tode_!...
* * *
Die _Freude_ sieht die Stunde nur Wie _Augenblick_ entschwunden; Der _Sehnsucht_ -- dehnt die Zeitenuhr Zu Tagen oft Sekunden! Vergebens fleht der _Alten_ Blick Die Tochter ihrem Haus zurück! _Sie_ wandelt hoch -- und ferne -- Auf unbekanntem Sterne!
Nicht heiter, wie der Bach entweicht, Nicht, wie die Quelle munter: Nur trüb', wie Sumpfgewässer, schleicht Der träge Tag hinunter! -- Der Westen glüht, die Sonne sinkt; Und Schattenkühl im Thale winkt: Da schmachtet Herzverlangen, Die _Töchter_ zu empfangen!
* * *
Nun wird es laut am Eisenthor! Und sieh, empört, voll Grauen: Tritt _Heil_ von _Segewold_, hervor, Gespenstern gleich zu schauen! Wie Donner, trifft sein Wuthgeschrei: »Herbei, du _Vater Greif_, herbei! Im Blute liegt, erschlagen, Die du zur Welt getragen!« --
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Die _Hölle_ flammt in seinem _Wort_! Ihr _Hohn_ ertönt im Schalle! Dann eilig stürmt der _Wilde_ fort; Und hinter ihm -- wir Alle. Wir folgen seiner Tritte Spur, Den Berg hinab, in Thales Flur; Empor dann, am Gelände, Zum Werke seiner Hände.
Und _dort_ -- in _seiner_ Grotte lag: Die weiland Segenreiche! Die _Jungfrau_, todt durch Mörderschlag, Nun Marmor-starre Leiche! Sie lag in Blut, von Blut bedeckt; Und -- von _demselben_ Blut befleckt Lag jenes _Beil_ daneben, Das ihr den Tod gegeben!
Wer solches Beil sein _eigen_ nennt: Kann _Mehr_ vom Morde sagen; _Wer_ aber, der den Jüngling kennt, Darf hier ein _Urtheil_ wagen? -- Es ist, was ihm Verdammniss droht, Sein _Werkzeug_ hier, von Blute roth: Wenn volle Thatenreihen Ihn dort zum _Helden_ weihen. --
Und so verlangt die erste Pflicht: Uns, _Herr_! an _Euch_ zu wenden; _Euch_ -- werden seine _Thaten_ nicht, Noch hier sein _Eisen_, blenden. Wir leben sorgvoll, ohne Ruh'! Und senden Euch den _Wagen_ zu; Bei _Bitte_, nicht zu weilen, Nach _Treidens_ Burg zu eilen!«
XI.
Am nächsten Tage.
(Zu Treiden.)
Auf, _Gericht_, bei Morgenroth! Oeffne deine Schranken! Und es sei der _Jungfrau Tod_ Seele der Gedanken!
Fern dem Wahne, fern der Scheu, Wirf den Schein danieder; Und vernimm, der Wahrheit treu, Zeugen für und wider!
Dort die Leiche, dort das Beil, Dort das Blut im Staube! Hier die _Klage_, hier der _Heil_, Hier gesunk'ner Glaube! --
* * * * *
Und sofort zu Kampfe zog, Wider _Heil_, die _Klage_; Und des Landes _Richter_ wog Mit der _Themis_ Waage.
_Heil_, der Jüngling, trat hervor, Todesbleich die Wangen; Wie der Mond den Schein verlor, Von Gewölk umfangen.
Tief gesunken und zerstört, Heldenthum's Ruine; Schmerz-gebrochen, Gram-verzehrt, Stand er auf der Bühne.
Und der hohe _Richter_ spricht: »Lass' dich, _Jüngling_, fragen! Kennst du _diese Waffe_ nicht, Und, wer sie getragen?
_Dich_ erkennt an solcher Spur, Wer sie aufgefunden; Und mit _solcher_ Waffe nur Schlägt man _solche_ Wunden. --
War es nicht der Bote dein: Der, von Dir verblendet, Deine _Braut_, durch leeren Schein, In den _Tod_ gesendet?
Gieb das zarte _Kind_ zurück: Das, durch _dich_ entschwunden; Dessen Spur auch _Vater_-Blick Nirgend noch gefunden!« --
* * *
_Heil_, im Auge seine _Braut_, Die der Mord erschlagen: Schien mit allem Tod' vertraut, Nicht mit solchen Klagen.
Nun, bekannt mit seinem Loos, Rings um sich Verderben, Sprach der _Jüngling_, ruhig gross, Wie der Held im Sterben:
»Jenes _Beil_, mein _Kläger_ hier, Meine Lieblingshabe: Wie es frommte mir und _Ihr_, Folg' es mir zu Grabe!
_Solch_ ein Werkzeug nur allein Sollte mich begleiten: _Ihr_, im weichen Sandgestein, Obdach zu bereiten.
Zürne nicht, verklärte _Braut_! Wenn ich _nicht_ verhehle: Dass ich nur für _Dich_ gebaut Jene zweite _Höhle_.
_Was_ dem Blicke dort erstand, Stufen und Gelände: Schuf das _Beil_ in meiner Hand; Schufen diese Hände.
Sank denn _Heil_ so tief herab: Sich ein Werk voll Grauen, -- Seiner _Braut_ ein frühes Grab -- Schmachvoll zu erbauen? --
Doch, wir stehen vor _Gericht_; Und die Richter sagen: Jenes Beil im Blute spricht, _Er_ hat sie erschlagen!...
Höret nun von mir Bescheid, Auf die _zweite_ Klage! Neues Weh' und neues Leid Weckt die _Boten_-Frage.
Glaubet! meine Seele weiss Noch von keinem _Boten_: Der die _Braut_, auf mein Geheiss, Sandte zu den _Todten_.
Nur bei Tages _Untergeh'n_ War es uns beschieden: Dort zu feiern Wiederseh'n, In der Höhle Frieden.
_Also_ war es Fug und Brauch Für die Zwei geblieben; _So_ betrat ich, _gestern_ auch. Meine Bahn zur _Lieben_:
Noch zu enden war ein Theil, Hoch am Grottenrande; Und ich zog mein liebes Beil Aus dem Gürtelbande.
Aber, als ich wohlgemuth Mein _Asyl_ erreiche: Weh', da lag, in ihrem Blut', Meiner Jungfrau _Leiche_!
Da entsank das Beil der Hand; Kraftlos sank ich nieder; Und -- am Eis der Todten fand Mein Gefühl sich wieder!...
Von dem _Kinde_ weiss ich nur _Dieses_ zu gestehen: Dass von _Leutha_ keine Spur. Gestern war zu sehen.« --
* * * * *
So erklang des _Jünglings_ Wort, Aus der Seele Tiefen! Wahrheit riss die Menge fort, Furcht und Wahn entschliefen.
Eine Todten-Pause trug Tod in _Feindes_-Leben; Und das Herz der _Freunde_ schlug, _Wie_ bei Fieber-Beben.
Doch -- der strenge _Richter_ spricht: »Wahrheit lebt in _Zeugen_! Wem der _Zeugen_ Mund gebricht, Muss der _Qual_ sich beugen!
_Zeugen_, oder _Folter_-Qual, Will der Zeiten Sitte; Dich befreit, von solcher Wahl, Thräne nicht, noch Bitte.
Fühllos, wie die Weltenuhr Schlägt den Takt der Zeiten: Mag Gesetz dem Rechte nur Kraft und Sieg bereiten.
Soll _Gesetz_ im Staatenspiel' Bahn der Wahrheit brechen: Darf nicht Mitleid und Gefühl Richter-Wort bestechen.
Darum, _Knechte_, führet ihn, Ob er sich bedenke, Nach den Thurm-Gewölben hin, Vor die Marter-Bänke!
Dort, wo Heide oder Christ, Schrecken fühlt und Grauen: Mag' er jedes Qualgerüst', Nach der Stufe, schauen!
Zeig't ihm jedes Marterholz, _Wie_ der Grad sich nenne! Dass vielleicht gebeugter Stolz, Frei, die Schuld bekenne.« --
* * * * *
_Heil_, ob Gram und Kummerlast Tief das Herz bewegen, Warf dem _Richter_, schnell gefasst, _Dieses Wort_ entgegen:
»_Göttlich_ war das _Urgesetz_ Für der Menschheit Leben; _Menschlich_ war das _Nachgesetz_, Das der _Mensch_ gegeben.
Doch -- das Gold von gold'ner Zeit, Die uns Lieder preisen: Sank herab, im Völkerstreit'; Wurde Blei und Eisen!
Und der Zeiten Stahl und Blei, Würgend um die Wette: Brach des Ringes Gold entzwei An der Menschen-Kette!
_So_, wie _Brennus_ nach dem Sieg', Einst am _Römer_-Tage: Warf ihr Schwert, wenn _Zweifel_ stieg, _Themis_, in die Waage. --
_Also_ leg't Ihr _Herzen_ ein, In die _Folter_-Schrauben; Bis zu _Thaten_ wird der Schein, Und der Wahn zum _Glauben_. --
Aber, weises _Landgericht_! _Heil_ und seine Ehre Fürchten Eure Folter nicht! Nicht der Qualen Schwere!
Bitt're Qual, die mich bedroht, Soll mir _süss_ erscheinen! Denn mich wird ein _Martyr-Tod_ Mit der _Braut_ vereinen.
Da sie fiel, durch Mörderstahl, Die mir _Gott_ gegeben: Find ich nur im Leben Qual, Und im Tode Leben.
Möge denn, an meinem Muth', Euer Holz und Eisen Seine Kraft und seine Wuth, Wie an _Ihr_, beweisen!...
_Einen_ Wunsch, auf Erden hier. Hab' ich noch zu nennen: Wollet nur ein Grab mit _Ihr_, Gnädig mir vergönnen!
Wenn das Opfer Euch erlag: Soll der Vorhang schwinden! Kommen wird ein _Rächer-Tag_, Und den Mörder finden.
Oh, die _Ahnung_ sagt mir laut, _Wer_ die That begangen; Und, von _Wessen_ Stahl die _Braut_ Solchen Tod empfangen!
Eine _Geisterstimme_ tönt, Wie aus Gräberhallen: »_Die_ das Leben dir verschönt, Ist _für dich_ gefallen!«
_Braut_, wir horchen deinem Ruf'! _Einig_ sind die _Beiden_! Wer die Zwei zu _Einem_ schuf, Wird sie nimmer scheiden. --
Erdenleib, im Erdenrund', Fröhnt der _Mutter_-Scholle; Und der _Geist_, im Körper _wund_, Uebt nur _Sklaven_-Rolle.
_Droben_, in der _Geister_-Bahn, Herrschen _Geister_-Mächte; _Sonnen_ sind dir unterthan, Und Planeten _Knechte_.
_Wie_, und _Erde_ soll den _Geist_ Weg von _Dir_ verbannen? -- _Nein_, mit _Einem_ Tritte weist Sie der Muth von dannen!
_Bess're_ Welt ist aufgethan Allem Erdenblicke; Thaten brechen dir die Bahn, Leiden sind die Brücke.
Auf nun, _Henker_, sei bereit! Sieh die Qual mich tragen; Doch den Sieger auch im Streit Sein Geschick erschlagen!" --
* * * * *
_Also_ spricht er, und entschwebt. Laut beweint von Allen: Wie er frei und schön gelebt, Frei und gross zu fallen.
* * *
Und die Knechte führen ihn, Ob er sich bedenke, Nach den Thurmgewölben hin, Vor die Marterbänke.
Dort, wo Heide oder Christ Schrecken fühlt und Grauen: Soll er jedes Qualgerüst', Nach der Stufe, schauen.
_Folter_, die auch Felsen bricht, Oeffnet ihre Schrauben: Blut und Mark, nur Ehre nicht, Peinvoll ihm zu rauben.
Und ein Sichel-Mühlwerk steigt, Knirschend, auf und nieder; Und die Eisenjungfrau zeigt Ihre Stachelglieder.
Eine Hölle zieht herbei, Seinem Muth' entgegen; Doch -- er lächelt, wie der _Mai_ Unter Blüthenregen.
Himmelfriede, Seelenruh', Sind ihm treu verbunden; Und -- sein _Schicksal_ ruft ihm zu: "Du hast überwunden!"
XII.
Die Entscheidung.
Während, in der Henker Mitte, _Heil_ durch alle Schrecken zieht; Und, mit jedem neuen Schritte, Neuer Qual entgegensieht:
Schwanket noch die Richterwaage; Zweifel wandelt rings im Kreis: _Ob_ auch hier die _Marter_-Frage Mag erpressen Schuldbeweis.
* * *
Aber, eh' sie noch entscheiden, Mahnend sich an ihre Pflicht: Tritt der _Castellan_ zu Treiden, _Also_ sprechend, vor Gericht.
»Weise Richter dieser Lande! Säumet mit dem Folterspruch! Denn, statt Ehren, zeugt er Schande, Und noch später Zeiten Fluch.
Was vor Unbill uns bewahren, Und den Jüngling retten soll: Mag dem Richter offenbaren Ein Bekenntniss, grauenvoll!
Elf der Monde, trüb und heiter, Sanken in der Zeiten Meer: Seit ich _zwei_ der _Lanzenreiter_ Aufnahm, aus dem _Polen_-Heer.
_Adam Jakubowski_ nannte Sich der Eine, Frag'-gerecht; _Peter Skudritz_, so bekannte Seine Schrift den zweiten Knecht.
Beide waren, jung von Jahren, Flüchtig aus dem Polenstreit', Kriegeskundig, diensterfahren, Mir zu dienen, schnell bereit.
Manchem Raubthier, unverdrossen, Folgten sie, bei Nacht und Tag'; Doch -- das _Herz_ der Jagdgenossen Bald dem _bösen Feind'_ erlag!
Nur dem Zank' und Trunk' ergeben, Höhnend Strafen und Gericht; Schonten sie der Hütte Leben, Wie das Burggesinde nicht.
_So_, nach vielen Schuldbeweisen, Sann ich endlich nur darauf: Sie aus meinem Dienst' zu weisen, Nach vollbrachtem Jahreslauf'.
Doch -- wie Espenzweige beben, Buhlt ein West im Blätterdach: _So_, mit Zittern, trat so eben _Skudritz_ ein, in mein Gemach.
Höllenqual im Schuldgewissen, Wie sie nur ein _Gott_ erweckt: Haben ihm das _Wort_ entrissen, Das den _Mörder_ aufgedeckt.
Draussen weilt er, rufgewärtig, Sein Verbrechen zu gesteh'n; Und, zu seinem Ende fertig, Nur um schnellen _Tod_ zu fleh'n.«
* * * * *
Und der _Richter_, ohne Säumen, Sendet nun den _Frohn_ sogleich: Nach des Thurmgewölbes Räumen, In der Folter Qualenreich.
»Lass den Jüngling eilig führen, Nach dem Kerker, unversehrt! Bis er frei wird, nach Gebühren, Wenn der Tag ihn frei erklärt.«