Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783

Part 3

Chapter 33,320 wordsPublic domain

Es ist schwer zu sagen, wie diese Händel zwischen England und den deutschen Fürsten von der öffentlichen Meinung in Deutschland damals beurteilt wurden. Schlözer's »Briefwechsel«, das erste deutsche Journal dieser Periode, kam in Göttingen, dem Hannoverschen Gebiet Georg's III. zugehörig, heraus. Es enthält viele Aufsätze über den Amerikanischen Krieg, die alle von Englischer Seite geschrieben sind mit der einzigen Ausnahme eines Briefes an Baron Steuben, der auf Seiten der Kolonien focht. Der Brief ist obendrein von dem Herausgeber in einer den Amerikanern übel gesinnten Weise mit Anmerkungen versehen. Dieser Ton mag vielleicht Schlözer durch die Umstände aufgezwungen worden sein, da die Presse in Deutschland mehr geduldet als frei war. Ein interessantes kleines Buch wurde in Wolfenbüttel bei Braunschweig im Jahre 1778 veröffentlicht. Es enthält eine Beschreibung von Amerika, seiner Produkte, Geographie, seine Geschichte und eine vorzügliche Karte. Der Verfasser des Buches ist den Kolonisten durchaus feindlich gesinnt. Die Sendung von mehr als 17000 Deutschen nach Amerika ist nur kurz, man möchte sagen, nebenbei erwähnt, dagegen sind die ersten Operationen in diesem Kriege, und speziell dieser Hilfstruppen ziemlich ausführlich behandelt und doch war die Anwesenheit so vieler Deutscher in Amerika zweifellos der Hauptgrund für das Entstehen des Buches. Auch ist es billig, dass in jenen Tagen ein Aufruhr viel schärfer beurteilt wurde als heut zu Tage, und dass ein solcher in den Augen von konservativ denkenden Leuten nicht als ein politischer Fehler sondern als ein abscheuliches Verbrechen galt.

Ganz verschieden davon war die Art, in welcher die Liberalen Europas über den Krieg und die Söldner urteilten. Die Prinzipien, die im Begriff waren, der französischen Revolution die Wege zu ebnen, brachen sich Bahn, und einige der Darsteller dieses grossen Dramas begannen auf der Bühne zu erscheinen. Mirabeau, als Flüchtling in Holland weilend, veröffentlichte ein Pamphlet gerichtet »An die Hessen und andere deutsche Volksstämme, die von ihren Fürsten an England verkauft sind.« Es ist die Mirabeau'sche Schrift ein beredter Protest gegen die Raubgier der Fürsten und ein herrlicher Tribut, der dem Patriotismus der Amerikaner gezollt wird. Das Genie Mirabeau's konnte weit genug in die Zukunft sehen, um zu erkennen, dass der Nord-Amerikanische Kontinent einst ein Asyl für die Unterdrückten aller Nationen werden würde. Der gegen den Landgrafen von Hessen-Cassel geführte Schlag traf sein Ziel. Letzterer versuchte nicht nur die ganze Auflage des Pamphlets aufzukaufen, sondern veranlasste auch die Veröffentlichung einer Antwort, die wiederum eine Entgegnung zur Folge hatte, in welchem der zukünftige Tribun die Ansicht vertritt, dass ein Angriff auf die Freiheit der Nationen das grösste aller Verbrechen sei. In demselben Sinne schrieb Abbé Raynal und Andere, von denen einige zu dieser Zeit in Europa besser bekannt waren als Mirabeau, und gegen den ein Zeitungskrieg losbrach, der in den holländischen Zeitungen ausgefochten wurde, die damals die einflussreichsten, weil freisten auf dem Kontinent waren. In der Landes-Bibliothek in Cassel befindet sich ein interessantes kleines Pamphlet, herausgegeben im Jahre 1782 in französischer Sprache und ebenso in Deutsch. Dies Pamphlet war von Schlieffen, dem Gesandten Landgraf Friedrichs II., geschrieben. Der Schreiber weist auf die alte Erfahrung hin, dass die Menschen in allen Zeitaltern sich gegenseitig umgebracht hätten, dass die Schweizer lange Zeit gewöhnt gewesen als Söldner zu fechten, dass 10,000 Griechen unter Xenophon dasselbe gethan hätten, und er hielte es für ungerecht, seine Zeitgenossen für eine Sache zu tadeln, die in dem natürlichen Instinkt der Menschheit begründet läge. Er konstatierte, dass das gegenwärtige Vermieten von Truppen der zehnte Fall dieser Art seit Anfang des Jahrhunderts sei. Er wies auf die Wohlthaten hin, die der Landgraf seinem Lande hatte zu Teil werden lassen, und auf die Liebe, mit der ihn sein Volk verehrte. Er lenkte die Aufmerksamkeit, und dies war vielleicht sein bestes Argument, auf die Thatsache, dass der Landgraf von Hessen und der Herzog von Braunschweig so nahe mit dem englischen Königshaus verwandt wären, dass ihre Nachkommen eines Tages auf den grossbritannischen Thron berufen werden könnten. Die prahlerische Freiheit der Amerikaner wäre nur eine trügerische Sirene, denn die Geschichte bewiese, dass republikanische Regierungsformen ebenso tyrannisch und grausam wären wie Monarchieen.

Dahingegen war der Freiherr von Gemmingen, der Gesandte des Markgrafen von Anspach, etwas beschämt über den Handel, den er abgeschlossen hatte. »Es kommt mir immer sehr hart an, mit Truppen zu handeln,« schreibt er an seinen Agenten in London, »aber der Markgraf ist entschlossen, die Sache um jeden Preis zu Stande zu bringen, um seine und seiner Vorgänger Schulden bezahlen zu können. Auf diese Weise wird freilich das Gute, das aus dem Subsidien-Vertrag entspringt, die schlechte Seite des Geschäfts überwiegen.« Später schreibt er: »Der Vertrag, den wir soeben abgeschlossen haben, ist viel günstiger, als wir erwarten konnten, wenn man bedenkt, dass das Anerbieten von uns aus ging und dass die königlichen Waffen bisher einen solchen Erfolg in Amerika gehabt haben. Die Sache wird natürlich in dem möglichst ungünstigsten Licht von Leuten angesehen werden, die es nicht verstehen, eine Staatsangelegenheit im Rahmen des Ganzen und nach ihren besonderen Motiven zu beurteilen. Aber sobald diese Leute sehen, wie fremdes Geld in unser armes Land fliessen wird, sobald sie sehen, dass dessen Schulden bezahlt werden, mit den Mitteln, die uns jetzt zufliessen, so werden sie und die ganze Welt entzückt sein und anerkennen, dass die Truppen, deren Pflicht es ist, die Feinde des Landes zu bekämpfen, den schlimmsten Feind besiegt haben, nämlich -- unsere Schulden. Selbst der niedrigste Soldat, der nach Amerika geht, gut bezahlt und wohl versorgt, wird mit seinen Ersparnissen zurückkehren und stolz darauf sein, für sein Vaterland und seinen eigenen Vorteil gearbeitet zu haben ... Ich bin im Allgemeinen ein erklärter Feind von solchem Handel mit Menschen; aber es giebt Fälle, in denen Schlechtes sich in eine Wohlthat verwandelt, und so verhält es sich, wenn ich mich nicht irre, in diesem Falle.«

Friedrich der Grosse drückte in einem Brief an Voltaire (vom 18. Juni 1776) seine Verachtung über die mit Menschen handelnden Fürsten aus und fand etwas später Gelegenheit, ihnen Hindernisse in den Weg zu legen. »Wäre der Landgraf aus meiner Schule hervorgegangen,« schrieb er, »so würde er nicht seine Unterthanen an die Engländer verkauft haben, wie man Vieh verkauft, um es zur Schlachtbank zu führen. Dies ist kein schöner Zug in dem Charakter eines Fürsten, der sich rühmt, der Lehrmeister von Regenten zu sein. Ein solches Handeln ist durch nichts Anderes als durch schmutzigen Eigennutz hervorgerufen. Ich bedauere die armen Hessen, die ihr Leben unglücklich und nutzlos in Amerika enden.« Napoleon, der dreissig Jahre später den damaligen Landgrafen von Hessen-Cassel (den »Grafen von Hanau« der Verträge) vertrieb, äusserte sich folgendermassen: »Das Fürstenhaus von Hessen-Cassel hat viele Jahre lang seine Unterthanen an England verkauft. Auf diese Weise haben die Kurfürsten solche Schätze gesammelt. Diese Habsucht ist die Ursache des Sturzes ihrer Dynastie.«

Kapitel III.

Die Verträge vor dem Parlament.

Der angreifende oder sich rechtfertigende Ton der Minister der deutschen Despoten hatte wenig Einfluss, wenn ihre Herren sich einmal für eine Sache entschieden hatten. Der leidenschaftliche Protest eines jungen deutschen Poeten oder eines französischen Pamphletisten konnte schwerlich auf die Politik einen Einfluss ausüben. Der König von Preussen, dessen Wort in betreff des Verdingens von Soldaten für fremde Kriegsdienste Gesetz gewesen sein mag, zog es vor, mit Verachtung zu strafen, anstatt zu befehlen. Aber im Parlament von Gross-Britannien wurden die Verträge zwischen dem König von England und den deutschen Fürsten verhandelt durch verantwortliche Minister auf der einen Seite, und auf der andern Seite durch Staatsmänner, von denen einige eines Tages zur Macht gelangen konnten. Es ist richtig, dass die Majorität, welche die Regierung unterstützte, so erdrückend war, dass die Opposition keine Aussicht hatte, sie zu stürzen. Aber es lässt sich kaum bezweifeln, dass, obwohl die grössere Stimmenzahl auf Seiten der Tories im Parlament von 1776 war, das geistige Übergewicht auf Seiten der Whigs sich befand.

Am 29. Februar 1776 beantragte Lord North, die Verträge zwischen Seiner Majestät und dem Landgrafen von Hessen-Cassel, dem Herzog von Braunschweig und dem Erbprinz von Hessen-Cassel dem »Committee of Supply« zu überweisen. Er sagte, dass Truppen das beste und radikalste Mittel wären, um Amerika zum verfassungsmässigen Gehorsam zu zwingen, da man Soldaten auf diese Weise schneller und zu günstigeren Bedingungen bekommen könnte, als durch Aushebungen in der Heimat; dass die gemieteten Truppen weniger kosten würden, als man erwartet hätte und schliesslich, dass die Truppenmacht, die sie im Stande sein würden, nach Amerika zu senden, genügen würde, nach menschlicher Berechnung, das Land zu zwingen sich zu unterwerfen, vielleicht ohne ferneres Blutvergiessen.

Lord North wurde unterstützt von Mr. Cornwall, der das hohe Haus versicherte, dass er besser wie irgend Jemand in demselben Gelegenheit gehabt hätte, Mittel und Wege kennen zu lernen mit den deutschen Prinzen zu verhandeln und Truppen zu besorgen; dass seine jahrelange Stellung (als Sekretär in dem Zahlamt während des deutschen Krieges) ihm diese Gelegenheit gegeben hätte; und er wäre erstaunt zu hören, dass Leute, die mit den deutschen Verhältnissen bekannt wären, die gegenwärtigen Bedingungen ungünstig fänden. Er bestritt, dass die dem Herzog von Braunschweig im Voraus bezahlten zwei Monate Sold nichts weiter als ein Douceur wären, und blieb dabei, dass die Truppen unter besseren Bedingungen wie je zuvor zu bekommen wären, besonders wenn das Geschäft noch im Laufe des Jahres effektuiert werden könnte, woran er keinen Grund hätte zu zweifeln.

Lord George Germaine verteidigte die Vorlage auf Grund der Notwendigkeit. Er zählte eine Reihe von Präzedenzfällen auf, um zu zeigen, dass in jedem Krieg oder Aufstand, England zu fremden Truppen seine Zuflucht hätte nehmen müssen um die Schlachten zu schlagen und das Land zu verteidigen. Lord Barrington, der im Innersten seines Herzens das allgemeine Verhalten der Regierung nicht gebilligt und der vergeblich den König gedrängt hatte, seine Entlassung anzunehmen, hatte die Vorlage in ähnlichem Sinne unterstützt. Er gab zu, dass der Handel kein günstiger sei, aber immerhin der beste, den man abschliessen könnte.

Auf der anderen Seite verwarf Lord John Cavendish die Vorlage in allen ihren Teilen. Britannien würde sich in den Augen von ganz Europa bloss stellen. Er machte Einwendungen gegen jeden einzelnen Paragraphen des Vertrags und hob hervor, dass eine Truppenmacht von 12,000 Fremden in das Gebiet der britischen Krone befördert werden sollte ohne unter Kontrolle weder des Parlaments noch des Königs zu stehen; denn der Vertrag sagte ausdrücklich, »dass dieser Truppenkörper unter dem Befehl der Generale bleiben sollte, denen er von Seiner Hoheit (dem Landgrafen) anvertraut würde.«

Lord Irnham zweifelte an der Kompetenz der Fürsten, solche Verträge abzuschliessen. Er hielt es für nicht vereinbar mit ihren Pflichten gegenüber dem Reiche, sie machten sich dadurch in den Augen von ganz Europa ehrlos und verächtlich: zur Unterstützung despotischer Gewalt eine Pflanzschule von Soldaten zur Verfügung zu stellen, denen, die mehr Geld, aber nicht mehr Recht und Wert hätten als die, die sie durch Geld unterwerfen wollten. Er verglich die Fürsten mit Sancho Pansa, der wünschte, dass wenn er ein Fürst wäre, alle seine Unterthanen Sclaven werden würden, die er durch Verkauf zu Geld machte.

Mr. Seymour antwortete Mr. Cornwall und forderte ihn auf, einen einzigen Fall anzuführen, in dem dieselbe Anzahl Truppen während derselben Zeit der Nation so viel Geld gekostet hätte.

Der Hon. James Lutrell wies darauf hin, dass bereits 150,000 Deutsche in Amerika wären und dass daher unter den angeworbenen Truppen leicht Desertionen vorkommen könnten. Edmund Brake stellte fest, dass für 1000 Fremde ebenso viel bezahlt würde wie für 1500 Eingeborene. Sir George Saville behauptete, dass dies der unvorteilhafteste Handel in dieser Art sei, der je abgeschlossen sei, seitdem es üblich wäre, Truppen anzuwerben; und Alderman Bull schloss die Debatte, indem er ausrief:

»Man lasse den Geschichtsschreiber nicht gezwungen sein zu sagen, dass die russischen und deutschen Sklaven die Söhne Englands und der Freiheit unterjocht haben, und dass unter der Regierung eines Fürsten aus dem Hause Braunschweig jeglicher schmähliche Versuch gemacht wurde, den Geist auszulöschen, den seine Vorfahren bezeugten und der sich trotz Verrat und Verfassungsbruch auf dem Throne festzusetzen wusste.« Des Alderman's Gesinnung war besser als seine Rhetoric, aber beides war gleich nutzlos. Die Vorlage wurde mit 242 Stimmen gegen 88 angenommen. Am 5. März 1776 beantragte der Duke of Richmond im Hause der Lords, man möge Seiner Majestät dem König eine Adresse unterbreiten, um ihn zu bitten, den Abmarsch der fremden Truppen zu inhibieren und Massregeln zu treffen, um die Feindseligkeiten in Amerika sofort zu sistieren. Der Protest drückte die Ansicht des Hauses aus über die Gefahr und die Schande der Verträge durch die Gross-Britannien vor ganz Europa bekennen müsste, dass es nicht im Stande sei, einerseits wegen Mangel an Soldaten, andrerseits wegen Abneigung der eigenen Leute gegen diesen Krieg, eine genügende Anzahl Leute für die erste Kampagne auf die Beine zu bringen. Es wäre traurig zu sehen, wie durch das Abziehen der nationalen Truppen (die ohnehin zu schwach wären für den unglücklichen Zweck, dem sie dienen sollten) Gross-Britannien entblösst und den Angriffen und dem Eindringen mächtiger Nachbarn und fremder Nachbarn ausgesetzt sein würde.

Das Dokument wies sodann darauf hin, dass eine Aussöhnung mit den Kolonien der Verwendung von Fremden vorzuziehen sei, die, wenn sie so weit von ihrer Heimat entfernt wären und unter dem Elend des Krieges, an dem sie kein Interesse hätten, leiden und so oft in Versuchung kommen würden, die Abhängigkeit mit der Freiheit zu vertauschen, viel eher meutern oder desertieren, als treu bleiben und mit Seiner Majestät eigenen Unterthanen gemeinsam operieren würden.

Indem auf die Gefahr hingedeutet, fremde Truppen in das Reich hineinzulassen und Klage erhoben wird, dass bereits zwei der stärksten Festungen von ihnen besetzt seien,[1] fährt der Protest fort: »Wir haben obendrein Grund zu befürchten, dass, wenn die Kolonien sehen, wie Gross-Britannien Bündnisse schliesst und Truppen zu ihrer Unterwerfung anwirbt, sie durch das gegebene Beispiel sich für berechtigt halten werden, Anstrengungen zu machen, um ebenfalls Beistand zu erlangen; und dass Frankreich, Spanien, Preussen oder andere Europäische Mächte denken werden, dass sie ein ebensolches Recht haben wie Hessen, Braunschweig und Hanau, sich in unsere inneren Angelegenheiten zu mischen.«

[1] Hannoversche Truppen waren nach Gibraltar und Port Mahon gesandt worden.

Darauf wurde auf die Gefahr hingewiesen, dass man verpflichtet sein würde, den Landgrafen von Hessen bei seinen Streitigkeiten in Europa zu unterstützen, und es wurde der Meinung Ausdruck gegeben, dass Gross-Britannien noch nie einen Vertrag eingegangen sei, der so teuer, so ungleich, so entehrend und in seinen Folgen so gefährlich sei.

Indem der Duke of Richmond den Protest einbrachte, gab er einen kurzen Überblick über die Verträge, die seit 1702 mit den Landgrafen von Hessen abgeschlossen worden seien, und zeigte, dass die aufeinanderfolgenden Landgrafen mit der Zeit ihre Forderungen gesteigert hätten, und dass, wenn sie versuchten, günstigere Bedingungen herauszudrücken, sie niemals unterliessen, ihre vorhergegangene Erpressung als Grundlage für den neuen Vertrag dienen zu lassen und immer eine neue Forderung an Gross-Britannien zu stellen. Dieser Vertrag sei »offenbar ein gewinnsüchtiger Handel, indem man eine Anzahl Söldner in Sold nehme, die man kaufe und verkaufe wie das Vieh, das zur Schlachtbank geführt würde ... Legt man aber den Verträgen eine Alliance zu Grunde, was würde die Folge sein? Dass, wenn eine dieser Mächte angegriffen oder ohne Grund einen Angriff provozieren würde, wir sie mit allen uns zu Gebote stehenden Mitteln unterstützen müssten. Folglich haben wir wegen des Beistandes von wenigen Tausend Söldnern nicht nur doppelt zu bezahlen, sondern wir gehen auch eine feierliche Verpflichtung ein, unsere Streitkräfte zu opfern und Hülfe zu leisten, wenn der Landgraf oder Herzog angegriffen oder ihm sein Besitztum streitig gemacht wird.«

Der Duke of Richmond bezeichnete es ferner als eine Gefahr, einen Truppenkörper von 12,000 fremden Söldnern zu haben unter dem Kommando eines von dessen eigenen Generalen, bei dem die Möglichkeit nicht ausgeschlossen sei, dass er zum Höchst-Kommandierenden befördert werden könne; es könne eine grosse Verwirrung entstehen durch Streitigkeiten zwischen dem fremden und eigenen kommandierenden General.

Der Earl of Suffolk antwortete für die Regierung: »Der Tenor der Verträge,« sagte er, »ist kein anderer als er es bei früheren Gelegenheiten gewesen ist. Der gegenwärtige, das ist wahr, ist voll von schwülstigen hochtönenden Phrasen von einem Bündnis, und ich bin so offenherzig, dem edlen Herzog zu bemerken, dass ich sie nur als solche ansehe; und ich gehe soweit, zu sagen, dass die wahre Absicht der Verträge die ist, weniger ein Bündnis zu schliessen als einen Truppenkörper anzuwerben, den der gegenwärtige Aufstand in Amerika notwendig erscheinen lässt.«

Indem Lord Suffolk somit die Bedingungen des Vertrages, für den er persönlich verantwortlich war, in das richtige Licht gesetzt hatte, fuhr er fort nachzuweisen, dass die Bedingungen vorteilhaft sein würden, wenn man die Truppen nur ein Jahr gebrauchen würde, dass man aber unter allen Umständen, wenn die Soldaten gebraucht würden, sich den gestellten Bedingungen fügen müsste.

Der Earl of Carlisle war überzeugt, dass die Arbeitskräfte, die durch die Industrie in Anspruch genommen würden, der geringe Nutzen einer neuen Aushebung, wenigstens für die erste Kampagne und der Wunsch jedes Vaterlandsfreundes, den unglücklichen Verhältnissen ein schnelles Ende bereitet zu sehen, dass dies Alles die Notwendigkeit der Verwendung fremder Truppen genügend rechtfertigen würde. Man sollte bedenken den schwerfälligen Koloss, den das Reich bildete und die Operationen, die selbst im Falle eines Defensivkrieges nötig sein würden, und stellte anheim, ob es einem so unbedeutenden Stück Land, wie die Insel Gross-Britannien möglich sei, eine Zahl aufzubringen, die genügten, um Operationen zu führen, die derartige Anforderungen stellen würden.

Die Debatte zog sich sehr in die Länge und wurde mit grosser Erbitterung geführt. Auf Seiten der Whigs klagte der Duke of Cumberland -- »Braunschweiger zu sehen, die einst -- was ihnen zu grosser Ehre gereichte -- zur Verteidigung der Freiheiten der Unterthanen Verwendung fanden, und jetzt nach einem andern Teil des grossen Reiches gesandt werden, um sie der konstitutionellen Freiheiten zu berauben.« Der Duke of Manchester führte aus, dass _der_ Mensch für einen Söldling gehalten werden müsste, der für Geld um einer Sache willen kämpft, an der er keinen Anteil hat. Der Earl of Helburne gab die Notwendigkeit der Verwendung fremder Truppen nicht zu und wurde hierin von Lord Carnden unterstützt, der das hohe Haus fragte, ob nicht der ganze Vertrag eine Zusammensetzung von Schande, Niederträchtigkeit und Betrügerei wäre, wie sie noch nie dem Parlament zugemutet worden wäre. »Ist einer unter Ihnen my lords,« fragte er, »der nicht vollkommen einsieht, dass das Ganze ein rein gewinnsüchtiger Handel ist, bei dem von der einen Seite Truppen gedungen, von der andern menschliches Blut verkauft wird; und dass die geduldigen Opfer, zum Abschlachten verkauft, die grössten Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung sind?«

Die Tory-Lords scheinen sich weniger an der Debatte beteiligt zu haben, wahrscheinlich, weil sie es für unnötig hielten zu sprechen, da sie in der Majorität waren. Die Vorlage wurde mit 100 gegen 32 Stimmen abgelehnt.

Es scheint mir, als ob die Lords nicht ganz gerecht in ihrem Urteil über die deutschen Soldaten gewesen wären. Die meisten dieser armen Teufel fochten nicht um Geld, sondern weil sie es nicht ändern konnten. Die Leute, die wirklich »Söldlinge in des Wortes schlimmster Bedeutung« waren, waren der Landgraf, der Herzog und die Fürsten; aber man konnte von den edlen Lords kaum erwarten, dass sie dies aussprechen würden.

Was die Haltung der britischen Regierung beim Anwerben der Truppen anbetrifft, so ist klar, dass ihr kein anderer Weg übrig blieb, wenn der Krieg energisch durchgeführt werden sollte. Infolge des Misskredits, in dem reguläre Soldaten bei den Engländern standen, war die britische Armee zu Friedenszeiten nicht so stark wie die Zahl, die jetzt im Ausland aufgebracht werden sollten. Werbungen waren mit Schwierigkeiten verbunden, man erhielt durch sie nur rohe Rekruten. Die Konscription ist ein Ding der Unmöglichkeit in England. Wenn man Leute haben wollte, musste Lord North sie in Deutschland suchen.

Die Regierung und das Reich aber bezahlten einen enormen Preis für die Hilfstruppen. Die Antwort auf den Vertrag mit dem Landgrafen war die Unabhängigkeits-Erklärung. Die Verwendung von fremden Soldtruppen durch die britische Regierung wirkte zum grossen Teil mit, die Amerikaner zu dem Entschluss kommen zu lassen, ihre Lehnspflicht gegen die englische Krone abzuschütteln und Bündnisse mit deren früheren Feinden zu suchen. Die Gefahr, auf die in dem Protest der Lords hingewiesen worden war, wurde zur Wirklichkeit, und Männer von englischem Blut behaupteten, dass Frankreich ein ebensolches Recht wie Hessen hätte, sich in ihre inneren Streitigkeiten zu mischen.

Kapitel IV.

Die Soldaten.