Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt

Part 1

Chapter 12,846 wordsPublic domain

+------------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Gesperrter Text ist als _gesperrt_ dargestellt, Antiqua-Schrift | | als ~Antiqua~ und Fettschrift als $fett$. | | Eine Liste der Änderungen befindet sich am Ende des Buchs. | +------------------------------------------------------------------+

Voigtländers Quellenbücher

Eine Sammlung wohlfeiler, wissenschaftlich genauer Ausgaben literarischer und bildlicher Quellen für jedermann. Zur Vertiefung jedes Studiums, zur Befriedigung des persönlichen Wissenstriebes und zur gediegenen Unterhaltung.

Die Sammlung wendet sich an jeden, der an die wahren Quellen unseres Wissens herantreten will, sei es in ernstem Studium, sei es zur belebenden Vertiefung seiner Kenntnisse, sei es aus Freude an gediegener und doch spannender Leseunterhaltung.

Die ausgewählten Quellen sind teils Neudrucke urkundlicher oder literarischer Quellenwerke, teils bildliche Urkunden mit begleitendem Text, teils quellenmäßige Darstellungen erster Hand. Sie bringen aus den verschiedensten Gebieten des Wissens für die Entwicklung das Wesentliche und Entscheidende.

Alle Bände der Sammlung werden von Fachmännern nach dem Stand der jüngsten Forschungen ausgewählt und bearbeitet. Sie sollen sowohl den Sachkenner befriedigen, als auch von jedermann, ohne besondere Vorkenntnisse, mit Verständnis und Genuß aufgenommen werden können.

Der Preis des Bändchens, $fest kartoniert$, beträgt in der Regel weniger als 1 Mark. In $Ganzleinen gebunden$ kostet der $Band$ 20 Pfennig, 2 (3) Bände in einem Bande 40 Pfennig mehr. Die ein Werk bildenden, $kartoniert getrennten$ Bände werden in Ganzleinen $nur vereinigt gebunden$ geliefert.

Voigtländers Quellenbücher

Bis April 1913 erschienen:

72 hell. 80 cts. 36 kop.

$1 Die ersten deutschen Eisenbahnen Nürnberg-Fürth und Leipzig-Dresden.$ Herausgegeben von _Friedrich Schulze_. 64 Seiten mit 19 Abbildungen

M. $--.60$

Friedrich Lists treibende Artikel und Aufrufe, Goethe und Friedrich Harkort über wirtschaftliche und militärische Bedeutung der Eisenbahnen, Gegner und Zweifler, Bauweise, Geldbeschaffung, Baugeschichte und Eröffnung. Wichtiges, zum Teil noch unveröffentlichtes Material, auch in den Abbildungen.

96 hell. 110 cts. 48 kop.

$2 Brandenburg-Preußen auf der Westküste von Afrika 1681 bis 1721.$ Verfaßt vom _Großen Generalstabe_, Abteilung für Kriegsgeschichte. 98 S. mit 2 Kärtchen und einer Skizze.

M. $--.80$

Der Band ist der Wiederabdruck einer vom Großen Generalstab 1885 nach den Urkunden des Kgl. Geheimen Staatsarchivs in Berlin bearbeiteten Schrift. Sie enthält eingehend und anschaulich die Geschichte der Kolonie und Festung Groß-Friedrichsburg und des Kastells Arguin, der ersten deutschen Kolonien.

84 hell. 95 cts. 42 kop.

$3 Cornelius Celsus über die Grundfragen der Medizin.$ Herausgegeben von ~Dr. med. et jur.~ _Th. Meyer-Steineg_, Professor an der Universität Jena. 82 Seiten

M. $--.70$

Im alten Rom gab es neben den zahlreichen Berufsärzten, den Heilsklaven, auch zahlreiche gebildete Laien, in deren enzyklopädischem Gesamtwissen die Medizin einen großen Raum einnahm. Zu diesen gehörte _Cornelius Celsus_. Seine Schrift: „~De medicina~“ gewährt einen deutlichen und lebendigen Einblick in den Stand der Medizin um die Mitte des ersten Jahrhunderts n. Chr. und bietet uns, namentlich in den beiden ersten hier dargebotenen Büchern, eine der klarsten Quellen des Wissens zu den _Grundfragen der Heilkunde_.

72 hell. 80 cts. 36 kop.

$4 Ausgewählte Briefe des Feldmarschalls Leberecht von Blücher.$ Herausgegeben von _Friedrich Schulze_. 80 Seiten mit Bildnis

M. $--.60$

Das Bändchen bringt Briefe aus dem ganzen Leben des Marschalls, alle in ihrer urwüchsigen Schreibweise, als wertvolle Urkunden zur Charakteristik des großen Mannes und seiner Zeit. Die erste authentische Sammlung dieser Art.

72 hell. 80 cts. 36 kop.

$5 Die Kämpfe mit Hendrik Witboi 1894 und Witbois Ende.$ Von _Theodor Leutwein_, Generalmajor und Gouverneur a. D. 69 Seiten mit einem Bildnis und zwei Karten.

M. $--.60$

Der Verfasser, damals Major, hat bekanntlich 1894 die Hottentotten unter dem alten Witboi in Südwestafrika in unendlich schwierigen Kämpfen bekriegt und zu einer Freundschaft gewonnen, die bis 1904 angehalten hat. Witboi ist der Heros des Hottentottenvolkes geworden. Das Werkchen ist ein von dem Verfasser bearbeiteter Auszug aus seinem großen Werke „Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika“.

84 hell. 95 cts. 42 kop.

$6 Die Belagerung, Eroberung und Zerstörung der Stadt Magdeburg am 10./20. Mai 1631.$ Von _Otto von Guericke_. Nach der Ausgabe von _Friedrich Wilhelm Hoffmann_ neu herausgegeben von _Horst Kohl_. 83 Seiten. Mit einer Ansicht der Belagerung nach einem alten Stiche und einem Plan.

M. $--.70$

Otto von Guericke, der bekannte Erfinder der Luftpumpe, war während der Belagerung 1631 Ratmann und Bauherr, später Bürgermeister von Magdeburg. Seine Schilderung ist „der rechte, wahre Verlauf mit der Eroberung dieser guten Stadt Magdeburg, welchen sich niemand, da anders die Wahrheit soll berichtet werden, kann lassen zuwider sein“.

84 hell. 95 cts. 42 kop.

$7 Die Straßenkämpfe in Berlin am 18. u. 19. März 1848.$ Verfaßt von _Hubert von Meyerinck_, Generalleutnant z. D. Neu herausgegeben von _Horst Kohl_. 91 Seiten mit 3 Plänen

M. $--.70$

Die klassische Schilderung der beiden denkwürdigen Tage. Zwei Fragen, die Gegenstand vielen und leidenschaftlichen Streites gewesen sind, werden endgültig entschieden: Wer die beiden Schüsse abgegeben hat, die das Signal zu dem Beginn des Kampfes waren, und wie der Befehl zum Abzug der Truppen zustandekam.

1 Kr. 56 hell. 1 fr. 75 cts. 78 kop.

$8 Deutsche Hausmöbel$ bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Herausg. von ~Dr.~ _Otto Pelka_, Direktorialassistent am Kunstgewerbe-Museum, Dozent an der Handels-Hochschule, Leipzig. 112 Seiten mit 139 Abbildungen

M. $1.30$

In 139 Abbildungen wird eine Übersicht über die Entwickelung des deutschen _Haus_möbels gegeben: Gotik, Renaissance, Rokoko, Barock, Biedermeierzeit usw. Es ist eines der Bändchen, in denen die Bilder die Quelle sind, durch den Text des Herausgebers erläutert und verbunden.

84 hell. 95 cts. 42 kop.

$9 Deutschlands Einigungskriege 1864-1871$ in Briefen und Berichten der führenden Männer. Herausgegeben von _Horst Kohl_. Band 1: Der deutsch-dänische Krieg 1864. 82 Seiten

M. $--.70$

So viel auch über die deutschen Einigungskriege geschrieben und gedruckt ist, fehlt es doch gänzlich an einer ganz kurzen und doch das wesentliche erschöpfenden _urkundlichen_ Geschichte. Welche Urkunden aber wären anschaulicher und lebendiger als die intimen Briefe und Berichte der führenden Männer, in diesem Bändchen von König Wilhelm, Bismarck, Moltke, König Johann von Sachsen usw.

1 Kr. 20 hell. 1 fr. 55 cts. 60 kop.

$10 Deutschlands Einigungskriege 1864-1871$ in Briefen und Berichten der führenden Männer. Herausgegeben von _Horst Kohl_. Band 2: Der deutsche Krieg 1866. 144 Seiten

M. $1.--$

Wie im vorigen Band verbindet der Herausgeber durch ein knappe Einleitung die Urkunden zu einer Einheit. Die Briefe und Berichte sind von König Wilhelm, Bismarck (darunter das Kapitel „Nikolsburg“ der Gedanken und Erinnerungen), Moltke (darunter der Aufsatz „Über den angeblichen Kriegsrat in den Kriegen König Wilhelms ~I.~“), Roon, dem Kronprinzen, dem Prinzen Friedrich Karl.

Dritter Teil siehe Nr. 16 und 51.

84 hell. 95 cts. 42 kop.

$11 Geographie des Erdkreises.$ Von _Pomponius Mela_. Aus dem Lateinischen übersetzt u. erläutert v. ~Dr.~ _Hans Philipp_, Assistent des Seminars für historische Geographie in Berlin. Erster Teil: Mittelmeerländer. 91 Seit. mit 1 Karte und 2 Abbild.

M. $--.70$

In Melas Geographie des Erdkreises (um 42 n. Chr.) lernen wir die gesamten Probleme der Erdkunde kennen, die damals bestanden (Nilfrage, Istergabelung, Wundervölker des Ostens, Zonentheorie usw.), wir erhalten auch eine Darstellung von einer antiken Karte.

Zweiter Teil s. Band 31.

1 Kr. 08 hell. 1 fr. 20 cts. 54 kop.

$12 Robert Mayer über die Erhaltung der Kraft.$ Vier Abhandlungen, neu herausgegeben und mit einer Einleitung sowie Erläuterungen versehen von ~Dr.~ _Albert Neuburger_. 128 Seiten

M. $--.90$

Der Arzt Robert Mayer in Heilbronn (1814-78) hat durch die Entdeckung des Gesetzes von der Erhaltung der Kraft die verschiedensten Zweige menschlicher Tätigkeit auf neue Grundlagen gestellt. Physik u. Physiologie, Medizin u. Botanik, gewerbl. u. technische Tätigkeit werden gleichmäßig durch die aus diesem Gesetz gezogenen Folgerungen beeinflußt. Die Veröffentlichungen des Entdeckers sind aber in weiteren Kreisen überhaupt nicht bekannt geworden. Darum werden die vier grundlegenden Abhandlungen, wenn auch zum Teil gekürzt, hier ihrer Verborgenheit entzogen.

☛ Fortsetzung am Schlusse des Buches. ☚

Umrechnung der Mark-Preise in die im österr.-ungar., schweizer. und deutsch-russ. Buchhandel üblichen Sätze am Rande. In England u. Kolonien 1 Mark = 1 Schilling mit ortsübl. Zuschlägen.

Voigtländers Quellenbücher

Band 49

Die Geschichte der Dampfmaschine bis James Watt

Die wichtigsten auf die Entwicklung der Dampfmaschine bezüglichen Quellen, einschließlich der bis auf _James Watt_ erteilten englischen Dampfmaschinen-Patente, zusammengestellt und mit Erläuterungen versehen

von

Max Geitel

Geheimem Regierungsrat im Kaiserlichen Patentamt

Mit 32 Abbildungen nach den alten Originalen

R. Voigtländers Verlag in Leipzig

Buchdruckerei Richard Hahn (H. Otto) in Leipzig. 5169

Vorwort

Die Zahl der auf die Geschichte der Dampfmaschine sich beziehenden Forschungsarbeiten ist außerordentlich groß, entsprechend der hohen Bedeutung des Gegenstandes. Sämtliche Kulturvölker weisen in ihrer Literatur mehr oder weniger vollkommene einschlägige Werke auf.

So ist denn die Kenntnis der wesentlichen Abschnitte der Entwicklung der Dampfmaschine, die sich an die Namen _Heron von Alexandrien_, _Salomon de Caus_, _Marquis of Worcester_, _Savery_, _Papin_, _Newcomen_ und _Watt_ anknüpfen, nicht nur Gemeingut der Fachleute, sondern auch der gebildeten Laien. Nun liegt aber zwischen jenen gottbegnadeten Bahnbrechern eine lange Reihe von Namen, deren Träger ebenfalls ein gutes Recht haben, unter denen genannt zu werden, denen es beschieden war, an dem Ausbau des gewaltigsten Kulturträgers, wenn auch nicht bahnbrechend, so doch fördernd, mitzuarbeiten.

Der Anspruch, den „Erfinder der Dampfmaschine“ zu den Ihrigen zählen zu dürfen, wird von verschiedenen Völkern, insbesondere von den Franzosen und Engländern, erhoben. Ein vergebliches Bemühen, wenn man sich vergegenwärtigt, wie viele Bausteine mühevoll zusammengefügt werden mußten, um die Grundlage zu schaffen, auf der James Watt zielbewußt weiterbauen konnte. Diese Grundlage ist das gemeinsame Ergebnis erfinderischer und wissenschaftlicher Tätigkeit vieler Geschlechter. Das Ein- und Auslaßventil, der im Zylinder auf und ab bewegliche Kolben, die Kurbel, das Sicherheitsventil, der Dampfkessel mit seinen Speise- und Feuerungsanlagen, sie und noch viele andere mehr oder weniger wichtige bauliche Einzelheiten mußten geschaffen werden, um die Dampfkraft sicher und vorteilhaft zu fesseln und auszunutzen.

Nicht minder aber bedurfte es der wissenschaftlichen Vertiefung der Kenntnis des Wesens des Druckes der Gase und der besonderen Eigenschaften des Wasserdampfes. So sind denn mit der Entwicklung der Dampfmaschine auf das engste die Namen _Galileo Galilei_, _Torricelli_, _Otto von Guericke_, _van Helmont_, _Kratzenstein_, _Hamberger_ usw. verknüpft. Aus dem Gesagten erklärt sich denn auch zwanglos die Tatsache, daß die ersten Versuche der Ausnutzung der Dampfkraft sich im Rahmen des tastenden Versuches vollzogen und erst allmählich, entsprechend dem Fortschreiten der induktiven Wissenschaften, festen Boden gewannen.

Die Versuche, den einen oder den anderen Bahnbrecher als den „Erfinder der Dampfmaschine“ hinzustellen, müssen auch schon um deswillen als verfehlt bezeichnet werden, weil eine allgemein befriedigende Umgrenzung des Begriffs „_Maschine_“ trotz des Bemühens hervorragendster Fachleute bis auf den heutigen Tag noch nicht gefunden ist. So versteht _Pogge_ in seinem im Jahre 1819 herausgegebenen technologischen Lexikon unter „Maschinen“ alle diejenigen Vorrichtungen, wodurch wir vorteilhafte Bewegungen hervorzubringen imstande sind. Nach _Reuleaux_ ist eine Maschine eine Verbindung von widerstandsfähigen Körpern, die so eingerichtet ist, daß mittels ihrer mechanische Naturkräfte genötigt werden können, unter bestimmten Bewegungen zu wirken. _Brockhaus'_ Konversationslexikon versteht unter einer Maschine jede Vorrichtung, welche die Übertragung der Wirkung einer Kraft vermittelt.

Die Dampfmaschine nimmt nun unter allen Erzeugnissen des schaffenden Menschengeistes insofern eine besondere Stellung ein, als sie sich von der einfachsten Vorrichtung zu der sinnreichsten Maschine herausgebildet hat. Mustern wir all die zahlreichen Vorschläge, die im Laufe der Jahrhunderte für die Ausnutzung der Dampfkraft in Vorschlag gebracht wurden, so werden wir eine große Anzahl von Einrichtungen gewahr werden, bei denen wir nicht zu entscheiden wissen, ob wir sie als Vorrichtungen oder als Maschinen ansprechen sollen. _Demnach ist in den nachstehenden geschichtlichen Angaben alles dasjenige wiedergegeben, was für die Benutzung der Dampfkraft zur Erzielung von Arbeitsleistung vorgeschlagen wurde, einerlei, ob im Einzelfalle der Name „Maschine“ anwendbar ist oder nicht._

Der Zufall hat es gefügt, daß die um die Wende des 16. und 17. Jahrhunderts einsetzenden Fortschritte des Dampfmaschinenbaues zusammenfallen mit dem Beginn des englischen Patentschutzes. Wenngleich wir sehen werden, daß eine Anzahl bahnbrechender Dampfmaschinenkonstrukteure auf den Patentschutz verzichtete und daß die auf Dampfmaschinen erteilten ältesten Patente keinen Einblick in das eigentliche Wesen der betreffenden Konstruktionen gewähren, so bieten die vom Jahre 1617 ab zur Verfügung stehenden, im Jahre 1857 bei George Edward Eyre und William Spottiswoode in London neugedruckten Urkunden dennoch eine reiche Quelle des Wissenswerten. Dies gilt insbesondere für die von uns zu behandelnden, unmittelbar vor James Watt liegenden Jahrzehnte.

Nun befinden sich zwar unter den im Jahre 1871 veröffentlichten _Auszügen aus den englischen auf Dampfmaschinen bezüglichen Patenten_ auch diejenigen aus den ersten Jahren des Patentschutzes[1]. _Leider sind diese von verschiedenen Geschichtsforschern anstandslos benutzten Auszüge aber unvollkommen._ Infolgedessen habe ich mich bereits im Jahre 1897 der Mühe unterzogen, _sämtliche_ bis auf James Watt erteilten englischen Patenturkunden daraufhin zu prüfen, ob und inwieweit sie sich auf die Dampfmaschine beziehen. Das Ergebnis dieser Forschungen habe ich seinerzeit in „Glasers Annalen für Gewerbe und Bauwesen“ veröffentlicht und in nachstehendem verwertet.

Wenngleich die Frage: „Wer ist der Erfinder der Dampfmaschine?“ aus den von uns dargelegten Gründen füglich nicht zu beantworten ist, so ist doch in der Geschichte der Dampfmaschine eine bestimmte Wendung festzustellen, die sich im Sinne einer vernunftgemäßen und zielbewußten Ausnutzung der Dampfkraft an die Namen Papin und Savery knüpft. Nachstehend tritt diese in der Anordnung und Teilung unserer geschichtlichen Angaben in der Weise in die Erscheinung, daß wir diese in zwei große Abschnitte zerlegten, deren erster die ältesten Zeiten bis auf Papin, deren zweiter die Zeit von Papin bis James Watt umfaßt.

Unter allen Förderern der Maschine überwiegt in seinen Erfolgen James Watt. Die Darlegung dessen, was dieser geleistet hat, würde Bände füllen und hat tatsächlich Bände gefüllt. In den nachstehenden Angaben ist nur derjenigen Erfindungen Watts gedacht, die dessen Ruhm in erster Linie begründet haben: die Verbesserung der atmosphärischen Maschine, das Planeten- oder Sonnenrad, die Benutzung der Expansion des Dampfes, die doppeltwirkende Dampfmaschine, das Wattsche Parallelogramm. Dieses sind die großen Bausteine, die James Watt in das stolze Gebäude, das zahlreiche gottbegnadete Geister aufzuführen begonnen hatten, als Schlußsteine einfügte. Von dem 25. April 1769, dem Tage der Erteilung des ersten Wattschen Patents, schreibt sich die Dampfmaschine in dem Sinne her, wie das 19. Jahrhundert sie übernahm und zum machtvollsten Träger des Fortschritts machte.

_Berlin-Wilmersdorf_, April 1913.

$Max Geitel.$

Inhalt

$Vorwort.$ S. 3.

$Von den ältesten Zeiten bis Dionysius Papin.$ S. 9-58.

Die Auffassung des _Aristoteles_ vom Wesen der Spannkraft des Wasserdampfes. -- Die Dampfkanone des _Archimedes_ nach Leonardo da Vinci. -- Der Erzspanner des _Ktesibios_. -- _Herons von Alexandrien_ „Druckwerke“ und „Automatentheater“. -- _Vitruvius Pollio._ -- Der „_Püsterich_“ der Teutonen. -- _Anthemius._ -- Die Dampforgel des Bischofs _Gerbert von Rheims_. -- Der „_Püstrich_“ oder „_Bustard_“. -- _Leonardo da Vinci._ -- Die Äolipile als Kriegswerkzeug. -- Das „Dampfschiff“ _Blasco de Garays_. -- _Cardanus._ -- _Johannes Mathesius._ -- _Philibert Delorme._ -- _Bresson._ -- _Bartholemeo Scappi._ -- Der „_Jack of Hilton_.“ -- _Battista della Portas_ Dampfmessungen. -- _Bourgeois'_ „_Feuergewehr_“. -- _Salomons de Caus_ Versuche über die Kondensation des Wasserdampfes und das Heben von Wasser mit Hilfe des Feuers und der Sonnenwärme. -- Der Beginn des Patentschutzes in England. -- Patent Nr. 6, _Ramseye-Wildgosse_. -- Patent Nr. 21, _Ramseye-Jacke_. -- _Giovanni Brancas Dampfrad._ -- Das erste Dampfmaschinenpatent Nr. 50, _Ramseye_. -- Das zweite Dampfmaschinenpatent Nr. 71, _Rotsipen_. -- _Galilei_, _Torricelli_, _Pascal_, _Otto von Guericke_. -- _Athanasius Kircher._ -- Bischof _Wilkins_. -- Patent Nr. 131, _Edward Somerset, Marquis of Worcester_. -- Patent Nr. 135, _Ralph Waine_. -- Patent Nr. 139, _Togood_. -- „Ein Hundert voll Namen und Beispiele von Erfindungen“ des _Marquis of Worcester_. -- _Boyle_, _Huygens_. -- Die Luftpumpe _Papins_. -- Patent Nr. 175, Sir _Samuel Morland_. -- Die Pulvermaschine des Abbé _Hautefeuille_. -- Patent Nr. 208, _Burton_, _Plott_, _Deighton_.

$Von Dionysius Papin bis James Watt.$ S. 59-130.

Der _Papinsche Topf_. -- _Huygens_ Pulvermaschine. -- Patent Nr. 212, _Pawley_ und _Dallow_. -- Patent Nr. 215, _Becher_, _Serle_, _Vincent_, _J._ und _S. Weale._ -- _Hautefeuilles_ Alkohol-Dampfmaschine. -- Patent Nr. 218, _Tredenham_, _Vivian_, _Threwren_, _Harris_. -- Patent Nr. 219, _Aldersey_. -- Sir _Samuel Morland_. -- _Papins erste Dampfmaschine._ -- Patent Nr. 287, _Gladwyn_. -- Patent Nr. 312, _Marmaduke Hudgeson_. -- Patent Nr. 321, _Bushnell_. -- Patent Nr. 324, _Losvelt_. -- Patent Nr. 327, _Poyntz_. -- Patent Nr. 338, _Barbon_. -- Patent Nr. 348, _Jones_. -- Patent Nr. 349, _Buttall_. -- Patent Nr. 355, _Yarnald_. -- Patent Nr. 356, _Savery_. -- _Grimaldis_ und _Perieras_ Antrieb eines Wagens und eines Schiffes durch Dampf. -- _Amontons_ Feuerrad. -- _Leupolds_ Feuerrad. -- _Papins_ Dampfpumpe. -- _Saverys_ Dampfmaschine. -- Papins zweite Dampfmaschine. -- Die Verbesserungsvorschläge _Leibnizens_. -- Saverys „~The Miners Friend~“. -- Newcomens und Cawleys Dampfmaschine. -- Leupolds Zweikolben-Dampfmaschine. -- Patent Nr. 342, _Mandell_ und _Grey_. -- Patent Nr. 397, _J. Coster_. -- Patent Nr. 410, _Holland_. -- Patent Nr. 414, _Shuttleworth_. -- Patent Nr. 437, _Oriebar_. -- Patent Nr. 430, _Desaguliers_, _Niblett und Vreem_. -- Patent Nr. 449, _Triewald_. -- Patent Nr. 463, _Dickins_. -- Patent Nr. 469, _Flower_. -- Patent Nr. 472, _Bumpstead_. -- Patent Nr. 476, _Nuttall_ und _Skyrin_. -- „Die Vereinigung der Besitzer der Erfindung, Wasser durch Feuer zu heben.“ -- Patent Nr. 486, _Rowe_. -- Patent Nr. 496, _Billingsley_. -- Patent Nr. 505, _Payne_. -- Patent Nr. 507, _Bewley_ und _Holtham_. -- Patent Nr. 513, _Allen_. -- Patent Nr. 555, _Payne_. -- Patent Nr. 556, _Jonathan Hull_. -- Patent Nr. 571, _Wise_. -- _Parrots_ Vernietung der Dampfkesselnähte. -- Patent Nr. 634, _Stevens_ und _Hadley_. -- Patent Nr. 703, _John_. -- Patent Nr. 709, _Wright_. -- Patent Nr. 713, _Wilkinson_. Patent Nr. 730, _Brindley_. -- Patent Nr. 739, _Wood_. -- Patent Nr. 761, _Greenall_. -- Patent Nr. 762, _Menzies_. -- _Hindleys_ Ersatz des Balanciers. -- Patent Nr. 795, _Oxley_. -- Patent Nr. 844, _Fall_. -- Patent Nr. 848, _Blakey_. -- Patent Nr. 850, _Stewart_. -- Patent Nr. 865, _Barber_. -- Patent Nr. 875, _Duncombe_ und _Polile_. -- Patent Nr. 895, _Hateley_. -- Patent Nr. 897, _Wise_. -- Dampfwagen von _Edgeworth_ und _Cugnot_. -- Die Erforschung des Wesens des Wasserdampfes durch _van Helmont_, _Halley_, _Wolf_, _Kratzenstein_, _Hamberger_, _le Roy_, _Ericson_, _Black_, _James Watt_. -- Watts Verbesserungen der Newcomen-Maschine. -- James Watts Patent Nr. 913. -- Das Planetenrad. -- Watts doppelt wirkende Maschine. -- Das Wattsche Parallelogramm.

Von den ältesten Zeiten bis Dionysius Papin.

Den ersten Anfängen der Kenntnis der Spannkraft des Wasserdampfes begegnen wir bei _Aristoteles_, geb. 384, gest. 322 v. Chr. Er suchte die Erdbeben durch die plötzliche Umwandlung des Wassers in Dampf im Erdinnern zu erklären, eine Auffassung, die später durch _Seneca_ (geb. 4 v. Chr., gest. 65 n. Chr.) eine weitere Ausbildung erfuhr. Aristoteles nahm vier Elemente an: Erde, Wasser, Luft, Feuer. Daß nur diese vier Elemente möglich seien, bewies er auf folgende Weise[2]:

„Es gibt vier Grundempfindungen: warm, kalt, feucht und trocken. Diese Empfindungen werden paarweise vereint wahrgenommen. Mathematisch betrachtet können sich sechs solcher Vereinigungen bilden. Doch sind zwei als sich widersprechend unmöglich, nämlich die Vereinigung warm und kalt und die Vereinigung von feucht und trocken. Es bleiben folglich vier Gegensätze bestehen, und dementsprechend sind nur vier Elemente möglich. Dem Gegensatz kalt und trocken entspricht die Erde, dem Gegensatz kalt und feucht das Wasser, warm und feucht die Luft, warm und trocken das Feuer. Durch die Mischung dieser vier Elemente entstehen sämtliche irdische Stoffe.“

Diese Auffassung hat sich viele Jahrhunderte hindurch aufrechterhalten, und zwar insbesondere auch bei den Bahnbrechern der Dampfmaschine, so z. B., wie wir später sehen werden, bei Salomon de Caus.

Von einer praktischen Verwendung der Spannkraft der Gase durch Aristoteles verlautet nichts. Dieser begegnen wir erst bei _Archimedes_, geb. 287, gest. 212 v. Chr., in Gestalt des „Architonitro“, einer Dampfkanone. Dieselbe ist in den Schriften des Archimedes nicht enthalten. Ihre nachstehend wiedergegebene Beschreibung stammt vielmehr von _Leonardo da Vinci_ (geb. 1452, gest. 1519) und lautet[3]: