Die Akkumulatoren: ihre Theorie, Herstellung, Behandlung und Verwendung.

Part 10

Chapter 103,382 wordsPublic domain

Die Elemente müssen so aufgestellt werden, daß man zu jeder Zelle freien Zutritt hat zwecks einer Besichtigung, Messung der Säuredichte oder sonstiger vorzunehmender Arbeiten, z. B. Auswechselung defekt gewordener Platten. Daher sollten bei kleineren Zellen nicht mehr als zwei Reihen neben- und übereinander auf demselben Gestelle stehen; größere Zellen müssen auf dem Boden nebeneinander aufgestellt werden. Nach den Vorschriften des Verbandes Deutscher Elektrotechniker müssen die Zellen von Batterien für hohe Spannungen so angeordnet sein, daß bei der Bedienung eine zufällige gleichzeitige Berührung von 2 Punkten, zwischen denen eine Potentialdifferenz von mehr als 250 Volt herrscht, nicht stattfinden kann. Bei Batterien in Anlagen mit mehr als 250 Volt Gebrauchsspannung zwischen 2 Leitern oder mehr als 2 × 250 Volt in Dreileiteranlagen sind nach den Vorschriften des V. D. E. Lattenlaufböden erforderlich. (Isolation gegen Erde.)

Die ~Gestelle~ werden aus sorgfältig geteerten oder mit Paraffinöl durchtränkten Balken hergestellt. Der Gebrauch von Nägeln, Schrauben, Bandagen aus Eisen ist zu verwerfen, da diese durch die Säure angegriffen werden; die Verbindung der einzelnen Teile des Gestelles muß daher durch Holzpflöcke geschehen.

Große Sorgfalt ist auf die ~Isolation~ zu verwenden, da die Außenseiten der Elemente auch bei guter Bedienung nicht ganz trocken bleiben. Die einzelnen Zellen sind gegeneinander und gegen das Gestell und dieses gegen die Erde durch nichthygroskopische Unterlagen zu isolieren. Bei größerer Batteriespannung kann man Ölisolatoren verwenden, deren oberer Teil größer ist als der untere, so daß etwa herabfließende Säure über den oberen (überhängenden) Teil hinwegtropft, der untere Teil des Isolators also trocken bleibt.

Die im Akkumulatorenraume verlegten Drähte müssen mit säurefester Farbe angestrichen werden. --

Als ~Zellen~ benutzt man Gefäße aus Glas, Zelluloid, Hartgummi und Holz. Glas isoliert gut, ist billig und ermöglicht eine genaue Besichtigung des Inneren des Elementes. Für transportable Akkumulatoren verwendet man Hartgummi oder Zelluloid und versieht die Zellen mit einem Deckel; noch vorhandene Fugen werden mit einem säurefesten und elastischen Kitt verstrichen. Zelluloid soll bei Akkumulatorenbatterien für mehr als 16 Volt Spannung als Material für Gefäße nicht verwendet werden.

Zelluloid ist zwar leicht entzündbar, da aber die Wände von innen durch die Säure gekühlt werden, so wird es nicht leicht vorkommen, daß das Zelluloid bis zur Entzündungstemperatur erhitzt wird. Es hat die Vorzüge, daß es gegen Stöße unempfindlich ist, leicht verarbeitet werden kann und durchsichtig ist; ferner können Gefäße aus diesem Stoffe repariert werden.

Für große Elemente benutzt man Holzkasten, die mit Bleiblech im Innern verkleidet werden. Natürlich dürfen die Platten diese Verkleidung nicht berühren.

~Einbau~. Die Platten werden bei stationären Elementen meistens mittels zweier Fahnen oder Nasen auf dem oberen Rande des Gefäßes aufgehängt (s. Fig. 21), damit sie sich frei ausdehnen können. Die Oberflächen der einzelnen Platten müssen genau parallel laufen, und der Abstand zwischen zwei benachbarten Platten soll in der ganzen Zelle derselbe sein. Hängt nämlich eine Platte schief, so werden die Stellen, die den kleinsten Abstand haben, am stärksten beansprucht, so daß Krümmungen eintreten können; diese können wiederum Abbröckeln der aktiven Masse und Kurzschluß herbeiführen. Hat ferner eine positive Platte von den beiden benachbarten Elektroden ungleichen Abstand, so werden ihre beiden Seiten nicht gleichmäßig ausgenutzt, ebenso nicht die der betreffenden positiven Platte zugewendeten Seiten der negativen Elektroden. Parallelität und gleiche Abstände erreicht man am einfachsten dadurch, daß man zwischen je zwei Platten eine genügende Anzahl von Glasstäben schiebt, die alle denselben Durchmesser haben, und durch elastische Bleistreifen oder Gummipuffer einen seitlichen Druck gegen die Platten ausüben läßt (s. Fig. 21).

Zwischen der unteren Plattenkante und dem Boden des Gefäßes muß sich ein größerer Zwischenraum befinden, in dem sich herabfallende aktive Masse sammeln kann (Vermeidung eines inneren Kurzschlusses).

In Fig. 22 ist schematisch dargestellt (für 2 Elemente), wie die Platten angeordnet und mit einander verbunden werden. Warum die erste und letzte Platte einer jeden Zelle negativ sind, wurde früher dargelegt (s. S. 62). Man sieht, daß die positiven Fahnen der ersten Zelle mit den negativen Fahnen der zweiten durch eine Bleileiste verbunden sind. -- Bei kleinen Elementen, die nur aus einer positiven und zwei negativen Platten bestehen, verbindet man die beiden letzteren wohl auch durch einen Steg.

Der Abstand der Platten richtet sich nach deren Größe; einerseits darf er nicht zu groß sein, damit der innere Widerstand der Zelle nicht unnötig groß wird, anderseits darf er nicht so klein sein, daß eine Besichtigung der Platten erschwert oder unmöglich wird; auch kann sich bei geringen Abständen leicht Kurzschluß bilden. Bei kleinen Platten (bis etwa 3 qdm einseitiger Oberfläche) beträgt der Abstand in der Regel 8 bis 10 mm, bei mittelgroßen (bis 6 qdm) 10 bis 12 mm und bei großen 12 bis 15 mm. Bei kleinen transportablen Akkumulatoren sollte der Abstand der Platten reichlich groß gewählt werden, damit Kurzschluß durch herausfallende Masse möglichst vermieden und eine genaue Besichtigung des Innern der Zelle leicht ausführbar ist.

Seit einigen Jahren ist man dazu übergegangen zwischen die einzelnen Platten ~Holzbrettchen~ oder dergl. zu schieben. Wir haben bereits gesehen, daß man der aktiven Masse der negativen Platten indifferente Substanzen zusetzt, um die Verbleiung zu verhindern. Die aktive Masse quillt dann leicht aus dem Gitter, sie kann herausfallen und Kurzschluß bewirken. Um diesem Übelstande zu steuern, bedeckt die Firma ~Gottfried Hagen~ in Cöln-Kalk die negative Elektrode mit einer gelochten Hartgummiplatte, die durch die Glasröhren gegen das Gitter gepreßt wird. Die Perforierung ist eine so feine, daß jedes Durchtreten von Partikeln, die sich loslösen, durch die Öffnungen ausgeschlossen ist und die Säure dennoch leicht zirkulieren kann. Werden Holzkasten für die Zellen verwendet, bei denen Glasröhren keinen Zweck haben, da man ohnehin nicht das Zelleninnere besichtigen kann, so werden Hartgummiplatten verwendet, die auf der einen Seite mit Rippen versehen sind (s. Fig. 23); diese vertreten die Stelle der Glasröhren.

Nach den Montagevorschriften der ~Akkumulatoren-Fabrik Aktien-Gesellschaft~ werden zwischen die einzelnen Platten Holzbrettchen geschoben, die etwas größer sind als die Platten. Die Brettchen werden in die Schlitze von Holzstäben geschoben (siehe Fig. 24). Diese sind etwas dünner als die Plattenzwischenräume und sitzen anfangs etwas lose. Da die Stäbe in der Säure quellen, so sitzen sie bald fest. Auf diese Weise wird erreicht, daß zwischen Platten und Brettchen ein enger Zwischenraum ist und die aktive Masse mit einer genügend großen Menge von Säure in Berührung ist. Die Brettchen erfahren eine besondere Vorbehandlung in der Fabrik, und es sollen (infolgedessen?) aus dem Holz Stoffe in Lösung treten, die ein Sulfatieren der Platten fast unmöglich machen, so daß die Kapazität lange bleibt. Die Wirksamkeit der Brettchen soll, da die betreffenden Stoffe sich nur langsam ausscheiden, für lange Jahre vorhalten. Außerdem dienen die Brettchen auch als Mittel zur Verhinderung von Kurzschluß.

Es empfiehlt sich, die Zellen mit Glasplatten zu bedecken, weil dann Säurepartikelchen, die beim „Kochen‟ durch die Gase mitgerissen werden, zurückgehalten werden und verhindert wird, daß von der Decke abbröckelnder Kalk oder dgl. in die Säure fällt.

Für die Elemente der ~Automobilbatterien~ werden Hartgummikasten verwendet. Die Platten werden auch mit Zwischenlagen aus perforiertem Hartgummiblech oder aus Holzbrettchen eingebaut. Die einzelnen Elemente werden so miteinander verbunden, daß schadhafte Zellen leicht ausgewechselt werden können; man benutzt biegsame Verbindungen aus Bleistreifen oder verbleiten Kupferstreifen, die beiderseits durch Schrauben befestigt werden.

~Säure~. An die ~Reinheit~ der Schwefelsäure und des zum Nachfüllen zu benutzenden Wassers sind, wie sich aus früheren Betrachtungen (s. S. 107 und S. 110) ergeben dürfte, die ~höchsten Anforderungen zu stellen~. Sie müssen vor allem frei sein von metallischen Verunreinigungen. Fremde Metalle (s. Selbstentladung) bewirken das sogen. Nachgasen. Man prüft die Säure auf die Anwesenheit schädlicher Metalle dadurch, daß man mittels eines sauberen Holzspans ein Stückchen Zink in eine Probe bringt, die sich in einem Reagenzglas befindet. Sind schädliche Metalle in der Säure, so bilden sich Lokalelemente, und es wird elektrolytisch Wasserstoff abgeschieden, man sieht beständig feine Gasbläschen emporsteigen. Der Versuch, der etwa ½ Stunde dauern sollte, wird 3mal wiederholt; bleibt ~einmal~ die stetige Bläschenbildung aus, so ist die Säure frei von schädlichen Metallen.

Der Elektrolyt muß ferner frei sein von Chlor, Salpetersäure und salpetriger Säure, Arsenverbindungen und Essigsäure. Auch ganz minimale Mengen dieser Substanzen sind dem Akkumulator sehr schädlich; sie wirken nämlich zerstörend auf den Bleikern, indem sie Blei lösen. Die Bleiverbindung wird durch den Strom zersetzt und die Verunreinigung wird wieder frei usw. (s. Formation).

~Untersuchung auf Salpetersäure~: Man löst etwas Brucin in konzentrierter Schwefelsäure und setzt der Schwefelsäureprobe einige Tropfen der Lösung zu. Bei Gegenwart auch der geringsten Menge Salpetersäure erfolgt Rotfärbung.

Stickstoffverbindungen können auch in der Weise nachgewiesen werden, daß man in Wasser eine gleiche Menge konzentrierter Schwefelsäure eintropfen läßt und der heißen Lösung etwas Indigolösung zusetzt. Wird die Flüssigkeit entfärbt, so ist die Säure nicht brauchbar.

~Die Untersuchung auf Chlor~ ist mit besonderer Sorgfalt auszuführen. 5 cm³ (ca. 9 Gramm) Säure werden mit 50 cm³ destilliertem Wasser gemischt[108]; nach 5-6 Stunden setzt man etwas Salpetersäure und 20prozentige Silbernitratlösung (Höllensteinlösung) zu. Nach einstündigem Stehen darf die Flüssigkeit keine weiße Färbung, höchstens ganz schwaches Opalisieren zeigen. (Es bildet sich bei Gegenwart von Chlorverbindungen unlösliches, weißes Chlorsilber.)

~Arsenverbindungen~ werden durch eingeleiteten Schwefelwasserstoff in braunes, unlösliches Schwefelarsen umgewandelt.

Zum Füllen der Elemente benutzt man verdünnte Schwefelsäure vom spezifischen Gewichte 1,15 bis 1,17; sind die Positiven Großoberflächenplatten, so kann die Säure etwas stärker sein. Die Dichte der Säure wird bei den ersten Ladungen etwas größer, da die Paste noch weiter formiert wird und hierbei Schwefelsäure frei wird. -- Da bei der Vermischung von Schwefelsäure und Wasser eine starke Wärmeentwickelung erfolgt und explosionsartige Erscheinungen auftreten, wenn man Wasser in Schwefelsäure gießt, so muß man die Schwefelsäure in dünnem Strahle unter Umrühren dem Wasser zusetzen. Mittels des Aräometers konstatiert man, ob die Mischung das gewünschte spezifische Gewicht hat. Erst nach dem Erkalten darf die Säure in die Akkumulatorengefäße gegossen werden. Muß man einen Trichter benutzen, so verwende man einen solchen aus Glas oder Porzellan.

Da die Untersuchung der Schwefelsäure und die Herstellung der Mischung umständlich ist, so empfiehlt es sich, die Säure durch die Akkumulatorenfabrik oder durch Handlungen zu beziehen, die von der Akkumulatorenfabrik empfohlen werden.

Die Säure soll die oberen Kanten der Platten mindestens 1 cm überragen; vor allem darf es nicht vorkommen, daß der obere Teil der Platten aus der Säure herausragt. Im Laufe der Zeit ändert sich die Menge und die Dichte der Säure, da Wasser verdampft, kleine Säureteilchen von den bei der Ladung sich bildenden Gasblasen mitgerissen werden und die Kapazität der Platten zu- bezw. abnehmen kann; wächst diese im Laufe der Zeit, so wird bei der Entladung mehr Säure verbraucht und die Schwankungen der Säuredichte werden größer. Meistens genügt es, durch Zusatz von destilliertem Wasser[109] die Säure auf die richtige Höhe zu bringen; von Zeit zu Zeit jedoch muß man die Säuredichte der einzelnen Zellen sowohl im vollständig geladenen wie im vollständig entladenen Zustande messen und eventuell Akkumulatorensäure hinzufügen (nie konzentrierte Säure, da diese die Platten angreift). Man setzt am besten die Säure vor Beginn der Ladung zu, indem die Gasblasen eine Vermischung bewirken. Im entladenen Zustande beträgt die Säuredichte meist 1,15, im geladenen Zustande kann sie bis 1,20 betragen. Eine zu niedrige Säuredichte schadet übrigens dem Akkumulator nicht, wohl aber eine zu hohe (Begünstigung der Sulfatierung, Verringerung der Lebensdauer). Säure, die beim Nachfüllen verschüttet wird, ist sofort abzuwaschen, damit die Isolatoren trocken bleiben.

Die Säuredichte mißt man mittels eines ~Aräometers~, dessen Körper so flach ist, daß man es in den engen Zwischenraum zwischen den Platten einführen kann. Sind die Zellen mit einem Deckel versehen, so benutzt man ein ~Aräometer~ mit ~Saugheber~ und Gummiball. Bei genauen Untersuchungen ist zu beachten, daß die Säure in der Nähe des Gefäßbodens etwas konzentrierter ist. Durch Einblasen von Luft kann man eine Vermischung herbeiführen.

In der folgenden Tabelle ist das spezifische Gewicht, das Mischungsverhältnis und der Widerstand von 1 cm³ verdünnter Schwefelsäure angegeben.

Spezifisches | Gewichts- | Grade | Widerstand eines Gewicht bei | prozente | Baumé | Kubikcent. 15° | H₂SO₄ | | (angenähert) =============+===========+=======+================== 1,10 | 14,35 | 13,0 | 2,2 Ohm 1,12 | 17,01 | 15,4 | 1,8 „ 1,14 | 19,61 | 17,7 | 1,6 „ 1,16 | 22,20 | 19,8 | 1,5 „ 1,18 | 24,76 | 22,0 | 1,45 „ 1,20 | 27,32 | 24,0 | 1,4 „ 1,22 | 29,84 | 26,0 | 1,38 „ 1,224 | 30,50 | 26,6 | 1,36 „ (Minimum)

Zuweilen verwendet man für die Füllung transportabler Akkumulatoren ~gelatinöse Schwefelsäure~, die aus Schwefelsäure, Wasserglas und Asbest hergestellt wird. Die ~Trockenfüllung~ leidet an den Nachteilen, daß der innere Widerstand des Elementes stark erhöht und die Kapazität wesentlich verringert wird. Die Füllung muß mit einer Schicht flüssiger Säure von etwa 5 mm Dicke bedeckt sein, ev. ist destilliertes Wasser oder stark verdünnte Säure zuzusetzen.

Für Automobilbatterien verwendet man, da man die Säuremenge, um das Gewicht zu verringern, möglichst klein macht, Säure von etwas höherer Konzentration als bei Zellen für stationäre Anlagen; im geladenen Zustande darf die Säuredichte den Wert 1,25 erreichen.

Muß eine Zelle ~geleert werden~, so zieht man die Säure mittels eines Hebers ab; die Platten werden in destilliertem Wasser aufbewahrt. Die betreffende Zelle muß, nachdem sie neu montiert ist, stark überladen werden. Zu dem Zwecke schaltet man sie während der Ladung der Batterie mit den anderen Zellen in Reihe, man verbindet sie also mit den beiden benachbarten Zellen. Nach Beendigung der Ladung wird eine der beiden Verbindungen beseitigt und der positive Pol des einen Nachbars mit dem negativen Pole des anderen verbunden (~Überbrückung~). Unsere Zelle ist also während der Entladung der Batterie ausgeschaltet. Bei der folgenden Ladung wird sie wieder mitgeladen usw.

~Die Vorschriften für die Ladung und Entladung~ weichen in einzelnen Punkten bei den verschiedenen Firmen voneinander ab, was ja schon durch den Umstand erklärt werden kann, daß die Fabrikate verschieden sind. Die folgenden Vorschriften dürften aber allgemein gültig sein.

Die ~erste Ladung~ (nach der Montage) soll, wenn eben möglich, ohne Unterbrechung so lange fortgesetzt werden, bis bei allen Zellen an beiden Elektroden reichlich Gas entwickelt wird. Ihre Dauer ist eine große (24-48 Stunden), da die aktive Masse, besonders bei den negativen Platten, an der Luft (während des Transportes, der Montage) verändert wird, so daß eine nachträgliche Formierung erfolgen muß. Am längsten dauert natürlich die erste Ladung, wenn die negativen Platten unformiert versandt wurden.

Die späteren Ladungen sollen, wenn möglich sofort, spätestens aber 24 Stunden nach Beendigung der Entladung erfolgen (s. Sulfatierung). Falls die ~Batterie stark erschöpft~ ist, was bei Betriebsstörungen, z. B. bei einer Reparatur der Dynamo, vorkommen kann, so muß ~sofort~ gründlich aufgeladen werden. Zu beachten ist, daß man den positiven Pol der Batterie mit dem positiven Pole der Stromquelle verbinden muß (ev. Polreagenzpapier benutzen). Der maximale Ladestrom (gewöhnlich gleich der maximalen Entladestromstärke) darf nicht überschritten werden. Man lädt so lange, bis bei sämtlichen Elementen der Batterie an beiden Elektroden lebhafte Gasentwicklung erfolgt. Der Wärter hat die Pflicht, bei jeder Ladung nachzusehen, ob alle Zellen gasen[110].

Finden täglich mehrere Teilladungen statt, so darf nur ~eine~ bis zur vollen Gasentwicklung durchgeführt werden, die anderen dagegen sind sofort abzubrechen, wenn an einer Elektrode Gasentwicklung beginnt.

Will man (im Laboratorium) große und kleine Zellen gleichzeitig laden, so schaltet man zwei oder mehrere der kleinen Zellen parallel, bildet aus diesen gleichsam einen größeren Akkumulator, oder man wählt den Strom so, daß er der kleinsten Type angepaßt ist.

Es ist darauf zu achten, daß die mit dem Zellenschalter verbundenen Elemente nicht zu lange überladen werden.

Auch dann, wenn eine Batterie nicht oder nur wenig benutzt wird (Laboratorium), muß von Zeit zu Zeit, etwa alle 14 Tage, aufgeladen werden (siehe Selbstentladung). Automobilbatterien sollen nach jeder Fahrt geladen werden.

Die Ladestromstärke darf, wie wir bereits sahen, eine gewisse Größe nicht überschreiten; sie ist, wenn an beiden Platten Gasentwicklung erfolgt, auf etwa die Hälfte des ursprünglichen Wertes herabzusetzen. Hierfür kann man verschiedene Gründe angeben. Wird die Gasentwicklung zu stürmisch, so werden viele kleine Partikelchen der wirksamen Masse losgesprengt. Ferner hat die Elektrodenspannung, wenn die Stromstärke nicht vermindert wird, einen hohen Wert, und es kann sich Überschwefelsäure bilden (s. S. 14). Auch wird bei starker Gasentwicklung zu viel Säure verspritzt.

Bei Lichtanlagen arbeiten die Dynamo und Batterie parallel. Die Ladung der Batterie muß, ehe der Parallelbetrieb beginnt, beendet sein, ein ~Nachladen~ bei ausgeschaltetem Ladeschalter ist unter allen Umständen ~zu vermeiden~, weil es zu einer Schädigung der mittleren Schaltzellen führt.

Wir wollen uns dies an einem bestimmten Falle klar machen. Es handle sich um eine Lichtanlage, bei der die Spannung in der Zentrale 115 Volt beträgt. Es sind 115:1,8 = 64 Zellen erforderlich; von diesen seien 12 mit dem Doppelzellenschalter Verbunden. Die Ladung sei soweit fortgeschritten, daß die Spannung jeder Zelle 2,2 Volt beträgt. Dann werde zum Parallelbetrieb übergegangen. Die Ladung kann nur durch den Entladeschalter geschehen (s. S. 173). Es können dann nur 115:2,2 = 52 Zellen Strom bekommen, die 12 letzten Zellen werden also nicht mit geladen. Muß die Batterie später Strom abgeben, so sind anfänglich 115 : 2 = 58 Zellen an der Stromlieferung beteiligt. Die Zellen 53 bis 58 werden also überanstrengt, da sie bei der Nachladung keinen Strom erhielten.

Die Akkumulatoren-Fabrik Akt.-Ges. schreibt für ihre Batterien vor, daß unter normalen Verhältnissen etwa alle 3 Monate eine ~Ladung mit Ruhepausen~ erfolgen soll (s. S. 114). Durch diese sucht man offenbar einer beginnenden Sulfatation vorzubeugen. Die Ladung geschieht in der Weise, daß die Maschine abgeschaltet wird, sobald an beiden Elektroden die Gasentwicklung beginnt; die Batterie ist vom Netze zu trennen. In diesem Ruhezustande soll sie mindestens 1 Stunde stehen bleiben. Dann wird wieder geladen bis zur Gasentwicklung, wieder abgeschaltet etc. Ladungen und Ruhepausen sollen solange aufeinander folgen, bis ~sofort~ nach dem Einschalten der Maschine Gasentwicklung beginnt. Bei den Nachladungen soll die Stromstärke natürlich kleiner als die normale sein. Dasselbe Verfahren soll angewandt werden, wenn die Batterie zu stark beansprucht und wenn sie wiederholt ungenügend geladen worden ist.

Zellen, die voraussichtlich längere Zeit nicht benutzt werden, sind gründlich aufzuladen (Selbstentladung); besonders schnell geht die Selbstentladung bei Großoberflächenplatten vor sich.

Der Wärter hat die Pflicht, alle ~Zellen bei~ jeder ~Ladung~ zu beobachten; besondere Aufmerksamkeit soll er den Schaltzellen zuwenden. Es kommt zuweilen vor, daß eine ~Zelle~ gegen die anderen ~zurückbleibt~[111]; es erfolgt keine Gasentwicklung, wenn die Nachbarn schon lange „kochen‟, die Säuredichte steigt nicht oder doch nur sehr langsam an. Eine solche Zelle ist auf ~Kurzschluß~ zu untersuchen. Ein solcher kann verursacht werden dadurch, daß sich eine Platte krümmt oder dadurch, daß ein Fremdkörper in die Zelle hineinfällt oder daß aktive Masse aus dem Gitter herausfällt. Er hat zur Folge, daß der Ladestrom sich verzweigt und nur ein Bruchteil des Stromes durch die Säure fließt, d. h. eine elektrochemische Wirkung ausübt. Nach der Ladung entlädt sich die Zelle in sich selbst; denn der den Kurzschluß bewirkende Körper bildet eine leitende Verbindung zwischen den beiden Polen. Bei einer solchen Zelle tritt bald Sulfatierung ein, die mit einer Kapazitätsabnahme verbunden ist.

Das Vorhandensein eines Kurzschlusses kann man mittels eines kleinen Kompasses feststellen. Diesen legt man nacheinander zwischen zwei benachbarte Fahnen; kommt man an eine Platte, die Kurzschluß hat, so wird die Nadel durch das magnetische Feld des Stromes abgelenkt.

Die ~Vorschriften für die Entladung~ sind größtenteils schon in den Betrachtungen des Kapitels 4 enthalten. Es sei daran erinnert, daß eine gewisse Stromstärke nicht überschritten werden darf. Dies ist besonders beim Experimentieren im Laboratorium etc. zu beachten. Ist man im Zweifel, wie stark der Strom bei einem Versuche wird, so muß man einen Rheostaten und ein Ampermeter mit einschalten, wie es in Fig. 25 angedeutet ist. In dieser soll _A_ den Apparat darstellen, dem Strom zugeführt wird, _Amp._ ein Ampermeter, _W_ einen veränderlichen Widerstand, _B_ die Batterie, _Voltm._ ein Voltmeter.

Die Frage, woran man erkennt, ob ein Akkumulator entladen ist, hat große praktische Bedeutung (man vergleiche die Bemerkungen auf S. 102 und die Darlegungen über die Erholung). Weiß man nicht bestimmt, ob man einer Zelle noch Strom entnehmen darf, so verbindet man die Klemmen mit einem Voltmeter und läßt das Element den der dreistündigen Entladung entsprechenden Strom abgeben. Ist die Zelle erschöpft, so sinkt die Klemmenspannung in kurzer Zeit auf 1,8 Volt. -- Dauert ein Versuch längere Zeit, so sollte stets ein Voltmeter mit den Klemmen des Elementes bezw. der Batterie verbunden sein (Schaltung s. Fig. 25).

Um zu prüfen, wie groß noch ungefähr die Elektrizitätsmenge ist, die man entnehmen darf, kann man das Aräometer benutzen. Kennt man die Säuredichte der Zelle in geladenem und entladenem Zustande, so kann man aus dem augenblicklichen spezifischen Gewichte einen Schluß über den Energieinhalt ziehen. Weiß man z. B., daß die Säuredichte des vollgeladenen Elementes 1,20 und diejenige der entladenen Zelle 1,16 ist, und findet man, daß das spezifische Gewicht den Wert 1,17 hat, so enthält der Akkumulator noch ungefähr ¾ seiner Elektrizitätsmenge.