Part 6
Don Cesar. Tröste dich, Mutter! Redlich wollten wir Den Frieden, aber Blut beschloß der Himmel.
Isabella. O, ich weiß, du liebtest ihn, ich sah entzückt Die schönen Bande zwischen euch sich flechten! An deinem Herzen wolltest du ihn tragen, Ihm reich ersetzen die verlornen Jahre. Der blut'ge Mord kam deiner schönen Liebe Zuvor--Jetzt kannst du nichts mehr, als ihn rächen.
Don Cesar. Komm, Mutter, komm! Hier ist kein Ort für dich, Entreiß dich diesem unglücksel'gen Anblick! (Er will sie fortziehen.)
Isabella (fällt ihm um den Hals). Du lebst mir noch! Du, jetzt mein Einziger!
Beatrice. Weh, Mutter! Was beginnst du?
Don Cesar. Weine dich aus An diesem treuen Busen! Unverloren Ist dir der Sohn, denn seine Liebe lebt Unsterblich fort in deines Cesars Brust.
Erster Chor. (Cajetan, Berengar, Manfred.) Brechet auf, ihr Wunden! Redet, ihr stummen! In schwarzen Fluthen Stürzet hervor, ihr Bäche des Bluts!
Isabella (Beider Hände fassend). O meine Kinder!
Don Cesar. Wie entzückt es mich, In deinen Armen sie zu sehen, Mutter! Ja, laß sie deine Tochter sein! Die Schwester--
Isabella (unterbricht ihn). Dir dank' ich die Gerettete, mein Sohn! Du hieltest Wort, du hast sie mir gesendet.
Don Cesar (erstaunt). Wen, Mutter, sagst du, hab' ich dir gesendet?
Isabella. Sie mein' ich, die du vor dir siehst, die Schwester.
Don Cesar. Sie meine Schwester?
Isabella. Welche andre sonst?
Don Cesar. Meine Schwester?
Isabella. Die du selber mir gesendet.
Don Cesar. Und seine Schwester!
Chor. Wehe! Wehe! Wehe!
Beatrice. O, meine Mutter!
Isabella. Ich erstaune--Redet!
Don Cesar. So ist der Tag verflucht, der mich geboren!
Isabella. Was ist dir? Gott!
Don Cesar. Verflucht der Schooß, der mich Getragen!--Und verflucht sei deine Heimlichkeit, Die all dies Gräßliche verschuldet! Falle Der Donner nieder, der dein Herz zerschmettert, Nicht länger halt' ich schonen ihn zurück-- Ich selber, wiss' es, ich erschlug den Bruder, In ihren Armen überrascht' ich ihn; Sie ist es, die ich liebe, die zur Braut Ich mir gewählt--den Bruder aber fand ich In ihren Armen--Alles weißt du nun! --Ist sie wahrhaftig seine, meine Schwester, So bin ich schuldig einer Gräuelthat, Die keine Reu' und Büßung kann versöhnen!
Chor. (Bohemund.) Es ist gesprochen, du hast es vernommen, Das Schlimmste weißt du, nichts ist mehr zurück! Wie die Seher verkündet, so ist es gekommen, Denn noch Niemand entfloh dem verhängten Geschick. Und wer sich vermißt, es klüglich zu wenden, Der muß es selber erbauend vollenden.
Isabella. Was kümmert's mich noch, ob die Götter sich Als Lügner zeigen, oder sich als wahr Bestätigen? Mir haben sie das Ärgste Gethan--Trotz biet' ich ihnen, mich noch härter Zu treffen, als sie trafen--Wer für nichts mehr Zu zittern hat, der fürchtet sie nicht mehr. Ermordet liegt mir der geliebte Sohn, Und von dem lebenden scheid' ich mich selbst. Er ist mein Sohn nicht--Einen Basilisken Hab' ich erzeugt, genährt an meiner Brust, Der mir den bessern Sohn zu Tode stach. --Komm, meine Tochter! Hier ist unsers Bleibens Nicht mehr--den Rachegeistern überlass' ich Dies Haus--ein Frevel führte mich herein, Ein Frevel treibt mich aus--Mit Widerwillen Hab' ich's betreten und mit Furcht bewohnt, Und in Verzweiflung räum' ich's--Alles dies Erleid' ich schuldlos; doch bei Ehren bleiben Die Orakel, und gerettet sind die Götter. (Sie geht ab. Diego folgt ihr.)
Sechster Auftritt.
Beatrice. Don Cesar. Der Chor.
Don Cesar (Beatricen zurückhaltend). Bleib, Schwester! Scheide du nicht so von mir! Mag mir die Mutter fluchen, mag dies Blut Anklagend gegen mich zum Himmel rufen, Mich alle Welt verdammen! Aber du Fluche mir nicht! Von dir kann ich's nicht tragen!
Beatrice (zeigt mit abgewandtem Gesicht auf den Leichnam).
Don Cesar. Nicht den Geliebten hab' ich dir getödtet! Den Bruder hab' ich dir und hab' ihn mir Gemordet--Dir gehört der Abgeschiedne jetzt Nicht näher an, als ich, der Lebende, Und ich bin mitleidswürdiger, als er, Denn er schied rein hinweg, und ich bin schuldig.
Beatrice (bricht in heftige Thränen aus).
Don Cesar. Weine um den Bruder, ich will mit dir weinen, Und mehr noch--rächen will ich ihn! Doch nicht Um den Geliebten weine! Diesen Vorzug, Den du dem Todten gibst, ertrag' ich nicht. Den einz'gen Trost, den letzten, laß mich schöpfen Aus unsers Jammers bodenloser Tiefe, Daß er dir näher nicht gehört, als ich-- Denn unser furchtbar aufgelöstes Schicksal Macht unsre Rechte gleich, wie unser Unglück. In einen Fall verstrickt, drei liebende Geschwister, gehen wir vereinigt unter Und theilen gleich der Thränen traurig Recht. Doch wenn ich denken muß, daß deine Trauer Mehr dem Geliebten als dem Bruder gilt, Dann mischt sich Wuth und Neid in meinen Schmerz, Und mich verläßt der Wehmuth letzter Trost. Nicht freudig, wie ich gerne will, kann ich Das letzte Opfer seinen Manen bringen; Doch sanft nachsenden will ich ihm die Seele, Weiß ich nur, daß du meinen Staub mit seinem In einem Aschenkruge sammeln wirst.
(Den Arm um sie schlingend, mit einer leidenschaftlich zärtlichen Heftigkeit.)
Dich liebt' ich, wie ich nichts zuvor geliebt, Da du noch eine Fremde für mich warst. Weil ich dich liebte über alle Grenzen, Trag' ich den schweren Fluch des Brudermords, Liebe zu dir war meine ganze Schuld. --Jetzt bist du meine Schwester, und dein Mitleid Fordr' ich von dir als einen heil'gen Zoll.
(Er sieht sie mit ausforschenden Blicken und schmerzlicher Erwartung an, dann wendet er sich mit Heftigkeit von ihr.)
Nein, nein, nicht sehen kann ich diese Thränen-- In dieses Todten Gegenwart verläßt Der Muth mich, und die Brust zerreißt der Zweifel-- --Laß mich im Irrthum! Weine im Verborgnen! Sieh nie mich wieder--niemals mehr--Nicht dich, Nicht deine Mutter will ich wieder sehen, Sie hat mich nie geliebt! Verrathen endlich Hat sich ihr Herz, der Schmerz hat es geöffnet. Sie nannt' ihn ihren bessern Sohn!--So hat sie Verstellung ausgeübt ihr ganzes Leben! --Und du bist falsch, wie sie! Zwinge dich nicht! Zeig' deinen Abscheu! Mein verhaßtes Antlitz Sollst du nicht wieder sehn! Geh hin auf ewig!
(Er geht ab. Sie steht unschlüssig, im Kampf widersprechender Gefühle, dann reißt sie sich los und geht.)
Siebenter Auftritt.
Chor. (Cajetan.) -- -- -- -- -- -- -- Wohl Dem! Selig muß ich ihn preisen, Der in der Stille der ländlichen Flur, Fern von des Lebens verworrenen Kreisen, Kindlich liegt an der Brust der Natur. Denn das Herz wird mir schwer in der Fürsten Palästen, Wenn ich herab vom Gipfel des Glücks Stürzen sehe die Höchsten, die Besten In der Schnelle des Augenblicks!
Und auch Der hast sich wohl gebettet, Der aus der stürmischen Lebenswelle, Zeitig gewarnt, sich heraus gerettet In des Klosters friedliche Zelle, Der die stachelnde Sucht der Ehren Von sich warf und die eitle Lust Und die Wünsche, die ewig begehren, Eingeschläfert in ruhiger Brust. Ihn ergreift in dem Lebensgewühle Nicht der Leidenschaft wilde Gewalt, Nimmer in seinem stillen Asyle Sieht er der Menschheit traur'ge Gestalt. Nur in bestimmter Höhe ziehet Das Verbrechen hin und das Ungemach, Wie die Pest die erhabnen Orte fliehet, Dem Qualm der Städte wälzt es sich nach.
(Berengar, Bohemund und Manfred.) Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte; Die Welt ist vollkommen überall, Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.
(Der ganze Chor wiederholt.) Auf den Bergen u. s. w.
Achter Auftritt.
Don Cesar. Der Chor.
Don Cesar (gefaßter). Das Recht des Herrschers üb' ich aus zum letzten Mal, Dem Grab zu übergeben diesen theuren Leib, Denn dieses ist der Todten letzte Herrlichkeit. Vernehmt denn meines Willens ernstlichen Beschluß, Und wie ich's euch gebiete, also übt es aus Genau--Euch ist in frischem Angedenken noch Das ernste Amt, denn nicht von langen Zeiten ist's, Daß ihr zur Gruft begleitet eures Fürsten Leib. Die Todtenklage ist in diesen Mauern kaum Verhallt, und eine Leiche drängt die andre fort Ins Grab, daß eine Fackel ander andern sich Anzünden, auf der Treppe Stufen sich der Zug Der Klagemänner fast begegnen mag. So ordnet denn ein feierlich Begräbnißfest In dieses Schlosses Kirche, die des Vaters Staub Verwahrt, geräuschlos bei verschloßnen Pforten an, Und Alles werde, wie es damals war, vollbracht.
Chor. (Bohemund.) Mit schnellen Händen soll dies Werk bereitet sein, O Herr--denn aufgerichtet steht der Katafalk, Ein Denkmal jener ernsten Festlichkeit, noch da, Und an den Bau des Todes rührte keine Hand.
Don Cesar. Das war kein glücklich Zeichen, daß des Grabes Mund Geöffnet blieb im Hause der Lebendigen. Wie kam's, daß man das unglückselige Gerüst Nicht nach vollbrachtem Dienste alsobald zerbrach?
Chor. (Bohemund.) Die Noth der Zeiten und der jammervolle Zwist, Der gleich nachher, Messina feindlich theilend, sich Entflammt, zog unsre Augen von den Todten ab, Und öde blieb, verschlossen dieses Heiligthum.
Don Cesar. Ans Werk denn eilet ungesäumt! Noch diese Nacht Vollende sich das mitternächtliche Geschäft! Die nächste Sonne finde von Verbrechen rein Das Haus und leuchte einem fröhlichen Geschlecht.
(Der zweite Chor entfernt sich mit Don Manuels Leichnam.)
Erster Chor. (Cajetan.) Soll ich der Mönche fromme Brüderschaft hieher Berufen, daß sie nach der Kirche altem Brauch Das Seelenamt verwalte und mit heil'gem Lied Zur ew'gen Ruh einsegne den Begrabenen?
Don Cesar. Ihr frommes Lied mag fort und fort an unserm Grab Auf ew'ge Zeiten schallen bei der Kerze Schein; Doch heute nicht bedarf es ihres reinen Amts, Der blut'ge Mord verscheucht das Heilige.
Chor. (Cajetan.) Beschließe nichts gewaltsam Blutiges, o Herr, Wider sich selber wüthend mit Verzweiflungsthat; Denn auf der Welt lebt Niemand, der dich strafen kann, Und fromme Büßung kauft den Zorn des Himmels ab.
Don Cesar. Nicht auf der Welt lebt, wer mich richten strafen kann, Drum muß ich selber an mir selber es vollziehn. Bußfert'ge Sühne, weiß ich, nimmt der Himmel an; Doch nur mit Blut büßt sich ab der blut'ge Mord.
Chor. (Cajetan.) Des Jammers Fluthen, die auf dieses Haus gestürmt, Ziemt dir zu brechen, nicht zu häufen Leid auf Leid.
Don Cesar. Den alten Fluch des Hauses lös' ich sterbend auf, Der freie Tod nur bricht die Kette des Geschicks.
Chor. (Cajetan.) Zum Herrn bist du dich schuldig dem verwaisten Land, Weil du des andern Herrscherhauptes uns beraubt.
Don Cesar. Zuerst den Todesgöttern zahl' ich meine Schuld, Ein andrer Gott mag sorgen für die Lebenden.
Chor. (Cajetan.) So weit die Sonne leuchtet, ist die Hoffnung auch, Nur von dem Tod gewinnt sich nichts! Bedenk' es wohl!
Don Cesar. Du selbst bedenke schweigend deine Dienerpflicht! Mich laß dem Geist gehorchend, der mich furchtbar treibt, Denn in das Innre kann kein Glücklicher mir schaun. Und ehrst du fürchtend auch den Herrscher nicht in mir, Den Verbrecher fürchte, den der Flüche schwerster drückt! Das Haupt verehre des Unglücklichen, Das auch den Göttern heilig ist--Wer das erfuhr, Was ist erleide und im Busen fühle, Gibt keinem Irdischen mehr Rechenschaft.
Neunter Auftritt.
Donna Isabella. Don Cesar. Der Chor.
Isabella (kommt mit zögernden Schritten und wirft unschlüssige Blicke auf Don Cesar. Endlich tritt sie ihm näher und spricht mit gefaßtem Ton). Dich sollten meine Augen nicht mehr schauen, So hatt' ich mir's in meinem Schmerz gelobt; Doch in die Luft verwehen die Entschlüsse, Die eine Mutter, unnatürlich wüthend, Wider des Herzens Stimme faßt--Mein Sohn! Mich treibt ein unglückseliges Gerücht Aus meines Schmerzens öden Wohnungen Hervor--Soll ich ihm glauben? Ist es wahr, Daß mir ein Tag zwei Söhne rauben soll?
Chor. (Cajetan.) Entschlossen siehst du ihn, festen Muths, Hinab zu gehen mit freiem Schritte Zu des Todes traurigen Thoren. Erprobe du jetzt die Kraft des Blutes, Die Gewalt der rührenden Mutterbitte! Meine Worte hab' ich umsonst verloren.
Isabella. Ich rufe die Verwünschungen zurück, Die ich im blinden Wahnsinn der Verzweiflung Auf dein geliebtes Haupt herunter rief. Eine Mutter kann des eignen Busens Kind, Das sie mit Schmerz geboren, nicht verfluchen. Nicht hört der Himmel solche sündige Gebete; schwer von Thränen, fallen sie Zurück von seinem leuchtenden Gewölbe. --Lebe, mein Sohn! Ich will den Mörder lieber sehn Des einen Kindes, als um beide weinen.
Don Cesar. Nicht wohl bedenkst du, Mutter, was du wünschest Dir selbst und mir--Mein Pfad kann nicht mehr sein Bei den Lebendigen--Ja, könntest du Des Mörders gottverhaßtes Antlitz auch Ertragen, Mutter, ich ertrüge nicht Den stummen Vorwurf deines ew'gen Grams.
Isabella. Kein Vorwurf soll dich kränken, keine laute, Noch stumme Klage in das Herz dir schneiden. In milder Wehmuth wird der Schmerz sich lösen, Gemeinsam trauernd, wollen wir das Unglück Beweinen und bedecken das Verbrechen.
Don Cesar (faßt ihre Hand, mit sanfter Stimme). Das wirst du, Mutter. Also wird's geschehn. In milder Wehmuth wird dein Schmerz sich lösen-- Dann, Mutter, wenn ein Todtenmal den Mörder Zugleich mit dem Gemordeten umschließt, Ein Stein sich wölbet über beider Staube, Dann wird der Fluch entwaffnet sein--Dann wirst Du deine Söhne nicht mehr unterscheiden, Die Thränen, die dein schönes Auge weint, Sie werden einem wie dem andern gelten, Ein mächtiger Vermittler ist der Tod. Da löschen alle Zornesflammen aus, Der Haß versöhnt sich, und das schöne Mitleid Neigt sich, ein weinend Schwesterbild, mit sanft Anschmiegender Umarmung auf die Urne. Drum, Mutter, wehre du mir nicht, daß ich Hinuntersteige und den Fluch versöhne.
Isabella. Reich ist die Christenheit an Gnadenbildern, Zu denen wallend ein gequältes Herz Kann Ruhe finden. Manche schwere Bürde Ward abgeworfen in Lorettos Haus, Und segensvolle Himmelskraft umweht Das heil'ge Grab, das alle Welt entsündigt. Vielkräftig auch ist das Gebet der Frommen, Sie haben reichen Vorrath an Verdienst, Und auf der Stelle, wo ein Mord geschah, Kann sich ein Tempel reinigend erheben.
Don Cesar. Wohl läßt der Pfeil sich aus dem Herzen ziehn, Doch nie wird das verletzte mehr gesunden. Lebe, wer's kann, ein Leben der Zerknirschung, Mit strengen Bußkasteiungen allmählich Abschöpfend eine ew'ge Schuld--Ich kann Nicht leben, Mutter, mit gebrochnem Herzen. Aufblicken muß ich freudig zu den Frohen Und in den Äther greifen über mir Mit freiem Geist--Der Neid vergiftete mein Leben, Da wir noch deine Liebe gleich getheilt. Denkst du, daß ich den Vorzug werde tragen, Den ihm dein Schmerz gegeben über mich? Der Tod hat eine reinigende Kraft, In seinem unvergänglichen Palaste Zu echter Tugend reinem Diamant Das Sterbliche zu läutern und die Flecken Der mangelhaften Menschheit zu verzehren. Weit, wie die Sterne abstehn von der Erde, Wird er erhaben stehen über mir, Und hat der alte Neid uns in dem Leben Getrennt, da wir noch gleich Brüder waren, So wurd er rastlos mir das Herz zernagen, Nun er das Ewige mir abgewann Und, jenseits alles Wettstreits, wie ein Gott In der Erinnerung der Menschen wandelt.
Isabella. O, hab' ich euch nur darum nach Messina Gerufen, um euch Beide zu begraben! Euch zu versöhnen, rief ich euch hieher, Und ein verderblich Schicksal kehret all Mein Hoffen in sein Gegentheil mir um!
Don Cesar. Schilt nicht den Ausgang, Mutter! Es erfüllt Sich Alles, was versprochen ward. Wir zogen ein Mit Friedenshoffnungen in diese Thore, Und friedlich werden wir zusammen ruhn, Versöhnt auf ewig, in dem Haus des Todes.
Isabella. Lebe, mein Sohn! Laß deine Mutter nicht Freundlos im Land der Fremdlinge zurück, Rohherziger Verhöhnung preisgegeben, Weil sie der Söhne Kraft nicht mehr beschützt.
Don Cesar. Wenn alle Welt dich herzlos kalt verhöhnt So flüchte du dich hin zu unserm Grabe Und rufe deiner Söhne Gottheit an; Denn Götter sind wir dann, wir hören dich, Und wie des Himmels Zwillinge, dem Schiffer Ein leuchtend Sternbild, wollen wir mit Trost Die nahe sein und deine Seele stärken.
Isabella. Lebe, mein Sohn! Für deine Mutter lebe! Ich kann's nicht tragen, Alles zu verlieren!
(Sie schlingt ihre Arme mit leidenschaftlicher Heftigkeit um ihn; er macht sich sanft von ihr los und reicht ihr die Hand mit abgewandtem Gesicht.)
Don Cesar. Leb wohl!
Isabella. Ach, wohl erfahr' ich's schmerzlich fühlend nun, Daß nichts die Mutter über dich vermag! Gibt's keine andre Stimme, welche dir Zum Herzen mächt'ger als die meine dringt? (Sie sieht nach dem Eingang der Scene.) Komm, meine Tochter! Wenn der todte Bruder Ihn so gewaltig nachzieht in die Gruft, So mag vielleicht die Schwester, die geliebte, Mit schöner Lebenshoffnung Zauberschein Zurück ihn locken in das Licht der Sonne.
Letzter Auftritt.
Beatrice erscheint am Eingang der Scene. Donna Isabella. Don Cesar und der Chor.
Don Cesar (bei ihrem Anblick heftig bewegt sich verhüllend). O Mutter! Mutter! Was ersannest du?
Isabella (führt sie vorwärts). Die Mutter hat umsonst zu ihm gefleht, Beschwöre du, erfleh' ihn, daß er lebe!
Don Cesar. Arglist'ge Mutter! Also prüfst du mich! In neuen Kampf willst du zurück mich stürzen? Das Licht der Sonne mir noch theurer machen Auf meinem Wege zu der ew'gen Nacht? --Da steht der holde Lebensengel mächtig Vor mir, und tausend Blumen schüttet er Und tausend goldne Früchte lebenduftend Aus reichem Füllhorn strömend vor mir aus, Das Herz geht auf im warmen Strahl der Sonne, Und neu erwacht in der erstorbnen Brust Die Hoffnung wieder und die Lebenslust.
Isabella. Fleh' ihn, dich oder Niemand wird er hören, Daß er den Stab nicht raube dir und mir.
Beatrice. Ein Opfer fordert der geliebte Todte; Es soll ihm werden, Mutter--Aber mich Laß dieses Opfer sein! Dem Tode war ich Geweiht, eh' ich das Leben sah. Mich fordert Der Fluch, der dieses Haus verfolgt, und Raub Am Himmel ist das Leben, das ich lebe. Ich bin's, die ihn gemordet, eures Streits Entschlafne Furien geweckte--Mir Gebührt es, seine Manen zu versöhnen!
Chor. (Cajetan.) O jammervolle Mutter! Hin zum Tod Drängen sich eifernd alle deine Kinder Und lassen dich allein, verlassen stehen Um freudlos öden, liebeleeren Leben.
Beatrice. Du, Bruder, rette dein geliebtes Haupt! Für deine Mutter lebe! Sie bedarf Des Sohnes; erst heute fand sie eine Tochter, Und leicht entbehrt sie, was sie nie besaß.
Don Cesar (mit tief verwundeter Seele). Wir mögen leben, Mutter, oder sterben, Wenn sie nur dem Geliebten sich vereinigt!
Beatrice. Beneidest du des Bruders todten Staub?
Don Cesar. Er lebt in deinem Schmerz ein selig Leben, Ich werde ewig todt sein bei den Todten.
Beatrice. O Bruder!
Don Cesar (mit dem Ausdruck der heftigsten Leidenschaft). Schwester, weinest du um mich?
Beatrice. Lebe für unsre Mutter!
Don Cesar (läßt ihre Hand los, zurücktretend). Für die Mutter?
Beatrice (neigt sich an seine Brust). Lebe für sie und tröste deine Schwester.
Chor. (Bohemund.) Sie hat gesiegt! Dem rührenden Flehen Der Schwester konnt' er nicht widerstehen. Trostlose Mutter! Gieb Raum der Hoffnung, Er erwählt das Leben, die bleibt dein Sohn!
(In diesem Augenblick läßt sich ein Chorgesang hören, die Flügelthüre wird geöffnet, man sieht in der Kirche den Katafalk aufgerichtet und den Sarg von Candelabern umgeben.)
Don Cesar (gegen den Sarg gewendet). Nein, Bruder! Nicht dein Opfer will ich dir Entziehen--deine Stimme aus dem Sarg Ruft mächt'ger dringend als der Mutter Thränen Und mächt'ger als der Liebe Flehn--Ich halte In meinen Armen, was das ird'sche Leben Zu einem Loos der Götter machen kann-- Doch ich, der Mörder, sollte glücklich sein, Und deine heil'ge Unschuld ungerächet Im tiefen Grabe liegen?--Das verhüte Der allgerechte Lenker unsrer Tage, Daß solche Theilung sei in seiner Welt-- --Die Thränen sah ich, die auch mir geflossen, Befriedigt ist mein Herz, ich folge dir.
(Er durchsticht sich mit einem Dolch und gleitet sterbend an seiner Schwester nieder, die sich der Mutter in die Arme wirft.)
Chor (Cajetan.) (nach einem tiefen Schweigen). Erschüttert steh' ich, weiß nicht, ob ich ihn Bejammern oder preisen soll sein Loos. Dies Eine fühl' ich und erkenn' es klar: Das Leben ist der Güter höchstes nicht, Der Übel größtes aber ist die Schuld.