Chapter 8
Er sprachs und hob die Hand empor mit Spott, Ließ beide Daumen durch die Finger ragen Und rief dann aus: "Nimms hin, dies gilt dir, Gott!" Seitdem seh ich die Schlangen mit Behagen, Weil gleich um seinen Hals sich eine wand, Als sagte sie: Du sollst nichts weiter sagen. Die zweite schlang sich um die Arm und band Sie vorn, sich selbst umwickelnd, so zusammen, Daß er nicht Raum damit zu zucken fand. Was übergibst du dich nicht selbst den Flammen, Pistoja, du, und tilgst dich in der Glut? Sind Frevler alle doch, die dir entstammen? Nie fand ich so verruchten Übermut. Selbst Kapaneus gottlästerndes Erfrechen Erhob sich nicht zu dieses Diebes Wut. Er floh von dannen, ohn ein Wort zu sprechen, Und ein Zentaur kam rennend, pfeilgeschwind, Und schrie voll Wut: "Wo find ich diesen Frechen?" Nicht glaub ich, daß so viel der Schlangen sind An Tusciens Strand, als ihm am Kreuze hingen. Bis dahin, wo des Menschen Form beginnt. Ein Drache hielt mit ausgespreizten Schwingen Sich an den Schultern fest und spie mit Macht Glut auf uns alle, die vorübergingen. Da sprach mein Meister: "Kakus ists, hab acht! Er ist es, der so oft zu blutgen Teichen Die Auen unterm Aventin gemacht. Er geht nicht einen Weg mit seinesgleichen, Weil er als Dieb den schlauen Trug vollführt, Mit jener großen Herde zu entweichen. Dafür ward ihm der Lohn, der ihm gebührt, Weil Herkuls Keul ihn traf mit hundert Schlägen, Von welchen er vielleicht nicht zehn gespürt." Enteilt war Kakus schon und uns entgegen Herkamen drei an jenem tiefen Ort, Doch könnt uns erst ihr laut Geschrei bewegen, Auf sie hinabzuschaun: "Wer seid ihr dort?" Drum blieben wir in der Erzählung stehen Und horchten hin nach dieser Schatten Wort. Von ihnen hatt ich keinen je gesehen, Da rief den andern einer dieser drei Und nannt ihn, wies durch Zufall oft geschehen. "Wo bleibst du, Cianfa?" rief er, "Komm herbei!" Drum legt ich auf die Lippen meinen Finger, Damit mein Führer horch und stille sei. Meinst du jetzt, Leser, daß ich Hinterbringer Von eiteln Fabeln sei, so staun ich nicht; Ich sahs, doch ist mein Zweifel kaum geringer. Von vornher warf sich, wie ich das Gesicht Auf sie gekehrt, schnell eine von den Schlangen Mit drei Paar Füßen her und packt ihn dicht. Der Bauch ward von dem mittlern Paar umfangen, Indes das vordre Paar die Arm umfing, Dann schlug sie ihre Zähn in beide Wangen. Wie an den Lenden drauf das Hintre hing, Schlug sie den Schwanz durch zwischen beiden Beinen Und drückt ihn hinten an als engen Ring. Kein Efeu kann dem Baum sich so vereinen, Wie dieses Ungetüm sich wunderbar An jenes Glieder schmiegte mit den seinen. Zusammen klebte plötzlich dann dies Paar, Wie warmes Wachs, die Farben so vermengend, Daß keins von beiden mehr dasselbe war, Gleichwie die Flammen, ein Papier versengend, Bevor es brennt, mit Braun es überziehn, Noch eh es Schwarz wird, schon das Weiß verdrängend. Die andern beiden, ihn betrachtend, schrien: "Weh dir, Agnel, du bist nicht zwei, nicht einer! Doch sieh, dir ist ein andres Bild verliehn!" Schon war vereint der Schlange Kopf und seiner, Aus zwei Gestalten sah man ein entstehn, Vermischt, verwirrt, doch gleich von beiden keiner. Die Arme sah man auseinandergehn; Sie wurden vier, und Bauch und Brust und Lenden, Sie wurden Glieder, wie man nie gesehn. Es schien, als ob die vorgen ganz verschwänden. Nicht zwei, nicht einer schiens, und ganz entstellt Sah ich das Bild sich langsam abwärts wenden. Gleichwie die Eidechs öfters, wenn die Welt Der Hundstern peitscht, blitzschnell von Dorn zu Dorne, Von Zaun zu Zaun quer durch die Straße schnellt, So fuhr jetzt eine Schlang in wildem Zorne Auf jene zwei nach ihren Bäuchen hin, Bläulich und schwarz, gleich einem Pfefferkorne. Und durch den Teil, der bei des Seins Beginn Uns Nahrung zuführt, bohrte sie den einen, Dann fiel sie ausgestreckt vor ihm dahin. Er sah sie starr, mit festgeschlossnen Beinen, Stillschweigend, gähnend, an, und mußte mir Wie schläfrig oder fieberhaft erscheinen. Nach ihm hin sah die Schlang und er nach ihr, Sie rauchend aus dem Maul, er aus der Wunde, Dann nahte sich der Rauch von dort und hier. Still schweige jetzt Lucan mit seiner Kunde Vom Unglück des Sabell und vom Nasid, Und horchend häng er nur an meinem Munde. Von Arethus und Kadmus schweig Ovid; Denn wenn er ihn zum Drachen umgedichtet. Und Sie zum Quell, so neid ich nicht sein Lied. Nie hat er von zwei Wesen uns berichtet, Die umgetauscht Gestalt und Stoff und Sein, Indem sie starr auf sich den Blick gerichtet. Gleich ging die Wandlung fort in jenen zwein. Zur Gabel spaltete den Schwanz die Schlange, Und der Gestochne drückte Bein an Bein. Sie klebten aneinander, und nicht lange Hatt es gewährt, als auch die Fuge schwand, Verdrängt vom völligen Zusammenhange. Der Lenden Form, die hier entwich, entstand Am Gabelschweif; die Haut schien zu erweichen; Hart ward sie dort, nach Schlangenart gespannt. Die Arme sah ich in die Schultern weichen, Der Schlange kurze Vorderfüße dann, Wie jene schwanden, weiter vorwärts reichen. Wie drauf zu jedem Gliede, das der Mann Zu bergen pflegt, die hinten sich verbanden, So fing sich seins in zwei zu teilen an. Und unterm Rauch, der beide deckt, entstanden Ganz neue Farben, sproßten Haare vor Und zeigten hier sich, wenn sie dort verschwanden. Er sank dahin, Sie raffte sich empor, Doch blieb der Kopf mit jenen starren Blicken, Durch die er selbst nun seine Form verlor. An dem, der stand, schien er sich platt zu drücken, Auch sah man von dem Fleisch, das hinter drang, Die Ohren seitwärts aus den Wangen rücken. Aus dem, was vorn zurückeblieb, entsprang Ein Lippenpaar, wie sichs gebührt, erhoben. Und eine Nase, zugespitzt und lang. An dem, der dort lag, trieb der Mund nach oben, Auch wurden nach der Schneckenhörner Brauch Die Ohren in den Kopf zurückgeschoben. Die Zung, erst ganz, zur Rede schnell, ward auch Nunmehr geteilt, und ganz ward die geteilte Im Mund des andern, und es blieb der Rauch. Der Geist, jetzt Schlange, zischte laut und eilte Durchs Tal davon--der andre spuckt ihr nach, Indem er noch, sie schmähend, dort verweilte. Dann kehrt er ihr den Rucken zu und sprach: "So schlüpfe, Buoso, nun durch diese Gründe, Statt meiner, auf dem Bauch in Qual und Schmach." So mischt im siebenten der Lasterschlünde Sich Bild und Bild, drum werde mirs verziehn, Wenn ich so Neues etwas breit verkünde. Doch ob mir gleich der Blick geblendet schien, Und kaum mein Geist vom Staunen sich ermannte, Doch bargen jene sich nicht so im Fliehn, Daß ich den Puccio nicht gar wohl erkannte, Der einzig von den drein, erst hier vereint, Sich unverwandelt jetzt von dannen wandte. Der andre wars, um den Gaville weint.
Sechsundzwanzigster Gesang
Erfreue dich, Florenz, du bist so groß, Daß du zu Land und Meer die Flügel schwingest, Und selbst dein Nam erklingt im Höllenschoß. Fünf deiner Bürger fand ich--also zwingest Du mich zur Scham--den Dieben beigefügt, Wodurch du dir nicht größern Ruhm erringest. Doch wenn, was man am Morgen träumt, nicht lügt, So wirst du großes Unglück bald empfinden, Und Prato selbst, so nah dir, siehts vergnügt. Wars jetzt, nicht würde mans zu zeitig finden, So, das nun einmal sein muß, wars jetzt doch. Denn, älter, werd ichs schwerer nur verwinden. Wir gingen fort, und übers Felsenjoch Stieg, wie hinab, hinauf die Zackenleiter Mein Führer und war meine Stütze noch. Und, folgend zwischen mancher Felsenscheiter Und manchem Block dem Pfad im öden Raum, Kam, wenn die Hand nicht half, der Fuß nicht weiter. Ich fühlte Schmerz--jetzt fühl ich mindern kaum, Wenn ich zurück an das Erblickte denke, Und schärfer fass ich da des Geistes Zaum, Damit ich nicht den Lauf vom Rechten lenke, Und, was zu meinem Wohl mein Stern bezweckt, Was höhre Huld, mir selber feind, nicht kränke. Soviel der Baur, am Hügel hingestreckt, Zur Zeit, da er, des Blick die Erde lichtet, Sein Antlitz uns am wenigsten versteckt, Wenn sich die Fliege vor der Mücke flüchtet, Johanniswürmchen sieht im Tal entlang, Wo er mit Hipp und Pflug sein Tun verrichtet; So viele Flammen sah den tiefen Gang Des achten Tals mein Auge jetzt verklären, Sobald ich dort war, wos zur Tiefe drang. Wie der, der sich gerächt durch wilde Bären, Elias Wagen sah von dannen ziehn, Als das Gespann aufstieg zu Himmelssphären, Umonst ihm mit dem Auge folgt und ihn Gestaltlos nur als ferne Flamm erkannte. Die wie ein leichtes Abendwölkchen schien. So wars, wie wandelnd hier manch Flämmchen brannte, Doch keines war, das seine Beute wies, Ob jegliches gleich einem Geist entwandte. Am Brückenrande stehend, sah ich dies Und fiel, hielt ich nicht fest an einem Blocke, Hinunter, ohne daß mich jemand stieß. Virgil, der sah, wie mich der Anblick locke, Sprach nun: "Jedwedes Feur birgt einen Geist, Und das, worin er brennt, dient ihm zum Rocke." Drauf ich: "Die Kunde, die du mir verleihst Macht mich gewiß; schon glaubt ichs zu erkennen. Und fragen wollt ich schon, wie jener heißt. Ich sah die Flamm in zwei sich oben trennen. Als sah ich in des Scheiterhaufens Glut Eteokles und seinen Bruder brennen." Und er: "Sie dämpft Ulysseus Übermut Und Diomeds. Sie laufen hier zusammen In ihrer Qual, wie einst in ihrer Wut. Ums Trugroß klagen sie in diesen Flammen, Und um das Tor, das Ausgang jenen bot, Der Heldenschar, von der die Römer stammen. Die List beweinen sie, durch die, schon tot, Noch Deidamia den Achill beklagte, Auch das Palladium rächt nun ihre Not." "Vermögen sie noch hier zu sprechen," sagte Ich drauf zum Meister, "o, dann bitt ich dich Vieltausendmal, da ich sie gern befragte, Laß mich, bis die geteilte Flamme sich Zu uns hierherbewegt, ein wenig weilen. Sieh, hin zu ihr zieht die Begierde mich." "Der Bitte", sprach er, "muß ich Lob erteilen, Wie sie verdient; sie sei darum gewährt, Doch laß die Sprechlust nicht dich übereilen. Laß mir das Wort; ich weiß, was du begehrt. Spröd blieben sie gewiß bei deinem Worte, Denn Griechen sind sie, stolz auf ihren Wert. Als nun die Flamme nah war unserm Orte, Da hört ich diese Red, als Ort und Zeit Er für geeignet hielt, von meinem Horte: "Ihr, die ihr zwei in einer Flamme seid, Wenn ich euch jemals Grund gab, mich zu lieben, Da ich dem Ruhm der Helden mich geweiht, Und in der Welt das hohe Lied geschrieben, So weilt bei mir und sag Ulyß mir an, Wo auf der Irrfahrt sein Gebein geblieben." Der alten Flamme größres Horn begann Zu flackern erst und murmelnd sich zu regen. Als wäre sie vom Wind gefaßt, und dann Rasch hin und her die Spitze zu bewegen, Gleich einer Zung, und deutlich tönt und klar Dann aus der Flamm uns dieses Wort entgegen: "Als ich von Circen schied, die mich ein Jahr Und länger bei Gaëta festgehalten, Ehs so benannt noch von Äneas war, Da ließ ich nicht das Mitleid für den alten Gebeugten Vater, nicht die Gattenpflicht, Noch Vaterzärtlichkeit im Herzen walten. Sie tilgten all in mir das Sehnen nicht, Die Welt zu sehn und alles zu erkunden, Was sie besitzt, wie das, was ihr gebricht. Drum warf ich mich, kaum meiner Haft entbunden, In einem einzgen Schiff ins offne Meer, Samt einem Häuflein, das ich treu erfunden. Nach Spanien führt und Libyen hin und her Ich meine wackre Schar, als kühner Leiter, Und jedem Eiland jenes Meers umher. Alt war ich schon und schwach, auch die Begleiter, Da war mein Schiff am engen Schlunde dort, Wo Herkuls Säulenpaar gebeut: Nicht weiter! Als hinter uns nun rechts Sevillas Bord Und links in Libyen Septas Zinnen waren, Sprach ich zu den Gefährten dieses Wort: Brüder, die durch Tausend von Gefahren Ihr hier im Abend kühn euch eingestellt, Verwendet jetzt, um Neues zu erfahren, Weil Seele noch und Leib zusammenhält, Den kurzen Rest von eurem Erdenleben; Der Sonne nach zur unbewohnten Welt! Bedenkt, wozu dies Dasein euch gegeben; Nicht um dem Viehe gleich zu brüten, nein, Um Wissenschaft und Jugend zu erstreben. Den Meinen schien dies Wort ein Sporn zu sein, Kaum hielt ich sie, hätt ich gewollt, im Zügel, Und rastlos gings ins weite Meer hinein. Erst morgenwärts gewandt des Schiffes Spiegel Ging unser toller Flug dann linker Hand, Und seiner Eil verliehn die Ruder Flügel. Schon alle Sterne jenes Poles fand Der Blick der Nacht, und die des unsern klommen Kaum übers Meer noch an des Himmels Rand. Schon fünfmal war entzündet und verglommen Des Mondes Licht, seit wir, dem Glück vertraut, Durch den verhängnisvollen Paß geschwommen, Als uns ein Berg erschien, von Dunst umgraut Vor weiter Fern, und schien so hoch zu ragen, Wie ich noch keinen auf der Erd erschaut. Erst jubeln ließ er uns, dann bang verzagen, Denn einen Wirbelwind fühlt ich entstehn Vom neuen Land und unsern Vorbord schlagen. Er macht uns dreimal mit den Fluten drehn, Dann, als der hintre Teil emporgeschossen, Nach höhrem Spruch, den vordern untergehn, Bis über uns die Wogen sich verschlossen."
Siebenundzwanzigster Gesang
Schon aufrecht stand und still der Flamme Haupt, Und sie entfernte sich in tiefem Schweigen, Nachdem der süße Dichter ihrs erlaubt. Wir sahn nach ihr sich eine zweite zeigen, Und ein verwirrt Gestöhn, das ihr entquoll, Macht unsern Blick zu ihrer Spitze steigen. Gleich wie Siziliens Stier, der jammervoll Zuerst von seines Bildners Schrein erbrüllte, --Und so wars recht--von dessen Klag erscholl, Den er im innern hohlen Raum verhüllte, Und, ganz von Erz, in seinem Angstgestöhn Erschien, als ob ihn selbst der Schmerz erfüllte; So schien das Klagewort, das in den Höhn Und an den Seiten nirgend durchgedrungen, Erst gleich des Feuers knisterndem Getön. Doch als es sich zur Spitz emporgerungen, Die, wie die Zunge hin und wieder fährt, Sich bei dem Durchgang hin und her geschwungen. Da sprachs: O du, an den mein Wort sich kehrt, Der du, wie ich vernahm, mit welschem Klange Gesprochen: Geh, nicht weiter sei beschwert! Obwohl ich etwas spät hierhergelange, Doch weil und gib auf meine Fragen acht, Denn sieh, ich weile trotz der Gluten Drange. Bist du zur Reif in diesen dunklen Schacht Erst jetzt vom süßen Latierland geschieden, Von dem ich alle Schuld hierhergebracht, So sprich:Hat Krieg Romagna oder Frieden? Denn da das schöne Land auch mich erzeugt, So kümmert mich sein Schicksal noch hienieden." Ich stand aufmerksam niederwärts gebeugt, Da stieß Virgil mich leis und sagte: "Rede, Ein Latier ist er, wie sein Wort bezeugt." Worauf ich schon bereit zur Gegenrede, Ihn also sonder Zögerung beschied: "O Seele, hier verborgen, sonder Fehde War nimmer deines Vaterlands Gebiet, Weil stets im Kampf der Zwingherrn Herzen wüten; Doch offenbar war keine, da ich schied. Ravenna ist, wies war; dort pflegt zu brüten, So wie seit Jahren schon, Polentas Aar, Des Flügel unter sich auch Cervia hüten Die Stadt, die fest in langer Probe war, Wo rote Ströme Frankenblutes wallten, Liegt unterm grünen Leun nun ganz und gar. Verruchios alt und neuer Hund, sie walten Schlimm, wie sie den Montagna einst belohnt, Da, wo sie eingeholt die Zähne halten. Das, was am Lamon und Santerno wohnt, Läßt sich vom Leun im weißen Neste leiten, Der die Partei vertauscht mit jedem Mond. Sie, welchen Savios Flut benetzt die Seiten, Lebt zwischen Sklaverei und freiem Stand, Wie zwischen dem Gebirg und ebnen Weiten. Jetzt, bitt ich, mach uns, wer du bist, bekannt; Wie der Vergessenheit dein Nam enttauche, So sei nicht härter, als ich andre fand." Da grunzt und braust es in der Flamme Bauche, Wie Feuer braust; sie regte hin und her Das spitze Haupt und gab dann diese Hauche: "Sprach ich zu einem, dessen Wiederkehr Nach jener Welt ich jemals möglich glaubte, So regte nie sich diese Flamme mehr. Doch da dies keinem je die Höll erlaubte, So sag ich ohne Furcht vor Schand und Schmach, Was mich hierher stieß und des Heils beraubte. Ich war erst Kriegsmann und Mönch hernach, Um mich vom Fall durch Buß emporzurichten; Gewiß geschah auch, was ich mir versprach. Allein der Erzpfaff--mög ihn Gott vernichten-- Er hat mich neu den Sündern beigesellt, Wie und warum? das will ich jetzt berichten. Als ich noch oben lebt in eurer Welt, Da ward ich nimmer mit dem Leun verglichen, Doch öfters wohl dem Fuchse gleichgestellt. In allen Ränken und geheimen Schlichen War ich geschickt, in ihrer Übung schlau Und drum berühmt in allen Himmelsstrichen. Doch als die Zeit kam, da des Haares Grau Uns dringend mahnt, das hohe Meer zu scheuen Und einzuziehn das Segel und das Tau, Da mußt ich, was mir erst gefiel, bereuen, Ward Mönch und tat nun Buß am heilgen Ort, Ach, und noch könnt ich mich des Heils erfreuen. Der neuen Pharisäer Herr und Hort (Im Krieg, mit Juden nicht und Türkenscharen, Vielmehr am Lateran und nahe dort, Weil alle seine Feinde Christen waren, Die nicht bei Acri mit gesiegt und nicht Des Sultans Land als Schacherer befahren), Nicht achtet er an sich die höchste Pflicht Und nicht den Strick, der meinen Leib umfangen, Der jeden mager macht, den er umflicht. Wie Konstantin Silvestern angegangen, Ihm Hilf und Rat beim Aussatz zu verleihn; So sollt ich jetzt als Arzt auf sein Verlangen Vom Fieber seines Hochmuts ihn befrein. Doch schweigen mußt ich und mich selber schämen, Denn eines Trunknen schien sein Wort zu sein. Du darfst nicht sorgen, sprach er, noch dich grämen; Ablaß erteil ich dir, mich lehre du: Wie fang ichs an, Preneste wegzunehmen. Du weißt, den Himmel schließ ich auf und zu, Denn beide Schlüssel sind mir übergeben, Die Cölestin vertauscht um träge Ruh. Nicht war so triftgem Grund zu widerstreben, Und da hier schweigen mir das Schlimmste schien, So sprach ich endlich: Vater, da du eben Die Sünde, die ich tun soll, mir verziehn, So wisse: Viel versprechen, wenig halten, Dadurch wird deinem Stuhl der Sieg verliehn-- Franz wollte, wie ich starb, sein Amt verwalten, Mich heimzuführen, doch ein Teufel kam Und sprach: Halt ein, denn den muß ich erhalten. Er kommt mit mir hinab zu ewgem Gram, Weil ich, seitdem er jenen Trug geraten, Ihn bei dem Haar als meine Beute nahm. Wer Ablaß will, bereu erst seine Taten. Doch wer bereut und Böses will, der muß Wohl mit sich selbst in Widerspruch geraten. Ach! wie ich zuckt in Schrecken und Verdruß, Als er mich faßt und, mich von dannen reißend, Sprach: Meintest du, ich sei kein Logikus? Zu Minos trug er mich, der, sich umkreisend Den harten Rücken, bei dem achten Mal Ausrief, sich in den Schweif vor Ingrimm beißend: Der wird der Flamme Raub im achten Tal! Und also ward ich von dem Schlund verschlungen Und geh im Feuerkleid zu ewger Qual." Hier endet er, und als das Wort verklungen, Da ging sogleich die Flamme jammernd fort, Das Horn gedreht und hin und her geschwungen. Und weiter ging ich nun mit meinem Hort Zur nächsten Brück auf rauhen Felsenpfaden Und sah im Grund, den Lohn empfangend, dort Die, Zwiespalt stiftend, sich mit Schuld beladen.
Achtundzwanzigster Gesang