Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783

Part 18

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Die Expeditionen nach Savannah und Charleston waren nicht die am weitesten entfernten, an denen die deutschen Hilfstruppen beteiligt waren. Im Herbst 1778 wurden ungefähr 1200 Mann Waldecker und Provinzials unter Generalmajor John Campbell abgesandt, um die Garnisonen von West-Florida zu verstärken. Sie segelten Anfang November, liefen Jamaica an und landeten Ende Januar 1779 in Pensacola. Pensacola war damals eine Stadt von ungefähr 200 hölzernen Häusern, die durch Forts aus Holz und Sand verteidigt wurde. Sie lag in einer Sandwüste, die von dichten, unermesslichen Wäldern umgeben war. Nach Georgia reiste man auf dem alten Handelsweg vier Wochen lang. Die Wälder wurden durch Indianer beunruhigt, die von den Briten für jeden feindlichen Skalp drei Pfund Sterling erhielten. Die Waldecker fanden unter den Indianern einen Landsmann, Namens Brandenstein, der in seiner Jugend aus dem waldeck'schen Dienst desertiert war und nach vielen Abenteuern die Sitten und Gewohnheiten eines indianischen Kriegers angenommen hatte.

Die Besatzung von Pensacola war zuerst damit beschäftigt, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Oberstlieutenant Dickson, ein englischer Offizier, hielt Baton Rouge. Im Lauf des Sommers 1779 wurden ihm drei Kompagnien Waldecker zur Verstärkung zugesandt. Inzwischen war zwischen England und Spanien Krieg ausgebrochen. Don Bernardo de Galvez, der spanische Gouverneur von New-Orleans, war ein junger und energischer Mann. Er erbeutete mehrere kleine Schiffe auf dem Mississippi und in der Nähe seiner Mündung. Im September wurden 53 Waldecker auf dem Lake Pontchartrain zu Gefangenen gemacht. Die Spanier gingen gegen Baton Rouge vor und begannen nach zwei vergeblichen Versuchen, die Werke mit Sturm zu nehmen, eine regelrechte Belagerung. Dickson kapitulierte, und die Besatzung marschierte mit allen Kriegsehren aus dem Fort heraus. Sie zählten über 400, die Belagerer unter Galvez zwischen 1400 und 2000 Mann. Beinahe die Hälfte der kapitulierenden Besatzung waren Waldecker, und mehr als 30 waren von dem Regiment gefallen oder verwundet.

Die Nachricht von Dicksons Übergabe erreichte Pensacola am 20. Oktober, wurde aber zuerst mit Unglauben aufgenommen. »Ist dies nicht ein verwünschtes Land, um Krieg darin zu führen,« schreibt der Waldecker Kaplan, »wo der grössere Teil des Korps seit fünf Wochen gefangen genommen, 1200 Meilen Landes im Besitz des Feindes sind, und der kommandierende General weiss es noch nicht einmal mit Bestimmtheit.«

Im März 1780 rückte ein Teil der Besatzung von Pensacola zum Entsatz von Mobile aus, kam aber zur Rettung dieser Stadt zu spät. Bald nach Rückkehr der Truppen nach Pensacola kam vor dem Hafen eine spanische Flotte von 21 Schiffen in Sicht, verschwand aber drei Tage später wieder. Die Spanier hatten das Land bis zum Pertido River in Besitz, überschritten diesen einmal im April, wurden aber von den Indianern zurückgeworfen. Indes waren letztere sehr unzuverlässige Hilfstruppen. Der Rest des Jahres 1780 verlief ohne jegliches Ereignis von Bedeutung in Florida.

Anfang Januar 1781 machte Oberst von Hanxleden mit 115 Weissen und 300 Choctaws eine Expedition gegen French Village. Sie fanden aber einen hartnäckigen Widerstand und wurden zurückgeschlagen. Die Zahl der Toten und Verwundeten auf englischer Seite war beträchtlich; unter den Gefallenen befand sich auch Oberst von Hanxleden. Am 9. März erschien eine spanische Flotte von 38 Schiffen vor Pensacola, und während der folgenden Nacht wurde ein Truppen-Korps auf der Insel Santa Rosa ausgeschifft, welche am Eingang des Hafens liegt. Von da ab nahm die Belagerung des Ortes ihren regelmässigen Fortgang. Am 19. lief die Flotte, indem sie einen günstigen Wind benutzte, bei den Befestigungswerken vorbei, in die Bai ein. Von Zeit zu Zeit erhielten die Spanier Verstärkungen. Am 15. April brachte ein Deserteur die Nachricht, dass Galvez 10000 Mann stark sei. Der Schreiber des Waldecker Journals erwähnt diese Truppenzahl als fünfzehnmal stärker als die in Pensacola, woraus man entnehmen kann, dass General Campbell zwischen 6 und 700 Weisse befehligte. Die Indianer leisteten, obwohl dem Trunk ergeben, barbarisch und undiszipliniert, den Engländern gute Dienste. Schliesslich, am Morgen des 8. Mai, krepierte eine Bombe in dem Pulver-Magazin einer der Redouten, durch die viele pennsylvanische Tories, die das Werk besetzt hielten, getötet wurden und eine grosse Verwirrung entstand. Hieraufhin verstärkten die Spanier ihr Feuer, und am Nachmittag desselben Tages zog General Campbell die weisse Flagge auf und ergab sich unter der Bedingung, dass die ganze Besatzung nach New-York eingeschifft werden und bis zur Auswechselung nicht mehr gegen Spanien oder dessen Verbündete kämpfen sollte. Da zu jener Zeit die Vereinigten Staaten nicht mit Spanien verbündet waren, so konnten die Waldecker sofort gegen die Amerikaner Verwendung finden.

Kapitel XXII.

New-York in den Jahren 1780 und 1781.

Als Sir Henry Clinton im Dezember 1779 nach Charleston segelte, legte er das Kommando über die Besatzung von New-York in die Hände des Generallieutenants von Knyphausen. Die regulären Truppen in und ausserhalb der Stadt bestanden aus etwa 6000 Engländern, Hessen und Anspachern. Durch Bewaffnung der Einwohner und Matrosen derjenigen Schiffe, welche im zugefrorenen Hafen lagen, gelang es Knyphausen, seine Truppen nahezu zu verdoppeln; die neuen Rekruten waren immerhin gut genug, um hinter den Befestigungswerken verwendet zu werden. Washington hingegen befehligte eine kleine, schlecht verpflegte und unbezahlte Armee, die im Frühjahr 1780 kaum 7000 Reguläre stark war, und selbst von diesen konnte nur die Hälfte dem Garnisondienst zur Verwendung im Felde entzogen werden.

Der Winter war ungewöhnlich kalt. Sowohl der North- und East-River und Long-Island-Sound, als auch der Kanal zwischen Staten-Island und dem New-Jersey-Ufer waren zugefroren. Dies begünstigte Unternehmungen, die fortwährend auf beiden Seiten gemacht wurden. Im Januar landete Lord Stirling auf Staten-Island, fand aber die dortige Besatzung in Bereitschaft und kehrte nach New-Jersey mit seinen Leuten zurück, von denen viele durch Erfrieren von Gliedern stark gelitten hatten. Knyphausen traf Vorbereitungen, durch das Treibeis im Hafen hindurch Verstärkungen nach der Insel zu senden.

Ende dieses Monats und anfangs Februar fanden Unternehmungen gegen Elisabethtown Newark und Youngs House statt, bei denen die Briten viele Gefangene machten.

Mit dem Jahr 1780 war ein frischer Geist in die Kriegführung hineingekommen. Howe und Burgoyne hatten gehofft, nicht nur zu erobern, sondern auch zu versöhnen. Haus und Eigentum von Nichtkombattanten war bis zu einem gewissen Grade verschont geblieben. Clinton und Cornwallis, die nach den Weisungen von Lord George Germaine verfuhren, gaben diese Politik der Versöhnung auf. Expeditionen wurden nur zum Zwecke der Plünderung und Verwüstung unternommen. Bei diesen wurden auch die Hessen verwendet. Am Abend des 22. März 1780 z. B. wurde eine Abteilung von 400 Mann, Briten und Hessen, über den Hudson gesetzt. Ungefähr um 3 Uhr morgens erreichten sie Haecensack, welches zu damaliger Zeit ein schönes, reiches Dorf war. Es wurde kein Widerstand geleistet. Nicht ein amerikanischer Soldat war im Orte, und niemand konnte die Barbareien verhindern, welche verübt wurden. Die Briten und Hessen brachen in die Häuser ein und beluden sich mit Beute. Alle männlichen Einwohner, deren sie habhaft werden konnten, wurden gefangen genommen, und nachdem das Rauben zu Ende war, steckten sie das Stadthaus und einige der Haupt-Wohngebäude in Brand. Bei Tagesanbruch kamen 5 oder 600 Amerikaner von Pollingtown zu Hilfe, und es hätte den Eindringlingen schlecht ergehen können, wenn nicht ein Detachement von ungefähr 400 Mann unter dem Parteigänger Emmerich zu ihrer Unterstützung herangekommen wäre. Sie wurden nach dem Hudson zurückgeworfen. Aus dem Tagebuch des anspach'schen Musketiers Doehla entnimmt Eelking folgende Stelle: »Wir machten beträchtliche Beute an Geld, silbernen Uhren, silbernen Tellern und Löffeln, Haushalts-Gegenständen, Kleidern, feinem englischen Leinen, seidenen Strümpfen, Handschuhen, Halstüchern und andern wertvollen seidenen Sachen und Stoffen. Meine eigene Beute, die ich glücklich zurückbrachte, bestand in zwei silbernen Uhren, drei Paar silbernen Schnallen, einem Paar Frauen-Strümpfen in Wolle, einem Paar Strümpfen für Männer, zwei Hemden und vier Vorhemden von feinem englischen Leinen, zwei feinen Tischtüchern, einem silbernen Löffel und einem Theelöffel, fünf spanischen Dollars und sechs Yorkschillings an Geld. Das andere, nämlich elf Stücke feines Leinen und über zwei Dutzend seidene Tücher, sechs silberne Teller und ein silberner Trinkbecher, was ich alles in ein Bündel zusammengeschnürt hatte, musste ich wegen des eiligen Marsches wegwerfen und den nacheilenden Feinden überlassen.«

Knyphausen behauptet, den Amerikanern im Laufe des Winters einen Verlust an 65 Toten und 320 Gefangenen zugefügt zu haben. Der beginnende Sommer gab Gelegenheit zu wichtigerer Thätigkeit. Am Abend des 6. Juni 1780 wurde die erste der fünf Divisionen des britischen Expeditions-Korps auf New-Jersey bei Elizabethtown-Point gelandet, die vier andern Divisionen folgten am nächsten Tage. Diese setzten sich aus beinahe sämtlichen regulären Truppen zusammen, die Knyphausen zu seiner Verfügung hatte. Die erste und zweite Division drangen durch Elizabethtown und Connecticut Farms vor, wo sie ziemlichen Widerstand fanden. Bei letzterem Ort machte die Armee Halt, die Jäger wurden gegen Springfield vorgeschoben. Zu jener Zeit waren die Jäger nur 300 Mann stark, da ein Teil des Korps in Charleston war, ein anderer in Kavallerie, oder besser gesagt berittene Jäger umgewandelt worden war. Diese 300 hatten an diesem Tage am meisten auszuhalten. Die Amerikaner fochten mit grosser Ausdauer und griffen wiederholt mit dem Bajonnet an. Ungefähr um 1 Uhr bekamen die Jäger Unterstützung, und der Feind wurde nach Springfield zurückgetrieben. Es begann nun ein heftiges Feuer, ungefähr um 4 Uhr nachmittags aber wurden die Jäger zurückbeordert in ihre erste Stellung, wo die Armee biwakierte. Kaum als die Pickets in einigen Häusern vor der Front postiert waren, wurden sie angegriffen. Die Jäger feuerten und schlugen die Amerikaner eine weite Strecke zurück. Die Häuser wurden verbrannt. Drei Geschütze wurden in Stellung gebracht, der Feind aber erneuerte nicht seinen Angriff. Die Jäger verloren an diesem Tage 55 Mann an Toten und Verwundeten. Während der Dämmerung brachten Deserteure die Nachricht, dass Washington mit seiner Hauptarmee während der Nacht in Springfield erwartet würde. Daraufhin brach Knyphausen um 11 Uhr abends auf und kehrte nach Elizabethtown Point zurück. Am nächsten Tage griff Lord Stirling mit der amerikanischen Avantgarde ein englisches Regiment an, dieses wurde aber von zwei deutschen Regimentern unterstützt, infolgedessen die Amerikaner nach Elizabethtown zurückgeschlagen wurden. Im Lauf der nächsten Tage fanden ununterbrochen Scharmützel statt. Am 13. machten die berittenen Jäger den Versuch, ein amerikanisches Kavallerie-Picket zu überfallen und gefangen zu nehmen, ihr Vorhaben wurde aber verraten, und das Picket entkam. »Es ist beinahe unmöglich, den Feind bei irgend einer Gelegenheit zu überraschen,« sagt das Journal des Jäger-Korps, »weil jedes Haus, in dessen Nähe man kommt, sozusagen ein vorgeschobenes Picket ist; denn der Farmer, oder sein Sohn, oder Knecht, und selbst seine Frau und Tochter schiessen mit einer Flinte oder benutzen Schleichwege, um das Herannahen des Feindes zu melden.«

Am 19. Juni hielt Sir Henry Clinton, der eben von Charleston mit den hessischen Grenadieren und dem Jäger-Detachement, den britischen Grenadieren und der leichten Infanterie und den Provincial Queens Rangers zurückgekehrt war, über Knyphausens Armee Revue ab. Es wurden Vorbereitungen zum Vormarsch getroffen, und am 23. rückten vier deutsche Regimenter, die Jäger, sechs Regimenter Engländer und Tories gegen Springfield vor. Eine Zeit lang hielten die Amerikaner die Stellung bei Connecticut Farms, zogen sich aber bald nach dem Schlachtfeld vom 7. zurück, während die englische Armee sich auf den Höhen diesseits Springfield entwickelte. Der Passaic River lag zwischen den beiden Stellungen, die Amerikaner unter Major Lee hielten die Brücke. Die Hessen durchwateten den Strom angesichts eines heftigen Feuers, während ein englisches Regiment die Brücke angriff, wodurch Lee bis auf die Höhen jenseits der Stadt zurückgeworfen wurde, wo er sich mit einem stärkeren Korps vereinigte. Die Stadt Springfield wurde genommen, und jenseits derselben schlugen sich die Jäger der Avantgarde eine Stunde lang mit dem Feinde herum. Darauf steckten die Briten die Stadt in Brand und zogen sich zurück. Die Jäger bildeten nunmehr die Arrieregarde und konnten kaum zwischen den brennenden Häusern hindurchkommen. Die Amerikaner drängten scharf nach und erschwerten ihnen den Rückzug. Ungefähr zwei Meilen von Elizabethtown wurden die Jäger von einem englischen Regiment aufgenommen, und der Rückzug wurde bis Elizabethtown Point fortgesetzt. Hier nahmen die Truppen ihre alten Stellungen ein, bekamen aber während der Nacht den Befehl, aus dem Lager aufzubrechen und nach Staten Island überzugehen. Dies geschah, und die Schiffbrücke, die am 11. zwischen der Insel und dem Festlande gebaut war, wurde sofort abgebrochen, während ein hessisches Regiment in dem Brückenkopf auf dem Jersey-Ufer verblieb, bis diese Operation vollendet war. Ungefähr um 3 Uhr morgens war die ganze Armee übergegangen. Der Verlust der Jäger am Tage vorher war beträchtlich, vierundzwanzig Tote und Verwundete bei dem Angriff auf die Brücke über den Passaic-River, und wahrscheinlich ebensoviel jenseits des Flusses und auf dem Rückzuge.

Diese Expedition nach Springfield war der letzte Versuch, den Sir Henry Clinton machte, um Washingtons Hauptarmee in New-Jersey anzugreifen. Der übrige Teil des Jahres verlief, abgesehen von dem Verrat Arnolds und der Hinrichtung von André in den Nordstaaten, ohne besonders wichtige Ereignisse; auch ist in der ersten Hälfte des Jahres 1781 kein Zusammenstoss zu verzeichnen, welcher als etwas anderes als ein Scharmützel gelten könnte.

Am Abend des 2. Juli 1781 war der Parteigänger Emmerich mit hundert Mann nach Philipps House marschiert. Während der Nacht hatte Oberstlieutenant von Wurmb die Meldung bekommen, dass die amerikanische Armee auf New-York im Anmarsch wäre, und dass deren Avantgarde bei Sing-Sing beobachtet worden sei. Es wurde deshalb ein Oberstlieutenant mit 200 Jägern und 30 Kavalleristen bei Morgengrauen abgesandt, um Nachrichten zu bringen und den Rückzug Emmerichs zu decken. Der Oberstlieutenant ging über Kingsbridge den Harlem Creek entlang, gleichzeitig einen Unteroffizier und 10 Mann mit dem Auftrag entsendend, die Ruinen des Forts Independence, welches seine Strasse beherrschte, zu rekognoszieren. Beim Erreichen der Höhe, auf welcher das Fort erbaut worden war, bemerkte der die Rekognoszierungs-Patrouille befehligende Sergeant Rübenkönig in nächster Nähe einige Leute. Nicht im Stande, in der Morgendämmerung zu unterscheiden, wer sie wären, ging er ihnen allein entgegen und glaubte die blauen Röcke mit den strohfarbenen Besätzen des Regiments von Donop, von welchem ein Teil unter Emmerichs Kommando war, zu erkennen. Er hätte ihnen beinahe »Guten Morgen« gewünscht, als ein halbes Dutzend Leute auf ihn los sprang, ihn bei den Haaren und dem Bandolier seiner Patronentasche fasste und versuchte, ihn festzuhalten. Rübenkönig aber entwand sich ihren Händen und eilte unter dem Ruf: »Rebellen, Rebellen!« zu seiner Abteilung.

Die Avantgarde der Jäger befand sich unterdessen auf dem Engweg zwischen dem Hügel, auf welchem das Fort war, und Harlem River. Die Leute hatten ihren Rückweg durch einen Morast zu machen. Die Stelle, wo die Hauptabteilung aufmarschiert war, war eng und unvorteilhaft. Der erste Ansturm gegen die Amerikaner wurde abgeschlagen, wobei die Deutschen in Unordnung zurückgingen. Darauf attackierte die Kavallerie ohne Erfolg, die Amerikaner aber zogen sich nach den Ruinen des Forts zurück, wodurch die Jäger Zeit fanden, sich in Ordnung und in einer günstigen Stellung zu sammeln. Schliesslich wurden die Amerikaner aus ihrer Stellung vertrieben, wohl infolge der Annäherung von Verstärkungen auf Seiten der Deutschen, denn Oberstlieutenant von Wurmb traf um diese Zeit ein. Sie zogen sich auf eine Höhe in einer Entfernung von ungefähr 1000 Yards zurück, etwa 6-700 Mann stark. Emmerich hatte sich mit seiner Abteilung inzwischen über den Spyt den Duyvel Creek zurückgezogen, und war, da die Brücke in Händen des Feindes war, von den Jägern abgeschnitten worden. Das ganze Korps mit der Kavallerie ging deshalb vor, um die Brücke zu nehmen; die Amerikaner zogen sich langsam zurück. Wurmb machte hier, nachdem er seinen Auftrag soweit ausgeführt, und in dem Glauben, der Feind wollte ihn in einen Hinterhalt locken, mit seinem Detachement Halt und schickte Meldung an das Hauptquartier. Am Nachmittag ging die amerikanische Armee vor und lagerte auf Valentines Hill in einer Ausdehnung von Courtlands Reach bis Spyt den Duyvel. Der hessische Verlust in diesem Gefecht betrug 30 Mann tot und verwundet.

Am 6. Juli 1781 vereinigte sich die französische Armee unter Rochambeau mit der von Washington vor New-York; länger als einen Monat bestand die Kriegführung in Scharmützeln; Sir Henry Clinton machte sich nämlich darauf gefasst, in New-York belagert zu werden, sobald die französische Flotte von West-Indien ankommen würde.

Am 18. August 1781 wurde das Übergehen des Feindes über den North-River gemeldet. Doch noch immer wurden Clintons Augen nicht geöffnet. Vergebens machte Oberstlieutenant von Wurmb von den Jägern, der die Erlaubnis hatte, auf eigene Faust Spione auszuschicken, den Oberkommandierenden darauf aufmerksam, dass die vereinigte Armee auf dem Marsche nach Virginia begriffen sei. Der Oberstlieutenant nahm dies aus zwei Gründen an. Der erste war, dass Vorbereitungen getroffen wurden, die Amerikaner und Franzosen auf der Strasse durch New-Jersey mit Lebensmitteln und Fourage zu verproviantieren; der zweite, dass der Oberstlieutenant gehört hatte, eine Amerikanerin, die Gattin eines höhern französischen Offiziers, wäre angewiesen worden, nach Trenton zu gehen. General Clinton liess sich nicht überzeugen, bis es zu spät war, dieser Bewegung entgegen zu treten.

Selbst nachdem ihm Washingtons Plan klar geworden war, war er nicht gewillt, seine ganze verfügbare Streitmacht wenigstens zu einer Diversion zu Gunsten von Lord Cornwallis zu verwenden. Es lässt sich jetzt schwer sagen, ob eine Unternehmung gegen Philadelphia oder den Hudson hinauf eine Umkehr der Verbündeten von Ihrem Zug nach dem Süden veranlasst haben würde. Clinton indessen begnügte sich damit, Vorbereitungen zur Einschiffung eines Korps nach Yorktown zu treffen, und ein Detachement unter Benedict Arnold, der kurz vorher von Virginia zurückgekehrt war, nach der Küste von Connecticut zu entsenden. Arnold erreichte an der Spitze von zwei englischen Regimentern und 100 hessischen Jägern am 6. September New-London und stürmte das Fort, dessen kleine Besatzung eine verzweifelte Gegenwehr machte. Arnold steckte einen Teil der Stadt, die Magazine und die Schiffe auf dem Stapel in Brand. Die Schiffe im Hafen entkamen den Fluss hinauf.

Nicht vor dem 19. Oktober kam die britische Flotte dazu, in See zu stechen, um Lord Cornwallis zu Hilfe zu kommen. Die hessischen Grenadiere und die andern Truppen waren an Bord der Kriegsschiffe genommen worden. Am 28. Oktober traf die Flotte am Eingang in die Chesapeake Bay ein, und erhielt vom Ufer aus die Nachricht von der Übergabe Cornwallis. »Diese zweite Burgoynade,« schreibt ein hessischer Offizier, »wird jedenfalls viel dazu beitragen, den Krieg zu einem unglücklichen Ende zu bringen.« Diese Voraussagung hat sich vom Standpunkt des Offiziers aus bewahrheitet. Doch jetzt müssen wir unsere Aufmerksamkeit auf die Ereignisse lenken, die zur Katastrophe von Yorktown führten.

Kapitel XXIII.

Der Feldzug im Süden im Jahre 1781.

Als Sir Henry Clinton im Juni 1780 von Charleston absegelte, befanden sich zwei hessische Regimenter bei der Besatzung, die er zurückliess; und bald nachher kam noch ein drittes Regiment hinzu, welches von Savannah dorthin befördert wurde. Einen Bericht über eine Teilnahme dieser Regimenter an dem Feldzug, den Lord Cornwallis in Süd- und Nord-Carolina führte, kann ich nirgends finden. Am 16. August 1780 war die amerikanische Armee unter General Gates bei Camden vereinigt; am 18. überfiel Tarleton eine Truppen-Abteilung unter Sumter. Sechs Wochen später hatte sich das Blatt durch das glänzende Gefecht bei Kings Mountain gewendet, in welchem ungefähr 1400 Hinterwäldler einen Berg umzingelten und erstürmten, der von einer gleichen Zahl von britischen regulären Truppen und Provincials besetzt war; zwei Fünftel davon wurden getötet oder verwundet, der Rest gefangen genommen.

Im Oktober 1780 begab sich General Leslie mit mehreren englischen Regimentern, dem hessischen Regiment von Bose und einem Detachement von 100 Jägern von New-York nach den Süd-Staaten. Sie landeten in Portsmouth in Virginien, verliessen diesen Ort aber bald wieder, um nach Charleston abzurücken, wo sie gegen Ende des Jahres eintrafen.

Mit diesen Verstärkungen zur Hand, brach Lord Cornwallis von Wynesborough, westlich von Camden, auf und marschierte gegen General Greene, der auf Washingtons Wunsch zum Nachfolger von Gates ernannt worden war. Die britische Armee war ungefähr 3500 Mann stark. Auf die Nachricht, dass Morgan mit einem detachierten Korps auf der Südseite des Broad-River stand, beschloss Cornwallis, ihn von Greenes Hauptarmee abzuschneiden. Zu diesem Zwecke detachierte er Oberstlieutenant Tarleton mit ungefähr 1000 Mann. Tarleton sollte Morgan in der Front angreifen, während Cornwallis sich am linken Ufer des Broad-River entlang ziehen und die zurückgehenden Amerikaner gefangen nehmen wollte. Tarleton stiess am Morgen des 17. Januar 1781 auf Morgan. Ohne die Entwickelung seiner Truppen abzuwarten, warf sich der tapfere Kavallerie-Oberst auf den verachteten Feind. Die amerikanische Miliz, die die erste Linie bildete, wich zurück. Die zweite Linie, hauptsächlich aus Continentals bestehend, blieb stehen. Tarleton gab Befehl, dass seine Reserven vorgehen sollten. Die Amerikaner gingen zurück, machten aber wieder Front und überschütteten den Gegner mit einem heftigen und wohlgezielten Feuer. Dieser unerwartete Widerstand brachte die Briten in Unordnung. Sie schwankten. Zwei Kompagnien Virginia-Miliz machten einen Bajonnet-Angriff. Die Briten wichen auf allen Seiten zurück. Tarleton sammelte ungefähr 50 Reiter und brachte für einen Augenblick die Verfolgung zum Stehen. Der grösste Teil der britischen Infanterie wurde gefangen genommen, nur die Kavallerie entkam; und die Baggage wurde zerstört. Die Amerikaner machten ungefähr 500 Gefangene; ungefähr 100 Engländer fielen. Der amerikanische Verlust belief sich nicht über 75 Mann. Zwei Fahnen, zwei Geschütze, 35 Wagen, 300 Gewehre und 100 Pferde fielen in Morgans Hände. Die Geschütze waren bereits vorher genommen worden, einmal von Gates bei Saratoga und dann von Cornwallis bei Camden. Morgans Gefecht, das beinahe in der Wildnis geführt wurde, ist nach dem Orte Cowpens benannt worden, einem Orte, wo die Einwohner dieses Landstriches ihr Vieh zusammentrieben und einsalzten.

Bald nach diesem Siege wurde General Morgan von Rheumatismus befallen und gezwungen, den Abschied zu nehmen.