Die irdische Unsterblichkeit: Roman

Part 10

Chapter 103,626 wordsPublic domain

Aleit verhielt ihre Rede und unterdrückte einen Seufzer; ich betrachtete sie verstohlen von der Seite. Wahrlich, ihr Herz war die Tapferkeit selber und leuchtete siegreich wie ein Stern durch das arme, blasse Antlitz. Sie, die in kurzen Wochen ein Enkelkind erwartete, war schön und herbsüß wie in der Jugend; hingerissen und seltsam erlöst von der fiebernden Betrübnis sah ich sie an. Sie begegnete meinem Blick, las und senkte die Lider.

»Sieh mich nicht an, Mönch, ich habe noch Schlimmeres zu berichten, das dein Auge am wenigsten verträgt. In der Zeit, da uns Harald fortlief und gegen Heidenland zog, schloß ich mich mehr als sonst an den Herzog an und fand, was ich nicht suchte, einen wackeren Freund. Möglich, daß Alter und Entwöhnung unsere Sinne eingeschläfert hatten, jedenfalls saßen wir nun öfters des Abends ruhig beisammen und rätselten über den Jungen, der uns beiden teuer war und in dem sich unsere Liebe wunschlos fand. Das gemeinsame Leid ließ die Scheidewand schwinden, es fand sich hier und da Hand zu Hand, indes unsere oder zum mindesten -- denn ich konnte nicht mehr wie sonst in seinem Herzen lesen -- meine Blicke in die Ferne, nach Jerusalem gerichtet waren. Auch dies ging vorüber, du kamst hierher und brachtest die Kinder, und von Stund an senkte mich ein neues Geheimnis in neue Verwirrung. Ich habe mich lange und scharf beobachtet, es ist kein Zweifel, daß es so ist, wie ich erzähle. Gleich in den ersten Tagen nach eurer Ankunft bemerkte ich eine eigentümliche Freude in mir, es war selbstverständlich, daß ich sie auf die Heimkehr der Kinder schob. Jedoch kam hinzu, daß ich Robert mit veränderten Augen betrachtete und meine Sinne aufblühten, als zöge die alte Liebe erobernd in das alte Herz. Mir war, ich sei von Blindheit genesen, ich brannte, da wir alle beisammensaßen, ihn zu küssen, und nur eure Gegenwart hielt mich ab. Wir waren nie allein miteinander, und eines Abends überfiel es mich. Ich lief zu ihm hinüber in den Turm, beglückt von der jungen Glut, die mich durchlohte. Er saß noch auf und ordnete Pergamente, verwundert blickte er auf mich, die ich errötend vor ihm stand und schließlich vor Scham fast ohnmächtig wurde. Denn, Mönch, es war wie immer: ein Fremder, höchstens ein Freund, stand vor mir, meine Liebe war verflogen. Mir fiel keine Ausrede ein, ich mochte auch nicht lügen; einen Gruß stammelnd entfloh ich, und sein bitterschmerzliches Lächeln folgte mir in den Traum. Mönch, es war eine arge Zeit für mich, das Leben neben euch kostete mich viel. Es dauerte lange, bis ich die Ursache meines merkwürdigen Wesens fand; es waren nicht die Kinder: es war deine Gegenwart, die Totes aufweckte.«

Regungslos verharrte ich auf meiner Bank und erwartete das Beil in meinen Nacken zischen; ich fühlte mich entlarvt, nackend vor dem letzten Richter, vergaß, was ich selber gelitten, wußte nur meine jämmerliche Schuld.

Aleit brach das Schweigen, ihre Stimme war nun müde und hoffnungslos, daß ich sie kaum erkannte.

»Dies ist die Ursache, Mönch; nun sage, wenn du es vermagst, welch ein Rätsel Gott unter so seltsamer Hülle verbirgt. Du hast manche Schicksale und vielerlei Menschen kennengelernt, ist dir jemals Ähnliches begegnet?«

»Mir?« stotterte ich, wie ein Ertrinkender aus dem atemlosen Wasser auftauchend. Ich vergaß jede Höflichkeit, sprang ans Fenster, riß den Laden auf und stürzte die flammende Stirn den Schneewogen entgegen, die wie ungeheure graue Tiere durch den Nebel jagten und mit kühlen Zungen über mein Antlitz fuhren. Mitten in der Nordlandskälte sah ich aus brennenden Augen ein Bild: die dorrende Wüste, von heißen Sandwolken überfegt, ein steinerner Hügel, und darunter, im Frieden des Todes lächelnd, Jussuf.

Wohl ist dir! Wohl ist dir! schrie ich inwendig, von feigem Neid zerfressen und ermattet.

Aleit war hinter mich getreten und legte die Hand auf meine Schulter.

»Ronald,« klagte sie leise, »wendest du dich von so verirrter Seele ab? Ist deine priesterliche Gewalt nicht groß genug, meine Schulden mit dem Absolvo zu bedecken? Kann ein menschlich Herz, das wie das deine gelitten hat, so große Sünde nicht mehr fassen? -- Einen weiß ich, der mich dennoch aufnimmt, denn ich fühle seinen kalten Atem hinter mir.«

Erschrocken blickte ich mich um und sah das totenblasse Angesicht von einem Schein verklärt, der nicht mehr von dieser Welt war. Von der eigenen Angst plötzlich befreit beugte ich den Kopf tief erschüttert auf die Brust. Aleit legte sorglich den Riegel vor den Laden, schürte das Feuer noch einmal und stand wartend zwischen Stuhl und Tür. Da riß ich mein lahmes Herz empor und haschte ihre Hand.

»Arme Frau,« sprach ich heiser vor Aufregung und unterdrückten Tränen, »wer wollte Euch richten? Hat Gott Euch in so schwere Schicksale verstrickt und habt Ihr Euch so tapfer gehalten, dann ziemt Euch himmlischer Lohn weit eher als irdische Sühne. Euer Leben ist seltsam zerbrochen worden, doch glaubet, Frau, wir leben nicht zum letztenmal auf dieser Erde! Ihr beide, Robert und Ihr, seid eins in zweierlei Gestalt, und wechselt ihr das verwesliche Kleid, so wird ein neues Dasein die Frucht des alten weiterreifen bis in Ewigkeit. Des seid getrost und freut Euch: nimmer könnt ihr zwei euch verlieren, ewig werdet ihr verbunden sein, und eure Hölle und euer Paradies liegen nicht über den Sternen, sondern hier auf der Heimatscholle.«

Ich sprach für mich selbst, für meine eigenen Wünsche, meinen eigenen Glauben. Und dies war es, was meinen Worten eine heiße Überzeugungskraft gab. Sie verstand nicht, was ich meinte, aber sie fühlte, wie ich in ihren aufleuchtenden Mienen las, eine Wahrhaftigkeit, die sie ergriff und erhob. Leise, mit schwingender Glückseligkeit fragte sie:

»So ist es wahr, daß Liebende sich wiedersehen?«

Ich antwortete, überwunden und siegreich in einem:

»Sie sehen sich nicht wieder, sie bleiben immerdar vereint!«

Unsere Augen tauchten ineinander, ruhig und warm wie Lichter in unbewegten Wassern, langsam lösten sich die Hände von ihrem festen Druck, und sie verließ mich wie ein Falter die Blüte, die er kosend öffnete.

Denen, die ihn brauchen, kommt der Frühling immer zu spät. Der Winter war so hart, daß wir fast täglich die Schneewehen im Hofe fortschaufeln mußten, um zu den Ställen und Nebengebäuden zu gelangen. Es wäre dies eine lustige Arbeit gewesen, wenn nicht Krankheit das Haus umdunkelt hätte. Aleit hatte recht gedeutet: der Unerbittliche stand hinter ihr, sie schmolz wie ein Licht, ohne Schmerzen, ohne daß der Arzt zu sagen gewußt hätte, warum. Wie Tag und Nacht liegen Leid und Lust beieinander; indes Aleit verblaßte, gebar Sobeide ein kräftiges Mädchen. Wir gaben es Aleit in die abgezehrten Arme, und ich taufte es selber; halb wider Willen und nur dem Drängen des Bastards nachgebend, ging ich der Kinder wegen noch einmal an die heiligen Dinge. Es ward Gertraude genannt, und das Bild der feinen, stolzen Frau mit den sternenhaften Augen schwebte vor mir, als ich die Tropfen der heimatlichen Quelle auf das rote, runzlige Gesichtchen sprengte. Der Rosengarten, der ihre Asche barg, duftete durch den Weihrauch, blendend klar schien sie aus den Höhen zu steigen und sich niederzuneigen. Vielleicht hatte ihre Seele dies kleine verwandte Wesen belebt, vielleicht weilte sie nun in Kindsgestalt unter uns, noch voll von himmlischen Erinnerungen des hohen Flugs auf Fittichen des Todes.

Nach der Taufe verweilten wir noch ein kleines bei Aleit, und allen fiel die übernatürliche Blässe ihrer Stirn gegen die saftige, kreischende Gesundheit auf, die ihr Lager mit Geschrei erfüllte; schuldbewußt blickte ich auf den Bastard und begegnete seinem Auge. Es war unsere Sünde, unser frevelhafter Streit gegen das Schicksal, was diese bleiche Liebe in allzu frühen Tod trieb. Auf ihren zarten Schultern trug sie unsere argen Taten und zerbrach darunter, klaglos, schier freudig. Denn mit geheimem Schmerz fühlten wir es beide: das Sterben ward ihr nicht sauer.

Über dem kam die kleine Gertraude zu kurz, wenigstens, was mich betraf; mein Herz dachte nur an Aleit. Über jene Nacht, da sie bei mir am Feuer gesessen, war nie wieder ein Wort zwischen uns gefallen; doch schien mir, sie sähe mich seit der Stunde noch lieber, heimlicher an. Seit Wintersonnenwende war sie bettlägerig, bedürfnislos und bescheiden, niemand zur Last als unseren Herzen. Selten besuchte ich sie unaufgefordert, doch sie bat mich öfters zu sich und plauderte mit mir über leichte Dinge, indes ich den Eindruck nicht verwischen konnte, sie verschweige tiefere Fragen und beschwere ihre Seele mit dem Unausgesprochenen. Im Hornung endlich, ich vermeine, auf St. Agathens Tag, löste sich der Bann. Wir waren im Zwielicht des Nachmittags beisammen, ihr Bett war dicht an den Kamin gerückt, die flackernden Flammen täuschten ihr ein Leben, das sie so glühend und emsig nicht mehr besaß. Draußen knarrte der Sturm und brach gefrorene Zweige, dumpf klatschten die Schneehauben der Pfosten und Erker in den Hof. Zwischen die Ölhäute der Fenster war ein Stückchen blauen Glases eingefügt, daraus sah eine märchenhafte, unwirkliche Welt.

»Ronald,« sagte sie ohne Brücke, »ich habe deine Worte lange in mir bewegt, ich tauche in sie hinein wie in ein Meer, darin ich eine herrliche Perle weiß; aber der Schatz entgleitet immer wieder meiner Hand, immer wieder muß ich erschöpft an das gewohnte Ufer. Ich wollte dir nicht mit Fragen lästig fallen, nun aber finde ich keinen Weg mehr und bitte dich, hilf mir Törichten. Du sagtest, nach der Erdenzeit wandere die Seele in einen anderen Leib; ich will es glauben. Zu gleicher Zeit sprachest du, daß Liebende sich nimmer verlören. Dies ist zu schön, um es nicht zu glauben. Jedoch: wenn zwischen dem Scheiden zweier, die sich liebhatten, Jahre und Jahrzehnte liegen, so kommen sie doch nie mehr in der gleichen Jugend zueinander.«

Sie sagte diese Worte mit meisterlicher Ruhe, aber mich betrog sie nicht mehr. Ich merkte an dem leisen Beben ihrer Hand die Angst ihres Herzens und fühlte mit ihr, da all dies auch in meiner Brust gekämpft und geblutet hatte.

»Ihr könnt es nicht zusammenbringen,« hob ich an, »wenn Ihr das Leben mit der Sanduhr meßt. Vor dem, dem tausend Jahre wie ein Tag, ist unser Dasein nur ein Augenwinken. Kam nicht alles, was Euer Leben vorwärts, Eure Seele empor trieb, plötzlich wie ein Blitz? Vergeßt den Alltag, der zwischen den göttlichen Funken liegt, und Ihr habt nicht länger gelebt als eines Pulses Länge, auch wenn Ihr hundert Jahre zähltet.«

Sie hörte mir gespannt zu, ihre kraftlosen Finger glitten dankbar über meine Hand, ihre Augen glänzten fröhlich.

»So ist es,« rief sie frohlockend, »hab Dank, Ronald, vielen, vielen Dank! Doch sprich, was verschweigen uns unsere Mönche dies Köstliche und malen Paradies und Hölle, wo nichts als grüne, blühende Erde ist? Steht es nicht also in den heiligen Büchern? Lehrte dies nicht der Heiland?«

Und wieder las ich die beherrschte Furcht in ihrem reinen, gläubigen Gemüt -- um alle Seligkeit der Ewigkeit hätte ich sie nicht enttäuschen mögen.

»Frau, es fassen nicht viele so hohe Dinge, darum setzt die Kirche ein Bild an Stelle der Wirklichkeit, und nicht einmal alle Priester werden in die tieferen Geheimnisse eingeführt.«

»Du aber, Ronald,« bebten ihre Lippen, »sage, du gehörst zu den Eingeweihten?«

»Ja, Herrin,« log ich verzweifelt und wandte mich in den Schatten. »Doch was macht Ihr für ein Wesen aus diesen Dingen, da doch die Welt so voller Wunder ist!«

Sie antwortete nicht; ich fühlte, wie Trost und Ruhe in sie einzogen.

Der Abend war angebrochen, Dienstvolk ging mit Fackeln über den Hof, Lärm und Gelächter klangen herauf.

»Nimm mir die Wißbegier nicht übel, Ronald, denn ich habe es eilig. Mein Leib ist aufgebraucht und hält die Seele nur noch locker in dem lockeren Bau. Laß dir sagen, mein Freund, ohne dich wäre ich einen schweren Tod gestorben.«

Ich widersprach ihr nicht, die heißen Zähren liefen mir in den Bart. Sagen konnte ich nichts, mochte ich nichts, da ihr die Wahrheit auf dem weißen Antlitz stand. Wie Irrlichter zuckten die Gedanken über mein dumpfes, gebundenes Hirn, ich gönnte dem gepeinigten Weibe die endliche Ruhe, und zugleich mochte ich sie nicht in dem kalten Grabe wissen.

Die Schritte der anderen klangen in der Halle; ich schied hastig und verwirrt und drückte mich in meine Kammer, die Glocke überhörend, die zum Nachtmahl rief. Saß in der grimmen Kälte und weinte aufgelöst und ohne Weg in der Verworrenheit meiner Gefühle, bis der Bastard mich aufschreckte.

»Der Brei wird kalt, Ronald! -- Du weinst?«

Er verstummte, er hatte nicht nötig, zu fragen. Schließlich machte er sich Luft und zeigte sein gepreßtes Herz:

»Sind wir nicht wie zwei Mörder? -- Bruder, Bruder, was haben wir getan! Um uns verblutet sie und fährt dahin, nicht auf einen raschen Streich, nein, grausam in zwanzigjähriger Qual, Stich um Stich! Ich kann sie kaum mehr ansehen, ohne zu erröten; wir alle gewannen, nur sie verlor. Was prüft Gott ihr Herz in solcher grausen Folter? Ist dies die gelobte Güte? Dies die Allmacht, die nicht wagt, einmal von dem betretenen Wege zu lassen, und lieber das Edelste in den Staub tritt?«

Er starrte mich mit haßerfüllten Augen an, die Lästerungen strömten aus übervoller Brust, aber mir graute -- graute vor mir selbst, der ich im eigenen Busen ein Echo seines Zornes fand. Ich hielt mir die Ohren zu und schrie verzweifelt:

»Halt ein! Nichts wider Gott! Unsere Frucht, unserer bösen Taten Frucht ernten wir jetzt und dürfen nicht murren.«

Jedoch mein Geschrei betäubte nicht die Gottesleere in meiner Seele und überzeugte ihn nicht. Er ging hinaus und rief einem Diener, daß er Mahl, Wein und Feuer schaffe und den Kindern melde, wir tafelten allein. Wir ertrugen, wie Kain, keines Menschen Blick.

Da saßen wir die halbe Nacht, verbissen, wortlos, vom Trunk nur noch trauriger gestimmt; denn das Blut der Traube macht nur den Fröhlichen froh.

Sie sah den Lenz nicht mehr. Eines Nachts rief mich die Kammerfrau mit einem Gesicht, das alles kündete. Eilig nahm ich die Stufen und stieß vor ihrer Tür auf den Bastard. Wir vermieden uns anzusehen, bebend schlichen wir in das Gemach. Aleit hatte den Nachmittag heiter mit uns allen verbracht; die kleinen Händchen Gertraudens hatten in ihrem nun völlig weißen Haar gespielt und ihr ein leises Lachen entlockt, das uns alle schmerzlich beglückte. Jetzt, da wir eintraten, sahen wir, es war der Abschied gewesen, sie wollte bei dem Letzten niemanden als uns beide um sich haben.

Nichts war in der Kammer als ihre Augen, aus denen ein Meer von Liebe floß und unsere zitternden Herzen in warmer Woge fing und still machte. Wir knieten an dem Lager nieder und hielten ihre Hände; mit einem entwand sie sich uns, überirdischen Glanz in den Mienen, hob sich und zog den Herzog an ihre Brust und küßte ihn lange auf den Mund.

»Lieber, Lieber du!« stammelte sie, ihre Wangen röteten sich noch einmal vor erstauntem Glück; sie ließ den Erschütterten, Fassungslosen, die Lider fielen ihr zu, sie sank in die Kissen zurück und schien mit einem Lächeln einzuschlafen.

Robert und ich standen auf und sahen uns scheu und blaß an; wir wußten beide, wem der Kuß gegolten, wir waren beide glücklich in dem Gefühl ihres Glücks, aber wir schämten uns voreinander und glaubten, jeder aus anderem Grunde, er habe den anderen beraubt. Wir ahnten nicht, daß sie schon gestorben sei, und waren noch bei ihren letzten Worten, doch endlich empfanden auch unsere groben Sinne den Tod.

Abermals brachen wir in die Knie, als habe ein flammendes Schwert uns mit einem Streich gefällt.

Mitten im Walde, rang ich ihm ab, wurde Aleit gebettet. Über ihre Gruft sollte mit Beginn der trockenen Jahreszeit eine Kapelle gebaut werden, und die sollte mein sein. Er gab meinem Wunsch nicht gern Raum, denn er wollte mich nicht im Hause missen. Ich aber setzte mich durch und zog im Sommer schier triumphierend in die Klause, die mich heute noch beherbergt. Die Quelle nahebei war die Tränke der Rehe und Hirsche, die mein altes Auge erfreuten; die Kinder und der Herzog selber kamen oft und ließen mir weder Hunger noch Durst. Es war kein Leben der Geißelung und sollte es auch nicht sein, ich wollte nichts als Ruhe und Frieden. Ein Gärtlein hatte ich angelegt, drin wachsen Blumen, Kräuter und Äpfel bunt durcheinander, und gottlob bedauert mich niemand mehr ob meiner selbstgewählten Einsamkeit, da ich sie so schön und farbenprächtig hergerichtet habe. Winters zieht der Schnee einen sicheren Schutz um mich.

Dann beginnt erst die rechte Freude. Ich habe mir einen hellen Stern am Himmel gesucht und traue, Aleit, in welchem Kleide sie auch wandelt, blickt auch auf ihn, und unsere Augen begegnen sich in seinem Licht. Diesen Stern und diesen Glauben habe ich allein für mich; denn der Herzog, weiß ich, hält an dem himmlischen Paradiese fest und wähnt, dorten sei aller Sehnsucht Ende, und alle Liebesströme verschmölzen in Gottes Herzen zu _einem_ Kuß.

~Bücher von Werner Jansen~

Heinrich der Löwe / Roman

40. Tausend / In Ganzleinen 4,50 Goldmark

Werner Jansen, der dem deutschen Volke schon viele kraftvolle und stark verbreitete Sagenromane geschenkt hat, ist mit seinem neuesten Werke »Heinrich der Löwe« noch über sich hinaus gewachsen. Ein meisterlicher Stil vereinigt bei aller Ruhe eine solch hinreißende Wucht, daß man das Buch in einem Zuge liest. Friedrich Barbarossa und Heinrich der Löwe werden mit einer Lebendigkeit, mit einer plastischen Greifbarkeit geschildert, daß sie in dieser Form zum dauernden Volksgut werden können. Und die Gegenwart scheint gerade den rechten Boden zu bilden, um die Sturmwogen, die damals die deutschen Geschicke aufwühlten, recht zu begreifen. Die Meisterschaft, mit der dieser gewaltige Stoff dargestellt wird, wird heute von Wenigen erreicht. Jansen bietet mit diesem Buche dem deutschen Volke eine Gabe dar, die es mit Stolz annehmen soll.

(Badische Post, Heidelberg)

Das Buch Treue / Nibelungenroman

100. Tausend / In Halbleinen 5,60 Goldmark

... An diesem Buche weitet man sich, und Hoffnung strömt uns ins Tiefste, daß es nicht zu Ende sein kann mit dem deutschen Wesen! Werner Jansen hat das Alte neu werden lassen, und in mächtigem Strome rauscht es dahin, und stark und klingend ist die Sprache ...

(Deutsche Warte)

Das Buch Liebe / Gudrunroman

80. Tausend / In Halbleinen 5,60 Goldmark

... Manche Abschnitte haben eine geradezu monumentale Wirkung. Die Sprache ist markig und dichterisch edel. Dies prächtige hohe Lied der deutschen Frau gehört ohne Unterschied jung und alt -- dem gesamten deutschen Volke.

(Hamburger Nachrichten)

Das Buch Leidenschaft / Amelungenroman

60. Tausend / In Halbleinen 5,60 Goldmark

... Jansens Bücher mögen uns zur nationalen Bibel werden, auf daß in Finsternissen dieses Heute sie uns Priester seien und still, doch rastlos mitbauen am höchsten Ziele, das im tiefsten Grunde unserer Herzen uns allen vorschwebt: an der Erlösung unseres Volkes aus dem schmachvollen Joch der Gegenwart.

(Deutsch-österr. Tagesztg., Wien)

Diese drei Bände zusammen in farbigem Geschenkkarton 16,80 Gm.

Leben, Lieben, Wandern vor hundert Jahren

Roman eines fahrenden Gesellen, nach einer Handschrift von _Emma Schumacher_ / Mit Bildern von _Anton Kling_

In Halbleinen 3 Goldmark

Ein liebes Buch aus glücklichen Tagen, zum Sinnen und Besinnen

Herr Reineke Fuchs

Eine unheilige Weltbibel oder lustiger Hof- und Regentenspiegel

Mit 20 Zeichnungen nach Kaulbach von _Ernst Verchau_

Die geniale, befreiende Neudichtung des alten Reineke Fuchs

In Halbleinen 2,75 Goldmark

Die Neugestaltung von Werner Jansen hat ein atembenehmendes Buch geschaffen ... aber auch an der Spracheinkleidung ist zu spüren, daß hier ein begnadeter Dichter altes Literaturgut mit lebenweckendem Blut durchpulst. Kein Stilplunder wird hier geboten, nicht modische Schnörkeleien und Wort- und Satzverrenkungen, sondern die Redeweise ist edel und schlicht, untermischt mit kraftvoller Derbheit. Hier spricht ein Deutscher zu uns urdeutsch.

(Rudolf Borch)

Von Hertha Podlich wurden handgeschrieben und sorgfältig in Offset gedruckt:

Der Heiland / Worte des Reinen

Ein Buch des Glaubens an die Unvergänglichkeit des Heilandswortes, zugleich ein Buch des _Glaubens an Deutschland_, an die Heimat

In Halbleinen 3,50 Goldmark

Gottes deutscher Garten

Die Blüten der geistlichen Liederdichtung in ausgewählten einzelnen Versen -- ein Buch voll ewiger Jugend

In Halbleinen 3,50 Goldmark / In Ganzleinen 4 Goldmark

Zwei köstliche Gaben verdanken wir Werner Jansen. Die eine umschließt Worte des Heilands. Es ist ein Buch heißen Glaubens an die Unvergänglichkeit des Heilandwortes, ein Buch auch des Glaubens an Deutschland, die Heimat. Das Gegenstück zu diesem köstlichen, von Hertha Podlich wundervoll geschriebenen Buch ist der von Werner Jansen bestellte »Gottes deutscher Garten«, ebenfalls von Hertha Podlich geschrieben. Aus dem blühenden Garten des evangelischen Kirchenliedes hat Jansen die schönsten Blüten zu einem reichen Kranze erlesen ... Die Sonne ewiger Jugend leuchtet hier, das Herz der Heimat schlägt hier.

(Der Deutsche)

Die Bücher deines Volkes

Band 1: _Die Märchen_ / Mit 25 farbigen und schwarzen Einschaltbildern von Prof. _Paul Hey_ / Band 2: _Die Volksbücher_ / Mit 25 farbigen und schwarzen Einschaltbildern von _Adolf Hosse_ / Band 3: _Die Volkssagen_ / Mit 25 farbigen und schwarzen Einschaltbildern von Prof. _Paul Hey_

Jeder der drei Ganzleinen-Prachtbände 30 Goldmark

Die köstlichsten Geschenkbücher für Menschen, deren Herz jung blieb

Werner Jansen, der Wiedererwecker der deutschen Heldensagen und gründliche Kenner aller Quellen deutschen Volkstums, war wie kein zweiter zur Herausgabe dieser Sammlung berufen. Der Schatz, den das deutsche Volk in Jahrhunderten geschaffen hat, wird hier zum erstenmal in einer meisterlichen Sammlung wahrhaft volkstümlich vereinigt. Nicht für den Wissenschaftler, allein für den Genießer wurde die Auswahl aus dem viele hundert Bände füllenden Stoff getroffen, wurden zwecklose, ermüdende Breiten gestrichen, verdorrte Strecken mit frischem Leben erfüllt. In seinen Märchen und Sagen lebt Deutschland mit seiner Sehnsucht nach allen Fernen, mit seinen Tugenden und Lastern, seinem Glauben und Aberglauben, seiner Werktüchtigkeit und seinen Feierstunden, seiner einfältigen Torheit, seiner tiefsinnigen Weisheit. Die gesamte Ausstattung ist in jeder Weise mustergültig und dem Inhalt angepaßt. In den Bildern von Paul Hey spiegelt sich das Märchen selbst, mit halb lachendem, halb weinendem Auge.

(Bremer Nachrichten)

Die frischen Kränze

Eine Sammlung deutscher Gedichte aller Zeiten

Bisher erschienen:

Band 1: _Storm_ / _Gedichte_ Band 2: _Mörike_ / _Gedichte_ Band 3: _Eichendorff_ / _Gedichte_ Band 4: _Keller_ / _Gedichte_

Jeder Band in hübschem, farbenfrohem Gewande 5 Goldmark

Eine handgeschriebene, in ihrer Art und Auswahl einzig dastehende Bücherreihe

In dieser von Werner Jansen herausgegebenen neuen Sammlung deutscher Gedichte aller Zeiten haben wir ein Werk vor uns, das inhaltlich und buchtechnisch unsere höchste Bewunderung und Liebe erregen muß ... Bücher, die Sinne und Seele gleich tief in Schwingungen versetzen.

(Rhein.-Westf. Zeitung)

_Ausführliches Verzeichnis steht auf Wunsch kostenlos zur Verfügung_

Georg Westermann / Braunschweig / Hamburg

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.