Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783

Part 7

Chapter 73,329 wordsPublic domain

Am 24. Dezember 1776 war eine Rekognoszierungs-Abteilung in der Richtung auf Pennington vorgeschickt worden, wurde aber nach einem Marsche von einigen Meilen zurückberufen. In der Morgendämmerung des 25. wurde auf die Pickets nördlich der Stadt von einer kleinen Rekognoszierungs-Abteilung der Amerikaner ein Angriff gemacht. Der Feind wurde zurückgeschlagen mit einem Verlust von 6 Verwundeten auf Seite der Deutschen. Eine Patrouille von 30 Mann unter einem Fähnrich wurde eine oder zwei Meilen zur Verfolgung der zurückgehenden Amerikaner vorgeschickt, konnte sie aber nicht mehr einholen. Das Picket an dem Schnittpunkt der obern Strasse am Fluss mit der nach Pennington wurde daraufhin durch 10 Mann verstärkt unter Lieutenant Wiederhold, so dass es nunmehr aus 25 Mann im Ganzen bestand. Rall war nun der Ansicht, dass alle Gefahr vorüber war. Er war kürzlich gewarnt worden, dass ein Angriff bevorstände, und nahm als ganz bestimmt an, dass das Geplänkel, in welches die Pickets engagiert worden waren, der Angriff war, vor dem er gewarnt wurde. Leslie, der in Princetown kommandierte, hatte melden lassen, dass Washington sich vorbereitete, den Delaware zu überschreiten, aber Rall gab nicht ernstlich Acht darauf. Er befahl nur seinem eigenen Regiment, welches du jour hatte, in den Quartieren zu bleiben. Er hatte allerdings Grund sich sicher zu fühlen. Es war ihm bekannt, dass keine grosse Truppenmacht in seinem Teil von New-Jersey belassen war. Washingtons Armee lag jenseits des Delaware, eine zerlumpte, halbbewaffnete Bande von armen Teufeln, die bis vor kurzem von Staat zu Staat und von Fluss zu Fluss getrieben worden waren. Grosse Eisschollen schwammen, durch den Strom getrieben, im Delaware hin und her und machten jegliches Übergehen gefährlich. Die Nacht war stürmisch, selbst für Dezember, und bevor es Morgen wurde, fegten Schlossen und Schnee durch die Strassen. Aber drinnen war Alles fröhlich und lustig. Es war Weihnachtsabend. Die Deutschen, die in Trenton gemütlich hausten, konnten über den Sturm lachen und ruhig schlafen.

Weit anders wurde die Nacht von der amerikanischen Armee verbracht! Die Truppen, unter dem unmittelbaren Befehl von Washington in ihrem Lager auf der Pennsylvanischen Seite des Delaware oberhalb Trenton, zählten nur 2400 Mann, die im Stande waren, eine anstrengende Unternehmung zu machen. Diese brachen um 3 Uhr nachmittags am Weihnachtstag auf, jeder Mann hatte Verpflegung für 3 Tage und 40 Patronen. Sie führten 18 Feldgeschütze mit sich. Diese Truppenmacht erreichte die Fähre von Mac Konkey in der Abenddämmerung. Hier wurden die Boote durch Glovers Seeleute von Marblehead bemannt, und zwischen den schwimmenden Eisschollen hindurch wurde die kleine Armee über den Fluss gerudert. Ihr Zustand war so erbärmlich, dass ein Bote, der ihr gefolgt war, leicht ihre Spur verfolgen konnte »an dem Blut im Schnee von den Füssen der Leute, die zerrissene Schuhe trugen.«

Inzwischen hatte Cadwalader den Fluss bei Dunks Fähre, unterhalb Trenton, überschritten, aber das Eis hatte sich gegen des Jersey-Ufer hin gepackt, und wenngleich die Fussmannschaften hinüber konnten, so war doch für die Artillerie keine Hoffnung dafür vorhanden. Die 1800 Mann, die diesen Teil der Unternehmung ausmachten, warteten vergeblich während der Dezembernacht. Um 4 Uhr morgens beorderte Cadwalader, der sicher glaubte, dass Washington, gleichwie er selbst, wegen der Schwierigkeiten, mit der die Expedition zu kämpfen hatte, umgekehrt wäre, seine halberfrorenen Leute nach ihrem kalten Lager zurück. »Die Nacht,« schreibt Thomas Rodney »war eine so bitterkalte, wie ich sie niemals erlebt habe.« Der Fluss war so schwierig zu überschreiten und so voll von Eis, dass es 4 Uhr wurde am Morgen des 26. Dezember bis die Truppen mit der Artillerie alle hinüber und marschbereit waren. Sie hatten noch 9 Meilen zu marschieren, um Trenton zu erreichen, und der Sturm hatte sich mit furchtbarer Heftigkeit erhoben. Die zitternden Soldaten erklommen einen steilen Berg und stiegen auf die Strasse hinab, wo die Bäume ihnen ein wenig Schutz gegen den Nordost-Sturm geben sollten. In Birmingham wurde die Armee in zwei Kolonnen geteilt. Die rechte unter Sullivan marschierte längs des Flusses, die linke unter Washington auf der obern Strasse. Nach einer Weile meldete Sullivan durch einen seiner Adjutanten an Washington, dass das Pulver nass geworden wäre.

»Dann sagen Sie dem General,« antwortete Washington, »er solle mit dem Bajonnet angreifen und in die Stadt eindringen, denn die Stadt müsste genommen werden, und ich wäre fest entschlossen sie zu nehmen.« --

Es war ungefähr 1 Stunde nach Tagesanbruch als Lieutenant Wiederhold seine Aussenposten eingezogen hatte. Es war eine kalte Nacht gewesen mit Schnee und Schlossen. Die kleine Abteilung verbarg sich in einer Hütte, die als Wachthaus diente. Wiederhold trat zufällig an die Thüre und sah hinaus. Plötzlich waren die Amerikaner vor ihm. Er rief: »An die Gewehre!«, und es wurden Schüsse gewechselt.

»Die Aussenwachen leisteten nur geringen Widerstand,« sagt Washington, »obschon sie ihrer Zahl nach sich sehr tapfer hielten, indem sie zurückgehend fortwährend, hinter Häusern gedeckt, feuerten. Zugleich sahen wir, wie sich ihre Hauptabteilung formierte; -- aber nach ihren Bewegungen zu urteilen, schien sie unentschlossen, was zu thun.«

Trommeln und Hörner erschallten in den Strassen von Trenton. Rall war noch im Bett und völlig schlaftrunken. Lieutenant Biel, der als Brigadeadjutant fungierte, scheute sich zuerst, ihn aufzuwecken, und eilte zu der Hauptwache, um einen Lieutenant und 40 Mann den Pickets als Unterstützung zu senden. Als er zum Hauptquartier zurückkehrte, lag Rall in seinem Nachthemd zum Fenster hinaus und schrie: »Was ist denn los?« Der Adjutant erwiderte ihm, ob er nicht das Feuern gehört habe. Rall sagte, er würde sofort unten sein, und in einem Moment war er angezogen und vor der Thüre. Eine Kompagnie von dem Regiment von Lossberg, welche Quartiere an der Strasse nach Pennington hatte, und als Avantgarde fungierte, hatte diese Strasse besetzt und empfing die fliehenden Pickets, musste sich aber sogleich in die Stadt zurückziehen. Washington drang bei King- und Queenstreet (jetzt Warren- und Greenstreet) ein, und Sullivan von der Strasse am Fluss in die Secondstreet. Einem Teil von Ralls Regiment gelang es, sofort sich zu formieren, und nach einer Weile erschien Rall selbst zu Pferde. Lieutenant Wiederhold meldete ihm, dass der Feind im Vordringen sei, und zwar nicht nur oberhalb der Stadt, sondern auch zur Rechten und Linken. Rall fragte, wie stark der Feind wäre. Wiederhold antwortete, dass er es nicht angeben könnte, aber er hätte 4 oder 5 Bataillone aus dem Walde kommen sehen und dass drei davon auf ihn gefeuert hätten, bevor er sich zurückzog. Rall rief, es sollte avanciert werden aber er schien verwirrt und nicht imstande, einen richtigen Entschluss zu fassen. Seine Truppen waren noch in Unordnung. Rall wandte sich zur Rechten in einen Garten mit Äpfelbäumen östlich der Stadt, und versuchte die Strasse nach Princeton in seine Gewalt zu bekommen. Aber er wurde durch Hands Regiment Pennsylvania zurückgeschlagen. Er beschloss darauf, sich einen Weg in die Stadt wieder zu erzwingen mit seinem und dem Regiment von Lossberg, wenigstens mit so vielen Leuten als zusammengebracht werden konnten. Dies soll er versucht haben, um seine Baggage und die Beute der vorhergehenden Wochen wegzuschaffen. Indessen wurde er durch einen Hagel von Blei aus Fenstern und Thorwegen, von hinter Bäumen und Mauern her empfangen. Die Munition der Hessen war nass von dem Schneesturm. Die Amerikaner erneuten den Angriff und die Hessen wurden weiter zurückgeworfen, als sie gekommen waren. -- Rall wurde durch eine Kugel tötlich verwundet, und die beiden deutschen Regimenter, in die grösste Verwirrung gebracht, streckten die Waffen.

Dem Regiment Knyphausen ging es wenig besser. Als Rall den Obstgarten verliess und sich wieder gegen Trenton wendete, beschloss Major von Dechow, sich einen Weg rückwärts über die Assanpink-Brücke zu bahnen und sich nach Bordentown durchzuschlagen, wo Donops Truppenabtheilung lag. Aber es war unmöglich dies auszuführen, da Sullivan schon die Brücke besetzt hatte. Zwei Geschütze steckten tief in einer morastigen Stelle und es wurde viel Zeit verloren bei dem Versuche sie herauszuziehen. Dechow wurde verwundet. Einigen Soldaten gelang es, den Strom zu durchwaten, aber die bei weitem grössere Zahl wurde umringt und an Lord Stirling übergeben, mit Ausnahme der Privatbaggage und der Säbel der Offiziere. Die, welche entkamen, nahmen ihren Weg nach Princeton. Auch die Jäger und englischen Dragoner entkamen und erreichten Bordentown. Lieutenant Grothausen von den Jägern wurde angeschuldigt, zu früh zurückgegangen zu sein. Er war mit 50 Mann an der untern Flussstrasse postirt gewesen und zog sich bei der Annäherung von Sullivan vor diesem über die Assanpink-Brücke zurück. Nach Bankroft betrug die Gesamtzahl derer, die auf diese Weise durchkamen, 162. Washington giebt in seinem ersten Bericht an den Kongress die Zahl derer, welche sich ergaben, auf 23 Offiziere und 886 Mann an. Einige, die nachher in Trenton gefunden wurden, erhöhten die Zahl auf 1000.

Die Nachricht von dem Siege der Amerikaner wurde in New-York mit Kummer und Entrüstung aufgenommen.

Der alte Heister, der bei Sir William Howe nicht mehr in Gunst stand, mag darin ein Vorzeichen seiner Abberufung gesehen haben. Er berichtete am 5. Januar an Schlieffen, den Minister des Landgrafen, das Vorgefallene. Seinem Märchen zufolge, das er berichtete, war Ralls Brigade von 10 000 Mann überrascht worden und das Desaster durch die Tollkühnheit des Obersten verursacht worden, indem er gegen die Übermacht vorgegangen wäre, anstatt sich sofort über den Assanpink zurückzuziehen. Heister giebt den Verlust von 15 Fahnen zu.

Der Landgraf von Hessen-Kassel war sehr ergrimmt. Er war der Ansicht, dass solch ein Vorfall unmöglich gewesen wäre, wenn nicht alle Disziplin gelockert wäre. Er befahl, dass eine Untersuchung eingeleitet werden sollte, sobald die Offiziere, die als Gefangene in amerikanische Hände gefallen seien, ausgewechselt sein würden, und drohte, dass die, welche wegen schlechten Verhaltens für schuldig erachtet würden, zur strengsten Verantwortung gezogen werden sollten. Auch erklärte er, den Regimentern, welche ihre Fahnen verloren hätten, solche nicht eher wieder zu verleihen, als bis sie eine gleiche Anzahl vom Feinde genommen hätten. Er schrieb an Knyphausen, er hoffe, dass Alle, ebenso wie er, mit grossem Kummer und mit Scham erfüllt seien, dass es notwendig wäre, diese Scharte wieder auszuwetzen und dass Knyphausen nicht ruhen dürfte, bis seine Truppen die Erinnerung an diese unglückliche Affaire durch eine grosse Zahl von ausserordentlichen Thaten verwischt hätten. Der Landgraf kannte sich nicht in seinem Zorne. Der eigentliche Sünder gegen die militärischen Regeln starb in Oberst Rall. Es war die Ansicht von Soldaten jener Zeit und ist die Meinung von denen die die Angelegenheit seitdem studiert haben, dass die Niederlage und Gefangennahme der hessischen Brigade in Trenton durch einfache militärische Vorsichtsmassregeln von Seiten ihres Führers hätte verhindert werden können. Cornwallis sagte später einem Komitee des Hauses der Gemeinen, dass nach Donops Meinung Rall hätte aushalten können bis Donop zu seiner Unterstützung von Bordentown herangekommen wäre, wenn er die Befehle Sir William Howes befolgt und Redouten gebaut hätte. Rall war mehrfach von seinen untergebenen Offizieren gedrängt worden dies zu thun. Dass die unter seinem Kommando Befindlichen zur Lockerung der Disziplin beitrugen, wozu sie durch das Beispiel ihres Führers notwendigerweise verführt wurden, war natürlich. Alle fochten tapfer, viele wurden verwundet, doch war der Verlust an Gemeinen nur gering. Dass ein früherer Rückzug den Hessen ermöglicht hätte zu entkommen, ist richtig. Aber man sollte Soldaten nicht ernstlich dafür tadeln, dass sie ihr Terrain festhalten, wenn sie überfallen werden, auch ist Ralls Fehler, wenn es einer war, zu versuchen, sich seinen Weg eher in der Richtung auf Princeton als auf Bordentown zu bahnen, nicht auf die Rechnung seiner Untergebenen zu schreiben.

A. Trenton.

B. Picket von 1 Offizier und 24 Mann (Wiederhold).

C. Hauptmann Altenbocums Kompagnie vom Regiment von Lossberg, welches in der Nachbarschaft einquartiert war und sich vor dem Quartier des Hauptmanns formierte, während das Picket den Feind beschäftigte.

D. Picket von 1 Hauptmann, 1 Offizier und 75 Mann.

E. 1 Offizier und 50 Jäger, die sich sofort über die Brücke zurückzogen (Grothausen).

F. Detachement von 1 Offizier und 30 Mann, die sich mit Donops Korps vereinigten.

G. Platz, wo die Regimenter nach Verlassen der Stadt Halt machten, und wo Oberst Rall den Versuch machte mit seinem und dem Regiment von Lossberg einen Angriff auf die Stadt zu unternehmen, der abgeschlagen wurde.

I. Platz, wo er mit den Regimentern gefangen genommen wurde.

K. Platz, wo das Regiment von Knyphausen, das die Flanke hatte decken sollen, sich ebenfalls übergeben musste, nachdem es versucht die Brücke zu erreichen. Die Geschütze vom Regiment von Lossberg waren bei dem Regiment von Knyphausen und unglücklicherweise im Sumpf stecken geblieben, und bei dem Versuch sie herauszuziehen war der Moment, die Brücke zu gewinnen, verpasst worden, infolge dessen der Feind sie stark besetzte.

L. Geschütze vom Regiment Lossberg.

M. Geschütze vom Regiment Knyphausen, die während der Affaire nicht beim Regiment waren.

N. Geschütze vom Regiment Rall, gleich zu Anfang demontiert.

O. Angriff des Feindes vom Wald aus.

P. Vorgehen und Umzingeln der Stadt durch den Feind.

Q. 2 Bataillone des Feindes verfolgen das Regiment Knyphausen.

R. Letzte Bewegung und Angriff auf das Regiment Knyphausen.

S. Geschütze der Rebellen.

T. Platz, wo General Washington sich postiert hatte und von dem aus er seine Befehle gab.

Die Wichtigkeit von Trenton für die Amerikaner darf nicht nur nach dem numerischen Ausweis an Toten, Verwundeten und Gefangenen berechnet werden. Es war ein neuer Beweis für die unerfahrenen und hülflosen Kolonisten, dass sie sich einigermassen zu Soldaten eigneten und dass ihre Sache nicht hoffnungslos war. Nach einer langen Reihe von Missgeschick und fortwährendem Zurückweichen feuerte sie dies mit neuem Mute an. Bunker Hill hatte die Amerikaner belehrt, dass sie den britischen Regulären widerstehen könnten. Trenton bewies ihnen in einer Stunde der Verzweiflung, dass die gefürchteten Hessen überwunden werden könnten.

Kapitel IX.

Der Winter 1777.

Die hessischen Offiziere und Soldaten, welche in Trenton gefangen genommen waren, mussten am 26. Dezember 1776 denselben kalten und mit Schnee bedeckten Weg, auf welchem die Amerikaner zum Angriff vorgegangen waren, zurücklegen. Wir können sie uns in ihren Uniformen zitternd vor Frost vorstellen, während ihre zerlumpten und barfüssigen Bezwinger fröhlich neben ihnen her marschierten und in der Siegesglut den eisigen Wind vergassen. Wieder wurde der Delaware durch die schwimmenden Eisstücke hindurch überschritten, und man kann überzeugt sein, dass es nicht die zerlumpten Amerikaner waren, deren Zähne klapperten; aber eine Reaktion trat ein nach so viel Mühsal und Aufregung; am nächsten Morgen war die Hälfte der siegreichen Armee erschöpft und dienstuntauglich. 40 Stunden waren die Amerikaner ununterbrochen unter den Waffen gewesen und hatten marschiert und gefochten in Schnee und Eis eines Dezembersturmes, so dass nun die Natur Ruhe und Unterkunft für einige Tage forderte. Nur Washington war unermüdlich, und obschon die Dienstzeit eines grossen Teiles seiner Armee im Ablaufen begriffen war, schickte sich der grosse Feldherr an, aus dem errungenen Erfolg Vorteil zu ziehen.

Die hessischen Offiziere wurden mit grosser Höflichkeit von den Führern der Amerikaner behandelt. Washington drückte sein Mitgefühl mit ihnen unmittelbar nach ihrer Übergabe aus. Stirling, der erst vor kurzem nach seiner Gefangennahme auf Long-Island ausgewechselt war, erzählte den Offizieren, die ihn besuchten, dass Heister ihn wie einen Bruder behandelt habe, und dass er sie ebenso behandeln wollte. Er begleitete sie bei ihrem Besuch bei General Washington und lud einige von ihnen zum Diner ein. Washington erwies dieselbe Höflichkeit einigen von den anderen. Einer von seinen Gästen hat in seinem Tagebuch einen Vermerk über den Eindruck hinterlassen, den der berühmteste unter den Amerikanern auf ihn gemacht hat: »Diesem General sieht man in seinem Gesicht nicht die Grösse an, welche ihm im allgemeinen beigemessen wird. Seine Augen haben kein Feuer, aber die freundliche Art seines Ausdrucks, wenn er spricht, flösst Zuneigung und Hochachtung ein.«

Wiederhold schreibt: »Am 28. dinierte ich, wie gesagt, ebenso wie mehrere andere Offiziere, mit General Washington. Er that mir die Ehre an, sich viel mit mir über die unglückliche Affaire zu unterhalten, und da ich ihm frei heraus die Ansicht äusserte, dass unsere Massregeln schlecht gewesen wären, andernfalls wir nicht in seine Hände gefallen wären, fragte er mich, ob ich bessere Massregeln getroffen hätte und in welcher Weise. Darauf sagte ich Ja; erwähnte alle Fehler, welche begangen worden waren, und zeigte, was ich gethan haben und wie ich mit Ehren aus der Verlegenheit gekommen sein würde. Er billigte dies nicht nur, sondern sagte mir auch einiges Schmeichelhafte darüber, sowie auch über meine Wachsamkeit und den Widerstand, den ich mit meinen wenigen Leuten in der Postenlinie am Morgen des Angriffes gemacht hätte. General Washington ist ein zuvorkommender und eleganter Mann, aber scheint sehr polite und reserviert zu sein, spricht wenig und hat eine schlaue Physiognomie. Er ist nicht sehr gross, aber auch nicht klein, sondern von Mittelgrösse, und hat eine gute Figur.« Es ist interessant, sich diese Szene vorzustellen -- das Wohnzimmer im Farmhaus, das Feuer aus dickem Scheitholz, die triefenden Lichter, die Bowle mit rauchendem Punsch und General Washington die Kriegskunst erörternd mit seinem Gefangenen, der, obwohl nur ein Lieutenant, ausländischen Kriegsdienst kennen gelernt hat und wohl wert ist, angehört zu werden.

Die Gefangenen wurden binnen Kurzem nach Pennsylvanien und Virginien befördert. Überall strömte das Volk zusammen, um sie zu sehen, und wenn den fremden Eindringlingen in ihrem Unglück manchmal mit Flüchen und Verwünschungen begegnet wurde, so dürfen wir diejenigen nicht zu scharf beurteilen, deren Söhne und Brüder von den Hülfstruppen umgebracht werden sollten.

Wir werden beinahe finden, dass die Wage sich zu Gunsten der Amerikaner neigt, welche bei vielen Gelegenheiten ihren Feinden mit Vergebung und Freundlichkeit begegneten. Die Begleitmannschaft der Gefangenen that beständig ihre Pflicht und gelang es ihr, diese vor allem Schlimmeren als Beschimpfungen zu bewahren. Die hessischen Offiziere und Leute wurden von einander getrennt, und es ist nicht uninteressant, ihren Wanderungen bis ins Einzelne zu folgen. Die Offiziere waren in Philadelphia und statteten General Israel Putnam am Neujahrstag einen Besuch ab. »Er schüttelte jedem von uns die Hand,« sagt einer in seinem Tagebuch, »und wir mussten Alle ein Glas Madeira mit ihm trinken. Dieser alte Graubart mag ein guter, ehrlicher Mann sein, aber niemand anders als die Rebellen würden ihn zum General gemacht haben.«

Die Offiziere wurden, nachdem sie in Dumfries und im Thal von Virginia einquartiert waren und viele kleine Beschwerden zu ertragen gehabt hatten, im Dezember 1777 nach Fredericksburg gebracht, wo sie mit grosser Gastfreundschaft und Güte behandelt wurden. Wiederhold wird förmlich pathetisch bei dem Gedanken, von seinen dortigen Freunden Abschied zu nehmen. Die Gefangenen hatten in grosser Gunst bei den Damen der Nachbarschaft gestanden, welche, wie der Lieutenant sagt, »schön, zuvorkommend, gütig, bescheiden und vor Allem sehr natürlich und ungezwungen waren.«

16 Damen »ersten Ranges« verabredeten sich nebst einigen Herren, den Kapitän in seinem Quartier zu überraschen, wovon er vorher heimlich unterrichtet worden war. Er erzählt uns, dass sie kamen und nur eine Stunde zu bleiben beabsichtigen, doch schliesslich von 1/2-4 bis 10 Uhr abends blieben. General Washingtons Bruder, Schwester und Nichte waren darunter. Die deutschen Offiziere regalierten ihre Gäste mit Thee, Kaffee, Chokolade, Claret-Wein und Kuchen, und unterhielten sie mit Instrumental- und Vokal-Musik, an welcher sich die Damen manchmal beteiligten. »In Europa würden wir keinen grossen Beifall geerntet haben, aber hier galten wir für Meister. Sobbe spielte die Flöte, Doktor Oliva die Violine und ich die Guitarre. Wir wurden so mit Beifall überschüttet, dass wir ganz beschämt waren. Ihre Freundschaft für uns war zu gross. Einige von den amerikanischen jungen Herren wurden eifersüchtig.«

Alle diese Freundlichkeit machte Eindruck auf die Gefangenen. In Dumfries 9 Monate vorher, hatte Wiederhold in sein Tagebuch niedergeschrieben, dass er lieber ein kleines Gut in Hessen besitzen wolle, als die grösste Besitzung in Virginia und dass Amerika für solche Leute gut wäre, welche zu Hause dem Galgen entronnen wären. Nun ist er aber beim Verlassen von Fredericksburg ganz traurig, obschon es galt, zur Armee nach Philadelphia zurückzukehren. Indessen hatte er persönliche Gründe hierfür. »Es war sicherlich eine grosse Sache, sich so grosser Freundschaft, ja, ich möchte sagen, Liebe zu erfreuen von Leuten, deren Feinde wir waren und gegen die wir bald wieder als Feinde auftreten mussten.

Sagte doch eine Schöne zu mir, welche mir so innig zugethan war: »Wollte Gott, Sie könnten hier bleiben und dass ich niemals so unglücklich sein müsste von ihnen zu scheiden, so wie ich es morgen thun muss und vielleicht für immer. Aber gehen Sie, wo Ehre und Pflicht Sie hinruft und bleiben Sie glücklich!« Dies war Seelengrösse, wie sie nicht allen Rebellen innewohnt, denn sie war eine gute Amerikanerin in ihren Gesinnungen, schön und reich.« Kein Wunder, dass der Lieutenant die Meilen zählte, als er von Fredericksburg abmarschierte.