Die Herrin und ihr Knecht

Part 32

Chapter 32617 wordsPublic domain

Längst sind die Mauern des Gehöftes geweißt und gestrichen, und nur der Blutfleck unter dem Fenster leuchtet noch mahnend und klagend über den Hof. Und wenn die Gutsherrin im Abendschein auf der Bank vor der grünen Wiese rastet, dann streift ihr Auge manchmal über den kaum merklichen Erdbuckel, der schmucklos und ohne Kennzeichen ein Grab überwölbt. Aber in ihren weißen Zügen regt sich nichts mehr. Sie fühlt gleich all den Tausenden und Millionen ihrer Landsleute, daß jeder Deutsche allein und auf sich gestellt in der Welt steht. Kein schwächliches und bewunderndes über-die-Grenze-Spähen gibt es mehr. Der Deutsche wird den Nachbarn von rechts und links wohl ohne Haß und Groll die Hand hinstrecken, wird mit ihnen aufwärts wandern und handeln und tauschen, aber das Tiefste, das Herz an Herzen bindet, das höchste Gefühl der Glückseligkeit, daß er nicht gänzlich vereinsamt im Wirbel des Geschehens treibe, das findet er nur bei dem deutschen Bruder.

Und wie die Älteste von Maritzken, so sinnt nun das ganze weite Land, beseelt von dieser starken Gewißheit, und harrt und wartet.

_Ende._

[ Hinweise zur Transkription

Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. In dieser Transkription werden _gesperrt_ gesetzte Schrift sowie Textanteile in =Antiqua-Schrift= hervorgehoben (jedoch nicht römische Zahlen).

Der Halbtitel wurde entfernt.

Punkt und Komma am Ende von Anführungszeichen wurden generell geändert von "«." in ".«" und von "«," in ",«".

Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "Sebalduskirche" -- "Sebaldus-Kirche", "slavisch" -- "slawisch",

mit folgenden Ausnahmen,

Seite 57: "sprochen" geändert in "versprochen" (von der er sich einmal Erfolg versprochen)

Seite 60: " »" geändert in "« " (wirklich an lieben Fritz Harder.« Und nach einer Weile)

Seite 69: "ihrere" geändert in "ihrer" (wegen ihrer altpreußischen Gesinnung bekannt)

Seite 72: "Entttäuschungen" geändert in "Enttäuschungen" (und an Enttäuschungen reiche Pflicht)

Seite 79: "«" eingefügt (fürsorglich aus unserer Pulverecke fortschafft.«)

Seite 93: "«" eingefügt (etwas vorschreiben oder gar befehlen zu wollen.«)

Seite 131: "Zigarrette" geändert in "Zigarette" (eine Zigarette an sich riß und rasch)

Seite 173: "sein" geändert in "seine" (das bessere Teil von ihm, seine Seele)

Seite 180: "Wandrer" geändert in "Wanderer" (der in sich gekehrte Wanderer)

Seite 190: "«" eingefügt (»Oh mein Gott, wie wird es uns ergehen!«)

Seite 191: "Haft" geändert in "Hast" (In nervöser Hast fingerte sie auf der Platte)

Seite 233: "«" hinter "Sinn." entfernt (schoß es ihm durch den Sinn.)

Seite 255: "aberteuerliches" geändert in "abenteuerliches" (vielleicht nur ein abenteuerliches Mißverständnis)

Seite 260: "großes" geändert in "großen" (die lähmende Ruhe des großen Gemaches)

Seite 304: "etwas" geändert in "etwa" (Sie sind doch nicht etwa als Spion)

Seite 304: "alles" geändert in "allen" (nach allen Seiten hinauszuspähen)

Seite 312: "gelähmter" geändert in "gelähmten" (als sie in ihrer gelähmten Haltung verharrte)

Seite 323: "nordddeutsch" geändert in "norddeutsch" (als ihr norddeutsch kühles Auge jetzt auffing)

Seite 359: "«" hinter "vonnöten." entfernt (einer so hohen Behörde gewiß nicht vonnöten.)

Seite 383: "einflössen" geändert in "einflößen" (auch einem minder Verzweifelten Furcht einflößen können)

Seite 386: "Dimirti" geändert in "Dimitri" (Fürst Dimitri Fergussow, der Adjutant des Zaren)

Seite 390: "etwas" geändert in "etwa" (Soll das etwa heißen, daß ich hier überflüssig sei?)

Seite 392: "zersausten" geändert in "zerzausten" (mit flatternden und zerzausten Plantüchern)

Seite 400: "-" eingefügt (während er unruhig im Zimmer auf- und niederschritt)

Seite 401: "," geändert in "." (ich kann und darf Sie nicht damit ängstigen.)

Seite 403: "Anwort" geändert in "Antwort" (und zetert und brüllt um Antwort)

Seite 412: "den" geändert in "dem" (Auch wird in dem dumpfen Raum kein Mensch)

Seite 419: Zeilen 7 und 8 vertauscht

Seite 422: "«" eingefügt (richtig und sauber hervorziehen kann.«)

Seite 430: "Er" geändert in "Es" (Es tat ihr nicht gut)

sowie Seite 339: "III." geändert in "IV." Seite 378: "IV." geändert in "V." Seite 414: "V." geändert in "VI."]

End of Project Gutenberg's Die Herrin und ihr Knecht, by Georg Engel