Part 17
Am Morgen des 25. September kamen die Kaps des Delaware in Sicht. Da sie nun genau wussten, wo sie waren, so gingen sie wieder weiter in See, um den Privateers aus dem Wege zu gehen. Der Wind war gut und die Hessen hofften Sandy Hook in achtundvierzig Stunden zu erreichen. Der Morgen des 26. war sehr schön. Bei Tagesanbruch wurden zwei Schiffe in einiger Entfernung gesehen. Wiederhold sprang voller Freude in die Kajüte und berichtete dem Oberstlieutenant und den anderen Offizieren das Gesehene. Alle zogen sich an und eilten an Deck, in der Hoffnung, dass es Schiffe seien, die von New-York ausgeschickt wären, um vor dem Hafen zu kreuzen und den Schiffen Hilfe zu leisten, die bei dem letzten Sturme Schaden gelitten hätten. Die fremden Schiffe segelten auf den Triton los und stellten sich als einen Schooner und eine Schaluppe heraus. »Aber o! wie sahen wir uns in unserer Hoffnung betrogen,« ruft Wiederhold aus, »denn, nachdem sie so nahe kamen und sie ihre aus 13 Streifen bestehende Flagge wehen liessen, so war unsere Freude in Leid verwandelt.«
Der Schooner hatte 14 Geschütze und hiess »Mars«. Die Schaluppe, Comet genannt, hatte 10 Geschütze und wurde von Kapitän Decatur kommandiert. Um 8 Uhr morgens lagen beide mit den Breitseiten am Triton. Sie erteilten dem Kapitän des letzteren Befehl, ein Segel herabzulassen und das Steuerruder am Steuerbord anzubinden. Sodann schickte jeder Privateer 1 Offizier und 5 Mann an Bord; der Mars nahm den Triton ins Schlepptau und brachte ihn in die Barnegat Bucht, wo er vor Anker ging. Der Mars, welcher den Kapitän und mehrere Seeleute des Triton an Bord genommen hatte, geriet zwischen Klippen und kenterte. Nur zwei von der Bemannung ertranken; alle hatten schwimmen müssen, um sich zu retten. Dies ereignete sich auf zwei Kanonenschussweiten von dem Fleck, wo der Triton vor Anker lag. Der Kapitän des Mars hatte vorher befohlen, dass der hessische Oberstlieutenant auch an Bord kommen sollte, glücklicherweise aber war er durch sein Kranksein daran gehindert.
Am 29. September wurde der Triton nach dem Little Egg-Hafen gebracht. Hier wurden die Gefangenen ausgeschifft. Sie kamen durch Philadelphia und wurden schliesslich in Reading einquartiert. Die Offiziere wurden ausgewechselt und kehrten im Dezember 1780 nach New-York zurück.
Von den 6 Schiffen, in welchen die Regimenter von Knyphausen und Lossberg untergebracht waren, kehrte eins mit seiner Besatzung glücklich nach New-York zurück; über das Schicksal von einem habe ich nichts Bestimmtes ausfindig machen können; eins wurde mit Mann und Maus vom Meere verschlungen; zwei wurden durch den Sturm seeuntüchtig gemacht und nachher von amerikanischen Privateers genommen.
Das noch übrige (sechste) Schiff, der »Badger«, mit einer Abteilung des Regiments Lossberg, verlor seinen Vorder-und Hauptmast im Sturm. Es wurde dann von zwei kleinen Privateers angegriffen, die sie zwei Tage lang verfolgten und beschossen, dann aber wegen der entschlossenen Haltung der Hessen wieder abziehen mussten. Am 9. Oktober jedoch griff ein Privateer mit 12 Geschützen den Badger an, und letzterer, der keine Kanonen hatte, war gezwungen sich zu ergeben. Ein Lieutenant, drei Fähnriche und 20 Mann, sowie die gesamte Ausrüstung der übrigen Hessen wurden an Bord des Privateer gebracht. Letzterer scheint zunächst den Badger, auf dem ein hessischer Kapitän, der krank war, mit einem Arzt und den meisten Gemeinen verblieben, noch in seiner Gewalt behalten zu haben. Den Journalen nach steht fest, dass die Fregatte Solebay am folgenden Tag den Badger von dem Privateer befreite und glücklich nach New-York brachte.
Kapitel XXI.
Savannah, Charleston und Pensacola, 1778 bis 1781.
Das Bündnis zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten erhöhte die Möglichkeit der schliesslichen Unabhängigkeit der letzteren. Es war deshalb wichtig, den Amerikanern so viel Gebiet als möglich streitig zu machen, wenn auch nicht ihre Haupt-Armee vernichtet werden könnte. Lord George Germaine hoffte, dass die dünn bevölkerten südlichen Provinzen schnell zum Gehorsam zurückzubringen wären und dass die königliche Autorität vom Golf von Mexico bis zum Susquehanna-Fluss hergestellt werden würde.
Ein weiterer Vorteil sollte dadurch gewonnen werden, dass man die Nord- und Südstaaten gleichzeitig besetzte. Der Sommer und Herbst waren die Zeit der Thätigkeit in den ersteren, Winter und Frühjahr in den letzteren. Der britische General, der seine Truppen zur See befördern konnte, brauchte nur, wenn das Wetter die Operationen behinderte, in den betreffenden Landesteilen soviel Truppen zurückzulassen, als zur Verteidigung nötig waren, und behielt so überall das Übergewicht, welches sehr wichtig war.
Am 6. November 1778 wurden ungefähr 3500 Mann unter Oberstlieutenant Campbell in New-York eingeschifft. Zwei hessische Regimenter nahmen an dieser Expedition teil. Die Transportschiffe wurden durch schlechtes Wetter am Auslaufen verhindert und konnten nicht vor dem 27. Sandy Hook verlassen. Sie erreichten Savannah erst am 24. Dezember nach stürmischer Überfahrt. Die Truppe landete am 29. und schlug einige 800 Amerikaner, die den Versuch machten, Widerstand zu leisten, töteten und verwundeten ungefähr 80 und machten 400 Gefangene. Beinahe 50 Kanonen, beträchtliche Vorräte und mehrere Schiffe fielen in die Hände der Briten, deren Verlust, eingerechnet Hessen und Tories, 20 Mann tot und verwundet betrug.
Die Stadt Savannah bestand aus ungefähr 600 leicht gebauten Häusern. Die meisten Einwohner waren mit den Rebellen weggelaufen und hatten soviel Sachen mitgenommen, als sie nur tragen konnten. Mahagonie-Möbel lagen zerbrochen in den Strassen -- ein trauriger Anblick. Die Hessen, erzählt man, hätten nicht geplündert, wie die andern Truppen. Sie waren in den neuen Baracken der Stadt einquartiert.
Im Januar langte General Prevost von St. Augustin an, um den Befehl über die Armee zu übernehmen. Darauf begann die zahllose Reihe von Märschen, welche diese südliche Kampagne auszeichnete. Augusta wurde besetzt, dann wieder aufgegeben. General Lincoln ging mit einer amerikanischen Armee gegen Augusta vor, General Prevost entschlüpfte ihm aber heimlich und bedrohte Charleston. Lincoln kehrte von Georgia zurück und Prevost zog sich nach Johns Island an der Küste von Süd-Karolina zurück. Schliesslich wurde Beaufort eingenommen und Johns Island von den Briten verlassen, deren Haupt-Armee nach Savannah zurückkehrte.
Während dieses Feldzuges ereigneten sich eine oder zwei Begebenheiten, die besonders die Hessen betrafen. An einem Fleck, Stono Ferry genannt, war ein kleines Befestigungswerk errichtet worden, ursprünglich ein Brückenkopf. Es war von Johns Island durch eine Wasserstrasse getrennt, und die Brücke, welche es einst deckte, war abgebrochen worden. Das Befestigungswerk war von dem Regiment von Trümbach, einem Bataillon Hochländern, im Ganzen 500 Mann, besetzt. Dieser Posten wurde am 19. Juni 1779 von Lincolns Armee angegriffen. Die Hessen wichen zuerst zurück, wurden aber von den Hochländern unterstützt. Sie sammelten sich und gingen wieder vor. Die Amerikaner zogen sich dann bei dem Herannahen von deutschen und schottischen Verstärkungen zurück.
Ungefähr zu dieser Zeit kam es in den Gewässern um Johns Island zu zwei verschiedenen Gefechten zwischen hessischer Artillerie und kleinen Schiffen, beziehungsweise Galeeren des Feindes. Bei beiden Gelegenheiten waren die Hessen siegreich, zwangen den Feind zum Rückzug und machten die beteiligten Schiffe kampfunfähig. Es wird erzählt, dass auf einem derselben, der Rattlesnake, mehrere Kanonen und Fahnen, welche von Ralls Brigade erbeutet waren, wieder genommen wurden. Auf welche Weise diese Trophäen nach Süd-Karolina kamen, wird nicht erwähnt.
Am 4. September 1779 erschien die französische Flotte unter Graf d'Estaing plötzlich vor der Mündung des Savannah-Flusses. Sofort wurden alle ausserhalb liegenden Detachements der britischen Armee nach Savannah berufen. Am 23. vereinigten sich Lincoln und seine Leute mit den Franzosen, die von Charleston kamen, und Freiwillige von Süd-Karolina strömten in ihr Lager. Während nun d'Estaing regelrechte Laufgräben anlegte, verstärkten die Soldaten der Besatzung mit den Negern der Stadt zusammen eiligst die Befestigungswerke. Für die französische Flotte war es in Betreff der Jahreszeit zu spät geworden, um mit Sicherheit an der Küste zu bleiben. d'Estaing beschloss einen Angriff zu versuchen. Dieser aber hätte vorher gemacht werden sollen, bevor britische Verstärkungen von Beaufort her eingetroffen und bevor ihre Werke verstärkt worden waren, oder er hätte aufgeschoben werden sollen, bis diese lahm gelegt waren. Der Angriff wurde am 9. Oktober unternommen. Franzosen sowohl wie Amerikaner schlugen sich tapfer und pflanzten ihre Banner auf den Wällen von Savannah auf, doch wurden sie mit grossen Verlusten zurückgeschlagen. Oberst von Porbeck vom Regiment von Wissenbach wurde in Prevosts Bericht lobend erwähnt. Eine Woche später segelten die Franzosen ab, während ein Teil der Amerikaner mit Lincoln nach Charleston zurückkehrte und die übrigen sich in ihre Heimat zerstreuten.
Im Sommer 1779 plante Sir Henry Clinton eine Unternehmung gegen Charleston. Die Ausführung wurde wegen der Nähe der französischen Flotte verschoben, doch als diese nach Europa zurückging, wurde ein Korps von ungefähr 8500 Mann in New-York formiert. Dasselbe bestand aus Engländern, Tories und Hessen. Von den Hessen waren die 4 Grenadier-Bataillone, 1 Regiment Infanterie und ungefähr 250 Jäger ausgewählt. Bei den letzteren befanden sich Kapitän Ewald und Lieutenant Hinrichs. Generallieutenant von Knyphausen war als Befehlshaber in New-York belassen worden. Sir Henry Clinton befehligte die Expedition persönlich. Die Soldaten wurden um den 19. Dezember eingeschifft, konnten aber wegen des Wetters nicht vor dem 29. in See gehen. Die Fahrt war eine sehr stürmische, und als in den ersten Tagen des Februar 1780 der Hauptteil der Flotte an der Mündung des Savannah-Flusses ankam, fehlten eine Menge Transportschiffe. Eine Barke, die Anna, mit 30 hessischen und anspachischen Jägern und andern Soldaten, hatte Anfang Januar die Masten verloren und war von einem Kriegsschiff ins Schlepptau genommen. Bei einem darauffolgenden Sturm riss das Tau, und die Anna fiel nun als segelloser Schiffs-Rumpf dem Spiel der Wellen anheim. Während acht Wochen wurde diese Barke mit 250 Seelen an Bord von den westlichen Winden fortgetrieben. Sie war nur für einen Monat und für 100 Mann verproviantiert, so dass sich bald Hungersnot einstellte. Die Hunde wurden geschlachtet; zuletzt wurden die Knochen zu Mehl gerieben und dieses mit der Brühe aus den Fleischfässern und Hobelspänen zu einer Mahlzeit bereitet. Schon machte der Kapitän den schrecklichen Vorschlag, mit Menschenfleisch das elende Leben zu fristen und zuerst die Frauen zu opfern, aber alle wiesen solches mit Abscheu zurück. Endlich zeigte sich Land, es war die irische Küste. Das Schiff strich aber an einer Klippe an und erhielt ein Leck. Die Verzweiflung steigerte sich, als man bemerkte, dass der Kapitän von der Küste abhielt. Auf Befragen gab er an, dass hier keine erlaubte Anfahrt sei und den königlichen Lootsen 30 Guineen bezahlt werden müssten. Daraufhin wurde er in dem unteren Schiffsraum festgesetzt, und der Obersteuermann übernahm das Kommando der Barke. Dieser brachte sie bis vor St. Ives in Cornwallis, von wo, auf Notschüsse hin, zwei Boote mit einem Lootsen und einem Schiffszimmermann zur Hilfe herbeieilten. Der letztere war angesichts der verhungerten Hessen derartig erschrocken, dass er eiligst wieder von dannen ruderte. Dem Lootsen gelang es, die Barke an das Land heran zu bringen, gerade als sie anfing zu sinken, und die Bemannung wurde schliesslich gerettet.
Die englische Flotte wartete bei Tybee Island bis zum 9. Februar 1780, um die zerstreuten Transportschiffe wieder zu sammeln. Darauf ging sie wieder in See, und am 11. drangen alle Schiffe bis auf die grossen Kriegsschiffe in die Mündung des North Edisto River ein; bei Simons Island wurden die Truppen ausgeschifft. Einen ganzen Monat lang brachten die Soldaten emsig Vorräte und Geschütze an Land, um dort festen Fuss zu fassen, sie drangen dabei über die sandigen Inseln südwestlich von Charleston Harbor vor. Nicht vor dem 12. März wurde das Feuer von Wappoo Neck aus auf die Stadt eröffnet, und erst am 29. ging die britische Armee über den Ashley-Fluss. Inzwischen stiegen die Schanzen aus dem Sand bei Charleston wie die Pilze empor.
Weder der Landung, noch dem Vordringen der feindlichen Armee wurde ein ernstlicher Widerstand entgegengesetzt. Die Gelegenheit, um Widerstand zu leisten oder wenigstens um die Briten zu beunruhigen, war jedenfalls genügend vorhanden, doch wäre hierfür ein fähigerer und mehr energischer Befehlshaber als Lincoln nötig gewesen. Die Angreifer waren nach einer langen und beschwerlichen Reise gelandet und hatten keine Pferde, um ihre Kanonen und Vorräte herbeizuschaffen. Das einzig richtige Verhalten für Lincoln wäre wohl gewesen, wenn er Washington nachgeahmt hätte in seinem Feldzug vor den Ereignissen von Philadelphia. Er hätte eine Schlacht wagen und falls er geschlagen worden wäre, Charleston aufgeben und seine Armee zum Schutz der Südstaaten erhalten sollen. Diese waren nun dem Morden und Plündern überliefert. Der Krieg in den Karolinas und in Virginien kennzeichnete sich durch einen gewissen Grad von Barbarei, der in den östlichen und Mittel-Staaten seinesgleichen nicht fand, ausgenommen die kleinen Plündereien in der Umgebung von New-York. Schon im vorhergehenden Jahre hatten Prevosts Soldaten diese barbarische Art der Kriegführung begonnen. Die Spuren ihrer Thätigkeit waren in jedem Hause auf den Inseln, die sie bei Charleston besetzt hatten, sichtbar.
Während Lincoln seine Erdwerke in der Stadt aufwarf, erhielten die Engländer Verstärkungen von Savannah her. Die Kriegsschiffe, mit Ausnahme der schwersten, wurden gehoben, über die Sandbank gebracht und wiederhergestellt. Fort Moultrie verteidigte währenddessen die Stadt, die amerikanischen und französischen Schiffe den Hafen; zwischen diesem und Charleston hatten die Belagerten Schiffe versenkt, um die Einfahrt zu sperren. Kleine Abteilungen Amerikaner beobachteten die Bewegungen der Briten. Am 26. März unternahmen Sir Henry Clinton und mehrere Generale einen Ritt, um Colonel Patterson entgegenzugehen, welcher Verstärkungen von Savannah brachte. Sie kehrten glücklich zurück, obwohl sie ohne Escorte waren; ein Tory-Oberst und ein Hospital-Inspektor aber, die eine kurze Strecke hinter ihnen her ritten, wurden gefangen genommen.
Ewald erzählt mit Befriedigung, wie er einmal auf Johns Island in South Karolina im Frühjahr 1780 eine Stellung rekognosziert hätte, indem er ruhig bis an einen feindlichen Posten herangegangen wäre, seinen Hut abgenommen und eine Unterhaltung mit dem befehligenden Offizier angeknüpft hätte. Dieser Aussenposten war von Pulaskis Legion gestellt worden, deren Offiziere Polen und Franzosen waren, in deren Galanterie der deutsche Kapitän Vertrauen hatte -- eine Galanterie, für die die eingeborenen Amerikaner kein Verständnis haben konnten noch wollten.
Am 30. März 1780 lagerte die englische Armee einige 3000 Yards vor den Linien von Charleston. Gegen Abend standen die Pickets der hessischen Jäger etwa eine Meile vor der Stadt. Vor ihnen lag eine flache, sandige Ebene ohne jedes Haus oder einen Baum oder Busch. Die einzig mögliche Deckung gewährten einige Gräben. In der Nacht auf den 31. März wurde die erste Parallele eröffnet. Am folgenden Morgen begannen die Einwohner ihre Familien und Wertgegenstände auf Booten den Cooper River hinauf zu befördern, der einzige Weg, der offen geblieben war. Stromabwärts kamen am 7. April 700 Virginian Continentals zur Verstärkung der Besatzung. Sie wurden mit Glockengeläute und Artillerie-Salven empfangen. Nacht auf Nacht wurde die Arbeit in den Trancheen fortgesetzt. Die Artillerie des Verteidigers bemühte sich vergeblich, diese Arbeit zu stören.
Am Nachmittag des 8. April war der Himmel mit Wolken bedeckt, es war Flut eingetreten und der Wind blies stark von Süden her. Sieben Kriegsschiffe und ein Transportschiff, in einer Linie hintereinander segelnd, näherten sich Fort Moultrie. An der Spitze befand sich Admiral Arbuthnot in einem kleinen Boot, mit dem Blei in der Hand, um die Tiefe zu messen. Das Feuer vom Fort aus war furchtbar. Der »Roebuck«, das Têtenschiff, segelte dicht an die Werke heran, gab eine Breitseite ab und fuhr unverletzt weiter in den Hafen. Das zweite Schiff verlor ein Stück von einem Mast. Ein anderes legte sich dicht vor das Fort und unterhielt ein unaufhörliches Feuer, so dass das ganze Schiff wie ein langer Blitzstrahl erschien. Das ganze Geschwader gelangte in den Hafen mit Ausnahme des Transportschiffes, welches auf den Grund fuhr und in Brand gesteckt wurde. Das schöne Bild wurde von Tausenden von Zuschauern beobachtet. Die Amerikaner versammelten sich auf den Wällen der Stadt, die Engländer und Deutschen stiegen auf ihre Belagerungswerke. Die Operationen in der Bai hatten ihr Interesse so sehr in Anspruch genommen, dass das Gefecht an Land so lange unterbrochen wurde. Sobald das zweite Schiff das Fort passiert hatte, verschwanden die Amerikaner von den Wällen von Charleston und bald darauf sah man eine Menge kleiner Boote auf dem Cooper River, welche die Furchtsamern der Einwohner wegbeförderten.
Die Verbindung zwischen Fort Moultrie und Charleston war nunmehr abgeschnitten. Jedoch fand die britische Flotte ihr weiteres Vordringen durch eine Linie von versenkten Schiffen gehindert und konnte nicht den Cooper River hinaufsegeln, um die amerikanischen Werke im Rücken zu fassen. Da einige Schiffe im Fluss den Operationen des Belagerers hinderlich waren, wurden mehrere grosse Ruderboote über Land geschleppt. Das zu diesem Zweck gebrauchte Transportmittel wurde von hundertundvierunddreissig Negern gezogen. Die Arbeit an den Approchen ging unaufhörlich weiter, jedoch die Belagerung wurde dadurch, dass einige der schweren Geschütze und die meisten Pferde auf See verloren gegangen waren, etwas verlangsamt. Der Belagerungs-Park wurde durch Schiffsgeschütze versorgt, die mit grosser Mühe über Land von James Island her gebracht wurden. Am 13. April wurde von der hessischen Artillerie lebhaft gefeuert, wodurch mehrere Häuser in Brand gerieten. Sir Henry Clinton befahl seinen Batterien, das Feuer zu mässigen, damit der Brand gelöscht werden könnte. In der folgenden Nacht wurde die zweite Parallele eröffnet, bald darauf aber begannen die Amerikaner Gegen-Approchen anzulegen, so dass nicht nur Artillerie-, sondern auch Musketen-Feuer zur Verwendung kam. Jedoch am 20. waren die Belagerungsarbeiten so weit vorgeschritten, dass die Jäger im Stande waren, Leute durch die Schiessscharten der Befestigungswerke zu treffen und das Bedienen der Geschütze sehr gefährlich zu machen. Die dritte Parallele wurde in der darauffolgenden Nacht eröffnet und am 21. bot Lincoln, der am Tage, nachdem die Flotte Fort Moultrie passiert, seine Übergabe verweigert hatte, die Kapitulation an. Die Feindseligkeiten wurden sechs Stunden lang aufgehoben, aber nach Ablauf derselben erneuert, da die Generale sich über die Bedingungen nicht einigen konnten. Am 24. machten die Amerikaner einen Ausfall und drangen an einzelnen Stellen bis zur zweiten Parallele vor, wurden aber sofort wieder in die Stadt zurückgeworfen. Am 26. nahmen die Briten ein Fort in Besitz, welches den Cooper River beherrschte, sodass die Belagerten nunmehr völlig in Charleston eingeschlossen waren.
In der Nacht zum 3. Mai ruderte eine Abteilung aus dem Lager des Angreifers heimlich an einen Dreimaster heran, welcher dicht vor der Stadt lag. Sie erkletterten das Deck, welches sie unverteidigt fanden, lichteten die Anker und nahmen das Schiff mit in die britischen Linien. Am nächsten Morgen, als sie bei der Untersuchung ihrer Beute hinunter stiegen, ergab es sich, dass es ein Lazarethschiff war, gefüllt mit Pockenkranken.
Die Belagerung näherte sich ihrem Ende. In der Nacht zum 7. Mai 1780 wurde Fort Moultrie von Seeleuten genommen. Am 8. wurden die Verhandlungen wegen der Übergabe wieder aufgenommen, jedoch abermals abgebrochen; bis schliesslich am 11. Clintons Bedingungen durchgesetzt wurden, welche darin bestanden, dass die Besatzung mit verhüllten Fahnen und klingendem Spiel (aber nicht mit einem englischen oder hessischen Marsch) ausmarschieren und ausserhalb derselben die Waffen niederlegen sollten. Die Continentals wurden kriegsgefangen, die Miliz sollte auf Ehrenwort in die Heimat zurückkehren. Auf Grund dieser Kapitulation marschierten die Continentals am 12. aus; die Musik spielte einen türkischen Marsch. Die Offiziere durften ihre Säbel behalten, mussten sie aber einige Tage später abliefern, weil sie »Unordnung« in der Stadt hervorrufen würden. Die Besatzung war in einen sehr zerlumpten und bedauerlichen Zustand herabgesunken. Sie war nicht viel mehr als halb so stark als die Belagerer, die amerikanische Miliz mit inbegriffen. Die Continentals waren ungefähr 2500 Mann stark, die englische Armee wenigstens 12000 Mann. Die Stadt war nur durch Erdwerke verteidigt, und eigentlich mehr ein verschanztes Lager als eine Festung. Der Verlust der Belagerer an Toten und Verwundeten ist in einem hessischen Journal auf 265 Mann angegeben.
Die Stadt Charleston hatte ungefähr 15000 Einwohner und war eine der reichsten und schönsten Städte in Nord-Amerika. Die grossen und schönen Häuser waren nicht dicht nebeneinander gebaut, sondern es war der bessern Luft wegen viel freier Raum gelassen. Sie waren sehr gut eingerichtet mit Mahagoni-Möbeln und Silbergerät, und es wurde viel auf Reinlichkeit gehalten. Die Strassen waren ungepflastert und sandig, hatten aber auf den Seiten einen schmalen Fussweg. Selbst im Mai war der Staub unerträglich. Die meisten reichen Familien waren bei der Annäherung der Briten geflohen. Es waren auch viel Deutsche und deutsche Juden in der Stadt, und viele Ärzte wegen des ungesunden Klimas. Die Frauen, wenigstens die meisten von denen, die zurückgeblieben waren, waren bleich und hässlich. Der Ort war natürlich voll von Negern, die die Hälfte der Bevölkerung ausmachten.
Die Neger waren im britischen Lager angesammelt, zwei Transporte von ihnen waren Ende Februar von Savannah aus geholt worden. Die Sklaven der Rebellen waren konfisziert worden. Diese Sklaven in Süd-Karolina waren die am meisten heruntergekommenen auf dem Kontinent und von ihren frühern Besitzern am schlechtesten behandelt worden. Die Feldarbeiter unter ihnen erhielten, einem hessischen Journal zufolge, täglich gewöhnlich ein Quart Reis oder Indian corn, das sie halb gekocht assen, da sie es in dieser Zubereitung nahrhafter fanden als ganz gekocht. Viele hatten kaum einen Lappen, um ihre Blössen zu bedecken. Nur wenige verstanden Englisch. Am 31. Mai bekam jedes Regiment, das nach New-York ging, zehn Sklaven. Die Neger bildeten einen Teil der Kriegsbeute, und Tausende wurden zum Verkauf nach West-Indien verschifft.
Anfang Juni segelte Sir Henry Clinton nach New-York. Mit ihm gingen die hessischen Grenadiere und Jäger, einige hessische Regimenter blieben zurück.