Die Ägyptische Pflanzensäule

Part 5

Chapter 53,225 wordsPublic domain

In diesem Kapitel sollen noch kurz zwei Arten von Pflanzensäulen besprochen werden, die sich den bisher erwähnten grossen Gattungen nicht einordnen lassen, und welche ausführlich in besonderen Kapiteln abzuhandeln wegen der geringen Anzahl von Beispielen, die bislang bekannt geworden sind, nicht lohnt. Da bei diesen, meist nur in ein oder zwei Exemplaren auf uns gekommenen Säulenarten es schwierig, ja fast unmöglich ist, die ihnen zu Grunde liegende Pflanze genau zu bestimmen, so werden wir uns hier nur mit der allgemeinen Angabe der betreffenden Pflanzengattung zufrieden geben müssen, die bei den anderen Kapiteln gegebene Beschreibung der Pflanze etc. fällt also hier fort.

Zuerst sind zwei Beispiele von _Rohrsäulen_ zu erwähnen. Da von beiden weder Kapitelle noch Basen, sondern nur Schaftfragmente auf uns gekommen sind, so sind wir hier gleich der Mühe überhoben, der Rohrart[90], welche in diesen Bruchstücken gemeint ist, näher nachzuspüren. Wir sehen nur an den in Tell el Amarna gefundenen Fragmenten (Abb. 79), dass wir es hier mit einem Säulenschaft, der ein Bündel gelber, runder Rohrstengel darstellt, zu thun haben. Die Kerben auf den einzelnen Stengeln bedeuten die Stellen, wo ehemals die Blätter sassen, und die darüber angedeuteten Dreieckchen sollen die in der Blattachsel sitzenden Knospen andeuten. Ein Stück einer ähnlichen Säule aus etwas späterer Zeit (Abb. 80) ist wie das vorige im Berliner Museum aufbewahrt. An diesem Stück fehlen die Kerben auf den einzelnen Stengeln, dafür sind aber die zusammenhaltenden Stricke recht naturalistisch wiedergegeben.

Eine Abart dieser Rohrsäulen scheinen die _Schilfbündel_-(?)-_säulen_ zu sein, von denen PETRIE eine nach den in Tell el Amarna gefundenen Fragmenten bis auf das Kapitell wohl sicher richtig reconstruirt wiedergiebt.[91] Die gelblich grünen Schilfblätter dieser Säulen waren aus Fayencestücken gebildet, von denen einige auf der vorigen Seite dargestellt sind (Abb. 81); die Bänder, von denen das Schilf zusammengehalten war, waren wohl in andersfarbiger Fayence gehalten oder theilweise auch in Bronce ausgeführt, und griffen über den wohl an beiden Seiten, oben und unten angebrachten Falz der vertikalen Fayencestücke (s. in der Abb. links unten) über. Leider reichen aber auch hier die Fragmente nicht aus, um die Pflanze, welche gemeint ist, mit hinreichender Sicherheit zu bestimmen.

Die zweite Art, von der gar nur ein Beispiel und auch das nur in Abbildung auf uns gekommen ist, scheint von einer _Winde_[92] hergeleitet zu sein. Convolvulus- oder Gentiana-(?)-Arten finden sich öfter ornamental verwendet, wie ein vorstehend gegebenes Beispiel aus einem gemalten Kranze von der Brust eines Sargdeckels in Mumienform aus dem Funde der Amonspriester von Dêr-el-baḥri zeigt (Abb. 82). Man sieht an diesem Beispiele deutlich, wie aus dem kleinen Kelche die glockenförmige Blüthe ohne Theilung in einzelne Blüthenblätter herauswächst; auf die Färbung, die vom Gelb am Kelch in Roth und endlich in Grün oder Blau übergeht, dürfte ebensowenig etwas zu geben sein, wie auf die Bemalung der einzig publicirten Windensäule (Abb. 83), welche ihre Farbenfülle zuerst wohl der Phantasie des ägyptischen Künstlers und in zweiter Linie der Schönfärberei der modernen Publication zu danken haben dürfte.

Bei diesem Beispiel, das, wie die Zwischenstengel zeigen, als Bündelsäule aufzufassen ist, erinnert nur die äussere Form des Kapitells an die oben gezeigte Windenform, die Bemalung und streifenförmige Eintheilung der Blüthenglocke ist völlig willkürlich. Sehr getreu aber sind die Knospen auf den Zwischenstengeln der Natur abgelauscht; das Hervorbrechen der noch spitz zusammengedrehten Blüthenglocke aus den wenig geöffneten Kelchblättern ist den Winden so eigenthümlich, dass der ägyptische Künstler mit seinem gewohnten Scharfblick für das Charakteristische der einzelnen Pflanzenarten es anbringen musste.

Schluss.

Aus den vorstehenden Kapiteln wird der Leser die Ueberzeugung gewonnen haben, dass die früher vielfach gehegte Ansicht, die ägyptische Architektur verfüge nur über eine verhältnissmässig geringe Anzahl von Pflanzensäulen -- meist wurde ja alles für Lotus erklärt und ausserdem höchstens noch die Palmensäule zugelassen --, dass diese Ansicht, die dann womöglich noch diesen Säulenarten irgend eine gesuchte symbolische Bedeutung unterlegte, angesichts der grossen Menge von verschiedenartigen Pflanzengattungen, welche die altägyptischen Künstler zu Säulenformen umzustellen vermochten, als veraltet zu bezeichnen ist. Mit den verschiedenen sieben bis acht Arten von Pflanzen, die in allen Stadien ihrer Entwicklung, geschlossen oder offen, als Knospen oder Blumen, zu Säulen geformt uns im Laufe der vorstehenden Abhandlung entgegengetreten sind, werden wir den Formenschatz der alten Künstler voraussichtlich noch nicht erschöpft haben; an den Säulen der Spätzeit, die ja in gewissem Grade von der Besprechung ausgeschlossen waren, treten noch einige weitere Pflanzen auf, auch kann uns jeder Tag unerwartete Funde bringen, welche wie die reiche architektonische Ausbeute aus Tell el Amarna uns neue Gestaltungen von Pflanzensäulen zu zeigen vermöchten.

Es muss sich uns infolge dieser Mannigfaltigkeit die Frage aufdrängen, weshalb die alten Architekten mit solcher Vorliebe Pflanzen zu Säulenmotiven verwendeten. Irgend welche Symbolik, dass etwa die eine oder die andere Pflanze dem Gotte, in dessen Tempel sie als Säule stand, heilig gewesen wäre, oder dass sie wie Papyrus und Lilie, die Wappenpflanzen von Unter- und Oberägypten, zur Bezeichnung der Nord- und Südhälfte des Tempels unter Anspielung auf die beiden Reichshälften[93] dienen sollten, derartige Symbolisirungen sind ausgeschlossen, da man sonst irgend eine Regel in der Anwendung der verschiedenen Pflanzenmotive müsste entdecken können. Die einzelnen Pflanzensäulen werden vielmehr ohne jede erkennbare tiefere Absicht, rein nach dem Geschmack des Architekten, in der Spätzeit sogar mit Vorliebe in buntem Durcheinander angeordnet. Es muss also wohl eine andere Bewandtniss damit haben.

Bereits MASPERO hat in seiner Archaeologie égyptienne, S. 88, bei Besprechung der Innendecoration der Tempel uns den richtigen Weg zum Verständniss des Wesens der Pflanzensäulen gewiesen, leider jedoch ohne seine Theorie bis zu den letzten Consequenzen, d. h. bis zu ihrer Anwendung auf die Säulen selbst durchzuführen.

Nach MASPERO war der Tempel bezw. das architektonisch durchgebildete Innere eines Hauses dem Aegypter ein Abbild der Welt. Der Fussboden stellte die Erde dar, über ihm breitet sich der Himmel, die Decke, aus. Dieser Vorstellung passt sich die ganze Decoration des Raumes an. Die Decke ist nur mit himmlischen Dingen geschmückt: Sterne in regelmässiger Vertheilung, fliegende Vögel, Darstellungen von Sternbildern und des Sonnenlaufs, ja selbst Sternverzeichnisse sind dort angebracht. Im Gegensatz dazu erhält alles, was dem Boden nahe ist, pflanzliches Ornament, das meist noch so aufgefasst wird, als wüchse es aus dem Boden heraus. Die Mauersockel sind mit langen Reihen von Papyrusstauden verziert, Büsche von anderen Wasserpflanzen kommen daneben vor, die Basen der Säulen sind von Blattwerk umgeben -- Nein! nicht nur das, vielmehr sind die ganzen Säulen Pflanzengebilde, die aus der Erde emporspriessen und frei in den Himmel hineinragen.

Eine merkwürdige, phantastische Auffassung, auf der wir da die sonst so prosaischen Aegypter ertappen. Und dass hier nicht etwa blos eine vom Kunsthistoriker den schaffenden Künstlern untergelegte Anschauung zu Tage tritt, das lässt sich zum Ueberfluss noch haarscharf beweisen. Ein glücklicher Zufall hat uns nämlich „die breite und die tiefe Halle”, gewissermaassen das Speise- und Empfangszimmer des Palastes Amenophis' IV. in Tell el Amarna vollständig erhalten. Dies „vollständig” ist nicht zu viel gesagt; wir haben nämlich die Grundrissmauern mit den prachtvoll erhaltenen Estrichen[94], zur Reconstruction völlig ausreichende Fragmente der Säulen[95] und last not least mehrere alte untereinander übereinstimmende Abbildungen dieser Säle[96]. Die Estriche sind herrlich bemalt, in der Mitte sind Teiche mit allerlei Fischen und Wasservögeln; umgeben sind dieselben von Rohr-, Papyrus- und Schilf-Dickicht, in welchem wieder verschiedene Thiere sich tummeln, des Weiteren folgen ornamentale Gefässdarstellungen und, da der Estrich in einem Königspalast liegt, im Mittelgang die Figuren von Gefangenen, die gefesselt am Boden liegen und über die der König hinwegschreiten soll. Alles deutet also darauf hin, dass der Fussboden wirklich als Erde aufgefasst ist. Die Säulen, welche in der Mitte der Säle in Reihen standen, stellen Pflanzen und zwar Palmenstämme und Schilfbüschel dar, die um die Teiche des Estrichs herum stehen. Wie die Decke darüber aussah, auch das hat uns ein ägyptischer Maler in seiner kindlichen Manier überliefert (Abb. 84). Als er jene Darstellung des Palastes, den er, nach allen Details zu urtheilen, genau kannte, entwarf, da wollte er auch den gemalten Himmel an der Decke der Säle wiedergeben. Er wusste, dass dieser Himmel, wenn er, im Saale stehend, ihn betrachtete, stellenweise durch die oberen Theile der Palmensäulen verdeckt wurde. Das richtig darzustellen überstieg aber seine perspectivischen Kenntnisse. Er malte daher ganz dumm seinen Himmel und zwar die Hieroglyphe [HG: **] für Himmel -- hinter die obersten Theile der Säule, dicht unter die Deckenlinie.[97] Darunter stellte er dann noch die an die Decke gemalte strahlende Sonne dar. Sehr schön ist ja diese zeichnerische Leistung nicht, aber wir sehen doch wenigstens daraus, wie die Decke in jenem Saale decorirt war.

Die Ausschmückung der Räume des Palastes von Tell el Amarna ist also ein vollgültiger Beweis für die oben angeführte Theorie, dass die Aegypter die Innenräume ihrer Tempel und Häuser „à l'image du monde” aufgefasst und demgemäss decorirt haben, und dass nur eine nothwendige Folge dieser Auffassungsweise das Vorkommen von Pflanzensäulen ist. Diese Säulen sind also keineswegs nur wie klassische oder mittelalterliche Säulen mit Pflanzenkapitellen als Säulen mit ornamentalen, pflanzlichen Zuthaten anzusehen, sondern stellen in ihrer ganzen Grösse von der Basis bis zum Kapitell nur _eine_ Pflanze oder _ein_ Pflanzenbündel dar.

Nebenbei mag erwähnt werden, dass die Fiction, der Boden sei die Erde und die Decke der Himmel, noch einer anderen Gattung von Säulen das Leben gegeben hat, die ganz diametral den Pflanzensäulen gegenüberstehen. Während nämlich letztere, wie wir noch weiter auszuführen haben werden, frei in den Himmel, d. h. gegen die Decke emporstreben und den Gedanken eines Tragens gar nicht ausdrücken sollen, so bedeuten jene direct Stützen des Himmels, und ihre Formen sind verschiedenen mythologischen Symbolen nachgebildet, von denen es wohl in der religiösen Litteratur der Aegypter hiess, dass sie die Himmelsdecke tragen. Zu diesen „Symbolsäulen” rechne ich die _Sistrumsäule_ und die _Dedsäule_. Die erste, früher unter dem Namen „Säule mit Hathorkapitell” allgemein bekannt, stellt ein vollständiges Sistrum [HG: **] dar, wie ein Vergleich mit den in den Museen in natura oder in Fayencenachbildungen aufbewahrten Exemplaren dieser Klappern sogleich darthut. Der Säulenschaft (s. Abb. 85) ist der Stiel der Klapper, Kapitell und Abakus bildet das auf Hathormasken sitzende, hohl zu denkende Kapellchen mit den seitlich anschlagenden Metallfedern. Diese Säulenart kommt, wie schon LEPSIUS in seinen Tagebüchern vermuthet, anscheinend nur in Tempeln weiblicher Gottheiten[98] vor und wohl meist auch da nur in solchen, deren Göttinnen mit der Hathor irgendwie confundirt werden können.

Eine ägyptische Sage, in der eine Anspielung auf das Sistrum als Himmelsstütze vorkäme, ist mir nun zwar nicht bekannt, wohl aber giebt es, worauf mich Herr Prof. ERMAN freundlichst aufmerksam machte, im Berliner Museum eine Fayencedarstellung der Himmelserhebung durch den Gott Schu, auf welcher zwei Sistren an jeder Seite den Himmel stützen (Abb. 86).

Die zweite Symbolsäule, die Ded-Säule, welche vielleicht nach ägyptischer Anschauung das Rückgrat des Osiris versinnbildlichen sollte, kann ich als Himmelsstütze nur dadurch belegen, dass sie erstens in Verbindung mit der Sistrumsäule[99] und zweitens als Stütze bei Baldachinen, unter denen Osiris sitzt[100] (Abb. 87), auftritt.[101] Man könnte andererseits auch die Entstehung derselben so erklären, dass die hieroglyphische Bedeutung der ihnen zu Grunde liegenden Zeichen [HG: **] sšš „Freude, Jubel”[102] [HG: **] ḏd „Beständigkeit, ewige Dauer” Veranlassung gegeben hat, diese Hieroglyphen symbolisch als Säulen zu verwenden.

Wie dem auch sei, jedenfalls haben wir in den Symbolsäulen eine den Pflanzensäulen der Idee nach völlig entgegengesetzte Kategorie von Stützen zu sehen, die aber ebenso wie jene ihren Ursprung der Vorstellung der Aegypter verdankt, dass der Innenraum des Tempels eine Wiedergabe der Welt sein soll.

Indem wir uns nun zum Schlusse wieder den Pflanzensäulen zuwenden, wollen wir noch auf ein wichtiges Moment unser Augenmerk richten. Es ist oben schon kurz bemerkt worden, dass der Aegypter sich seine Pflanzensäule als frei zum Himmel emporragend denkt, dass also die Idee des Tragens, die man bisher immer in einer Säule verkörpert zu sehen erwartete, bei der ägyptischen Pflanzensäule überhaupt nicht zum Ausdruck kommt.

Da wir es hier also mit einem eclatanten Falle zu thun haben, bei welchem der Satz: „Jeder Bautheil zeigt seine Function durch Form und Ornamentirung an”, durchbrochen wird, so müssen wir wohl unsere Ansicht vom Wesen der ägyptischen Pflanzensäule noch etwas weiter begründen.

Die ganze Auffassung des Tempels als Welt weist uns ja schon darauf hin, dass die zu Säulen verwendeten Pflanzenformen nicht als wirkliche Stützen gedacht sein können, denn wer würde wohl auf die Idee gekommen sein, den Himmel von Blumen tragen zu lassen. Es herrscht vielmehr die Vorstellung, dass die Himmelsdecke über den Pflanzen der Erde frei schwebe. Constructiv ist das natürlich nicht möglich, der Architekt braucht ein Bindeglied, das die Last der Decke auf die Säulen überträgt. Diesen Bautheil, der ihm in seine ideale Conception gar nicht hineinpasst, versteckt er aber so viel als möglich: Der Abakus der ägyptischen Säule ist stets klein, ohne Ornament und in den meisten Fällen von unten überhaupt nicht zu sehen, er ist dem ägyptischen Künstler eben nur ein unvermeidlicher Constructionstheil, den er braucht, da er seinen frei schwebend gedachten Himmel über den Pflanzensäulen sonst nicht festhalten kann.

Früher wurden gerade immer die damals sogenannten Lotusknospen- und Lotusblüthensäulen -- d. h. unsere geschlossenen und offenen Papyrusdoldensäulen -- als schöne Beispiele dafür angeführt, wie durch die Form des Kapitells das Tragen versinnbildlicht werde; seitdem wir aber gesehen haben, dass diese Formen der freien, unbelasteten Papyrusdolde nachgebildet sind, kann von einer Versinnbildlichung des Tragens natürlich keine Rede mehr sein. Man könnte sich wirklich nichts Ungeeigneteres für die Aufnahme von Lasten denken, als so eine leichte Papyrusdolde, die kaum unter ihrem eigenen Gewicht sich zusammenzuhalten vermag. Zum Ueberfluss tritt noch das hinzu, dass wir denselben Pflanzenformen, welche zu Kapitellen Verwendung fanden, in der ägyptischen Kunst auf Schritt und Tritt da begegnen, wo sie absolut keine tragenden Functionen auszudrücken haben: Als Scepterbekrönungen[103], Knöpfe[104], freistehende Verzierungen an Stühlen[105], ja sogar als Quasten[106] finden wir dieselben Pflanzen wieder.

Die Theorie, dass jeder Architekturtheil seine constructive Function auch äusserlich zeige, ist also wenigstens für die ägyptische Architektur -- oder jedenfalls für die Bildung der ägyptischen Pflanzensäule -- angesichts der aufgeführten Thatsachen direct zu leugnen, wir kommen hier vielmehr, so paradox es klingen mag, zu dem Schluss:

„DER AEGYPTER DACHTE SICH SEINE PFLANZENSÄULEN ALS FREIE ENDIGUNGEN UND ORNAMENTIRTE SIE WIE SOLCHE”.

Anmerkungen:

[1] GOODYEAR, The grammar of the lotus; RIEGL, Stilfragen. Seit Niederschrift des oben Stehenden sind noch zwei neuere Arbeiten erschienen, die von unserem Gegenstand handeln: PETRIE, Egyptian decorative art, und FOUCART, Histoire de l'ordre lotiforme. Auch diese beiden Werke haben die vorliegende Abhandlung nicht überflüssig gemacht.

[2] Z. B. JOMARD in der „Description de l'Égypte”; LEPSIUS, Ueber einige ägyptische Kunstformen etc.; PRISSE, in Histoire de l'art égyptien; WILKINSON, The Egyptians under the Pharaons, S. 151; SEMPER, Der Stil (zweite Auflage), S. 394; EBERS, im „Cicerone” und in „Baedecker's Aegypten” (erste Auflage); PERROT-CHIPIEZ, Histoire de l'art dans l'antiquité I. (Deutsche Ausgabe) S. 488 ff.; MASPERO, Aegyptische Kunstgeschichte, S. 50 ff., und andere.

[3] DESCRIPTION DE L'ÉGYPTE, T. 19, p. 415; pl. 60, fig. 1.

[4] GOODYEAR (a. a. O. S. 103) hält eine stumpfblättrige Rosette für den „Fruchtknoten des Lotus”; dieselbe Rosette hält RIEGL (a. a. O. S. 53) für eine Variante einer spitzblättrigen Rosette, „wie sie sich im Gefolge der typischen Ausgestaltung des centralen Rosettenmotivs von selbst eingestellt haben mochte”. Die fragliche Rosette ist, wie die Abbildung 4 zeigt, eine recht genaue Darstellung von Chrysanthemum coronarium.

[5] Altes Reich = Zeit der Pyramiden (hauptsächlich Dynastie 4 u. 5); mittleres Reich = klassische Zeit (hauptsächlich Dynastie 12); neues Reich = Zeit der Kriege und des Verkehrs mit Asien (hauptsächlich Dynastie 18-20); Spätzeit = Zeit der Renaissance und Fremdherrschaft (Dynastie 26, Perser, Ptolemäer, Römer).

[6] Gutes Beispiel mit Farben s. NEWBERRY, Berscheh I, Titelbild (Kranz einer Frau).

[7] Die Datierung dieser Gruppe ist neuerdings fraglich geworden.

[8] Professor SCHWEINFURTH teilte mir mit, er habe _eine_ Darstellung mit nicht ganzrandigen Blättern gesehen.

[9] Als Beispiel, was alles für Lotus gelten musste, mag hier das bekannte ägyptische Friesornament (Abb. 8) aufgeführt werden. GOODYEAR (S. 181) erklärt dasselbe für Lotos, und auch RIEGL (S. 96) scheint zu dieser Ansicht zu neigen. Das fragliche Ornament, das schon im alten Reiche im Grabe des Neterwoser zu Sakkara (MARIETTE Mastabas, S. 119) nachzuweisen ist, stellt, wie PIETSCHMANN mir überzeugend nachgewiesen hat, eine aufrechte, an der Wand befestigte Franse eines Wandteppichs dar, die geknotet und ausserdem noch einmal zusammengefasst ist. Form und Farbe des Ornaments (z. B. Berscheh Grab 1., s. NEWBERRY, el Bersche II, 5) die Stelle der Anbringung, sowie die ägyptische Sitte, die Wände mit Teppichen zu behängen, sind genügende Beweise für diese neue Deutung.

[10] Mehrere Abbildungen davon nach Photographien giebt FOUCART a. a. O.

[11] L(epsius) D(enkmäler) II, 61 a. S. auch PERROT-CHIPIEZ, a. a. O. S. 489.

[12] LEPSIUS, Tagebuch.

[13] Berliner Museum, Ph. 1787.

[14] PETRIE, Kahun, Taf. 16.

[15] PETRIE, Season, Taf. 25; die a. a. O. von PETRIE aufgeführte „älteste Säule” hat kein Anrecht auf diesen Namen. Es ist ein Kandelaber mit daraufstehender Lampe von der im alten Reich üblichen Form. Solche sind öfter an den tiefen Laibungen der Scheinthüren dargestellt (s. L. D. II, 20). Eine spätere Säulenform daraus abzuleiten, ist nicht wohl möglich.

[16] Der Mittelstrich auf dem Säulenschaft ist im Abklatsch 34 nicht mehr zu sehen, Lepsius' Tagebuch giebt ihn jedoch ausdrücklich an; vielleicht war er nur aufgemalt, ebenso wie wohl auch die Halsbänder und die Längsstreifen des Kapitells nur durch Farben angegeben waren.

[17] Auch hier giebt die Publication die Wirklichkeit nicht genau wieder, wie der Abklatsch lehrt.

[18] L. D. II, 110a.

[19] L. D. II, IIIe, nach dem Abklatsch zu verbessern.

[20] L. D. I, 57.

[21] L. D. III, 99 c.

[22] Berl. Mus. Ph. 664.

[23] Z. B. L. D. II, 24, 30 (beide Dynastie 4).

[24] Vielleicht ist [HG: **] ḫ3 1000 ursprünglich gar kein eigentliches Zahlwort gewesen, sondern bedeutete nur: „so zahlreich wie die Nymphaeenblätter auf dem Wasser”, ähnlich wie die Zahl [HG: **] ḥfnw 100 000 eigentlich nur bedeutet: „so zahlreich wie die Kaulquappen”.

[25] PETRIE, Tell Amarna, Taf. 9.

[26] LYONS Report, on the Island of Philae, Taf. 8.

[27] L. D. III, 62 b.

[28] Berl. Museum, Phot. 664.

[29] II, 92: ἔστι δὲ καὶ ἄλλα κρίνεα ῥόδοισι ἐμφερέα, ἐν τῷ ποταμῷ γινόμενα καὶ ταῦτα, ἐξ ὧν ὁ καρπὸς ἐν ἄλλῃ κάλυκι παραφυομένῃ ἐκ τῆς ῥίζης γίνεται, κηρίῳ σφηκῶν ἰδέην ὁμοιότατον.

[30] S. WOENIG, a. a. O. S. 51.

[31] NEWBERRY (in PETRIE's Hawara, S. 52 u. 48) hat N. Nelumbo in späten Totenkränzen gefunden, in älteren kommt sie nicht vor.

[32] S. auch PETRIE, Hawara, Taf. 27. No. 5 u. 6.

[33] Andere Beispiele derselben Zeit in PETRIE's Tanis, I.

[34] Kritik des ägyptischen Ornaments, S. 25.

[35] Die „Lilie” als oberägyptische Wappenpflanze hat mit der Hieroglyphe für den Süden [HG: **] (rs) wohl nichts zu thun. Letztere, von der unsere Abbildung (Abb. 35) zwei gute Beispiele giebt, ist auch noch nicht identificirt. Juncus conglomeratus (Binse), wie WOENIG (a. a. O. S. 135) annimmt, kann es wegen der Biegung des Stengels kaum sein, obgleich der seitliche Blüthenstand dafür spräche.

Einige Male wird -- worauf mich Prof. PETRIE freundlichst hinwies -- unsere Lilie mit dieser Pflanze vertauscht und zwar auf einer symbolischen Darstellung der Vereinigung beider Länder vom Throne einer Tanitischen Statue des mittleren Reiches (PETRIE, Tanis, I, Taf. I, 3). Hier hat der südliche Nilgott an Stelle der sonst üblichen Lilien eine [HG: **]-Pflanze auf dem Haupte und bindet auch eine solche um das Zeichen der Vereinigung. Ebenso kommt auf einer Chefrenstatuen zu Gizeh und auf einem Gehänge aus Fayence (Spätzeit? Berl. Mus. No. 7709) das „Süden”-Zeichen -- an letzterer Stelle sogar ohne Blüthen -- als Ersatz für die Lilie vor. Beide Male ist jedoch nur eine Pflanze für die andere eingetreten, da die eine symbolisch, die andere lautlich den Süden bezeichnet; eine Identität kann daraus nicht geschlossen werden.

[36] PETRIE, Tanis, I, Taf. 1, 3 sind es sogar nur drei Wasserlinien.