Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783

Part 4

Chapter 43,441 wordsPublic domain

Die Soldaten, welche die deutschen Fürsten an England vermieteten zur Unterdrückung der amerikanischen Revolution wurden auf verschiedene Weise zusammengebracht. In Hessen-Cassel war das Land in Distrikte eingeteilt gewesen, von welchen jeder eine bestimmte Anzahl Rekruten für ein bestimmtes Regiment zu stellen hatte. Die Offiziere waren indessen angehalten worden, soviel Fremde wie möglich der Armee zuzuführen, um die eigenen Distrikte zu schonen, deren Einwohner immer bei der Hand sein würden, wenn man ihrer im Notfall bedürfte. Es stand in den Armee-Vorschriften, dass diejenigen Regiments-Kommandeure oder Hauptleute sich am besten empfehlen würden, wenn sie versuchten, fremde Rekruten einzureihen. Die zwangsweise Rekruten-Aushebung war verboten, doch diese Bestimmung sollte wahrscheinlich nur auf die Eingeborenen Anwendung finden. Jedenfalls scheint es nicht die Thätigkeit der Werbeoffiziere vermindert zu haben, und in den kleineren Staaten hat wahrscheinlich ein solches Gesetz überhaupt nicht existiert. In Anspach durfte Niemand ohne Erlaubnis das Land verlassen oder heiraten. Es muss dabei erwähnt werden, dass in diesem Fall mit Land nicht Deutschland, sondern die Territorien des Markgrafen gemeint waren, und dass die Fremden, die der Landgraf angeworben haben wollte, die Unterthanen der benachbarten kleinen Fürsten waren. Werbeoffiziere waren über ganz Deutschland hin thätig. Lüderliche Kerle, Trunkenbolde, Vagabunden und Leute, die politische Umtriebe machten, wurden, wenn sie nicht über 60 Jahre alt, gesund und gut gewachsen waren, zwangsweise eingestellt. Mit dem Geschenk eines grossen, robusten Mannes empfahl sich ein Fürst dem andern in der angenehmsten Weise; in jedem Regiment waren viele Deserteure von anderen Staaten. Zusammen mit dieser gemischten Gesellschaft diente der ehrliche deutsche Bauernbursche. Es muss noch erwähnt werden, dass die Regimenter, die nach Amerika geschickt wurden, aus einem bessern Material bestanden, wie die Regimenter zu gewöhnlicher Zeit. --

Johann Gottfried Seume, welcher später einige Bedeutung als Schriftsteller erlangte, war ein Opfer des Werbesystems und hat eine Beschreibung seiner Erlebnisse hinterlassen. Seume war Student der Theologie in Leipzig, doch nachdem ihm religiöse Zweifel gekommen waren, welche seine Freunde -- wie er wusste -- verletzen würden, machte er sich zu Fuss auf den Weg nach Paris, mit einem Säbel an der Seite, mit einigen Hemden und Bänden der Klassiker in der Reisetasche und ungefähr 9 Thalern. Seine Reise sollte indessen eine andere Richtung nehmen. »Den dritten Abend übernachtete ich in Vach,« schreibt er, »und hier übernahm trotz allen Protest der Landgraf von Kassel, der damalige grosse Menschenmakler, durch seine Werber die Besorgung meiner ferneren Nachtquartiere nach Ziegenhain-Kassel und weiter nach der neuen Welt. Man brachte mich als Halbarrestanten nach der Festung Ziegenhain, wo der Jammergefährten aus allen Gegenden schon viele lagen, um mit dem nächsten Frühjahr nach Faucitts Besichtigung nach Amerika zu gehen. Ich ergab mich in mein Schicksal und suchte das Beste daraus zu machen, so schlecht es auch war. Wir lagen lange in Ziegenhain, ehe die gehörige Anzahl der Rekruten vom Pfluge und dem Heerwege und aus den Werbestädten zusammengebracht wurde. Die Geschichte dieser Periode ist bekannt genug: niemand war damals vor den Handlangern des Seelenverkäufers sicher; Überredung, List, Betrug, Gewalt, alles galt. Man fragte nicht nach den Mitteln zu dem verdammlichen Zwecke. Fremde aller Art wurden angehalten, eingesteckt, fortgeschickt. Mir zerriss man meine akademische Inskription, als das einzige Instrument meiner Legitimierung. Am Ende ärgerte ich mich weiter nicht; leben muss man überall: wo so viele durchkommen, wirst du es auch: über den Ozean zu schwimmen war für einen jungen Kerl einladend genug und zu sehen gab es jenseits auch etwas. So dachte ich. Während unseres Aufenthalts in Ziegenhain brauchte mich der alte General Gore zum Schreiben und behandelte mich mit vieler Freundlichkeit. Hier war denn ein wahres Quodlibet von Menschenseelen zusammengeschichtet, gute und schlechte, und andere, die abwechselnd beides waren. Meine Kameraden waren noch ein verlaufener Musensohn aus Jena, ein bankerotter Kaufmann aus Wien, ein Posamentierer aus Hannover, ein abgesetzter Postschreiber aus Gotha, ein Mönch aus Würzburg, ein Oberamtmann aus Meiningen, ein preussischer Husarenwachtmeister, ein kassierter hessischer Major von der Festung und andere von ähnlichem Stempel. Man kann denken, dass es an Unterhaltung nicht fehlen konnte; und eine blosse Skizze von dem Leben der Herren müsste eine unterhaltende, lehrreiche Lektüre sein. Da es den meisten gegangen war wie mir, oder noch schlimmer, entspann sich bald ein grosses Komplott zu unser aller Befreiung.«

Es wurde Seume angeboten, Rädelsführer der Verschwörer zu sein, doch auf den Rat eines alten Feldwebels hin schlug er dies ehrenvolle Amt aus. »Man wollte um Mitternacht auf ein Zeichen ausziehen, der Wache stürmend die Gewehre wegnehmen, was sich widersetzte niederstechen, das Zeughaus erbrechen, die Kanonen vernageln, das Gouvernementshaus verriegeln und 1500 Mann stark zum Thore hinaus marschieren. In drei Stunden wären wir über der Grenze gewesen.« Jedoch das Komplott wurde verraten, die Rädelsführer wurden verhaftet, unter ihnen Seume. Er wurde aber bald wieder freigelassen, da niemand etwas gegen ihn aussagen konnte und besonders weil es zu viele geworden wären, die hätten bestraft werden müssen. »Der Prozess begann,« sagt er, »zwei wurden zum Galgen verurteilt, worunter ich unfehlbar gewesen sein würde, hätte mich nicht der alte preussische Feldwebel gerettet. Die Übrigen mussten in grosser Anzahl Gassen laufen, von sechsunddreissig Malen herab bis zu zwölfen. Es war eine grässliche Schlächterei. Die Galgenkandidaten erhielten zwar nach der Todesangst unter dem Galgen Gnade, mussten aber sechsunddreissig Mal Gassen laufen und kamen auf Gnade des Fürsten nach Cassel in die Eisen. Auf unbestimmte Zeit und auf Gnade in die Eisen waren damals gleichbedeutende Ausdrücke und hiessen so viel als »ewig ohne Erlösung.« Wenigstens war die Gnade des Fürsten ein Fall, von dem niemand etwas wissen wollte. Mehr als dreissig wurden auf diese Weise grausam gezüchtigt, und Viele, unter denen auch ich war, kamen bloss deswegen durch, weil eine zu grosse Menge von Mitwissern hätte bestraft werden müssen. Einige kamen beim Abmarsch wieder los, aus Gründen, die sich leicht erraten lassen: denn ein Kerl, der in Cassel in den Eisen geht, wird von den Engländern nicht bezahlt.«

Bei Truppen, wie diese es waren, waren Desertionen natürlicherweise etwas gewöhnliches. Der Militärdienst war gefürchtet, und in kleineren Staaten hätte eine gelungene Flucht den Deserteur nach wenigen Meilen über die Grenze gebracht. Das Volk sympathisierte mit ihm und würde ihm geholfen haben, wenn hierauf nicht schwere Bestrafung gestanden hätte. Dies war indess nicht nötig. Wenn in Württemberg Allarm geschlagen wurde, musste sofort die ganze Gemeinde ausrücken und 24 Stunden lang die Strassen, Fusspfade und Brücken besetzen, bis der Flüchtling gefangen war. Wenn er entschlüpfte, so musste der Ort einen Ersatzmann stellen, der ebenso gross war wie der Deserteur, und die Söhne der ersten Männer des Ortes wurden in erster Linie genommen. Dieser Befehl musste jeden Monat einmal von der Kanzel verlesen werden. Wer einem Deserteur behülflich war, verlor die Bürgerrechte, wurde zu Zwangsarbeit verurteilt und im Gefängnis gepeitscht. Die Gesetze in Hessen-Cassel scheinen etwas weniger grausam gewesen zu sein. Bauern, die einen Deserteur festnahmen, bekamen einen Dukaten; aber wenn ein Deserteur ein Dorf passierte, ohne festgenommen zu werden, so musste das Dorf für ihn bezahlen. Jeder Soldat, der sich über eine Meile von seiner Garnison entfernte, musste mit einem Pass versehen sein, und alle Personen, welche ihm auf eine grössere Entfernung von zu Hause begegneten, sollten ihn danach fragen. Ein charakteristischer Fall ereignete sich 1738. Ein preussischer Werbeoffizier und die Frau eines preussischen Soldaten verleiteten einen Anspacher Soldaten zu desertieren um sich in die preussische Armee einreihen zu lassen. Sie wurden durch die Anspacher Behörde aufgefangen. Die Frau wurde gehängt; der Offizier musste bei der Exekution zugegen sein und wurde dann in die Festung eingesperrt. Der Deserteur scheint mit dem Leben davongekommen zu sein, da er ein wertvolles Verkaufsobject war.

Wenn der Rekrut in die Liste eingeschrieben war, musste der Offizier oder Unteroffizier ihn in die Garnison bringen. Dies gab natürlich Gelegenheit zum Entfliehen; Kapp führt aus einem Buch, das 1805 in Berlin gedruckt ist, die Vorsichtsmassregeln an, welche gegen diese Gefahr anzuwenden waren. Der Unteroffizier, der den Rekruten begleitet, muss Säbel und Pistolen tragen. Er muss den Rekruten vor sich her marschieren, ihn aber niemals zu nahe an sich herankommen lassen und ihm ankündigen, dass jeder verdächtige Schritt ihm das Leben kosten kann. Grosse Städte muss er vermeiden, ebenso Orte, wo der Rekrut vorher gedient hat. Es ist auch wünschenswert, den Ort zu vermeiden, wo der Rekrut geboren ist. Sie müssen die Nacht in einem Wirtshaus zubringen, dessen Besitzer Werbeoffizieren gut gesinnt ist. Der Rekrut und Offizier müssen sich beide auskleiden, und ihre Kleider sind vom Wirt aufzuheben. Wirtshäuser, wo Rekruten einquartiert werden, müssen besondere Räume dafür haben, möglichst eine Treppe hoch und mit vergitterten Fenstern. Die ganze Nacht muss ein Licht brennen, und der Unteroffizier muss seine Waffen dem Wirt abgeben, damit sie der Rekrut nicht wegnehmen und gegen ihn gebrauchen kann in der Nacht. Des Morgens bekommt er sie zurück, sieht nach der Ladung und dem Pulver auf der Pfanne, zieht sich an und ist reisefertig, bevor der Rekrut seine Kleider bekommt. Der Rekrut betritt ein Haus oder eine Stube zuerst; er verlässt es zuletzt. Bei den Mahlzeiten sitzt er mit dem Rücken an der Wand. Erscheint er verdächtig, fliehen zu wollen, so müssen ihm die Hosenträger und -knöpfe abgeschnitten werden, so dass er die Hosen mit der Hand halten muss.

Ein guter Hund, der für dies Geschäft dressiert ist, wird für den Unteroffizier sehr zweckmässig sein. Wenn ein Unteroffizier unglücklicherweise gezwungen ist, einen Rekruten zu töten oder zu verwunden, so muss er eine Bescheinigung von der Ortsbehörde beibringen. Aber kein Dokument kann die Flucht eines Rekruten entschuldigen, ein Vorfall, der in Preussen als ganz unmöglich gar nicht der Erwähnung wert gehalten wird.

Die Leute, die zusammengebracht waren für den Dienst in Amerika, waren vom militärischen Standpunkt aus von sehr verschiedenem Wert. Sie wurden alle von einer englischen Kommission in den Seehäfen in Empfang genommen und vor der Einschiffung gemustert, gewöhnlich durch Oberst Faucitt, welcher die Verträge abgeschlossen hatte; während einige der Regimenter als vorzüglich befunden wurden, zeigte es sich, dass andere zum Teil aus alten Leuten und aus Knaben bestanden, die den Strapazen nicht gewachsen waren. Einige von den Soldaten wurden infolge dessen verworfen, besonders in den letzten Jahren des Krieges, als es in vielen Städten schwieriger wurde, gute Leute zu bekommen.

Es ist nach dem Quellenmaterial schwer zu beurteilen, welche Chancen ein gemeiner Soldat hatte zu avancieren. Seume schreibt, dass er Aussicht auf Avancement hatte, die aber durch die Beendigung des Krieges zerstört wurde, da in Friedenszeiten einer, der nicht adelig war, es nicht weiter als bis zum Feldwebel bringen konnte. Kapp behauptet, die Offiziere gehörten meistens dem niederen Adel an. Die Rangliste der hessischen Offiziere von 1779 weist dies nicht aus. Es zeigt sich, dass zu dieser Zeit mehr als die Hälfte der Offiziere nicht adelig war.

Wir kommen zum Schluss zur Charakterisierung der Offiziere. Ihre Bildung beschränkte sich im Allgemeinen auf ein gewisses Mass von Fertigkeit im Schreiben und auf ein wenig barbarisches Französisch. Sie verstanden weder die Ursache, aus welcher die Amerikaner kämpften, noch vor allen Dingen die Sprache, in welcher die verschiedenen Staatsmänner ihre Ansprüche geltend machten. Doch, wenn sie viel mehr verstanden hätten, als es der Fall war, sie wären auf der Seite königlicher Vorrechte den Rechten des Volkes gegenüber gewesen. Ich weiss mich keines Falles zu erinnern, in dem nur ein an diesem Krieg beteiligter Offizier einen Ausdruck gebraucht hätte, der eine Übereinstimmung mit der geistigen freiheitlichen Bewegung des 18. Jahrhunderts gezeigt hätte. Einmal finden wir sie von dem Despotismus des Kongresses sprechend. Diese absurde Idee war ihnen wahrscheinlich durch die Engländer eingeflösst worden und war von der anti-amerikanischen Presse in Deutschland aufgenommen worden. Es lässt sich schwerlich bezweifeln, dass viele der Offiziere sowohl als Soldaten mit Vergnügen ihrer Thätigkeit in Amerika entgegensahen, schon um die Eintönigkeit des Garnisondienstes zu unterbrechen.

Es bleibt noch zu erwähnen, dass viele der Soldaten, meist solche, die in Gefangenschaft geraten waren, Bürger der Republik wurden, welche sie helfen sollten zu unterdrücken.

Kapitel V.

Von Deutschland nach Amerika.

Die ersten deutschen Truppen, welche nach Amerika gingen, waren die Braunschweiger. Diese marschierten am 22. Februar 1776, 2282 Mann stark, von Braunschweig ab und wurden in Stade, in der Nähe der Elbmündung, eingeschifft. Die zweite Braunschweiger Division, ungefähr 2000 Mann, schiffte sich Ende Mai ein. Die erste hessische Division brach Anfang März von Cassel auf und wurde in Bremerlehe, in der Nähe der Wesermündung, eingeschifft, die zweite Division folgte im Juni; sie zählten zusammen zwischen 12 und 13000 Mann. Sie waren zum grössten Teil ausgezeichnete und wohlausgerüstete Truppen, denn die kleine Armee des Landgrafen galt als eine der besten in Deutschland.

Der Marsch von Braunschweig und Cassel zu den Häfen war eine verhältnismässig einfache Sache. Die Truppen kamen aus den Gebieten der eigenen Fürsten in die hannöverschen Landesteile des Königs von England und diese reichten bis an die See. Der Fürst von Waldeck schickte sein Regiment durch Cassel ohne Störung. Der Graf von Hessen-Hanau, der Markgraf von Anspach-Bayreuth und der Fürst von Anhalt-Zerbst hatten einen längeren Weg zu machen und grössere Schwierigkeiten zu überwinden.

Die Truppen der letzteren sollten auf Booten den Rhein hinuntergeschickt werden. Abgesehen von mehreren kleinen deutschen, am Rhein gelegenen Staaten, welche ihnen den Durchgang verwehren konnten, war Preussen, dessen Territorien sie passieren mussten, im Stande, ihnen grosse Schwierigkeiten zu bereiten. Friedrich der Grosse versagte selbst seinem Neffen, dem Markgrafen von Anspach, seine Einwilligung, sein Land zu passieren. In einem Brief an ihn drückte er ihm sein Befremden aus, dass deutsche Fürsten das Blut ihrer Landeskinder für fremde Interessen opferten. Nebenbei war es ein kleiner Akt der Rache an England wegen dessen schlechten Verhaltens inbetreff des Hafens von Danzig.

Seume hat von seinen Erlebnissen auf der Seereise folgende Beschreibung hinterlassen:

»In den englischen Transportschiffen wurden wir gedrückt, geschichtet und gepöckelt wie die Heringe. Um Platz zu sparen hatte man keine Hängematten sondern Verschläge in der Tabulatur des Verdecks, das schon niedrig genug war, und nun lagen noch zwei Schichten übereinander. Im Verdecke konnte ein ausgewachsener Mann nicht gerade stehen und im Bettverschlage nicht gerade sitzen. Die Bettkasten waren für je sechs Mann. Wenn vier darin lagen, waren sie voll und die beiden letzten mussten hineingezwängt werden. Das war bei warmem Wetter nicht kalt: es war für den Einzelnen gänzlich unmöglich sich umzuwenden und ebenso unmöglich auf dem Rücken zu liegen. Die geradeste Richtung mit der schärfsten Kante war nötig. Wenn wir so auf einer Seite gehörig geschwitzt und gebraten hatten, rief der rechte Flügelmann: Umgewendet! und es wurde umgeschichtet: hatten wir nun auf der andern Seite quantum satis ausgehalten, rief das nämliche der linke Flügelmann. Die Verpflegung hielt gleichen Schritt mit der Unterbringung. Heute Speck und Erbsen und morgen Erbsen und Speck; zuweilen Grütze und Graupen und zum Schmause Pudding, den wir aus muffigem Mehl halb mit Seewasser, halb mit süssem Wasser und altem Schöpsenfett machen mussten. Der Speck mochte wohl vier oder fünf Jahre alt sein, war von beiden Seiten am Rande schwarzstriefig, weiter hinein gelb und hatte nur in der Mitte noch einen kleinen weissen Gang. Ebenso war es mit dem gesalzenen Rindfleisch. In dem Schiffsbrot waren oft viele Würmer, die wir als Schmalz mitessen mussten, wenn wir nicht die schon kleine Portion noch mehr reduzieren wollten: dabei war es so hart, dass wir nicht selten Kanonenkugeln brauchten es nur aus dem gröbsten zu zerbrechen; und doch erlaubte uns der Hunger selten, es einzuweichen; auch fehlte es oft an Wasser. Man sagte uns, und nicht ganz unwahrscheinlich, der Zwieback sei französisch; die Engländer hätten ihn noch im siebenjährigen Kriege den Franzosen abgenommen, seit der Zeit habe er in Portsmouth im Magazin gelegen, und nun füttere man die Deutschen damit, um wieder in Amerika die Franzosen unter Rochambeau und Lafayette, so Gott wolle, tot zu schlagen. Gott muss aber doch nicht recht gewollt haben. Das schwergeschwefelte Wasser lag in tiefer Verderbnis. Wenn ein Fass heraufgeschroten und aufgeschlagen wurde, roch es auf dem Verdeck nach einer Mischung von allen möglichen übeln Gerüchen. Es war angefüllt mit fingerlangen Würmern, und es musste durch Tücher gefüllt werden, bevor man es trinken konnte: und dann musste man immer noch die Nase zuhalten. Rum und manchmal ein wenig starkes Bier verbesserten das Getränk.«

Auf diese Weise zusammengepfercht, in dicker Luft, mit schlechter Nahrung und faulem Wasser, viele von ihnen ungenügend bekleidet, wurden diese Jünglinge, alten Leute, Studenten, Kaufleute und Bauern Monate lang auf dem Atlantischen Ozean herumgeworfen. Viele von den Leiden der Reise waren zweifellos unvermeidlich, und viele von den Rekruten waren schon an ein hartes Leben gewöhnt. Aber Vieles, was sie zu erdulden hatten, war das Resultat von einem absichtlichen Mangel an Fürsorge und grosser Habsucht. Was soll man sagen über das britische Quartiermeister-Departement, das diese Leute auf die See schickte ohne richtiges Essen und Trinken? Was vom Herzog von Braunschweig, welcher seine Unterthanen nach Canada ohne haltbare Schuhe und Strümpfe schickte und ohne Mäntel? Oft haben Menschen ein hartes Leben freudig ertragen, weil sie den Grund verstanden. Aber diese armen Kerle litten für einen Streit, der nicht ihr eigener war, nur um für die Mittel zu sorgen zur Bezahlung der Schulden oder der Vergnügungen ihrer Herren.

Kapitel VI.

Die Schlacht von Long-Island, August 1776.

Die erste hessische Division, einige 8000 Mann stark, segelte an Sandy Hook am 15. August 1776 vorüber und landete auf Staten Island, empfangen von Artillerie- und Musketen-Salven. Die Division war unter dem Befehl von Generallieutenant Philipp von Heister, einem alten Soldaten des siebenjährigen Kriegs. Es wird erzählt, dass, als Landgraf Friedrich II. ihn zur Führung des hessischen Expeditionkorps berief, er ihn mit den Worten anredete: »Heister, Ihr müsst nach Amerika gehen.« -- »Sehr gern, Hochfürstliche Durchlaucht, aber ich nehme mir die Freiheit einige Bitten auszusprechen.« -- »Und die wären?« -- »Erstens, müssten meine Schulden bezahlt werden, dann müsste für meine Frau und Kinder gesorgt werden, bis ich wiederkomme, und wenn ich fallen sollte, müsste meine Frau eine Pension bekommen.« Als der Landgraf dies lächelnd genehmigte, rief Heister aus: »Nun sollen Ew. Hochfürstliche Durchlaucht sehen, was dieser alte Kopf und diese alten Knochen noch leisten können.«

Die Armee, welche sich auf Staten Island unter dem Oberbefehl Sir William Howes sammelte, zählte nach Ankunft der Hessen zwischen 25 und 30,000 Mann. Sie wurde unterstützt durch eine Flotte unter Sir Williams Bruder, Lord Howe. Die gegnerische Armee unter Washington war etwa aus 13,000-14,000 Mann zusammengesetzt, von denen nicht mehr wie 6000 Mann einige militärische Ausbildung genossen hatten und deren Offiziere im bürgerlichen Leben gross geworden waren.

Die Hessen waren sehr erstaunt über den Reichtum und die Fruchtbarkeit, welche sie auf Staten Island vorfanden. Die Kolonisten lebten in bequemen Wohnhäusern, von Gemüse- und Obstgärten umgeben. Ihre hellroten, von zwei kleinen Pferden gezogenen Wagen erregten die Bewunderung der Deutschen. Ein Kolonist auf Staten Island lebte so angenehm wie ein deutscher Landedelmann, und es erschien den Hessen aussergewöhnlich, dass dies Volk sich gegen eine Regierung auflehnte, unter welcher es sich so vieler Segnungen erfreute. Viele Amerikaner waren bei der Annäherung der Hessen aus ihren Besitztümern geflohen und die, welche blieben, machten zuerst Miene, sich widerspenstig zu zeigen; aber als sie sahen, dass auf strenge Disziplin gehalten und regelrechte Requisitionen unternommen wurden, kehrten die Flüchtlinge zurück und es kam bald untereinander zu erträglichen, wenn nicht herzlichen Beziehungen. Die britische Regierung hoffte noch die Kolonisten zu versöhnen mit dem Mutterland, und strenge Befehle waren zur Vermeidung von Exzessen gegeben worden.

Sir William Howe begann mit der Vereinigung seiner Truppen die Vorbereitungen zum Angriff auf die Amerikaner. Die britische Avantgarde unter Sir Henry Clinton, vereinigt mit den hessischen Jägern und Grenadieren, die vom Oberst von Donop befehligt wurden, überschritten die Narrows of Long Island am 22. August 1776. Ein Tagebuch, welches im folgenden Jahr in einem »Magazin« in Frankfurt veröffentlicht wurde, giebt einen genauen Bericht über diese Operation und von denen, die noch folgten:

»22. August. Wir lichteten die Anker und segelten direkt gegen Long Island. Die Kriegsschiffe kamen bis auf Schussweite an das Ufer heran und richteten ihre Kanonen auf das Gestade. Um 8 Uhr morgens wimmelte es an der ganzen Küste von Booten. Um 1/2 9 Uhr hisste der Admiral die rote Flagge auf, und in einem Moment erreichten sämtliche Boote die Küste. Die Engländer und Schotten mit der Artillerie wurden zuerst ausgeschifft, und dann die Brigade Donop (die einzigen Hessen hier). Nicht eine Seele machte Widerstand gegen unser Landen. Dies war der zweite Fehler der Rebellen seitdem ich in Amerika bin. Der erste Fehler, den sie machten, war auf Staten Island, denn sie hätten dort einen grossen Teil der Unsrigen mit 2 6 Pfündern vernichten können, und jetzt hätten sie uns auch in eine schlimme Lage bringen können. Wir marschierten ebenfalls ungehindert durch Gravesend und kamen gegen Abend in Flatbush an. 300 Riflemen waren kurze Zeit vor uns dort gewesen. Wir schickten ihnen einige Kanonenschüsse nach, stellten unsere Pickets und schliefen ruhig die ganze Nacht. Ich machte eine Beute von 2 Pferden, von denen ich eines dem Oberst schickte, das andere meinem Diener als Packpferd gab.