Die Anfänge der Naturbeherrschung. 1. Frühformen der Mechanik
Part 8
Die vorkolumbische Menschheit schied sich in zwei große Teile: den metallverarbeitenden Westen, aus Europa, Asien und Afrika bestehend, und den metallosen Osten, der aus Australien, Ozeanien und Amerika bestand. Wer das erste Kupfer geschmolzen und verarbeitet, die erste Bronze legiert und das erste Eisen verhüttet hat, ist noch immer eine Streitfrage, doch denkt man bei Kupfer und Bronze einheitlich wenigstens an den vorderasiatisch-europäischen Kulturkreis. Beim Eisen ist man nicht einmal so weit, da für seine Entdeckung und erste Verarbeitung auch die Neger Afrikas in Frage kommen können; ja, Professor v. Luschan hat direkt den Beweis zu führen versucht, daß unsere Eisentechnik aus Afrika komme, also beim Neger älter sei als selbst im alten Orient. Träfe das zu, so bedeutete es einen ungeheuern Triumph für diese Rasse, zugleich allerdings auch einen ebenso niederschmetternden Beweis für ihre technische Unfähigkeit, etwas nicht einmal ohne Geschick Errungenes nun auch zielbewußt weiter auszubauen.
Die Anfänge sind in der Tat vollkommen sachgemäß und einwandfrei: richtige Hochöfen vom Prinzip unseres älteren rheinischen Ofens mit Gicht, Schachtraum, Rast, Schmelzraum und Herd und vollkommen rationeller Beschickung mit abwechselnden Lagen von Holzkohle und Eisenstein; dazu Einlaßdüsen für Gebläse, die das Erz zwar nicht bis zum Schmelzfluß bringen, wohl aber zum Zusammensintern, so daß es sich mit leichter Mühe aus der entstandenen Luppe herausschmieden läßt. Also alles in allem ein vortrefflicher, vielversprechender Auftakt, nur schade, daß das Stück nicht weitergeführt worden ist.
Genau dasselbe Bild zeigen die Gebläse. Abbildung 43 zeigt die beiden afrikanischen Typen kombiniert mit dem malaiischen. Von jenen besteht der eine aus einem abgezogenen Tierbalg mit drei zugebundenen Beinen, während in das vierte die zum Hochofen oder Schmiedefeuer führende Düse eingefügt ist. Ventil ist der oben belassene Schlitz, der beim Herunterdrücken mit Hilfe zweier angebundener Längsstäbchen geschlossen, beim Hochziehen geöffnet wird. Das ist der Schlauchblasebalg. Der andere Typ besteht aus einer Art großen Doppellöffels aus Holz oder Ton, dessen beide Aushöhlungen mit Fell oder großen Blättern überspannt sind, in deren Mitte je ein langer Stab eingebunden ist. Das ist der Gefäßblasebalg. Die Handhabung geschieht durch abwechselndes Heben und Senken beider Stäbe, wodurch ein annähernd gleichmäßiger Luftstrom entsteht. Der malaiische Blasebalg endlich gleicht im Aufbau unserer Saug- und Druckpumpe, wie sie jedermann von der Feuerspritze her kennt: in den Bambuszylindern laufen an Stöcken befestigte Kolben auf und nieder und pressen die Luft in die seitlich angesetzte Düse.
Allen drei Systemen gemeinsam ist der Mangel an eigentlichen Ventilen, d. h. Klappen, durch welche die Luft beim Hub von unten her oder seitlich zugeführt werden könnte; überall muß sie sich vielmehr einen Weg durch die Düse selbst oder, wie beim malaiischen Blasebalg, an der Undichtigkeit der Stempel entlang suchen. Hier sind wir also an der oberen Grenze des Schlußvermögens jener Rassen angelangt; darüber hilft auch der Umstand nicht hinweg, daß der Malaie sich die Elastizität der eingespannten Bambusstange zunutze macht, die ihn wenigstens des Stempelhubs überhebt und dadurch nicht unerheblich entlastet.
Mit der Elastizität haben sich sowohl der Arktiker wie der Südasiat und der Neger ungleich besser zu stellen verstanden als mit so knifflichen Fragen wie der des Ventils, was aus der unendlich langen Holzzeit, welche die junge Menschheit hat durchlaufen müssen, durchaus erklärlich erscheint. Das Hauptverwendungsbereich liegt natürlich da, wo es auf die Auslösung plötzlicher Energie ankommt, also beim Bogen und der Armbrust und den unterschiedlichen Tierfallen. Alle drei sind so späte Errungenschaften, daß sie nicht Zeit gefunden haben, den Weg um die ganze Erde zurückzulegen. Mehrfach erfunden zu werden, sind sie aber bereits zu kompliziert, so einfach sie uns verwöhnten Europäern auch erscheinen mögen. Abbildung 44 zeigt den indonesisch-afrikanischen Haupttypus, Abbildung 45 eine in Hinterindien heimische Form dieser Tierfallen. Jeder halbwüchsige europäische Knabe wird imstande sein, die Konstruktion alsbald nachzuempfinden und zu erläutern; wieviel Generationen sich aber dort unten am Äquator den Kopf an dieser immerhin nicht ganz kleinen Häufung physikalischer Probleme zermartert haben mögen, bis das Werk zu der heutigen Vollendung heranreifte, das ist nicht auszudenken.
Fußnoten:
[1] _K. Weule_, Die Kultur der Kulturlosen. Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde Franckh'sche Verlagshandlung. Stuttgart 1910. S. 51-60. Auch die beiden anderen einschlägigen Kosmosbändchen »Kulturelemente der Menschheit« und »Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge« sind in den folgenden Ausführungen oftmals herangezogen worden.
[2] Illustrierter Führer durch die vorgeschichtliche Abteilung des Weimarer Städtischen Museums. Herausgegeben im Auftrage der Stadt Weimar von Armin Möller, Kustos. Verlag des Städtischen Museums.
[3] _L. v. Pfaundler_, Die Physik des täglichen Lebens. 3. Auflage. Stuttgart und Berlin 1913. S. 272. Auf das ausgezeichnete Buch hat oftmals zurückgegriffen werden können.
[4] _A. Heilborn_, Allgemeine Völkerkunde. ~I.~ Aus Natur und Geisteswelt Nr. 487. S. 64.
[5] _H. Th. Horwitz_, Beiträge zur außereuropäischen und vorgeschichtlichen Technik. Jahrbuch des Vereins deutscher Ingenieure. 1916. Bd. 7. S. 181; _F. M. Feldhaus_, Über die Saftpresse der Guayana-Indianer. Zeitschrift für angewandte Chemie. Jahrgang 31. Nr. 53 vom 2. Juli 1918; _K. Weule_, Zusammenhänge und Konvergenz. Petermanns geograph. Mitteilungen. 1920. S. 70.
[6] _O. T. Mason_, ~The human beast of burden~. ~Report of the United States National Museum 1887~, S. 255.
[7] _Berthold Laufer_, ~Chinese pottery of the Han Dynasty~. Leiden 1909, S. 72 ff.
[8] _Globus_, Band 79 und 80; _M. P. Porsild_, ~The principle of the screw in the technique of the Eskimo~. ~American Anthropologist. N. S. Vol. 17~, Nr. 1; _B. Laufer_, ~The Eskimo screw as a Culture-Historical Problem~, ebenda, Nr. 2; _Horwitz_, a. a. O.
[9] Vgl. _Walther Vogel_, Geschichte der deutschen Seeschiffahrt. ~I.~ Berlin 1915. S. 515.
[10] Vgl. Dr. _P. Hambruch_, Die Schiffahrt auf den Karolinen- und Marshall-Inseln. Meereskunde. Sammlung volkstümlicher Vorträge. 6. Jahrgang, 6. Heft. S. 10.
[11] Dr. _A. Haberlandt_, Die Trinkwasserversorgung primitiver Völker. Petermanns geogr. Mitteilungen. Erg.-Heft 174. Gotha 1912.
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1. Gruppe 1904-1907. Broschiert M 65.60, gebunden M 101.20.
$1904$ Bölsche, W., Abstammung des Menschen. -- Meyer, Dr. M. W., Weltuntergang. -- Zell, Ist das Tier unvernünftig? (Dopp.-Bd.) -- Meyer, Dr. M. W., Weltschöpfung.
$1905$ Bölsche, W., Stammbaum der Tiere. -- Francé, Sinnesleben der Pflanzen. -- Zell, Dr. Th., Tierfabeln. -- Teichmann, Dr. E., Leben und Tod. -- Meyer, Dr. M. W., Sonne und Sterne.
$1906$ Francé, Liebesleben der Pflanzen. -- Meyer, Dr. M. W., Rätsel der Erdpole. -- Zell, Dr. Th., Streifzüge durch die Tierwelt. -- Bölsche, W., Im Steinkohlenwald. -- Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.
$1907$ Francé, Streifzüge im Wassertropfen. -- Zell, Dr. Th., Straußenpolitik. -- Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore. -- Teichmann, Fortpflanzung und Zeugung. -- Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.
2. Gruppe 1908-1911. Broschiert M 65.60, gebunden M 101.20.
$1908$ Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane. -- Teichmann, Dr. E., Die Vererbung. -- Sajó, Krieg und Frieden im Ameisenstaat. -- Dekker, Naturgeschichte des Kindes. -- Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes.
$1909$ Francé, Bilder aus dem Leben des Waldes. -- Meyer, Dr. M. W., Der Mond. -- Sajó, Prof. K., Die Honigbiene. -- Floericke, Kriechtiere und Lurche Deutschlands. -- Bölsche, W., Der Mensch in der Tertiärzeit.
$1910$ Koelsch, Pflanzen zwischen Dorf und Trift. -- Dekker, Fühlen und Hören. -- Meyer, Dr. M. W., Welt der Planeten. -- Floericke, Säugetiere fremder Länder. -- Weule, Kultur der Kulturlosen.
$1911$ Koelsch, Durch Heide und Moor. -- Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken. -- Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit. -- Floericke, Vögel fremder Länder. -- Weule, Kulturelemente der Menschheit.
3. Gruppe 1912-1915. Broschiert M 65.60, gebunden M 101.20.
$1912$ Gibson-Günther, Was ist Elektrizität? -- Dannemann, Wie unser Weltbild entstand. -- Floericke, Fremde Kriechtiere und Lurche. -- Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge. -- Koelsch, Würger im Pflanzenreich.
$1913$ Bölsche, Festländer und Meere. -- Floericke, Einheimische Fische. - Koelsch, Der blühende See. -- Zart, Bausteine des Weltalls. -- Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.
$1914$ Bölsche, Wilh., Tierwanderungen in der Urwelt. -- Floericke, Dr. Kurt, Meeresfische. -- Lipschütz, Dr. A., Warum wir sterben. -- Kahn, Dr. Fritz, Die Milchstraße. -- Nagel, Dr. Osk., Romantik der Chemie.
$1915$ Bölsche, Wilh., Der Mensch der Zukunft. -- Floericke, Dr. K., Gepanzerte Ritter. -- Weule, Prof. Dr. K., Vom Kerbstock zum Alphabet. -- Müller, A. L., Gedächtnis und seine Pflege. -- Besser, H., Raubwild und Dickhäuter.
4. Gruppe 1916-1920. Brosch. M 68.80, gebunden M 106.25.
$1916$ Bölsche, Stammbaum der Insekten. -- Dekker, Dr., Heilen und Helfen. -- Floericke, Dr., Bulgarien. -- Weule, Krieg in den Tiefen der Menschheit (Doppelband).
$1917$ Besser, Natur- und Jagdstudien in Deutsch-Ostafrika. -- Floericke, Dr., Plagegeister. -- Hasterlik, Dr., Speise und Trank. -- Bölsche, Schutz- und Trutzbündnisse in der Natur.
$1918$ Floericke, Forscherfahrt in Feindesland. -- Fischer-Defoy, Schlafen und Träumen. -- Kurth, Zwischen Keller und Dach. -- Hasterlik, Dr., Von Reiz- und Rauschmitteln.
$1919$ Bölsche, Eiszeit und Klimawechsel. -- Zell, Neue Tierbeobachtungen. -- Floericke, Spinnen und Spinnenleben. -- Kahn, Die Zelle.
$1920$ Fischer-Defoy, Lebensgefahr in Haus und Hof. -- Francé, Die Pflanzen als Erfinder. -- Floericke, Schnecken und Muscheln. -- Lämmel, Wege zur Relativitätstheorie.
Alle 4 Gruppen auf einmal bezogen: brosch. M 226.50, geb. M 352.--
Einzeln bezogen kostet jed. Band brosch. M 4.20, geb. M 6.60 (für Nichtmitgl. je M 5.20 bezw. M 7.80). Die Jahrgänge 1904-1916 (je 5 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 18.--, geb. je M 28.20. Die Jahrgänge 1917-1920 (je 4 Bände) kosten für Mitglieder brosch. je M 14.40, geb. je M 22.40.
Vom Kosmos-Handweiser sind noch geringe Vorräte von 1910, 1911, 1913, 1914, 1915, 1917, 1918, 1919, 1920 vorhanden. Jeder Band kostet für Mitglieder brosch. M 10.--, geb. M 19.50 (für Nichtmitglieder brosch. M 12.--, geb. M 24.--).
Schriften über Völkerkunde u. Völkerforschung
von
Prof. Dr. Karl Weule:
Die Kultur der Kulturlosen
Ein Blick in die Anfänge menschlicher Geistesbetätigung Mit 3 Tafeln und zahlreichen Abbildungen.
Kulturelemente der Menschheit
Anfänge und Urformen der materiellen Kultur Mit 4 Tafeln und zahlreichen Abbildungen.
Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge
Mit zahlreichen Abbildungen.
Vom Kerbstock zum Alphabet. Urformen der Schrift
Mit zahlr. Abbild. nach Originalaufnahmen u. Originalzeichnungen
Der Krieg in den Tiefen der Menschheit.
Mit zahlr. Abbildungen nach Originalzeichnungen. (Doppelband).
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STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI HOLZINGER & Co., STUTTGART
+--------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | | gebräuchlich waren, wie: | | | | anderen -- andern | | Baumwoll-Entkernungsmaschine -- Baumwollentkernmaschine | | Druckes -- Drucks | | Eingeborenen -- Eingebornen | | Eskimo-Schraube -- Eskimoschraube | | Flaschenzuges -- Flaschenzugs | | Fortschrittes -- Fortschritts | | Leitungsvermögen -- Leitvermögen | | Neu-Mecklenburg -- Neumecklenburg | | Raumes -- Raums | | Rovuma-Gebiet -- Rovumagebiet | | Tipití-Problem -- Tipitíproblem | | ungeheuern -- ungeheuren | | unseren -- unsern | | | | Interpunktion wurde ohne Erwähnung korrigiert. | | Im Text wurden folgende Änderungen vorgenommen: | | | | S. 5: »Breewarina« in »Brewarrina« geändert. | | S. 17: »besondern« in »besonderen« geändert. | | S. 18: »Satz von Parallelogramm« in »Satz vom | | Parallelogramm« geändert. | | S. 34: »gradliniger« in »geradliniger« geändert. | | S. 42: »untern« in »unteren« geändert. | | S. 46f: »Breewarina« in »Brewarrina« geändert. | | S. 51: »Drallprovinzen« in »Drallprovenienzen« geändert. | | S. 52: »Schildkrotplatten« in »Schildkrötplatten« geändert. | | S. 60: »untern« in »unteren« geändert. | | S. 60: »kürzern« in »kürzeren« geändert. | | S. 60: »längern« in »längeren« geändert. | | S. 66: »allertiefstehenden« in »allertiefststehenden« | | geändert. | | S. 72f: »untern« in »unteren« geändert. | | S. 74: »ältern« in »älteren« geändert. | | S. 75: »obern« in »oberen« geändert. | | S. 77: »Wilh. Boelsche« in »Wilh. Bölsche« geändert. | +--------------------------------------------------------------+
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