Die Abenteuer Gawains Ywains Und Le Morholts Mit Den Drei Jungf

Chapter 1

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ANMERKUNGEN ZUR TRANSKRIPTION:

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BEIHEFTE

ZUR

ZEITSCHRIFT FÜR ROMANISCHE PHILOLOGIE

BEGRÜNDET VON PROF. DR. GUSTAV GRÖBER [+] FORTGEFÜHRT UND HERAUSGEGEBEN VON PROF. DR. ERNST HOEPFFNER

HEFT 47

DIE ABENTEUER GAWAINS YWAINS UND LE MORHOLTS MIT DEN DREI JUNGFRAUEN

AUS DER TRILOGIE (DEMANDA) DES PSEUDO-ROBERT DE BORRON

DIE FORTSETZUNG DES HUTH-MERLIN

NACH DER ALLEIN BEKANNTEN HS. NR. 112 DER PARISER NATIONAL BIBLIOTHEK HERAUSGEGEBEN

VON

H. OSKAR SOMMER

HALLE A. S.

VERLAG VON MAX NIEMEYER

1913

BEIHEFTE ZUR ZEITSCHRIFT FÜR ROMANISCHE PHILOLOGIE

BEGRÜNDET VON PROF. DR. GUSTAV GRÖBER [+]

FORTGEFÜHRT UND HERAUSGEGEBEN VON DR. ERNST HOEPFFNER PROFESSOR AN DER UNIVERSITÄT JENA

XLVII. HEFT

H. OSKAR SOMMER

DIE ABENTEUER GAWAINS, YWAINS UND LE MORHOLTS MIT DEN DREI JUNGFRAUEN AUS DER TRILOGIE (DEMANDA) DES PSEUDO-ROBERT DE BORRON

DIE FORTSETZUNG DES HUTH-MERLIN

HALLE A. S.

VERLAG VON MAX NIEMEYER

1913

DIE ABENTEUER GAWAINS YWAINS UND LE MORHOLTS MIT DEN DREI JUNGFRAUEN

AUS DER TRILOGIE (DEMANDA) DES PSEUDO-ROBERT DE BORRON

DIE FORTSETZUNG DES HUTH-MERLIN

NACH DER ALLEIN BEKANNTEN HS. NR. 112 DER PARISER NATIONAL BIBLIOTHEK HERAUSGEGEBEN

VON

H. OSKAR SOMMER

Dem Andenken Gustav Gröbers

Inhaltsverzeichnis.

Einleitung.

1. Die Handschrift No. 112 der Pariser National Bibliothek IX 2. Der Text XI 3. Die Trilogie des pseudo-Robert de Borron XIV 4. Der Inhalt der Fols. 17b-58b der Hs. Nr. 112 XXVI

I. Die Abenteuer Gawains XVIII II. Die Abenteuer des Morholt XLI III. Die Abenteuer Ywains LV IV. Die Suche nach Merlin LXV V. Die Abenteuer Gaheriets LXX VI. Das Abenteuer des Morholt LXXXVII

Der Text.

Die Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen aus der Trilogie (Demanda) des pseudo-Robert de Borron.

I. Die Abenteuer Gawains 1 II. Die Abenteuer des Morholt 43 III. Die Abenteuer Ywains 66 IV. Die Suche nach Merlin 85 V. Die Abenteuer Gaheriets 94 VI. Das Abenteuer des Morholt 131

Verzeichnis der Personen- und Ortsnamen 135

Einleitung.

I. Die Handschrift No. 112 der Pariser National Bibliothek.

Die Handschrift No. 112[1] der Pariser National Bibliothek, ein gewaltiger, aus nahe an 800 Blättern bestehender Folioband, ist eine sorgfältig auf Pergament in vier Kolonnen geschriebene, mit vielen Miniaturen, Zierbuchstaben und Randverzierungen geschmückte, dem 15. Jahrhundert angehörige, hier und da gekürzte Abschrift des Vulgat-Zyklus der Artus-Romane in Prosa, in die, aus dem _Tristan_, _Guiron le Courtois_ oder _Palamedes_, und aus der Trilogie des pseudo-Robert de Borron abgeschriebene, aber mit dem Vulgat-Zyklus weder in Zusammenhang stehende, noch irgendwie in Einklang gebrachte Stücke eingeschaltet sind.[2] Das ganze Werk muß ursprünglich aus vier Büchern bestanden haben, das erste Buch aber ist nicht mehr vorhanden, und muß schon gefehlt haben, als die drei andern zu einem Bande vereinigt wurden. Um der gewaltigen Kompilation wenigstens äußerlich den Charakter eines zusammenhängenden, einheitlichen Ganzen zu geben, hat der Schreiber (oder vielleicht besser: haben die Schreiber) dieselbe eine auf Befehl König Heinrichs von England von Maistre Robert de Borron aus dem Lateinischen ins Französische übersetzte Geschichte Lancelots[3] genannt, und demgemäß die vier Bücher der Reihe nach als: _Le premier, le segond, le tiers et le derrenier Livre de Messire Lancelot du Lac_ bezeichnet und jedem der Bücher einen von ihm selbst verfaßten Prolog vorausgeschickt.

Das erste, fehlende Buch hat, wie aus zahlreichen Hinweisen, auf dasselbe in den drei anderen Büchern und aus dem Charakter der ganzen Hs. zu schließen ist, die _Estoire del Saint Graal_, Robert de Borron's _Merlin_ und dessen Vulgat-Fortsetzung enthalten, entweder vollständig oder hier und da gekürzt; vielleicht ist auch ein Bruchstück der Trilogie des pseudo-Robert de Borron darin gewesen; ebenso wahrscheinlich aber ist es, daß das erste, wie das dritte Buch, nichts von der Trilogie enthielt.

Das zweite Buch beginnt nach einem Prologe[4] mit dem Anfang des _Lancelot_ und des _Tristan_ und besteht aus 248 Blättern, von denen fols. 1c-8a; 61b-68d; 78a-175a; 208a-236a, und 247d-248b den Lancelot repräsentieren, während fols. 8a-17a; 71c-78a; 175a-208a und 236a-247d dem _Tristan_ entnommen sind. Fols. 58c-61b und 68d-71c sind aus dem _Guiron le Courtois_ abgeschrieben und endlich fols. 17b-58b enthalten den Gegenstand der vorliegenden Ausgabe, die Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen aus dem zweiten Buche der Trilogie des pseudo-Robert de Borron. Wer den _Lancelot_ kennt, kann sich ein Bild davon machen wie dieses Bruchstück in denselben hineinpaßt.

Das dritte Buch beginnt, nach einem Prologe, mit Lancelots Heilung und Rückkehr aus Sorelois und besteht aus 301 Blättern, von denen fols. 1b-11a; 15c-51a; 56c-99b; 128c-214c dem _Lancelot_, fols. 11b-15c; 51a-56b; 99b-128a und 214c-301b dem _Tristan_ entlehnt sind.

Das vierte Buch, das gleichfalls einen Prolog hat, besteht aus 233 Blättern. Fols. 1c-182a enthalten die Vulgat-Queste mit folgenden Einschaltungen: Fols. 6a-6b; 28b-84d und 138d-140d aus dem _Tristan_; fols. 84d[5]-128b; 146d-152c und 179d-180c aus dem dritten Buche der Trilogie des pseudo-Robert de Borron; fols. 160a-163a aus dem _Guiron Le Courtois_. Fols. 182a-233a enthalten die Vulgat-Version der _Mort Artus_.

Der _Lancelot_ und der _Tristan_ sind nicht ganz ungekürzt, und das gilt von dem letzteren noch mehr als von dem ersteren, in die Kompilation aufgenommen worden, dagegen sind Vulgat-Queste und Mort-Artus vollständig vorhanden. Was aus dem zweiten Buche der Trilogie Aufnahme fand, ist augenscheinlich wie die Huth-Hs. ungekürzt, aber die Abschnitte aus dem dritten Buche sind nicht alle vollständig, so z. B. der Kampf zwischen Gawain und Baudemagus,[6] der mit dem Tode des letzteren endet, und das Zusammentreffen der drei Graalhelden und Percevals Schwester mit Kaiphas auf dem Felsen usw.[7]

2. Der Text

In seiner _Introduction_ zu dem Huth-_Merlin_[8] schreibt Gaston Paris auf S. XLIX: "Le troisième conte du même genre nous montre Ivain et Gauvain, partis ensemble de la cour d'Arthur, et auxquels s'est adjoint le Morhout d'Irlande, engagés dans une triple aventure: chascun d'eux emmène une des trois demoiselles qu'ils ont rencontrées près d'une fontaine dans la forêt, et ils doivent se retrouver au bout d'un an. La fin de cette histoire n'est pas dans notre manuscrit, qui s'arrête presque aussitôt; mais on la connaît par la traduction anglaise dont nous parlerons tout à l'heure, et nous en donnons le résumé en note.[9] Elle est aussi aventureuse que l'autre, [c'est-à-dire la triple aventure de Gauvain, Tor et Pellinor H. O.S.] mais peut-être un peu plus intéressante. Il est possible quelle ait formé un conte à part, annexé par notre auteur à son oeuvre." Die Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen, die ich hier, mit einigen anderen unzertrennlich damit verknüpften, deren Held Gaheriet, der jüngere Bruder Gawains ist, zum ersten Male veröffentliche, bilden jenen von Gaston Paris erwähnten "troisième conte". Obgleich er diesen "conte" nur aus Sir Thomas Malorys,[10] etwa auf ein Achtel gekürzte, unvollständige, willkürlich geänderte und in einigen Punkten ungenaue Wiedergabe in dem vierten[11] Buche der _Le Morte Darthur_ kennt, erschien G. Paris derselbe doch ein wenig interessanter als andere Teile des Huth-_Merlin_. Ist es nicht wahrscheinlich, daß ihm das Original, wenn er es gekannt hätte, noch viel interessanter erschienen wäre? Seltsam, weder Paulin Paris, noch sein berühmter Sohn, noch irgend ein anderer auf diesem Gebiete arbeitender Gelehrter, hatte bis zum Jahre 1895, in welchem E. Wechssler[12] seine Entdeckung in der Hs. No. 112 bekannt machte, eine Ahnung von dem Inhalte derselben, ja ich glaube, daß keiner die Hs. eines Blickes gewürdigt hat, weil dieselbe aus dem 15. Jahrhundert stammte, und weil man vor 30 Jahren noch nicht erkannt hatte, daß bei der Forschung auf dem Gebiete der mittelalterlichen Literatur auch späte Hss. nicht zu verachten sind.

Als im Jahre 1893-94 E. Wechssler die Hss. der National-Bibliothek einer Durchsicht unterzog, wie er sich ausdrückt, fiel ihm auch die Hs. No. 112 in die Hände. Da er von Gaston Paris' "grundlegender Arbeit", der Einleitung zum Huth-_Merlin_ ausging und mit der Abschrift der portugiesischen Hs. No. 2594 der K. k. Hofbibliothek zu Wien des verstorbenen Karl von Reinhardstöttner[13] ausgerüstet war, so war nichts natürlicher als daß er die Fortsetzung des Huth-_Merlin_ und die anderen Bruchstücke der Trilogie des pseudo-Robert de Borron fand, aber gelesen kann Wechssler diese Bruchstücke nicht haben.

Hätte übrigens Wechssler die Hs. No. 112 nicht im Jahre 1894 entdeckt, so würde ich dieselbe im Jahre 1895 gefunden haben, denn ich widmete den Hss. des 15. Jahrhunderts besondere Aufmerksamkeit, weil ich hoffte, das "frensshe boke" zu finden, welches Sir Thomas Malory benutzt hatte, mit andern Worten eine Hs., die schon viele der von ihm zusammengefügten Versionen vereinigte. Die Hs. No. 112 ist tatsächlich eine solche Kompilation, wie aus dem, was ich über dieselbe und über die Methode ihres Schreibers gesagt habe, klar zu ersehen ist.

So geringwertig aber die Arbeit dieses Schreibers als ein konfuses, zusammenhangsloses Ganzes ist, so verdanken wir ihm doch die Überlieferung von Material, das wir ohne ihn vielleicht nie gekannt hätten.

Es ist leicht erklärlich, daß Wechssler die Bruchstücke der Trilogie des pseudo-Robert de Borron nicht durchgelesen hat, denn das Durchlesen einer so schweren und ungefügigen Hs. wie die No. 112, ist eine unbequeme und zeitraubende Arbeit. Auch ich konnte mich nicht entschließen, die Zeit zu dieser Arbeit in Paris zu opfern und lernte das in Frage kommende Material erst aus einer Abschrift kennen, die ich mir hatte anfertigen lassen, die aber, wie ich zu meiner Enttäuschung erkennen mußte, nicht genau genug war, obgleich ich einen anständigen Preis für dieselbe bezahlt hatte. Später, nachdem ich mit der spanischen[14] und portugiesischen _Demanda_ vertraut geworden und die in den _Tristan_-Hss.[15] zu findenden Bruchstücke geprüft und den Entschluß gefaßt hatte, die französischen Fragmente des Originals herauszugeben, ließ ich die fehlerhafte Abschrift durch eine zuverlässige photographische Aufnahme ersetzen.[16] Die Photographien habe ich dann, nach und nach, noch einmal abgeschrieben, die Abschrift mit denselben kollationiert und zum Drucke vorbereitet. Die Druckbogen habe ich dreimal mit den Photographien verglichen, um die denkbar mögliche Genauigkeit zu erzielen. Um meinen Text mit der Ausgabe des Huth-_Merlin_ in Einklang zu bringen, habe ich moderne Interpunktion eingeführt und alle Personen- und Ortsnamen mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Die Rubriken der Hs., die meistens, doch nicht[17] immer, über Miniaturen zu finden sind, die aber augenscheinlich zu denselben gehören und von dem Illuminator geschrieben sind, habe ich in Kursivschrift wiedergegeben. Von den fols. 17b-58b der Hs. No. 112, welche den Text enthalten und das einzige, dem zweiten Buche eingeschaltete Bruchstück der Trilogie bilden, sind fols. 17b-22a dem Inhalte nach schon veröffentlicht worden, denn auf fols. 220a-230b der Huth-Hs. oder auf Seite 228-254 des zweiten Bandes des Huth-_Merlin_ werden dieselben Ereignisse erzählt. Ich habe diesen Abschnitt dennoch hier gedruckt, um zu zeigen, in welchem Verhältnis die Huth-Hs. und die Hs. No. 112 zueinander stehen und um das Bruchstück vollständig zu geben, da es, obgleich es durch viele Fäden an vorhergehende Ereignisse geknüpft ist und ohne dieselben an vielen Punkten unklar sein würde, doch eine zusammenhängende Episode bildet. Gaston Paris' Vermutung, daß das dreifache Abenteuer Gawains, Ywains und Le Morholts mit den drei Jungfrauen einen selbständigen "conte" gebildet habe, den der Verfasser seiner Trilogie einverleibt habe, scheint mir wenig wahrscheinlich zu sein. In Noten am Fuße der Seiten habe ich alle wichtigen Unterschiede zwischen den beiden Texten angegeben und auch hier und da Varianten zwischen der Huth-Hs. und dem gedruckten Text angezeigt. Die in Klammern eingefügten Angaben wie z.B. 1. [17c]; [17d]; [18a] usw. weisen auf die vier Kolonnen jedes Blattes der Hs. No. 112 hin. 2. [_H_ 220c]; [_H_ 220d]; [_H_ 221a] usw. zeigen die vier Kolonnen jedes der Blätter der Huth-Hs. an; und endlich 3. [U 231]; [U 232]; [U 233] usw. geben die Seitenzahlen des zweiten Bandes des Huth-_Merlin_ an.

3. Die Trilogie des pseudo-Robert de Borron.

Die Huth-Hs.[18] besteht ihrem Inhalte nach aus zwei Teilen: Fols. 1-75 enthalten sehr mittelmäßige _leçons_ der Prosaredaktionen der allgemein Robert de Borron zugeschriebenen Gedichte _Joseph von Arimathia_ und _Merlin_, fols. 75-230, d. h. bis zum Schluß der Hs., enthalten eine _Suite du Merlin_, die in manchen Punkten mit dem _Merlin_ im Widerspruch steht und mit dem _Joseph_ nicht das geringste gemein hat. Jeder unbefangene Leser kann nicht verfehlen ohne Schwierigkeit zu erkennen, daß Robert de Borron, wenn er der Verfasser des _Joseph_ und _Merlin_ ist, nicht auch Verfasser der _Suite du Merlin_ sein kann.

Dem pseudo-Robert -- so muß er bezeichnet werden, obgleich er behauptet der echte zu sein -- sind an zwei Stellen der Huth-Hs. scheinbar genaue Angaben über die Ausdehnung und Anordnung seines Materials in den Mund gelegt, in denen klar darauf hingewiesen wird, daß sein Werk ein aus drei gleichen Teilen bestehendes, mit andern Worten, eine Trilogie gewesen sei.

Die erste dieser Angaben steht auf fol. 125c, d (vol. I, S. 280 der Ausgabe) und lautet folgendermaßen:

"Et sacent tuit cil qui lestoire monsigneur de Borron vau[d]ront oir comme il devise son livre en trois parties, l'une partie aussi grant comme lautre, la premiere aussi grande comme la seconde, et la seconde aussi grant comme la tierche. Et la premiere fenist il au commenchement de ceste queste et la seconde el commenchement dou graal et la tierche fenist il apries la mort de Lanscelot, a chelui point meisme quil devise de la mort le roi March. Et cest[e] chose amentoit [il] en la fin dou premier livre pour chou que [se] lestoire dou graal estoit corrompue par auchuns translatours qui apres lui venissent, tout li sage houme, qui meteroient lour entente a oir et a escouter, porroient par ceste parole savoir se elle lour se[r]oit baillie entière ou corrompue, et connisteroient bien combien il i fau[d]roit. Puis quil a ore ensi devise l'assenement de son livre, il retorne a sa matiere en tel maniere."

Die zweite Angabe steht auf fol. 230 b (vol. II, S. 254 der Ausgabe) und lautet:

"Si laisse ore atant li contes a parler de l[a] dame et del roi. Et de toute la vie Merlin. Et devisera d'une autre matiere qui parlera dou graal, pour chou que cest li commenchemens de cest liure."

Diese beiden Stellen, von denen ich im folgenden wiederholt zu handeln haben werde, will ich der Kürze und Deutlichkeit halber fernerhin mit Angabe I und Angabe II bezeichnen.

Prüft man diese Angaben aber auf den Inhalt der Huth-Hs., so findet man, daß dieselben auf diese keinen Bezug haben können, denn Angabe I zerlegt die Hs. nicht in zwei gleiche Teile; nur wenn man den _Joseph_ wegließe, würde dies etwa der Fall sein.

Aus verschiedenen Bemerkungen und Hinweisen geht hervor, daß das dritte Buch der Trilogie eine _Galahad-Queste_ und _Mort Artus_ enthielt, die mit dem Tode Lancelots und des Königs Mark endete.

So bezeugt denn die Huth-Hs. selbst schon die Existenz einer Trilogie eines pseudo-Robert de Borron, aber sie läßt uns nicht erkennen, wie dieselbe in ihrer ursprünglichen Gestalt zusammengesetzt war.

Drei Versuche sind bisher gemacht worden, so viel mir bekannt ist, die Gestalt dieser Trilogie zu bestimmen. Gaston Paris[19] in seiner Einleitung zum Huth-_Merlin_ machte den ersten, E. Wechssler[20] in seiner Habilitationsschrift den zweiten, und ich[21] selber in dem XXXVI. Bande der _Romania_ den dritten Versuch. Wer mit dem Material vertraut, die drei Abhandlungen liest, wird nicht verfehlen zu erkennen, daß das Resultat einer jeden ein anderes ist. G. Paris' Trilogie ist verschieden von E. Wechssler's und die beider Gelehrten ist verschieden von der meinigen. Obgleich ich zwar, bis auf einen Punkt, meine Auseinandersetzung in der _Romania_ aufrecht erhalte, benutze ich doch die Gelegenheit der Veröffentlichung der Fortsetzung des Huth-_Merlin_, um noch einmal, wenigstens was die Trilogie betrifft, meine Ansichten so klar wie möglich kurz darzulegen, und um zu zeigen, daß ich mit vollem Rechte[22] beanspruchen kann und darf, von einer Trilogie des pseudo-Robert de Borron zu reden, "which I have reconstructed and recalled from oblivion".

Ich wende mich nun ganz kurz zu G. Paris' Arbeit. G. Paris erklärt die Angaben I und II nicht; er hält alles, was er in der Huth-Hs. vorfindet, d. h. _Joseph_, _Merlin_ und _Suite du Merlin_ für etwas weniger als zwei Drittel einer, aus drei gleichen Teilen bestehenden, Trilogie und ordnet den Stoff, den drei Büchern gemäß, folgendermaßen an:

I. Buch: fols. 1a-125d, d. h. _Joseph_, _Merlin_ und 50 Blätter der _Suite du Merlin_.

II. Buch: fols. 126a-230b, _plus_ 16 fehlende Blätter der _Suite du Merlin_.

III. Buch: _Graal-Queste_ und _Mort Artus_, zusammen 125 Blätter, die fehlen.

G. Paris erkennt nicht, daß der _Joseph_ gar nicht, und der _Merlin_, wenigstens nicht so wie er in der Huth-Hs. vorliegt, zur Trilogie gehören kann. Er führt die Widersprüche zwischen _Merlin_ und _Suite du Merlin_ als Beweisgründe dafür an, daß der Verfasser der letzteren nicht Robert de Borron sein kann -- eine Tatsache, die hinlänglich durch die in derselben zu findenden Hinweise und Anspielungen auf den Vulgat-Zyklus und den _Tristan_ bewiesen ist -- während diese Widersprüche, an und für sich betrachtet, doch nur beweisen, daß Robert de Borron's _Merlin_ nicht mit der _Suite du Merlin_ in Einklang gebracht ist. G. Paris glaubt, daß die _Suite du Merlin_ bestimmt sei, auf den _Lancelot_ vorzubereiten und den _Merlin_ mit demselben zu verbinden, ähnlich wie die Fortsetzung des _Merlin_ in dem Vulgat-Zyklus, aber er macht keinen Versuch, Gründe für seine Vermutung anzugeben, viel weniger dieselbe zu beweisen. Unbekannt[23] mit den Hss. No. 112, No. 340 und No. 343 der Pariser National-Bibliothek, mit den spanischen Drucken,[24] mit den portugiesischen Hss. in Wien und Lissabon, war G. Paris von Anfang an nicht in der Lage, eine grundlegende Arbeit zu schreiben, ein endgültiges Resultat zu erlangen.

Ich komme nun zu E. Wechsslers's Arbeit, der das eben genannte Material mit Ausnahme der spanischen Drucke und der Hs. in Lissabon (von der er zwar gehört hatte) nicht nur kannte, sondern zur Verfügung hatte. Wie stellte sich Wechssler die in der Huth-Hs. angedeutete Trilogie des pseudo-Robert de Borron vor?

Während G. Paris gegen den in der Huth-Hs. dem _Merlin_ vorangehenden _Joseph_ nichts einzuwenden hat, erkennt Wechssler richtig, daß manches in der _Suite du Merlin_ darauf hinweist, daß nicht der _Joseph_, sondern die _Estoire del Saint Graal_ vor derselben am Platze sei. Es ist ihm auch klar, daß die Einsetzung der langen _Estoire_ für den kurzen _Joseph_ die Angaben I und II der Huth-Hs. noch rätselhafter machen würde, als sie schon sind; da hilft er sich aus aller Verlegenheit damit, daß er einfach den unbequemen _Joseph_ eliminiert und dem Schreiber der Huth-Hs., oder seinem Vorgänger, zur Last legt, er habe nach dem Muster des ältesten Graal-Zyklus (kannten die Schreiber den so gut wie Wechssler? H. O.S.), wo ebenfalls der _Joseph_ dem _Merlin_ vorangeht, aber hier mit Recht, diesen _Joseph_ in seine Hs. aufgenommen. Ohne auch nur mit einem Worte die zwischen _Merlin_ und _Suite du Merlin_ bestehenden Widersprüche zu erwähnen, arrangiert dann Wechssler die in der Huth-Hs. angedeutete von ihm durch die Bezeichnung "jüngere Kürzung C" unterschiedene Trilogie wie folgt:

I. Buch: fols. 20-125, d. h. _Merlin_ (allem Anschein nach wie derselbe in der Huth-Hs. zu finden ist H. O.S.), plus 50 Blätter der _Suite du Merlin_, zusammen 106 Blätter.

II. Buch: fols. 126-230 oder 104 Blätter und ein halbes.

III. Buch: _Graal-Queste_ und _Mort Artus_, zusammen 105 Blätter, die aber fehlen.

Bezüglich des Inhalts des dritten Buches sagt Wechssler, es sei nicht erhalten, der Verlust sei aber um so weniger zu bedauern, als die beiden Branchen, wenn sie in dem engen Raum von etwa 105 Blättern Platz haben sollten, auf weniger als die Hälfte reduziert werden müßten. "Könnten wir nicht an der _Suite du Merlin_ beobachten", fährt Wechssler fort, "wie der Redaktor sich damit hilft, daß er das Überschüssige ohne weiteres wegläßt, so wären wir berechtigt zu bezweifeln (ich habe stets bezweifelt, H. O.S.), daß dieses letzte Drittel überhaupt je ausgeführt wurde".

Kann, was Wechssler vorschlägt, wirklich ernstlich als eine Lösung des Rätsels angesehen werden? Kann eine solche, mechanisch zugestutzte, Version, wie er sie beschreibt, die zwar in einer einzelnen Hs., und vielleicht in einer Abschrift derselben durch einen unwissenden Schreiber bestehen kann, als literarische Produktion, als Glied in der Entwicklung eines Graal-Zyklus gelten, ist dieselbe als solches nicht einfach eine Unmöglichkeit?

Ich bin gerechtfertigt, wenn ich annehme, daß Wechssler, wenn er die spanischen Drucke gekannt hätte, "eine jüngste Kürzung D" angenommen haben würde.

Selbst zugegeben, daß Wechssler's Vorschlag die Stellung der Angabe II erklärlich erscheinen läßt, so kann das doch von der Angabe I durchaus nicht behauptet werden.

Scheinbar hat Wechssler seine jüngere Kürzung C selbst nicht befriedigt, denn er sucht sie dadurch zu stützen, daß er sie von einer zweiten Trilogie des pseudo-Robert de Borron herleitet, die er "ältere Kürzung B" nennt, und die er folgendermaßen beschreibt:

I. Buch: _Estoire del Saint Graal._

II. Buch: Die Huth-Hs. _minus Joseph plus_ Hs. No. 112, fols. 22-58.

III. Buch: Portugiesische Hs. Wien.

Ich habe keine Ahnung, welcher Art die _Estoire_ sein kann, die Wechssler's erstes Buch ausfüllen soll, das aber kann ich sagen, die in der Hs. zu Lissabon befindliche ist es nicht, und kann es nicht sein. Vielleicht glaubte Wechssler, daß diese _Estoire_ die erweiterte Hippocrates-Episode[25] und die Abenteuer des Grimaud enthielt?