Die Christliche Taufe im Lichte der hl. Schrift und der Geschichte von der Zeit ihrer Entstehung bis auf die Gegenwart

Part 3

Chapter 33,591 wordsPublic domain

Ebenso auch der berühmte und ehrwürdige +Johannes Goßner+. Er sagt: „Der Glaube wird von dem Heilande der Taufe vorangestellt, weil seine Augen zuerst nach dem Glauben sahen und die, so getauft werden, vor allem an ihn glauben müssen; denn des Glaubens Siegel soll die Taufe sein, wie Abraham die Beschneidung empfing zum Siegel des Glaubens, den er schon vor der Beschneidung hatte. Darum darf sich kein Maulchrist auf seine Taufe verlassen ohne Glauben.“[60]

Ferner ~Dr.~ +Olshausen+: „Das Bekenntnis ist als Bedingung der Taufe zu denken. Wo daher das Bekenntnis fehlte, da fiel auch die Taufe aus.“[61]

Und Stadtpfarrer +Bossert+ bezeugt: „Es ergibt sich, daß die Taufe in der Urgemeinde nur an solchen Personen vorgenommen wurde, welche zur Überzeugung geführt waren, daß Jesus der Messias ist, und welche bereit waren, alles auf sich zu nehmen, was für die Führung des Lebens sich aus diesem Glauben ergab.“[62] Und +Ernst Teichmann+ führt aus: „Die Taufe setzt den Glauben voraus. Wäre nicht zuerst der Glaube an Christum Jesum in dem Menschen vorhanden gewesen, so könnte die Taufe überhaupt nicht stattgefunden haben. Nur weil der Mensch gläubig geworden ist, wird er getauft und damit in die christliche Gemeinde aufgenommen.“[63]

Zuletzt ~Dr.~ +Martin Luther+ im Großen Katechismus: „Aufs dritte, weil wir den großen Nutzen und Kraft der Taufe haben, so laß nun weiter sehen, wer die Person sei, die solches empfange, was die Taufe gibt und nützet. Das ist abermals aufs feinste und klarste ausgedrückt eben mit den Worten: „Wer da glaubet und getauft wird, der wird selig,“ das ist, der +Glaube macht die Person allein würdig+, das heilsame göttliche Wasser +nützlich+ zu empfangen. Denn weil solches allhier in den Worten bei und mit dem Wasser vorgetragen und verheißen wird, kann es nicht anders empfangen werden, denn daß wir solches von Herzen glauben; ohne Glauben ist es nichts nütze, ob es gleich in ihm selbst ein göttlicher, überschwenglicher Schatz ist. Darum vermag das alleinige Wort „wer da glaubt“ so viel, daß es ausschließet und zurücktreibt alle Werke, die wir tun können, der Meinung, als dadurch Seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist beschlossen, was nicht Glaube ist, das tut nichts dazu, empfängt auch nichts.“[64]

Nach Ablauf des apostolischen Zeitalters

finden wir noch bis in das 4. Jahrh. hinein Spuren davon, daß Buße und Glaube als subjektive Bedingung der Taufe gefordert wurden. +Justin der Märtyrer+ (gest. 166), der berühmteste unter den griechischen Apologeten, berichtet: „Nur die, welche +wiedergeboren+ werden wollen und +Buße+ tun, empfangen die Taufe.“[65]

In +Tertullian+ (gest. 230) besitzen wir einen weiteren Zeugen dafür, daß ein Unterricht der Taufe voranging und der Glaube an den Gekreuzigten zum Empfang derselben erforderlich war. Er bezeugt dies in klaren Worten in seinem Protest gegen die Idee der Kindertaufe, bei welcher Gelegenheit er auch gleichzeitig den Grund dafür angibt: „Sie sollen demnach auch kommen, wenn sie herangewachsen sind, wenn sie gelernt haben, wenn sie darüber +belehrt+ sind, wohin sie gehen sollen; sie mögen Christen werden, sobald sie imstande sind, Christum zu kennen. Sie mögen lernen, um ihr Seelenheil bitten, damit es den Anschein gewinne, daß man nur einem Bittenden gegeben habe.“[66] Ferner schreibt er: „Sobald der Glaube an Umfang gewonnen hatte durch den Glauben an Christi Geburt, sein Leiden und seine Auferstehung, so kam auch eine Erweiterung durch das Sakrament hinzu, die Besiegelung durch die Taufe als äußere Hülle für den Glauben... Das Predigen ist das frühere, das Taufen das spätere.“[67] Ebenso in seiner Schrift „Vom Kranze des Soldaten“, wo er sagt, daß sie erst dann die Taufe erhalten, wenn sie „+vorher+ in der Kirche unter der Hand des Bischofs die Erklärung abgegeben, daß sie dem Teufel, seiner Pracht und seinen Engeln widersagen“.[68] Tertullian sah also in der Taufe gar keinen Wert, wenn sie an solchen Personen vollzogen wurde, denen das Selbstbewußtsein und der persönliche Glaube fehlte.

Prof. ~Dr.~ +Probst+ führt zu diesem Punkt aus: „Jeder Ungläubige, der um Aufnahme in die Kirche bat, wurde mit Freuden aufgenommen, jedoch nicht sogleich zur Taufe, sondern vorerst zum Katechumenate zugelassen. In ihm fand die Vorbereitung auf den Empfang der Taufe, sowohl nach der intellektuellen als moralischen Seite statt. Wenn die Katechumenen das, was gelehrt wurde, +glaubten und darnach zu leben+ versprachen, erhielten sie das Sakrament, während man schlecht vorbereitete Katechumenen zurückstellte oder ganz abwies.“[69] +Walfried Strabo+, ein bedeutender theologischer Schriftsteller der ersten Hälfte des 9. Jahrh., schreibt in seinem Buch ~De exordiis et incrementis rerum ecclesiasticarum~: „Es ist bemerkt, daß in primitivem Alter die Gnade der Taufe nur denjenigen gegeben wurde, die in Körper und Verstand zu solcher Reife herangewachsen waren, daß sie die Wohltat, die durch die Taufe erlangt wird, verstehen und würdigen.“ +Salmasius+ (gest. 1653) und +Suicerus+ (gest. 1684) erklären: „Die ersten zwei Jahrhunderte empfing keiner die Taufe, der nicht zuerst in dem Glauben und der Lehre Christi unterrichtet worden war.“[70]

Auch in der alexandrinischen Kirche, welche sich mit allen ihren theologischen und dogmatischen Begriffen von der nordafrikanischen wesentlich unterschied und wo die Lehre von der Notwendigkeit der Kindertaufe schon ziemlich vorherrschend war, finden wir noch die apostolische Einrichtung, der zufolge vom Täufling vor dem Empfang der Taufe rechtschaffene Früchte der Buße verlangt wurden, sowie ein offenes Bekenntnis seines Glaubens. Den Beweis dafür entnehmen wir den Schriften des +Origenes+: „Ich flehe euch an,“ sagt er, „nur mit großer Behutsamkeit zur Taufe zu kommen. Zeiget +vorher+ Früchte der rechtschaffenen Buße. Bringet einige Zeit mit göttlichem Gespräch zu, indem ihr euch vor allen Unreinigungen und allem Übel bewahrt, dann werdet ihr die Verzeihung der Sünde empfangen.“[71] „Laß ein jeder sich ins Gedächtnis zurückrufen, wie er zuerst zu dem Wasser der Taufe kam, als er die ersten Symbole des Glaubens empfing, und er sich dann dem Brunnen des Heils näherte, welche Worte er zu jener Zeit brauchte, wie er dem Teufel lossagte, daß er seine Gepränge nicht mehr brauchen würde, noch seine Worte, und daß er keinem seiner Dienste oder Vergnügungen nachkommen würde.“[72] Und in seiner Schrift gegen Celsus schreibt Origenes: „Wenn aber diejenigen unter den Ermahnten, die im Guten Fortschritte machen, zeigen, daß sie durch das Wort gereinigt worden sind und soviel als möglich ein besseres Leben geführt haben, +dann+ laden wir sie ein, sich in unsere Gemeinschaft aufnehmen zu lassen.“[73] „Wenn wir aber zur Gnade der Taufe kommen, +widersagen+ wir allen andern Göttern und Herrn und bekennen allein Gott den Vater und Sohn und hl. Geist.“ Hierzu bemerkt noch Prof. ~Dr.~ +Probst+: „Das Symbolum wurde aber vom Täufling nicht etwa auf gemachte Aufforderung vollständig hergesagt, sondern das Bekenntnis derselben geschah in der Form von Frage und Antwort.“[74]

Die Briefe Cyprians aus dem Ketzertaufstreite legen ebenfalls ein unzweideutiges Zeugnis dafür ab, daß das Glaubensbekenntnis vor der Taufe in Form von Frage und Antwort abgelegt wurde. Cyprian schreibt: „Es macht nun vielleicht jemand den Einwurf und sagt, Novatian halte sich mit der katholischen Kirche an dasselbe Gesetz, er taufe auf die gleiche Art wie wir, er anerkenne denselben Gott Vater, denselben Christus den Sohn, denselben hl. Geist und dürfe deshalb die Gewalt zu taufen in Anspruch nehmen, weil er in der Fragestellung bei der Taufe von uns nicht abzuweichen scheint. Wer immer nun diesen Einwand vorbringen zu müssen glaubt, der möge zuerst wissen, daß wir und die Schismatiker nicht dasselbe Glaubensbekenntnis bei der Taufe noch auch die nämliche Fragestellung haben. Denn wenn sie sagen: Glaubst du an den Sündennachlaß und an das ewige Leben durch die heilige Kirche? -- so lügen sie mit dieser Frage, da sie keine Kirche haben.“[75] Ebenso schreibt Cyprian im Namen zahlreicher auf einem Konzil versammelter Bischöfe: „Aber auch die bei der Taufe gebräuchliche +Fragestellung+ gibt der Wahrheit Zeugnis. Denn wenn wir sagen: Glaubst du an das ewige Leben und an die Vergebung der Sünden durch die heilige Kirche? so verstehen wir damit, daß nur in der Kirche Sündenvergebung erteilt werden könne.“[76]

Ein gleiches klares Zeugnis findet sich auch in den katechetischen Schriften des +Cyrill von Jerusalem+ (gest. 386). Nachdem der Täufling sich von Satan lossagte, wandte er sich gegen Sonnenaufgang und bekannte: „Ich glaube an den Vater und an den Sohn und an den hl. Geist und an eine Taufe der Buße.“[77] Dies bestätigt Cyrill in seiner zweiten mystagogischen Katechese, Kap. 4, indem er sagt: „Es wurde ein jedes gefragt, ob es glaube an den Namen des Vaters und des Sohnes und des hl. Geistes. Und er bekannte das heilbringende Bekenntnis.“

Es muß hier aber bemerkt werden, daß schon seit dem Anfang des 3. Jahrh. die Ablegung des Glaubensbekenntnisses vielfach nur noch etwas bloß Oberflächliches und Äußerliches war. Man gestaltete den Weg des Heils immer breiter und machte es den Heiden, die zur christlichen Kirche übertraten, leicht und bequem. Und da man es für verdienstlich hielt, die Herde Christi schnell zu vermehren, so suchten sich die sogenannten Heidenapostel durch Massenbekehrungen Ruhm zu erwerben. Gründlichen Unterricht im Evangelium und wahre Herzensbekehrung sah man bald als hinderliche Dinge an. Man ließ sich von dem falschen Grundsatz leiten, daß, wenn der Heide nur einmal der christlichen Kirche angehöre, der Geist des Evangeliums und die Wirksamkeit ihrer Lehrer ihn stufenweise weiterführen könne.

Nach diesem Grundsatz suchte +Gregorius Thaumaturgos+ (gest. 270), Glieder für die Kirche Jesu Christi zu gewinnen. +Neander+ schreibt in seiner Kirchengeschichte von ihm: „Da er wahrnahm, daß viele aus dem Volke durch die Liebe zu ihren alten mit dem Heidentume verbundenen Lustbarkeiten an die väterliche Religion gefesselt blieben, so wollte er den Neubekehrten einen +Ersatz+ dafür geben. Nach der decianischen Verfolgung (250), welche viele in dieser Gegend dem Märtyrertode zugeführt hatte, stiftete er ein allgemeines Märtyrerfest und erlaubte der rohen Menge, dies mit ähnlichen Gastmählern wie bei den heidnischen Totenfeiern (~Parentalia~) und bei andern heidnischen Festen zu feiern. Er meinte, so werde ein Hindernis der Bekehrung hinwegfallen, und wenn sie einmal Mitglieder der christlichen Kirche wären, würden sie nach und nach von selbst, nachdem ihr Sinn durch das Christentum vergeistigt worden, die sinnlichen Vergnügungen fahren lassen. Aber er bedachte nicht, welche Vermischung heidnischer und christlicher Vorstellungen und Gebräuche aus dieser Anbequemung hervorgehen konnte, -- was nachher wirklich geschah -- wie schwer das Christentum im Leben recht durchdringen konnte, wenn es von Anfang an durch diese Vermischung getrübt wurde.“[78]

Wie weit aber damals schon der sittliche Verfall der Christenheit vorgeschritten war, ersehen wir aus folgendem Zeugnis +Cyprians+: „Alle ließen sich nur die Vermehrung ihres Vermögens angelegen sein und waren, vergessend, was die Gläubigen früher zu den Zeiten der Apostel getan hatten und immer tun sollten, voll unersättlicher Habgier nur darauf bedacht, ihre Schätze zu vermehren. Bei den Priestern fehlte es an frommer Gottesfurcht, bei den Kirchendienern an wahrem Glauben, in den Werken an Barmherzigkeit, in den Sitten an Zucht.“ „Durch schlauen Betrug hinterging man die Herzen der Einfältigen, durch listige Kunstgriffe suchte man die Brüder zu berücken. Mit Ungläubigen knüpfte man das Band der Ehe, gab Heiden die Glieder Christi preis. Man schwur nicht bloß leichtsinnig sondern auch falsch, die Vorsteher verachtete man in hochmütigem Dünkel, verleumdete einander mit giftigem Munde, war gegenseitig mit andauerndem Hasse entzweit. Viele Bischöfe, welche die andern ermahnen und ihnen zum Beispiele dienen sollten, ließen sich mit Vernachlässigung ihres göttlichen Amtes zur Verwaltung weltlicher Geschäfte herab, entfernten sich von ihrem Stuhle, ließen das Volk im Stich, schweiften in fremden Provinzen umher und besuchten die Jahrmärkte, um einträgliche Geschäfte zu machen.“[79]

Überschreiten wir das 4. Jahrh., so werden wir finden, daß die biblischen Vorbedingungen der Taufe immer seltener und schließlich gänzlich außer acht gelassen werden. Durch die in der Mitte des 3. Jahrh. aufgekommene Kindertaufe finden wir die stärksten Verschiebungen der einzelnen Akte. Der bußfertige Glaube, der, wie wir sahen, in den Tagen der Apostel und auch noch bis in die Zeit des Cyrill von Jerusalem als subjektive Bedingung der Taufe gefordert wurde, mußte wegfallen, und das Ablegen des Glaubensbekenntnisses und Gelübdes kann heute nicht mehr vor der Taufe sondern viele Jahre nachher, nämlich erst bei der Konfirmation, stattfinden.

Die Art und Weise der Taufe.

Um uns über die Art und Weise der Taufe klar zu werden, d. h. wie die Taufe ausgeführt werden sollte, müssen wir zuerst den Sinn oder die Bedeutung der Wörter „Taufe“ oder „taufen“ verstehen. Diese zwei Wörter sind die Übersetzung der griechischen Wörter „~baptismos~“, „~baptizein~“ und „~bapto~“ und bedeuten eintauchen, versenken, untertauchen oder begraben. Alle guten griechischen Wörterbücher und Sprachlexika legen dem Wort diese Bedeutung bei.

Bei allen griechischen Schriftstellern und Historikern, wo die Wörter „~baptismos~“, „~baptizein~“ und „~bapto~“ von ihnen angewandt werden, bedeuten sie allemal ein Eintauchen ins Wasser. +Plutarch+ braucht sie vom Untertauchen ins Meer, und das Stammwort „~bapto~“ heißt beim +Aratus+ und +Sophokles+ ebenfalls untertauchen.[80] Auch +Polybius+, der Verfasser einer Universalgeschichte, sowie +Strabo+ und +Dio Cassius+ gebrauchten die Wörter in diesem Sinne. Wenn nun diese Männer diesen Wörtern die oben genannte Bedeutung beilegen, so können wir ihnen volles Vertrauen entgegenbringen, denn sie mußten doch ihre eigene Sprache besser kennen als Fremde.

Auch die größten Autoren und Sprachkundigen der neuen Zeit stimmen mit der hier gegebenen Erklärung der Wörter überein. So erklären ~Dr.~ +Holzmann+ und ~Dr.~ +Zöpffel+ das Wort „~baptismos~“ mit „Eintauchen ins Wasser“.[81] +Eisenlohr+, der von der Bedeutung dieses Wortes spricht, sagt: „Dieses heißt nach dem Urteil aller der griechischen Sprache Kundigen untertauchen.“[82] Und +Liebmann+ legt dem Worte „Taufe“ die Bedeutung von „vertiefen, in die Tiefe tun“, d. h. gleichfalls „untertauchen“, bei.[83] Ebenso ~Dr.~ +Heyne+: „Taufen, untertauchen, das Sakrament der Taufe vollziehen; ursprünglich Bewirkungswort zu tief mit der Bedeutung in die Tiefe, unter die Oberfläche (des Wassers) bringen.“[84] Dieselbe Erklärung geben auch +Bauch+ und +Bury+ in Luthers Kleinem Katechismus, S. 134. Sie schreiben: „Zu der ersten Zeit wurde die Taufe durch völliges Untertauchen im Wasser vollzogen, daher der Name „Taufe“, d. i. „Tauchen“.“ Ebenso +Weigand+ in seinem „Deutschen Wörterbuch“, sowie Prof. +Friedrich Kluge+ in seinem „Etymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache“, 5. Aufl., S. 373. Und +Luther+ sagt in seinem „Sermon von der Taufe“ vom Jahre 1519: „Die Taufe heißt auf griechisch ~baptismos~, zu Latein ~merso~, das ist, wenn man etwas ganz ins Wasser taucht, das über ihm zusammengeht. Und wiewohl an vielen Orten der Brauch nimmer ist, die Kinder in die Taufe ganz zu stoßen und zu tauchen, sondern sie allein mit der Hand aus der Taufe begießt: so sollte es doch so sein und wäre recht, daß man nach Laut des Wörtleins Taufe das Kind oder jeglichen, der getauft wird, ganz hinein ins Wasser senkte und taufte und wieder herauszöge. Denn auch ohne Zweifel in deutscher Zunge das Wörtlein „+Taufe+“ herkommt von dem Wort „+tief+“, daß man tief ins Wasser senkt, was man tauft. Das fordert auch die Bedeutung der Taufe; denn sie bedeutet, daß der alte Mensch und sündliche Geburt von Fleisch und Blut soll ganz ersäuft werden durch die Gnade Gottes. Darum sollte man der Bedeutung genugtun und ein recht vollkommenes Zeichen geben.“[85] ~Dr.~ +Augusti+ bestätigt dies, indem er schreibt: „Was zuvörderst die allgemein angenommene Benennung anbetrifft, so bezeichnen die beiden Formen: „~baptismus~“ und „~baptisma~“, sie mögen nun synonym [sinnverwandt] sein oder nicht, nach Etymologie und Sprachgebrauch ein +Untertauchen+, +Eintauchen+ usw.; und die Wahl des Ausdruckes verrät ein Zeitalter, wo die später üblich gewordene Besprengung (~ritus aspersionis~) noch nicht eingeführt war.... Die Griechen blieben auch stets bei dieser Bedeutung stehen.“[86]

Dies liefert uns den Beweis, daß, wo diese Wörter im N. Testament vorkommen, sie ebenfalls dieselbe Bedeutung haben. Doch versuchte man schon oft zu behaupten, und das besonders in neuerer Zeit, daß gewisse Wörter, wenn sie in der Bibel vorkommen, eine andere Bedeutung hätten, als wenn sie sonstwo gebraucht werden. Dies wird insbesondere von den griechischen Wörtern „~baptizein~“, „~bapto~“ und „~baptismos~“ behauptet. Diese Behauptung ist aber gänzlich unberechtigt. Man kommt zu dieser Behauptung nur dadurch, weil man den Sinn dieser Wörter von falschem Gebrauch oder Ausführung der Taufe abhängig macht, oder besser gesagt, man will durch die Handlung, wie sie heutzutage ausgeführt wird, den Sinn der Wörter bestimmen und erklären. Wenn wir aber nach dem Sinn eines Wortes suchen, sollten wir vor allem dasselbe von allen solchen fremden Elementen zu befreien suchen. In dem vorliegenden Falle hatte das Wort „Taufe“ einen festgelegten Sinn, bevor es gebraucht wurde, um eine christliche Handlung zu bezeichnen. Wenn aber die Handlung nicht so geschieht, daß sie dem Sinn des Wortes entspricht, dann kann uns das dafür gebrauchte Wort keinen korrekten Begriff von derselben übermitteln; und solch eine Anwendung würde nur dazu angetan sein, um große Verwirrung zu stiften.

Wir können durchaus nicht annehmen, daß der erhabene Stifter dieser Einrichtung in seiner Anweisung beabsichtigte, betreffs der Art und Weise der Ausführung der Taufe seine Nachfolger im Unklaren zu lassen. Er wählte vielmehr ein Wort, das eine +bestimmte+ Handlung in der Ausübung der Taufe und eine festbegründete und unverkennbare definitive Bedeutung hatte, nämlich die des Untertauchens. Aus dem bisher Gesagten ersehen wir klar, daß Untertauchen die einzig richtige Art und Weise der Vollziehung der christlichen Taufe ist.

Das Zeugnis des Neuen Testaments.

Das N. Testament wird uns in unserer Untersuchung eine gute Hilfsquelle sein. Es ist das zuverlässigste Geschichtswerk, das uns von den Taten Jesu und der Apostel berichtet. In ihm werden uns auch die vielen Taufen mitgeteilt, die in jenen Tagen durch die Apostel an den Neubekehrten vollzogen wurden, wobei wir die ursprüngliche Praxis der Taufe und mit ihr auch die bestimmte Form und Anwendung derselben finden. Wir unterwerfen deshalb die in Frage kommenden Stellen einer genauen Prüfung.

Die erste Stelle wäre Matth. 3, 5. 6. Hier wird uns erzählt, wie Johannes der Täufer auf Gottes Geheiß in die Wüste des jüdischen Landes ging, um zu predigen und dem kommenden Messias den Weg zu bereiten, ihm „zuzurichten ein bereit Volk“. Durch seine Predigt stellte er die Anforderung an seine Zuhörer, daß sie sollten „Buße“ tun und „glauben an den, der nach ihm kommen sollte, das ist an Jesum, daß der Christus sei“.[87] Wer nun dieser Aufforderung nachkam, wurde von Johannes getauft. Wir wollen aber bei dieser Gelegenheit eine für unsere Untersuchung sehr wichtige Frage nicht unbeachtet lassen, und das wäre die: Welche Art und Weise brachte Johannes bei der Ausführung dieser göttlichen Verordnung an diesen bußfertigen Sündern in Anwendung? Vollstreckte er diese wichtige Handlung durch Untertauchen, Übergießen oder Besprengen? Wir sind bei der Beantwortung dieser Frage durchaus nicht an menschliche Auslegungen, Meinungen und Ideen gebunden. Der göttliche Bericht ist so einfach und klar, daß er nicht mißverstanden werden kann. Er lautet: „Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem und das ganze jüdische Land und alle Länder an dem Jordan und ließen sich taufen von ihm im Jordan und bekannten ihre Sünden.“[88] Man beachte, daß es hier ausdrücklich heißt und ließen sich taufen von ihm nicht „am“ sondern „im“ Jordan. Außerdem wird uns noch berichtet, daß Johannes der Täufer sich eine Stelle im Jordan aussuchte, da „viel Wasser“ war. Siehe Joh. 3, 23. „Viel Wasser“ ist sicherlich nicht zur modernen Ausübung der Besprengung (~aspersio~) oder Begießung (~infusio~) nötig. Er wählte vielmehr Enon zur Taufe, weil er daselbst genügend tiefes Wasser zum Untertauchen (~immersio~) hatte, damit er in richtiger Art seines göttlichen Meisters Verordnung ausführen konnte. Dies wird ein jeder vorurteilsfreie und unbefangene Leser zugeben müssen.

Der Kirchenpropst A. +Caspers+ führt hierzu aus: „Johannes sagt ‚Ich taufe euch im Wasser‘, Matth. 3, 11 (vergl. Mark. 1, 8), womit aufs deutlichste ausgesprochen ist, daß die Taufe nicht im Hinabsteigen und Heraufsteigen aus dem Wasser besteht, sondern daß Johannes den Täufling, der in dem Wasser steht, in das Wasser, in welchem er steht, untertaucht, so daß das Wasser über des Täuflings Kopf zusammenschlägt, wodurch der Täufling im Wasser sich befindet wie ein Begrabener im Grabe.[89] Es zerfiel also die Taufe in drei Akte: in das Hinabsteigen des Täuflings in das Wasser, in das Untertauchen desselben von seiten des Täufers und das Heraussteigen aus dem Wasser.“[90]

Und +Calvin+ bemerkt zu der Stelle: „Von diesen Worten, Joh. 3, 23, können wir entnehmen, daß die Taufe von Johannes und Christo durch +Eintauchen+ des ganzen Leibes unter Wasser vollzogen wurde.“[91]

Auch +Olshausens+ Aussage ist bemerkenswert. Er sagt: „Als Jesus die Stadt verließ, begab er sich gegen den Jordan hin, wo er taufte, aber doch so, daß er im jüdischen Lande blieb. -- In der Nähe taufte auch Johannes, weil tiefes, zum Untertauchen bequemes Wasser da war.“[92]

~Dr.~ +Paulus Tassani+ in seiner Bibelausgabe Minden, 1716, zu Joh. 3, 23: „Wasser, d. h. Flüsse oder Bäche; weil diejenigen, so von Johannes getauft wurden, mit ihren ganzen Leibern in das Wasser gingen.“

Eine weitere Stelle wäre Matth. 3, 16. Hier heißt es „Da Jesus getauft war, +stieg er alsbald herauf aus dem Wasser+.“ Noch genauer gibt es uns der Evangelist Markus in Kap. 1, 9. 10 „Und es geschah in jenen Tagen, da kam Jesus von Nazareth in Galiläa und wurde von Johannes +in+ den Jordan getauft.“[93] Das „in den Jordan getauft“ und „er stieg alsbald aus dem Wasser“ gibt uns wieder vollständig den Sinn des Hineintauchens. Wir können hier nicht annehmen, daß Johannes bei der Taufe Jesu, was die Form derselben anbetrifft, etwas Besonderes getan habe. Er hat also unter „taufen“ nichts anderes als „untertauchen“ verstanden.

Dementsprechend schreibt auch ~Dr.~ +A. Caspers+: „Daß Taufen Untertauchen heißt, das tritt deutlich hervor in Mark. 1, 9, wo ausdrücklich gesagt wird: „Jesus wurde von Johannes in den Jordan getauft.“ Es bedarf also das Wort: „in den Jordan“ keiner Auflösung in zwei Sätze: er stieg in den Jordan hinab und ließ sich dann in dem Jordan taufen.“[94] Und +Vossius+ bezeugt: „Daß Johannes der Täufer und die Apostel diejenigen, welche sie tauften, untertauchten, leidet keinen Zweifel. Denn also lesen wir: Und sie ließen sich alle von ihm taufen im Jordan. -- Und da Jesus getauft war, stieg er bald herauf aus dem Wasser.“[95]