Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783

Part 6

Chapter 63,485 wordsPublic domain

Am 10. Oktober 1776 schiffte General Howe den grössten Teil seiner Truppen aus in der Absicht, noch einmal zu versuchen Washingtons Rückzugslinie abzuschneiden und ihn in Manhattan Island einzuschliessen. Vier Tage lang waren die Briten durch widrige Winde im East River festgehalten worden und waren nur soweit gekommen, Hellgate am Nachmittag des 14. zu passieren. Die Flotte lag die nächste Nacht vor Anker und brach am andern Morgen um 6 Uhr auf, wurde aber durch Winde und Sturmfluten aufgehalten, und erreichte Frogs Neck (oder Frogs Point, wie es Washington nennt), nicht vor Einbruch der Dunkelheit. Hier hatte Howe einstweilen seine Avantgarde gelandet, Washington aber war ihm zuvorgekommen und hatte die Übergänge, die zum Festland führen, besetzt. Howe beschloss infolge dessen vorzustossen und die Landung bei East Chester zu bewerkstelligen. Dies gelang ihm am 18. Oktober nach einem heftigen Gefecht. Die britische Armee stand jene Nacht unter Waffen mit dem linken Flügel an eine kleine Bucht bei East Chester angelehnt, mit dem rechten bei New-Rochelle. Unterdessen marschierten die Amerikaner eiligst auf White Plains, wo sie eine starke Stellung einnahmen und befestigten. Gerade in diesem kritischen Zeitpunkt vereinigte sich die zweite hessische Division mit dem Rest der Armee. Sie bestand aus 3997 Mann unter dem Kommando von Generallieutenant Wilhelm von Knyphausen, und hatte Cassel Anfang Mai verlassen. Das Waldeck'sche Regiment, 670 Mann stark, und die zweite Waldeck'sche Jäger-Kompagnie unter Hauptmann Ewald waren mit dieser Division gekommen. Auf diese Weise waren die deutschen Korps unter dem Kommando von General von Heister auf ungefähr 13,400 Mann gebracht worden. Die neue Division war zurückgelassen worden um New-Rochelle zu halten, während die Briten auf White Plains vorgingen.

Hauptmann Ewald und seine zweite Jäger-Kompagnie brauchten nicht lange zu warten bevor sie in Aktion kamen. Am 23. Oktober stiessen sie bei einer Rekognoszierung auf eine überlegene Zahl feindlicher Schützen und würden zurückgetrieben sein, wenn ihnen nicht die Hochländer zu Hilfe gekommen wären. Ein Lieutenant und sechs Mann wurden verwundet; von diesen starben vier nachher. Dies ist der deutsche Bericht in Eelkings Buch. Ich will auch den Bericht wiedergeben, welchen General Washingtons Stabschef in seinem Rapport an den Präsident des Kongresses giebt: »Am Mittwoch war ebenfalls ein scharfes Scharmützel zwischen einem Teil von General Hands Schützen, ungefähr 240, und beinahe derselben Anzahl hessischer Jäger, in welchem die letzteren geschlagen wurden. Unsere Leute beerdigten 10 derselben auf dem Gefechtsfelde, machten zwei Gefangene, von denen einer schwer verwundet war. Wir hatten keinen andern Verlust als einen, wie anzunehmen, tödlich Verwundeten.«

Am 28. Oktober fand Sir William Howe die Armee Washingtons vorteilhaft hinter dem Dorf White Plains postiert. Sie zählte etwas mehr als 13000 Mann, von denen etwa 1500 Chatterton Hill auf dem äussersten rechten Flügel der amerikanischen Stellung besetzt hielten, die von der Hauptmacht durch den Bronx-Fluss getrennt wurden. Sir William beschloss, diesen rechten Flügel anzugreifen. Ein englisches und zwei hessische Regimenter, unterstützt durch die hessischen Grenadiere, durchwateten die Bronx und erkletterten die steilen und felsigen Hänge des Berges. Das Regiment von Lossberg musste durch einen brennenden Wald angreifen und dem heftigsten Feuer der Amerikaner die Stirn bieten. Sein Verlust an Toten und Verwundeten betrug nahezu 50 Mann. Das Resultat des Kampfes würde zweifelhaft geworden sein, wenn nicht Oberst Rall, der sein eigenes Regiment und das nach Knyphausen benannte kommandierte, auch die Bronx durchwatet, die Amerikaner in der Flanke gefasst und die in der Front angreifenden Truppen unterstützt hätte. Der Fluss war tief und die hessischen Soldaten zögerten hineinzugehen. Aber die Lieutenants Wiederhold und Briede sprangen zuerst hinein, um sie durch ihr Beispiel anzufeuern. Von dem erstem dieser Offiziere werden wir noch mehr hören. Der zweite fiel wenige Tage später bei der Einnahme von Fort Washington.

Ein Teil der Amerikaner focht ganz gut bei dieser Gelegenheit, gegen eine weit überlegene Zahl. Sie hatten einen zweifellosen Vorteil durch ihre Stellung und machten einen guten Gebrauch davon, indem sie dem Feinde einen Verlust von ungefähr 280 Toten und Verwundeten beibrachten. Howe erwähnt in seinen Berichten den guten Dienst, den die englische und hessische Artillerie leistete. Heisters General-Adjutant sagt, dass die hessischen Feld-Geschütze einen solchen »Donner« machten, dass man weder hören noch sehen konnte. Die Amerikaner hatten nur drei kleine Kanonen auf dem Berge.

Die amerikanische Armee war zu dieser Zeit hauptsächlich aus Milizen, die von den verschiedenen Staaten nach kurzen Dienstperioden gesandt worden waren, zusammengesetzt. Diese Milizen waren in hohem Masse schlecht bewaffnet und in Lumpen, undiszipliniert und befehligt von Offizieren, die erst vor wenigen Monaten den Schreibpult oder Pflug verlassen hatten. Während einige von diesen improvisierten Offizieren Leute von Charakter und Talent waren, hatten andere nur das Verdienst, Geschicklichkeit im Ausheben von Leuten zu besitzen. Die ausgehobenen Leute aber wollten einen solchen Offizier nicht als ihresgleichen betrachten und behandeln »und in seiner Eigenschaft als Offizier nicht höher achten als einen Besenstiel,« sagt Washington. Einige der Amerikaner hatten sich durch tapfere Thaten hervorgethan, aber, wie alle rohen Rekruten, veranlassten sie Paniken, oft in ganz unvernünftiger Weise. Diese Thatsachen müssen fortwährend bedacht werden, wenn nicht die Geschichte der Revolution unverständlich werden soll. Sir William Howe andererseits kommandierte eine reguläre, disziplinierte Armee, welche kaum in Europa übertroffen wurde und mit Allem zur Führung eines Krieges Wünschenswerten versehen war.

Nach dem Gefecht von Chatterton Hill standen sich die Armeen drei Tage lang gegenüber und verstärkten ihre Verschanzungen. In der Nacht des 31. Oktober zog sich Washington in eine starke Stellung oberhalb White Plains zurück und Howe lenkte, nachdem er am folgenden Morgen die amerikanische Arriergarde belästigt hatte, seine Aufmerksamkeit einer neuen Idee zu.

Auf dem höchsten Punkt von New-York Island, wo sich ein Berg 238 Fuss über das Niveau des Hudson erhebt, hatten die Amerikaner ein fünfseitiges Erdwerk gebaut, welches sie Fort Washington nannten. Das Fort war mit 34 Kanonen armiert, hatte aber keine Kasematten. Das Vorfeld eignete sich gut zur Verteidigung und war besetzt von kleineren Werken von geringer Stärke. Das Ganze bildete eine Barriere über das obere Ende von Manhattan Island, um die Engländer zu verhindern, eine Expedition zu Lande zu machen und sich weder sichere noch bequeme Winterquartiere in New-York zu verschaffen. Auf der Jersey-Seite des Hudson, gegenüber Fort Washington, lag Fort Lee. Zwischen diesen hatte General Putnam es unternommen, eine unpassierbare Barriere, die den Fluss gegen die Briten verschliessen sollte, zu bauen. Die Werke waren unter dem unmittelbaren Kommando von General Greene. Am Morgen des 9. Oktober indessen waren die Hindernisse durchbrochen worden, und an den Forts vorbei fuhren zwei britische Schiffe von 44 Geschützen jedes, eine Fregatte von 20 Geschützen und 3 oder 4 Tender, welche 2 amerikanische Ruder-Galeeren auf dem Flusse genommen oder zerstört hatten. Angesichts dieser Thatsachen wollte Washington das nach ihm benannte Fort verlassen, welches in Gefahr war, umzingelt zu werden. Greene war entgegengesetzter Ansicht und der Kongress teilte dessen verblendete Idee. Die Autorität des Höchstkommandierenden war so beschränkt, dass es ihm nicht gelang, seinen eigenen Ansichten Geltung zu verschaffen. Anstatt die Besatzung von Fort Washington zurückzuziehen, wurde sie verstärkt, bis Oberstlieutenant Magaw, der es befehligte, beinahe 3000 Mann unter seinem Kommando hatte. Die Stellung, die besetzt werden sollte, war 2-1/2 Meile lang und schloss eine Redoute auf Laurel Hill mit ein.

Es war am 16. November 1776, als dieses Fort durch die Armee von Sir William Howe gestürmt wurde. Der Angriff wurde gleichzeitig von 4 Kolonnen gemacht, die gegen 4 verschiedene Punkte vorgingen, diejenige, welche den Hauptstoss führte und welcher der Ruhm des Tages gehörte, war aus Hessen unter Knyphausen zusammengesetzt. Diese Truppe setzte nach New-York Island über bei Kings-Bridge früh um 1/2-5 Uhr und war in zwei Kolonnen geteilt, die rechte unter Oberst Rall, die linke unter Generalmajor Schmidt. In letzterer war Wiederhold mit der Avantgarde. Während längerer Zeit mussten die Deutschen ruhig halten bleiben, bis die englischen Kolonnen zum Angriff angesetzt waren und denselben einleiteten. Unterdessen hatte Cornwallis die amerikanische Batterie auf Laurel Hill genommen. Earl Percy mit zwei englischen und einer hessischen Brigade hatte die amerikanischen Werke im Süden bedroht, und Oberst Sterling mit den Hochländern war hinter der Truppenabteilung, die Percy gegenüberstand, über den Harlem River gegangen und drohte dessen Rückzugslinie abzuschneiden. Hierbei mussten die Hochländer ein steiles Ufer hinauf angreifen und verloren dabei 90 Mann. Oberst Cadwalader, der in dieser Gegend die Amerikaner kommandierte, war gezwungen sich zurückzuziehen, und seine Leute, anstatt sich ausserhalb des Forts Washington zu sammeln, hatten sich in das Fort hinein gedrängt und behinderten dadurch die Vertheidigungs-Massregeln der eigenen Besatzung.

Es war zwischen zehn und elf Uhr. Der Moment für die Hessen zu attaquieren, war schliesslich gekommen. Sie wateten durch einen Sumpf und erklommen den steilen, felsigen Berg, auf den das Fort gebaut war. Vergebens feuerten die Scharfschützen auf sie, vergebens überschüttete sie die Artillerie mit einem Hagel von Granaten und Kartätschen. Knyphausen selbst war fortwährend im stärksten Feuer, »so dass es ein Wunder war,« schreibt Wiederhold, »dass er davon kam ohne totgeschossen oder verwundet zu werden.« Der Boden war so steil dort, dass die Leute sich am Gesträuch hinaufziehen mussten. Schliesslich erreichten sie die Höhe, wo eine ebene Stelle war. »Vorwärts, Grenadiere!« rief Rall. Die Tamboure schlugen, die Hornisten bliesen, die Leute schrieen Hurrah! Hessen und Amerikaner mengten sich massenweise untereinander und alle stürzten sich wild durch einander auf das Fort los.

Die Aussenwerke waren genommen und ihre Verteidiger zurückgetrieben, die die Verwirrung in dem Hauptfort noch vermehrten. Oberst Rall rief einen von seinen Kapitäns zu sich. »Hohenstein,« sagte er, »Sie sprechen englisch und französisch; nehmen Sie einen Tambour, befestigen Sie ein weisses Tuch an einem Kurzgewehr, gehen Sie in das Fort und fordern Sie die Übergabe.« »Ich that dies sofort,« schreibt der Kapitän, »allein sie feuerten beständig auf mich und den Tambour, bis wir auf die Glacies kamen, wo die Rebellen uns mit geschlossenen Augen hinauf geleiteten. Ich verlangte den Kommandanten zu sprechen. Sie schickten mir einen Oberst (Cadwalader) zu, welcher Unterkommandant war, dem ich folgende Bedingung stellte: Er sollte sofort mit der Besatzung aus dem Fort herausmarschieren, und sie sollten vor General von Knyphausen die Waffen strecken. Die ganze Munition, der Proviant und alles was dem Kongress gehörte, sollte getreulich angegeben werden; dagegen ich ihm meine Parole gäbe, dass alle vom Kommandanten an, einem jeden seine Equipage sollte belassen werden, und endlich sollte eine weisse Fahne sofort aufgehisst werden, um alle Feindseligkeiten abzubrechen. Der Kommandant forderte vier Stunden Bedenkzeit, die ich ihm indessen verweigerte, und gestattete ich ihm nur eine halbe Stunde, um sich mit seinen Offizieren zu besprechen. Als die halbe Stunde verflossen war, kam der Kommandant selbst, sein Schicksal schien ihm ungünstig. Deswegen sagte er: »Die Hessen machen Unmöglichkeiten möglich.« Darauf sagte ich ihm: »General von Knyphausen steht 100 Schritt von hier. Kommen Sie auf meine Parole mit und sehen Sie zu, ob er Ihnen bessere Bedingungen stellen wird.« Er war damit zufrieden und ging mit mir.«

Magaw ergab sich Knyphausen, trotz der Nachricht von Washington, der ihn zu entsetzen versprach, wenn er bis zur Nacht aushalten könnte. Der Platz war indessen unhaltbar. Die Deutschen verloren 56 Offiziere und Leute tot und 276 Verwundete bei dem Angriff, die Engländer mehr als 120. Die Amerikaner verloren weniger als 150 Tote und Verwundete, aber ungefähr 2800 Gefangene, unter denen einige der besten Soldaten waren. Sie verloren auch einen grossen Teil ihrer Artillerie, viele Waffen und Ausrüstungsstücke.

Der Quartiermeister von dem Grenadier-Bataillon von Minnigerode sagt, indem er von dieser Schlacht spricht, dass, wenn nicht die Gefangenen gewesen wären, der Verlust der Deutschen weit grösser gewesen sein würde, als der von den Rebellen, und dass dies von der Art komme, wie die letzteren fechten. »Sie liegen einzeln hinter Bäumen, Büschen, Steinmauern und Felssteinen, schiessen auf grosse Distancen und mit Sicherheit und laufen ganz schnell weg, sobald sie gefeuert haben. Die Deutschen können nicht ein Drittel so weit schiessen und können viel weniger laufend sie erreichen, und das Terrain hier ist so, dass man die Feld-Artillerie bei einer Attaque selten heraufbekommen kann.«

Die Hessen sollen während des Angriffs kein Pardon gegeben haben den Scharfschützen, die sie in den Aussenwerken und in den Gehölzen fanden. Die Amerikaner, von denen viele dies gesehen haben müssen, waren natürlich mutlos zur Zeit der Übergabe. Der Volksmund hatte böse Feinde aus den Hessen gemacht. Kapitän von Malsburg erzählt, dass, als er in das Fort hineinkam, er sich umgeben fand von Offizieren, denen Furcht und Besorgnis auf den Gesichtern geschrieben stand. Sie luden ihn ein in ihre Kaserne, drangen ihm Punsch, Wein und Kuchen auf, machten ihm Komplimente wegen seiner Freundlichkeit, welche sie zu erstaunen schien, und sagten, sie hätten so etwas nicht von einem hessischen Offizier erwartet. Sie baten um seinen Schutz, und er dagegen hielt ihnen eine Strafpredigt über die Sünde der Empörung gegen ihren guten König.

Die Besatzung marschierte aus zwischen den Regimentern Rall und Lossberg hindurch, legte die Waffen nieder und übergab ihre Fahnen, die gelb, weiss und hellblau waren. Knyphausen soll auf diese »mit Verachtung« geblickt haben. Diese Haltung ist bezeichnend für das hessische Bewusstsein ihrer Stärke, doch der amerikanische Leser muss Trost finden in der Thatsache, dass innerhalb sechs Wochen die Fahnen der Regimenter Rall und von Lossberg wieder in den Händen von Washingtons Armee waren.

Die Hessen erwarben sich grossen Ruhm bei dieser Aktion. Schmidt, Stirn und Rall, und die Truppen unter deren Befehl wurden in den Tagesbefehlen ehrenvoll erwähnt, und das genommene Fort wurde Fort Knyphausen genannt.

Kapitel VIII.

Trenton, 26. Dezember 1776.

Nach der Einnahme von Fort Washington zeigte Sir William Howe eine ungewohnte Thätigkeit. Das Fort war am 16. November 1776 gefallen und am 20. ging die britische Armee über den Hudson nach New-Jersey hinein. Fort Lee war hiermit nutzlos und unfähig zur Verteidigung geworden. Es wurde schleunigst geräumt und die Geschütze, Zelte und der Proviant darin im Stich gelassen. Mehr als 2000 Leute unter General Greene, die seine Besatzung gebildet hatten, entkamen notdürftig über den Hackensack, indem sie 73 Kranke zurückliessen. Der Zustand von Washingtons Armee war ein verzweifelter. Die Dienstzeit von vielen Milizen lief am 30. November ab. Diese waren nicht im mindesten zu bewegen sich wieder einreihen zu lassen, selbst für eine kurze Zeit, ebenso wie die Miliz von New-Jersey nicht ausrücken wollte, um ihren eigenen Staat zu beschützen; eine Brigade derselben löste sich auf an dem Tag, an dem die Briten in New-Brunswick einrückten. Washington hatte ein Detachement unter Lee östlich des Hudson gelassen, doch Lee missachtete nun Washingtons wiederholten Befehl sich mit ihm zu vereinigen und murrte, anstatt zu handeln. Ungefähr 2400 Mann unter Lord Stirling waren detachiert zum Schutz von Nord-New-Jersey und nach 4 Tagen beordert, den oberen Lauf des Delaware zu verteidigen; und der Oberbefehlshaber hatte auf einmal 3500 Mann weniger unter sich. Der Marsch der Briten durch New-Jersey wurde kaum gestört, obwohl sich Washington langsam vor ihnen zurückzog und die Brücken zerstörte. Am 8. Dezember zog er sich über den Delaware zurück und liess auf 70 Meilen alle Boote an dasjenige Ufer des Flusses bringen, an dem er sich befand. Es entstand eine Panik in Philadelphia, und der Kongress siedelte nach Baltimore über. Washington fühlte sich nicht im Stande, mit seiner Truppenmacht den Übergang der Briten über den Fluss zu verhindern. Howe war indessen nicht der Mann, einen Winterfeldzug mit Energie zu betreiben. Er kehrte nach New-York zurück indem er Cornwallis und nachher Grant den Oberbefehl in New-Jersey überliess. Bankroft erzählt uns, dass der Staat der Plünderung und der Gewaltthätigkeit preisgegeben war, und dass alle Versuche, die Hessen davon abzuhalten, aufgegeben wurden unter der Entschuldigung, dass die Gewohnheit des Plünderns das Desertieren verhindern würde. »Man machte sie glauben,« führt er nach dem offiziellen Bericht eines britischen Offiziers an, »bevor sie Hessen-Cassel verliessen, sie sollten nach Amerika kommen, um sich ihr Privat-Vermögen zu gründen, und bisher haben sie in der That nach diesem Prinzip gehandelt.« Washington, auf der andern Seite, schreibt am 5. Februar 1777: »Eine Thatsache muss ich zu Gunsten der Hessen anführen, und die ist, dass unsere Leute, die gefangen genommen worden waren, im Allgemeinen darin übereinstimmen, dass sie von diesen eine viel bessere Behandlung erfuhren, als von den britischen Offizieren und Soldaten.«

Washington war in dem Glauben, dass die Operationen schnell wieder aufgenommen werden, und die Briten auf Philadelphia marschieren würden, so bald der Delaware zugefroren sein würde. Ein Brief, der einen oder zwei Tage vor Weihnachten aufgefangen wurde, bestärkte ihn in seiner Meinung. Es wurde von der grössten Wichtigkeit, einen Streich zu führen, bevor der Feind sich anschicken würde, wieder vorzugehen und noch vor dem letzten Dezembertag, an dem die Dienstzeit von vielen seiner Leute ablaufen würde.

Die Art und Weise, in welcher General Grant, der britische Befehlshaber in New-Jersey, über die Truppen verfügte, war folgende: »Princetown und New-Brunswick wurden durch die englische Detachements gehalten.« Von Donop, der die hessischen Grenadiere und die 42. Hochländer kommandierte, stand in Bordentown. Rall, mit der Brigade, die für einige Zeit unter seinem Befehl gestanden hatte, 50 hessischen Jägern, 20 englischen leichten Dragonern und 6 Geschützen hatte Quartier in Trenton bezogen. Ralls Brigade war aus 3 hessischen Regimentern zusammengesetzt, welche die Namen Rall, von Knyphausen und von Lossberg trugen. Sie war von Qualität nicht wesentlich verschieden von anderen hessischen Brigaden. Das Regiment von Lossberg hatte sich besonders ausgezeichnet bei Chatterton Hill. Das Regiment Rall war aus schlechtem Material gebildet, es war eins von denen, welche in der Eile formiert wurden, um die Zahl der Soldaten voll zu machen, die der Landgraf zu stellen hatte, aber Cornwallis berichtete lange nachher einem Komitee des Hauses der Gemeinen, dass sich Ralls Brigade bei Fort Washington die Bewunderung der ganzen Armee errang.

Die Regimenter Rall und von Lossberg waren in dem nördlichen Teil von Trenton einquartiert, das Regiment von Knyphausen im südlichen, auf beiden Seiten der Brücke über den Assanpink. Auf dieser Brücke war eine Wache von 12 Mann aufgestellt. Die Soldaten lagen in den verschiedenen Häusern zerstreut, und bei gutem Wetter standen die Geschütze im Freien, von 2 oder 3 Leuten bewacht. Pickets waren auf den Strassen westlich des Nebenflusses vorgeschoben. Die Hauptwache bestand aus einem Offizier und 70 Mann.

Oberst Rall war ein tollkühner Offizier von der alten Schule. Man sagte, er habe darum gebeten, nach Trenton gelegt zu werden, weil er es für einen gefährlichen Posten hielt. Bei Chatterton Hill hatte er seine Sache sehr gut gemacht; er hatte mit seiner Brigade den amerikanischen rechten Flügel geworfen und das Schicksal des Tages entschieden. Er hatte einen Hauptanteil an der Erstürmung von Fort Washington genommen. Derselbe verwegene Geist, welcher in früheren Jahren ihn veranlasste mit den Russen unter Orloff als Volontär gegen die Türken zu kämpfen, leitete ihn bei jenen Gelegenheiten. Die Leichtigkeit, mit welcher er Siege erfochten hatte, seitdem er in Amerika war, hatte ihn mit einem übermütigen Vertrauen erfüllt. Die lumpigen Gesellen, welche durch New-Jersey hindurchgetrieben waren, möchten wohl eine Patrouille gefangen nehmen oder ein Picket zurückwerfen, aber sie wären, wie er dachte, ganz unfähig zu einem ernstlichen Angriff auf eine hessische Brigade. »Erdwerke!« sagte er mit einem Fluch zu Major von Dechow, der ihm riet, die Stadt zu befestigen; »lasst sie nur kommen! Wir werden sie mit dem Bajonnet empfangen;« und als derselbe Offizier ihn bat, einige Schuhe von New-York kommen zu lassen, erwiderte er, dass das Alles Unsinn sei. Er und seine Brigade wollten barfuss über das Eis nach Philadelphia laufen, und wenn der Herr Major keinen Teil an dieser Ehre haben wollte, möchte er nur wegbleiben. General Grant, der englische Oberbefehlshaber in New-Jersey, teilte Ralls Verachtung der Rebellen. Als derselbe ihm vorschlug, ein Detachement nach Maidenhead zu schicken, um die Verbindung zwischen Princetown und Trenton offen zu halten, antwortete er spöttisch, dass er die Jerseys mit einer Korporalschaft im Zaume halten wollte. Von Donop, der in Bordentown kommandierte, schickte einen Ingenieur-Hauptmann nach Trenton, um Rall zu bewegen, anzuordnen, dass der Ort verteidigungsfähig eingerichtet werde, aber letzterer ging nicht darauf ein. Erdwerke wären unnötig, sagte er. Die Rebellen wären Taugenichtse. Sie wären schon mehrmals unterhalb der Brücke gelandet und hätten unbelästigt davon kommen können, aber jetzt hätte er (Rall) Massregeln ergriffen. Wenn sie wiederkämen, wollte er sie nach guter Art zurückjagen. Er hoffte, Washington würde auch mit herüberkommen, dann könnte er ihn gefangen nehmen. Ralls Sorglosigkeit schien seinen Untergebenen so gefährlich, dass die Offiziere von dem Regiment Lossberg in einem Brief dem General von Heister Vorstellungen machten, aber zu spät.

Ralls Verachtung vor seinem Feind verführte ihn, die einfachsten Massregeln zu vernachlässigen. Er revidierte selten einen Posten, selten zog er einen Offizier zu Rate. Er verweigerte es, einen Platz für die Sicherheit der Baggage im Fall eines Angriffes zu bezeichnen. »Unsinn,« sagte er, als er aufgefordert wurde, dies zu thun, »die Rebellen werden uns nicht schlagen.« Doch die Leute wurden fortwährend angestrengt durch unnötigen Wachtdienst und Hinundhermarschieren. Am 22. Dezember bekamen zwei Dragoner, die mit einem Brief nach Princetown geschickt worden waren, Feuer aus einem Walde heraus. Einer von ihnen fiel, der andere ritt zurück nach Trenton und meldete den Vorfall. Darauf schickte Rall 3 Offiziere mit 800 Mann und 1 Kanone, um diesen Brief zu befördern, zur grossen Heiterkeit der Engländer. Das Detachement hatte bei schlechtem Wetter biwakieren und am nächsten Morgen zurückmarschieren müssen. Ein Sergeant und 15 Mann würden für diesen Dienst vollkommen genügt haben.