Die Eroberung von Peru

Part 8

Chapter 83,588 wordsPublic domain

Man kann sich die tiefe Betäubung, in welche der Inka versunken war, wohl denken, aber nicht erklären. Als er bereits den Augenblick, seine Freiheit, seinen Thron, die Liebkosungen seiner Schönen wieder zu erlangen, gekommen glaubte, hört er die Donnerstimme Pizarros, welche alle seine trügerischen Einbildungen mit sich fortreißt. Aber Atahulpa, der Sohn von zehn Inkas, der Sohn der Sonne, der Herrscher des Reiches, der beleidigte Mann, kehrte bald wieder zu der dem Unschuldigen eigenen Ruhe und Würde zurück. »Ja, Pizarro,« sagte er zu ihm, »ich weiß meine Lage, erfülle die Befehle des Kaisers im Osten, aber halte mich nimmermehr für einen Schwächling, noch Verbrecher.«

»Nimm meine Bedingungen an und du wirst der bevorzugte Vasall des großen Königs, Karls V., sein und deine ewige Erlösung finden.«

»Ich, Tributpflichtiger eines räuberischen Königs und Anhänger eines Gottes, den ich nicht kenne, dessen Söhne *ihr* aber seid!!...«

»Gotteslästerer, erzürne nicht die Strahlen, die schon in seiner Rechten zucken.«

»Einst, eines Tages, hielt ich dich für einen Sohn der Sonne und für meinen Bruder; aber nein, du stammst nicht von der Sonne, du wirst von der schwarzen Hölle stammen.«

»Ich gebiete den Strahlen, ich bin unverwundbar. Fordere nicht meinen Zorn heraus.«

»Ruhig kann ich deine Anmaßung beschimpfen.«

Trotz seiner wilden Gemüthsart ließ Pizarro den Inka in Mitten des Taumels zurück, und schritt, um sich mit seinen Gefährten zu vereinigen, zur endgültigen Inangriffnahme seiner Pläne. Ocollo, die den Erfolg vernahm, überließ sich dem tiefsten Schmerz und den heftigsten Thränen. »Ich,« wiederholte sie, »soll mich den barbarischen Liebkosungen deines Zerstörers hingeben, und soll dich das Verbrechen, deinen Gott und dein Vaterland zu verrathen, beweinen, oder dein Blutgerüst sehen....« Und ihr Angstgeschrei drang bis zum Himmelsgewölbe.... Augenblicklich gewahrte man im Lager die unverhoffte Veränderung, die sich wie ein Lauffeuer der Stadt mittheilte. »Der Loskauf ist grausam übertreten worden,« war der allgemeine Ruf, der in Cajamalca und im Heere ertönte.... Vericochas und Huascar hatten, obschon sie nicht im Vertrauen schliefen, ebensowenig einen so verhängnißvollen Ausgang erwartet, und sie marschirten, wenngleich sie die Gefahr kannten, welche sie bedrohte, auf Pizarros Zelt zu und offenbarten ihm ihr Erstaunen; aber der Eroberer ertheilte unabänderliche Befehle.

Sehnsüchtig suchte Coya ihren Almagro, indem sie ihn einen treulosen Verführer nannte.

»Ja, du und deine Gefährten,« sagte sie zu ihm, »seid Söhne des Verbrechens. Warum hast du deine Liebe an ein unschuldiges Herz verrathen? Warum hast du mich dem Cultus dieser Gottheit, welche ich anbete, entrissen, um das Glaubensbekenntniß an einen Gott abzulegen, der die Bösen beschützt? Ah! wenn wir eure vernichtenden Waffen hätten, ihr müßtet entsetzt in euer höllisches Klima fliehen, wir entrissen den Inka euren Armen und das leuchtende Gestirn würde wieder ruhig glänzen!«

»Nein, geliebte Coya....«

»Grausamer, und du wagtest noch von Liebe mir zu reden! Dein Bild hab’ ich bereits aus meinem Innersten gerissen, worinnen es wie ein Vulkan erglänzte auf beschneiten Gipfeln.«

»Höre mich, Coya, und vielleicht verdiene ich dein Mitleid. Ich bin gefühlvoll wie wenn ich in diesem Reiche geboren wäre, ein günstiges oder widriges Schicksal aber hat mich unter meinen Gefährten auf diesen Boden geführt. Ich sah dich, liebte dich, vergötterte dich, und umsonst hätte ich ihnen meine Liebe verbergen wollen; sie wußten, daß in dem Herzen eines Geliebten niemals ein Geheimniß mit seiner Angebeteten Platz hatte, und behutsam verbargen Luque und Pizarro ihre Pläne vor mir; noch habe ich etwas über die Mittheilungen mit unserm Kaiser gewußt; nichts, Coya, noch habe ich, da ich mich mit deiner Liebe begnügte und deine Liebe mein Weltall war, etwas zu erfahren versucht.«

Coya, welche niemals die Leidenschaft, die ihr Almagro eingeflößt hatte, zu ersticken vermocht hätte, fühlte beim Anhören seiner Betheuerungen ihren Zorn schwinden, und süße Thränen, die gegenseitig an ihren Wangen herunterirrten, bewiesen die Arglosigkeit der beiden gefühlvollen Seelen.

Das feindliche, unter Waffen stehende Lager nahm einen bedrohlichen Anblick an; Atahulpa hielt seine Ruhe aufrecht: Er stieß tiefe Seufzer aus, und Vericochas und Huascar flogen unermüdlich von Pizarros Zelt zu dem des Inkas und bemühten sich umsonst, Vergleiche herbeizuführen. Von den Pflichten als Vasall, von seinem Ehrgeiz, seiner Liebe und seinem Fanatismus getrieben, konnte Pizarro in Nichts von den zuletzt vorgeschlagenen Bedingungen nachlassen. Atahulpa vermochte weder den Liebkosungen Ocollos zu entsagen, noch sein Vaterland, noch seinen Gott zu verrathen und der Austrag der Unterhandlungen konnte nur ein grausamer Abbruch sein.

Vergebens flehte Ocollo, in einen Thränenstrom gebadet, vielleicht zu Füßen Pizarros knieend, sein Erbarmen an und bejammerte ihre Leiden. »Wenn es gewiß ist, daß du mich liebst, werden meine Seufzer deine Brust durchdringen und dein Mitleid regen. Du weißt es, du, der du von einem mächtigen Gott abstammst, du weißt, daß Schwüre heilig sind, und ich habe vor diesem Gott, der uns erleuchtet, meine Liebe Atahulpa zugeschworen. Ueberbringe dieses kostbare Gold dem König im Osten, aber laß diesem unglücklichen Reiche seinen Frieden und seine Wonne.« »Ocollo,« wiederholte Pizarro, »ich bitte dich und bitte den Inka, wenn ich dich seinen Armen entreißen, wenn ich diese schwachen Besitzungen mit Feuer und Schwert überziehend, sie das Kreuz anbeten und sich vor der Macht des Königs im Osten niederwerfen lassen könnte.«

Alles war umsonst, als der edle Almagro majestätischen Schrittes sich seinem Gefährten näherte.

»Pizarro,« sagte er in strengem Tone zu ihm, »ich hatte dich bereits gewarnt, daß ich eure Zurückhaltung kannte, aber niemals hätte ich geglaubt, daß meine Gefährten ein überlegtes Verbrechen zuließen. Wenn ihr unsere Pflichten nicht damit für erfüllt hieltet, dem König von Castilien die Schätze von dem Loskauf des Inkas darzubieten, wozu schwurt ihr in Christi Namen, die hochheiligen Uebereinkünfte zu bewahren? Nicht der Verwüstung halber suchen wir entlegene Himmelsstriche auf; um Tributpflichtige der Krone Spaniens zu machen, um die Völker aus der Dummheit herauszuziehen und das Evangelium zu verbreiten, erschloß unser gnädige Gott uns die Wogen der ungeheuren Meere und führte uns in diese entlegenen Himmelsstriche.«

»Die Fahne Christis,« wiederholte Pizarro, »soll auf den Trümmern des Reiches wehen.«

»Verwüstend und Schrecken verbreitend, können wir wohl Tributpflichtige des Königs von Castilien, aber keine Anbeter Jesus machen: Die Liebe verleiht uns den sichersten Triumph. Was werden sich die unschuldigen Indianer für einen Begriff von dem ewigen Gott der Gerechtigkeit machen, wenn vor unsern Schritten Gewaltthat, Verbrechen, Ruchlosigkeit einhergehen? Wie sollen sie das Christenthum umarmen, wenn Christen ihre Zerstörer sind? Gieb den Inka frei, wir werden in seinem Reiche bleiben, wir werden den Peruanern die süße Moral Jesus einflößen, indem wir sie mit Kunst und Wissenschaft erleuchten, sie die Würde des Menschen erkennen lassen und uns, zu ihrem Heil gereichend, zu ihren Brüdern machen.«

»Du bist nicht mehr der kriegerische Almagro, du bist ein schwacher, in den Armen der Liebe schlafumfangener Jüngling.«

»Ich bin der kriegerische Almagro, nicht der grausame Pizarro; ich bin ein gefühlvoller Mensch, der das Verbrechen verabscheut, aber freudig in Kampf und Tod geht.«

»Ich bin der Statthalter von Peru.«

»Ich umgürte das schützende Schwert der Unschuld.«

Schon zogen die beiden Krieger wüthend ihre Degen, als Luque, der nicht weit davon dem erbitterten Streite zuhörte, mit einem Cruzifix in den Händen dazwischen flog. Feuer sprühten die Blicke der beiden erzürnten Spanier, aber als Luque (wir sind im sechszehnten Jahrhundert) das Kreuz erhob, legten sie demüthig ihre Waffen, die Racheblitze sprühten, nieder. Eine starre Betäubung folgte der Wuth und Luque überwand den Zorn. »Euer Gott,« rief er aus, »wird so ein schwarzes Verbrechen nicht verzeihen; er führte euch an diese Gestade, um die Anbetung des Kreuzes auszubreiten, und böse, nur für schwache Leidenschaften empfänglich, kreuzt ihr die Waffen, und die Götzendiener sollen lächelnd zusehen, wie ihr, statt den Triumph Jesu Christis herbeizuführen, euch selbst zerfleischt.«

Obschon das Zelt Atahulpas, von einer gewaltigen Wache umgeben, dem Verkehr der Indianer offen blieb, und Atahulpa, Huascar und Vericochas mit der größten Ruhe an die Rettung des Reiches dachten, erkannten sie am Ende doch die traurige Zukunft, welche ihm vorbehalten war. Huascar und der Priester fürchteten für den Inka, und der Inka zweifelte, nur um die Zukunft seines Reiches besorgt, nicht, daß sein Schicksal bereits entschieden war. Vergebens schlugen sie Pizarro verschiedene Vergleiche vor, vergebens boten sie ihm unermeßliche Summen Goldes als jährlichen Tribut für den König im Osten an, aber nimmermehr ihm Ocollo auszuliefern und noch weniger den Sonnencultus aufzugeben.

Huascar sah, da es nicht genügte, alle Mittel, welche die Klugheit gebot, zu erschöpfen, das Unabwendbare, zu den Waffen zu greifen, ein, und er marschirte nach Cajamalca, um seine Krieger zu ermuntern und ihnen zuvorzukommen. Trotz aller Politik Pizarros waren die Beziehungen zwischen den Indianern und Spaniern viel zu rege gewesen, als daß am Ende die Bewohner jener Gegenden nicht mit den von Osten Gekommenen vertraut geworden wären, und als daß sie nicht einen Theil von jener frommen Scheu, welche sie ihnen anfänglich einflößten, verloren hätten; die Wirkungen der Feuergewehre und der Artillerie jedoch waren noch außer ihrer Fassungskraft, der Knall des Schießpulvers war ihnen noch immer unbegreiflich, und dennoch maßen die Eindringlinge ihre geringen Streitkräfte mit der ungeheuren Macht des Reiches.

War es Ueberstürzung der Peruaner oder nicht, das Gold zum Loskaufe auf den Lagerplatz herbeizuschaffen, so war es unter den Umständen, zu denen man gekommen war, schon sehr schwierig, es, so sehr sie auch Pizarro hiezu einlud, wieder wegzufahren, weil der große König im Osten das Abkommen, ohne die Zusätze, welche wir angegeben haben, nicht gebilligt hätte, und die Peruaner sich ebensowenig um solch einen Schatz bekümmerten, der, so unermeßlich er auch für die Eindringlinge wäre, dem Reiche ziemlich verächtlich war. Wie wir bereits angezeigt haben, war alles Zustandekommen unmöglich. Pizarro hatte unter dem Schutze von Atahulpas Namen einen großen Theil des Goldes des Reiches in seinen Zelten vereinigt; seine Soldaten sehnten sich, da es dem Anführer ebenfalls paßte, wenn es in den nahe gelegenen Colonieen in Umlauf gesetzt würde und sein Ruf durch die ganze Welt flöge, damit neue Auszügler seine Streitkräfte vermehrten, schon nach dem Augenblicke, die neue Beute zu vertheilen, und Alles trug dazu bei, daß man beim Schall von Trommeln und Trompeten eine Verordnung bekannt machte, wonach man den Waffenstillstand für beendigt hielt, und, mit alleiniger Ausnahme Ocollos, die in Begleitung von zehn Peruanern in das spanische Lager gehen durfte, den Verkehr der Lager abschloß.

Zu allen Zeiten wird man die Rechte der Vernunft und der Gerechtigkeit nicht in den Heeren zu suchen haben, Allen ist das Recht der Stärke überlegen; aber im sechszehnten Jahrhundert, als der Papst Alexander die Verleihung der neuen Festländer den jeweiligen Monarchen gab, da politische oder nutzbringende Gründe der römischen Curie es so verlangten; als Diejenigen, welche nicht an das Kreuz glaubten, ungeheuer auf Erden waren, die mit Schwert und Feuer ausgerottet werden mußten; als man die unschuldigen Bewohner der neuen Welt für nicht einmal zum menschlichen Geschlechte gehörige Wesen hielt, machte Pizarro eine seinem Jahrhundert überlegene großmüthige Anstrengung, indem er veröffentlichte, daß der Waffenstillstand beendigt sei und die Feindseligkeiten von Neuem ausbrächen, eine Großmuth, welche in der Geschichte die unermeßliche Beute beschönigt hat, die ihnen die falsche Kriegslist von dem Loskaufe einbrachte.

Kapitel 13.

Atahulpa.

Nach dem Ausbruch der Feindseligkeiten und der Räumung des spanischen Lagers war die dringendste Nothwendigkeit, zur Vertheilung des Schatzes unter die Eindringlinge zu schreiten. Wir bitten hier den Leser um Nachsicht, wenn wir einen im Tempel von Cuzco vorgefundenen peruanischen Text buchstäblich wiedergeben und ihn von Neuem daran erinnern, daß sich unsere Geschichte auf das sechszehnte Jahrhundert bezieht. Die ersten Strahlen der Sonne ergossen sich über die Spitzen der Anden, und Luque, mit den Zierden seines Gottes bekleidet und den Namen Jesus anrufend und seine Gnade erflehend, las eine feierliche Messe, um die Früchte der Ruchlosigkeit zu vertheilen. Der Gott der von Osten Gekommenen ist ein nach Gold lüsterner Gott im Munde seiner Diener.

Ohne Willens zu sein, uns über diesen gottlosen Text aufzuhalten, sagen wir, um mit unserer Geschichte übereinzustimmen, daß man zur Vertheilung des Schatzes schritt; daß man, einige kostbare Manufakturwaaren für ihn aufbewahrend, gewissenhaft einen Fünftel für den König von Spanien trennte. Uebermäßige Summen wurden unter Pizarro und seine Befehlshaber vertheilt und erst noch jedem Soldaten fünfzehntausend harte Thaler[4] gegeben. Nein, niemals hat die Geschichte ein anderes Beispiel eines so schnellen durch Militärdienste erworbenen Vermögens dargeboten, noch wurde unter ein so geringes Heer so reiche Beute vertheilt.

[4] Peso fuerte = 5 Frs.

Es würde vielleicht scheinen, daß, nachdem der Ehrgeiz der Abenteurer befriedigt war, sie nur daran dachten, sich in ihr Geburtsland zurückzuziehen, aber Pizarro, welcher das Ergebniß, das die Vertheilung und die frühere Beute sehr wohl haben konnte, voraussah, war staatsklug genug, den Folgen vorzubeugen. Während er sie der Leichtigkeit des Triumphes versicherte, rührte er ihren Ehrgeiz, indem er ihnen die Schätze schilderte, welche Cajamalca und Cuzco bergen mußten, wenn sie so leicht den des Lösegeldes Atahulpas zusammengebracht hatten, und die Edelsteine, welche die Gebirge einschlossen und die Ströme mit sich führten. Luque erinnerte sie unermüdlich mit Begeisterung an die Pflichten der Anbeter Jesus, und die Seelen der Spanier erweiterten sich bei der Betrachtung, daß sie die Fahne des Kreuzes auf den Trümmern des Reiches aufpflanzen würden. Die Tapferkeit, der Ehrgeiz, der Fanatismus, die Furcht vor der strengen Mannszucht Pizarros, trug dazu bei, daß sich die kurze Abtheilung in Nichts zergliederte und daß sie unverzagt in den Sieg zogen.

An ewige Kämpfe gewohnt, brachte Pizarro viele Tage in einer Unthätigkeit zu, die er für beschämend hielt, und er sehnte sich nach dem Augenblick, von Neuem den Degen zu schwingen, um sich die Lorbeern aufzusetzen. Andrerseits gewahrten sie in der Stadt einen gewissen kriegerischen Anblick, und sie zweifelten nicht, daß sie den Inka immer noch zu retten beabsichtigten oder unter allen Umständen zum Bruche kommen wollten. Die Spanier ihren Theils hofften ebenfalls, die Mauern Cajamalcas zu Grunde zu richten, und der Krater des Vulkans erbebte schon bei dem dumpfen Getöse des Feuers, das in seinem Innern brannte.

Luque, ein merkwürdiger Fanatiker, hatte, wiewohl umsonst, dem Inka schon tausendmal die Vorzüge des Christenthums dargelegt, und als er bereits zu erkennen anfing, daß es nicht möglich war, Atahulpa von seinem falschen Glauben und von seiner Götzendienerei abzubringen, bereitete er im Geiste den düstern Scheiterhaufen der Inquisition vor, worauf er diese gottlose Seele dem Teufel überliefern sollte. Pizarro und Luque gingen in ihren Entwürfen stets einig, weil, wenn von fremdartigem Charakter, ihre Gemüthsstimmung dieselbe war. Zu wiederholten Malen hatte der Diener Christis den General gebeten, den Inka endgültig zu nöthigen, das Christenthum zu umarmen, und da die Schätze von dem Loskauf gesichert waren, konnte nichts mehr die Ausführung des Vorhabens verhindern.

Wirklich ging Luque im Namen Pizarros selbst in das Zelt des Inkas und erklärte ihm feierlich, daß, wenn er nicht das Christenthum umarmte und sich zum Tributpflichtigen des großen Königs im Osten erklärte, er sich dem Ausspruch eines Kriegsgerichtes zu unterziehen hätte, der ihn als Ketzer und als Majestätsverbrecher verurtheilen würde. Ruhig, aber wehmüthig, hob Atahulpa die Augen zum Himmel auf und rief schmerzlich aus: »Oh, du gerechter Gott! Und also wirst du dein Reich verlassen und also werden die Gerechten seufzen!« Vergebens wandte Luque Bitten und Drohungen an; der Inka antwortete, daß er bereits sein Schicksal kannte, daß er sein Leben auf einem Blutgerüste aushauchen würde, daß er aber niemals zum Verräther an seinem Vaterlande würde, noch zum Abtrünnigen des leuchtenden Gestirns, das er anbetete.

Nachdem die Hartnäckigkeit des Inkas, welche mit seinem Plan so sehr übereinstimmte, von Pizarro erfahren worden, befahl er, die vornehmsten Offiziere seiner kurzen Abtheilung zusammen zu berufen, und in voller Berathung wurde Atahulpa als Ketzer und Majestätsverbrecher angeklagt. Soto, Benalcazar, Ojeda, Mendoza, Luque, Pizarro, alle, alle verurtheilten sie ihn, den Unglücklichen, einmüthig zum Feuertode, und einzig Almagro vertheidigte kräftig die Rechte der Unschuld und der Gerechtigkeit. Der Widerspruch war heftig, aber der Tod des Inkas war beschlossen und Almagro mußte nachgeben. Die Macht jedoch, welche das Gerechtigkeitsgefühl in seinem Herzen hatte, und die Anerbietungen, die er Coya machte, brachten ihn sogar dazu, seine Waffe zu ziehen und den Bürgerkrieg in dem spanischen Lager anzufachen, weil er ebenfalls auf Anhänger rechnete; aber Luque, wenn er im Namen des Himmels sprach, erfreute sich einer zauberhaften Gewalt über die Seele Almagros, weil er als Ritter des sechszehnten Jahrhunderts am Ende doch fanatisch war.

»Almagro«, sagte er zu ihm, »die Wege des Herrn sind unerforschlich, er will es, und Atahulpa wird, wenn nicht durch die Wucht der spanischen Waffen, so doch am Feuer der Strahlen, welche er über dessen Haupt schleudert, sein Leben beendigen. Der Inka ist ein verblendeter gottloser Ketzer, dieses ausgedehnte Reich gehorcht blos den Einflüsterungen des bösen Geistes, und die Fahne Zions soll auf der ganzen Erde wehen.«

Almagro gab endlich nach, der Fanatismus hatte von jeher mehr Gewalt, als die Unschuld und Tugend; und der Rath verurtheilte, obschon sich Almagro zu stimmen enthielt, den Inka zum Tode. Aber als Majestätsverbrecher sollte Atahulpa sein Leben damit enden, erschossen zu werden; doch Luque stritt das Opfer ab, und da man das Verbrechen der Ketzerei noch für größer hielt, sollte er auf dem Scheiterhaufen der Inquisition verbrannt werden. Wirklich wurde, welch’ ein Greuel! der Urtheilsspruch: »Als Ketzer und Majestätsverbrecher soll der Inka Atahulpa angesichts des Heeres verbrannt werden.« unterzeichnet.

Ocollo, welche die spanischen Zelte betreten durfte, damit Pizarro seine unzüchtigen Blicke an ihr sättigen konnte, war es, die die Mittheilungen zwischen Atahulpa und dem Rathe von Cajamalca aufbewahrte, und die, um den Inka zu retten, vergebens ihr Wehgeschrei bis zur Sonne erhob. Sie war eben daran, ihn in seinem Unglück zu trösten, als der gefühllose Soto dem Herrscher von Peru das Todesurtheil zu melden kam. Wer vermöchte die Lage und die Seufzer der beiden unglücklichen Gatten zu schildern!

Vielleicht, daß die Betrübniß Ocollo Kraft verlieh, denn sie sandte die traurige Nachricht nach Cajamalca, und flog, um Pizarro aufzusuchen. In einem Meer von Thränen zu seinen Füßen knieend, flehte sie ihn bei der Sonne und beim Kreuze an, sich ihrer Leiden zu erbarmen, an ihren Qualen theilzunehmen und auf das Mitleid zu hören.... Pizarro jedoch hob sie ruhig in seine Arme, »Du, Ocollo«, sagte er zu ihr, »du kannst ihn retten«.

»So unauslöschlich, so heftig ist die Liebe, die du in mir entzündetest, daß in dir allein seine Rettung liegt. Ergieb dich meinen Schmeicheleien....« Zitternd betrachtete die Unglückliche den Helden bald mit Entrüstung, bald warf sie sich ihm zu Füßen, bald war sie in tiefer Betäubung ein Opfer heftiger Zuckungen. Alles war umsonst, Pizarro in seiner Raserei war bei Thränen unempfindlich.

Ocollo kehrte nach dem Zelte Atahulpas zurück. »Nein«, sagte sie zu ihm, »weder meine Liebe, noch meine Schwäche, noch mein Gott erlauben mir, es an der ehelichen Treue fehlen zu lassen; es wäre denn, um mich den barbarischen Liebkosungen Pizarros zu ergeben, so hätte ich die Fesseln, die dich bedrücken, schon gesprengt«.

»Oh!« rief der Unschuldige aus, »und zitterst du nicht davor, diese abscheulichen Worte auszusprechen.«

»Ja, Atahulpa, komm mit deiner Hand an meinen Busen, du wirst seine Erregung sehen. Aber noch verdiene ich deine Liebe, noch bin ich würdig, dich zu retten, gewähre die letzte Bitte. -- Ich werde mich dem Unmenschen ergeben, werde deine Ketten brechen, und werde auf die Spitzen der beschneiten Anden fliehen, und werde mich in die Fluthen stürzen, und dort meine Schande begraben; aber ich werde Atahulpa retten.«

»Gottlose,« rief der Inka aus, »und du erdreistest dich, mir so einen schimpflichen Vorschlag zu machen!... Die Flammen sollen mir ein Bett von Blumen sein.« Es war ein Jammern und Wehklagen, aber die Tugendhaftigkeit flößte ihnen zeitweise Ruhe ein.

Pizarro, der vor Liebe brannte und der den edlen Stolz Atahulpas sah, blieb, um sich an der Schönheit Ocollos zu ergötzen, kein anderes Mittel, als die Gewaltthätigkeit übrig. Vor Raserei toll geworden, in seinen Hoffnungen genarrt, würde er die Schöne mit Gewalt an sich gerissen haben, wenn Luque ihm nicht in des Himmels Namen nachdrücklich sein Verbrechen zu erkennen gegeben hätte. Doch die Augenblicke entflohen und das Urtheil mußte, um sich des Inkas zu entledigen und Cajamalca angreifen zu können, vollzogen werden. Auf Pizarros Befehl ging Soto in das Zelt Atahulpas hinüber, um Ocollo hervorzuholen und nach der Stadt zu führen. Soto sagte ihr blos, daß der General sie zu sprechen wünschte, und der Inka erinnerte sie mit Bestimmtheit an die hochheiligen Pflichten eines Weibes. Als er sie bereits aus dem Zelte Atahulpas hervorgeholt hatte, schärfte er ihr auf das Genaueste ein, nach der Stadt zu gehen, da es ihr bereits ebensowenig erlaubt war, die Zelte der Spanier zu betreten. Die Schöne wollte in Mitten ihres Taumels bald von Neuem zu Füßen Pizarros, bald an die Seite ihres Gatten fliegen und auf seinem gleichen Blutgerüste sterben, bald brach sie in gerechte Verwünschungen gegen die von Osten Gekommenen aus; aber gefühllos bei den Qualen Ocollos, riß sie Soto heftig nach Cajamalca fort.

Als Ocollo sich in der Rathsversammlung vorstellte und alle die Einzelheiten des Urtheils des Inkas berichtete, glänzten Entrüstung und Tapferkeit in den Augen der arglosen Peruaner, und sich zum Kampfe zu rüsten und auf dem Schlachtfelde umzukommen, oder den Inka zu retten, war der allgemeine Ruf, der in Cajamalca widerhallte. Coya hoffte immer noch auf das Versprechen ihres Almagros, und sie flehte zu ihrem neuen Gott, er möchte gerecht sein, damit sie ihn liebte.

Sowie Ocollo aus dem Zelte des Monarchen heraustrat, ging Luque, der von seinem Fanatismus getrieben, dem Schuldigen mit dem heiligen Abendmahl beistehen zu müssen glaubte, den Inka zu besuchen. »Der Augenblick ist angelangt,« sagte er zu ihm, »dein Tod ist beschlossen und das Urtheil ist unabänderlich.«

»Ich weiß es, Priester, ich bin bereit; ich bin unschuldig, ich war gerecht und fürchte nichts von dieser strahlenden Sonne, die uns erleuchtet.«

»Tausendmal habe ich dir dargelegt, daß die ewige Erlösung nur im Christenthum zu finden ist, daß der höllische Geist dich in der Ketzerei verblendet und daß der wahrhaftige Gott dir durch meinen Mund befiehlt, in seine Arme zu eilen und die Götzendienerei aufzugeben.«