Die Abenteuer Gawains Ywains Und Le Morholts Mit Den Drei Jungf
Chapter 10
[22] Welche Unklarheit noch immer über diese Trilogie, d. h. die von mir nachgewiesene (als die in der Huth-Hs. angedeutete) herrscht, zeigen die Bemerkungen eines anonymen Kritikers, dessen Kenntnis des einschlägigen Materials sehr beschränkt sein muß, in _The Nation_ May, 26th 1910. Vol. 90, Nr. 2343. Auf S. 538 sagt dieser Herr: "Dr. Sommer moreover exaggerates his originality in regard to most of what is sound in his theories here and still more in various articles which he has in recent years devoted to these questions. For instance, Gaston Paris recognised fully, in his review (_Romania_ 1887) of von Reinhardstoettner's (uncompleted) edition of the Portuguese "Demanda" that this was the third part of the so-called Robert de Borron trilogy of the Arthurian romances; and Wechssler showed satisfactorily that an "Estoire del Saint Graal" (and not a "Joseph" as in the Huth-Hs.) constituted originally the first part of this trilogy, even conjecturing that the Torre do Tombo-Hs. contained this "Estoire" in Portguese form. The results here indicated anticipate the essentials of Dr. Sommer's conclusions on the same subjects" etc. Wer diese Bemerkungen liest, wird geneigt sein für dieselben weniger Unklarheit und Mißverständnis, als die Tatsache verantwortlich zu machen, daß der Schreiber derselben die Abhandlungen nicht mit Aufmerksamkeit und Verständnis gelesen, oder daß ihn ein anderes Motiv geleitet hat.
Im XXIX. Bande (1905) der _Zeitschrift für französische Sprache und Literatur_, Heft 1-3, S. 130, N. 109 sagt E. Brugger "In diesen Ausführungen bin ich immer Wechssler gefolgt; ich gestehe zwar, daß mir hie und da etwelche Zweifel aufstiegen; doch konnte ich mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln die Zweifel nicht beseitigen; sie beziehen sich namentlich auf das Verhältnis der _Tristan_ redaktionen zu den Graalredaktionen." Dennoch sagt Brugger auf S. 30 des XXXVI. Bandes derselben Zeitschrift d. h. fünf Jahre später, als er von der "von ihm (das bin ich) zuerst nachgewiesenen Trilogie" spricht in seiner N. 17: "Meiner Ansicht nach aber von Wechssler". Er hat also, nachdem er sich "gründlich" mit meinen Arbeiten beschäftigt hat, nicht erkannnt, daß Wechsslers und meine Trilogie nicht identisch sind.
[23] Hier, wo ich aller Wahrscheinlichkeit nach zum letzten Male von der Einleitung zum Huth-_Merlin_, der ich so viel Zeit und Mühe gewidmet, gehandelt habe, fühle ich, daß ich es mir und anderen schuldig bin, eine Erklärung zu geben. Ich habe die Ehre gehabt, Gaston Paris als ausgezeichneten Menschen und glänzenden Littérateur persönlich eine Reihe von Jahren zu kennen und ich stehe noch mit verschiedenen Personen, die ihm im Leben nahe gestanden, in freundschaftlichen Beziehungen, und die wissen, daß das, was ich hier sage, wahr ist. Ich habe wiederholt Gelegenheit gehabt, den von G. Paris ausgesprochenen Ansichten nicht beipflichten zu können, und habe das stets auf die ehrerbietigste Weise zum Ausdruck gebracht, lediglich im Interesse der Wissenschaft. Nichtsdestoweniger habe ich lesen müssen, daß zwei, wenig dazu berufene, Polemiker, ihre Namen nenne ich nicht, in verletzender Weise sich über meine Worte aufgehalten haben, als ob es eine Vermessenheit von mir wäre, an dem von G. Paris Ausgesagten zu zweifeln zu wagen. Ohne mich im entferntesten auf dieselbe Stufe mit dem großen Manne stellen zu wollen, kann ich ohne Überhebung sagen, daß ich durch langjährige und unermüdliche Arbeit erlangt habe, was er nie besessen, nämlich eine Kenntnis der Mehrzahl der Hss. der französischen Prosa-Romane, so weit das möglich ist. G. Paris hat diese Hss. nie gesehen; in dem, was er geschrieben, hat er sich auf das von jüngeren Augen gesehene und auf die ihm hinterlassenen Noten seines Vaters verlassen müssen, denn der Sehkraft eines Auges verlustig, konnte er seinem anderen zu den vielen Arbeiten, denen er sich widmete, und zu den vielen gesellschaftlichen Pflichten, denen er zu entsprechen hatte, nicht noch das anstrengende und zeitraubende Studium der Hss. aufbürden. Diese Tatsache wird es erklärlich machen, daß nicht alles, was er über diesen Gegenstand geschrieben hat, als unumstößliches und unveränderliches Dogma angesehen werden kann.
[24] _La Demanda del Sancto Grial: Con los marauillosos fechos de Lançarote y de Galaz su hijo_. Toledo 1515, Sevilla 1535. Nach dem letzteren Drucke wurde dieselbe im Jahre 1907 in der _Nueva Biblioteca de Autores Españoles_ von Adolfo Bonilla y San Martin zu Madrid herausgegeben.
[25] Ich meine die in den Hss. No. 98 und No. 2455 der Pariser National-Bibliothek enthaltene _Estoire de Grimaud_ und die _Hippocrates_-Episode, die wesentlich länger ist als in der Mehrzahl der Hss. Beide sind übrigens nach der Hs. No. 2455 von E. Hucher in seinem _Le Saint Graal_ ou _Le Joseph d'Arimathie_ etc. (Au Mans 1877-78, 3 vols., 8°) herausgegeben worden.
[26] In den _Tristan_-Hss. No. 97, 101, 349, 758 der Pariser National-Bibliothek; in No. 2542 der Wiener Hof-Bibliothek und in Add. 5474 des Britischen Museums, nach der ich dieselben im V. Bande von _Modern Philology_, Chicago 1908 unter dem Titel: _Galahad and Perceval_, mit einer aus drei Sectionen bestehenden Einleitung herausgegeben habe. Wie aus meinen Studien über die Quellen der _Le Morte D Arthur_ zu ersehen ist, glaubte ich 1889-91, als ich mich zum ersten Male mit dem ungeheuren Gebiet der Artus-Romane bekannt machte, daß dieser Abschnitt zu einer _Suite de Lancelot_ gehöre.
[27] _Le Morte Darthur_, Buch XI, Kapitel 12-14 und Buch XII, Kapitel 1-10; S. 588-606 meiner Ausgabe.
[28] _Le Morte Darthur_. -- _The Adventures of Alysaunder le Orphelin and the Great Tournament of Surluse_ im Appendix zu meinem dritten Bande: _Studies on the Sources_. -- The Vulgate-Version of the Arthurian Romances. _Estoire, Merlin, Lancelot, Queste und Mort Artus_. -- _Le Livre d'Artus_ der Hs. No. 337 der Pariser National-Bibliothek. -- Die in N. 1 genannte Ausgabe. -- Einen Teil der Hs. No. 343 der Pariser National-Bibliothek, _Romania_, vol. XXXVI, S. 573-579 usw.
[29] Die vorliegende Ausgabe und die auf S. XIII N. 2 von mir in Aussicht gestellte.
[30] Ich konnte zeigen, daß der erste Teil dieses Kolophons von "Eagora...bis pertence" eine fast wörtliche Übersetzung des französischen Original-Textes ist, wie er unter anderen z. B. in der Hs. Add. 32,125 des Britischen Museums, fol. 205d zu finden ist:
Si se test ore li contes de totes le lignages qui de celidoigne issirent & returne a vn autre branche que len apele lestorie Merlin que couent a fine force aiuster a lestoire del seint graal pur ce que branche en est. & a ce apartent.
Den zweiten Teil, von _E saibão_...bis zum Ende, schrieb ich dem portugiesischen Schreiber oder seinem Vorgänger zu.
[31] Um weiteren Mißverständnissen vorzubeugen, gebe ich den Inhalt meiner Trilogie hier noch einmal in schematischer Form an:
I. Buch: _Estoire_ plus _Merlin_, der letztere wie in den spanischen Drucken. Vgl. das Namensverzeichnis unter Mordret.
II. Buch: Huth-Hs. ff. 75-230 _plus_ MS. No. 112 ff. 22-58, dem Inhalt der vorliegenden Ausgabe, _plus_ einer gewissen Anzahl von Blättern, auf denen unter anderen der Tod Pellinors durch Gawain erzählt wurde.
III. Buch: Hs. No. 2594 der Wiener Hof-Bibliothek, ergänzt durch die von mir in der _Romania_, vol. XXXVI, S. 559-60; 564-565; 569 ff. usw. gedruckten Stücke.
[32] Vgl. _Modern Philology_, vol. V, S. 318.
[33] E. Løseth, _Le Roman en prose de Tristan_, Analyse critique d'après les manuscrits de Paris 1891. 8°.
[34] Ich habe Grund zu glauben, daß zwischen 1882 und 1884 in London zwei Hss. per Auktion verkauft wurden, deren eine die Trilogie, deren andere den _Brait_ repräsentierte. Da aber die Namen der Käufer der beiden Hss. in dem Kataloge fingierte waren, ist es mir trotz mancher Anstrengungen, und obgleich eine bedeutende Firma mir behilflich war, nicht gelungen zu ermitteln, was aus beiden Hss. geworden ist. Die Tatsache, daß diese beiden Kompilationen, die an Interesse und literarischem Wert dem Vulgat-Zyklus bedeutend nachstehen, nie die Popularität desselben erlangt haben und, wegen des geringeren Bedarfes, nicht so oft abgeschrieben wurden, macht es erklärlich, daß wir neben der Huth-Hs. so wenige Bruchstücke des französischen Originals besitzen.
[35] Der Titel, den ich der gegenwärtigen Ausgabe gegeben habe, ist eigentlich nicht genau genug, weil auch Gaheriet im Zusammenhange mit den Abenteuern der drei Gefährten eine bedeutende Rolle spielt. Ich habe dennoch diesen Titel gewählt, weil sowohl in Malory, als auch in dem Huth-_Merlin_ von einem dreifachen Abenteuer dieser drei Gefährten die Rede ist, und weil viele dasselbe durch diese beiden Texte kennen, die von der Hs. No. 112 nicht mehr wissen, als was E. Wechssler darüber gesagt hat.
[36] Da ich in dieser meiner ersten Arbeit auf dem Gebiete der französischen Artus-Romane in Prosa, vor 23 Jahren, noch nicht von den Graal-Zyklen als Ganzen handelte, hatte ich von der Trilogie des pseudo-Robert de Borron noch keine Vorstellung, aber schon damals schrieb ich: "I cannot help thinking that the attribution of the authorship of the prose-_Perceval_ (d. h. des Didot-_Perceval_) to Robert de Borron, and the substitution of Galahad for Perceval in the "Queste" are rather problematical arguments" usw.
[37] Wer den Huth-_Merlin_, die spanische oder portugiesische _Demanda_ gelesen hat, der wird sofort erkennen, daß die in jenen Texten erzählten Abenteuer in Stil und Charakter mit den hier erzählten übereinstimmen. Ein gemeinsamer Zug, der sehr auffallen muß, ist die sehr starke Betonung des übernatürlichen Elements, die oft so übertrieben ist, daß die beschriebenen Situationen unwahrscheinlich und lächerlich erscheinen.
[38] In den _Tristan_-Hss. ist von Morholt, einem Onkel oder einem _parent_, nicht aber von einem Bruder der Königin Iseut, die Rede.
[39] Die Abenteuer Gawains erzählt Sir Thomas Malory in seiner _Le Morte Darthur_ (= M) im Buche 4, von der Mitte des XX. (d. h. in meiner Ausgabe; in anderen Ausgaben ist das XX. das XIX. Kapitel. In Caxtons Text sind Kapitel XVIII und XIX vereinigt) bis zum Ende des XXIV. (_alias_ XXIII.) Kapitels. Wenn man die SS. 19-43 des vorliegenden Textes (= T2, d. h. zweites Buch der Trilogie) und dann M durchliest, so gewinnt man zuerst den Eindruck, daß beide, mit Ausnahme des Schlusses, vieles gemein haben. Vergleicht man aber beide Teile sorgfältig, so findet man eine ganze Reihe von Zügen, in denen sie von einander abweichen. Im allgemeinen ist M kürzer gefaßt als T2. M (vielleicht schon der Bearbeiter seiner Quelle) hat in vielen Punkten seine Vorlage entweder mißverstanden, oder absichtlich oder zufällig geändert. In M ist Pellias -- Syr Pelleas; Arcade -- Lady Ettard; der alte _vavasour_, Gawains erster Wirt, ist in M "an old knyghte & a good householder"; sein zweiter Wirt, der in T2 nicht mit Namen genannt wird, ist in M "Sir Carados". "Nymue the damoysel of the Lake" spielt in M eine wichtige Rolle in diesem Zusammenhange, wo sie in T2 garnicht erwähnt wird. M erwähnt auch "kyng Lott of Orkeney" und einen Ritter des Pelleas, den Nymue im Walde jammernd findet. Syr Pelleas ist nach M "in the iles" geboren und the "lord of many iles". Ich kann von den Unterschieden, die zwischen beiden Texten existieren, nur die wichtigsten anführen, die aber genügen werden, dem Leser das Verhältnis derselben zueinander zu erklären. In M kommt "Pelleas the dolorous knyght" zuerst auf der "launde", d. h. auf der _Plaine Aventureuse_ an; erst als er mit Gawain gesprochen hat, erscheinen die zehn Ritter, mit denen er kämpft. In M hebt Pelleas alle zehn "with one spear" aus dem Sattel und wird von ihnen "under the horse belly" gebunden. (Im XXII. Kapitel ist aber neben dieser Stellung auch von "the horse tail" die Rede.) Gawains Begleiterin fordert ihn in M auf, Pelleas zu helfen, er ist bereit es zu tun, sagt aber: "hit semeth he wylle have no helpe", worauf die "damoysel" dann sagt: "me thynketh ye haue no luste to helpe hym". In dem Streite zwischen dem Ritter und dem Zwerg ist Gawain in M viel bündiger wie in T2. Er sagt nämlich: "wel syrs said he wylle ye put the mater in my hand; ye they sayd both. Now damoysel sayd syr Gawayn ye shal stande betwixe them both, and whether ye lyst better to go to, he shal haue yow". Der Ritter, den die "damoysel" zu Gunsten des Zwerges gehen läßt, macht in M Gawain kein Geständnis wie in T2. Dem Begleiter des Ritters, mit welchem Gawain kämpft, gibt die "damoysel of 15" auf seine Frage "if ye wold abyde with me", die Antwort "with yow wylle I be ... for with syr Gawayn I may not fynde in myn herte to be with hym, for now heres" ...
Das Gespräch zwischen Gawain und Sir Carados, dem Lehnsmann des Königs von Norgales in T2, fehlt in M ganz, wo auch nicht erwähnt wird, daß Gawain seine Begleiterin, seinen Wirt und seinen Knappen erst vermißt, als er sich vergewissern will, ob die erstgenannte nichts dagegen habe, wenn er bei dem Ritter einkehrt. Auch die Erzählung dieses Ritters, Sir Carados, nach dem Abendessen ist in M viel kürzer als in T2, und in dem Berichte über das Tournier hat M Einzelheiten, die in T2 abwesend sind. In T2 ist auch nichts, den folgenden Stellen, entsprechendes zu finden: "wherfor al ladyes and gentylwymen hadde scorne of her that she was so proude, for there were fayrer than she & ther was none that was ther but & sir Pelleas wold have profered hem loue they wold haue loued hym for bis noble prowesse". 2. "& so this knyght promysed the lady Ettard to folowe her into this countrey & never to leue her tyl she loued hym". In M erklärt Gawain, nachdem der Ritter seine Erzählung geendet hat: "And after this nyghte I wylle seke hym to morowe in this forest to doo hym alle the helpe I can..." Ein M eigentümlicher Zug ist, daß Syr Pelleas noch einmal, und zwar mit viel mehr Einzelheiten, Gawain die Geschichte erzählt, die ihm vorher schon der Sir Carados erzählt hat. In M ist das Gespräch zwischen Gawain und Lady Ettard, als er in Pelleas' Rüstung vor ihr erscheint, in verschiedenen Punkten anders als in T2; und dasselbe gilt auch von der Art und Weise wie Gawain die Dame dazu bringt, seine Geliebte zu werden. Verschieden von dem in T2 gesagten ist in M auch, was über Pelleas erzählt wird, als er die beiden im Pavillon schlafend findet. Er kehrt sogleich um, weil er "for pure sorowe" nicht länger bleiben kann. Als er eine halbe Meile geritten ist, kehrt er um, mit der Absicht beide zu töten; "and whanne he sawe hem bothe soo lye slepynge faste, vnnethe he myght holde hym on horsbak for sorowe", reitet er zum zweiten Male zurück. Als er wieder eine halbe Meile geritten ist, kehrt er noch einmal um "and thoughte thenne to slee hem bothe"; er steigt ab, bindet sein Pferd an einen Baum, zieht sein Schwert und tritt in den Pavillon ein, "and wente to them as they lay, and yet he thought it were shame to slee them slepynge, and layd the naked swerd ouerthwart bothe their throtes, and soo tooke his hors and rode his awaye". In M bittet Pelleas seine Ritter, daß sie nach seinem Tode sein Herz "betwyxe two syluer dysshes" zu Lady Ettard tragen. In M erkennt Lady Ettard sofort das Schwert des Pelleas und klagt Gawain an, nicht nur sie, sondern auch seinen Gefährten betrogen zu haben. "Wir würden jetzt beide tot sein", erklärt sie, "wenn nicht Pelleas ein viel besserer Ritter wäre als du", "but ye haue deceyued me and bytrayd me falsly, that al ladyes and damoysels may beware by yow and me". Ohne ein Wort zu seiner Verteidigung zu sagen, ohne seine Handlungsweise zu bereuen, verläßt dann Gawain Lady Ettard.
Was nun in M folgt, steht mit dem in T2 erzählten in gar keinem Zusammenhange. Es ist schwer zu entscheiden, ob der Schluß das Werk Sir Thomas Malorys ist, oder ob er denselben schon in seiner Vorlage gefunden hat. Nachdem Gawain Lady Ettard verlassen hat, ereignet es sich, daß "Nymue the damoysel of the lake" einen Ritter des Pelleas im Walde trifft, welcher das Schicksal seines Herrn beweint. Als Nymue die Ursache seines Kummers erfahren, tröstet sie ihn und sagt: "Dein Herr wird nicht sterben, und die Stolze, die kein Mitleid mit ihm gehabt, wird bald noch schlimmer dran sein als er". Als der Ritter Nymuen zu Pelleas geleitet hat, findet diese großes Gefallen an dem Unglücklichen und bewirkt durch ihre Zauberkraft, daß er in einen tiefen Schlaf verfällt. Sie befiehlt, daß keiner ihn vor ihrer Rückkehr wecken soll. Nach zwei Stunden führt sie Lady Ettard an das Lager des noch Schlafenden und sagt, auf ihn weisend: "Du solltest dich schämen, einen solchen Ritter zu morden" und zu gleicher Zeit verwandelt sie durch ihre Zauberkraft Lady Ettards tötlichen Haß in maßlose Liebe zu dem Schlafenden. "Was ist mir", ruft Lady Ettard aus, "ich liebe denjenigen, den ich noch vor kurzem gehaßt!" "Das ist Gottes Strafe für deine Grausamkeit", erklärt Nymue. Indem erwacht Pelleas; als er Lady Ettard erkennt, ruft er ihr zu: "Verlaß mich, Verräterin, ich hasse dich", denn auch seinen Sinn hat Nymue durch ihre Zauberkraft verwandelt. Darüber ist Lady Ettard sehr betrübt und weint. Nymue aber fordert Pelleas auf, ihr zu einer Dame zu folgen, die er lieben und die seine Liebe erwidern werde. Pelleas erzählt ihr, was er um Lady Ettard gelitten und erklärt sich bereit ihr zu folgen, wohin sie ihn führen will; "soo the lady Ettard dyed for sorowe, and the damoysel of the lake reioysed syr Pelleas and loued togyders durynge their lyf dayes".
[40] Im Anschluß an die in N. 2[39] S. XXVII erzählten Abenteuer Gawains, folgen im XXV.-XXVII. Kapitel in M diejenigen des Morholt (Sir Marhaus) mit der Jungfrau von 30 Jahren. Jedoch steht alles, was hier erzählt wird, in keinem Zusammenhange mit der Trilogie des pseudo-Robert de Borron, es scheint vielmehr, daß entweder Sir Thomas Malory oder derjenige, dessen Kompilation ihm als Vorlage diente, diese Abenteuer eigens hier, nach dem Muster anderer, für Sir Marhaus arrangiert hat.
Marhaus und seine Begleiterin schlagen eine südliche Richtung ein. In einem dichten Walde werden sie von der Nacht überrascht. Sie bitten den Besitzer eines Gehöftes um Nachtquartier, der weigert sich aber sie aufzunehmen. "Wenn du bereit bist", sagt der Mann zu Marhaus, "ein Abenteuer zu bestehen, so will ich dir zeigen, wo du die Nacht Aufnahme findest". Vergeblich versucht Marhaus von dem Manne zu erfahren, welcher Art das Abenteuer sei; er nimmt schließlich des Mannes Vorschlag an. Nach einer Stunde gelangen sie an ein festes Schloß. Der Mann klopft an das Tor und wird eingelassen. Er meldet dem Besitzer des Schlosses, einem Herzoge, daß er ihm einen Ritter und eine Jungfrau zugeführt habe, die Nachtquartier begehren. "Laß sie herein", sagt der Herzog, "vielleicht werden sie noch bereuen, hierher gekommen zu sein." Nachdem Marhaus und die Jungfrau abgestiegen sind, führt man sie in die Halle, wo der Herzog, von vielen Rittern umgeben, sitzt. "Wer bist du und wo kommst du her?" fragt er den Marhaus. Der letztere nennt seinen Namen und fügt hinzu: "I am a knyghte of kynge Arthurs and knyght of the table round". (Diese Behauptung steht im Widerspruch mit dem später im XXX. Kapitel Erzählten, daß nämlich Marhaus und Pelleas zu Genossen der Tafelrunde gemacht wurden). "Ich hasse Arthur und seine Tafelrunde", erklärt der Herzog, "ruhe heute, morgen mußt du mit mir und meinen sechs Söhnen kämpfen. Gawain hat meine sieben (? meinen siebenten Sohn) Söhne getötet; ich habe ein Gelübde getan, ihren (? seinen) Tod an allen Rittern der Tafelrunde zu rächen, die hierher kommen". Als Marhaus das hört und daß sein Wirt der "duke of south marchys" ist, sagt er: "Ich habe gehört, daß du meinen König und seine Ritter haßt". Dann ziehen sich Marhaus und seine Begleiterin auf die ihnen angewiesenen Gemächer zurück. Am nächsten Morgen in aller Frühe läßt der Herzog Marhaus wecken. Nachdem Marhaus die Messe gehört, gefrühstückt, sich gewaffnet und sein Pferd bestiegen hat, erscheint er auf dem Schloßhofe, wo ihn der Herzog und seine Söhne, alle mit Lanzen bewaffnet, erwarten. Zwei der Söhne zersplittern ihre Lanzen an Marhaus' Schild, er aber berührt sie nicht. Dann greifen die übrigen vier Söhne Marhaus zu zweien an; auch sie zerbrechen ihre Lanzen, aber Marhaus tut ihnen kein Leid. Dann plötzlich stürzt Marhaus auf den Herzog los und wirft ihn samt seinem Pferde zu Boden. Schnell steigt er ab und droht ihn zu töten, wenn er sich nicht ergibt. Als des Herzogs Söhne ihrem Vater zu Hilfe eilen wollen, gebietet Marhaus ihm, dieselben zurückzuweisen, wenn er nicht sterben wolle. Hierauf ergeben sich der Herzog und seine Söhne dem Marhaus, der ihnen befiehlt am nächsten Pfingstfest sich am Hofe Arthurs einzufinden. Dann verläßt Marhaus das Schloß. Zwei Tage später leitet ihn seine Jungfrau zu einem Turnier, das "the lady de Vawse" veranstaltet hatte. Hier zeichnet sich Marhaus so aus, daß ihm der Preis, ein goldener Kranz, zuerkannt wird. Von hier führt ihn die Jungfrau nach dem Schlosse des "earl Fergus", der später Sir Tristans Ritter wurde und dessen Land ein Riese namens Taulurd (der Bruder des Riesen Taulas, den Tristan in Cornwall erschlug), verheert und in Schrecken setzt. Marhaus fragt nur, ob der Riese zu Pferde oder zu Fuße kämpfe und läßt sich am nächsten Morgen zeigen, wo er haust. Nach langem schweren Kampfe treibt Marhaus den Riesen in einen See; hier steinigt er denselben bis er niederfällt und ertrinkt. In des Riesen Schloß findet Marhaus 24 Jungfrauen und 12 Ritter, die er befreit, und unermeßlichen Reichtum. Fergus bietet Marhaus aus Dankbarkeit die Hälfte seines Landes an, Marhaus aber nimmt das Geschenk nicht an. Nachdem er sechs Monate bei Fergus geweilt, um seine Wunden zu heilen, verabschiedet er sich. "And äs he rode by the way, he mette with syr Gawayne and syr Vwayne, and so by aduenture he mette with foure knyghtes of Arthurs courte; the fyrst was syr Sagramore desyrus, syr Ozanna, syr Dodynas le saueage and syre felot of lystynoyse; and there syr Marhaus with one spere smote doune these four knyghtes, and hurte them sore. Soo he departed to mete at his day afore sette."
[41] ? Tor oder Perceval.
[42] Der gute Ritter ist vermutlich Galahad. Vgl. auch fol. 39 c, d.
[43] Vgl. _infra_.
[44] Weder in der Huth-Hs., noch in dem gegenwärtigen Text, noch in dem dritten Buche der Trilogie ist von Gaheriets Besuch der Merlin-Insel die Rede. Wenn der Schreiber der Hs. No. 112 die obige Angabe richtig verstanden hat, und wenn dieselbe sich nicht auf den _Brait_ bezieht, so haben wir hier einen Hinweis auf den Inhalt des noch fehlenden Endes des zweiten Buches der Trilogie.
[45] Vgl. _infra_.