Die Inzestscheu Über einige Übereinstimmungen im Seelenleben der Wilden und der Neurotiker I

Part 3

Chapter 3444 wordsPublic domain

Wir haben in den vorstehenden Ausführungen wenig Gelegenheit gehabt zu zeigen, daß die Tatsachen der Völkerpsychologie durch die Anwendung der psychoanalytischen Betrachtung in neuem Verständnis gesehen werden können, denn die Inzestscheu der Wilden ist längst als solche erkannt worden, und bedarf keiner weiteren Deutung. Was wir zu ihrer Würdigung hinzufügen können, ist die Aussage, sie sei ein exquisit infantiler Zug und eine auffällige Übereinstimmung mit dem seelischen Leben des Neurotikers. Die Psychoanalyse hat uns gelehrt, daß die erste sexuelle Objektwahl des Knaben eine inzestuöse ist, den verpönten Objekten, Mutter und Schwester, gilt, und hat uns auch die Wege kennen gelehrt, auf denen sich der Heranwachsende von der Anziehung des Inzests frei macht. Der Neurotiker repräsentiert uns aber regelmäßig ein Stück des psychischen Infantilismus, er hat es entweder nicht vermocht, sich von den kindlichen Verhältnissen der Psychosexualität zu befreien, oder er ist zu ihnen zurückgekehrt. (Entwicklungshemmung und Regression.) In seinem unbewußten Seelenleben spielen darum noch immer oder wiederum die inzestuösen Fixierungen der Libido eine Hauptrolle. Wir sind dahin gekommen, das vom Inzestverlangen beherrschte Verhältnis zu den Eltern für den _Kernkomplex_ der Neurose zu erklären. Die Aufdeckung dieser Bedeutung des Inzests für die Neurose stößt natürlich auf den allgemeinsten Unglauben der Erwachsenen und Normalen; dieselbe Ablehnung wird z. B. auch den Arbeiten von _Otto Rank_ entgegentreten, die in immer größerem Ausmaß dartun, wie sehr das Inzestthema im Mittelpunkte des dichterischen Interesses steht und in ungezählten Variationen und Entstellungen der Poesie den Stoff liefert. Wir sind genötigt zu glauben, daß solche Ablehnung vor allem ein Produkt der tiefen Abneigung des Menschen gegen seine einstigen, seither der Verdrängung verfallenen Inzestwünsche ist. Es ist uns darum nicht unwichtig, an den wilden Völkern zeigen zu können, daß sie die zur späteren Unbewußtheit bestimmten Inzestwünsche des Menschen noch als bedrohlich empfinden und der schärfsten Abwehrmaßregeln für würdig halten.

[ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile steht.

ist zu entscheiden, was an den aktuellen Verhältnisses als getreues ist zu entscheiden, was an den aktuellen Verhältnissen als getreues

are strictly observed, any violations of these prohibitions »are regarded are strictly observed, any violations of these prohibitions are regarded

(12) R. H. _Codrington_, »The Melanesians« bei _Frazer_, »Totemism d (12) R. H. _Codrington_, »The Melanesians« bei _Frazer_, »Totemism and

Exogamy«, Bd. I., p. 77. Exogamy«, Bd. II., p. 77.

Schwiegermutter sei nichts anderes als eine Form der «Nichtanerkennung« Schwiegermutter sei nichts anderes als eine Form der »Nichtanerkennung«

Mutter und Schwester, gilt, und hat uns auch die Wege kennen gelernt, Mutter und Schwester, gilt, und hat uns auch die Wege kennen gelehrt,

inzestuösen Fixirungen der Libido eine Hauptrolle. Wir sind dahin inzestuösen Fixierungen der Libido eine Hauptrolle. Wir sind dahin

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