Die Göttliche Komödie

Chapter 26

Chapter 263,156 wordsPublic domain

Wer wohl verstehn will, was ich nun gesehen, Bild’ itzt sich ein und lass im Geist das Bild, Indes ich spreche, fest, wie Felsen, stehen, Fünfzehen Sterne, die man am Gefild Des Himmels in verschiedner Gegend findet, So glanzvoll, daß ihr Licht durch Nebel quillt; Den Wagen, der um unsern Pol sich windet, Und sein Gewölb’ bei Tag und Nacht durchreist, Drob er beim Deichselwenden nicht verschwindet; Bild’ ein sich, was der Mund des Hornes weist, Das anfängt an der Himmelsachse Grenzen, Um die das erste Rad nie rastend kreist; Die Sterne denk’ er sich in zweien Kränzen, Die, dem gleich, der sich zur Erinnrung flicht An Ariadnens Tod, am Himmel glänzen, Umringt den einen von des andern Licht, Und beid’ im Kreis gedreht in solcher Weise, Daß dem, der vorgeht, der, so folgt, entspricht; Dann glaub’ er, daß sich ihm ein Schatten weise Des wahren Sternbilds, welches, zweigereiht, Den Punkt, auf dem ich stand, umtanzt’ im Kreise. Denn was wir kennen, steht ihm nach, so weit, Als nur der Chiana träger Lauf dem Rollen Des fernsten Himmels weicht an Schnelligkeit. Dort sang man nicht von Bacchus, von Apollen, Nein, drei in einem--Gott und Mensch nur eins, Die Lieder waren’s, welche dort erschollen. Als Sang und Tanz des heiligen Vereins Vollbracht war, wandt’ er sich zu uns, von Streben Zu Streben, ewig froh des sel’gen Seins. Und jenes Licht hört’ ich die Stimm’ erheben Im eintrachtsvollen Kreis, das mir vorher Erzählt des heil’gen Armen Wunderleben. Es sprach zu mir: Das eine Stroh ist leer Und wohlverwahrt die Saat, allein entglommen Von süßer Liebe, dresch’ ich dir noch mehr. Du glaubst: Der Brust, aus der die Ripp’ entnommen Zum Stoff des Weibes, deren Gaum hernach Der ganzen Welt so hoch zu stehn gekommen, Und jener, die, als sie der Speer durchstach, So nach wie vor so große G’nüge brachte, Daß sie die Macht jedweder Sünde brach, Sei alles Licht, das je dem Menschen lachte, Und des er fähig ist, voll eingehaucht Von jener Kraft, die jen’ und diese machte; Und staunst, daß ich vorhin das Wort gebraucht: Der fünfte Glanz sei bis zum tiefsten Grunde Der Weisheit, wie kein zweiter mehr, getaucht. Erschließ itzt wohl die Augen meiner Kunde; Mein Wort und deinen Glauben siehst du dann Im Wahren, wie den Mittelpunkt im Runde. Das, was nicht stirbt, und das, was sterben kann, Ist nur als Glanz von der Idee erschienen, Die, liebreich zeugend, unser Heer ersann. Denn jenes Licht des Lebens, das entschienen Dem ew’gen Lichtquell, ewig mit ihm eins, Und mit der Lieb’, als dritter, eins in ihnen, Eint gnädiglich die Strahlen seines Scheins Sie, wie in Spiegeln, in neun Himmeln zeigend, Im ewigen Verein des einen Seins. Von dort sich zu den letzten Kräften neigend, Wird schwächer dann der Glanz von Grad zu Grad, Zuletzt nur Dinge kurzer Dauer zeugend. Die Dinge, die mein Wort bezeichnet hat, Sind die Erschaffnen, welche die Bewegung Des Himmels zeugt, so mit wie ohne Saat. Ihr Wachs ist ungleich, und die Kraft der Prägung Und von des Urgedankens Glanz gewahrt Man drum hier schwächere, dort stärkre Regung; Daher denn auch von Bäumen gleicher Art Bald bessere, bald schlechtre Früchte kommen, Und euch verschiedne Kraft des Geistes ward-- War’ irgendwo das Wachs rein und vollkommen, Und ausgeprägt mit höchster Himmelskraft, Rein würde das Gepräg’ dann wahrgenommen. Doch die Natur gibt’s immer mangelhaft Und wirkt dem Künstler gleich, der wohl vertrauen Der Übung kann, doch dessen Hand erschlafft. Drum, bildet heiße Lieb’ und klares Schauen Der ersten Kraft, dann wird sie, rein und groß, Vollkommenes erschaffen und erbauen. So ward gewürdiget der Erdenkloß, Die tierische Vollkommenheit zu zeigen, Und so geschwängert ward der Jungfrau Schoß. Darum ist deine Meinung mir auch eigen: Daß menschliche Natur in jenen zwei’n Am höchsten stieg und nie wird höher steigen. Hielt’ ich mit meinen Lehren jetzo ein, So würdest du die Frage nicht verschieben: Wie könnt’ ein dritter ohnegleichen sein? Doch, daß erscheine, was versteckt geblieben, So denke, wer er war, und was zum Fleh’n, Als ihm gesagt ward: "Bitt’!" ihn angetrieben. Aus meiner Rede konntest du ersehn: Als König fleht’ er um Verstand, beflissen, Damit dem Reiche g’nügend vorzustehn, Nicht um der Himmelslenker Zahl zu wissen, Nicht, ob Notwend’ges und Zufälligkeit Notwendiges als Schluß ergeben müssen; Nicht, was zuerst bewegt, Bewegung leiht; Nicht, ob ein Dreieck in dem halben Kreise Noch anderen, als rechten Winkel, beut-- Was ich gemeint, erhellt aus dem Beweise. Du siehst: eine Seher sondergleichen war Durch Königsklugheit jener hohe Weise, Auch ist mein Wort: dem nie ein zweiter, klar; Von Kön’gen sprach ich nur an jenem Orte, Die selten gute sind, ob viele zwar. Mit diesem Unterschied nimm meine Worte, Daß nicht im Streit damit dein Glaube sei Vom ersten Vater und von unserm Horte. Und dieses leg’ an deine Füße Blei Und mache schwer dich, gleich dem Müden, gehen Zum Ja! und Nein! wo nicht dein Auge frei, Weil die selbst unter Toren niedrig stehen, Die sich zum Ja und Nein, ohn’ Unterschied, Gar schnell entschließen, eh’ sie deutlich sehen; Drob sich die Meinung, wie es oft geschieht, Zum Irrtum neigt, und dann im Drang des Lebens Die Leidenschaft das Urteil mit sich zieht-- Wer nach der Wahrheit fischt und, irren Strebens, Die Kunst nicht kennt, der kehrt nicht, wie er geht, Und schifft vom Strand drum schlimmer als vergebens, Wie ihr dies an Melissus deutlich seht Und an Parmenides und andern vielen, Die gingen, eh’ sie nach dem Ziel gespäht; Drob Arius und Sabell in Torheit fielen. Gleich Schwertern waren sie dem heil’gen Wort Und machten die geraden Blicke schielen. Nicht reiߒ euch Wahn zum schnellen Urteil fort, Gleich denen, die das Korn zu schätzen wagen, Das eh’ es reift, vielleicht im Feld verdorrt. Denn öfters sah ich erst in Wintertagen Den Dornenbusch gar rauh und stachlicht stehn. Und auf dem Gipfel dann die Rose tragen. Und manches Schiff hab’ ich im Meer gesehn, Gerad’ und flink auf allen seinen Wegen, Und doch zuletzt am Hafen untergehn. Nicht glauben möge Hinz und Kunz deswegen, Weil dieser stiehlt und der als frommer Mann Der Kirche schenkt, mit Gott schon Rat zu pflegen. Da der erstehn und jener fallen kann.

Vierzehnter Gesang

Vom Rand zur Mitte sieht man Wasser rinnen Im runden Napf, vom Mittelpunkt zum Rand, Je wie man’s treibt nach außen oder innen. Dies war’s, was jetzt vor meiner Seele stand, Als stille schwieg des Thomas heil’ges Leben Und süß verhallend seine Stimme schwand, Ob jener Ähnlichkeit, die sich ergeben, Da er erst sprach, dann Beatricens Mund, Der’s jetzt gefiel, die Stimme zu erheben: "Ihm tut es not, obwohl er’s euch nicht kund In Worten gibt, noch läßt im Innern lesen, Zu späh’n nach einer andern Wahrheit Grund. Sagt ihm, ob dieses Licht, das euer Wesen So schön umblüht, euch ewig bleiben wird Im selben Glanze, wie’s bis jetzt gewesen. Und, bleibt’s. So sagt, damit er nimmer irrt, Wie, wenn ihr werdet wieder sichtbar werden, Es euren Blick nicht blendet und verwirrt." Wie mit verstärkter Lust oft hier auf Erden Die Tanzenden im heitern Ringeltanz Die Stimm’ erhöh’n und froher sich gebärden; So zeigte neue Lust der Doppelkranz, Als sie ihn bat, so rasch, doch fromm-bescheiden, In freud’gem Dreh’n und Wundersang und Glanz-- Wer klagt, daß wir den Tod auf Erden leiden, Um dort zu leben, oh, der fühlt und denkt Nicht, wie wir dort am ew’gen Tau uns weiden. Daß drei und zwei und eins, das alles lenkt Und ewig lebt in einein, zwei’n und dreien, Und, ewig unumschränkt, das All umschränkt, Gesungen ward’s in solchen Melodeien Dreimal im Chor, um vollen Lohn der Pflicht Und jeglichem Verdienste zu verleihen. Und eine Stimm’ entklang dem hellem Licht Des kleinern Kreises dann und wich an Milde Wohl der des Engels der Verkündung nicht. "Solang die Lust im himmlischen Gefilde, So lange währt auch unsre Lieb’ und tut Sich kund um uns in diesem Glanzgebilde. Und seine Klarheit, sie entspricht der Glut, Die Glut dem Schau’n, und dies wird mehr uns frommen, Je mehr auf uns die freie Gnade ruht. Wenn wir den heil’gen Leib neu angenommen, Wird unser Sein in höhern Gnaden stehn, Je mehr es wieder ganz ist und vollkommen. Drum wird sich das freiwill’ge Licht erhöh’n, Das wir vom höchsten Gut aus Huld empfangen, Licht, welches uns befähigt, ihn zu sehn, Und höher wird zum Schau’n der Blick gelangen, Höher die Glut sein, die dem Schau’n entglüht, Höher der Strahl, der von ihr ausgegangen. Doch, wie die Kohle, der die Flamm’ entsprüht, Sie an lebend’gem Schimmer überwindet Und wohl sich zeigt, wie hell auch jene glüht; So wird der Glanz, der jetzt schon uns umwindet, Dereinst besiegt von unsres Fleisches Schein, Wenn Gott es seiner Grabeshaft entbindet. Nicht wird uns dann so heller Glanz zur Pein; Denn stark, um alle Wonnen zu genießen, Wird jedes Werkzeug unsers Körpers sein."-- Und Amen riefen beide Chör’ und ließen Durch Einklang wohl den Wunsch ersehn, den Drang, Sich ihren Leibern wieder anzuschließen. Und wohl für sich nicht nur, nein, zum Empfang Der Väter, Mütter und der andern Teuern, Die sie geliebt, eh’ sie die Flamm’ umschlang. Und sieh, zum Glanz von diesen ew’gen Feuern Kam gleiche Klarheit rings, wie wenn das Licht Des Tags der Sonne goldne Pfeil’ erneuern. Wie, wenn allmählich an der Abend bricht, Am Himmel Punkte, klein und bleich, erglänzen, So daß die Sach’ als wahr erscheint und nicht; So glaubt’ ich jetzt in neuen Ringeltänzen Noch zweifelnd, neue Wesen zu erspäh’n, Weit außerhalb von jenen beiden Kränzen. O wahrer Schimmer, angefacht vom Weh’n Des Heil’gen Geist’s so plötzlich hell!--Geblendet Könnt’ ihm mein Auge jetzt nicht widerstehn. Doch als ich zu Beatrix mich gewendet, War sie so lachend schön, so hochbeglückt, Daß solches Bild kein irdisch Wort vollendet. Da ward von neuer Kraft mein Aug’ entzückt; Ich schlug es auf und sah mich schon nach oben Mit ihr allein zu höherm Heil entrückt. Wohl nahm ich wahr, ich sei emporgehoben. Denn glühend lächelte der neue Stern Und schien von ungewohntem Rot umwoben. Von Herzen, in der Sprache, welche fern Und nah gemeinsam ist den Völker Scharen, Bracht’ ich Dankopfer dar dem höchsten Herrn. Und lustentzündet könnt’ ich schon gewahren, Eh’ ich die ganze Glut ihm dargebracht, Daß angenehm dem Herrn die Opfer waren. Denn Lichter, in des Glanzes höchster Macht, Sah ich aus zweien Schimmerstreifen scheinen, Und rief: O Gott, du Schöpfer solcher Pracht!-- So tut, besät mit Sternen, groߒ und kleinen, ’ Galassia zwischen Pol und Pol sich kund, Von welcher dies und das die Weisen meinen, Wie diese Streifen, bildend auf dem Grund Des roten Mars das hochgeehrte Zeichen, Gleich vier Quadranten, wohlgefügt im Rund. Wohl muß die Kunst hier dem Gedächtnis weichen, Denn von dem Kreuz hernieder blitzte Christus; Wo gäb’s ein Bild, ihm würdig zu vergleichen? Doch wer sein Kreuz nimmt, folgend seinem Christus, Von ihm wird das, was ich verschwieg, verzieh’n, Denn blitzen sieht auch er im Glanze Christus. Von Arm zu Arm, vom Fuß zur Höh’ erschien Bewegtes Licht, hier hell in Glanz entbrennend, Weil sich’s verband, dort beim Vorüberzieh’n. So sieht man wohl, hier träg bewegt, dort rennend, Atome, hier g’rad’, dort krummgeschweift, Und lang und kurz, sich einend und sich trennend, Wirbelnd im Strahl, der durch den Schatten streift, Nach dem, wenn heiß die Sonnengluten flirren, Der Mensch mit Witz und Kunst begierig greift.-- Und wie harmonisch Laut’ und Harfe schwirren, Sind nur die vielen Saiten rein gespannt, Ob auch im Ohr die Töne sich verwirren; So hört’ ich jetzt den Sang vom Kreuz und stand, Als ob in Lust die Sinne sich verlören, Obwohl ich von der Hymne nichts verstand. Doch hohen Preis vernahm ich in den Chören, Denn: Du erstehst und siegst!--erklang’s, und ich Glich denen, welche nicht verstehn, doch hören. Und so durchdrang hier süße Liebe mich, Daß, welche holde Band’ auch mich umfingen, Doch keins bis dahin diesem Bande glich. Vielleicht scheint sich zu kühn mein Wort zu schwingen, Nachsetzend selbst der schönen Augen paar, Die jeden Wunsch in mir zur Ruhe bringen. Doch nimmt man die lebend’gen Stempel wahr, Die, höher, immer schöneres gestalten, Und denkt, daß ich gewandt von jenen war, So wird man drob mich für entschuldigt halten Und sehn, daß ich vom Wahren nicht geirrt; Doch dürft’ auch hier die heil’ge Wonne walten, Die, wie man aufsteigt, immer reiner wird.

Fünfzehnter Gesang

Gewogner Will’, in welchem immer dir Sich offen wird die echte Liebe zeigen, Wie böser Wille kund wird durch Begier, Gebot der süßen Leier Stilleschweigen Und hielt im Schwung der heil’gen Saiten ein, Die Gottes Rechte sinken macht und steigen. Wie werden taub gerechter Bitte sein Sie, die einhellig den Gesang itzt meiden, Um Mut zur Bitte selbst mir zu verleih’n. Oh, wohl verdienen ewiglich zu leiden Die, weil die Lieb’ in ihrer Brust erwacht Für Irdisches, sich jener Lieb’ entkleiden. Wie durch die Heiterkeit der stillen Nacht Oft Feuer läuft, vom Augenblick geboren, Und des Beschauers Augen zücken macht, Gleich einem Stern, der andern Platz erkoren, Nur, daß an jenem Ort, wo er entbrannt, Sich nichts verliert und er sich schnell verloren; So sah ich aus dem Arm zur rechten Hand Jetzt einen Stern zum Fuß des Kreuzes wallen, Aus jenem Sternbild, das dort glänzend stand. Die Perl’ war nicht aus ihrem Band gefallen; Sie lief am lichten Streif dahin und war Wie Feuer hinter glänzenden Kristallen. So, redet unsre größte Muse wahr, Stellt’ in Elysiums Hainen seinem Sprossen Anchises sich mit frommer Liebe dar. "O du, mein Blut, auf welches sich ergossen Die Gnade hat, wem hat der höchste Hort Zweimal, wie dir, des Himmels Tür erschlossen?" Mir zog den Geist zum Lichte dieses Wort; Drauf, als ich mich zu meiner Herrin wandte, Ward mir Entzückung, Staunen, hier wie dort, Weil ihr im Auge solch ein Lächeln brannte, Daß, wie ich glaubte, meins den Grund darin Von meinem Himmel, meiner Gnad’ erkannte. Der Geist dann fügte Dinge zum Beginn, Er, angenehm zu hören und zu sehen, Die ich nicht faßte vor zu tiefem Sinn. Doch wollt’ er nicht, ich soll’ ihn nicht verstehen; Es mußte sein, weil Reden solcher Art Weit übers Ziel der Menschenfassung gehen. Doch als der Schwung, in dem sich offenbart Der Liebe Glut, insoweit nachgelassen, Daß jenes Ziel nicht überflogen ward, Sprach er, was ich nun fähig war, zu fassen: "Preis dir, Dreieiner, der du auf mein Blut So reich an Gnade dich herabgelassen." Und dann: "Der Sehnsucht lange, süße Glut. Entflammt, da ich im großen Buch gelesen, Das kund unwandelbar die Wahrheit tut, Stillst du, mein Sohn, im Licht, aus dem mein Wesen Jetzt freudig zu dir spricht; Dank ihr, die dich Zum Flug beschwingt und dein Geleit gewesen! Du glaubst, daß alles, was du denkst, in mich Vom Urgedanken strömt; denn es entfalten Die fünf und sechs ja aus der Einheit sich; Drum fragst du nicht nach mir und meinem Walten, Und weshalb höher meine Freude scheint Als die der andern dieser Lichtgestalten. Dein Glaub’ ist wahr, weil groß und klein vereint In diesem Reich, nach jenem Spiegel blicken, Wo, eh’ du denkest, der Gedank’ erscheint, Doch, um die Lieb’, in die mit wachen Blicken Ich ewig schau’, und die die Süßigkeit Der Sehnsucht zeugt, vollkommner zu erquicken, Erklinge sicher, kühn, voll Freudigkeit Die Stimm’ in deinem Willen, deinem Sehnen, Und die Entgegnung drauf ist schon bereit." Ich sah auf sie, die, eh’ die Wort’ ertönen, Mich schon versteht, und lächelnd im Gesicht, Hieß sie mich frei des Willens Flügel dehnen. Ich sprach: "Die Neigung und des Geistes Licht Sind, seit die erste Gleichheit ihr ergründet, Bei jeglichem von euch im Gleichgewicht, Weil euch die Sonne, die euch hellt und zündet Mit Licht und Glut, damit sogleich durchdringt, Daß man, was sonst sich gleicht, hier ungleich findet. Doch Will’ und Witz, wie sie der Mensch erringt, Sie sind aus dem euch offenbaren Grunde Mit sehr verschiedner Kraft zum Flug beschwingt. Dies fühl’ ich Sterblicher in dieser Stunde, Und danke deine Vaterliebe dir Drum mit dem Herzen nur, nicht mit dem Munde. O du lebendiger Topas, du Zier Des edlen Kleinods, hell in Glanz entglommen, Still’ itzt, dich nennend, meine Wißbegier!" "Mein Sproß, längst froh erwartet, jetzt willkommen, In mir sieh deine Wurzel!" So der Geist, Und setzt’ hinzu, nachdem ich dies vernommen: "Und er, nach welchem dein Geschlecht sich heißt, Der hundert Jahr’ und mehr für stolzes Wesen Des Berges ersten Vorsprung schon umkreist, Er ist mein Sohn, dein Urgroßahn, gewesen, Und dir geziemt’s, von solcher langen Pein Durch gute Werk’ ihn schneller zu erlösen. Florenz, im alten Umkreis, eng und klein, Woher man jetzt noch Terzen hört und Nonen, War damals friedlich, nüchtern, keusch und rein. Nicht Kettchen hatt’ es damals noch, nicht Kronen, Nicht reichgeputzte Frau’n--kein Gürtelband, Das sehenswerter war als die Personen. Bei der Geburt des Töchterleins empfand Kein Vater Furcht, weil man zur Mitgift immer, So wie zur Zeit, die rechten Maße fand. Und öde, leere Häuser gab’s da nimmer; Nicht zeigte dort noch ein Sardanapal, Was man vermag in Üppigkeit der Zimmer. Nicht übertroffen ward der Montemal Von dem Uccellatojo noch im Prangen, Und wie im Steigen, also einst im Fall. Ich sah vom schlichten Ledergurt umfangen Bellincion Berti noch und sah sein Weib Vom Spiegel gehn mit ungeschminkten Wangen. Ich sah ein unverbrämtes Wams am Leib Des Nerli und des Vecchio--und den Frauen War Spill’ und Rocken froher Zeitvertreib. Glücksel’ge Fraun! In eurer Heimat Auen War euch ein Grab gewiß--durch Frankreichs Schuld War keiner noch das öde Bett zum Grauen. Die, wach und emsig an der Wiege, lullt’ In jener Sprach’ ihr Kindlein ein, die jeden Der Vater ist, entzückt in Süߒ und Huld. Die, ziehend aus dem Rocken glatte Fäden, Letzt’ ihrer Kinder Kreis von Römertat, Von Troja, Fiesole mit klugen Reden. Was ihr an einer Cianghella saht, An Salterell, solch Wunder hätt’s gegeben, Als itzt Cornelia gab’ und Cincinnat. So ruhigem, so schönem Bürgerleben, So treuer Bürgerschaft, so teurem Land, Gab mich Maria, die mit Angst und Beben Die Mutter anrief, als sie Weh’n empfand, Und dort, in unserm Taufgebäu, dem alten, Ward ich ein Christ und Cacciaguid genannt. Zwei Brüder hatt’ ich, und zu treuem Walten Im Haufe kam die Gattin mir vom Po, Von der den zweiten Namen du erhalten. Den Kaiser Konrad folgt’ und dient’ ich, so, Daß er mich weihte zu des Ritters Ehren, Und immer blieb ich seiner Gnade froh. Mit ihm wollt’ ich des Greuels Reich zerstören, Des Volk, durch eurer Hirten Fehler, sich Der Länder anmaßt, die euch angehören. Und dort, von jenem schnöden Volk, ward ich Vom Trug der Welt entkettet und geschieden, Der viele Herzen jeder Zeit beschlich, Und kam vom Märtyrtum zu diesem Frieden.

Sechzehnter Gesang