Die Ägyptische Pflanzensäule

Part 4

Chapter 42,865 wordsPublic domain

So muss also eine gute Papyrusbündelsäule mit geschlossenem Dolden-Kapitell aussehen. Viele klare Beispiele[61] davon sind aber leider nicht vorhanden, denn schon im Ende des mittleren Reiches beginnt die allmähliche Veränderung dieser Säulenart; die weiter um sich greifende Verwilderung, die schliesslich die alte Form kaum noch erkennen lässt, tritt allerdings erst im neuen Reiche auf. Zuerst verlieren die Zwischenstengel ihr selbstständiges Profil[62] und bilden zwischen den jetzt auch ohne Kopfblätter auftretenden Hauptstengeln glatte Stücke, auf denen nur die Halsbänder und die vertikalen Trennungen durch schwach eingeritzte Linien angegeben sind (Abb. 56). Dann fallen auch diese nur schwach angegebenen Rillen fort, man begnügt sich, die Theilung und die Halsbänder der Zwischenstengel nur aufzumalen. Die Hauptstengel haben jedoch hierbei, wenigstens bei den besseren Beispielen, noch scharfes Papyrusprofil, dessen Kante sich namentlich zwischen den Zwischenstengeln gut markirt.

Die Zeit bald nach dem Ende der 18. Dynastie -- vielleicht schon die Periode Amenophis' IV. -- bringt bereits durchgreifendere Veränderungen. Von unwesentlichen, rein decorativen Neuerungen abgesehen -- wie z. B. das Heraufrücken der Bänder an den Zwischenstengeln[63], die Verzierung der oberen Enden der Zwischenstengel durch Uräen[64], die Schmückung der Schäfte durch angehängte Opfergänse[65], die Auflösung der Dolden des Kapitells in mehrere ganz unverstandene Stengel[66] und ähnliche, wenig nachahmenswerthe phantastische Gebilde, welche ebenso schnell wieder verschwinden, wie sie spontan auftauchten -- hiervon also abgesehen, ist als wichtigste Aenderung das Aufgeben der Schaft- und der Kapitelltheilung in acht Stengel zu nennen.

Da auf die Darstellungen, die uns in dieser Zeit bereits völlig -- an Schaft und Kapitell -- abgedrehte Säulen zeigen[67], wegen der manchmal zweifelhaften Correktheit der Publication nicht viel zu geben ist, so ist es sicherer, das Vorkommen von Bündelsäulen mit Schäften von kreisförmigem Querschnitt erst für die Zeit nach dem Ende der 18. Dynastie anzunehmen. Die nach dieser Zeit zu constatirende Glättung des Schaftes mag sich wohl hauptsächlich auf die Sucht der Aegypter, alles mit Inschriften und bildlichen Darstellungen zu versehen, zurückführen lassen. Auf einem so stark profilirten Säulenschaft, wie der der Papyrusbündelsäule ist, lässt sich nur schwer eine Inschrift setzen[68], daher glättete man den Schaft lieber, ohne auf seine ursprüngliche Structur Rücksicht zu nehmen. Des weiteren ist an dieser Umwandlung wohl die Art der Ausführung der Säulen schuld; dieselben wurden nämlich im Rohbau aus ganz runden Trommeln errichtet und erst später weiter sculpirt. Da mag wohl hin und wieder Eile oder Mangel an Mitteln dazu getrieben haben, die weitere Sculpirung nicht durchzuführen und den Bündelsäulen einen runden Schaft zu belassen.

Nebenher mag hier -- da es zur Erklärung einer später zu besprechenden Art der Kapitellbemalung dient -- bemerkt werden, dass bei dem zuletzt abgebildeten Beispiel die Halsbänder der Zwischenstengel schon merkwürdig weit nach oben sich erstrecken und für die Entwicklung der Köpfe der Zwischenstengel nur äusserst wenig Raum übrig lassen.

Mit der 19. Dynastie scheinen also die Bündelsäulen zuerst die abgedrehte Form anzunehmen, womit nicht etwa gesagt sein soll, dass sich von da ab keine richtigen Bündelsäulen mehr fänden.[69] Zuerst zeigen sich ganz schüchterne Anfänge. An Säulen aus der Zeit Seti's I. (Abb. 57) ist das obere Kapitell-Ende, das aus technischen, hier nicht weiter zu erörternden Gründen mit dem Abakus zusammen aus einem Stücke gearbeitet ist, ohne weitere Aussculpirung der Papyrusform glatt gelassen worden -- ob mit voller Absicht oder aus Nachlässigkeit mag dahingestellt bleiben. Zu bemerken ist hier noch, dass die Stengel ihre scharfe Kante nur zwischen den Zwischenstengeln zeigen und sonst rund sind. Die Halsbänder der Zwischenstengel haben sich vermehrt.

Unter demselben König Seti I. kommen aber auch schon neben diesen Säulen mit beginnender, solche mit vollständiger Abdrehung der Stengelprofile vor. Zwei Beispiele davon mögen genügen. Das eine aus Gurna[70] zeigt nur in der äusseren Umrisslinie noch den Anklang an die alte Bündelsäule und hat ausserdem die Zwischenstengel, Halsbänder und dergleichen am oberen Ende des Schaftes und am unteren des Kapitells nur aufgemalt. Sehr eigenthümlich wirken die zwischen den Zwischenstengeln scharfmarkirten Papyrusstengelkanten. Das zweite Beispiel aus Karnak (Abb. 58) geht darin sogar noch weiter, indem es nur die Kopfblätter der Hauptstengel spitz zwischen den Bündeln der Zwischenstengel hervorsehen lässt. Verstanden dürfte der alte Architekt diese Dinge wohl kaum noch haben, sonst hätte er wohl seine Reihen von Namensringen mit Uräen, und sonstiges symbolisches Ornament mehr, wie es geschehen ist, der Structur der Säule anzupassen verstanden.

Zum Schlusse dieses Abschnitts wollen wir noch zwei Beispiele von vollständig tollgewordener Bemalung an geschlossenen Papyrusbündelsäulen anführen: zwei Säulen aus den Zeiten Ramses' III. und des Heri-hor (Abb. 59). Bei der einen greifen die Zwischenstengel oben über die Kopfblattspitzen der Hauptstengel fort, bei der anderen sind die Halsbänder der Zwischenstengel so oft wiederholt, dass von den Köpfen der Zwischenstengel fast nichts mehr übrig geblieben ist. Ob die Architekten sich dabei überhaupt noch etwas gedacht haben?

Wir haben bisher uns meist nur um das Aussehen unserer Säulen an der kritischen Halsstelle gekümmert und das Uebrige ganz vernachlässigt. Es ist auch darüber nicht viel zu sagen, wenn man nicht etwa die fast selbstverständliche Bemerkung für der Erwähnung werth halten will, dass die Fussblätter bei den abgedrehten Säulen -- d. h. nur bei guten Beispielen -- neben einander stehen, da sie ja aus den einzelnen Fussblättern der acht Stengel entstanden sind, während die Fussblätter der offenen Papyrussäule sich theilweise überdecken. An diesem Kriterium würde man schon aus dem unteren Ende des Schaftes die Kapitellform errathen können, wenn nicht auch hier wieder die Anordnung der Fussblätter von der einen Säulenart bald auf die andere übertragen worden wäre.

Aus der Spätzeit ist die Papyrusbündelsäule mit geschlossenem Doldenkapitell uns nur in einem Beispiele aus dem Tempel von Medamôt (Abb. 60) bekannt. Ausser einigen Veränderungen in den Proportionen giebt dies aber nichts Neues. Sie lehnt sich, selbst bis zu der Behandlung der einzeln stehenden Fussblätter hinab, besser an die älteren, guten Vorbilder an, als dies bei den Beispielen aus der Ramessidenzeit der Fall war.

Da die einzelnen geschlossenen Dolden, welche häufig in den Bündelkapitellen der Ptolemäer- und Kaiserzeit auftreten, keine selbstständige Bedeutung haben, so können wir nunmehr zu den _Papyrussäulen mit offenem Doldenkapitell_ übergehen.

Bei dieser Säulengattung, die fast ebenso häufig ist, wie die vorher abgehandelte mit geschlossenem Doldenkapitell, scheinen in älterer Zeit nur einfache Säulen vorzukommen, während uns erst die Spätzeit sichere Beispiele von Bündelsäulen bringt. Gerade die ältesten Exemplare sind als einfache Säulen anzusprechen. Es ist dies vornehmlich ein von PETRIE in Kahun gefundener etwa 0,5 m langer Säulenstumpf mit Kapitell, aus dem mittleren Reiche stammend (Abb. 61). Hier ist die Nachahmung der Natur sogar so weit getrieben, dass selbst der dreikantige Querschnitt des Papyrus genau wiedergegeben ist, trotzdem er für einen Säulenschaft die denkbar ungeeignetste Form bietet. Die offene Dolde ist, wie das ja nach den gemalten und ornamental verwendeten Darstellungen von Papyrus zu erwarten war, massiv dargestellt und hat nichts von der ihr in der Natur eigenen Leichtigkeit. Die Kopf- und Fussblätter, welche dem Papyrus sonst eigenthümlich sind, fehlen hier, wohl nur wegen der Rohheit unseres Beispiels. Zu beachten ist endlich das bei einer einzelnen Dolde eigentlich garnicht anders mögliche Fehlen des Halsbandes. Aber leider giebt es nur zwei sichere derartige Beispiele ohne Halsband[71], beide aus Kahun, ein drittes Exemplar gleicher Provenienz, zeigt bereits das bei einer einfachen Dolde ohne die Annahme einer Entlehnung von Bündelsäulen ganz unerklärliche Band unter dem Kapitell[72], welches bei der ältesten Abbildung einer solchen Säule allerdings wiederum fehlt (Abb. 62). An dieser Abbildung ist ersichtlich, dass die Bemalung unserer Säulenart die für Papyrus übliche war: die Dolde grün, die Kopfblätter gelb.

Wenn man bei den Beispielen aus dem mittleren Reiche noch mit Sicherheit zu der Ansicht gelangen konnte, die offene Papyrussäule sei als Einzelsäule aufzufassen, so ist bei den aus dem neuen Reiche stammenden Säulen derselben Art die Entscheidung dieser Frage schwieriger. Sie haben nämlich samt und sonders das nur an Bündelsäulen verständliche Halsband, das freilich auch den sicher einfach gedachten Palmensäulen eigen ist, und ausserdem fast alle einen völlig runden Querschnitt, den man, wie wir das oben bei den geschlossenen Papyrusbündelsäulen gesehen haben, leicht als eine abgedrehte Form eines ursprünglich sculpirten Bündelquerschnitts erklären könnte. Einige gute Beispiele[73] aber zeigen trotz des kreisförmigen Querschnitts des Schaftes an drei Stellen desselben ganz schwach angedeutete vertikale Kanten. (S. Abb. 65 links.) In diesen Fällen muss man also annehmen, dass der Architekt nur den ursprünglichen Papyrusquerschnitt, um ihn der Säulenform besser anzupassen, voller und runder gestaltet hat. Gegen die Annahme einer Bündelsäule spricht ferner das Fehlen von Zwischenstengeln und die Anordnung der Fuss- und Kopfblätter, welche sich bei unseren Säulen stets überdecken (s. Abb. 63, 64, 66 u. s. w.) und gewissermaassen in zwei Reihen stehen, während sie bei Bündelsäulen sich nur berühren dürften, wie wir das oben bei den geschlossenen Papyrusbündelsäulen gezeigt haben. Man wird also die älteren Beispiele wohl alle für Einzelsäulen ansehen müssen, die nur aus ästhetischen Gründen das Halsband von Bündelsäulen entlehnt haben.

So dürftig für unsere Säulenart die Anzahl der älteren Beispiele ist, so zahlreich sind die jüngeren von Dynastie 18 ab, so dass wir hier wieder nur mit Auswahl vorgehen können. Hierbei wollen wir ein Beispiel nicht vergessen, das eigentlich nur indirect hierher gehört, nämlich den Papyrus von den Granitpfeilern Thutmosis' III. zu Karnak (Abb. 63), welcher besonders durch seine noch erhaltenen Farbenreste lehrreich ist. Die Basis ist, wie gewöhnlich, als Erdhügel gedacht und daher rothbraun, die Fuss- und Kopfblätter sind gelb, Stengel und Dolde grün, die oberste Fläche der Dolde, wo in der Natur die kleinen braunen Blüthen sitzen (s. Abb. 64), ist roth bemalt. Von diesen Färbungen kehren die der Fuss- und Kopfblätter, sowie die des oberen Kapitellrandes auch auf anderen Säulen wieder, die Farbe des Stengels und des Kapitells wird jedoch sonst selten oder nie mit dem richtigen, natürlichen Grün wiedergegeben.

Am Kapitell versuchen die Künstler die einzelnen Doldenstrahlen durch Relief wiederzugeben, wie wir das zum Beispiel an einem recht guten Exemplar aus den Zeiten Amenophis' III. und Twet-anch-amun's aus Luksor sehen (Abb. 65). Dieses Beispiel zeigt ausser den schon oben erwähnten drei Kanten des Papyrusstengels noch ebenso wie einige aus der Zeit Amenophis' IV.[74] verhältnissmässig lang und spitzig geformte Kopfblätter; an späteren Kapitellen runden sich diese mehr und mehr ab und werden kürzer.

Dass auch bei dieser Säulenart die im Ende der 18. Dynastie modern werdenden flatternden Bänder[75] sowie die Kranz- und Gänsedecorationen[76] vorkommen, bedarf wohl kaum der Erwähnung.

Unter der 19. Dynastie drängen sich auch bei dieser Säulengattung Motive ein, welche mit der eigentlichen Structur der Säule nichts zu thun haben. Bilder, Inschriften und Reihen von Uräen bedecken nicht nur die Schäfte, auch auf den Kapitellen befinden sich zwischen die Doldenstrahlen eingestreute Namensringe (s. Abb. 66). Die Strahlen selbst werden abwechselnd mit den Blüthen bezw. Dolden der beiden Wappenpflanzen von Ober- und Unterägypten, Lilie und Papyrus gekrönt.

Ein Zeichen des geringen Verständnisses der Künstler jener Zeit für die structiv richtigen Formen dieser Säulengattung ist ferner darin zu sehen, dass sich im Ramesseum bereits Säulen mit offenem Papyruskapitell finden, deren Basis die sonst nur bei geschlossenen Papyrusbündelsäulen übliche Anordnung der Fussblätter zeigen.[77]

Auch diese Art von Säulen befindet sich also ebenso wie die geschlossene Papyrussäule im neuen Reiche bereits in einem vorgeschrittenen Stadium der Verwilderung.

Um so wunderbarer ist es, dass die bereits an der Grenze der Spätzeit stehenden Taharka-Säulen im ersten Hofe des grossen Amonstempels zu Karnak[78] sich wieder mehr an die richtigen Formen des Papyrus anlehnen. Es fehlt diesen Säulen zwar die Schwellung, auch laufen die Doldenstrahlen wieder in Lilien und Papyrus aus, aber die Umrisslinie, sowie der feine obere Rand des Kapitells und namentlich die recht gut gezeichneten Kopf- und Fussblätter geben dem Ganzen dennoch ein fast naturalistisch zu nennendes Gepräge, das sie weit über die plumpen Gebilde der Ramessidenzeit erhebt.

Selbstverständlich tritt auch bei unseren offenen Papyrussäulen in der Spätzeit die allen Säulengattungen eigene Herunterschiebung des Halsbandes ein, wie beispielsweise eine noch unfertige Säule (Abb. 67) aus Giseh zeigt.

Ebenso selbstverständlich ist es, dass unsere offene Papyrusdolde in der Ptolemäer- und Kaiserzeit häufig wieder auftritt und zwar hier zum ersten Male sicher als Bündelsäule (Abb. 68 u. 69). Daneben treten allerdings auch noch Einzelsäulen mit offenem Doldenkapitell auf. Unter letzteren ist besonders ein Beispiel erwähnenswerth, das von dem sonst in der Ptolemäischen Epoche üblichen Typus der Säulen abweicht: eine Säule aus Kôm-Ombo[79], die die Herunterschiebung des Halsbandes nicht hat. Bemerkenswerth ist ausserdem hier und auch bei anderen Beispielen der Spätzeit die merkwürdig verständige Behandlung der einzelnen Doldenstrahlen.

Wir sind nunmehr mit unserer Besprechung der Papyrussäulen zu Ende und wollen daher, da diese Säulen früher vielfach mit den bereits oben genügend charakterisirten Nymphaeensäulen zusammengeworfen wurden, nochmals kurz die Merkmale aufzählen, durch welche sich diese von jenen unterscheiden:

Die Basis fehlt bei den Papyrussäulen nur ganz ausnahmsweise, bei den Nymphaeensäulen öfter.

Der Schaft der Papyrussäule hat Schwellung und Fussblätter, welche beide der Nymphaeensäule ursprünglich fehlen.

Die Zwischenstengel, welche nur bei der geschlossenen Doldensäule vorkommen, haben wie die Hauptstengel Papyrusformen, bei den Nymphaeensäulen dagegen Formen von Nymphaea-Knospen und Blüthen.

Die äusseren Umrisslinien der geschlossenen wie offenen Papyruskapitelle sind wesentlich unterschieden von denen der geschlossenen und offenen Nymphaeensäulen.

Die Kopfblätter reichen beim Papyruskapitell nie[80] bis zum oberen Rande, beim Nymphaeakapitell stets.

IV. Die Palmensäulen.

Bei dieser Art von Säulen können wir auf die Beschreibung der ihr zu Grunde liegenden Pflanze und der ägyptischen Darstellungen derselben verzichten, da seit dem Bekanntwerden der ersten Säulen dieser Art es nie zweifelhaft war, welche Pflanze in dem architektonisch ausgebildeten Säulentypus gemeint war, und da auch gar keine Möglichkeit vorliegt, diese Pflanzensäule mit irgend einer anderen zu verwechseln, was bei den bisher abgehandelten eher möglich und auch leider reichlich der Fall war. Es mag daher die hier gegebene Abbildung (Abb. 70) und der Hinweis auf die Beschreibung der Dattelpalme „Phoenix dactylifera L.” genügen, welche sich sehr ausführlich in der Description de l'Égypte, Theil 19, S. 435 ff. und Taf. 62 findet. Des Weiteren haben wir noch eine Auswahl von abgebildeten Dattelpalmen hier hinzugefügt, welche uns die mehr oder minder stilisirte Auffassung zeigen sollen, welche die Aegypter in den verschiedenen Epochen von dieser Pflanze hatten (Abb. 71 bis 73). Natürlich ist die Art der Darstellung im neuen Reiche lebendiger als im mittleren, besonders mag auf die detaillirte Wiedergabe der Borke bei dem einen Beispiel aus dem neuen Reiche aufmerksam gemacht werden.

Die Stilisirung der Dattelpalme für ihre Verwendung als Säule ist höchst einfach. Sie ergiebt eine Säule ohne Schwellung, ohne Fussblätter, oft auch ohne Basis. Die leicht nach aussen gebogenen Blattwedel, die mehr oder weniger durchsculpirt sind, ergeben das Kapitell, auf dem ganz simpel der kleine, unbedeutende Abakus aufruht. Merkwürdig ist nur das auch bei dieser Säulenart unter dem Kapitell angebrachte, meist fünftheilige Halsband, das hier um so weniger Sinn hat, als in keiner Epoche Palmenbündelsäulen nachweisbar sind. Man muss sich also dieses Halsband, wie wir das ja auch bei den älteren Papyrussäulen mit offenem Kapitell thun mussten, als von anderen Bündelsäulen übertragen denken.

Die Palmensäule, von der wir im alten Reiche nur eine zweifelhafte Spur[81] nachweisen können, scheint im mittleren schon sehr beliebt gewesen zu sein. Ausser dem klassischen aus Berscheh stammenden Beispiele aus dieser Zeit (Abb. 74) haben sich in Kahun[82] mehrere Kapitellreste in verschiedenen Grössen gefunden, eins davon sogar mit recht gut ausgearbeiteter Fiederung der Palmenwedel. Auch in Benihassan finden sich Darstellungen dieser Säulenart.[83]

Auch das neue Reich ist nicht gerade arm an Beispielen, die freilich meist bereits etwas graciöser ausgefallen sind als die älteren. In einem Grabe zu Gurna sehen wir einen Monolithen sich unter den Händen der Steinmetze und Polierer zu einer Palmensäule umbilden (Abb. 75). Im Palaste Amenophis' IV. finden wir sie öfter abgebildet, hier natürlich wieder mit den obligaten flatternden Bändern[84], mit äusserst schlanken Kapitellen[85], aber auch mit der bei Palmensäulen eigentlich ungehörigen Schwellung.[86] Reste von den Originalen dieser eben erwähnten Abbildungen haben sich bei den PETRIE'schen Ausgrabungen im Palaste zu Tell-Amarna gefunden, und wir können aus diesen allerdings nur geringen Ueberbleibseln[87] einen Schluss auf die Pracht der Ausführung dieser Säulen machen. Die Fiedern der Palmenwedel waren mit grünen, rothen und blauen Pasten incrustirt, der dazwischen stehen gebliebene Kalkstein vielleicht vergoldet. Die Reconstruction in PETRIE's Tell el Amarna, Taf. VI, giebt davon ein schwaches Bild, das die Schönheit der Linien und den Glanz des Materials dieser Säulen ahnen lässt. Den eleganten Palmensäulen von Tell-Amarna stehen jedoch wieder andere aus derselben Zeit oder doch nur wenig später entgegen, welche wieder fast so gedrungen sind wie die des mittleren Reiches. Es sind dies Säulen aus Soleb (Abb. 76) und Sesebi.[88]

In der Spätzeit zeigt sich wieder durchweg der schlanke Typus, der dieser Gattung mit Recht eine bevorzugte Stellung unter allen ägyptischen Säulen sichert. Merkwürdig ist an diesen späten Säulen eine Erscheinung, welche man vielleicht auf die des öfteren schon erwähnten flatternden Bänder aus der 18. Dynastie zurückführen muss. Von dem Halsband hängt nämlich eine aus drei Bandlagen gebildete Schleife herab (Abb. 77), die dann auf noch späteren Beispielen zu einem Kranze von languettenartig geordneten Bändern wird (Abb. 78). An dieser letztgenannten Säule beobachten wir wieder die in der Spätzeit übliche Herabrückung der Halsbänder, wodurch dann über denselben ein Teil des schuppigen Palmenstammes sichtbar wird. Als neues Motiv tritt hier ferner noch die Anbringung von Datteltrauben zwischen den Palmenwedeln auf. Dass es in der Spätzeit auch nicht an unsinnigen Zuthaten bei Palmensäulen, wie z. B. Fussblätter über der Basis[89], fehlt, bedarf wohl keiner besonderen Erwähnung.

V. Andere Pflanzensäulen.