Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783

Part 14

Chapter 143,638 wordsPublic domain

Die Lage der Soldaten, welche nicht in Burgoynes Uebergabe mit eingeschlossen waren, die Gefangenen von Bennington und der Gefechte nördlich Stillwater, war in mancher Hinsicht eine glücklichere. Diese begaben sich zum grösseren Teil in den Dienst Neu-Englischer Farmer. Vielen wurde auch erlaubt, das Lager auf dem Winter Hill zu besuchen, um die »Konventionisten« zum desertieren zu verleiten, wie die Deutschen sagen. Im Frühjahr als die Versuchung, hinaus aufs Land zu kommen, stark wurde, hielt es Riedesel für weise, die Pforte etwas zu öffnen und gab einigen Soldaten Erlaubnis auf den Farmen zu arbeiten, unter der Bedingung einmal in der Woche ins Lager zurückzukommen. Die deutschen Offiziere waren meist in den ungemütlichen Häusern in der Nähe des Hills oder in den Baracken selbst einquartiert. Die Generale hatten indessen gute Häuser in Cambridge. Niemand, ohne Ansehen des Ranges, durfte nach Boston kommen, Baronin Riedesel ging gelegentlich dorthin. Sie sagt, dass die Stadt sehr hübsch wäre, aber bewohnt von heissblütigen Patrioten und voll von gemeinem Volk. Frauen wollten sogar vor ihr ausspucken auf der Strasse. Grosses Verlangen trug die Baronin, Mrs. Carter, die Tochter von General Schuyler, zu besuchen. Diese Dame war sanft und gut wie ihre Eltern, aber ihr Mann, wie Frau von Riedesel meint, böse und falsch. »Sie kamen uns oft zu besuchen und assen auch bei uns mit den andern Generalen. Wir suchten ihnen auf alle Weise unsere Erkenntlichkeit zu bezeigen. Sie schienen auch viel Freundschaft für uns zu haben, und doch war es zur nämlichen Zeit, dass dieser garstige Carter, als General Howe viele Dörfer und kleine Städte angesteckt hatte, den Amerikanern den abscheulichen Vorschlag machte, unseren Generalen die Köpfe abzuhauen, diese in kleine Fässer einzusalzen und den Engländern für jedes angesteckte Dorf oder Städtchen ein solches Fässchen zu überschicken, welcher unmenschliche Vorschlag glücklicherweise nicht angenommen ward.«

»Am 3. Juni 1778 gab ich einen Ball nebst Souper zur Feier des Geburtstages meines Mannes. Ich hatte alle Generale und Offiziere dazu eingeladen. Auch die Carters waren mit dabei. General Burgoyne liess absagen, nachdem er uns bis 8 Uhr abends hatte warten lassen. Er entschuldigte sich immer unter verschiedenem Vorwande zu uns zu kommen, bis zu seiner Abreise nach England, wo er kam und mir grosse Entschuldigungen deshalb machte, worauf ich aber nichts weiter antwortete als, dass es mir würde leid gethan haben, wenn er sich unseretwegen geniert hätte.

»Man tanzte viel, und unser Koch hatte uns ein prächtiges Souper von mehr als 80 Kouverts zubereitet. Überdem war auch noch unser Hof und Garten erleuchtet. Da der Geburtstag des Königs von England Tages darauf als den 4. war, so wurde beschlossen, dass man sich nicht eher trennen wollte, bis man seine Gesundheit getrunken; welches auch mit der herzlichsten Anhänglichkeit an seine Person und sein Interesse ausgeführt wurde.«

»Nie, glaube ich, ist das 'God save the King' mit mehr Enthusiasmus und mit aufrichtigeren Gesinnungen gesungen worden. Sogar meine ältesten beiden kleinen Töchter waren mit dabei, die man heruntergeholt hatte, um die Illumination zu sehen. Alle Augen waren voll Thränen, und es schien, als wenn jeder darauf stolz war, den Mut zu haben, dieses so mitten unter den Feinden zu wagen. Sogar die Carters hatten nicht das Herz sich auszuschliessen. Als die Gesellschaft auseinanderging, sah man das ganze Haus umringt von Amerikanern, die, als sie so viel Leute hineingehen und die Illumination gesehen, den Verdacht geschöpft hatten, dass wir eine Empörung im Sinne hätten; und wenn der mindeste Lärm entstanden wäre, hätte uns dieses können teuer zu stehen kommen.«

»Die Amerikaner, wenn sie ihre Truppen versammeln wollen, setzen brennende Pechfackeln auf die Anhöhen, auf welches Signal Jeder herzueilet. Wir waren einmal Zeugen davon, als der General Howe eine Landung zu Boston versuchen wollte, um die gefangenen Truppen zu befreien. Man erfuhr dieses wie gewöhnlich längst voraus und steckte die Pechtonnen an, worauf man drei oder vier Tage nacheinander eine Menge Leute ohne Schuhe und Strümpfe und die Flinte auf dem Rücken eiligst herzulaufen sah, wodurch bald so viele Leute zusammenkamen, dass eine Landung zu schwer gefallen sein würde.«

Im November 1778 mussten die Braunschweiger die Umgegend von Boston verlassen, wo sie anfingen sich etwas heimisch zu fühlen, und zu dem langen Marsche nach Virginien aufbrechen. Frau von Riedesel begleitete auch hierhin ihren Gemahl; sie hatte eine bequeme englische Kutsche gefunden, in welcher sie die Reise unternehmen konnte. An einem der Orte, an welchem ein Rasttag gehalten wurde, traf sie mit General Lafayette zusammen, den ihr Mann zum Essen lud. Lafayette erzählte ihr viel von der Gnade, die der König von England für ihn gehabt, ihm alles zu zeigen. Die Baronin fragte ihn, wie er es hätte über das Herz bringen können, soviel Gnadenbezeugungen von dem Könige anzunehmen, da er doch im Begriff gewesen wäre abzureisen, um gegen ihn zu fechten. Der Marquis schien etwas beschämt zu sein und antwortete: »Es ist wahr, der Gedanke ging mir durch die Seele, sodass, als mir eines Tages der König anbot, mir seine Flotte zeigen zu lassen, ich erwiderte, dass ich hoffte, sie eines Tages zu sehen, und dann heimlich wegging, um aus der Verlegenheit zu kommen, es noch einmal ablehnen zu müssen.«

Frau von Riedesel hatte auf der Reise Gelegenheit, die Gesinnungen der Bewohner gegen die Gefangenen etwas zu beobachten. In einem Hause, wo sie übernachtete, bemerkte sie eine Menge Fleisch und bat die Wirtin, ihr etwas davon zu überlassen. »Ich habe vielerlei«, antwortete sie, »da ist Rindfleisch, Kalbfleisch und Hammelfleisch.« Der Mund wurde ihr schon wässrig. »Geben sie her«, sagte sie, »ich werde Sie gut bezahlen.« Die Wirtin schlug ihr hierauf ein Schnippchen fast unter der Nase. »Nichts sollt Ihr haben,« schrie sie, »warum seid Ihr aus Euerm Land gekommen, um uns tot zu machen und unser Hab' und Gut aufzuzehren? Nun seid Ihr unsere Gefangenen, so ist nun die Reihe an uns, Euch zu quälen.« »Seht diese armen Kinder,« antwortete die Baronin, »sie kommen fast um vor Hunger.« Die Frau blieb unerbittlich, bis Frau von Riedesels kleines, erst zweieinhalb Jahre altes Töchterchen ihre Hand ergriff und sagte: »Gute Frau, ich bin sehr hungrig.« Darauf nahm sie das Kind mit in die Stube und gab ihm ein Ei. »Nein,« sagte das Kind, »ich habe noch zwei Schwestern.« Das rührte die Frau, sie gab ihr drei Eier und bot der Mutter Brot und Milch an. Frau von Riedesel benutzte diese Gelegenheit, holte ihren Thee herbei, der damals etwas sehr Seltenes war und bot der Frau davon an. Die Baronin ging darauf in die Küche, wo sie deren Mann fand, der einen Schweineschwanz kaute. Diesen reichte er dann seiner Frau, die auch etwas daran kaute und ihn dann zurückgab. Da die Baronin diesem Schauspiel eifrig zusah (»mit Verwunderung und Ekel«), so reichte er ihr auch das beinahe ganz abgenagte Stück hin, und sie konnte nicht anders als es anzunehmen, that so, als ob sie davon ässe und praktizierte es dann sachte in das Feuer. Nun war völliger Friede geschlossen, und die Baronin Riedesel erhielt ihre Kartoffeln und machte eine gute Suppe davon.

Dies war nicht der einzige Fall, dass der Baronin und ihren Kindern die Verpflegung vorenthalten oder ihnen wegen der Unterkunft Schwierigkeiten gemacht wurden. Die Leute, bei denen sie wohnte, waren gewöhnlich heissblütige Revolutionäre. Ein anderes Mal hatte sie ihr Nachtquartier in dem Haus eines Oberst Howe, dem sie ein Kompliment zu sagen glaubte, indem sie ihn fragte, ob er ein Verwandter des englischen Generals jenes Namens wäre. »Gott behüte«, antwortete er, »der ist meiner nicht wert.« »Dieser selbige Oberst hatte eine hübsche Tochter, 14 Jahre alt, aber von böser Gemütsart,« sagt Frau von Riedesel. »Ich sass mit ihr vor einem guten Kaminfeuer, sie sah die glühenden Kohlen an und rief aus: »Ha, wenn ich den König von England hier hätte! Mit welchem Vergnügen schnitt ich ihm den Leib auf, riss sein Herz heraus, zerlegte es, briete es auf den Kohlen und verzehrte es dann.« Ich blickte sie mit Abscheu an und sagte ihr: »Ich schäme mich fast, von einem Geschlecht zu sein, das fähig ist, eine solche Lust zu bekommen.«

Mitte Januar 1779 erreichten die Deutschen Charlottesville in Virginia. Hier fanden sie keine Baracken vor und waren genötigt, sie sich selbst zu bauen. Bald war ein Dorf entstanden, und hier und in anderen Teilen von Virginia brachten sie den Rest ihrer Gefangenschaft zu. Für viele dauerte sie noch bis zum Ende des Krieges. Die Soldaten legten sich Gärten und Hühnerhöfe an. Die Offiziere kauften sich gute Reitpferde. In einer der Niederlassungen war von den englischen Soldaten ein kleines Theater gebaut worden, und es wurden Spottstücke aufgeführt, in welchem die Gefangenen über ihre Gewalthaber herzogen, bis man es für nötig hielt, der amerikanischen Miliz das Zusehen zu verbieten. General Riedesel kehrte im Herbst 1779 auf Ehrenwort nach New-York zurück und wurde bald darauf ausgewechselt. Seine Gesundheit hatte durch Überanstrengung, Niedergeschlagenheit und einen leichten Sonnenstich, der ihn in Virginia traf, stark gelitten. Nachdem er ausgewechselt worden war, kehrte er nach Kanada zurück und blieb im Dienst des Königs von England bis zum Ende des Krieges, aber er zog nicht wieder gegen die Amerikaner zu Felde.

Kapitel XVI.

Brandywine, Germantown und Redbank, September und Oktober 1777.

Im Sommer 1777 wandte Sir William Howe, anstatt mit Burgoyne gemeinschaftlich zu operieren, seine ganze Aufmerksamkeit auf die Wegnahme von Philadelphia. Er ging einige Meilen von New-Brunswick aus vor, aber es misslang ihm, Washington zu einem entscheidenden Schlag zu verleiten, und so zog er sich nach Amboy zurück. Sodann wiederholte Howe seine Angriffsbewegung, indem er hoffte, dass Washington seine günstige Stellung verlassen haben würde. Er war insofern vom Glücke begünstigt, als die rechte Kolonne ein kleines Gefecht mit einer vorgeschobenen Abteilung Amerikaner unter Stirling hatte, diese vertrieb und ihr 3 Kanonen und 80 Gefangene abnahm. Hierauf kehrte die britische Armee nach Amboy zurück und ging nach Staten-Island über. Hier wurde sie eingeschifft, und am 23. Juli war Sandy Hook geräumt. Diese Truppenmacht bestand aus ungefähr 18000 Mann, von denen weniger als ein viertel Deutsche waren. Die aus 234 Segelschiffen bestehende Flotte langte am 30. Juli bei Cap May an, aber die Fregatten, die zum rekognoszieren vorgeschickt worden waren, meldeten, dass der Delaware stark verteidigt würde, Sir William beschloss, sich Philadelphia durch die Chesapeake Bay zu nähern. Am 22. August erreichte die Flotte die Mündung des Elk-Flusses, und am 25. und 26. wurden die Truppen in guter Ordnung und ohne feindliche Gegenwehr gelandet.

Am 3. September hatten die Jäger, welche die Avantgarde bildeten, ein heisses Gefecht mit der amerikanischen Arrieregarde, wobei erstere ungefähr 20 Tote und Verwundete verloren. Zwischen 30 und 40 Amerikaner wurden auf dem Gefechtsfelde beerdigt. Von dieser Zeit an waren die Jäger beständig vorn, sie schliefen gewissermassen auf ihren Waffen.

Am 11. September hatte Washingtons Armee auf dem linken Ufer des Brandywine-Flusses Stellung genommen. Das Gros stand bei Chads Furt, während General Sullivan auf dem rechten Flügel die Übergänge weiter oberhalb besetzen sollte. Bei Tagesanbruch traten die Briten von Kennets square, 7 Meilen von Chads Furt, ihren Vormarsch an. Die rechte Kolonne unter General Knyphausen, marschierte gerade auf die amerikanische Front los, in deren Nähe sie ungefähr 10 Uhr morgens anlangte. Hier blieb Knyphausen den grössten Teil des Tages über stehen und unterhielt eine Kanonade, ohne einen ernstlichen Angriff auf den Feind zu machen.

Die zweite Kolonne unter Howe und Cornwallis machte eine weite Umgehung nach links und fand nur geringen Widerstand, bis sie die Gabelung des Brandywine erreicht und glücklich passiert hatte, was eine kleine Abteilung hätte verhindern können. Die Amerikaner hatten aber diese Stelle übersehen. Washington, der durch widersprechende Befehle getäuscht worden war, hatte es nicht gewagt, den Fluss zu überschreiten und Knyphausens Division anzugreifen.

Auf die Nachricht, dass Howe den Brandywine überschritten hätte, ging Sullivan ihm eilig entgegen. Er hatte aber keine Zeit, seine Division ganz zu formieren. Es scheint auch, dass er bei den Anordnungen Fehler gemacht hat. Ungefähr um 1/2 4 Uhr stiessen die hessischen Jäger, die den äussersten linken Flügel bildeten, auf die amerikanische Avantgarde, welche sie auf das Gros zurückdrängten. Ungefähr um diese Zeit wurde der Kampf ein allgemeiner. Sullivans Division wurde zurückgetrieben. Lafayette, der als Freiwilliger diente, erhielt eine Wunde ins Bein. Washington zog Greenes Division und noch zwei andere Brigaden vor, um Sullivans Rückzug zu decken.

Sobald Knyphausen die Kanonen von Cornwallis donnern hörte, überschritt er den Brandywine bei Chads Furt und griff die amerikanischen Verschanzungen an. Diese wurden eine Zeit lang von Wayne verteidigt, aber die Briten waren ihm schon im Rücken, so dass er spät am Nachmittag seine Stellung verlassen und nach Chester hin abziehen musste.

An diesem Tage waren hessische Truppen in beiden Kolonnen der britischen Armee. Die Jäger waren bei der Avantgarde der Division Cornwallis und hatten 40 Mann tot und verwundet. Die Kapitäns Ewald und Wreden erhielten den hessischen Orden »pour la vertu militaire« für ihr Verhalten bei dieser Gelegenheit. Dies war eine grosse Auszeichnung für sie, weil sie die ersten Offiziere vom Rang eines Hauptmanns waren, die mit diesem Orden dekoriert wurden. Der Gesamtverlust der britischen Armee in der Schlacht am Brandywine betrug 622 und der der Amerikaner ungefähr 1000 Mann. Unter den 10 oder 15 Kanonen, die den Amerikanern weggenommen wurden, waren zwei, welche in Trenton mit Ralls Brigade zusammen genommen worden waren.

Man nahm an, dass die Amerikaner sich eiligst zurückzogen; der Herbsttag neigte sich zu Ende. Zwei Bataillone britischer Grenadiere wurden vorgeschickt, um ein kleines Dorf auf einem Berge jenseits Dilworth zu besetzen. Die Bataillone gingen, ermüdet durch die Anstrengungen des Tages und übermütig gemacht durch ihren Sieg, etwas unvorsichtig vor. Die Offiziere hatten nicht den Säbel gezogen. Kapitän Ewald, der die Tête der Kolonne von Cornwallis den ganzen Tag über kommandiert hatte, hatte seine Leute ruhen lassen und war, da er selbst nichts besonderes zu thun gehabt hatte, mit den Grenadieren zusammen vorgeritten, um das Terrain zu rekognoszieren. Plötzlich, 50 Schritt von dem Dorfe entfernt, wurden sie von heftigem Musketenfeuer empfangen. General Macwell hatte sich mit der amerikanischen Arriere-Garde in das Dorf hineingeworfen, um Washingtons Rückzug zu decken. Zu gleicher Zeit beobachtete man, dass eine amerikanische Abteilung um den Berg herumkam, um die Engländer in der linken Flanke zu fassen. Ewald galoppierte zurück, um Unterstützungen heranzuziehen, und brachte zwei englische Regimenter unter General Agnew heran, welche sofort die Amerikaner angriffen und die Grenadiere retteten, die schon beinahe umringt waren. Die Nacht machte dem Gefecht ein Ende. Der englische Verlust in dieser kleinen Affaire war schwer; beinahe die Hälfte der beiden Bataillone und der grösste Teil ihrer Offiziere fielen, laut Bericht von Ewald.

Nachdem die britische Armee bei Head of Elk ausgeschifft war, hatte die englische Flotte die Chesapeake Bay verlassen. Inzwischen waren 7 englische Fregatten und 14 Transportschiffe mit Proviant von New-York im Delaware angelangt und nach Wilmington hinaufgegangen. Zwei Tage nach der Schlacht am Brandywine besetzte Cornwallis diesen Ort, welcher die Basis für die Verpflegung der Armee von nun ab bildete.

Die Engländer gingen weiter vor, ohne auf ernstlichen Widerstand zu stossen, obschon beständig Plänkeleien stattfanden und eine Abteilung unter General Wayne überrascht und geschlagen wurde. Am Morgen des 26. September 1777 rückte Lord Cornwallis an der Spitze von 2 englischen und 2 hessischen Grenadier-Bataillonen in Philadelphia ein und schickte sich an, die Stadt zur Verteidigung einzurichten. Die Haupt-Armee lagerte bei Germantown. Die Hessen bildeten hier den linken Flügel, mit den Jägern vorn an der Strasse nach Lancaster.

Am 3. Oktober 1777 um Mittag erhielt Kapitain Ewald den Besuch eines Mannes (»der keineswegs ein Tory war,« sagt er), dessen Besitztum er bei einer früheren Gelegenheit vor der Plünderung bewahrt hatte. Beim Weggehen sagte der Amerikaner zu ihm: »Mein Freund, seien Sie auf Ihrer Hut diese Nacht und morgen.« Ewald verstand den Wink und berichtete diese Bemerkung seinem Oberst, der es an das Hauptquartier weitermeldete. Die Generale nahmen keine Notiz davon, doch wir werden aus dem folgenden Bericht sehen, dass die Jäger auf einen Angriff vorbereitet waren.

Auszug aus dem »Journal«, geführt bei dem Hochlöblichen Hessischen Feld-Jäger-Korps: »Oktober 4. Die vielen Detachements, welche der General Howe nach Philadelphia und Jersey geschickt, um Mud Island zu belagern und die Stadt zu besetzen, mochten den General Washington bewogen haben, besonders da er eine Verstärkung aus Virginien erhalten, die Königliche Armee zu attaquieren. In dieser Absicht war er aus seinem Lager an der Skibback-Creek aufgebrochen, und gegen 2 Uhr diesen Morgen erhielten wir die Nachricht von dessen Anmarsch. Der Oberstlieutenant von Wurmb rückte mit dem Jäger-Korps sogleich aus, liess den Vorfall an den General Knyphausen melden und besetzte die Brücke bei Van Doerens Haus, so über den Visihigging (Wissahickon) führet. Wir hörten bald darauf das Feuern am rechten Flügel und gegen 1/2-4 Uhr wurde das Jäger-Korps von einem Korps von 4000 Mann mit 4 Sechspfündern attaquiert. Das Korps musste auch wirklich die Brücke verlassen, setzte sich aber auf die gegenüberliegende Höhe und defendierte solche mit dem Büchsenfeuer gegen die wiederholten Versuche des Feindes sie zu forcieren. Die 4 feindlichen Kanonen spielten beständig auf die Jägers, ohne dass unsere Dreipfünder den Feind erreichen konnten. Das Feuer wurde inzwischen allgemein und sehr heftig auf dem rechten Flügel, bis gegen 9 Uhr der General-Lieutenant von Knyphausen sagen liess, dass der feindliche linke Flügel geschlagen sei. Hierauf attaquierte der Oberstlieutenant von Wurmb die Brücke aufs Neue und vertrieb den Feind sowohl von da, als auch der gegenüberliegenden Höhe unter einem heftigen Feuer. Da die Attaque durch ein langes Defilee geschehen musste, so hatte man feindlicherseits Zeit, sich zu retirieren; wir fanden daher auch nur 20 Tote -- und da die Jägers auch ohnehin schon sehr fatiguiert und nicht unterstützt wurden, auch nur in 300 Mann bestanden, so geschah keine weitere Verfolgung.

»Im Centro der Armee war der Feind auf die leichte Infanterie gefallen und hatte solche zurückgeschlagen. Der Oberstlieutenant Musgrave warf sich aber mit dem 40. Regiment in ein steinern Haus, welches vom Feind angegriffen wurde, und wo er sich bei aufhielt, sonst hätte er vielleicht geschwinder und noch ehe einmal die Armee alle im Gewehr gewesen, solche attaquieren können. So aber attaquierte die Armee ihn, schlug ihn aus der Stadt heraus und in die Flucht. Er retirierte sich darauf in sein voriges Lager an der Skibback-Creek mit Zurücklassung von 300 Toten, 600 blessierten und 400 Gefangenen. Der unsrige Verlust ist gleichwohlen 400 Tote und Blessierte, unter ersteren befand sich der General Agnew. Lord Cornwallis, welcher das Feuer zu Philadelphia gehört hatte, setzte sogleich von da 3 Grenadier-Bataillons in Marsch. Er für seine Person kam noch zeitig genug, um am letzten Teil der Aktion Anteil zu nehmen, die Bataillons kamen aber zu spät.«

Es war nunmehr für Sir William Howe von der grössten Wichtigkeit seinen Kriegs- und Transportschiffen Eingang auf dem Delaware zwischen Wilmington und Philadelphia zu verschaffen. Auf diese war er in grossem Maasse angewiesen wegen seiner Lebensmittel und zu seiner Verbindung. Der Fluss war etwa 10 Meilen unterhalb Philadelphia durch spanische Reiter gesperrt, welche gedeckt wurden von Fort Mercer bei Redbank auf dem New-Jersey-Ufer und von Fort Mifflin auf einer Insel in der Nähe des gegenüberliegenden Ufers von Pennsylvanien. Zwischen den Forts waren Hindernisse in den Kanal versenkt und diese wurden wieder von Galeeren beschützt. Einige Boote mit Lebensmitteln waren glücklich durch alle diese Hindernisse hindurchgeschlüpft; die freie Schiffahrt auf dem Flusse war für die Briten sehr wesentlich.

Oberst Karl Emil Kurt von Donop war einer der vorzüglichsten hessischen Obersten und war persönlicher Adjutant des Landgrafen gewesen, dessen Günstling er war. Er hatte im vorhergehenden Jahre ein selbständiges Kommando von einiger Wichtigkeit in Bordentown gehabt und hatte nun den Wunsch ausgedrückt wieder detachiert zu werden. Sir William Howe willfahrte ihm. Er wurde abgesandt um Fort Mercer zu nehmen. Donop brach auf am 21. Oktober 1777 mit drei Bataillone Grenadieren, 1 Regiment Infanterie, 4 Kompanien Jägern und 12 berittenen Jägern, alles Hessen, 8 Feldgeschützen, die zu den Regimentern gehörten und 2 englischen Haubitzen. Er soll noch mehr Artillerie verlangt und daraufhin zur Antwort erhalten haben, wenn er sich nicht getraute das Fort anzugreifen, so würden es die Engländer nehmen. »Sagen Sie Ihrem General,« erwiderte er dem Offizier, der diese Botschaft überbrachte, »dass Deutsche sich nicht scheuen, dem Tod ins Auge zu schauen.« Darauf erklärte der Oberst denen, die um ihn waren: »Entweder wird das Fort bald Fort Donop heissen oder ich werde gefallen sein.« Er brach mit seinem Detachement auf und brachte die Nacht in Haddonfield zu. Ungefähr um Mittag des 22. Oktober langte er in Redbank an und ritt vor um das Terrain zu rekognoszieren. Das Fort war ein fünfseitiges Erdwerk mit Graben und Verhau. Es war zuerst von den Amerikanern in zu grossem Massstabe angelegt worden, aber ein Monsieur du Plessis de Mauduit, ein junger französischer Offizier, der von Washington dem General Christoph Greene zur Verteidigung des Forts beigegeben war, hatte die Ausdehnung des Werkes vermindert, sodass es in seiner veränderten Form ein etwas unregelmässiges Fünfeck bildete. Auf drei Seiten des Forts fand der Angreifer gedeckte Annäherung durch die Waldungen bis auf 400 Yards. Auf der Südseite war der Delaware. Die Besatzung bestand aus 300 Mann mit 14 Kanonen.

Nach Ankunft vor dem Fort sandte Donop einen Adjutanten, um die Besatzung zur Uebergabe aufzufordern. »Der König von England gebietet seinen aufrührerischen Unterthanen die Waffen niederzulegen«, lautete die Aufforderung »und sie werden gewarnt, dass, wenn sie solange zögern bis es zum Kampf kommen wird, kein Pardon gegeben werden wird.« Der Adjutant berichtete, dass er nur wenig Leute in dem Fort gesehen habe.

Oberst von Donop stellte sein kleines Korps in Schlachtordnung auf. Seine rechte Flanke nahm Anlehnung an den Fluss, an welchem er seine 8 Dreipfünder und 2 Haubitzen plaziert hatte. Diese wurden von einem Bataillon Grenadieren und von Jägern gedeckt, welche Flanke und Rücken gegen Truppen decken sollten, welche etwa von den Schiffen im Delaware ausgeschifft werden möchten. Die hessische Angriffslinie nahm den grösseren Teil des ganzen Weges um das Fort herum auf der Landseite ein; der Angriff wurde gleichzeitig von Norden und Süden gemacht. An der Tête eines jeden Bataillons befand sich ein Offizier, der die Sappeure kommandierte und 100 Mann mit Faschinen, die eilig in den Wäldern gemacht worden waren.