Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783

Part 15

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Ungefähr um 4 Uhr war alles bereit. Donop forderte darauf seine Offiziere mit einigen Worten auf, sich tapfer zu verhalten. Sie stiegen alle ab und zogen ihre Säbel, nahmen ihre Plätze in der Front ihrer Bataillone ein, und der Angriff begann. Die Hessen gingen im Laufschritt vor, überstiegen die alten nicht mehr gebrauchten Linien mit ihrem Schlachtruf, erreichen den Verhau, wurden aber durch Wolfsgruben und einen Graben überrascht, zu dessen Füllung sie nicht genug Faschinen hatten. Drei amerikanische Galeeren, die im Flusse lagen, unterhielten ein lebhaftes Feuer auf die hessische rechte Flanke. Einige der Hessen erklommen den Wall des Hauptforts. Sie wurden sofort zurückgeworfen. Donop wurde, von einer Musketenkugel in die Hüfte getroffen, tötlich verwundet. 22 Offiziere waren tot oder verwundet, darunter die Kommandeure sämtlicher Bataillone. Die Hessen machten Kehrt und zogen sich zurück, indem sie viele Verwundete liegen liessen. Oberstlieutenant von Linsingen sammelte die Trümmer der Brigade und brachte sie am nächsten Tage unbelästigt nach Philadelphia. Zwei englische Schiffe, welche versucht hatten, sich an dem Kampfe zu beteiligen, waren auf den Grund gelaufen. Eins davon flog am nächsten Tag durch das Feuer der amerikanischen Galeren und schwimmenden Batterien in die Luft; das andere war in Brand gesteckt und verlassen worden.

Die Hessen waren zurückgegangen, die Nacht war hereingebrochen, und ein Teil der Besatzung kam aus dem Fort heraus, um den Verhau wiederherzustellen und für die Verwundeten zu sorgen. Mehrere hessische Grenadiere wurden dicht hinter der Brustwehr vorgefunden, wohin sie sich verkrochen hatten und wo die Kugeln über ihre Köpfe hinweggingen. Die armen Kerls konnten ohne Unterstützung nichts machen und fürchteten sich, wegzulaufen. Sie wurden in das Fort aufgenommen. Unter denen, die heraus kamen, um den Verhau wieder in Stand zu setzen, war auch Kapitain du Plessis. Diesen rief Donop mit den Worten an: »Wer Du auch sein magst, trage mich von hier weg.« Du Plessis liess den Oberst in das Fort tragen. Als er hineingebracht wurde, riefen einige Soldaten laut, die entweder nicht wussten, dass seine Wunde tötlich war, oder noch aufgeregt von der Schlacht und eingedenk der Drohungen, mit denen sie noch vor wenigen Stunden begrüsst worden waren: »Wohlan, ist es ausgemacht, dass kein Quartier gegeben werden soll?« »Ich bin in Eurer Hand,« antwortete der Oberst, »Ihr könnt Euch rächen.« Du Plessis hatte keine Schwierigkeit, die Soldaten zu beschwichtigen, und schenkte dann seine ganze Aufmerksamkeit dem verwundeten Manne. »Mein Herr,« sagte der Letztere, »Sie scheinen ein Fremder zu sein; wer sind Sie?« »Ein französischer Offizier,« antwortete du Plessis. »Dann bin ich zufrieden,« sagte Donop auf Französisch, »ich sterbe in den Armen der Ehre.«

Der hessische Oberst lebte noch drei Tage nach dem Angriff und unterhielt sich viel mit du Plessis. Er bat den Letzteren, ihm zu sagen, wenn der Tod nahe sein würde. Du Plessis willfahrte seiner Bitte. »Das ist ein frühes Ende für eine schöne Laufbahn,« sagte Donop, »aber ich sterbe als das Opfer meines Ehrgeizes und der Habsucht meines Monarchen.«[4]

[4] Eelking bestreitet die Richtigkeit des letzten Teils der Worte des sterbenden Donop.

Die Zahl der bei Redbank gefallenen, verwundeten und gefangen genommenen Hessen betrug 379, einschliesslich 22 Offiziere. Die Amerikaner hatten 37 Tote und Verwundete.

Diese brillante Verteidigung gewährte jedoch nicht andauernd dem Sieger die Gewalt über den Fluss. Am 9. November eröffneten die britischen Batterien das Feuer auf Fort Mifflin. Das Bombardement dauerte 6 Tage und Nächte. Mehr als 12000 Schüsse sollen dabei gefallen sein. Am 15. kam auch noch die englische Flotte, um sich an dem Kampf zu beteiligen. Ein Kriegsschiff mit 16 Vierundzwanzig-Pfündern und ein grosser Indiaman mit 3 Kanonen von demselben Kaliber wurden so nahe an das Fort herangebracht, dass man von ihrem Takelwerk Handgranaten hineinschleudern konnte. 5 grosse Schiffe hatten auf der andern Seite Aufstellung genommen. Die Landbatterien hatten 30 Geschütze. Die Blockhäuser des Forts, die gute Dienste geleistet hatten, waren in Stücke zerschossen worden. Eine Menge Kanonen waren zum Schweigen gebracht. In der Nacht vom 15. zog sich die Besatzung nach Fort Mercer zurück. Cornwallis wurde abgesandt, um es einzuschliessen, so dass Washington nicht im Stande war, es zu verstärken. Das Fort wurde am 20. November verlassen, die Baracken angezündet und die Magazine in die Luft gesprengt. Die amerikanischen Schiffe auf dem Flusse wurden ebenfalls verbrannt. Cornwallis vervollständigte die Zerstörung des Forts, dessen Wälle rasiert wurden.

Kapitel XVII.

Der Rückzug der Briten durch New-Jersey, Januar bis Juli 1778.

Philadelphia scheint den Hessen nicht recht gefallen zu haben. Wiederhold nennt, nachdem er aus der Gefangenschaft zurückgekehrt ist und nach seinem gefühlvollen Abschied in Fredericksburg, die Quäker-Stadt »einen Sammelplatz aller Religionen und Nationen, folglich ein Mischmasch aller Sekten und Glaubensgenossen, nicht weniger ein confluens canaillorum«, und glaubt, »dass es den Städten Sodom und Gomorrah in Ansehung aller Laster nichts nachgiebt«.

Ein anderer Offizier beklagt sich über das Klima und sagt, dass die Wälder und Moräste das Land ungesund machen. Diesem Beobachter zufolge erreichen die Pflanzen und Tiere in Pennsylvanien nicht ihre eigentliche Grösse, und die Menschen sind krank und neigen zu Geisteskrankheiten, »eine Verrückung der Sinne, die vom gepressten, nicht vom kochenden Blut herrührt ... Von 100 Leuten hat nicht einer eine gesunde Gesichtsfarbe.« Es ist wahrscheinlich, dass die Schwierigkeit, in der halbblockierten Stadt frische Lebensmittel zu bekommen, nicht ohne Einfluss auf dieses Urteil gewesen ist.

Philadelphia hat seit 1778 sein Aussehen wahrscheinlich weniger verändert als irgend eine andere grosse Stadt der Nord-Staaten. Der hessische Offizier lobt die geraden Strassen, die Seitenwege mit breiten Steinen, die Dachrinnen und Dächer. Er lacht über die Einfalt der Kaufleute, die anzeigen »Tabak, so gut als der bestimportierte«, und stellt die Künste und Industrie als noch sehr in der Kindheit begriffen hin. Keinerlei Arbeit in Elfenbein, Stahl, Stuck, Knochen, Stickerei oder Seide wird gefertigt. »Die Engländer schicken ihnen alles dies, und alles, was sie schicken, ist willkommen. Und obendrein ist der Amerikaner und besonders der Philadelphier so eingebildet, zu glauben, kein Land auf der Erde wäre schöner, glücklicher, reicher oder blühender als ihr kaum knospender Staat.« Dies ist jedoch nicht die Ansicht des Briefschreibers. »Wollte mir der achtbare Graf Pen das ganze Land gegen mein Patent abtreten,« sagt er, »mit der Bedingung, dass ich zeitlebens hier wohnen sollte: kaum thäte ich es.«

Anfang Dezember rückte Sir William Howe von Philadelphia ab, um einen Entscheidungskampf herbeizuführen. Die Armeen standen sich drei Tage lang in der Nähe von Chestnut-Hill, ungefähr 11 Meilen von der Stadt, gegenüber. Ihre Märsche, Contremärsche und Plänkeleien deuteten auf Vorbereitungen zur Schlacht hin; als aber der englische General merkte, dass Washingtons Stellung zu stark war, um sie anzugreifen, zog er sich stille wieder nach Philadelphia zurück.

Zwei Fouragierungen wurden im Laufe dieses Monats unternommen, zu dessen Ende die britische Armee Winterquartiere bezog. 11 Redouten wurden zwischen dem Delaware und Schuylkill gebaut; deren Linie lief die Morris-Höhen entlang; jede war von einem Kapitän und 50 Mann besetzt, die alle 24 Stunden abgelöst wurden. Die Picketlinie wurde am Schuylkill den Provinzialen, am Delaware den hessischen Jägern anvertraut; letztere waren bei Holland Ferry und Greenwich Point postiert.

Während Washingtons Armee bei Valley Forge beinahe an allem, was zum Leben notwendig ist, Mangel litt, hatten die Briten in Philadelphia alles, was sie wollten, und verbrachten den Winter in Ruhe, Gesundheit und Fröhlichkeit. Sie lagen dort nicht sehr eng; viele Häuser der abwesenden Rebellen wurden zu Barracken benutzt. Ein Teil der Soldaten fand bei den Einwohnern, die in der Stadt verblieben waren, Quartier. Der Dienst war leicht. Sir William Howe, der bereits um seine Abberufung gebeten hatte, war froh und wohlgemut. Die Stadt schien nicht sehr voll von Soldaten zu sein. Den Amerikanern gelang es nur insoweit, ihnen die Zufuhr abzuschneiden, als durch sie dieselbe sehr verteuert wurde.

Am 18. Mai 1778 wurde für Sir William Howe eine Abschiedsfeier veranstaltet, und am 19. und 20. machte dieser General einen vergeblichen Versuch, ein Korps von 2500 Mann unter General Lafayette, der sich in die Nähe von Philadelphia gewagt hatte, gefangen zu nehmen. Am 24. übergab Howe das Kommando an Sir Henry Clinton. Bevor er Amerika verliess, sandte er schmeichelhafte Schreiben an die Kapitäns Ewald und Wreden von den Jägern.

Inzwischen war in Philadelphia das Gerücht laut geworden, dass der König von Frankreich einen Vertrag mit den rebellischen Kolonien abgeschlossen hätte, und dass bald eine französische Flotte den Eingang zur Delaware Bay bedrohen und die Verbindung zu Wasser mit New-York abschneiden könnte. Mit andern Worten, wie die guten Deutschen es sich auslegten: »eine starke französische Flotte mit vielen Tausend Landtruppen und Kavallerie war von Brest ausgelaufen und nach Amerika unterwegs, unter dem Vorwand, Bundesgenossen des Kongress zu sein, in Wirklichkeit aber mit der Absicht, auf diesem Kontinent festen Fuss zu fassen.«

Es war das Nahen der französischen Flotte, und gleichzeitig waren es die aus England erhaltenen Befehle, welche Sir Henry Clinton veranlassten, Philadelphia aufzugeben und sich nach New-York zurückzuziehen. Ein Teil der Baggage der Armee wurde an Bord der englischen Schiffe gebracht, und ungefähr 3000 Tory-Einwohner bereiteten sich vor, ihren Beschützern zu folgen und ihr Heimatland zu verlassen. Die Strassen, welche wie die einer deutschen Stadt in glücklicher Zeit ausgesehen hatten, waren nun verlassen. Vor vielen Häusern standen Haufen von Möbeln, um versteigert zu werden. Die Einwohner gingen mit traurigen Gesichtern einher, manche aber frohlockten im Stillen.

Im Laufe des November waren die anspachischen Regimenter von New-York nach Philadelphia gebracht worden. Sie wurden nun wieder zu Schiff nach New-York befördert, anstatt an dem Marsch durch New-Jersey teilzunehmen. Unter den Amerikanern ging das Gerücht, dass der britische Befehlshaber sich auf diese beiden Regimenter nicht hätte verlassen können. Die Deutschen meinten, dass sie ihre Unfähigkeit im Marschieren bewiesen hätten. Es waren die Regimenter, die bei Ochsenfurt gemeutert hatten.

Vom 14. bis 18. Juni 1778 dauerte die Räumung Philadelphias seitens der Engländer und Hessen. Trotzdem, dass viel Baggage zur See befördert worden war, zählte der Train doch noch 1500 Wagen. Die Schiffe auf den Werften und Stapeln wurden verbrannt. Die Amerikaner störten weder diese Vorbereitungen, noch bedrängten sie die abziehenden Truppen ernstlich. Am 18. Juni begann der Abmarsch der Armee. Der Weg führte über Haddonfield, Mount Holly, Monmouth Court House und die Neversink Hills nach Sandy Hook. Amerikanische Streifparteien zerstörten die Brücken vor der Front der Briten und belästigten Flanken und Rücken der Armee. Die Hitze war schrecklich; viele Leute starben am Sonnenstich. Die New-Jersey-Moskitos thaten ihre Arbeit derartig, dass die Gesichter der Soldaten bis zur Unkenntlichkeit angeschwollen waren. Bis zum 25. Juni war beinahe ein Drittel der Hessen infolge der Hitze marschunfähig an den Strassenrändern liegen geblieben. Es kamen auch viele Desertionen vor.

Es ist merkwürdig, dass es angesichts dieser Schwierigkeiten den Amerikanern nicht gelang, den Rückzug erheblich mehr zu erschweren. Viele von Washingtons Unterführern hielten es für unangebracht, den zurückgehenden Feind anzugreifen. Diese Ansicht war hauptsächlich durch Charles Lee vertreten, der als ältester General-Major wohl im Stande war, die Ausführung von Washingtons Plänen beträchtlich zu verhindern. Das Gefecht von Monmouth Court House war für keinen der beiden Teile ein wirklicher Sieg. Die Amerikaner wurden durch Clintons Arrieregarde zurückgedrängt und infolge Lees Unfähigkeit und Unthätigkeit beinahe in die Flucht geschlagen. Es ist Thatsache, dass Washington seine Leute zum Stehen brachte und einen Angriff abschlug, aber der eigentliche Zweck dieses Tages wurde nicht erreicht. Clinton setzte seinen Marsch mit dem Verlust von kaum einem Wagen fort. In der ersten Woche des Juli erreichte die britische Armee Sandy Hook, von wo sie zu Wasser nach New-York übergeführt wurde.

Kapitel XVIII.

Newport, vom November 1776 bis Oktober 1779.

Im November 1776, als die Unterwerfung des Landes in vollem Gange war, detachierte Sir William Howe ungefähr 7000 Mann, von denen etwa die Hälfte Hessen waren, zur Besetzung von Newport. Dieses Korps landete ohne Gegenwehr und verbrachte drei Jahre in Rhode Island, davon den grössten Teil in Unthätigkeit. Nur die letzten Jahre machte sich der Mangel an Mehl und Holz fühlbar. Unzweifelhaft konnten die Leute irgendwo anders besser verwendet werden. Mit 6000 oder selbst mit 4000 Mann mehr unter seinem Kommando hätte Clinton wohl erfolgreicher und wirksamer auftreten können, als er zum Beistand Burgoynes vorging. Es lässt sich aber annehmen, dass, nachdem Sir William Howe Newport in Besitz genommen und keinen bessern Gebrauch mit diesen Truppen zu machen wusste, er wohl fürchtete, an Prestige zu verlieren, wenn er die Stadt wieder aufgeben würde. Im Sommer 1777, vor Eröffnung der Campagne, nahm er einige Regimenter aus der Besatzung heraus.

Im Ganzen glaube ich nicht, dass der Dienst in Rhode Island für die Soldaten sehr beschwerlich gewesen ist. Wenn auch das Mehl knapp war, so war doch Fleisch in Menge vorhanden. Die Bewohner waren zuerst sehr scheu und schlossen ihre Familien ganz ab. Auf Shelter Island lief das Landvolk bei Annäherung der fremden Eindringlinge weg. Sie glaubten, sagt einer, dass die Hessen kleine Kinder aufässen. »Aber mit der Zeit,« schreibt ein Offizier, »wurden sie vertrauter mit uns, lernten unser gebrochenes Englisch verstehen, zeigten uns ihre Familien und liessen ihre Furcht vor uns verschwinden.«

Nachdem man auf guten Fuss mit einander gekommen war, genoss man die grösste Behaglichkeit in den gastfreien Häusern von Newport. Die Einwohner bewirteten ganz nach englischer Sitte. Alle Gerichte wurden auf einmal auf dem Tische aufgetragen. Jeder Gast ass und trank nach Belieben, ohne dass er genötigt wurde. Suppe gab es selten, aber es standen immer vier oder fünf Sorten Gemüse auf dem Tisch, und Kartoffeln gab es zu jedem Gericht. Die Liste der Getränke, welche das vor mir liegende Journal enthält, führt auf: Punsch, Cider, starkes Bier, Porter, Grog, Madeira, Portwein, Claret, Sherry, Toddy, Sangaree und Syllabub. Man trank sich während des Mahles einander zu, und richtige Toaste wurden ausgebracht, nachdem das Tischtuch weggenommen war. Die Toaste gingen rechts herum, die Flasche zur Linken.

Sir Henry Clinton war der erste Befehlshaber dieses Korps, Lord Percy war sein Nachfolger. Letzterer legte das Kommando im Mai 1777 nieder, um nach England zurückzukehren. Die Hoffnungen, die ihn nach Amerika geführt hatten, waren getäuscht worden, denn man erzählte sich, dass er beim Verlassen der Heimat geschworen hätte, nicht ohne den Olivenzweig des Friedens zurückkehren zu wollen. Er war beliebt in Newport, und die Einwohner sandten ihm eine Ergebenheits-Adresse bei seiner Abreise, indem sie ihm eine glückliche und angenehme Reise und eine lang andauernde gute Gesundheit wünschten. »Euer Excellenz erhabener Rang und Charakter,« fügten sie hinzu, »lassen es unnötig erscheinen, Ihnen irgend eine andere Segnung des Lebens zu wünschen.« Als Antwort versicherte ihnen seine Lordschaft, dass es die Pflicht und der Wille eines jeden britischen und hessischen Soldaten gewesen wäre, alle unschuldigen und friedlichen Einwohner zu beschützen.

Die Bewohner von Newport waren mit General-Major Prescott, Lord Percys Nachfolger, weniger zufrieden. Sie hatten aber nicht lange unter ihm zu leiden. Der General hatte sich als Hauptquartier ein einsames Haus ungefähr 4 Meilen von Newport und eine Meile von der nächst gelegenen Truppe ausersehen. Betreffs seiner Sicherheit war er nur auf eine kleine Wache und ein Schiff angewiesen, welches nicht weit von dem Hause vor Anker lag. In der Nacht des 10. Juli 1777, ungefähr um Mitternacht, landete eine Abteilung Amerikaner unter Oberst Barton auf zwei Walfischbooten beim Redwood Creek, schlich sich über die Felder an Prescotts Hauptquartier heran, überwältigte die Wache, brach in das Haus ein, zog den General und seinen Adjutanten aus ihren Betten heraus und schleppte sie mit sich, ohne ihnen selbst Zeit zu lassen sich anzuziehen. Die Boote liefen glücklich Spiessruthen zwischen den britischen Schiffen und beförderten die Gefangenen nach Providence.

Das Kommando ging nun an Majorgeneral Pigot über, und die Dinge nahmen ihren alten Lauf. Beständig wurden Streifzüge nach den benachbarten Inseln und auch auf dem Festland unternommen, um Lebensmittel oder Holz zu holen. Ende Juli wurde wegen Mangel an Nahrung in Newport ein Transport Frauen und Kinder nach Providence gesandt. Es ist aber nicht anzunehmen, dass die Soldaten ernstlich Not gelitten haben. Im Ganzen verlief das Jahr 1777 und die erste Hälfte von 1778 ruhig, obwohl die Amerikaner manchmal thaten, als ob sie die Insel angreifen wollten. Inzwischen hatte Burgoyne Ticonderoga genommen, war auf Albany vorgegangen und hatte sich bei Saratoga übergeben. Howe hatte Philadelphia eingenommen, Clinton es wieder verlassen; der König von Frankreich hatte den Krieg erklärt, und Stunden der Angst waren für die kleine Armee in Newport im Anzug.

Am 15. Juli 1778 kam General Prescott, der ausgewechselt worden war, von New-York mit Verstärkungen. Unter diesen waren die beiden anspachischen Regimenter. Er verkündigte, dass die französische Flotte auf dem Wege nach Amerika wäre, und am 29. erschien auch diese Flotte vor Newport. Sie wurde von Graf d'Estaing befehligt und bestand aus 5 Schiffen mit 74 Geschützen, 6 mit 64 und 3 mit 26 Geschützen. Um 11 Uhr morgens lagen diese Schiffe vor dem Hafen vor Anker. Die Insel Connanicut wurde alsbald von den Deutschen geräumt und von den Franzosen besetzt, die dort einige Vorräte, welche man nicht Zeit genug hatte mitzunehmen, in Besitz nahmen. Die englischen und hessischen Soldaten erwarteten eine sofortige Landung des Feindes auf Rhode Island. Die Stadt war in der grössten Verwirrung und die Tories in Verzweiflung.

Der französische Admiral indessen nutzte seinen Vorteil nicht alsogleich aus. Es dauerte bis zum 8. August, bis er sich den Eintritt in den Hafen erzwang, wozu er die Batterien von Brentons Neck, Kings Fort, Goat Island und North Point zu passieren hatte. Die Kanonade dauerte 1-1/2 Stunden, und das Ende davon war, dass die Flotte bei Connanicut vor Anker ging. Nicht ein Mann in der Stadt war verwundet worden, aber die Schiffe hatten starken Schaden gelitten.

Die Regimenter, welche ausserhalb Newport gestanden hatten, wurden nunmehr herangeholt. General Sullivan war mit einer Rebellen-Armee auf Rhode Island gelandet. Die britischen und deutschen Soldaten standen wie die Schafe in dichtem Gedränge in der Stadt. Sie waren ganz erschöpft von den unausgesetzten Strapazen, denn seit dem Erscheinen der französischen Flotte war jeder brauchbare Mann bei den Verschanzungs-Arbeiten thätig gewesen. 4 Fregatten und 2 kleinere Schiffe waren verbrannt und 1 Fregatte, sowie ein anderes Schiff im Meere versenkt worden, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu lassen. In Newport herrschte grosse Besorgnis, aber am 9. August kam Hilfe. Eine englische Flotte von 36 Segeln unter Lord Howe erschien vor Point Judith. Graf d'Estaing lichtete am nächsten Morgen die Anker, um ihm entgegenzugehen, wobei er sich einer scharfen Kanonade von Seiten der Strand-Batterien aussetzte. Die englische Flotte wich zurück, gefolgt von der französischen. Der 10. war ein Tag der Ungewissheit. Am 11. erhob sich ein heftiger Sturm, welcher beide Flotten zerstreute.

Die französische war es, welche am ersten wieder in Sicht kam. »Nun war alle unsere Hoffnung vergebens,« schreibt der hessische Quartiermeister, »wir sahen uns schon in Gedanken, weil unsere Macht gegen ein so starkes Korps von der Land- und Seeseite zu schwach war, in den Händen unserer Feinde.« Plötzlich, zur Freude und Überraschung der Besatzung, segelte die Flotte fort.

Noch eine Woche länger blieb Sullivan vor den Verschanzungen von Newport, während seine Miliz-Armee immer mehr zusammenschmolz. Am Abend des 28. zog er sich nach dem Nordende der Insel zurück; die Engländer folgten ihm am 29. morgens. Die Amerikaner machten jedoch Kehrt, versetzten ihren Verfolgern noch einen Schlag und verliessen, ohne weiter belästigt zu werden, die Insel. Diese Unternehmung war sehr fehlerhaft geleitet worden. Die Verluste in der Affaire vom 29. betrugen auf jeder Seite zwischen 200 und 300 Mann; hierunter waren 128 Deutsche. Es war gut für die Amerikaner, dass sie sich davon machten, denn am 1. September langte Sir Henry Clinton mit einer Flotte und Verstärkungen im Hafen von Newport an.

Noch länger als ein Jahr verblieben die Briten und Deutschen zwecklos und unthätig auf Rhode Island. Schliesslich im Oktober 1779 wurde wieder eine Flotte auf hoher See sichtbar, aber als sie den Sund entlang segelte, wurde sie als freundlich erkannt. Es ergab sich, dass sie aus Transportschiffen bestand, welche die Besatzung mitnehmen sollte. Sofort wurde die Baggage an Bord der Schiffe gebracht, der Vorrat an Brennmaterialien aber im Stich gelassen. Das traurige Schauspiel, Tory-Familien aus ihrer Heimat fliehen zu sehen, wiederholte sich hier. Es waren mehr da, welche mitgenommen werden wollten, als man in die Schiffe aufnehmen konnte; manche wurden daher gezwungen da zu bleiben und sich der Rache ihrer Nachbarn auszusetzen.

Herzliche Beziehungen waren im Laufe der drei Jahre zwischen den Hessen und Bewohnern von Newport entstanden. General Prescott fürchtete, dass einzelne Soldaten Lust hätten, da zu bleiben, und gab den Befehl, dass an dem Tage, an welchem die Truppen eingeschifft würden, alle Häuser geschlossen werden, und sich niemand, besonders keine Frauen, an den Fenstern zeigen sollten. Mit klingendem Spiel und fliegenden Fahnen marschierten die Regimenter durch die entleerten Strassen und besetzten dann die Boote, welche sie nach den Schiffen befördern sollten. Die feindliche Besetzung von Rhode Island war beendet.

Kapitel XIX.

Die Umgegend von New-York 1777 bis 1779.

Die Geschichte des Revolutionskrieges ist hauptsächlich die Geschichte einer Reihe von wichtigen Unternehmungen, welche mit wechselndem Erfolg gegen verschiedene Teile von Nordamerika geführt wurden. Die kämpfenden Armeen erschienen, fochten und verschwanden wieder. Nur die Stadt New-York blieb vom Sommer 1776 bis zum Herbst 1783 von britischen Truppen besetzt. Auf dem Land, bis auf einen kleinen Tagemarsch von Manhattan Island aus, kehrten die Feindseligkeiten immer wieder. Zu keiner Zeit während der ersten fünf Jahre konnten sich die Bewohner der Dörfer von Central-New-Jersey oder Südwest-Connecticut sicher fühlen. Die Forts am Hudson wurden genommen und wiedergenommen.

Es mag nicht uninteressant sein, an dieser Stelle eine Beschreibung von New-York einzuflechten, wie es mit hessischen Augen während der britischen Besetzung angesehen wurde. Der folgende Auszug ist einem Briefe entnommen, welchen ein Offizier schrieb, der im Sommer 1777 mit Verstärkungen herüber gekommen war und dessen erste Eindrücke folgende sind: