Die Hessen und die andern deutschen Hilfstruppen im Kriege gross-britanniens gegen Amerika, 1776-1783

Part 10

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»Ich ging nachher, da ich so gut aufgenommen worden, noch mehreremale hin. Als ich vor meiner Abreise nach Portsmouth, im Frühjahr, zu meiner Einschiffung von der Königin Abschied nahm, fragte sie mich nochmals, ob ich mich nicht vor einer solchen schrecklichen Reise fürchtete; und als ich ihr antwortete, dass, da mein Mann wünschte, dass ich ihm folge, ich es mit Mut und Vergnügen thäte, weil ich glaubte, meine Pflicht zu erfüllen und versichert wäre, dass sie an meinem Platz das nämliche thun würde; so sagte sie mir: »Ja, wie man mir aber schreibt, so thun Sie die Reise ohne Vorwissen ihres Mannes.« Ich erwiederte: »Da sie eine deutsche Prinzessin wäre, so würde sie wohl wissen, dass ich ohne den Willen meines Mannes dieses nicht hätte unternehmen können, weil mir das Geld dazu gefehlt haben würde.« »Sie haben Recht«, sagte sie, »ich billige Ihren Entschluss und wünsche Ihnen alles nur ersinnliche Glück. Wie ist der Name ihres Schiffes? Ich werde mich oft nach Ihnen erkundigen, und bei Ihrer Zurückkunft, hoffe ich, werden Sie mich besuchen.« -- Sie hat Wort gehalten und sich oft nach mir erkundigt und mich oft grüssen lassen.« --

Baronin Riedesel schiffte sich am 15. April 1777 an Bord eines Kauffarteischiffes ein, welches in Gemeinschaft mit einer Flotte von 30 Transportschiffen durch zwei Kriegsschiffe begleitet wurde. Sie kam nach einer ereignislosen Reise am 11. Juni in Quebec an. Nach einem Aufenthalt von nur einem halben Tage in Quebec reiste die unermüdliche Frau mit ihren drei kleinen Kindern auf schlechten Wegen und stürmischen Flüssen nach Chambly, wo sie schliesslich am 14. Juni ihren Gemahl fand. Sie konnten nur zwei glückliche Tage mit einander zubringen, weil die Armee im Vormarsch war, und die Baronin war genötigt nach Trois-Rivières zurückzukehren. Am 14. August traf sie indessen wieder bei der Armee ein, deren darauffolgendes Schicksal sie teilte. Ich will nur noch eins von ihren Abenteuern anführen, bevor ich zur Betrachtung der militärischen Operationen des braunschweigischen Kontingents zurückkehre:

Die Baronin war von Trois-Rivières aufgebrochen, um sich mit ihrem Manne in Fort Edward am Hudson zu vereinigen. Die Gesellschaft reiste in 2 Booten, von denen das eine mit dem Gepäck beladen war. Sie schreibt: »Die Nacht überfiel uns, und wir sahen uns genötigt, auf einer Insel zu landen. Das andere Fahrzeug, da es mehr beladen und nicht so gut bemannt war, hatte uns nicht folgen können; wir hatten daher weder Betten noch Licht, und was das Schlimmste war, nichts mehr zu essen; denn wir hatten weiter nichts auf unser Schiff mitgenommen, als was wir den Tag über zu gebrauchen dachten; wir fanden auf dieser Insel weiter nichts als die vier kahlen Wände eines verlassenen und nicht einmal ausgebauten Hauses, welches voller Gesträuche lag, das uns zum Nachtlager diente. Ich bedeckte es mit unsern Mänteln und nahm die Kissen von der Barke zu Hilfe, so dass wir recht gut schliefen.

Den Kapitän Willoe konnte ich nicht bewegen, in die Hütte mit hereinzukommen und sah ihn sehr unruhig, welches ich mir gar nicht erklären konnte. Mittlerweile bemerkte ich einen Soldaten, der einen Topf ans Feuer setzte. Ich fragte ihn, was er darinnen hätte? »Kartoffeln, die ich mir mitgenommen habe.« Ich blickte lüstern nach ihnen hin; er hatte nur so wenig, dass ich es grausam fand, ihn derselben zu berauben, besonders da er so glücklich dabei aussah. Endlich aber siegte doch die Begierde, meinen Kindern davon zu geben über meine Bescheidenheit; ich bat also und erhielt die Hälfte, welches höchstens ein Dutzend sein mochten; dazu holte er aus seiner Tasche zwei oder drei kleine Enden Licht, die mich sehr glücklich machten, weil die Kinder sich fürchteten im Finstern zu bleiben. Ich gab ihm für das Alles einen grossen Thaler, da war er ebenso glücklich als ich. Inzwischen hörte ich Kapitän Willoe Befehl geben, dass man um das Gebäude Feuer anzünden, und dass seine Leute die ganze Nacht um dasselbe die Runde gehen sollten. Auch hörte ich während der ganzen Nacht Lärm machen, welches mich ein wenig am Schlaf hinderte. Als ich am andern Morgen beim Frühstück, welches ich auf einem breiten Stein, der uns zum Tisch diente, einnahm, den Kapitän, der in der Barke geschlafen hatte, nach der Ursache des Lärmes fragte, so bekannte er mir, dass wir in grosser Gefahr gewesen, indem diese Insel l'Isle aux Sonnettes (die Klapperschlangeninsel) wäre, welche von den vielen darauf befindlichen Klapperschlangen den Namen hätte, dass er es nicht gewusst und sehr erschrocken sei, als er es erfahren, und wegen der Strömung es doch nicht habe wagen dürfen, in der Nacht weiter zu fahren. Es wäre ihm daher nichts anderes übrig geblieben, als grosse Feuer und viel Lärm zu machen, um die Schlangen zu erschrecken und dadurch abzuhalten. Er habe aber die ganze Nacht aus Besorgnis für uns kein Auge zuthun können. Ich war über diese Erzählung sehr erschrocken und liess ihm bemerken, dass wir unsere Gefahr dadurch noch vergrössert hätten, dass wir uns auf das Gesträuch gelegt, in welchem sich die Schlangen gern verbergen. Er gab mir Recht und sagte mir, dass, wenn er es eher gewusst, wo wir wären, er alles Gesträuch vorher würde haben wegnehmen lassen oder uns gebeten haben würde, lieber auch in der Barke zu bleiben. Er habe es aber erst von einem der Leute von unserm andern Fahrzeuge erfahren, das uns später nachgekommen war. Wir fanden am Morgen noch allenthalben Häute und Schleim von diesen garstigen Tieren und eilten daher, mit unserm Frühstück fertig zu werden.«

Kapitel XII.

Ticonderoga und Bennington, Juli und August 1777.

Die Operationen in Canada und auf dem Lake Champlain während des Sommers und Herbst 1776 waren von Sir Guy Carleton, dem britischen Gouverneur der Provinz, geleitet worden. Die Generale Burgoyne und Phillips und General Riedesel hatten unter seinem Befehl gestanden. Für den Feldzug von 1777 wurde indessen vom englischen Ministerium ein neues Arrangement getroffen. Carleton behielt die Statthalterschaft und das Kommando über die Truppen in Canada bei, aber die Expedition, welche über die Grenzen der Provinz hinaus gegen die Rebellen in New-York und Neu-England vorgehen sollte, wurde Burgoyne anvertraut.

Generalleutnant John Burgoyne war damals 55 Jahre alt. Lord Macaulay beschreibt ihn als »einen Mann von Verstand, feiner Sitte und Ehre, einen angenehmen dramatischen Schriftsteller, einen Offizier, dessen Mut nie in Frage kam und dessen Brauchbarkeit zu jener Zeit einen grossen Ruf hatte.«

Burgoyne war ein Liebling des britischen Ministeriums. Er stand sich nicht gut mit General Riedesel noch mit seiner Frau. Riedesel wurde sehr gut mit Carleton fertig, hatte aber kein Vertrauen zu Burgoyne, der wahrscheinlich zu sehr ein Mann des Vergnügens und Witzes war, um das Vertrauen des ernst angelegten deutschen Offiziers zu gewinnen. Riedesel beklagt sich, dass er niemals gefragt wurde, und dass Burgoynes Pläne ihm nicht anvertraut würden. Es ist klar, dass auf diese Weise Eifersucht zwischen den englischen und deutschen Truppen entstand, und dass Riedesel fühlte, dass ihm und seiner Truppe Ungerechtigkeit widerfuhr.

Der Operationsplan, dessen Grundzüge von Burgoyne selbst aufgestellt wurden, war sehr einfach. Das Gros der Armee sollte von Canada am Lake Champlain hinauf nach Ticonderoga vorrücken. Wenn dies Fort genommen sein würde, sollte die Armee noch weiter südlich vorgeschoben werden, um sich mit der Armee von Sir William Howe oder einem Teil derselben, von Newyork kommend, zu vereinigen. Ein Korps von leichten Truppen unter Oberst St. Leger sollte in gleicher Höhe mit Burgoyne operieren indem es über Oswego nach dem Mohawk River, und an diesem entlang bis zu seiner Einmündung in den Hudson oberhalb Albany marschieren sollte, dort sollte sich diese Expedition mit der Hauptarmee vereinigen.

Die Braunschweiger unter General Riedesels Befehl zählten am 1. Juni 1777 4301 Offiziere und Mannschaften nach den Rapporten, an Effektivstärke 3958. Das Hessen-Hanauische Regiment war im vorhergehenden Jahre in der Stärke von 668 Mann herübergefahren und war wahrscheinlich nicht unter die Zahl von 600 dienstfähigen Leuten herabgesunken. Somit würde sich die Gesamtstärke der Deutschen in Canada zu Beginn des Feldzuges auf 4558 Mann belaufen, von denen 667 unter dem Befehl von Sir Guy Carleton belassen wurden und 3891 sich der Expedition unter Burgoyne anschlossen. Diese Schätzung schliesst nicht die Hanauischen Jäger ein, da dieselben der St. Leger'schen Expedition zugeteilt wurden. Die Gesamtstärke von Weissen unter Burgoyne war grösser als 8000; von diesen waren ungefähr 250 Provinziale.

Einige 500 Indianer begleiteten die Armee und thaten in erster Zeit gute Dienste als Kundschafter; sie stellten ihren menschlichen Brotherren die Skalpe der amerikanischen Soldaten vor Augen. Der Anblick fand Gefallen in den Augen des fashionablen Herrn, welcher die Armee ihrer Majestät kommandierte. Er erliess einen Befehl, dass Deserteure von seiner eigenen Armee gefangen und ebenfalls skalpiert werden sollten. Man hielt aber dafür, dass die Wilden ihre liebenswürdigen Gebräuche zu weit getrieben hätten, als sie Jane Mc Crea töteten, ein junges Weib, das mit einem Tory von der britischen Armee verlobt war und den geheimen Auftrag gehabt hatte, zwei Deserteure bei sich aufzunehmen und zu beschützen. Burgoyne wagte es indessen nicht, die Mörder hinrichten zu lassen aus Angst »vor dem vollkommenen Abfall der Indianer«.

Bevor die Einrichtung der Eisenbahnen die Reiseroute verändert hatte, war die Hauptstrasse zwischen Canada einerseits und Neu-England und den mehr südlichen Kolonien andererseits die grosse Wasserstrasse, welche, indem man den St. Lawrence-Strom bei Lake St. Pierre verlässt, den Richelieu-Fluss hinaufführt, bei Fort St. John vorbei nach dem Lake Champlain, diesen See hinauf, Crown Point passierend, nach Ticonderoga. Bei Ticonderoga hatte der Reisende oder Eindringling zwischen zwei Wegen zu wählen. Entweder konnte er über die kurze Strecke bis zum Lake George, dann diesen schönen See hinauf bis zu seinem äussersten Ende und von hier nach einem Weg von 12 Meilen nach Fort Edward am Hudson gelangen. Dies war der gewöhnliche und leichtere Weg. Oder man konnte das schmale obere Ende von Lake Champlain hinauf fahren bis in die Gegend des heutigen Whitehall, in dem damaligen Distrikt Skenesborough genannt, hatte dann aber einen längern Landweg nach Fort Edward, bei Fort Anne vorbei, vor sich. Von Fort Edward führte der Weg den Hudson hinunter nach Albany und New-York. Die Hauptrichtung dieser Route geht von Norden nach Süden, und merkwürdig gerade, entsprechend dem natürlichen Charakter der Landschaft. Die ganze Entfernung von Lake St. Pierre bis New-York beträgt ein wenig mehr als 350 Meilen. Whitehall liegt ungefähr in der Mitte und Ticonderoga einige 20 Meilen nördlich von Whitehall.

Kein Punkt zwischen dem St. Lawrence und New-York wurde für militärisch wichtiger erachtet als Fort Ticonderoga. Dies war derartig angelegt, dass es die schmale Strecke zwischen Lake Champlain und Lake George deckte und die Passage nach der Südspitze des ersteren Sees beherrschte. Das Fort war im Jahr 1755 von den Franzosen gebaut worden und Fort Carillon von ihnen genannt worden. Es wurde im folgenden Jahre von Montcalm verstärkt und im Jahre 1758 widerstand es dem Angriff einer englischen Armee von 15000 Mann, der grössten europäischen Armee, die in Amerika unter Waffen gewesen war. General Abercrombie, welcher die englische Armee kommandierte, machte einen derartig fehlerhaften Angriff, dass sein Korps mit grossen Verlusten zurückgeschlagen wurde.

Im Jahre 1759 gaben die Franzosen bei Annäherung von General Amherst das Fort Carillon auf, dessen Werke von diesem erneuert wurden. Nun wurde es während beinahe 16 Jahren von den Briten gehalten, unbelästigt, bis am 16. Mai 1776 die kleine Besatzung überrascht und das Fort genommen wurde, und zwar von einer Abteilung Amerikaner unter Ethan Allan »im Namen des Grossen Jehovah und des kontinentalen Kongresses«. Während den zwei Jahren, welche das Fort in amerikanischen Händen gewesen war, wurden grosse Anstrengungen gemacht, um es zu verstärken, und es wurde sehr reichlich mit Waffen, Munition und Proviant versehen. Auch ein neues Fort wurde auf der Ostseite des Sees auf dem Mount Independence gebaut. Es möchte scheinen, als ob die Amerikaner in der Grösse ihrer Vorbereitungen über das Ziel hinausgeschossen wären. Die Werke, welche eine Länge von 2-1/2 Meilen hatten, waren viel zu gross für die Besatzung. Obendrein konnte das Fort vollkommen von Artillerie auf dem Mount Defiance beherrscht werden; dieser Berg war nicht in die Linien mit eingeschlossen.

Das Ergebnis dieser Fehler war ein sehr trauriges. Am 1. Juli 1777 erschien Burgoynes Heer vor der Festung. Riedesel war mit den Deutschen auf dem östlichen Ufer des Sees und operierte gegen Mount Independence. Ein nur kleines Gefecht fand statt. Der amerikanische Befehlshaber St. Clair trat, als er sich in Gefahr sah, umzingelt zu werden, mit der Besatzung von ungefähr 3300 Mann den Rückzug an und liess die Forts mit mehr als 70 Kanonen, 200 Stück Vieh und einem grossen Magazin von Munition und Proviant in den Händen der britischen Armee. Die Überbleibsel der amerikanischen Flotte, welche in der Richtung auf Whitehall floh, wurde sofort von den Briten verfolgt, die nur etwas aufgehalten wurden durch die Notwendigkeit, eine Brücke zu durchbrechen, welche über den See gebaut worden war. Zwei von den fünf Schiffen wurden genommen, die andern drei von den zurückgehenden Amerikanern verbrannt, die auf diese Weise alles Material verloren, welches sie zu retten sich bemüht hatten.

Das Gros von St. Clairs Korps ging auf der Strasse nach Hubbardton zurück. General Fraser blieb mit zwanzig englischen Kompagnien dicht auf den Fersen, unterstützt von Riedesel mit drei braunschweigischen Bataillonen. Fraser holte die Nachhut der Amerikaner unter Oberst Warner bei Hubbardton am 7. Juli ein, wurde schneidig angegriffen und in der Flanke gefasst. Er wäre geworfen worden, wenn ihm nicht Riedesel zu Hilfe gekommen wäre. Die Amerikaner wurden nun zurückgeworfen. Ihr Verlust ist nicht genau bekannt geworden, aber ungefähr 200 Nachzügler und Verwundete wurden an diesem Tage gefangen genommen. Die Braunschweiger hatten 22 Mann tot oder verwundet, die Briten 155. Dies war das erste Gefecht, welches Riedesel in Amerika mitmachte.

Am 8. Juli wurde ein britisches Regiment aus Fort Anne vertrieben, aber die Amerikaner liessen es wieder im Stich, nachdem sie es zerstört hatten.

Am 22. Juli erliess General von Riedesel einen Befehl gegen das Marodieren und drohte allen Soldaten, die dessen schuldig befunden wurden, in dem ersten Falle mit Prügeln, im zweiten mit vier mal Spiessrutenlaufen. Die Offiziere hätten zu entscheiden, was gesetzliche Beute wäre. Riedesel gab diesen Befehl auf Verlangen Burgoynes, welcher die Tory-Kolonisten der Umgegend ermutigen wollte. Die Gelegenheit, in Amerika zu plündern, war somit für die Braunschweiger beinahe vorüber.

Das Terrain zwischen Lake Champlain und dem Hudson war so rauh, dass Burgoyne einen Monat gebrauchte, um seine Armee die 25 Meilen vorwärts zu bringen, welche zwischen Whitehall und Fort Edward lagen. »Die Schwierigkeit zu marschieren war gross, wurde aber in der besten Stimmung überwunden,« schreibt Burgoyne am 30. Juli 77 an Lord George Germaine. »Das Land ist vollständige Wildnis und beinahe überall hatte der Feind mit grossen Baumstämmen die Wege gesperrt, so dass sie quer und längs mit den Zweigen ineinander herübergefallen waren. Die Truppen mussten nicht nur an vielen Stellen, die man unmöglich umgehen konnte, dieselben hinwegräumen, sondern auch über 40 Brücken bauen und andere wieder herstellen, die eine davon, aus Bauholz bestehend, über einen Morast von 2 Meilen Ausdehnung.« Wir finden einen Brief von Burgoyne an Riedesel vom 18. Juli, in welchem er diesem zuredet, seine Offiziere die Bagage verringern zu lassen. Viele englische Offiziere, sagt Burgoyne, sind auf ein kleines Zelt und einen Reisesack reduziert worden.

Die Armee begegnete nur geringem Widerstand auf ihrem Wege, obschon kein Tag verging, ohne dass geschossen wurde. Die Amerikaner hatten sich auf Saratoga zurückgezogen. Jedoch nicht vor dem 9. August konnte Brigade-General Fraser die Avantgarde bis Fort Miller, 7 Meilen jenseits Fort Edward vorschieben. Oberstlieutenant Baum folgte ihm mit den braunschweigischen Dragonern zu Fuss und leichter Infanterie, einigen canadischen Freiwilligen und 2 kleinen Kanonen. Zuerst hatte Riedesel vorgeschlagen, und Burgoyne hatte es gebilligt, dass Baums Korps eine Expedition in das Connecticut-Thal machen sollte, um Pferde und Zugvieh aufzutreiben. Das herzoglich braunschweigische Dragoner-Regiment wurde auf diese Weise auf Kosten der Amerikaner beritten gemacht, und die britische Armee sollte mit Packpferden versehen werden. Um die drängende Notwendigkeit von Lasttieren zu verstehen, müssen wir bedenken, dass die Armee mit Brot aus englischem Mehl und Fleisch verpflegt wurde, welches in England gesalzen war, und dass diese Vorräte von Lake Champlain oder Lake George nach dem Hudson auf den Rücken von Menschen transportiert werden musste. Indes, der Plan wurde geändert bevor die Kolonne Fort Miller passiert hatte, und anstatt nach Manchester zu marschieren, wurde die Expedition nach Bennington dirigiert, wo man annahm, dass die Amerikaner ein grosses Lager von Vorräten hätten. Riedesel nahm sich die Freiheit, gegen diese Befehlsänderung Einsprache zu erheben, aber Burgoyne hielt aus folgenden Gründen daran fest: Erstens würde es von grösstem Vorteil für die Armee sein, 10 oder 12 Tage lang von den Vorräten zu leben, welche man in Bennington finden würde. Zweitens wollte er (Burgoyne) mit der Haupt-Armee nach Stillwater vorgehen, so dass Arnold nicht im Stande sein würde, ein starkes Detachement abzuschicken, um Baum aufzuhalten. Drittens hatte er erfahren, dass St. Leger Fort Stanwix am oberen Lauf des Mohawk-River belagerte, und dass es wichtig sei, Arnold zu verhindern, ein starkes Korps zu dessen Entsatz zu entsenden. Infolgedessen brach Oberstlieutenant Baum am 11. August 1777 nach Bennington auf mit ungefähr 550 Weissen, von denen 374 Deutsche waren. Ungefähr 150 Indianer schlossen sich der Expedition an. Dies gefiel dem Tory nicht, welcher als Führer diente. Er sagte Burgoyne, dass wenigstens 3000 Mann nötig wären, um des Erfolges gewiss zu sein, aber Burgoyne wollte und konnte auch in der That nicht so viele erübrigen.

Am 12. erbeutete Baum einige Vorräte und Vieh in Cambridge.

Am Morgen des 14. fand er einige Vorräte in Sancoik und machte 5 Gefangene. Er meldete Burgoyne, dass Bennington von 15 oder 1800 Mann besetzt sei, aber dass diese wohl bei seiner Annäherung abziehen würden. Er wollte soweit vorgehen, dass er am andern Morgen in der Frühe den Feind überfallen könnte und wollte nach den eingegangenen Nachrichten die notwendigen Dispositionen treffen. Leute strömten in Menge herbei und verlangten bewaffnet zu werden. Die Indianer konnten nicht mehr im Zaum gehalten werden und zerstörten und nahmen alles was ihnen beliebte. Baum, der nicht englisch sprechen konnte, war offenbar auf die Versicherungen des Tory-Gouverneurs Skene angewiesen, der als eine sehr glaubwürdige Persönlichkeit geschienen haben mochte. Burgoyne scheint nicht ganz die irrigen Ansichten seines Untergebenen geteilt zu haben, denn er antwortete mit dem Befehl, Baum sollte nicht weiter vordringen, wenn er den Feind in zu grosser Stärke vorfinden würde, und sollte den Plan aufgeben, einen riskierten Handstreich zu unternehmen. Später an demselben Tage meldete Baum noch, dass er von einer 700 Mann starken Abteilung Rebellen angegriffen worden sei, die er mit ein paar Kanonenschüssen vertrieben hätte, dass aber 1800 Mann in einem günstig gelegenen, befestigten Lager bei Bennington ständen, und dass er auf Verstärkung warten wollte. Diese Meldung bekam Burgoyne während der Nacht, und um 8 Uhr morgens des 15. marschierte Oberstlieutenant Breymann auf seinen Befehl mit 642 Deutschen zu Baums Unterstützung ab. Breymann brach ohne Zelte, Bagage oder genügende Munition und nur mit 2 kleinen Feldgeschützen auf. Er hatte nur 24 Meilen zu marschieren, doch legte er nur etwas mehr als die Hälfte der Entfernung zurück, bevor ihn die Nacht zum Biwakieren zwang. Es war ein regnerischer Tag und der Weg war schlecht, trotzdem scheint eine solche Langsamkeit einer Abteilung Soldaten in leichter Marschordnung, die zur Unterstützung ihrer Waffenbrüder vorgehen, unglaublich. Ich habe keine vollkommene Beschreibung der Uniform der braunschweigischen Infanterie gefunden. Riedesel hatte einige Änderungen eingeführt, welche der Dienst und das Klima erfordert hatten, aber sie war doch noch viel zu schwer. Ein grosser Teil von Baums Leuten waren Dragoner zu Fuss. Sie waren mit kurzen, dicken Flinten und schweren Säbeln bewaffnet. Man erzählte sich in der Armee, dass ihr Helm und Säbel allein mehr wog als die ganze Ausrüstung eines englischen Soldaten. Ein so ausgerüsteter Mann möchte zu Pferde auf einem ebenen Grunde furchteinflössend sein, aber zu Fuss, im August, auf einem Marsche durch den dichten Wald war er kaum einem amerikanischen Farmer oder Jäger in Hemdsärmeln gewachsen.

Es ist klar, dass sich niemand, auch Baum selbst nicht, des Ernstes der Situation bewusst war. Am Vormittag des 15. schrieb Burgoyne, dass, wenn ein Rückzug nöthig werden sollte, er so angeordnet werden müsse, dass dem Feind keine Gelegenheit zu einem Erfolg gegeben werde, damit die Indianer nicht entmutigt würden. Deshalb musste alles erbeutete Vieh und die erbeuteten Wagen weggeschafft werden, und alles Mehl und Korn, welches man nicht mitnehmen konnte, sollte unbrauchbar gemacht werden. Erst später kam Burgoyne auf den Gedanken, dass man wohl besser Breymann ohne Artillerie vorgeschoben hätte.

Oberstlieutenant Baum brachte den 15. August 1777 damit zu, sich auf einem Berge 4 Meilen nördlich Bennington einzugraben. Ungefähr um 9 Uhr morgens am 16. bemerkte er kleine Abteilungen von Leuten, zum grossen Teil in Hemdsärmeln und mit Vogelflinten auf der Schulter, schnell und geräuschlos hinter seinem verschanzten Lager vorbeipassieren. Der gute Offizier hielt diese Leute in Hemdsärmeln für Tories, welche seinen Schutz suchen wollten. Man sagt, dass viele Leute in jenem Teile des Landes dem Könige den Eid geleistet hätten. Im Laufe des Morgens wurde ein Angriff gemacht, aber mit Leichtigkeit abgeschlagen. Schliesslich um 3 Uhr nachmittags wurden die Deutschen vollständig umzingelt, und der Kampf begann mit ziemlichem Ernst. Die meisten Indianer, Canadier und Tories machten sich aus dem Staube. Die Braunschweiger hielten 1 oder 2 Stunden aus, bis ihre Munition anfing auszugehen. Die Amerikaner fochten mit Verzweiflung. Sie näherten sich bis auf 8 Schritt den Kanonen, die mit Kartätschen geladen waren und feuerten ihre Gewehre auf die Kanoniere ab. Stark, der sie kommandierte, hatte sie durch seinen Mut angefeuert. »Kommt nur, meine Jungens,« soll er vor dem Gefecht gesagt haben, wie berichtet wird, »entweder schlagen wir die Briten oder Molly Stark wird diese Nacht Witwe sein.« Schliesslich schlief das Feuer der Deutschen ein. Die Yankees stürmten noch einmal die Schanzgräben. Es ging Gewehrkolben gegen Säbel. Baum wurde tötlich verwundet und die Braunschweiger gefangen genommen.