Die Cigarette

Part 2

Chapter 23,182 wordsPublic domain

Mangels einer größeren Einfuhrmöglichkeit von Orienttabaken während des Krieges wurden vielfach Versuche gemacht, die Restbestände an wirklichen Orienttabaken durch deutsche Tabake usw., also sogenannte schwarze Tabake zu strecken oder auch ausgesprochene Surrogate zu verwenden. Die außerordentliche Abneigung, die diese Cigaretten bei dem Raucherpublikum gefunden haben, hat noch bis heute die Meinung bestehen lassen, daß der Qualitätsgrad einer Cigarette an der hellen Farbe des Tabaks erkannt werden kann. Wenn es auch richtig war, daß der Raucher seinen Augen trauen konnte, sobald er in den Zeiten der Zwangswirtschaft an der dunkleren Färbung einheimischer oder amerikanischer Tabake die Minderwertigkeit eines Fabrikats erkennen wollte, so trifft diese Farbgraduierung keineswegs zu, sobald es sich um eine Kritik innerhalb verschiedener Sorten wirklich echter Orientcigaretten handelt. Es gibt sehr wertvolle Orienttabake, die dunkel gefärbt sind; andere sind wiederum rötlich, und das eigentümliche Mittelding zwischen dem echten Orienttabak und den amerikanischen Pfeifentabaken, nämliche der Virginiatabak, hat gerade eine besonders helle Farbe, ohne daß er an Qualität auch nur im entferntesten mit irgendeinem echten Orienttabak verglichen werden kann. Abgesehen von einer Feststellung der Verwendung von Misch- oder Ersatztabaken, die man sehr wohl noch dem Auge zutrauen kann, ist es ganz außerordentlich schwer, bereits beim Anblick einer Cigarette ein Urteil abgeben zu können. Die Anhaltspunkte zur Beurteilung sind allzu gering. Neben Erwähnung der Farbe hört man häufig für dieses oder jenes »Format« plädieren. Aber auch ein Format kann niemals für die Qualität einer Cigarette ausschlaggebend sein, denn es steht in den weitaus meisten Fällen in unmittelbarer Abhängigkeit von der Art der verwendeten Tabake und ihrem Mischungsverhältnis. Wenn es sich um schwere und gehaltvolle Tabake handelt, so wird das Format relativ schmal und klein sein müssen. Ist der Tabak leicht und sehr milde, so wird das Format der Cigarette sehr voll sein müssen, damit die größere Brandfläche, die jeweils dem Querschnitt der Cigarette entspricht, einen volleren Geschmack auslöst. Je wertvoller und je sorgfältiger Cigaretten hergestellt werden, desto bestimmter wird das entsprechende Format festgelegt werden müssen. Die Abhängigkeit von Tabak und Tabakmischung vom Format und umgekehrt ist so weitgehend, daß ein und dieselbe Füllung in dem einen Format fast ungenießbar sein kann, dagegen in einem anderen Format einen überraschend schönen Charakter zur Geltung bringt.

Die einzige wirkliche Möglichkeit zur Beurteilung einer Cigarette ist eine gewissenhafte Rauchprobe, und selbst dann sind noch eine Anzahl Umstände zu beachten, deren Einwirkung häufig unterschätzt wird.

Man stelle sich beispielsweise die Stimmung vor, in der man sich nach einem guten und reichlichen Essen, zu allen edlen und schönen Dingen bereit, einer fast körperlich übertriebenen Behaglichkeit hingibt. Würde man sich dann eine Cigarette anzünden, die sehr aromatisch und auf Grund einer gewissen Herbigkeit sehr anregend wirkt, so würde man zweifellos sehr enttäuscht sein und diesen Mißklang zur augenblicklichen Stimmung zu einer Verurteilung der Cigarette umbiegen. Die meisten Menschen benötigen in einer solchen behaglichen Stimmung eine weiche, milde, aber sehr volle und blumige Cigarette, die den durch das Essen bereits gewonnenen seelischen Ausgleich erhöht und jegliche Aufregung verhindert. Man stelle sich jedoch andererseits einen Geistesarbeiter vor, der nächtelang über kniffligen Problemen sitzt, und dessen unbedingt zur Arbeit erforderliche Konzentration durch langsames Ermüden nachläßt. Wenn er dann zu einer milden, weichen, versöhnlichen Cigarette greifen wollte, so würde gerade das Gegenteil der beabsichtigten Wirkung eintreten, und die erhoffte Spannung würde sich ganz auflösen. In solchen Augenblicken benötigt er eine herbe, kräftig-aromatische Cigarette von momentaner anregender Wirkung und möglichst kurzer Brenndauer, da die Muße für einen langen und stillen Genuß des Tabaks nicht vorhanden ist.

Es gibt Cigaretten, die man eigentlich nur in einem bequemen Sessel richtig genießen kann, und die an anderer Stelle, beispielsweise auf der Straße einfach deplaziert wirken. Es gibt andere Cigaretten, die den hastigen, kurzen Augenblicken einer Konzert- oder Theaterpause angepaßt sind, wieder andere, die nach langen Anstrengungen körperlicher Art eine erfrischende, anregende Wirkung auslösen, usw.

Neben diesen verschiedenen Wirkungsmöglichkeiten, die der raffinierte Raucher kennt, gibt es natürlich für jeden einzelnen eine eigentliche Leib- und Magencigarette, die man als die typische Gewohnheitscigarette bezeichnen kann. Da die Menschen mit ihren Bedürfnissen außerordentlich verschieden sind, sind natürlich auch die Cigaretten verschieden, die den jeweiligen individuellen Bedürfnissen entsprechen sollen. Wat den enen sin Uhl, is den annern sin Nachtigall. Eine süße Smyrna-Cigarette, die dem einen den ganzen Tag über ein immerwährendes Vergnügen bereitet, würde dem andern völlig unerträglich werden können. Natürlich sind dies Differenzierungen, wie sie nur der sehr verwöhnte Raucher kennt, aber bei der Beurteilung von Cigaretten ganz allgemein spielt der ganz persönliche Geschmack eine so große Rolle, daß man häufig ein sehr schlechtes Urteil über eine Cigarette erleben kann trotzdem diese eigentlich nur den jeweiligen Geschmacksforderungen widerspricht, aber im übrigen qualitativ unantastbar ist. Ein extremes Beispiel ergibt die bereits erwähnte Cigarette mit sogenanntem schwarzem Tabak, die von manchen Ausländern als die einzig mögliche Cigarette bezeichnet wird, und die der größte Teil der deutschen Raucher mit dem besten Willen nicht verträgt, ohne daß man deshalb sagen dürfte, die Cigarette wäre an sich schlecht.

Die Schwierigkeit für das Auffinden einer richtigen Leib- und Magencigarette beruht vor allen Dingen in der Gefahr der Geschmacksübermüdung. Je wertvoller die Tabake sind, desto charakteristischer sind sie in ihren Geschmackseigenarten, und es ist eine sehr schwere Aufgabe des Fabrikanten, die Geschmackseigenarten derart abzudämpfen, daß eine Geschmacksübermüdung bis zu einem gewissen Grade ausgeschaltet bleibt. Ganz und gar wird sich die Gefahr nicht beseitigen lassen, denn es dürfte wohl überhaupt kein menschliches Genußmittel geben, das nicht doch hin und wieder eine Abwechslung erfordert. So haben sich bereits viele Raucher daran gewöhnt, mit bestimmten gegeneinander abgeglichenen Cigaretten hin und wieder abzuwechseln, um sich die Lebendigkeit der Wirkung zu erhalten und eine Übermüdung zu vermeiden. Andererseits kann man sich allerdings auch an eine bestimmte Cigarette oder einen bestimmten Cigarettencharakter so gewöhnen, daß man kaum noch in der Lage ist, anderen Arten Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Jede wirklich wertvolle und eigenartige Mischung verlangt auch ein gewisses Einleben, und man kann sich manchmal an eine anfangs abgelehnte Cigarette durch gewissenhaftes Nachprüfen so gewöhnen, daß man gegen diese wiederum keine andere eintauschen möchte. Man kann eben manchmal erst langsam auf den richtigen Geschmack kommen.

Die einzige Anforderung, die man bei Voraussetzung unterschiedlichster Arten an eine Cigarette immer stellen muß, ist die jeweilig ihrer Art entsprechende wirkliche Reinheit und Qualität. Wenn jemand an den Genuß reiner Orientcigaretten gewöhnt ist, wird er stets sofort auch den minimalsten Prozentsatz der Verwendung unedlerer Tabake feststellen können. Außerhalb reiner Qualitätsfragen ist ein Streit nicht möglich. De gustibus non est disputandum.

In erster Linie hängt der Charakter einer Cigarette von der Art der verwendeten Tabake ab. Aber mindestens ebenso wesentlich sind die Mischungsprobleme. Es ist heute noch wenig bekannt, daß auch der denkbar edelste Tabak (und zwar je edler, desto weniger) allein verarbeitet nicht rauchbar ist. Erst durch Mischung verschiedener Tabake nach bestimmten Gesichtspunkten entsteht das Tabakmaterial für eine Cigarette. Die Regeln und Rezepte für Mischungen sind sehr komplizierter und variabler Art, da jeder Tabak, der verwendet wird, seinen besonderen Eigenarten entsprechend gemischt werden muß. Es werden immer wieder neue Variationen erfunden, denen zahllose Experimente vorhergehen. Die Mischungsgeheimnisse d. h. wertvolle Mischungsrezepte sind ein sehr wesentliches Besitztum eines Fabrikanten.

Die Begründung der Unrauchbarkeit einzelner Tabaksorten für sich allein ist darin zu suchen, daß jeder Tabak von Charakter geschmacklich zu einseitig ist und seinen Charakter übermäßig aufdringlich zur Geltung bringt. Die Absicht des Mischers ist es nun, diejenigen Tabake gegeneinander abzuwägen, die sich gegenseitig ausgleichen und dadurch ihre jeweilige Geschmackseinseitigkeit verlieren, um dieses oder jenes feine Aroma oder diesen oder jenen feinen Geschmacksakkord den jeweiligen Anforderungen gemäß mehr oder weniger unaufdringlich auswirken zu lassen. Die Mischungsforderung ist ähnlich wie bei weitaus den meisten Speisen, die für sich genossen schal und leer schmecken würden und ihren Wert eigentlich erst durch entsprechende Gewürze wie Salz usw. offenbaren. Die Gewürze selbst wiederum können nicht allein genossen werden. Erst der fein abgewogene Zusammenklang und Ausgleich verschiedener Eigenarten ergibt die Genußmöglichkeit.

Deshalb unterscheidet man genau so wie bei vielen anderen gastronomischen Materialien Tabake, die als Gewürze verwendet werden und daher _Würztabake_ genannt werden können, und Tabake, die eine möglichst ruhige Basis ergeben, und auf denen sich die Mischungen von Würztabaken frei entwickeln können. Da es sich bei Tabaken nicht um Nahrungsmittel, sondern Genußmittel handelt, sind natürlich die Würztabake die wichtigsten und wertvollsten. Die zur Basis verwendeten Tabake kann man als _Fülltabake_ bezeichnen. Es sind dies vorzugsweise Tabake sehr ruhiger und unaufdringlicher Geschmacksarten, die auf Grund der Bezeichnung durchaus nicht mit Tabaken verwechselt werden dürfen, die man zu Zeiten der Zwangswirtschaft als Füllsel für Cigarettenhülsen unter teilweiser Beimischung echter Orienttabake verwendete. Wenn die Fülltabake auch durch den Wert der edelsten Würztabake übertroffen werden, so liegt doch gerade in der Auswahl, Verwertung und Dosierung von Fülltabaken der Kern des ganzen Mischungsproblems. Durch weitgehende Kenntnis, welche Fülltabake und Fülltabakmischungen diesen oder jenen Würztabaken oder Würztabakmischungen die harmonisch ausgleichende Basis geben können, kann ein Fabrikant allen mit ihm im Wettbewerb stehenden Unternehmungen qualitativ den Rang ablaufen. Die Geheimnisse der Fülltabake werden als persönlichste Erfahrungen ängstlich gehütet. Die Schwierigkeiten der Auswertung bestehen aber gerade darin, daß man jeweils nur unter den auf dem Markt zur Verfügung stehenden Tabaken die Auswahl hat und immer wieder neue Rezepte aufstellen muß, da gleichartig geratene Sorten nur selten wieder aufzutreiben sind. Eine grundsätzliche Unterscheidung zwischen Würztabaken und Fülltabaken steht für den Tabakmarkt nicht fest, da in dieser oder jener Mischung dieser oder jener Fülltabak auch als Würztabak dienen kann. Weiterhin gibt es auch sehr wertvolle Sorten, die eigentlich als Würztabake bezeichnet werden können, aber einen Geschmacksausgleich bereits untereinander finden, ohne daß ein gegensätzlicher Fülltabak benötigt wird.

Die Bauern der Ursprungsländer des Tabaks sind nicht so empfindlich gegen starke und sehr herbe Cigaretten wie die Europäer. Der türkische Bauer kann Mischungen rauchen, die nach unserem Empfinden sehr einseitig gewürzt sind. Aber trotz der gewissen Einseitigkeit der Mischungen für die Einwohner der Tabakländer, die sich aus der bevorzugten oder ausschließlichen Verwendung der örtlich vorhandenen Tabake ergibt, sind die dort verwendeten Rauchtabake doch immer wieder Mischungen, in denen ein Ausgleich wenigstens bis zu einem gewissen Grade gesucht wird.

Die Mischungsprobleme sind ganz außerordentlich diffizil und setzen eine Geschmackskritik voraus, die Nichtfachleuten geradezu märchenhaft erscheinen muß. Es gibt Orientalen, die beim Rauchen einer Cigarette sofort die zehn oder zwanzig maßgebenden Würztabake aufzählen, die in einer Mischung enthalten sind. Infolgedessen werden auch in den europäischen Fabriken von Rang die Mischungen fast ausschließlich von Orientalen ausgeführt oder zumindest angeregt. Es ist sehr eigenartig und charakteristisch, daß solche Mischer immer wieder die Tabaksorten ihrer engeren Heimat besonders vorziehen und in diesen Sorten allein genügend Differenzmaterial für Mischungen finden zu können glauben. Im allgemeinen werden jedoch zu Mischungen für Europäer so ziemlich alle Gebiete herangezogen, die als Ursprungsländer edler Tabake in Betracht kommen, um damit Differenzierungen zu schaffen, die den vielseitigen Anforderungen entsprechen können.

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Die Mischungsaufgaben ergeben sich aus den jeweils zur Verfügung stehenden Provenienzen, denn die Eigenarten verschiedener Tabake, denen entsprochen werden muß, sind unbegrenzt variabel. Für diese Geschmackseigenarten ist in erster Linie die Pflanzenart bestimmend. Dazu kommt die Bodenbeschaffenheit und die Lage der Anbaugebiete mit ihren jeweils eigentümlichen klimatischen Verhältnissen. Weiterhin spielt die Höhenlage und die Sonnenlage eine so große Rolle, daß schon geringe Höhenunterschiede angebauter Flächen und kleine Abweichungen in der Lage dieser Flächen zur Himmelsrichtung auch bei sonst gleichartigen Voraussetzungen deutlich bemerkbar werden. Selbstverständlich ist außerdem jeder Jahrgang, jede Ernte unterschiedlich, denn die verschiedene Zahl der Sonnentage, der Niederschläge, der Temperaturen usw. in verschiedenen Jahren ergibt sehr verschiedene Tabake.

Man kann also, abgesehen von öfteren weitgehenden Ähnlichkeiten verschiedener Tabakpartien, behaupten, daß genau ein und derselbe Tabak nie zweimal auf dem Markt erscheint.

Liegen die benötigten Tabake nach Einkauf, Verzollung usw. in den zur Fabrik gehörigen Lagerräumen zur Verfügung, und liegen die obig besprochenen Mischungsrezepte für die jeweils vorhandenen und zur Verarbeitung gelangenden Provenienzen fest, so ist der weitere Fabrikationsvorgang bis zur Cigarette mehr ein Problem der Präzision, der Sauberkeit, Zweckmäßigkeit und kaufmännischen Rentabilität als ein maßgebender Faktor für die Geschmacksqualität der Cigarette.

Da die zur Verfügung stehenden Provenienzen kaum in gleicher Geschmackseigenart nachzubekommen sind, da aber andererseits das Bedürfnis besteht, eine einmal eingeführte Cigarettenmarke von bestimmter Geschmacksrichtung möglichst lange auf dem Markte zu erhalten, werden die für den Geschmack maßgebenden Partien jeweilig in sehr großen Mengen erworben, so daß möglichst auf Jahre hinaus die gleichbleibende Qualität und Geschmackseigenart einer Cigarette gesichert ist. Weiterhin bemüht man sich, möglichst viele verschiedene Tabakarten zu Mischungen zu verwenden, so daß der durch neue Ernten bedingte Ausfall dieses oder jenes Mischungsteiles durch einen möglichst ähnlichen Tabak ergänzt werden kann, ohne daß diese minimalen Differenzen dem Raucher auffallen können, vor allem, wenn der Grundcharakter und die Qualitätsstufe der Cigarettenmarke voll erhalten bleibt.

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Das Tabaklager der großen Cigarettenfabriken steht unter dem Tabakmeister, der die Tabake fachtechnisch behandeln muß, die Mischungsrezepte in Vorschlag bringt und die Mischungen selbst überwacht. Diese Stellung ist wohl ausschließlich Orientalen vorbehalten, da selbst die verwöhnteste Zunge eines Europäers nicht in der Lage ist, die minimalen Geschmacksdifferenzen praktisch zu bestimmen. Trotzdem ist es natürlich, daß ein Tabakmeister, so bedeutsam seine Stellung auch sein mag, keineswegs für die Qualitätsstellung der Fabrik, für die er arbeitet, maßgebend sein kann. Hierfür ist und bleibt die eigentliche Firmenleitung durchaus maßgebend. Selbst bei den besten Beamten muß eine auch nur etwas mangelhafte Fachkenntnis der Firmenleitung in Tabak- und Mischungsfragen sehr verhängnisvoll werden. Denn an dieser Stelle wird Qualitätswille, Stil und Geschmacksforderung maßgebend festgelegt.

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Die Tabake werden in den Ballen, in denen sie aus dem Orient ankommen, in den Fabrikationsgang gebracht. In der ersten Station werden die Ballen geöffnet, aufgeteilt, die eng aneinander gepreßten Blätter werden einzeln auseinander genommen und sortiert. Nach der Sortierung werden die Blätter (nach ihren Provenienzen geordnet) in große Holzkisten gefüllt und erwarten in dieser Form den Mischungsvorgang. Die nächste Station ist der Mischungsplatz, auf dem aus den Holzkisten in dem angegebenen Verhältnis der Mischungsrezepte die Tabake der verschiedenen Provenienzen schichtweise übereinander gelegt werden. Es ist dies ein ziemlich großer Platz, auf den der Inhalt der Kisten gekippt und von Arbeitern in gleichmäßigen Lagen auf der ganzen Fläche verteilt wird. Bei diesem Prozeß wird der Tabak den jeweiligen unterschiedlichen Anforderungen entsprechend mehr oder weniger angefeuchtet. Dann wird das Gemisch in große Boxen gebracht, wo es einige Tage lagert.

Die nächste Station ist die Tabakschneiderei. Das Tabakgemisch wird großen Schneidemaschinen zugeführt, die die Blätter in feine Strähnen zerschneiden. Der von den Messern herunterfallende Tabak wird auf Transportbändern in eine Entstaubungsanlage gebracht, die als nächste Station die Aufgabe hat, den Tabak von dem bitteren Tabakstaub gründlich zu reinigen. Aus der Entstaubungstrommel wird der Tabak wieder in große Holzkisten gefüllt und neuerlich einem Zwischenlager zugeführt.

Aus diesem Zwischenlager gelangt der Tabak in den Maschinensaal, in dem er zur Cigarette verarbeitet wird. An Stelle der früheren Handarbeit ist heute in einem außerordentlich weitgehenden Maße die weitaus präziser und wesentlich sauberer arbeitende Maschine getreten. Die fertiggestellten Cigaretten werden in Schragen gesammelt und dem sogenannten Schragenlager zugeführt, in dem die Cigaretten wiederum eine Lagerzeit von etwa drei Tagen durchmachen.

Aus dem Schragenlager kommt die Cigarette in den Packsaal. Dort wird sie unmittelbar in die für den Verkauf bestimmten Packungen gebracht. Von hier aus kommen die Cigaretten in ihren Originalpackungen in ein zweites Zwischenlager, das sogenannte Unbanderolierten-Lager, aus dem sie den jeweiligen Anforderungen gemäß zur Anbringung der Banderole abgeholt werden. In der Banderolierabteilung wird diese Banderole auf maschinellem Wege um die Originaldosen oder Kartons herumgelegt, und zwar derart, daß die Dose nun nicht mehr geöffnet werden kann, ohne daß die Banderole an einer der drei behördlich geforderten Stellen zerrissen wird. Hinter dem Banderolierten-Lager befindet sich die vorletzte Station, das sogenannte Fertiglager. Hier erwarten die Cigaretten, in Halbmille-Pakete geordnet, ihre Expedition. Aus der sich daran anschließenden Expeditionsabteilung gehen die Cigaretten in die Welt hinaus.

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Der Vorgang, der in der kurzen Schilderung der wesentlichen Stationen sehr einfach erscheint, ist in Wirklichkeit erheblich komplizierter. Eine große Anzahl von Vorsichtsmaßregeln gegen Witterungseinflüsse, für die der Tabak eine übergroße Empfindlichkeit besitzt, und weiteren Vorkehrungen, die hygienischen Anforderungen entsprechen, lassen die Fabrikationseinrichtungen zu einem sehr komplizierten Apparat werden. Sehr wesentlich ist vor allem, daß der Tabak nach dem Entblättern nicht mehr von Menschenhand berührt wird, da dies aus ästhetischen Gründen für ein Genußmittel stets geboten erscheint.

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Der Wirtschaftssachverständige wird im allgemeinen der Ansicht sein, daß ein sehr wichtiger Teil der Cigarettenindustrie bisher noch nicht erwähnt ist: die Reklame. Es ist leider durchaus richtig, daß selbst das beste Fabrikat ohne irgendwelche Mittel, das Publikum aufmerksam zu machen, nicht zur Geltung gebracht werden kann. Es ist dies bedauerlich, aber unumgänglich. Für die Qualitätsfrage der Cigarette ist diese Angelegenheit völlig bedeutungslos, zumal das deutsche Raucherpublikum sich heute offensichtlich mehr und mehr dem Einfluß der Reklame zu entziehen sucht, und es weiterhin praktisch erwiesen werden kann, daß die Qualität der Cigarette auf dem Markt stets endgültig entscheidet. Deswegen bleibt allerdings ganz unabhängig von einer Reklameabsicht die Forderung bestehen, daß eine wertvolle Ware ein wertvolles Gewand beanspruchen muß. Die künstlerischen Leistungen, für die gerade in der Cigarettenindustrie sehr viel Raum zur Verfügung gestellt wird, sollten sich jedoch lieber auf eine rein sachliche Basis beschränken, auf der sie dem jeweiligen Stil und dem Wert des Tabakerzeugnisses gemäß das Verkaufsobjekt zu einem harmonischen Ganzen gestalten, so daß die Gefahr vermieden wird, die wir häufig in der Überwucherung geschmacklicher Stilmittel gegenüber dem eigentlichen Fabrikat erkennen können. Denn letzten Endes handelt es sich immer wieder nur um die Qualität der Ware selbst.

Vor etwa drei Jahrhunderten mögen amerikanische Tabake in den heutigen Ursprungsländern unserer Cigarettentabake eingeführt worden sein. Durch die neuen für das Wachstum der Pflanzen maßgebenden Verhältnisse entstanden aber allmählich völlig neuartige Pflanzen, die heute in der übrigen Welt ihresgleichen nicht finden können.

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Zur Gewinnung einer gewissen Übersicht werden die Tabake ihrer Pflanzenart nach hauptsächlich in zwei große Gruppen geteilt. Die erste Gruppe bilden die _Basma_. Hierzu gehören die berühmtesten und teuersten Tabake. Sie bestehen vorzugsweise aus kleinen und sehr zartrippigen Blättern von meist heller Färbung.

Die zweite Gruppe bilden die _Baschibagli_, die sich durch größere Blätter und etwas stärkere Rippen von den vorhergehenden unterscheiden. Zu diesen beiden Hauptgruppen treten noch einzelne Zwischenstufen, die sich vermutlich aus der Verbindung beider Arten ergeben haben.

Im allgemeinen werden diese beiden Tabakarten auch in der Manipulation unterschieden. Der Tabak, der in den Herbstmonaten geerntet wird, im Winter die ersten Sortierungen bei den Tabakbauern erfährt und ungefähr zu gleicher Zeit von den Händlern aufgekauft wird, hat den ganzen Sommer hindurch einen Prozeß durchzumachen, den man Fermentation nennt. Für diese Fermentation werden die beiden Arten Basma und Baschibagli unterschiedlich manipuliert. Und zwar werden die Baschibagliblätter, nachdem sie durch verschiedene Sortierungen nach Qualität und Größe eingeteilt sind, Blatt auf Blatt dicht übereinander gelegt und gepreßt. Offensichtlich benötigen die etwas fleischigeren Baschibagliblätter ein dichteres Aufeinanderlegen für die Fermentation als die feineren und kleineren Basmablätter.

An diesen beiden Manipulationsarten können die zum Versand fertigen Ballen schon unterschieden werden. Allerdings gibt es einzelne Baschibagliprovenienzen, die wie die Basma manipuliert werden, und umgekehrt ebenfalls. Vom allgemeinen Gebrauch abweichend wird in der Samsoun- und Schwarzmeer-Gegend der Tabak, der meist einen vorstehenden Stengel hat, übereinander gelegt, an den Stengeln mit Bast befestigt und in dieser Form zur Fermentation gebracht.

Es ist natürlich, daß das relativ große Gebiet der Anbauflächen orientalischer Tabake gewisse Verschiedenheiten in der Behandlung bedingt. Die gleiche Schwierigkeit ergibt sich bei der verschiedenen Bezeichnungsweise ähnlicher oder gleichartiger Sortierungen, die auch in den verschiedenen sprachlichen Vorbedingungen verschiedener Gegenden begründet ist.