Die Geschichte meines Lebens

Part 27

Chapter 273,295 wordsPublic domain

Schon zwei Jahre vor dem Zwischenfall mit dem »Frostkönig« hatte Helen in einem Briefe an Herrn Anagnos (vom 2. und 3. Februar 1890) den wesentlichen Inhalt eines anderen Märchens von Fräulein Canby, »~The Rose Fairies~« als einen Traum erzählt, den sie vor langer Zeit gehabt habe.[33]

Es mögen nun die beiden Fassungen der Frostmärchen einander gegenübergestellt werden.

Die Frostelfen. Der Frostkönig.

(Aus »Birdie und seine Freunde, die Elfen«) von Von Helen A. Keller. Margaret T. Canby.

König Frost oder Jack Frost, König Frost wohnt in einem wie er mitunter genannt wird, schönen Palast fern im Norden, wohnt in einem kalten Lande in dem Lande des ewigem fern im Norden; aber jedes Schnees. Der Palast, der über Jahr unternimmt er eine Reise alle Beschreibung prächtig ist, über die ganze Erde in einem war schon vor Jahrhunderten, Wagen von goldenen Wolken, unter der Regierung des Königs der von einem starken, Gletscher, erbaut. In geringer pfeilschnellen Rosse, »Nordwind« Entfernung von dem Palaste mit Namen, gezogen wird. könnten wir ihn leicht für ein Wohin ihn auch sein Weg Gebirge halten, dessen Gipfel führt, überall verrichtet er viele sich zum Himmel erheben, um wunderbare Dinge: er schlägt den letzten Kuß des scheidenden Brücken über jeden Strom, Tages zu empfangen. Wenn die so durchsichtig wie Glas wir aber näher kommen, so und dabei doch so fest wie Eisen werden wir bald unseren Irrtum sind; er schläfert die Blumen bemerken. Was wir für und Kräuter durch eine bloße Bergesspitzen hielten, sind in Berührung mit seiner Hand Wahrheit Tausende von weithin ein, und sie beugen sich alle glänzenden Türmen. Nichts kann nieder und versinken in die schöner sein als die Architektur warme Erde, bis der Frühling dieses Eispalastes. Die zurückkehrt; dann zaubert Wände sind merkwürdigerweise er, damit wir um die Blumen aus massiven Eisblöcken nicht weinen, an unseren erbaut, die in klippenartige Fensterscheiben liebliche Ranken Türme auslaufen. Das Portal und Zweige seiner weißen des Palastes liegt am Ende nordischen Blumen oder zarte eines überwölbten Ganges und kleine Wälder von Elfentannen wird Tag und Nacht durch hin, schlohweiß und gar prächtig zwölf grimmig aussehende Eisbären anzusehen. Doch sein wunderbarstes bewacht. Werk ist die Bemalung der Bäume, die nach Vollendung der Arbeit aussehen, als Doch, Kinder, ihr müßt wären sie mit dem glänzendsten dem König Frost bei der ersten Gold und den funkelndsten Gelegenheit, die sich euch biet Rubinen überzogen, und schön einen Besuch abstatten und euch genug sind, um uns über die diesen wundervollen Palast Flucht des Sommers zu trösten. selber ansehen. Der alte König wird euch freundlich willkommen Ich will euch nun erzählen, heißen, denn er liebt wie König Frost zuerst auf den die Kinder, und es ist sein Gedanken an eine solche Arbeit Hauptvergnügen, ihnen Freude kam, denn es ist eine sonderbare zu bereiten. Geschichte. Ihr müßt wissen, daß dieser König wie alle andern Könige große Ihr müßt wissen, daß König Frost Schätze von Gold und Edelsteinen wie alle anderen Könige große in seinem Palaste hatte; Schätze von Gold und Edelsteinen da er aber ein gutmütiger besitzt: da er aber ein alter Mann ist, hält er seine freigebiger alter Fürst ist so Reichtümer nicht für immer so er bestrebt, einen richtigen verschlossen, sondern sucht mit Gebrauch von seinen Reichtümern ihrer Hilfe Gutes zu tun und zu machen. So verrichtet er, andere glücklich zu machen. wohin ihn auch sein Weg führt, Er hat zwei Nachbarn, die viele wunderbare Dinge; er noch weiter nördlich wohnen; schlägt Brücken über jeden der eine ist König Winter, ein Strom, so durchsichtig wie Glas rauher, unfreundlicher alter und doch oft so fest wie Eisen; Fürst, der so hart und grausam er schüttelt die Waldbäume, bis ist, daß er sich freut, wenn die reifen Nüsse lachenden er den Armen wehe tun und Kindern in den Schoß fallen; sie zum Weinen bringen kann. er schläfert mit einer Der andere Nachbar aber ist Berührung seiner Hand ein, und Santa Claus, ein stattlicher, damit wir uns nicht nach den gutherziger, lustiger alter strahlenden Blumengesichtern Mann, der gern Gutes tut sehnen, bemalt er das Laub und den Armen sowie den artigen mit Gold-, Purpur- und Kindern zu Weihnachten Smaragdfarben, und wenn er mit Geschenke bringt. seiner Arbeit fertig ist, so sind die Bäume so schön, daß Nun, eines Tages dachte wir uns über die Flucht König Frost darüber nach, was des Sommers trösten. Ich will er wohl mit seinem Schatze euch erzählen, wie König Frost gutes stiften könne, und entschloß auf den Gedanken verfallen sich einen Teil seinem ist, das Laub zu bemalen, freundlichen Nachbar Santa denn es ist eine sonderbare Claus zum Einkauf von Geschichte. Lebensmitteln und Kleidern für die Armen zu schicken, damit diese nicht so viel zu leiden Eines Tages dachte König hätten, wenn König Winter Frost, während er sein großes sich ihren Häusern näherte. Vermögen einer Durchsicht So rief er seine lustigen kleinen unterzog und überlegte, was Elfen zusammen, zeigte ihnen er damit wohl Gutes stiften eine Anzahl von Gefäßen und könne, mit einem Male an Vasen voller Gold und Edelsteine seinen freundlichen alten und befahl ihnen, diese Nachbar Santa Claus. Ich will sorgsam nach dem Palaste meine Schätze an Santa Claus Santa Claus’ zu tragen und senden, sagte der König zu sich sie ihm mit Empfehlungen von selber. Er ist der richtige Mann König Frost zu übergeben. Er dazu, sie gut zu verwenden, wird schon wissen, wie er den denn er weiß, wo die Armen Schatz am besten verwenden und Unglücklichen wohnen, und soll, setzte Jack Frost hinzu; sein gütiges altes Herz steckt dann befahl er den Elfen, sich immer voller Pläne, sie zu unterwegs nicht aufzuhalten, unterstützen. So rief er denn sondern sein Gebot rasch die lustigen kleinen Elfen auszuführen. seines Hofstaates zusammen, zeigte ihnen die Gefäße und, Die Elfen versprachen Gehorsam Vasen, die seine Schätze und machten sich bald enthielten, und befahl ihnen, auf den Weg, indem sie die sie so rasch wie möglich nach großen gläsernen Gefäße und Santa Claus’ Palaste zu tragen. Vasen nachschleppten, so gut Die Elfen versprachen Gehorsam sie konnten, und ab und zu ein und waren im Nu auf und davon, wenig über die schwere Arbeit indem sie die schweren Gefäße brummten; denn es waren und Vasen hinter sich faule Elfen, die lieber spielten herschleppten, so gut sie als arbeiteten. Schließlich konnten, und ab und zu gelangten sie in einen großen ein wenig über die schwere Wald, und da sie ganz ermüdet Arbeit brummten; denn es waren waren, beschlossen sie, faule Elfen, die lieber spielten ein wenig zu rasten und sich als arbeiteten. Nach einiger nach Nüssen umzusehen, bevor Zeit kamen sie in einen großen sie ihre Wanderung fortsetzten. Wald, und da sie müde und Damit aber der Schatz nicht hungrig waren, beschlossen sie gestohlen werden sollte, ein wenig zu rasten und sich versteckten sie die Gefäße unter nach Nüssen umzusehen, ehe das dichte Laub der Bäume, sie ihre Wanderung weiter indem sie die einen hoch oben fortsetzten. Da sie aber in der Nähe der Wipfel, glaubten, ihr Schatz könne ihnen andere an verschiedenen Stellen inzwischen gestohlen werden, so der Bäume unterbrachten, bis verbargen sie die Gefäße in sie glaubten, niemand könne dem dichten grünen Laub der sie mehr finden. verschiedenen Bäume und waren sicher, daß niemand sie Dann begannen sie, finden könne. Dann begannen umherzustreifen nach Nüssen zu sie lustig umherzustreifen, um suchen und auf die Bäume sich Nüsse zu suchen, auf die zu klettern, um die Früchte Bäume zu klettern, neugierig herunterzuschütteln, und in die leeren Vogelnester zu arbeiteten zu ihrem eigenen schauen und hinter den Bäumen Vergnügen viel angestrengter, Verstecken zu spielen. Diese als sie es je auf das Geheiß unartigen Elfen waren nun bei ihres Herrn getan hatten; denn ihrem Herumtollen so geschäftig es ist eine sonderbare Tatsache, und so lustig, daß sie ihren daß Elfen und Kinder Auftrag und ihres Herrn Befehl, sich niemals über Mühe und sich zu beeilen, ganz vergaßen, Arbeit beschweren, wenn sie aber bald entdeckten sie zu dabei ihre eigene Belustigung ihrem Verdruß, warum ihnen im Auge haben, während sie Eile anbefohlen worden war, oft brummen, wenn von ihnen denn obgleich sie ihrer Meinung eine Arbeit zum besten anderer nach den Schatz sorgfältig verlangt wird. versteckt hatten, so hatten die strahlenden Augen der Königin Die Frostelfen waren bei Sonne doch die Gefäße zwischen ihrem Nüssesammeln so geschäftig dem Laube erspäht, und da sie und ausgelassen, daß und König Frost sich über die sie bald ihren Auftrag und beste Art, der Welt Gutes zu den Befehl des Königs, sich zu tun, nie einigen konnten, so beeilen, vergaßen; als es aber war sie froh, eine gute bei ihrem Spiele Mittag wurde, Gelegenheit zu haben, ihrem ein sahen sie endlich den Grund wenig rauhen Nebenbuhler ein, weshalb ihnen Eile einen Streich zu spielen. anbefohlen worden war; denn, Königin Sonne lachte still vor obgleich sie ihrer Meinung sich hin, als die zarten Gefäße nach den Schatz sehr sorgfältig zu schmelzen und zu zerbrechen versteckt hatten, so hatten sie begannen. Schließlich waren ihn doch nicht vor der Gewalt alle Gefäße und Vasen gesprungen der Frau Sonne geschützt, die oder entzweigegangen, eine Feindin Jack Frosts war und ebenso schmolzen die und sich freute, wenn sie ihm in ihnen enthaltenen Edelsteine einen Schabernack spielen und und rannen in kleinen Strömen Schaden zufügen konnte. über die Bäume und Sträuche des Waldes. Ihre strahlenden Augen entdeckten bald die Gefäße mit dem Schatze auf den Bäumen, Noch bemerkten die faulen und da die faulen Elfen sie Elfen nicht, was sich ereignete, bis zur Mittagsstunde, wenn denn sie hatten sich in das Gras Frau Sonne am stärksten ist, gelagert, und es dauerte lange, hier gelassen hatten, so begann ehe der wunderbare Schatzregen das zarte Glas zu schmelzen sie erreichte; schließlich und zu zerbrechen, und in aber hörten sie deutlich, wie kurzer Zeit waren alle Gefäße die Tropfen gleich einem Regen und Vasen gesprungen oder im ganzen Walde herabfielen entzwei gegangen, und ebenso und von einem Blatt zum schmolzen die in ihnen enthaltenen anderen glitten, bis sie auf kostbaren Schätze und die kleinen Sträucher, neben rannen in Strömen von Gold denen die Elfen saßen, und Purpur langsam über die herabklatschten. Jetzt Bäume und Sträucher des entdeckten sie zu ihrem Waldes. Erstaunen, daß die Regentropfen geschmolzene Rubine waren, die Eine Zeitlang bemerkten auf den Blättern erstarrten und die Frostelfen dieses sonderbare sie augenblicklich mit Purpur Ereignis nicht, denn sie hatten und Gold überzogen. Dann sahen sich in das Gras gelagert, so sie, als sie sich genauer weit von den Wipfeln der umblickten, daß ein großer Teil Bäume entfernt, daß es lange des Schatzes bereits geschmolzen dauerte, ehe der wunderbare war, denn die Eichen- und Schatzregen sie erreichte; endlich Ahornbäume waren in prächtige aber sagte der eine von Gewänder von Gold-, ihnen: Horch, ich glaube, es Purpur- und Smaragdfarbe regnet; ich höre die gehüllt. Es gewährte einen sehr niederfallenden Tropfen. Die schönen Anblick; aber die anderen lachten und erklärten ihm, ungehorsamen Elfen waren zu sehr es regne selten, wenn die Sonne erschrocken, als daß sie die scheine; als sie aber genauer Schönheit der Bäume hätten aufpaßten, hörten sie deutlich, wahrnehmen können. Sie wie im ganzen Walde die fürchteten, König Frost könne Tropfen von den Bäumen kommen und sie strafen. So herabfielen und von einem versteckten sie sich denn Blatt zum anderen glitten, bis zwischen den Sträuchern und sie auf die Brombeersträucher, warteten schweigend auf das, was neben denen die Elfen saßen, sich ereignen würde. Ihre herabklatschten. Jetzt entdeckten Befürchtungen waren sie zu ihrem großen Verdruß, wohlbegründet, denn ihre lange daß die Regentropfen Abwesenheit hatte den König geschmolzene Rubinen waren, beunruhigt, er bestieg den die auf den Blättern erstarrten Nordwind und ritt aus, um und sie augenblicklich mit seine säumigen Boten zu suchen. leuchtendem Rot überzogen. Als Natürlich war er noch nicht sie sich dann die Bäume ringsum weit gekommen, als er das genauer ansahen, bemerkten Glänzen des Laubes bemerkte, sie, daß der gesamte Schatz und er erriet rasch die Ursache wegschmolz und daß sich ein davon, als er die zerbrochenen großer Teil davon bereits über Gefäße bemerkte, aus denen die Blätter der Eichen und der Schatz noch immer herunter Ahornbäume ergossen hatte, tropfte. Zuerst war König die in ihrem prächtigen Gewande Frost sehr zornig, und die Elfen von Gold und Bronze, zitterten und duckten sich noch Purpur und Smaragd weithin tiefer in ihre Verstecke, und leuchteten. Es gewährte einen ich weiß nicht, was geschehen, sehr schönen Anblick; aber die wäre, wenn nicht gerade in faulen Elfen waren über das diesem Augenblick eine Schar Unglück, das ihr Ungehorsam von Knaben und Mädchen den verschuldet hatte, zu sehr, Wald betreten hätte. Als die erschricken, als daß sie die Kinder die Bäume alle in den Schönheit des Waldes hätten herrlichen Farben schimmern bewundern können, und im Nu sahen, klatschten sie in die suchten sie sich in dem Gebüsch Hände, stießen ein zu verstecken, damit König Freudengeschrei aus und begannen Frost sie nicht finden und sofort große Sträuße zu strafen könne. pflücken, um sie mit nach Hause zu nehmen. Die Blätter sind so Ihre Befürchtungen waren hübsch wie die Blumen! riefen wohlbegründet, denn ihre lange sie in ihrem Entzücken. Ihre Abwesenheit hatte den König Freude verscheuchte den Zorn aus beunruhigt, und er hatte sich König Frosts Herzen und glättete aufgemacht, um nach seinen seine gerunzelten Augenbrauen, lässigen Dienern zu sehen, und und auch er begann die bemalten eben, als sie sich alle versteckt Bäume zu bewundern. Er hatten, kam er langsam sagte zu sich selber: Meine einhergeschritten und sah sich Schätze sind nicht verloren, überall nach den Elfen um. wenn sie kleine Kinder glücklich Natürlich bemerkte er bald das machen. Meine faulen Glänzen des Laubes und entdeckte Elfen und meine grimmige auch deren Ursache, als er die Feindin haben mich eine neue zerbrochenen Gefäße und Vasen Art, Gutes zu tun, gelehrt. erblickte, aus denen der geschmolzene Schatz noch immer heruntertropfte. Und als er Als die Elfen dies hörten, zu den Nußbäumen kam und wurde es ihnen bedeutend die von den faulen Elfen leichter ums Herz, und sie kamen zurückgelassenen Schalen und die aus ihren Verstecken hervor, Spuren ihres Umhertollens gestanden ihre Schuld ein und bemerkte, wußte er sofort, was baten ihren Herrn um Verzeihung. sie angestellt hatten und daß sie ihm ungehorsam gewesen waren, indem sie bei ihrer Seit dieser Zeit hat es Wanderung durch den Wald König Frost stets großes gespielt und die Zeit versäumt Vergnügen gemacht, die Blätter hatten. mit den glühenden Farben, die wir im Herbste erblicken, König Frost runzelte die zu bemalen, und wenn sie nicht Stirn und machte zuerst ein mit Gold und Edelsteinen bedeckt sehr böses Gesicht, und seine sind, so kann ich mir nicht Elfen zitterten vor Furcht und denken, was sie so glänzend duckten sich noch tiefer in ihre macht; könnt ihr es euch Verstecke. In diesem Augenblick vielleicht denken? aber kamen zwei kleine Kinder daher gehüpft, und obgleich sie den König Frost und die Elfen nicht sehen konnten, bemerkten sie doch die prächtige Färbung des Laubes, lachten vor Entzücken und begannen große Sträuße für ihre Mutter zu pflücken. Die Blätter sind so schön wie Blumen, sagten sie, nannten die gelben »Butternäpfchen« und die roten »Rosen« und waren sehr fröhlich, als sie singend durch den Wald weiter zogen.

Ihre Freude besänftigte König Frosts Zorn; auch er begann die bemalten Bäume zu bewundern und sagte schließlich zu sich selber: Meine Schätze sind nicht verloren, wenn sie kleine Kinder glücklich machen. Ich will meinen faulen, gedankenlosen Elfen nicht zürnen, denn sie haben mich eine neue Art, Gutes zu tun, gelehrt. Als die Frostelfen diese Worte hörten, krochen sie einer nach dem anderen aus ihren Verstecken hervor, knieten vor ihrem Herrn nieder, gestanden ihre Schuld ein und baten ihn um Verzeihung. Er war zwar noch eine Weile ungehalten und schalt sie tüchtig aus; bald aber wurde er milder und erklärte, er wolle ihnen diesmal noch verzeihen; ihre einzige Strafe solle darin bestehen, daß sie noch mehr Schätze in den Wald tragen und in den Bäumen verstecken sollten, bis das gesamte Laub mit Hilfe der Frau Sonne mit Gold- und Purpurfarben bedeckt sei.

Die Elfen dankten ihm für seine Verzeihung und versprachen, recht angestrengt zu arbeiten, um seine Huld wiederzugewinnen, und der gutherzige König nahm sie alle auf seine Arme und trug sie sicher heim in seinen Palast. Von dieser Zeit an, glaube ich, ist es ein Teil von Jack Frosts Aufgaben, die Bäume mit den glühenden Farben, die wir im Herbste erblicken, zu bemalen, und wenn sie nicht mit Gold und Edelsteinen bedeckt sind, so weiß ich nicht, auf welche Weise er sie so glänzend macht; wißt ihr es vielleicht?

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Wenn das Märchen von den »Frostelfen«, bemerkt Fräulein Sullivan zu den beiden Erzählungen, Helen im Sommer 1888 vorgelesen wurde, so konnte sie damals noch nicht viel davon verstanden haben, denn sie hatte erst seit dem März 1887 Unterricht gehabt.

Ist es möglich, daß die Sprache des Märchens in ihrem Geiste schlummernd gelegen hat, bis meine Schilderung von der Schönheit der Herbstlandschaft sie ihr im Jahre 1891 wieder lebendig vor ihr geistiges Auge brachte?

Noch eine andere Tatsache ist in diesem Zusammenhange von großer Bedeutung. Das Märchen »Die Rosenelfen« war in demselben Bande erschienen wie »Die Frostelfen« und somit Helen wahrscheinlich um dieselbe Zeit wie dieses vorgelesen worden.

Nun spricht Helen in ihrem Briefe vom Februar 1890 (s. oben S. 328), von diesem Märchen Fräulein Canbys als +von einem Traume, den sie vor sehr langer Zeit als ganz kleines Kind gehabt habe+. Sicherlich werden anderthalb Jahre einem kleinen Mädchen wie Helen als »sehr lange Zeit« erscheinen; wir haben daher Veranlassung zu der Annahme, daß die Märchen ihr spätestens im Sommer 1888 vorgelesen worden sein müssen.

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Helen Keller erwähnt (S. 68) einen freundlichen Brief, den ihr Fräulein Canby geschrieben habe. Auch mit Fräulein Sullivan trat die genannte Dame in Briefwechsel. So schrieb sie ihr z. B. am 9. März 1892 unter anderem: „Was für einen wunderbar regen Geist und was für ein treues Gedächtnis muß dieses begabte Kind besitzen! Hätte sich Helen eines kurzen Märchens erinnert und es niedergeschrieben, kurz nachdem sie es gehört hatte, so würde dies schon ein Wunder gewesen sein; aber das Märchen ein einzigesmal vor drei Jahren gehört zu haben und noch dazu auf eine Weise, daß weder ihre Eltern noch ihre Lehrerin darauf zurückkommen und die Erinnerung daran auffrischen konnten, und dann imstande gewesen zu sein, es so lebendig wiederzugeben und sogar noch einige selbständige Striche hinzuzufügen, die in völligem Einklang mit dem übrigen stehen und das Original in der Tat verbessern -- das ist etwas, was sehr wenige Mädchen reiferen Alters, die im Besitze aller Vorteile des Sehens, Hörens und selbst großer schriftstellerischer Begabung sind, so gut geleistet hätten, wenn sie überhaupt dazu imstande gewesen wären. Unter diesen Umständen sehe ich nicht ein, wie irgendjemand so lieblos sein kann, dies ein Plagiat zu nennen; es ist eine wunderbare Leistung des Gedächtnisses und steht einzig in seiner Art da. Ich habe viele Kinder gekannt, habe mein ganzes Leben in ihrer Mitte zugebracht und kenne keinen größeren Genuß, als mich mit ihnen zu unterhalten, sie zu erheitern und ihre Geistes- und Charakterzüge ruhig zu beobachten; aber ich entsinne mich keines Mädchens von Helens Alter, das den gleichen Wissensdurst gehabt und über dieselbe Fülle literarischer und allgemeiner Bildung sowie über dieselbe schriftstellerische Begabung verfügt hätte wie Helen. Sie ist in der Tat ein Wunderkind. Vielen Dank für Helens Tagebuch! Es läßt mich klarer als zuvor die große Enttäuschung erkennen, die das liebe Kind zu erdulden gehabt hat. Bitte, sagen Sie ihr, wie sehr ich sie in mein Herz geschlossen habe und daß sie sich keine Gedanken mehr darüber machen soll. Niemand darf sagen, sie habe unrecht getan, und eines Tages wird sie eine große schöne Erzählung oder ein Gedicht schreiben, das vielen Menschen Freude machen wird. Sagen Sie ihr, ein paar bittere Tropfen seien in jedermanns Lebenskelch enthalten, und es bleibe uns nichts anderes übrig, als die bitteren geduldig, und die süßen dankbar hinzunehmen.“

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