Chapter 23
Zwischen zwei Speisen, gleich entfernt und lockend, Ging hungrig wohl ein freier Mann zugrund, Nicht von der einen noch der andern brockend. So stund ein Lämmchen zwischen Schlund und Schlund Von zweien Wölfen fest, in gleichem Zagen, So stund auch zwischen zweien Rehn ein Hund. So ließ verschiedner Zweifel mich nicht fragen. Ich schwieg nur, weil ich mußt, und kann davon Drum weder Gutes jetzt noch Böses sagen. Ich schwieg, doch ward mein Wunsch vom Antlitz schon Klar ausgedrückt und deutlicher vernommen, Als hätt ich ihn erklärt mit klarem Ton. Beatrix tat wie Daniel, als entglommen Nebukadnezar war in blinder Wut, Die des Propheten Deutung ihm benommen. "Daß dich zwei Wünsche drängen, seh ich gut," Begann sie, "die dich fesseln. So daß keiner Von beiden sich nun kund nach außen tut. Du fragst: Bleibt unser Will ein guter, reiner, Wie macht Gewalttat andrer dann den Wert Und wie den Umfang des Verdienstes kleiner? Hiernächst auch zweifelst du, weil Plato lehrt, Daß, wies ihm scheint, zu ihrem Sternenkreise Die Seele von der Erde wiederkehrt. Die beiden Zweifel drängen gleicherweise Auf deinen Willen ein, daher ich Ietzt Der schlimmern Meinung Falschheit erst beweise. Der Seraph, den der reinste Schimmer letzt, Moses und Samuel--die je heilig waren, Ja, selbst Marien nenn ich dir zuletzt, Sind nicht in anderm Himmel als die Scharen Der selgen Geister, die du jetzt gesehn, Sind reicher nicht und ärmer nicht an Jahren. Die erste Sphäre machen alle schön, Doch ist verschiedner Art ihr süßes Leben, Wie mehr und minder Gottes Hauche wehn. Sie zeigten hier sich, nicht, weil ihnen eben Der Kreis zuteil ward, nein, weil dies beweist, Daß sie zum Höchsten minder sich erheben. So sprechen muß man ja zu eurem Geist, Den nur die Sinne zu dem allen leiten. Was die Vernunft sodann ihr eigen heißt. Drum läßt sich auch zu euren Fähigkeiten Die Schrift herab, wenn sie von Gott euch spricht, Von Hand und Fuß, um andres anzudeuten. Die Kirche zeigt mit menschlichem Gesicht Gabriel und Michael und Raphaelen, Der neu geklärt Tobias Augenlicht. Doch des Timäus Lehre von den Seelen Ist andrer Art. Er glaubt auch, was er lehrt, Und scheint darin kein Sinnbild zu verhehlen. Daß sich zu ihrem Stern die Seele kehrt, Er sprichts und glaubt, daß sie von dort gekommen, Als die Natur sie uns zur Form gewährt. Allein wird dies nicht wörtlich angenommen, So kann er doch vielleicht mit dem Beweis Dem Ziel der Wahrheit ziemlich nahekommen, Dafern er meinte, daß aus jedem Kreis Das Gut und Böse stamm, und deshalb lehrte, Dem kehre Schimpf zurück und jenem Preis. Und dieser schlechtverstandne Satz verkehrte Fast alle Welt, so daß in Sternen man Den Mars, Merkur und Jupiter verehrte.-- Der andre Zweifel, welcher dich umspann, Hat mindres Gift, indem er nicht entrücken Dich meinem Pfad durch seine Schlingen kann. Denn scheint auch ungerecht den Menschenblicken Unsre Gerechtigkeit, nun, so beweist Dies Glauben nur, nicht ketzerische Tücken. Allein wohl fähig ist des Menschen Geist, In diese Wahrheit tiefer einzudringen, Drum will ich jetzt, daß du befriedigt seist. Ist das Gewalt, wenn jenen, welche zwingen, Der, welcher leidet, nie sich willig zeigt, So kann sie jenen nicht Entschuldgung bringen. Denn Wille, der nicht will, bleibt ungebeugt, Wie Feuer, mag der Sturmwind tosend Schwellen, Oft hingeweht, neu in die Höhe steigt. Der Wille wird zu der Gewalt Gesellen, Wenn er sich beugt; drum fehlte jenes Paar Rückkehren könnend zu den heilgen Zellen. Blieb jener Nonnen Will unwandelbar, Wie auf dem Rost Laurentius geblieben, Wie Scävola, der streng der Rechten war, So hätt er sie, befreit, zurückgetrieben Denselben Pfad, auf dem man sie entführt; Doch selten sind, die solchen Willen lieben. Noch hättest du den Zweifel oft gespürt, Der jetzt gewiß vor meinem Wort geschwunden, Wenn du wohl aufgemerkt, wie sichs gebührt. Doch hält ein andrer schon dein Aug umwunden, Und gänzlich schwände deine Kraft dahin, Eh du dich Selbst aus ihm herausgefunden. Ich legt es als gewiß in deinen Sinn, Die Seele, die der ersten Wahrheit Pforten Stets nahe bleibt, sei niemals Lügnerin. Doch nun erfuhrst du durch Piccarda dorten, Daß ihren Schleir Konstanze nie vergaß, Und dies scheint Widerspruch mit meinen Worten. Oft, Bruder, die Gefahr zu fliehn, geschahs, Daß sich ein Mensch, auch wider Willen, dessen, Was nimmer sich zu tun geziemt, vermaß. So hat Alkmäon, welcher sich vermessen Des Muttermords, weil ihn sein Vater bat, Die Sohnespflicht aus Sohnespflicht vergessen. Daraus erkennst du diese Wahrheit: hat Der Wille sich vermischt dem äußern Drange, So liegt in ihm die Schuld der bösen Tat. Der unbedingte Wille trotzt dem Zwange, Doch stimmt insofern bei, als der Gefahr Er zagend weicht, vor größerm Schaden bange. Piccarda sprach, dies siehst du jetzo klar, Vom unbedingten Willen nur zum Guten, Vom zweiten Ich, und beider Wort ist wahr." So war das Wogen jener heilgen Fluten Dem Quell entströmt, dem Wahrheit nur entquillt, Daß süß befriedigt meine Wünsche ruhten. "Liebste des ersten Liebenden, o Bild Der Gottheit," rief ich, "deren Rede regnet, Erwärmt und mehr und mehr belebt und stillt. Oh, war mit Inbrunst doch mein Herz gesegnet Zum Dank, der gnügte deiner Huld--doch dir Sei nur von ihm, der sieht und kann, entgegnet. Nie sättigt sich der Geist, dies seh ich hier, Als in der Wahrheit Glanz, dem Quell des Lebens, Die uns als Wahn zeigt alles außer ihr. Doch fand er sie, dann ruht die Qual des Strebens, Und finden kann er sie, sonst wäre ja Jedweder Wunsch der Menschenbrust vergebens. Dann läßt der Geist, wenn er die Wahrheit sah, An ihrem Fuß den Zweifel Wurzel schlagen Und treibt von Höhn zu Höhn dem Höchsten nah. Dies ladet nun mich ein, dies heißt mich wagen, Nach einer andern dunkeln Wahrheit jetzt Voll Ehrfurcht, hohe Herrin, Euch zu fragen. Kann wohl der Mensch, der ein Gelübd verletzt, Durch andres gutes Werk dies so vergüten, Daß Ihrs, nach Eurer Wag, als gnügend schätzt? Sie sah mich an, und Liebesfunken sprühten Aus ihrem Aug so göttlich klar hervor, Daß ich, besiegt, sobald sie mir erglühten, Gesenkten Blicks mich selber fast verlor.
Fünfter Gesang
"Wenn ich in Liebesglut dir flammend funkle, Mehr, als es je ein irdisch Auge sieht, So, daß ich deines Auges Licht verdunkle, Nicht staune drum--es macht, daß dies geschieht, Vollkommnes Schauen, welches, wies ergründet, In dem Ergründeten uns weiterzieht. Schon glänzt, ich sehs in deinem Blick verkündet. In deinem Geist ein Schein vom ewgen Licht, Das, kaum gesehen, Liebe stets entzündet. Und liebt ihr, weil euch andrer Reiz besticht, So ists, weil, unerkannt, vom Licht, dem wahren, Ein Strahl herein auf das Geliebte bricht. Ob andrer Dienst, dies willst du jetzt erfahren, Gebrochenes Gelübd ersetzen kann, Um vor dem Vorwurf euer Herz zu wahren." So fing ihr heilges Wort Beatrix an Und setzte dann, die Rede zu vollenden, Ununterbrochen fort, was sie begann. "Die größte Gab aus Gottes Vaterhänden Und seiner reichen Güte klarste Spur, Von ihm geschätzt als höchste seiner Spenden, Ist Willensfreiheit, so die Kreatur, Der er Vernunft verlieh, von ihm bekommen, Von diesen jede, doch auch diese nur. Hieraus ersieh den hohen Wert des frommen Gelübdes, wenn es so beschaffen ist, Daß Gott, was du geboten, angenommen. Denn, wer mit Gott Vertrag schließt, der vermißt Sich, diesen Schatz zum Opfer darzubringen, Mit dessen Werte sich kein andrer mißt. Wie kann drum je hier ein Ersatz gelingen? Brauchst du auch wohl, was du geopfert hast, So ists nur Wohltat mit gestohlnen Dingen. Du hast das Wichtigste nun aufgefaßt, Doch weil die Kirche vom Gelübd entbindet, So zweifelst du an meiner Wahrheit fast. Drum bleib am Tisch ein wenig noch. Hier findet, Ob du auch Unverdauliches gespeist, Das Mittel sich, vor dem der Schmerz verschwindet. Dem, was ich sag, erschließe deinen Geist, Denn Hören gibt nicht Weisheit, nein, Behalten; Behalt es drum, damit du weise seist. In diesem Opfer sind zwei Ding enthalten; Das erste: des Gelübdes Gegenst and-- Das zweite: der Vertrag, es treu zu halten. Der letztere hat ewigen Bestand, Bis er erfüllt ist, und wie er zu achten, Dies macht ich oben dir genau bekannt. Drum mußten die Hebräer Opfer schlachten, Obwohl für das Gelobte dann und wann Sie, wie du wissen mußt, ein andres brachten. Der Gegenstand kann also sein, daß man, Auch ohne Reu und Vorwurf zu empfinden, Mit einem andern ihn vertauschen kann. Nur mag sich dessen niemand unterwinden Nach eigner Wahl, wenn ihn der ersten Last Der gelb und weiße Schlüssel nicht entbinden. Und jeder Tausch der Bürd ist Gott verhaßt, Wenn, die wir nehmen, die wir von uns legen, Nicht wie die Sechs die Vier, voll in sich faßt. Drum, ziehet das, was man gelobt, beim Wägen Jedwede Wag herab durch sein Gewicht, So gibts auch nirgendwo Ersatz dagegen. Scherzt, Sterbliche, mit dem Gelübde nicht. Seid treu, doch seht euch vor; denn schwer beklagen Wirds jeder, der, wie Jephtha, blind verspricht. Ihm ziemt es besser: Ich tat schlimm! zu sagen, Als, haltend, schlimmer tun--und gleiche Scham Sah man davon den Griechenfeldherrn tragen; Drob Iphigenia weint in bitterm Gram Und um sich weinen Weis und Toren machte, Ja, jeden, der von solchem Dienst vernahm. Sei nicht leichtgläubig, Christenvolk, und trachte, Nicht wie der Flaum im Windeshauch zu sein; Daß dich nicht jedes Wasser wäscht, beachtet Das Alt und Neue Testament ist dein, Der Kirche Hirt ist Führer ihren Söhnen, Und dieses gnügt zu eurem Heil allein. Und reizt euch jemand, schlechtem Trieb zu frönen, Nicht Schafe seid ihr, eurer unbewußt, Drum laßt vom Nachbar Juden euch nicht höhnen. Tut nicht dem Lamm gleich, das der Mutter Brust Aus Einfalt läßt und, dumm und geil, vergebens Nur mit sich selber kämpft nach seiner Lust." Beatrix sprachs und wandte, regen Strebens, Ganz Sehnen, ihren Blick zum hellem Licht, Empor zur schönen Welt des höhern Lebens. Ihr Schweigen, ihr verwandelt Angesicht Geboten dem begiergen Geiste Schweigen Und ließen mich zu neuen Fragen nicht. Und schnell, wie sich beschwingte Pfeile zeigen, Ins Ziel einbohrend, eh die Sehne ruht, So eilten wir, zum zweiten Reich zu steigen. Die Herrin sah ich so in frohem Mut, Da uns der Flug zum neuen Glänze brachte, Daß heller ward des Sternes Licht und Glut. Wenn der Planet nun, sich verwandelnd, lachte, Wie ward wohl mir, mir, den verwandelbar Schon die Natur auf alle Weisen machte? Gleichwie im Teich, der ruhig ist und klar, Wenn das, wovon die Fischlein sich ernähren, Von außen kommt, her eilt die muntre Schar, So sah ich hier zu uns sich Strahlen kehren Wohl Tausende, von welchen jeder sprach: "Seht, der da kommt, wird unser Lieben mehren!" Und wie sie uns sich nahten nach und nach, Da sah ich süßer Wonne voll die Seelen, Im Glanz, der hell hervor aus jeder brach. Bedenke, Leser, wollt ich dir verhehlen, Was ich noch sah, und schweigend von dir gehn, Wie würde dich der Durst nach Wissen quälen? Du wirst daraus wohl durch dich selbst verstehn, Wie ich ihr Los mich sehnte zu erfahren, Sobald mein Aug in ihren Glanz gesehn. "Begnadigter, dem hier sich offenbaren Des ewigen Triumphes Thron, eh dort Du noch verlassen hast der Krieger Scharen, Wir sind entglüht vom Licht, das fort und fort Den Himmel füllt--drum, wünschest du Erklärung, So sättige nach Wunsch dich unser Wort." Ein frommer Geist verhieß mir so Gewährung, Beatrix drauf: "Sprich, sprich und glaub ihm fest, So fest, als war es göttliche Belehrung." "Ich sehe, würdger Geist, du hast dein Nest Im eignen Licht, das, wie du lächelst, immer Mit hellerm Glanz dein Auge strahlen läßt, Doch wer bist du? Was ward der schwache Flimmer Der niedern Sphäre dir zum Sitz gewährt, Die uns umschleiert wird durch fremden Schimmer?" So sprach ich, jenem Lichte zugekehrt, Das erst gesprochen hatt, und sahs in Wogen Von Strahlen drum weit mehr als erst verklärt. Denn gleichwie Sol, von dichtem, Dunst umzogen, In zu gewaltgen Glanz sich selber hüllt, Wenn Glut der Nebel Schleier weggesogen, So barg sich jetzt, von größrer Lust erfüllt, Die heilige Gestalt im Strahlenringe, Und sie entgegnete mir, so verhüllt, Das, was ich bald im nächsten Sange singe.
Sechster Gesang
"Nachdem der Kaiser Konstantin, entgegen Der Himmelsbahn, gewendet jenen Aar, Der einst ihr folgt auf des Äneas Wegen, Da sah man mehr als schon zweihundert Jahr Zeus Vogel an Europens Rand verbringen, Nah dem Gebirg, dem er entflogen war. Beherrschend unterm Schatten heilger Schwingen Von dort die Welt, ging er von Hand zu Hand, Bis ihm beim Wechsel meine Hand empfingen. Cäsar war ich, Justinian genannt, Der, nach der ersten heilgen Liebe Walten, Unmaß und Leeres ins Gesetz gebannt. Und eh ichs unternahm, dies zu gestalten, Lebt ich zufrieden in dem Wahne fort, Ein Wesen sei in Christo nur enthalten. Doch Agapet, der höchste Hirt und Hort, Er lenkte mich zurück zum Echten, Wahren, Zum rechten Glauben durch sein heilig Wort. Ich glaubt ihm und bin jetzt ob des im klaren, Was er mir sagt--und du auch wirst nun sehn, Daß Wahr und Falsch im Gegensatz sich paaren. Kaum fing ich an, der Kirche nachzugehn, So flößt es Gott mir ein, mich aufzuraffen, Und nur dem hohen Werke vorzustehn. Dem Belisar vertraut ich meine Waffen, Und ihm verband des Himmels Rechte sich Zum Zeichen mir, ich soll in Ruhe schaffen. Befriedigt hab ich nun im ersten dich, Was du gefragt; allein die Art der Frage Verbindet noch zu einem Zusatz mich, Damit du sehst, welch Unrecht jeder trage, Der dieses hehren, heilgen Zeichens Macht An sich zu ziehn und ihr zu trotzen wage. Du siehst die Kraft, dies wert der Ehrfurcht macht, Seit seiner Herrschaft Pallas, überwunden, Sein Leben selbst zum Opfer dargebracht; Weißt, daß es drauf den Aufenthalt gefunden, Dreihundert Jahr und mehr in Albas Aun, Bis drei und drei dafür den Kampf bestunden; Weißt, was vom Raube der Sabinerfraun Es tat bis zu Lukreziens Schmerz, durch sieben, Die ringsumher besiegt die Nachbargaun. Weißt, wie es Brennus, Pyrrhus auch vertrieben, Getragen vor der wackern Römer Schar Und siegreich noch in manchem Kampf geblieben; Drob Quinctius, benannt vom wirren Haar, Drob auch Torquatus, Decier, Fabier glänzen In freudgem Ruhme durch den heilgen Aar. Er schlug der Libyer Stolz, die, Welschlands Grenzen Einst Hannibal verführt, zu überziehn, Wo Alpen deinen Quell, o Po, umkränzen. Ein Jüngling noch, hob Scipio sich durch ihn. Pompejus auch, zu des Triumphes Ehren, Der bitter deinem Vaterlande schien. Dann, nah der Zeit, in der die Welt verklären Der Himmel wollt in seinem eignen Schein, Nahm Julius Cäsar ihn auf Roms Begehren. Was er dann tat vom Varus bis zum Rhein, Jser und Seine sahns, es sahns, bezwungen, Die Tale, die der Rhon ihr Wasser Ieihn. Wie er den Rubikon dann übersprungen, Was er dann tat, das war von solchem Flug, Daß Zung und Feder nie sich nachgeschwungen. Nach Spanien lenkt er dann den Siegerzug, Dann nach Durazz und traf Pharsaliens Auen So, daß man Leid am heißen Nile trug. Sah wieder dann den Simois, die Gauen, Von wo er kam, wo Hektor ruht und schwang Sich auf dann, zu des Ptolemäus Grauen. Worauf er blitzend hin zum Juba drang; Dann sah man ihn die Flügel westwärts schlagen, Wo ihm Pompejus Kriegsdrommet erklang. Was er mit dem tat, der ihn dann getragen, Bellt Brutus, Cafsius noch in ewger Not, Sagt Modena, Perugia noch mit Klagen. Kleopatra beweints noch, die, bedroht Von seinem Zorn, entfloh und an die Brüste Die Schlange nahm zu schnellem, schwarzem Tod. Mit diesem eilt er bis zur roten Küste, Mit diesem schloß er fest des Janus Tor, Weil Fried und Ruh den ganzen Erdball küßte. Doch was der Adler je getan zuvor, Und was noch drauf getan dies hohe Zeichen, Das Gott zur Herrschaft irdschen Reichs erkor, Muß dem gering erscheinen und erbleichen, Ders in der Hand des dritten Cäsar schaut Mit klarem Blick, dem Wahn und Irrtum weichen. Denn die Gerechtigkeit, die jeden Laut Mir einhaucht, hat ihn, ihren Zorn zu rächen. Der Hand des, den ich dir benannt, vertraut. Jetzt staun ob dessen, was ich werde sprechen: Er nahm, begleitend dann des Titus Bahn, Rach an der Rache für ein alt Verbrechen. Und als darauf der Langobarden Zahn Die Kirche biß, sah unter seinen Schwingen Man Karl den Großen ihr mit Hilfe nahn. Nun siehst du selbst, wie jene sich vergingen, Von denen ich, sie hart anklagend, sprach, Die über euch all euer Übel bringen. Der trachtet selbst dem Reicheszeichen nach, Der will es durch die Lilien überwinden, Und schwer zu sagen ist, wer mehr verbrach. Der Ghibellin mög andres Zeichen finden, Denn schlechte Folger sind dem heilgen Aar, Die standhaft nicht das Recht und ihn verbinden. Der neue Karl mit seiner Guelfenschar, Nicht trotz er ihm, der wohl schon stärkerm Leuen Das Vlies abzog mit seinem Klauenpaar. Oft muß der Sohn des Vaters Fehl bereuen. Nicht glaub er seine Lilien Gott so lieb, Um ihrethalb sein Zeichen zu erneuen-- Der kleine Stern, der fern und dämmernd blieb, Ist Wohnsitz derer, die zum tätgen Leben Der Durst allein nach Ruf und Ehre trieb. Und wenn so falsch gelenkt die Wünsche streben, So muß sich wohl der wahren Liebe Licht Mit minderm Glanz zum rechten Ziel erheben. Doch wägen wir dann des Verdiensts Gewicht Mit dem des Lohns, so wird uns Wonn und Frieden, Weil eins dem andern so genau entspricht. Dann stellt uns die Gerechtigkeit zufrieden Und sichert uns vor jedem sündgen Hang, Denn glücklich macht uns das, was uns beschieden. Verschiedne Tön erzeugen süßen Klang; So bilden hier die Harmonie der Sphären Die lichten Kreise von verschiednem Rang. Du siehst in dieser Perle sich verklären Romeos Licht, mußt auch sein schönes Tun Auf Erden des verdienten Lohns entbehren. Allein die Pprovenzalen lachen nun Nicht ihres Grolls, denn solche nahn dem Falle, Die sich in andrer Guttat Schaden tun. Vier Töchter hatt, und Königinnen alle, Graf Raimund, und Romeo tat ihm dies, Der niedre Fremd in stolzer Fürstenhalle. Und jener folgt, als ihm die Scheelsucht hieß, Dem Biedermanne Rechnung anzusinnen, Der acht und vier für zehn ihm überwies. Arm und veraltet ging er dann von hinnen; Und wußte man, mit welchem Herzen er fortzog, sein Brot als Bettler zu gewinnen, Man preist ihn hoch und pries ihn dann noch mehr.
Siebenter Gesang