Chapter 25
Urkraft, der Liebe voll den Sohn beschauend, Die ihr und ihm allewiglich entweht, Die Unaussprechliche, das All erbauend, Schuf, was ihr nur mit Geist und Aug erseht So ordnungsvoll, daß sie mit Wonneregung Den ganz durchdringt, der ihre Werk erspäht. Erheb, o Leser, Blick und Überlegung Miit mir zum Himmel jetzt, gerad dahin, Wo sich durchkreuzt die doppelte Bewegung. Von dort an letz am Kunstwerk deinen Sinn, Denn selbst der Meister sieht es mit Vergnügen Und spiegelt liebend seinen Blick darin. Von dort verteilt sich zu verschiednen Zügen Der schiefe Kreis, der die Planeten trägt, Um denen, die sie rufen, zu genügen. Und war ihr Lauf von dort nicht schief bewegt, So wäre viele Himmelskraft verschwendet, Und nichts beinah auf Erden angeregt. Und war er mehr und minder abgewendet Vom graden Weg, so blieb auf Erden dort, Wie hier, die Weltenordnung unvollendet. Jetzt bleib, o Leser, still auf deinem Ort, Um dem, was du gekostet, nachzudenken, Und eh du matt wirst, reißt dich Wonne fort. Ich gab dir Wein--du magst dich selber tränken, Denn alle meine Sorgen muß ich nur Auf jenen Stoff, den ich beschreibe, lenken. Die Dienerin, die größte, der Natur, Die sich die Himmelskraft zum Spiegel machte, Die leuchtend zeigt der Zeiten Maß und Spur. Vereint dem Orte, dessen ich gedachte, Sah man in schraubenförmgem Kreis sich drehn, In dem sie schneller hier die Tage brachte. Ich war in ihr--allein wie dies geschehn, Das spürt ich nur, wie wir Gedanken spüren, Bevor sie noch in unserm Geist entstehn. Beatrix, die so schnell uns weiß zu führen, Vom Guten uns zum Bessern einzuweihn, Daß sich indessen nicht die Stunden rühren, Wie leuchtend mußte sie von selber sein! Und was ich drinnen in der Sonne schaute, Durch Farbe nicht, durch hellen Glanz allein, Ob ich auf Geist und Kunst und Übung baute, Nie stellt es doch mein Wort euch deutlich vor, Drum sehne sich, zu schaun, wer mir vertraute. Nicht staunt, wenn Phantasie die Kraft verlor, Daß sie zu solchen Höhn sich schwach erweise; Kein Blick fliegt über diesen Stern empor. So war ich nun im vierten Kinderkreise Des Vaters, der, ihm zeigend, wie er weht, Und wie er zeugt, ihn nährt mit ewger Speise. Beatrix sprach: "Dank, Dank sei dein Gebet. Zur Engelsonne laß ihn sich erheben, Die dich zu dieser sichtbaren erhöht." Kein Menschenherz war je mit allem Streben Zur Andacht noch so freudig hingewandt, Keins noch so ganz und innig Gott ergeben, Als ich bei diesem Worte meins empfand, Das so zu ihm hin all sein Lieben wandte, Daß in Vergessenheit Beatrix schwand. Sie zürnte nicht; ihr lächelnd Aug entbrannte Drob so in Glanz, daß nun mein Geist, der nicht An andres dacht, itzt andres doch erkannte. Und sieh, viel siegendes lebendges Licht Macht uns zum Mittelpunkt und sich zur Krone Süßer im Sang, als leuchtend im Gesicht. So schmückt ein Kranz die Tochter der Latone, Wenn dunstgeschwängert sie die Luft umzieht, Die widerstrahlt den Streif der lichten Zone. Am Himmelshof, von dem ich wieder schied, Gibts viele Schöne, köstliche Juwelen, Nicht auszuführen aus des Reichs Gebiet. Dergleichen eins war der Gesang der Seelen; Doch wer nicht selbst zu jenen Höhn sich schwang. Der lasse von den Stummen sichs erzählen. Nachdem dreimal die Sonnen mit Gesang, Gleich Nachbarsternen, die den Pol umkreisen, Uns rings umtanzt in Glut und Wonnedrang, Da schienen sie wie Fraun sich zu erweisen, Die horchend stehn, noch nicht gelöst vom Tanz, Bis sie gefaßt das Maß der neuen Weisen. "Wenn, wahre Lieb entzündend, dir der Glanz Der Gnade lacht, der sich durch Liebe mehret," So sprach ein Licht aus jenem Strahlenkranz, "Wenn er in dir vervielfacht sich verkläret, So, daß er dich empor die Stiege lenkt, Die niemand absteigt, der nicht aufwärts kehret, So wird der, welcher deinen Durst nicht tränkt Mit seinem Wein, so wenig Freiheit zeigen, Als Wasser, das sich nicht zum Meere senkt. Erfahren möchtest du, von welchen Zweigen Des Kranzes Blumen sind, der feiernd sich Um sie schlingt, die dich stärkt, emporzusteigen. Von Dominiks geweihter Schar war ich, Der solche Wege leitet seine Herden, Wo wohl gedeiht, wer nicht dem Wahne wich. Man hieß mich Thomas von Aquin auf Erden, Und meines Meisters, meines Bruders Schein, Albrechts von Köln, sieh rechts hier heller werden Und willst du aller andern sicher sein, So folge mit den Augen meinen Worten Auf diese Blumen, die zum Kranz sich reihn. Den Gratian sieh wonneflammend dorten; Dem doppelten Gerichtshof dienend, fand Er frohen Einlaß an des Himmels Pforten. Auch jenen Petrus sieh von Lust entbrannt; Als Scherflein bot er, nach der Witwe Weise, Der Kirche seinen Schatz mit treuer Hand. Der fünfte Glanz, der schönste hier im Kreise, Haucht solche Liebe, daß die ganze Welt Nach Kunde gierig ist von seinem Preise. So tiefes Wasser ists, das er enthält, Daß, ist das Wahre wahr, ihm nie ein zweiter Als Weiser sich und Seher gleichgestellt. Sieh neben ihm den leuchtenden Begleiter. Niemand war je auf Erden noch im Amt Und der Natur der Engel eingeweihter. Das kleinre Licht, das dorten lächelnd flammt, Des Glaubens Anwalt ists, aus des Lateine In Augustini Schriften manches stammt. Verfolgend nun mein Lob von Schein zu Scheine Mit geistgem Blick, erspähst du dürstend jetzt, Wer in dem achten Lichte dir erscheine. Jedwedes Gut in sich zu schaun, ergetzt Die heilge Seele, die den Trug danieden Dem offen kund tut, der sie hört und schätzt. Der Leib, von dem sie durch Gewalt geschieden Liegt in Cieldor, und sie kam aus Gefahr Und Bann und Märtyrtum zu diesem Frieden. Bedo und Isidor sieh hell und klar, Sieh Richard dann die Liebesstrahlen spenden, Der mehr als Mensch einst im Betrachten war. Das Licht, von dem zurück zu mir sich wenden Dein Auge wird, rief, bei der Erde Gram Tiefsinnig ernst, den Tod, um ihn zu enden. Sigieri ists, der zu der Toren Scham Einst im Strohgäßchen las und, streng und trübe, Durch Folgerung auf bittre Wahrheit kam."-- Dann wie, uns rufend, früh der Uhr Getriebe, Wenn Gottes Braut aufsteht, das Morgenlied Singend dem Bräutigam, daß er sie liebe, Hierhin und dorthin kreisend drängt und zieht Tini tin! verklingend in so süßem Tone, Daß frische Lieb in frommen Herzen blüht; So regte sich die edle Strahlenkrone, Mit Süßigkeit im himmlischen Gesang, Die nur begreift, wer dort am Sternenthrone Die ewig ungetrübte Lust errang.
Elfter Gesang
O menschliche Begier voll Wahn und Trug, Wie mangelhaft sind doch die Syllogismen, Die dir herabziehn des Gefieders Flug! Der ging dem Jus nach, der den Aphorismen; Der sucht als Priester Ehren und Gewinn; Der herrschte durch Gewalt, der durch Sophismen; Der stahl, der hatt ein Staatsamt nur im Sinn; Der mühte sich, in Fleischeslust befangen, Und jener gab dem Müßiggang sich hin; Indes ich, allem diesem Tand entgangen, Im Himmel oben mit Beatrix war, So herrlich und so ruhmvoll dort empfangen. Still stand nun jeder von der selgen Schar Im Kreis zurückgekehrt zur ersten Stelle, Und stellte sich, wie Licht auf Leuchtern, dar. Da schien es mir, aus jenem Schimmer quelle, Der mich zuerst gesprochen, neuer Laut, Und lächelnd sprach er dann in reinrer Helle: "Wie, wenn ins ewge Licht mein Auge schaut, Mich dieses ganz mit seinem Strahl entzündet, So ist mir deines Denkens Grund vertraut. Du zweifelst noch und hörtest gern verkündet In offnen Worten und verständlich breit, So, daß sie deine Fassungskraft ergründet, Was wohl mein obges Wort: Wo wohl gedeiht-- Und dann: Kein zweiter kam ihm gleich--bedeutet. Und hier ist nötig scharfer Unterscheid. Die ewge Vorsicht, die das Weltall leitet, Mit jener Weisheit, die in Tiefen ruht, Zu welchen kein erschaffnes Auge gleitet, Damit sich dem Geliebten ihre Glut, Die Glut der Braut, die er mit lautem Schreie Sich anvermählt hat durch sein heilges Blut, Sichrer in sich und ihm getreuer, weihe, Hat, ihr zur Gunst, zwei Fürsten ihr bestallt. Und hier und dorten führen sie die zweie. Der eine war von Seraphsglut umwallt, Der andre zeigt im Glanz der Cherubinen Die Weisheit dort im irdschen Aufenthalt. Von einem sprech ich, weil, wen man von ihnen Auch preisen mag, man nie vom andern schweigt, Da beide wirkten, einem Zweck zu dienen. Beim Bach, der von Ubaldos Hügel steigt, Und dem Tupino, hebt sich, zwischen beiden, Ein Berg, des Abhang fruchtbar grün sich neigt. Von ihm muß Hitz und Frost Perugia leiden, Und hinter diesem Berg liegt Gualdo dicht, Und fühlt mit Nocera des Joches Leiden. Dort, wo sich seines Abhangs jähe bricht, Dort sah man einer Sonne Glanz entbrennen, Gleich der am Ganges klar im hellsten Licht. Nicht möge man den Ort Ascesi nennen, Denn wenig sagt, wer also ihn benannt; Nein, was er war, gibt Orient zu erkennen. Schon als der Glanz nicht fern dem Aufgang stand, Begann er solche Kraft zu offenbaren, Daß sich dadurch erquickt die Erde fand. Denn mit dem Vater stritt er, jung an Jahren, Für eine Frau, vor der der Freuden Tor Die Menschen fest, wie vor dem Tod, verwahren, Bis vor dem geistlichen Gericht und vor Dem Vater sie zur Gattin er sich wählte Und täglich lieber hielt, was er beschwor. Sie, des beraubt, der sich ihr erst vermählte, Blieb ganz verschmäht mehr als elfhundert Jahr, Da, bis zu diesem, ihr der Freier fehlte, Obgleich durch sie Amicias in Gefahr So sicher ruht, als dessen Stimm erklungen, Des Mächtgen, der der Erd ein Schrecken war; Obgleich sie standhaft, kühn und unbezwungen, Als selbst Maria unten blieb, sich dort, An Christi Kreuz, zu ihm emporgeschwungen. Allein nicht mehr in Rätseln red ich fort; Franziskus und die Armut sieh in ihnen, Die dir geschildert hat mein breites Wort. Der Gatten Eintracht, ihre frohen Mienen Und Lieb und Wunder und der süße Blick Erweckten heilgen Sinn, wo sie erschienen. Und solchem Frieden eilte, solchem Glück Barfuß erst Bernhard nach, der Ehrenwerte, Und glaubte doch, er bliebe träg zurück. O neuer Reichtum! Gut von echtem Werte! Egid, Silvester folgten bald dem Mann Barfuß, weil hoher Reiz die Frau verklärte. Der Vater und der Meister ging sodann Nach Rom mit deiner Frau und mit den Seinen, Die schon des niedern Strickes Band umspann. Nicht feig sich beugend sah man ihn erscheinen, Als Peter Bernardones niedrer Sohn, Mocht er auch ärmlich und verächtlich scheinen, Nein, kund tat er vor Innocenzens Thron Den strengen Plan mit königlicher Würde, Und der besiegelte die Stiftung schon. Dann, als die Schar der Armen in der Hürde Des Hirten wuchs, des Wunderleben hier, Im Himmelsglanz, man besser singen würde, Verlieh der frommen heiligen Begier, Auf Gottes Eingebung, zum Eigentume Honorius der zweiten Krone Zier. Dann predigend, aus Durst nach Märtyrtume, Kühn in des stolzen Sultans Gegenwart, Von Christi und von seiner Folger Ruhme, Fand zur Bekehrung er das Volk zu hart, Drob, da ihm hier sein edles Werk nicht glückte, Von ihm bebaut Italiens Garten ward. Und auf Alvernas Felsenböhen drückte Das letzte Siegel noch ihm Christus ein, Das dann zwei Jahre seine Glieder schmückte. Als der, der ihn berufen, aus der Pein Zur Wonn ihn rief, den Lohn hier zu erwerben, Daß er sein Knecht war, niedrig, arm und klein, Empfahl er noch, als seinen rechten Erben, Den Brüdern seine Frau, ihm lieb und wert, Zu treuer Lieb im Leben und im Sterben. Eh ihrem Schoß die Seele, schon verklärt, Entfloh, heimkehrend zu des Vaters Reiche, Ward nur die Erd als Sarg von ihm begehrt. Jetzt denke selbst, wer dem an Würde gleiche, Der, sein Genoß, durchs Meer führt Petri Kahn, Daß er auf gradem Weg das Ziel erreiche. Dies Amt hatt unser Patriarch empfahn, Und gute Ware trägt auf deiner Reise, Wer treu ihm folgt auf der befohlnen Bahn. Doch deine Herd ist jetzt nach neuer Speise So lüstern, daß sie üppig hüpft und springt Und sich zerstreut und irrt vom rechten Gleise. Je weiter hin der Schäflein Herde dringt, Dem Hirten fern sich irrend zu zerstreuen, Je minder Milch zum Stalle jedes bringt. Wohl gibts noch welche, die den Schaden scheuen. Die folgen, angedrängt dem Hirten, nach, Doch wenig Tuch gibt Kutten diesen Treuen. Jetzt aber, war mein Wort nicht trüb und schwach, Verblieb dein Ohr, aufmerksam meinen Lehren, Rufst du zurück dem Geiste, was ich sprach, Dann wirds Befriedgung deinem Wunsch gewähren, Dann zeigt der Baum, von dem ich pflückte, sich, Und meines Tadels Grund wird sich erklären: Wo wohl gedeiht, wer nicht dem Wahne wich."
Zwölfter Gesang
Sobald mir nur das letzte Wort erschollen, Das aus der selgen Himmelsflamme drang, Begann die heilge Mühl im Kreis zu rollen. Doch eh sie rundherum sich völlig schwang, War sie umringt von einem zweiten Kranze, Eingreifend Tanz in Tanz und Sang in Sang; Sang, hold verhaucht bei diesem Strahlentanze, Dem unsrer Musen und Sirenen Lied So weicht, wie Widerschein dem ersten Glanze. Wie auf Gewölk, das leicht das Blau umsieht, Man zwei gleichfarbge, gleichgespannte Bogen, Wenn Juno ihrer Magd befiehlt, ersieht, Erzeugt vom innern der, der ihm umzogen-- Der Rede jener gleich, die Liebesglut, Wie Sonnenglut die Dünste, weggesogen-- Die Bogen, die nach allgemeiner Flut Der Herr dem Noah zeigte, zum Beweise Des Bunds, durch den die Erde sicher ruht;-- So drehte jetzt um uns sich gleicherweise Der ewgen Rosen schöner Doppelkranz, So glich der äußere dem innern Kreise. Und als zuletzt der festlich frohe Tanz, Die Lust des Sangs, der lichten Flammen schweben, Das Spiegeln einer in der andern Glanz, Still ward in einem Nu, mit gleichem Streben, Wie sich die Augen, wenn es dem gefällt, Der sie bewegt, verschließen und erheben; Klang aus dem Kreis, von neuem Licht erhellt, Ein Laut, nach dem ich mich so eilig kehrte, Wie der Magnet nach seinem Sterne schnellt. Er sprach: Die Liebe, die mich schön verklärte, Ists, die vom zweiten Hort mich sprechen heißt, Durch den man hier so hoch den meinen ehrte. Vom andern spreche, wer den einen preist, Zusammen glänzt ihr Ruhm, so wie sie stritten Für einen Zweck und mit gleich tapferm Geist. Des Heilands Heer, für welches schwer gelitten, Ders neu bewehrt, zog zweifelnd und voll Leid Der Fahne nach, schwach und mit trägen Schritten, Als er, der herrscht in Zeit und Ewigkeit, Den Kriegern half, die hart gefährdet waren, Aus Gnad und nicht ob ihrer Würdigkeit; Und, wie gesagt, um seine Braut zu wahren. Zwei Kämpfer rief, durch deren Wort und Tat Gesammelt wurden die zerstreuten Scharen. Woher der Zephir haucht, um am Gestad In Tal und Au die Knospen froh zu schwellen, Wenn sich der Lenz im Schmuck Europen naht, Dort, nah dem Strand, wo hochgetürmte Wellen Weit hergewälzt, von Sturmeswut bekriegt, Dem Sonnenstrahl sich oft entgegenstellen, Dort ist der Platz, wo Callaroga liegt, Beschützt und wohlgedeckt vom großen Schilde, Auf dem der Leu obsiegt und unterliegt. Dort ward erzeugt im glücklichen Gefilde Der Glaubenstreue Buhle, der Athlet, Dem Feind ein Graus, den Seinigen voll Milde. Dem Geist, erschaffen kaum, ward zugeweht Vom höchsten Geiste Kraft und hohe Gabe, Und ungeboren war er schon Propbet. Als mit der Glaubenstreue drauf der Knabe Verlöbnis hielt, vom heilgen Quell benetzt, Wo gegenseitges Heil die Morgengabe, Da ward die Zeugin, die Sein Ja! ersetzt, Schon von der Wunderfrucht, die ihm entsprieße, Und seiner Schul, im Traumgesicht ergetzt. Und daß sich, was er war, erkennen ließe, Gebot ein Geist, vom Himmel hergesandt, Daß man nach ihm, der ihn besaß, ihn hieße. Dominikus ward er darum benannt, Der Gärtner, welchen als Gehilfen Christus Für seinen Garten wählt und sich verband. Wohl schien er Bot und treuer Knecht von Christus, Wie das, was er zuerst geliebt, bezeugt, Denn er vollzog den ersten Rat von Christus. Wohl fand ihn öfters die, so ihn gesäugt, Am Boden liegend, wach, in tiefem Schweigen, Als spräch er aus: Hierzu bin ich gezeugt. O du, sein Vater, Felix wahr und eigen! O Mutter, wahrhaft als Johann erblüht, Wenn wir bis zu des Namens Wurzel steigen! Nicht für die Welt, für die man jetzt sich müht, Nach des von Ostia, des Thaddäus Lehren, Nein, fürs wahrhafte Manna nur entglüht, Sollt er als Lehrer bald sich groß bewähren, Den Weinberg pflegend, der bald Unkraut trägt, Wenn nicht des Winzers Hand ihm emsig wehren. Vom Stuhl, der einst die Armen mild gehegt-- Einst, nicht durch Schuld des Stuhls--durch dessen Sünden Der sitzt, und aus der Art der Väter schlägt, Erbat er Zehnten nicht, noch fette Pfründen, Erlaubnis nicht, Ablaß und Heil für Geld, Um drei und vier für zehen, zu verkünden; Nein die, zu kämpfen mit der irren Welt, Durch jenen Samen, dem die Bäum entspringen, Die, zweimal zwölf, sich um dich her gestellt, Die Pflichten des Apostels zu vollbringen, Strebt auf sein Will und seine Wissenschaft, Gleich Strömen, die aus tiefer Ader Springen. Und ihre Wellen stürzten grausenhaft Auf ketzerisch Gestrüpp, es auszubrechen, Und mit dem Widerstand wuchs ihre Kraft. Er gab darauf den Ursprung manchen Bächen, Die hinziehn durch der Kirche Gartenland, Drob ihre Bäume schönre Frucht versprechen-- Wenn so ein Rad des Kriegeswagens stand, Auf dem den Kampf die heilge Kirche wagte, Als sie die innern Meutrer überwand, So muß dir jetzt, wie hoch das andre ragte An Trefflichkeit, vollkommen deutlich sein, Und was von ihm dir Thomas Gutes sagte. Allein das Gleis hält jetzo niemand ein, Das in den Grund der Schwung des Rades prägte, Und Essig wird, was vormals süßer Wein. Die Schar, die seiner Spur zu folgen pflegte, Hat jetzt der Füße Stellung ganz gewandt Und geht zurück, wo er sich vorbewegte. Wie schlecht die Saat ist, wird euch bald bekannt, Denn bei der Ernte wird das Korn erlesen Und eingescheuert, doch der Lolch verbrannt. Zwar, will man Blatt für Blatt das Buch durchlesen, Das unsre Namen zeigt, so sagt ein Blatt Noch hier und dort: Ich bin, was ich gewesen. Doch nicht Casal, noch Aquasparta hat Dergleichen Glieder unsrer Schar gegeben, Da der zu streng ist, der zu schlaff und matt. Jetzt wiss, ich bin Buonaventuras Leben, Von Bagnoregio, und gering erschien Beim großen Amt mir jedes andre Streben. Hier sind Jlluminat und Augustin, Zwei von den ersten barfußarmen Scharen, Die durch den Strick in Gottes Huld gediehn. Hier sind der von Sankt Viktor zu gewahren, Und Mangiador, der Spanier Peter dann, Des Ruhm der Welt zwölf Bücher offenbaren. Nathan der Seher, Erzbischof Johann, Anselm, Donat, der sich dem Werke weihte, Des sich die erste Kunst berühren kann. Ruban ist hier; und solchen Brüdern reihte Sich dieser an, begabt mit Sehergeist Abt Joachim, helleuchtend mir zur Seite. Wenn solchen Kämpfer meine Rede preist, So ists des Thomas liebentflammte Weise, Die mit sich fort auch meine Rede reißt, Und mit mir fortzieht all in diesem Kreise.
Dreizehnter Gesang