Die doppelköpfige Nymphe Aufsätze über die Literatur und die Gegenwart
Part 16
Vor vier Jahren, als es begann, Euch kratzig zu gehen, besannet Ihr Euch auf Euren Chauvinismus und nanntet uralt lothringische Nester in Eure Zunge zurück: Mein Metzer Weinnest Siy zu Sigach, Flaucourt zu Flodoaldshofen. Selbst Jouy-aux-Arches, statt seine bochische Herbheit zu lieben, machten sie zu Gaudach, indem sie der römischen Silbe den ersten Wehruf ihrer Verderbnis folgen ließen. Heut machen sie drüben aus Bismarckstraßen die Avenue Foch und aus der Vogesenstraße Straßburgs den Boulevard Clemenceau. Ludendorff begibt sich in die Versammlungen deutscher Burschenschafter und ernennt sie zu Trägern des Vermittlungsgedankens zwischen Arbeitern und Fettbäuchen und nimmt das irrsinnige Jubelgeheul als Honorierung für die Einheizung des monarchischen Gedankens. Die Flieger waren im Krieg Feuilletonisten geworden, ich hatte es nicht geahnt, als ich Lambert auf dem Marsfeld als einer der ersten Passagiere begleitete. Sie rochen damals noch nach Benzin und waren zwar herrlicher aber fast so ungeistig wie die Reporter des Matin, die sie interviewten. Aber gefallene Generäle haben von Würde so wenig Ahnung wie die Bankerts aus Pudel und Dachs. In Garmisch segnet Henny Porten die Loisacher und Werdenfelser, die ausmarschieren, München von den Räten zu befreien. In Tegernsee dürfen Damen und Herren selbst in keuschesten Anzügen nicht zusammen am Seestrand baden. Fährt meine Jolle zwei Meter weiter im Bodensee, René Schickele auf der anderen Seeseite zu sehen, erschießen mich schweizerische Bleie, da das Wasser hier schnell und deutlich andere Territorialität annimmt, ohne im mindesten an Nässe und Grün und chemischer Substanz zu verlieren. In München zeigt man Cook-Reisenden verrostete Stacheldrähte an der Vier-Jahreszeiten-Bar aus den Apriltagen Neunzehnhundertneunzehn, und während den Lemberger und Darmstädter Spießer es im Fette gruselt, erschießen sie Leviné an der Gefängnismauer im Auftrag einer sozialistischen Regierung. In Passau ist ein Markt von elfenbeinernen Rokokoöfen, der Ausverkauf der Schlösser beginnt. Flieger schaffen Perlen nach Trelleborg, und Luzern überfüttern sie mit Gold und Banknoten. In Mainz ist das Fest des vierzehnten Juli prächtig verlaufen, in Galauniform hat General Mangin eine Rede auf der illuminierten Mainbrücke gehalten. Es sei besser, man mauschle und schiele mit den Füßen, schöbe und habe Geld, statt zu versuchen, geistreich zu sein und keines zu haben, denkt einer im steifen Hut im Wartesaal, wo Dichter schwärmen zwischen zwei Zügen. Ebert spricht von Schiller und Goethe in Weimar, während die eigentlichen politischen Leidenschaften des Volkes die Schienen um ihn und seine Nationalversammlung aufreißen. Man schraubt Preise und Geist. Einen millionenschweren Dichter verhaften die Weißen Garden in München, weil er (Gelächter der Literaten) im Besitz der zahmsten Zeitschrift, Bies Neuer Rundschau, war. In Darmstadt ist aus dem weltberühmten Exerzierplatz ein Negerdorf für Kinoaufnahmen geworden, Noske schrie beim Besuch die Minister an, weil keine Generäle da waren. Doch sind die Hessen Pazifisten, blind und kriegerisch nur in der Etappe. Später veröffentlichte man das Menu in den Zeitungen, es fand sich, daß es nicht karg war, und die Konservativen feixten. Die Sozis waren aber böse, weil das Ernährungsportefeuille ihnen von den Agrariern wie eine Gipsstukkatur abgerannt wurde. In Moskau hält man aber die Bauern für die Stützen der bolschewistischen Idee. Die Bürger schreiben in ihren Gazetten, taucht irgendein neuer Revolutionär auf, sofort, er sei lungenkrank und geistesgestört, eh sie seinen Namen wissen. Später fügen sie hinzu, er habe siebenjährig sein Wasser ins Bett abgeschlagen und vierzehnlenzig auf Karneval vor Generälen gescheut, was Anomalie sei. Die im Land irrenden gehetzten Kommunisten wollen die Bürgergarde zum Äckerdung. Die im November Neunzehn kalkig und kindsfromm verschwanden, pauken wieder auf Bauch und Blasbalg die nationalistische Phrase. Von Fähnrichs werden nicht grüßende Matrosen erschossen. Bald wird es so kommen wie in Wien, wo achtzehnhundertvier, wie Benjamin Constant nebenbei anmerkt, ein fünfundzwanzigjähriger Mann gehängt wurde, weil er ein Gedicht zum Lobe der Revolution geschrieben habe. Otto Flake biegt seinen Kriegsnovellen die Knospen ab, schraffiert sie, läßt Kommas und Artikel beiseite und schreibt damit einen pazifistischen (klugen) Roman und nennt ihn Revolution der Prosa. Als mein Freund Colin als erster Franzose und europäischer Generalsekretär der »Clarté« zuerst in Deutschland als mein Gast in Darmstadt sprach nach dem Kriege, sangen draußen zum Protest gegen die Menschlichkeit die Helden des »Mückebundes«, Gymnasiasten und kassierte Leutnants mit entblößten Häuptern im strömenden Regen die Wacht am Rhein, bis die Sturmtrupps der U. S. P. und der S. P. D. sie gemeinsam in unsterbliche Prügel zogen. Ich werde paßkontrolliert, wenn ich von Darmstadt nach Frankfurt fahre, und als gesinnungstüchtige Besitzer von Lastautos die wachstehenden Franzosen dreiviertel Jahr nach der Beendigung des Krieges mit herausgestreckter Zunge im Vorbeifahren grüßten, schloß Herr Foch wegen dieser Beleidigung seiner Armee die Bahnen, und die Fahrten gingen gegen unendlichen Wucher in den Autokähnen der Arrangeure durch internationale Staubwolken aufs feurigste vor sich. Aus dem Festungsgefängnis Eichstädt schrieb der Führer der roten Münchener Armee, Ernst Toller: »Ich habe Ihren Prinz gelesen, es durchfuhr mich so vor Lust nach dem Dasein und der Fülle des Lebens, daß ich mit den Fäusten gegen die Wand trommelte, und mein Gefängnisnachbar, der mein Blut fühlte, trommelte wieder. Wir erinnerten uns und bewiesen uns unser Dasein.« Die Glasbilder und Bauernmöbel im bayrischen Gebirge sind ausverkauft. Einmal wird man auch energisch der Wohnungsnot steuern. In Fiume sitzt d'Annunzio, während hinter seinen annexionistischen Freischaren hundertzwanzig Sozialisten ins Parlament gewählt werden. In Japan war, wie »Nieuwe Rotterdamske Courant« schreibt, ein Zyklon. In Brüssel verliert der Direktor des Blattes »L'Art libre« seine Museumsposten, da er, um ein wenig Belgien vor der Gerechtigkeit zu schützen, gegen den Versailler Vertrag protestierte, und die »Ligue du Souvenir« schwärmt in der Ablösung der deutschen Kriegervereine. Warum ist Hindenburg nicht in einem friedlichen Zeitalter Schalterbeamter in Oberau geworden? Tirpitz als Reichskanzler verfolgt als Traum das Hirn und die Nacht eines Dragonerrittmeisters. Immer wühlen, trotzdem wir kaum japsen können, junge Offiziersknaben für frisch-fröhlichen Krieg. Die Adlerwerke arbeiten nur noch zwei Stunden. Die Wirtschaft ächzt in verstopfte Ohren. Bald wird die Kriegsanleihe auf 25 gesetzt werden. Treffen Bekannte sich, reden sie zuerst, wie sie Steuern defraudieren. Die Katastrophenhausse in Wertpapieren hat begonnen. Es ist wenig Holz, keine Kohle vorhanden. Die Bergwerke sind nicht verstaatlicht. Die Lokomotiven durch die Kriegsrekorde ruiniert, Es wird ein kalter Winter werden.
Deutschland.
Deine wenigen Getreuen in dir selbst haben dich nie verlassen und sind nicht mutlos genug, trotz aller Katastrophen und aller Unzucht an deinem schönen Leib die Größe deiner Wälder und Sagen und die Berge mit den guten Namen, die weiten Kornfelder und die Flüsse mit wandelndem blauen Wasser und über ihnen deine große und schöne Mission zu vergessen. Deine Menschen haben aus der Revolution noch weniger gelernt wie aus dem Krieg, und die Pleite einer geistigen Verwüstung sondergleichen an dich herangetragen. Ihr Pazifismus ist nur eine Taktik, mit der sie losgerissene und früher geraubte Stücke des Besitzes deines Landes wieder erluchsen wollen. Als man Schlagworte in die Volksmasse streute, fachte die Dummheit der chauvinistischen Leidenschaft dich wieder zu so tragikomischer Größe, daß man verzweifeln könnte, hätte man es nicht lange verlernt. Wer die Verschickung belgischer Arbeiter mit tausendfachem Menschenmassaker freudig lobte und gern dafür sprach, russische Kriegsgefangene jahrelang nach Friedensschluß ihre Güter bewirtschaften zu lassen, heult nun mit ethisch-roten hektischen Köpfen gegen die Zurückhaltung der deutschen Gefangenen, was eine Schweinerei, aber nach dem Paragraphen der Abmachungen präzisestes Recht ist. Und die Krüppel der Zeit, die kaum Überzeugten gegen das Regime seither, heulen, schreien mit. Die Revolution haben sie zu Lohnschrauben verhandelt, auf den Straßen liegt sie wie eine alte Sau. Die Idee hat sich auf einige Köpfe zurückgezogen. In Wirklichkeit blieb nichts, was wir hofften. Die Schulen hängen Kaiserbilder auf. Die Universitäten sind Fischkästen der Reaktion. Die ganze Jugend haben sie nicht gewonnen, ist verloren. Alles aus der Hand gleiten lassen, das das Volk für ihre Idee gewinnen konnte. Ein Unteroffiziersverstand grenzenloser Nachlässigkeit hat die Macht an sich gerissen, aber die Instinkte waren zu hündisch, als daß er die Fülle und Größe der Aufgabe nur in ihrer Ahnung begriffe. Die Musen lieben zu scherzen und tragen manchmal statt des marmornen Ernstes der erfrorenen Züge kleine Larven und Tamburine. Der Geist steht abseits, enttäuscht, diesem Staat zorniger noch gegenüber wie dem vorherigen. Die Methoden sind nur verschärft und vergröbert herübergerutscht. Verbote, Erschießungen, Mord, Zensur bläken mit vergällterer Grimasse. Die Jugend wendet sich langsam ab, verläßt die Feuer und geht mit Wandermienen und schlankem Schritt in die Wälder und die langentbehrten Berge, die mit entschlossenem und Irdischem abgewendeten Gesicht ihre ewigere Mission tragen. Es mußte ein royalistischer Aristokrat der französischen Armee sein, der lächelnd sagte, dies sei wohl ein Plunder, eine Farce, die Tat eines Coviello, vom Geist eines Molièreschen Dieners entzündet, was sie in Deutschland als Revolution entfachten. Wir verstanden uns sehr gut. Hätte er das Wort Cambronnes hinzugefügt, was er vermied, ich hätte ihm nichts entgegnen können. Er hatte den Mut und die Überzeugung, so zu reden, da er wußte, daß in Paris zur Stunde des Petardeschlages andere innere Gewalt und andere Abrechnung und Konsequenz gegen seine Schicht aufschlagen werde, und kein Chiaroscuro, sondern nackte fleischhelle Klarheit streng und vorbereitet in die Zukunft falle.
Die Menschen versagten.
Auf Barrikaden, in Büros, im Bergwerk, in öffentlichen Ämtern, an grünen Tischen. In Syndikaten, Bürgermeistereien, Freikorps, Räten, Versammlungen, im Herzen, im Mund, im Hirn. Die oberen, die unten, die von der Mitte. Die Kühnsten waren ohne Hilfe. Die Auserwählten hatten keine Vorbereitung. In der Verwirrung zertraten sie eine der schönsten Frauen, aber da sie unsterblich war, verließ sie diesen Ort der Scham und der Dummheit. Als einige später Versäumtes, Zerstörtes, als sie der kalten Pleite ins Gesicht schlugen, erkannten sie, daß es die Freiheit war, die sie geschändet und daß für lange Zeit sie wie Entmannte nun verflucht und zerknüttelt leben müßten. Einige schossen sich kaputt, andere gingen hin und beschlossen hingebender und entschlossener dem Ziel zu leben.
Das Karussell rast weiter, schaukelt, knallt. Manchmal fliegt es wie ein Ballon durch den erhellten Abendhimmel.
Einer, von dem sie sagten, er sei ein Eingeweihter, verriet mir, es werde nach Art lenkbarer Luftschiffe gesteuert und nur von Wahnsinnigen bedient, damit sie das übernatürliche Tempo halten könnten. Aber ein Italiener gestand, von Fiesole her sehe es aus schon wie eine Seifenblase, die an ihrer Gelbheit bald in den Äther platze.
In Wiesbaden fahren auf der Ludwigsstraße amerikanische Kapitäne in einem Auto mit nackten Weibern die Treppen des Glashotels hinauf und zahlen, unten wieder, hunderttausend Mark für zertrümmerte Spiegel. Im Baltikum wird der deutsche Kriegssekt kalt gehalten, damit er mit krachendem Pfropfen am Kaisertage der Reaktion phönixgleich steige. In Düsseldorf verhöhnen bei Jahrhundertfeiern der Akademie die Expressionisten sich selbst, der sozialistische Kultusminister Hänisch bedauert, keine Orden mitbringen zu können. Trotzky hat in seiner roten Armee die Tapferkeitsmedaillen wieder eingeführt. In Baden-Baden reisen frühere Generäle zu und übernehmen die Organisation neuer Spielbanken. In Hessen hat eine Militärvolkshochschule sich geöffnet. Wer Revolutionäre erschlägt, wird finanziert und geehrt. Wer einen Bürger meuchelt, wird erschossen. In Breslau sitzt einer, führt meinen Namen, sagt, er sei ich, wer ist der echte? Selbst die schlechtesten Künstler fliehen aus den Künstlerräten. Die Leiter der Schauspieler-Demokratien legen allgemach die Ämter nieder, der Spielplan saust zu Kitsch zurück, die Erhebung ebbt ab, sobald, wo nur die gerechte Diktatur des großen Könners helfen kann, die Imbezilen, Talentlosen und Abortfrauen mit dem Stimmzettel in der Hand die Führer und die geistigen Spielwerte küren. In Kelsterbach ist ein Meteor niedergegangen, er wird wohl wissen, warum er sich die alte Porzellanmanufaktur ausgesucht hat. In Berlin ist ein Fall Hiller ausgebrochen, wie die »Frankfurter Zeitung« sich drahten läßt. Aber es war eine Täuschung. Die Aktivisten haben immer noch keine Menschen gefischt und mit sich im Sturm vorgetragen, es handelt sich nur um einen Oberleutnant und Soldatenmißhandlung. »Gib ihm einen Tritt vor den Hintern, daß er verreckt«, sagte der Offizier, als in der Latrine der Soldat immer noch nicht sterben wollte. Im November lag schon Schnee heuer und machte eine unwahrscheinliche Weihnacht. Himmel und Bäume blühten auf, glashell und zärtlich wogten die Büsche gegen den Seelenhimmel.
Das Paradies schien gekommen. Am einunddreißigsten Dezember des Jahres Neunzehn, wo einen Strich zu machen, Summen zu schließen und Bilanz zu ziehen es heißt, schwört ein kleiner Korrespondent des Petit Parisien mir gegenüber, der mich ausfragt, sein Blatt sei ein liberales und humanitäres Papier. Wieviel haben die Kelten von den Preußen gelernt, daß sie selbst dem Übermaß des Hasses erlagen, als sie sich anschickten, aus der Gerechtigkeit her ihn zu besiegen. Die Buchhändler verdienen sechzig Prozent am Exemplar, die Dichter bestenfalls zwanzig. Es ist die Zeit, den Ambitionen des Esprits zu entsagen und in Bankhäusern und Betrieben ein genügsames Einkommen zu haben für alle, die nicht Kraft und Glück haben, auf breiten Wellen zu schwingen. Selbst die Homosexualen seufzen, daß ihnen die Novemberrevolte nicht einmal die Aufhebung ihres Paragraphen gebracht. Die Theater sind gehemmt, verwüstet. Die Zirkusse kommen sehr selten. Die Arbeiterschaft verlangt als Revolutionsfeier den Freischütz. Die konservative Presse wird täglich, wo sie sich in Opposition gesetzt sieht, besser. Die Beamtenkliquen schieben weiter wie gewohnt. Die Neuen Machthaber desgleichen. Beide schwer entrüstet. Die Preise gehen wie Kinderdrachen hoch. Das Ausland hermetisch geschlossen. Das Proletariat verliert seine revolutionären Spannungen. Die Geistigen in holdem Wahnsinn. In Ingelheim in der Pfalz wurden Zwillinge geboren, deren eines tonkinesische, das andere afrikanische Züge aufwies. Die Mutter war blond, blaue Augen. Vielleicht wird hier die neue Weltrasse gezüchtet.
O Europa.
Im Schloßgrün Borgebys geht in Småland mein Freund, der nordische Dionysos, Ernst Norlind, durch den Park, steigt in den Wagen, die Hengste traben ihn durchs flache Land bis an die Nordsee. Schief links liegt Petersburg, rechts hinüber Rügen. Er liegt auf dem Rücken im weißen Sand Bjerreds, der Ostwind trägt ihm die Spiegelung der Blausee mit allen zartflimmernden Segeln wundervoll ins Gesicht. Er denkt, wie schön dies Dasein. Fühlt: wie herrlich der Tag, die herunterfallende Welt. Adler und Krähen, die im Wind immer jagen. Auch silberne Fische springen zierlich, fein, voll Freude das Dasein. Vierzehnjährige Mädchen tanzen nackt auf der Klippe. Das Allströmende hat ihn aufgesaugt. Alles andere kümmert ihn einen Dreck. Kein Brief, kein Schrei würde ihn stören. Eine schöne Frau, die jeder gern hätte, im malayischen Archipel, auf Tubuai, die lacht, Netze flickt, Obst aufbeißt, weiß keine meiner Sorgen. Wie arm sind wir letztendig mit unseren Schmerzen. Vor einem Sonnengewitter vor den Klippen Bodös auf dem glatten Bauch des Meeres und dem Nordseestahlhimmel versaust unsere menschliche Kleinheit wie ein Makrelenschwanz. Selbst die Lieblinge des Schöpfungstages, die großen und rosaschlanken Flamingos wissen nicht, wenn sie in den Gärten des Jardins des Plantes, in Frankfurts Zoo, am Stockholmer Skansen an ihren Teichen träumen, wie die Welt des Geistes trotzdem wie Wasser in die Mühlenräder fällt.
Aber dennoch.
Europa.
Sie haben selbst vor dem erschütterndsten Anblick deinen Bau nicht vergessen. Als sie die Erde schwängerten, hat ihr Leib gezittert eine Sekunde. Das Herz blieb stehen und zuckte. Nie ist das Beben aus der Erinnerung geschwunden. Schon haben heiße Blutströme begonnen, den Körper bis in die Poren der Haut zu durchlaufen. Einmal hat sich der schöne und große Muskel des Bauches schon stärker gehoben. Junge Leute stehen im Kreis und rufen sich Losungen zu.
NAMEN