Die Hanse und England von Eduards III. bis auf Heinrichs VIII. Zeit

Chapter 1

Chapter 13,250 wordsPublic domain

ABHANDLUNGEN ZUR VERKEHRS- UND SEEGESCHICHTE

V

IM AUFTRAGE DES HANSISCHEN GESCHICHTSVEREINS HERAUSGEGEBEN VON

DIETRICH SCHÄFER

BAND V

DIE HANSE UND ENGLAND

VON EDUARDS III. BIS AUF HEINRICHS VIII. ZEIT

VON

Dr. FRIEDRICH SCHULZ

BERLIN KARL CURTIUS 1911

MEINEN ELTERN

Vorwort.

Die hansischen Kaufleute haben, gestützt auf weitgehende Privilegien, die einflußreiche Stellung, welche sie in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts im englischen Handelsleben errungen hatten, bis ins 16. Jahrhundert innegehabt. Doch haben sie ihre Herrschaft auf den englischen Märkten nicht ohne Kampf behauptet. Die englischen Kaufleute machten immer wieder den Versuch, die Freiheiten der Hansen zu beseitigen und ihre Konkurrenten aus der Ein- und Ausfuhr Englands zu verdrängen. Anderthalb Jahrhunderte sind ihre Anstrengungen ergebnislos geblieben. Ebenso haben die Engländer in dieser Zeit in den östlichen Gebieten, welche dem europäischen Westen wichtige Rohstoffe lieferten, nicht festen Fuß fassen können. Es soll die Aufgabe der vorliegenden Arbeit sein, diese Kämpfe der Hansen um ihre Privilegien und Stellung in England und die Versuche der englischen Kaufleute, in die Gebiete der hansischen Handelsherrschaft einzudringen, zu schildern. Ich habe die Darstellung nur bis zu dem großen Ansturm, der um 1520 unter Wolseys Führung auf die hansischen Freiheiten stattfand, nicht bis zur Aufhebung der Privilegien unter Elisabeth geführt. Denn in dem letzten halben Jahrhundert dieses großen Ringens waren die Gegner nicht mehr dieselben wie früher. Die Hanse ging unaufhaltsam ihrer Auflösung entgegen, während sich England unter der Leitung seiner Könige zu einem festen und starken Nationalstaat konsolidierte, der seine Wirtschaftspolitik allein nach nationalen Gesichtspunkten einrichtete.

Diese hundertundfünfzigjährige Periode deutsch-englischer Beziehungen ist im ganzen noch nicht behandelt worden. Daenell führt seine Darstellung nur bis zum Utrechter Frieden, dem Höhepunkt der hansischen Handelsherrschaft in England; Schanz behandelt in der Hauptsache nur die Zeit der beiden ersten Tudors.

Im 9. Kapitel habe ich versucht, ein Bild von den hansischen Niederlassungen in England zu geben. Da das Material hierüber sehr gering ist, habe ich mich auf einzelne Punkte und Institutionen beschränkt, die einigermaßen klarliegen.

Die Arbeit beruht zum größten Teil auf den Publikationen des hansischen Geschichtsvereins, den Hanserezessen, hansischen Urkundenbüchern und hansischen Geschichtsquellen. Andere Publikationen bieten daneben nur noch vereinzelte Nachrichten.

Meiner Schwester danke ich für die Hilfe, die sie mir beim Lesen des Manuskripts und der Korrekturen geleistet hat.

Berlin, im August 1911.

Friedrich Schulz.

Verzeichnis der mehrmals zitierten Werke und Abhandlungen.

Arup, E., Studier i engelsk og tysk handels historie. Kopenhagen 1907.

Ashley, W. J., Englische Wirtschaftsgeschichte, Übersetzung aus dem Englischen von R. Oppenheim. Leipzig 1896.

Baasch, E., Die Islandfahrt der Deutschen, namentlich der Hamburger vom 15. bis 17. Jahrhundert. Hamburg 1889.

Bugge, A., Handelen mellem England og Norge indtil begyndelsen af det 15 de aarhundrede. Historisk Tidsskrift 3. R. 4. Bd. Kristiania 1898.

Caspar Weinreich, Danziger Chronik. Scriptores rerum Prussicarum. Bd. IV. Leipzig 1870.

Christensen, W., Unionskongerne og Hansestaederne 1439-1466. Kopenhagen 1895.

Cunningham, W., The growth of English industry and commerce during the early and middle ages. Cambr. 1905.

Daenell, E., Die Blütezeit der Deutschen Hanse. Hansische Geschichte von der zweiten Hälfte des 14. bis zum letzten Viertel des 15. Jahrhunderts. 2 Bde. Berlin 1905-06.

-- _Geschichte_ der Deutschen _Hanse_ in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Leipzig 1897.

Ehrenberg, R., Hamburg und England im Zeitalter der Königin Elisabeth. Jena 1896.

Erslev, K., Dronning _Margrethe_ og Kalmarunionens Grundlæggelse. Kopenhagen 1882.

Fisher, H. A. L., The history of England 1485-1547. London 1906.

Hamb. Chron.: Hamburgische Chroniken in niedersächsischer Sprache, hrsg. von J. M. Lappenberg. Hamburg 1861.

Hans. Gesch. BII.: Hansische Geschichtsblätter. Jahrgang 1871-1910. Leipzig 1872-1910.

Hans. Gesch. Qu.: Hansische Geschichtsquellen. Bd. III: Frensdorff, Ferd., Dortmunder Statuten und Urtheile. Halle 1882. --

Bd. IV: Schäfer, Dietr., Das Buch des Lübeckischen Vogtes auf Schonen. Halle 1887. -- Bd. VI: Kunze, K., Hanseakten aus England. 1275-1412. Halle 1891. -- N. F. Bd. II: Bruns, F., Die Lübecker Bergenfahrer und ihre Chronistik. Berlin 1900.

Hans. U. B.: Hansisches Urkundenbuch. Bd. 1-3 bearb. von K. Höhlbaum; Bd. 4-6 von K. Kunze; Bd. 8-10 von W. Stein. Halle, Leipzig 1876-1907.

HR.: I. Die Rezesse und andere Akten der Hansetage von 1256 bis 1430, bearb. von K. Koppmann. 8 Bde. Leipzig 1870-97. --II. Hanserezesse von 1431-1476, bearb. von G. von der Bopp. 7 Bde. Leipzig 1876-92. -- III. Hanserezesse von 1477-1530, bearb. von Dietr. Schäfer. 8 Bde. Leipzig 1881-1910.

Hirsch, Th., Danzigs Handels- und Gewerbsgeschichte unter der Herrschaft des Deutschen Ordens. Leipzig 1858.

Jahrb. f. Nat. u. Stat. N. F. VII: Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, hrsg. von Joh. Conrad. Neue Folge. 7. Bd. Jena 1883.

Journals of the House of Lords.

Keutgen, F., Die Beziehungen der Hanse zu England im letzten Drittel des 14. Jahrhunderts. Gießen 1890.

Koppmann, K., Die preußisch-englischen Beziehungen der Hanse 1375-1408. Hansische Geschichtsblätter. Jahrgang 1883.

Korner: Die Chronica novella des Hermann Korner, hrsg. von J. Schwalm. Göttingen 1895.

Kunze, K., Das erste Jahrhundert der Deutschen Hanse in England. Hansische Geschichtsblätter. Jahrgang 1889.

Lappenberg, J. M., Urkundliche Geschichte des Hansischen Stahlhofes zu London. Hamburg 1851.

Libell of Englishe Policye (1436), hrsg. von W. Hertzberg und R. Pauli. Leipzig 1878.

Lohmeyer, K., Geschichte von Ost- und Westpreußen. Gotha 1908.

Lüb. Chron.: Die lübeckischen Chroniken in niederdeutscher Sprache, hrsg. von F. H. Grautoff. Hamburg 1829-30.

Lüb. U. B.: Codex diplomaticus Lubecensis. Abteilung 1. Urkundenbuch der Stadt Lübek. 11 Bde. Lübeck 1843 ff.

Meckl. U. B.: Mecklenburgisches Urkundenbuch, hrsg. vom Verein für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde. 22 Bde. Schwerin 1863 ff.

Oman, C., The history of England 1377-1485. London 1906.

Pauli, Reinh., Die Haltung der _Hansestädte in den Rosenkriegen_. Hansische Geschichtsblätter. Jahrgang 1874.

Pomm. U. B.: Pommersches Urkundenbuch, hrsg. vom Kgl. Staatsarchiv zu Stettin. 6 Bde. Stettin 1868 ff.

Reg. dipl. Dan. I: Regesta diplomatica historiae danicae. Tom. I. Havniae 1847.

Reibstein, Ed., Heinrich Vorrath, Bürgermeister von Danzig, als hansischer Diplomat. Zeitschrift des Westpreußischen Geschichtsvereins. Heft 42. Danzig 1900.

Rot. Parl.: Rotuli parliamentorum; ut et petitiones et placita in parliamento (1278-1503). 6 Bde.

Sattler, K., _Handelsrechnungen_ des Deutschen Ordens. Leipzig 1887.

Schäfer, Dietr., Die Hansestädte und König Waldemar von Dänemark. Hansische Geschichte bis 1376. Jena 1879.

Schanz, Georg, Englische Handelspolitik gegen Ende des Mittelalters mit besonderer Berücksichtigung des Zeitalters der beiden ersten Tudors Heinrich VII. und Heinrich VIII. 2 Bde. Leipzig 1881.

Städtechron.: Die Chroniken der deutschen Städte vom 14. bis ins 16. Jahrhundert. Bd. XIX, XXX. Lübeck Bd. I, IV. Leipzig 1884 und 1910.

Statutes of the realm (1235-1713). 11 Bde. London 1810-28.

Stein, Walther, _Beiträge_ zur Geschichte der deutschen Hanse bis um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Gießen 1900.

-- Die _Hanse und England_. Ein hansisch-englischer Seekrieg im 15. Jahrhundert. Pfingstblätter des Hansischen Geschichtsvereins. Blatt 1. Leipzig 1905.

-- Die _Hansebruderschaft der Kölner Englandfahrer_ und ihr Statut von 1324. Hansische Geschichtsblätter. Jahrgang 1908.

-- Die _Merchant Adventurers_ in Utrecht (1464-1467). Hansische Geschichtsblätter. Jahrgang 1899.

Sundzollregister: Tabeller over Skibsfart og Varetransport gennem Öresund 1497-1660. I. Del. Bearbeitet von Nina Ellinger Bang. Kopenhagen 1906.

Voigt, Cod. dipl. Pruss.: Codex diplomaticus Prussicus. Ed. J. Voigt. 6 Bde. Königsberg 1836 ff.

Wirrer, Ludwig, Die selbständige Entstehung des deutschen Konsulates. Zeitschrift für die gesamte Staatswissenschaft. 50. Jahrgang. Tübingen 1894.

Inhalts-Übersicht.

Seite

Vorwort VII

Verzeichnis der mehrmals zitierten Werke und Abhandlungen IX-XI

Inhaltsübersicht XII-XV

Einleitung: Mannigfaltigkeit der Interessen auf städtischer und englischer Seite 1-3

1. Kapitel: Die Hansen in England und die Engländer in Norwegen, Schonen und den Ostseeländern bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts 4-16

Die Deutschen in England bis zum Beginn des 14. Jahrhunderts S. 4. -- Der Aufschwung des hansischen Handels in der Zeit Eduards III. S. 7. -- Der englische Aktivhandel nach Norwegen, Schonen und den Ostseeländern, besonders nach Preußen S. 12.

2. Kapitel: Die ersten Kämpfe um die hansischen Privilegien. 1371-1380 17-35

Die Verweigerung des Pfundgeldes durch die Hansen und die Verhandlungen im Jahre 1375 S. 17. -- Die Einziehung der hansischen Privilegien beim Regierungsantritt Richards II. S. 23. -- Die Verhandlungen im Jahre 1378 S. 25. -- Die vier englischen Forderungen S. 26. -- Die hansische Gesandtschaft im Jahre 1379 S. 30. -- Die Auslieferung der Privilegien 1380 S. 33. -- Fortdauern der Gegensätze, besonders der Mißstimmung der Preußen gegen die Engländer S. 34. -- Ablehnende Haltung der wendischen Städte gegen einen weiteren Kampf mit England S. 34.

3. Kapitel: Die englische Zoll- und Fremdenpolitik unter Richard II. Der preußisch-englische Konflikt von 1385 bis 1388 36-48

Die Erhebung der Subsidien und der anderen neuen Zölle von den Hansen S. 36. -- Die englische Fremdenpolitik unter Richard II. S. 38. -- Der Versuch Londons, den Geltungsbereich der hansischen Privilegien einzuschränken S. 39. -- Die Wegnahme preußischer Schiffe im Swin im Mai 1385 S. 41. -- Die preußische Gesandtschaft 1386 S. 42. -- Die Beschlagnahme des englischen Guts in Stralsund S. 44. -- Verhandlungen in Marienburg S. 45. -- Abschluß eines Friedens mit Preußen und der Hanse 1388 S. 45.

4. Kapitel: Die Aufhebung des Vertrages von 1388. Die hansisch-englischen Verhandlungen von 1403-1409 49-68

Die Engländer in Preußen S. 49. -- Ein neuer Konflikt zwischen der Hanse und England durch die Erhebung der Subsidien und der Tuchzölle S. 51. -- Kündigung des Vertrages von 1388 durch Preußen S. 53. -- Preußische Gesandtschaft 1403 S. 55. -- Verkehrsverbot der Preußen S. 57. -- Gemeinsames Vorgehen der preußischen und hansischen Städte S. 58. -- Die Verhandlungen in Preußen und in Dordrecht 1405 S. 60. -- Haager Friedensverhandlungen 1407 S. 62. -- Preußisch-englischer Handelsvertrag 1409 S. 66.

5. Kapitel: Die hansisch-englischen Beziehungen bis zum Abschluß des Vertrages von 1437 69-86

Gefährdung der Machtstellung der Hanse um 1410 S. 69. -- Englisches Piratenunwesen in der Nordsee S. 70. -- Verhandlungen zu Konstanz 1417 S. 70. -- Der englische Handel in Preußen im ersten Drittel des 15. Jahrhunderts S. 71. -- Die Hansen in England in derselben Zeit S. 74. -- Die Unterbrechung des englischen Ostseehandels durch den Krieg der wendischen Städte gegen Dänemark S. 78. -- Erhöhung des Pfund- und Tonnengeldes 1431 S. 79. -- Der Hansetag zu Lübeck 1434 S. 80. -- Hansische Gesandtschaft nach England im Herbst 1434 S. 81. -- Zögernde Haltung des Hochmeisters S. 82. -- Hansisch-englische Verhandlungen im Winter 1436-37 S. 84. -- Vertrag vom März 1437 S. 85.

6. Kapitel: Die Nichtbestätigung des Vertrages von 1437 durch die Preußen. Englische Gewaltpolitik in den vierziger und fünfziger Jahren 87-107

Die Ablehnung des Vertrages durch die Preußen S. 87. -- Englische Klagen vor dem Hochmeister und Heinrich VI. S. 88. -- Bedenkliche Lage des hansischen Kaufmanns in England S. 89. -- Preußische Gesandtschaft im Sommer 1447 S. 90. -- Die Suspension der hansischen Privilegien 1447 S. 91. -- Verhandlungen zwischen der Hanse und England zu Lübeck 1449 S. 92. -- Wegnahme der Baienflotte 1449 S. 93. -- Verhandlungen in Flandern im Oktober 1449 S. 94. -- Gefangennahme der englischen Gesandten durch die lübischen Bergenfahrer 1450 S. 96. -- Utrechter Tagfahrt 1451 S. 97. -- Eröffnung der Fehde durch Lübeck S. 98. -- Abschluß eines achtjährigen Stillstandes 1456 S. 99. -- Wegnahme einer lübischen Flotte durch Warwick 1458 S. 100. -- Wiederausbruch der Fehde zwischen Lübeck und England S. 101. --Thronwechsel in England 1461 S. 101. -- Gesandtschaft des rheinisch-westfälischen Drittels nach England 1462 S. 103. -- Verhandlungen zu Hamburg 1465 S. 105. -- Fünfjähriger Stillstand S. 106. -- Englisch-burgundisches Bündnis S. 106.

7. Kapitel: Der hansisch-englische Seekrieg. Der Friede zu Utrecht 108-133

Gefangensetzung und Verurteilung der hansischen Kaufleute in England im Jahre 1468 S. 108. -- Trennung Kölns von der Hanse S. 111. -- Hansetag im April 1469 S. 113. -- Burgundische Vermittlung S. 114. -- Beginn des Kaperkrieges S. 115. -- Bündnisanträge der Westmächte S. 116. -- Hansetag zu Lübeck im September 1470 S. 116. -- Die Zurückführung Eduards IV. nach England mit Hilfe der hansischen Kaper S. 118. -- Das hansische Verkehrsverbot S. 119. -- Der Seekrieg 1471 und 1472 S. 119. -- Friedensstimmung in England S. 121. -- Verhandlungen zu Utrecht im Juli und September 1473 S. 122. -- Bestätigung der Abmachungen durch König und Parlament S. 124. -- Friedensschluß im Februar 1474 S. 125. --Widerstand Danzigs gegen den Vertrag S. 126. --Annahme des Vertrages durch die Städte S. 127. --Wiederherstellung des Londoner Kontors S. 128. --Wiederaufnahme Kölns in die Hanse und in das Kontor S. 129. -- Die Lage des hansischen Handels in England nach dem Frieden S. 130. -- Der englische Ostseehandel S. 131. -- Englands Handel nach Norwegen und Island in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts S. 132.

8. Kapitel: Die hansisch-englischen Beziehungen unter den beiden ersten Tudors 134-165

Verschlechterung der hansisch-englischen Beziehungen durch die steigende Erbitterung der englischen Handelskreise am Ende der achtziger Jahre S. 134. -- Antwerpener Tagfahrten 1491 und 1497 S. 141. -- Tagfahrt zu Brügge 1499 S. 146. -- Sonderverhandlungen zwischen Riga und England S. 148. -- Die Parlamentsakte von 1504 zugunsten der hansischen Kaufleute S. 150. -- Ungetrübte hansisch-englische Beziehungen in der letzten Zeit Heinrichs VII. und in den ersten Jahren Heinrichs VIII. S. 151. -- Wolseys Vorgehen gegen die Hansen seit 1517 S. 154. -- Brügger Tagfahrten von 1520 und 1521 S. 157. -- Umfang des hansischen Handels mit England und des englischen Aktivhandels in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts S. 163.

9. Kapitel: Die hansischen Niederlassungen in England 166-192

1. Verhältnis der Niederlassungen zueinander S. 166. -- Verschiedener Anteil der einzelnen Städtegruppen am Londoner Kontor und den Niederlassungen an der Ostküste S. 168. -- 2. Bestimmungen über die Zulassung zu den hansischen Privilegien in England S. 170. -- Die Verhansung S. 175. -- 3. Die Einteilung in Drittel auf dem Londoner Kontor S. 177. -- Wahl des Vorstandes S. 177. -- Rechte und Pflichten des Vorstandes S. 181. -- Die Klerks S. 183. -- Der englische Ältermann und Justiziar der hansischen Kaufleute S. 184. -- 4. Das Finanzwesen des Kontors S. 187. -- Anhang: Liste der Älterleute des Londoner Kontors von 1383 bis 1520 S. 189. -- der Sekretäre S. 191. -- der englischen Älterleute und Justiziare S. 192.

Schluß: Aufhebung der hansischen Privilegien. Die Ursachen des englischen Siegs 193-195

Einleitung.

Unter den Hansestädten waren vornehmlich die rheinisch-westfälischen und die preußischen Städte am Handel mit England beteiligt. Köln im Westen und Danzig im Osten waren die Hauptträger dieses Verkehrs. Lübeck und die wendischen Städte, der eigentliche Kern der Hanse, standen zurück; ihre kommerziellen Beziehungen zu England waren verhältnismäßig gering. Die Westdeutschen besuchten England seit alters und haben dort dauernd eine Hauptrolle gespielt. Auf dem Londoner Kontor, das aus der alten Kölner Gildhalle hervorgegangen war, bildeten die Kölner und Westfalen wohl stets die Mehrzahl. Die Westdeutschen brachten die Produkte der Landwirtschaft, des Bergbaus und des städtischen Gewerbefleißes ihrer Heimat nach England und holten von dort vor allem Wolle und Tuch. Die Preußen erschienen erst seit dem 14. Jahrhundert in größerer Zahl in England. Die englischen Märkte boten ihnen gute Absatzgebiete für die zahlreichen Rohstoffe, welche das östliche Europa lieferte.

Alle hansischen Kaufleute verband das gemeinsame Interesse, die privilegierte Stellung, welche sie ihrem Handel in England errungen hatten, zu behaupten. Ein Angriff auf ihre Freiheiten traf alle in gleicher Weise und mußte sie zu gemeinsamer Abwehr zusammenführen. Aber es bestanden auch scharfe Interessengegensätze zwischen den einzelnen hansischen Gruppen, so daß das Band, welches alle Städte England gegenüber verknüpfte, oft nicht stark genug war, die widerstreitenden Interessen zusammenzuhalten. Köln und Danzig haben sich wiederholt um ihres Sondervorteils willen von ihren Genossen getrennt und die Sache der Hanse verraten. Die Verschiedenheit der städtischen Interessen beruhte nicht bloß auf der oben skizzierten verschiedenen Beteiligung an dem englischen Handel; es kam noch ein anderer wichtiger Unterschied zwischen dem Osten und dem Westen der Hanse hinzu, der englische Handel nach Preußen. Die englischen Kaufleute verkehrten im 14. und 15. Jahrhundert nur sehr wenig in den Hansestädten, dagegen unterhielten sie einen beträchtlichen Eigenhandel nach Preußen. Die preußischen Städte waren bestrebt, die englische Konkurrenz nicht zu mächtig werden zu lassen. Köln und seine Nachbarn zeigten aber wenig Lust, sich für diese preußischen Sonderinteressen einzusetzen und ihretwegen ihren gewinnreichen Handel mit England zu unterbrechen. Doch konnten sie es oft nicht verhindern, daß sie in den preußisch-englischen Gegensatz hineingezogen wurden. Hansisch-englische Konflikte waren oft nur preußisch-englische Konflikte.

Die hansischen Kaufleute verdankten ihre bevorzugte Stellung in England hauptsächlich zwei Gründen, ihrer Tätigkeit als Handelsvermittler zwischen dem östlichen und dem westlichen Europa und der dynastischen Politik der englischen Könige. Obwohl Englands Handelsstand an Unternehmungsgeist und Rührigkeit dem der anderen Nationen durchaus nicht nachstand, lag im 14. und 15. Jahrhundert die englische Ein- und Ausfuhr zu einem sehr großen Teil in den Händen auswärtiger Kaufleute. Die englischen Könige haben wohl zuweilen versucht, den Handel und die Schiffahrt ihres Landes gegen die Fremden zu heben; aber dieses Ziel konsequent zu verfolgen, lag ihnen fern. Ihre von dynastischen Gesichtspunkten geleitete Politik und finanzielle Rücksichten hinderten sie, die Forderungen ihrer Kaufleute zu erfüllen und das Übergewicht des fremden Handels zu beseitigen. Sie sahen in der Handelspolitik in erster Linie ein Mittel, ihre Finanzen zu vermehren. Eine Beschränkung des auswärtigen Handels hätte aber gerade das Gegenteil bewirkt, die Zolleinnahmen vermindert. Es ist ferner schon öfter darauf hingewiesen worden, welche nachteiligen Folgen die zahlreichen äußeren und inneren Kriege für den englischen Handel hatten. Der hundertjährige Krieg mit Frankreich und die jahrzehntelangen Kämpfe der beiden Rosen nahmen die Kräfte des Landes so völlig in Anspruch, daß die gesunde Entwicklung des Handels und der Schiffahrt gehemmt wurde.

Doch war es nicht bloß das eigene Interesse, welches die englischen Könige veranlaßte, den hansischen Handel zu begünstigen und zu fördern. Auch die große Mehrzahl des Landes wünschte eine Beschränkung des hansischen Verkehrs nicht. Die Hansen fanden wiederholt bei den weltlichen und geistlichen Großen Unterstützung gegen die Forderungen der englischen Kaufleute. Denn die Grundbesitzer und auch die Handwerker hofften einerseits durch die Konkurrenz der Fremden bessere Preise für ihre Erzeugnisse zu erzielen; andrerseits konnten und wollten sie auf die notwendigen Rohstoffe des östlichen Europa nicht verzichten, welche ihnen fast allein durch die Hansen zugeführt wurden. Solange daher die Hansen imstande waren, die Fremden von dem ostwestlichen Verkehr fernzuhalten und auf den englischen Märkten als die einzigen oder doch weitaus wichtigsten Vermittler der zahlreichen Rohstoffe des Ostens aufzutreten, war ihr Handel in England unentbehrlich.

1. Kapitel.

Die Hansen in England und die Engländer in Norwegen, Schonen und den Ostseeländern bis in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Deutsche Kaufleute verkehrten seit alters auf den englischen Märkten und erfreuten sich schon früh gesetzlichen Schutzes. Bereits unter König Ethelred II. (978-1016) wurden sie als Untertanen des Kaisers guter Gesetze würdig befunden wie die Bürger Londons selbst[1]. Auf ihre Stellung waren auch später die engen politischen und dynastischen Beziehungen zwischen England und Deutschland von nicht geringem Einfluß[2]. Die Annäherung Heinrichs II. an Friedrich Barbarossa, die Verschwägerung der Plantagenets mit den Welfen und im 13. Jahrhundert die Wahl Richards von Cornwallis zum deutschen König haben den deutschen Handel nicht wenig gefördert und ihm neue Freiheiten und Vergünstigungen eingebracht[3].

Die Kölner hatten unter den Deutschen die Führung. Sie waren schon unter Heinrich II. im Besitze eines eignen Hauses in London, der sogenannten Gildhalle, und hatten das Recht, eine staatlich anerkannte Genossenschaft, eine Hanse, zu bilden[4]. Bis ins 13. Jahrhundert wurde England allein von westdeutschen Händlern aufgesucht. Erst seit dieser Zeit kamen auch Kaufleute von der Ostsee dorthin. Den Kölnern und ihren Genossen war die neue Konkurrenz äußerst unangenehm, und sie suchten den Verkehr der Ostseestädte zu unterbinden, indem sie den Angehörigen jener den Beitritt zu ihrer Genossenschaft versagten oder wenigstens sehr erschwerten. Gegen ihre Plackereien erwirkte Lübeck 1226 zu seinen Gunsten einen Spruch des Kaisers, der die lübischen Kaufleute den Westdeutschen gleichstellte und sie von den unrechtmäßigen Abgaben beim Eintritt in die Hanse befreite[5]. Ob die Entscheidung des Kaisers großen Erfolg gehabt hat, wissen wir nicht. Die Lübecker setzten aber ihren Verkehr nach England fort und erwarben einige Jahrzehnte später dieselbe Freiheit, welche die Kölner bis dahin allein von allen Deutschen besaßen. 1266 verlieh Heinrich III. den Hamburgern und zu Anfang des nächsten Jahres den Lübeckern das Recht, nach dem Vorbilde der kölnischen im ganzen Reich eine Hanse zu haben[6]. Hierdurch wurde die Sonderstellung Kölns beseitigt. Das Nebeneinander der drei städtischen Genossenschaften ließ sich aber nicht lange aufrecht erhalten. Die Einzelhansen vereinigten sich bald zur Gesamthanse der Deutschen. Die näheren Umstände dieses Zusammenschlusses kennen wir nicht; wir sehen nur, daß seit dem Ende des 13. Jahrhunderts die neue Genossenschaft als die Hanse der Deutschen (hansa Alemannie) erscheint[7].