Part 5
So lebte Maria in ihrem Hüttchen bei Mott’s Mühle, Pike Township, Berks County, dreißig Jahre lang, bis sie im Jahre 1819 in hohem Alter das Ewige mit dem Zeitlichen segnete und von ihrem Jammer, Kummer und Sorgen befreit wurde. Die Nachricht von ihrem Hinscheiden versetzte die ganze Nachbarschaft in tiefe Trauer, und aus weiter Ferne kamen Männer und Frauen, um noch einmal das Antlitz derjenigen zu sehen, die der Menschheit so viel Gutes gethan. Das Leichenbegängniß war das größte, welches jemals in Pike Township stattgefunden. Kein Haus war in Oley und den angrenzenden Townships, das nicht seine Repräsentanten zu demselben gesandt, und weit her kamen Trauernde zu Wagen und zu Pferde, um der Maria die letzte Ehre zu erweisen.
Der Sarg war mit den schönsten Kränzen und Blumen geschmückt. Als Pfarrer Conrad Miller die Leichenrede hielt, blieb kein Auge thränenleer.
Die Grabstätte ist noch immer gut erhalten und wird heute noch, wie ein Bewohner von Pike Township dem Erzähler dieser Geschichte neulich versicherte, von vielen Verehrern der Verstorbenen besucht.
Ein Herr aus Oley Township, welcher die Schicksale der armen Maria kannte, schrieb bei ihrem Tode die folgende Grabschrift:[3]
Hier unter diesem Steine Sanft ruhen die Gebeine Der frommen Maria. Ihr Herz und ganzes Leben War ihrem Gott ergeben, Das man an ihrem Wandel sah.
Sie hat ganz unverdrossen, Bis dreißig Jahr verflossen, In Einsamkeit gewohnt. Ihr Angesichtes Züge Verriethen Gottes Lieb’, Damit der Herr sie hat belohnt.
Nachdem sie schon verschieden, Sah man den süßen Frieden In ihrem Angesicht. Es war voll Lieb’ und Wonn’ Als zur Gnaden-Sonn’ Noch immer hingericht.
Nun ist sie weggenommen, Gott hieß sie zu sich kommen, Aus diesem Jammerthal, Wo auf den Himmels-Auen Sie Jesum wird erschauen, Mit seiner auserwählten Zahl.
[3] Siehe Daniel Rupps Geschichte von Berks und Lebanon. Jahrgang 1844.