Part 11
Das Gefecht mit Baums Truppen-Abteilung war vorüber, als Breymann in der Nähe des Gefechtsfeldes anlangte. Er giebt an, dass er die Amerikaner vor sich her getrieben und nur die Verfolgung abgebrochen hätte aus Mangel an Pulver und Blei; aber sicher ist, dass er sofort zurückging und in der Nacht sich ohne seine Kanonen auf und davon machte, mit einem Verlust von mehr als einem Drittel seiner Leute. General Burgoyne, der in der Frühe des 17. Nachricht von dieser unglücklichen Affaire erhielt, brach um 6 Uhr mit der ganzen Armee auf, um Breymann zu retten. Das Gros ging indessen nicht weiter als Battenkill vor, während Burgoyne selbst an der Spitze eines englischen Regiments soweit vordrang, bis er die auf dem Rückzug befindlichen Deutschen traf.
Beinahe 780 Gefangene, von denen ungefähr 400 Deutsche waren, fielen in die Hände der Amerikaner. Von Baums Korps kehrten 365 Deutsche nicht wieder zurück: Breymanns Korps hatte 231 Tote, Verwundete und Vermisste.
Dies Gefecht war der Anfang von Burgoynes Ende. Es bewies ihm die Unmöglichkeit auf Kosten des Landes zu leben und verwies ihn wieder auf sein englisches Ochsenfleisch und Mehl und auf seine Abhängigkeit von den Vorräten, die er mitzuführen im Stande war.
Das Fehlschlagen der Expedition St. Legers am Mohawk ereignete sich ungefähr zu derselben Zeit. Oberst St. Leger hatte Montreal Anfang Juli mit ungefähr 750 Weissen und 1000 Indianern verlassen. Unter den ersteren befand sich eine Jäger-Kompagnie von Hessen-Hanau. Dieses Korps nahm seinen Weg am St. Lawrence und Lake Ontario entlang nach Oswego und von da am Oneida Lake nach Fort Stanwix am Oberlauf des Mohawk-River. Dies Fort war ein gut konstruiertes Erdwerk mit einer Besatzung von einigen 6 oder 700 Milizen unter Oberst Gansevoort. St. Leger sollte dies Fort nehmen und dann dem Lauf des Mohawk bis zu seiner Vereinigung mit dem Hudson folgen und auf diese Weise die Flanke von Gates Armee bedrohen. Aber das Fort wollte nicht genommen sein. Ungefähr 800 Bewohner des Mohawk-Thales, meist von deutscher Abstammung, unter General Herkimer, waren im Begriff, zu seinem Entsatz vorzugehen. Diese wurden am 6. August 1777 im Walde von einer Übermacht von Provinzialen und Indianern überfallen. Nach der ersten Panik fand ein verzweifelter Kampf statt. Die Milizen wussten wohl, dass sie von ihren wilden Gegnern keinen Pardon erwarten durften. Es schien ihnen besser unter ihren Pfeilen oder dem Tomohawk zu fallen als dem qualvollen Messer ausgeliefert zu werden. Herkimer, der am Bein verwundet worden war, war gegen einen Baumstumpf gelehnt und leitete die Verteidigung, während er ruhig seine Pfeife weiter rauchte. Die Leute hatten paarweise sich hinter Bäumen postiert, sodass immer einer schoss, während der andere lud. Diese Anordnung wirkte günstig, und die Miliz begann die Oberhand zu gewinnen. Darauf kam noch ein Haufe von Tories aus dem Thale den Indianern zu Hilfe. Dies steigerte noch mehr die Wut der Amerikaner, denn diese neuen Feinde waren ihre Nachbarn und waren ihre Freunde gewesen. Der verzweifelte Kampf wurde fortgesetzt. Er hatte schon länger als ein und eine halbe Stunde gedauert, und 160 Milizen waren bereits tot, verwundet oder gefangen, als plötzlich in der Richtung von Fort Stanwix her Feuer gehört wurde. Oberst Gansevoort, der von Herkimers Annäherung unterrichtet war, hatte 250 Mann von dem Fort entsendet, um eine Diversion auszuführen. Diese fielen in das englische Lager ein und plünderten einen Teil davon. 5 Flaggen und viele Bagage fiel in die Hände der Abteilung von dem Fort. Durch den Kanonendonner in ihrem Rücken fürchteten die Tories und Indianer zwischen zwei Feuer genommen zu werden. Sie zogen sich zurück unter Mitnahme von einigen Gefangenen, die den Schrecknissen der indianischen Folterqualen entgegengingen, doch liessen sie viele Tote auf dem Gefechtsfelde. Was von den Milizen übrig blieb, zog sich nach Fort Schuyler zurück, da wo jetzt die Stadt Utica steht. Diese blutige Affaire ist das Gefecht von Oriskany genannt worden. Sie besiegelte das Schicksal von St. Legers Expedition und trug in Gemeinschaft mit Bennington dazu bei, das Schicksal von Burgoyne und der Braunschweiger zu entscheiden. Diese zwei kleinen Begebenheiten bilden einen Wendepunkt in der amerikanischen Geschichte.
Der tapfere Herkimer erlag seinen Wunden zehn Tage nach dem Gefecht. Aber nach kaum einer Woche hob Benedict Arnold mit einer kleinen Truppenabteilung und den wieder gesammelten Milizen des Thales die Belagerung von Fort Stanwix auf, und St. Leger, den viele von den Indianern verliessen, zog sich mit den Überbleibseln seines Korps nach Oswego zurück, indem er seine Zelte und eine beträchtliche Bagage im Stich liess.
Burgoyne war durch die Niederlage von Baum und St. Leger etwas niedergeschlagen, aber er setzte seine Hoffnung auf Hilfe von Süden her und fühlte sich durch die Befehle, die er von England bekommen hatte, gebunden.
Kapitel XIII.
Stillwater, am 19. September und 7. Oktober 1777.
Nach der Niederlage von Bennington blieb Burgoyne noch beinahe einen Monat in der Umgegend von Fort Edward und hinter der Linie des Battenkill. Diese Zeit wurde benutzt, um Vorräte anzuhäufen und Boote vom Lake Champlain nach dem Lake George zu schaffen. Am 13. September 1777 ging die Armee bei Schuylerville über den Hudson und verliess die rückwärtigen Verbindungslinien um einen kühnen Stoss auf Albany zur Vereinigung mit Sir William Howe zu machen. 180 Boote begleiteten die Armee, deren linke Flanke sich an den Hudson anlehnte. Diese Boote führten für einen Monat Lebensmittel mit sich. »Jetzt fingen wir wieder an in unserem lieben gesalzenen Pökelfleisch und Brot zu arbeiten,« schreibt ein deutscher Offizier. »Liebe Freunde, verachtet diese königlichen Gerichte nicht, die wirklich einen königlichen Preis kosten, denn der Transport von England ist gewiss nicht billig gewesen. Pökelfleisch Mittags und Abends. Pökelfleisch warm und kalt. Freunde! ungeachtet Eurer grünen Erbsen und Krebsschwänze würdet Ihr unser Pökelfleisch mit Ekel angesehen haben, und doch war es für uns ein herrliches Gericht, ohne welches wir umgekommen sein würden; und wenn wir später genug Pökelfleisch gehabt hätten, hätte uns unser Unglück nicht nach Boston geführt.« Während dessen strömten die Amerikaner, ermutigt durch ihren Sieg bei Bennington und ihren Erfolg im Mohawk-Thale, in das Lager von Gates bei Stillwater. Sie hatten keine Uniformen, waren aber zum grössten Teil gut bewaffnet mit Büchsen und Jagdgewehren, welche sie von Jugendzeit an fortwährend geführt hatten. Es wurde Burgoyne am 7. September gemeldet, dass ihrer 14 oder 15000 wären. Da gab es keine andere Wahl als anzugreifen oder den Feldzug aufzugeben.
Die Armee trat ihren Marsch nach Süden in drei Kolonnen an. Die rechte war unter Brigade-General Fraser, dem stürmischen Befehlshaber der leichten Truppen. Das Zentrum wurde von Burgoyne selbst kommandiert, und die linke, am Hudson, von Riedesel. Die britische Armee konnte nur langsam vorgehen wegen der wiederherzustellenden Wege und Brücken. Die Marschleistung betrug durchschnittlich 2 Meilen den Tag. Am Nachmittag des 19. September wurde Burgoynes mittlere Kolonne bei Freeman's Farm, nördlich Stillwater energisch angegriffen. Die Engländer besetzten mit einigen Kanonen ein ausgerodetes Stück Land. Die Amerikaner hatten keine Artillerie. Das Gefecht dauerte den ganzen Nachmittag, und wurde auf beiden Seiten mit grosser Tapferkeit geführt. Gegen Einbruch der Nacht kam Riedesel mit 7 Kompagnien deutscher Infanterie und 2 Kanonen Burgoyne zu Hilfe, griff die rechte Flanke der Amerikaner an und überschüttete sie mit Kartätschen. Die Engländer schlossen sich wieder zusammen und feuerten, und die Amerikaner wurden geworfen, nahmen aber ihre Verwundeten mit und ungefähr 100 Gefangene. Sie hatten ungefähr 320 Mann verloren, die Briten annähernd zweimal soviel. Die Letzteren behaupteten zwar das Feld und mögen daher den Sieg beanspruchen, aber es war ein nutzloser Sieg, den sie nicht im Stande waren auszubeuten. Am 20. fing Burgoyne an seine Stellung zu befestigen. Die Aussicht auf Erfolg war von nun ab nur durch das Zusammenwirken mit der Armee von Süden her bedingt -- eine Hilfe, die niemals kam.
Die Deutschen leisteten Burgoyne im Laufe dieses Tages die wichtigsten Dienste. Breymann mit den Grenadieren und der leichten Infanterie zeichnete sich früh am Nachmittag aus, indem er einem englischen Regiment, das im Weichen begriffen war, zu Hilfe kam. Kapitän Pausch von der Hanauschen Artillerie mit seinen zwei Sechspfündern entschieden die Schlacht. Breymann und Pausch wurden beide von Burgoyne öffentlich belobt.
Inzwischen war die Armee ernstlich im Rücken bedroht worden. Oberst Brown, der unter dem Befehl von General Lincoln operierte, hatte einige der Aussenwerke von Ticonderoga mit ungefähr 300 Gefangenen genommen, war aber von dem Haupt-Fort zurückgeworfen worden.
Baronin Riedesel hatte die Armee auf ihrem Marsche begleitet. Sie war ermutigt worden, sagt sie, als sie General Burgoyne hat sagen hören, dass Engländer niemals zurückgingen. Jedoch wurde sie misstrauisch, als sie merkte, dass alle Offiziers-Frauen, die bei der Armee waren, alle Operations-Pläne kannten, und sie erinnerte sich, dass in der Armee des Prinzen Ferdinand im 7jährigen Krieg alles sehr geheim gehalten wurde. Nun aber waren den Amerikanern alle feindlichen Absichten bekannt und sie erwarteten die Engländer, wohin sie sich auch immer wandten.
Frau von Riedesel war Augenzeugin der Schlacht am 19. September und zitterte bei jedem Schuss für das Leben ihres Gemahls. Drei verwundete Offiziere wurden in das Haus gebracht in dem sie wohnte, und einer von ihnen, der Neffe von Leuten, die in England sehr gütig gegen sie gewesen waren, starb wenige Tage darauf an den Folgen einer Operation. Die Baronin konnte seine letzten Seufzer durch die dünne Wand hören.
Der Zustand der Armee wurde bald ein sehr bedenklicher. Die Lebensmittel wurden knapp, Wein und Kaffee schrecklich teuer. Uniformen und Kleider zerrissen in den Büschen und durchweichten bei dem Kampieren auf dem feuchten Boden, und neue konnten um keinen Preis geschafft werden. Das amerikanische Lager, welches man von 12 000 Mann besetzt glaubte, war so nahe, dass man die Trommeln und die Rufe der Soldaten deutlich hören konnte. Der Wald war aber so dicht, dass man es nicht sehen konnte. Die Engländer hatten eine Schiffbrücke über den Hudson gebaut, und es wurden Kundschafter hinübergeschickt, die versuchen sollten, das Lager vom andern Ufer aus einzusehen; dies war aber nicht möglich gewesen.
Ein von Sir Henry Clinton in Geheimschrift geschriebener Brief, der vom 10. September datiert war, langte am 21. an. Clinton kündigte seine Absicht an, in 10 Tagen Fort Montgomery am Hudson anzugreifen. Burgoyne sandte den Boten sofort zurück mit einem Briefe, der in eine silberne Kugel eingeschlossen war, welche Sir Henry direkt eingehändigt werden sollte. Dieser Brief sollte Clinton zur Eile antreiben und ihn veranlassen, eine Diversion zu Gunsten Burgoynes herbeizuführen. Der Bote nahm seinen Weg durch das feindliche Land nach Fort Montgomery, aber hier scheint ihn seine Geistesgegenwart verlassen zu haben. Er soll nämlich amerikanische Truppen für englische gehalten, nach General Clinton gefragt und nicht eher seinen Irrtum gemerkt haben, als bis er -- nicht vor Sir Henry, sondern vor den amerikanischen General geführt wurde. Darauf schluckte der Unglückliche die Kugel hinunter, doch wurde ihm ein Brechmittel verordnet, die Depesche wurde gefunden und der Bote als Spion gehängt.
Am 6. Oktober wurden die Forts Clinton und Montgomery von Sir Henry Clinton gestürmt. Ein Anspachisches Regiment, ein Hessisches und 2 Kompagnien hessischer Jäger, welche letztere erst vor kurzem von Europa angekommen waren, hatten an dieser Waffenthat teil genommen. Der Hudson stand nun den Briten vollkommen offen. Dies würde der richtige Moment gewesen sein, um zu Burgoynes Unterstützung einen Vorstoss zu machen, aber Sir William Howe hatte den grösseren Teil seiner Armee nach Philadelphia dirigiert und nur ein kleines Korps unter General Vaughan kam sengend und plündernd den Hudson hinauf.
Burgoynes Situation wurde mit jedem Tage kritischer. Am 4. Oktober wurde die Ration der Soldaten um 1/3 heruntergesetzt. Desertionen waren häufiger vorgekommen trotz strenger Strafe; selbst die Todesstrafe verhinderte sie nicht. Kleinere Scharmützel kamen häufiger vor. Das Wetter war furchtbar heiss und die Armee verging vor Unthätigkeit.
An dem Tage, an welchem die Leute auf kleinere Ration gesetzt worden waren, berief General Burgoyne einen Kriegsrat. Die Generale Phillips, Riedesel und Fraser waren zugegen. Burgoyne schlug ihnen vor, die Gegend am Fluss zu verlassen und zu versuchen, die amerikanische linke Flanke zu umgehen. 800 Mann sollten zum Schutz der Boote und Vorräte zurückgelassen werden. Der Rest der Armee sollte sich an der Unternehmung beteiligen. Man entgegnete aber, dass die Strassen und Stellungen der Amerikaner nicht bekannt wären, dass drei oder vier Tage nötig sein würden, um die amerikanische Flanke zu umgehen, und dass während dieser ganzen Zeit die Vorräte unter einer schwachen Bedeckung zurückgelassen werden müssten. Man kam zu keinem bestimmten Entschluss am 4., es wurde daher für den Abend des 5. ein zweiter Kriegsrat befohlen. In diesem erklärte Riedesel, dass die Lage der Armee von einer Beschaffenheit wäre, dass, wenn sie nicht in einem Tage den Feind erreichen, ihn angreifen und die Sache zur Entscheidung bringen könnte, es dienlicher wäre, sich wieder über den Hudson hinter den Battenkill zurückzuziehen, um dort die Annäherung Clintons zu erwarten. Dort könnte die Armee nicht von Fort George abgeschnitten werden. Fraser stimmte Riedesel bei. Phillips wollte keine bestimmte Meinung aussprechen, und Burgoyne dem es zu hart ankam, eine rückwärtige Bewegung zu machen, erklärte, er wollte am 7. eine Rekognoszierung vornehmen, und, wenn sich bei dieser zeigte, dass der Feind nicht mit Erfolg angegriffen werden könnte, den Rückzug antreten.
Am 6. Oktober 1777 wurde für 4 Tage Verpflegung ausgegeben, und am 7. um 10 Uhr morgens rückten 1500 Mann, unter denen 500 Deutsche waren, mit 8 Bronze-Kanonen und 2 Haubitzen zur Rekognoszierung aus dem Lager. Die vier Generale beteiligten sich daran, die Expedition war aus allen Teilen der Armee zusammengesetzt. Sie gingen bis auf eine Anhöhe ungefähr 3/4 Meilen von dem amerikanischen linken Flügel entfernt vor -- nach Riedesel eine sehr schlechte Stellung, wo man nichts vom Feinde sehen konnte. Brigade-General Fraser kommandierte den rechten Flügel, die deutschen Detachements waren im Zentrum, Major Ackland mit den englischen Grenadieren auf dem linken Flügel. Es wurde beschlossen, den Angriff abzuwarten, und Brigade-General Fraser unternahm es, die Fourage von zwei Scheunen wegtransportieren zu lassen. Kleine feindliche Detachements erschienen von Zeit zu Zeit, und man ergötzte sich daran, Kanonen auf sie abzufeuern, bis plötzlich ein heftiges Musketenfeuer auf dem linken Flügel gehört wurde, und unmittelbar darauf Acklands Grenadiere zurückgelaufen kamen, indem sie ihren Führer verwundet zurückliessen.
Der deutsche linke Flügel wurde auf diese Weise entblöst und in Unordnung zurückgeworfen, die hessischen Kanonen in Gefahr gebracht. Diese blieben noch einige Zeit in Thätigkeit, wurden aber schliesslich genommen. Der britische rechte Flügel scheint länger als der linke und der übrige Teil der Linie ausgehalten zu haben, aber nach einiger Zeit wurde General Fraser tötlich verwundet und seine Leute zurückgedrängt, hielt sich jedoch in besserer Ordnung als der linke Flügel. Auch die Deutschen gingen in ziemlicher Auflösung zurück unter Zurücklassung aller zur Rekognoszierung mitgenommenen Kanonen.
Die zurückgehenden Abteilungen warfen sich in eine Redoute und behaupteten ihre Stellungen bis zum Ende des Nachmittags trotz der wiederholten und verzweifelten Angriffe der Amerikaner.
Oberstlieutenant Breymann hielt sich in einer kleinen Redoute auf dem äussersten rechten Flügel der diesseitigen Stellung. Sein Korps war durch die bei Bennington und am 19. September erlittenen Verluste auf ungefähr 500 Mann zusammengeschmolzen; 300 von diesen hatten an der Rekognoszierung teilgenommen und waren nun mit den übrigen in die grosse Redoute auf dem rechten Flügel zurückgeworfen. Der Teil der britischen Linie, welcher Breymanns Redoute mit der Hauptstellung verband, war frei von Besatzung. Die Amerikaner nahmen ihren Weg durch diese Lücke in der Linie, Breymann und seine 200 Mann wurden in Rücken und Flanke angegriffen, der Oberstlieutenant totgeschossen und die Leute entweder durch die Flucht gerettet oder gefangen genommen.
Als die Nachricht hiervon zum Hauptkorps drang, murrten einige Engländer über die Haltung ihrer deutschen Bundesgenossen. Aufgebracht hierüber, sammelte Oberstlieutenant von Specht 4 Offiziere und ungefähr 50 Mann um sich, brach mit diesen auf durch den dunkeln Wald, um Breymanns Redoute wiederzunehmen. Er verlor den Weg und wurde durch einen verräterischen Führer in die Hände der Amerikaner geliefert.
Die Amerikaner fochten an diesem Tage mit grosser Tapferkeit und hatten den Vorteil der Überlegenheit an Zahl, aber waren ohne einen hinlänglichen Führer. Weder Gates noch Lincoln erschienen auf dem Felde. Benedict Arnold, welcher kein besonderes Kommando hatte, focht mit seinem gewöhnlichen, keine Gefahr achtenden Mut, aber er hatte nicht das Talent eines Strategen. Er wurde bei der Einnahme von Breymanns Redoute schwer verwundet; es wäre ein Glück für ihn gewesen, wenn seine Wunde tötlich gewesen wäre.
Es blieb Burgoynes Armee nichts anderes übrig, als sich zurückzuziehen. Einige Eile würde vielleicht ihr Entkommen gesichert haben, aber überall war Unordnung und Langsamkeit. Früh am Morgen des 8. Oktober 1777 wurden die Briten und Deutschen auf den Höhen, von denen man den Hudson übersieht, gesammelt. Hier wurde am Abend desselben Tages General Fraser beerdigt, an einer Stelle, welche er sich selbst als Ruheort ausgewählt hatte. Er war schwer verwundet in das Haus, welches Baronin Riedesel inne hatte, gebracht; er hatte mit ihrem Gemahl zusammen am siebenjährigen Kriege teilgenommen. Die Baronin hatte die Absicht, am 7. ein kleines Diner zu geben. »Der General Fraser,« sagt sie, »und ich glaube, auch die Generale Burgoyne und Phillips sollten denselben Tag bei mir zu Mittag essen. Ich sah viel Bewegung unter den Truppen. Mein Mann sagte mir, es sollte eine Rekognoszierung gemacht werden, welches mir nicht auffiel, weil dieses öfters geschehen. Auf meinem Rückweg nach Hause begegneten mir viele Wilde in ihrer Kriegskleidung und mit Flinten. Auf meine Frage, wo sie hingingen, riefen sie mir zu: »War! War!« das hiess, dass sie zur Schlacht gingen, welches mich ganz zu Boden schlug, und kaum war ich zurückgekommen, so hörte ich auch plänkeln, und nach und nach immer stärker feuern, bis endlich das Lärmen gar arg wurde. Es war eine erschreckliche Kanonade, und ich war mehr tot als lebendig. Gegen 3 Uhr nachmittags, anstatt dass meine Gäste hätten sollen zu mir zum Essen kommen, brachte man mir auf einer Trage den armen General Fraser, einen der erwarteten Mittagsgäste, tötlich verwundet. Unser Esstisch, der schon gedeckt war, wurde weggenommen, und man setzte an dessen Stelle ein Bett für den General. Ich sass in einer Ecke der Stube, zitternd und bebend. Der Lärm wurde immer stärker. Der Gedanke, dass man mir meinen Mann so bringen könnte, war mir entsetzlich und quälte mich unaufhörlich. Der General sagte dem Wundarzt: »Verschweigen Sie mir nichts! Muss ich sterben?...« Ich hörte ihn oft seufzend ausrufen: »Oh bad ambition! poor General Burgoyne! poor Mistress Fraser!««
Der General kämpfte die Nacht hindurch mit dem Tode und starb am folgenden Morgen. Das Haus war derartig überfüllt, dass die Baronin ihre Kinder auf den Hausflur bringen musste, damit sie durch ihr etwaiges Schreien dem sterbenden Manne nicht beschwerlich fallen möchten. Sein Leichnam lag den ganzen Tag in ihrem Zimmer. Als sein Stab und die Generäle sich um sein Grab versammelt hatten, schossen die Amerikaner, die hiervon nichts ahnten, auf die Trauer-Versammlung. So wurde, unter dem Feuer der feindlichen Kanonen als Trauersalut, der tapfere Führer der leichten Truppen zur letzten Ruhe gebettet.
Um 10 Uhr abends des 8. brach die Armee nach Norden auf. Riedesel kommandierte die Tête der Kolonne. Das Lazareth mit seinen 800 Insassen wurde zurückgelassen. Die Boote mit dem, was an Vorräten noch übrig war, nahmen ihren Weg langsam stromaufwärts. Die Wachtfeuer liess man brennen, um die amerikanischen Feldwachen zu täuschen.
General Burgoynes Armee legte nur eine kurze Strecke in jener Nacht zurück und hielt dann bis zum folgenden Nachmittag. Am Abend des 9. besetzten die Briten das Dorf Saratoga. Während der Nacht durchwateten sie den Fishkill und lagerten auf der Höhe in dem Winkel zwischen diesem Fluss und dem Hudson. So hatte vom Abend des 7. bis zum Morgen des 10. Burgoyne, für welchen Zeitgewinn von allergrösster Wichtigkeit war, nur etwas mehr als 8 Meilen sich zurückgezogen.
Kapitel XIV.
Saratoga, vom 11. bis 16. Oktober 1777.
In dem Lager nördlich des Fishkill machte Burgoyne Halt und nahm seinen Marsch von hier aus nicht wieder auf. Oberstleutnant Southerland war vorgeschickt worden, um eine Brücke über den Hudson bei Fort Edward zu bauen, wurde aber sofort wieder zurückberufen. Bei Tagesanbruch am 11. machte eine amerikanische Brigade einen Vorstoss über den Fishkill, nahm sämtliche Boote und viele Vorräte, machte einige Gefangene und zog sich vor einem heftigen Kartätschfeuer zurück. Den ganzen Tag lang wurde die englische Armee in Front und Rücken mit Kanonen beschossen.
Am Abend beschied General Burgoyne die Generäle Riedesel und Phillips zu sich, um sich mit ihnen über das Wohl und Wehe der Armee zu beratschlagen. Burgoyne selbst hielt es für unmöglich, den Feind anzugreifen oder die eigene Stellung zu halten, wenn er im Zentrum und auf dem rechten Flügel angegriffen werden würde. General Riedesel machte deshalb den Vorschlag, in der Nacht unter Zurücklassung der Bagage abzuziehen, den Hudson 4 Meilen unterhalb Fort Edward zu durchwaten und durch die Wälder nach Fort George zu gelangen zu suchen. Es wurde aber keine Entscheidung getroffen.
Ein anderer Kriegsrat wurde unter Hinzuziehung von zwei Brigade-Generälen am folgenden Nachmittag gehalten. General Riedesel bestand auf seinem Plan vom Tage vorher »sehr emphatisch und mit eindringlichen Worten«, und man stimmte dem Plan bei. Aber es war vergessen worden, Verpflegung an die Truppen auszugeben, und so wurde der Abmarsch auf abends spät verschoben. Um 10 Uhr liess Riedesel Burgoyne sagen, dass alles zum Abmarsch bereit sei, aber er erhielt zur Antwort, dass es bereits zu spät sei, um noch irgend etwas zu unternehmen. So wurde die letzte Chance preisgegeben, denn am andern Morgen war die Armee vollkommen umzingelt.