Deutsche Humoristen, 4. und 5. Band (von 8)

Part 13

Chapter 133,574 wordsPublic domain

Da sitzen die Englein an langen Tischen, ab und zu Feen dazwischen, die den kleinsten zeigen, wie’s zu machen, und weben und kleben die niedlichsten Sachen, hämmern und häkeln, schnitzen und schneidern, fälteln die Stoffe zu zierlichen Kleidern, packen die Schachteln, binden sie zu und haben so glühende Bäckchen wie du! Herr Jesus sitzt an seinem Pult und schreibt mit Liebe und Geduld eine lange Liste. Potz Element, wieviel artige Kinder Herr Jesus kennt! Die sollen die schönen Engelsgaben zu Weihnachten haben.

Was fertig ist, wird eingesackt und auf das Eselchen gepackt. St. Niklas zieht sich recht warm an -- Kinder, er ist ein alter Mann, und es fängt tüchtig an zu schnei’n, da muß er schon vorsichtig sein!

So geht es durch die Wälder im Schritt, manch Tannenbäumchen nimmt er mit, und wo er wandert, bleibt im Schnee manch’ Futterkörnchen für Hase und Reh. Leise macht er die Türen auf, jubelnd umdrängt ihn der kleine Hauf: „St. Niklas, St. Niklas, was hast du gebracht? Was haben die Englein für uns gemacht?“ „Schön Ding! Gut Ding! aus dem himmlischen Haus! Langt in den Sack! Holt euch was ’raus!“

Philisterglück

von

Anna Ritter.

Gestern standen sie im Blättchen als Verlobte. Heut’, zur Stunde der Visiten, wird die Runde abgegangen durch das Städtchen. -- Freudig warten schon die Tanten. --

Er im Gehrock, sie in Seide, sittsam lächelnd alle beide, mit gewinnenden Manieren führen sie ihr Glück spazieren zu den Freunden und Verwandten!

Hinter ihnen wandelt Amor .... Amor -- wirklich? Baß erschrocken seh’ ich ihn: ist das der böse, hübsche, kecke Liebesbengel?

Fein und sittsam wie ein Engel schreitet er, die goldnen Locken glatt gescheitelt, voll Pomade. Samtne Pluderhosen decken tugendhaft des Bübchens Blöße, und die kleinen Füße stecken bis zur rundlich festen Wade ehrbar in gestrickten Socken! Schade --!

Gekränkte Unschuld

von

Anna Ritter.

Ein Rad gebrochen! -- Da liegt das Heu ... Da liegt der Wagen ... und nebenbei ein blasses, schmächtiges Dirnchen steht, das heulend die Zipfel der Schürze dreht. „Was willst denn?“ Ich streichle ihm sanft das Gesicht. Da zeigt’s auf den riesigen Wagen und spricht, das zitternde Stimmchen von Schluchzen zerrissen: „Sie sagen, ich hätte ihn umgeschmissen.“

Annesmeert[231]

von

Lulu von Strauß und Torney.

Die Fliegen summen, die Wanduhr tickt, er hockt am Ofen im Stuhl gebückt, von Zeit und Arbeit das Wams zerschlissen, zahnlos der Mund und spärlich das Haar, auf der Stirn die Runzeln der achtzig Jahr. Und neben ihm in den Wiegenkissen ein winziges Köpfchen mit dünnem Flaum, ein Stückchen Leben, drei Tage kaum. Steht vor den beiden ein kleiner Wicht, weißblond der Krauskopf und derb die Glieder, der beugt sich über das Bettchen nieder und guckt und schneidet ein kraus Gesicht: „Slöppt use Lüttje[232]? Ne kiek eis dor, Grotvatter, de het jo gorkeen Hor.“ Der Alte streicht sich den weißen Bart, „dat kummt noch, Jung, wenn he gröter ward. Nu lop[233] man hen!“ Der Junge bleibt stehn. „Grotvatter, he het jo gorkeen Tähn[234]?“ Der Alte knurrt nur halb grämlich müd. „De wasset[235] ok noch, dat het noch Tid[236].“ Die braune erdige Bubenpfote tippt auf das Köpfchen, das runzlich rote, und rückt die Wiege ins grelle Licht: „Un Schrumpeln het he ok ins Gesicht!“ Der Graukopf im Stuhle schweigt und nickt, die Fliegen summen, die Wanduhr tickt, der Blondkopf trottet zur Türe stumm, doch auf der Schwelle dreht er sich um, er zieht das Gesicht in wichtige Falten und blinzelt pfiffig zurück zu dem Alten: „Grotvatter, us’ Lüttje, de is nix wert, ick glöv, mit den sünd wi annesmeert, de het jo’n Gesicht just sao as din, dat möt jau’n ganzen Ollen sien.“

Ein Kontertanz

von

Carl Müller-Rastatt.

Im Saal voll Pracht und Lichterglanz lädt die Musik zum Kontertanz. Es stehen in der Tänzer Reihn ein Jüngling und ein Jungfräulein: _Compliment!_

„Hier fände ich mein Glück vielleicht!“ Der Jüngling denkt’s und sinnt und schweigt. Und schweigend denkt das Mägdelein: „Soll dieser wohl der Rechte sein?“ _Balancez!_

Die Augen beider grüßen sich. Dem Jüngling wird so seltsamlich. Der Jungfrau Busen hebt sich bang. Mir scheint: die Sache kommt in Gang. _Tour de main!_

Dem Frieden trauen soll man nie! Die Dame seines Vis-a-vis beäugt den Jüngling höchst kokett. „Sieh!“ denkt er, „die ist auch recht nett!“ _Chaîne anglaise!_

Mit Staunen sieht die Jungfrau an den bösen, wankelmütigen Mann. Und allsogleich sie bei sich spricht: „Der Rechte ist das wieder nicht!“ _Dos-à-dos!_

Der Jüngling merkt, daß sie sich grämt, geht in sich und ist tief beschämt. Er macht sich schnell zum Sturm bereit, daß er versöhnt die holde Maid. _Le cavalier en avant!_

Er schneidet ihr mit Macht die Cour und schwört, daß sie alleine nur die Sehnsucht seiner Träume stillt. In ihrem Busen wogt es wild: _Moulinet!_

Sie glaubte gern und zaudert doch. Da wird er ungestümer noch und fängt sie endlich glücklich ein. Sie flüstert schämig: „Ich bin dein.“ _En avant deux!_

Er küßt, in heißer Lieb’ entbrannt, verstohlen ihre kleine Hand und spricht: „Ob’s stürmt, ob Sonne scheint, wir ziehn durchs Leben nun vereint!“ _Grande ronde!_

_Qui pro quo_

von

Dr. Owlglaß.

Heute griff ich hinter meinen Kasten, wo die Leier der Gefühle schwebt, neben der mit schwarz-rot-goldnen Quasten meine alte Tubakspfeife klebt.

Zwar -- dies will ich lieber gleich gestehen -- tat ich’s zweifelhäftigen Gesichts: von des Geistes heiligem Flügelwehen spürt’ ich nämlich wenig oder nichts.

Doch ich sprach: „Wozu die innren Stimmen? Soll ich warten, bis mich’s zärtlich rief? Nein, ich flöte auf den pseudonymen, auf den kategorischen Imperativ!“

-- Aber sieh, die Leier hing zersprungen an der zugehörigen grünen Schnur, von der Sommerhitze tief durchdrungen! ... Weinend gab ich sie in Rep’ratur.

Und so säß’ ich traurig in der Seife, von dem Kuß der Musen unberührt, hätt’ ich nicht die alte Tubakspfeife, die mich aushilfsweise inspiriert.

Er bokulirt im Hirschen

von

Arno Holz.

Ode Trochaica.

Lustig-seyn und nicht studiren, durch die Gassen kreutz und krumm nach den Mägdgens scharmutziren, lustig-seyn und nicht studiren. Dihses ist mein Bropprium!

Bluhder-Hosen, Bontac-Flaschen, Wörffelgens und ein Rappihr, darzu Goldt in allen Daschen, Bluhder-Hosen, Bontac-Flaschen, Bruder-Hertz, daß lohb ich mir!

Wihder blühen itzt die Pfirschen, alles ist wie Rohsen-roht, drümb, so sizz ich hihr im Hirschen, wihder blühen itzt die Pfirschen, Dabbak ist mein Himmels-Brodt!

Hühnergens in Galantine stellt man mir auff meinen Disch, Blühmckens zihren die Turrine, Hühnergens in Galantine, auch die Sprottgens sind schön frisch!

Kugel-Dorten, Eyer-Baben seh ich fröhlichen Gesichts, darfor bün ich stähts zu haben, Kugel-Dorten, Eyer-Baben, hola, Jung, verschütt mir nichts!

Jeder Dropffen, den ich drincke, schärfft mir mehr das Capitol; komme wihder, wenn ich plincke, jeder Dropffen, den ich drincke -- Himmel, Herrgott, ist mir wohl!

Flöten, Lauten und Pandoren, Gott sey Danck, itzt sind sie da! Singt und springt mir in die Ohren, Flöten, Lauten und Pandoren, drey mahl hoch die Musica!

Nachts mit gantz verschobner Krause steh ich dan für meiner Thür. Bün ich würcklich schon zu Hause? Nachts mit gantz verschobner Krause, ha, wie kom ich mir blohß für?

Soll ich itzt Skarteken schmihren? Oder -- dreh ich wihder um? Nein, ich gehe cortesiren! Soll ich itzt Skarteken schmihren? Dihses were mir zu thumm!

Meine Feuer-reichen-Jahre blühn mir itzo, oder nie. Pallas hat zu kortze Hahre, meine Feuer-reichen-Jahre sind mir vihl zu werth for sie!

Die sieben Heller

von

Frank Wedekind.

Großer Gott im Himmel, sieben Heller sind mir noch geblieben! Was nur fang’ ich armer Mann mit den sieben Hellern an?

Tod und Teufel, wären’s zwanzig, tanzte gleich noch einen Tanz ich auf der Bühne bunt bemalt, wo man 20 Heller zahlt!

Wären’s fünfzehn! -- Einen Teller Wurst kauft man für fünfzehn Heller. Hungrig bin ich so wie so; eine Wurst macht lebensfroh.

Ach und wären’s auch nur zehne! Ein Schluck Bier, den ich ersehne, ist er gleich ein wenig klein, muß für zehne käuflich sein!

Aber sieben, sieben ganze rote Heller, nicht zu Tanze, nicht zu Wurst und nicht zu Bier, gar zu nichts verwendbar mir! --

Lehr’ mich du, o Fürst der Hölle, was tätst du an meiner Stelle, wenn im Beutel du zuletzt nur nach sieben Heller hättst?

Alsbald zieht der große Weise seine düstern Zauberkreise, spuckt nach rechts und links und spricht: „Hör’ mich an, du armer Wicht!

„Kommt bei Wettersturm und Regen dir ein Bettelkind entgegen, schwarz von Auge, schwarz von Haar, Busen im Entwicklungsjahr,

„Wirf ihr deine sieben Heller in des Hemdes losen Göller, sag’ ihr, sie sei engelschön, schweig’ und heiß’ sie weitergehn!

„Du hast Freude, sie hat Freude, freuen werdet ihr euch beide; meine Freude hab’ auch ich, segne und belohne dich!“

Wir zwei

von

Gustav Falke.

Wir haben oft beim Wein gesessen und öfter beim Grog. Beim Pfandverleiher lag indessen der Sonntagsrock.

Wir haben die lustigsten Mädelgeschichten ausgetauscht, an Abenteuern und an Gedichten uns weidlich berauscht.

Wir haben, o je, von unsern Schulden uns vorgeklagt. Vertranken dabei den letzten Gulden; nur nicht verzagt!

Wir haben uns immer zusammengefunden, wars Wetter schlecht; und waren die gräulichen Wolken verschwunden, dann erst recht.

Wir sind zwei Kirschen an einem Stengel, ein Zwiegesang, ein Kanon, wie er von Bach bis Klengel noch keinem gelang.

Wir sind zwei Schelme. Wenn sie uns fangen, Philistergericht, wir müssen an +einem+ Galgen hangen, sonst tun wir’s nicht. --

Nachtwandler

von

Gustav Falke.

Trommler, laß dein Kalbfell klingen, und, Trompeter, blas darein, daß sie aus den Betten springen, Mordio, Michel, Mordio! schrein, tuut und trumm, tuut und trumm, Zipfelmützen ringsherum.

Und so geh’ ich durch die hellen, mondeshellen Gassen hin, fröhlich zwischen zwei Mamsellen, Wäscherin und Plätterin: links Luischen, rechts Marie, und voran die Musici.

Aber sind wir bei dem Hause, das ich euch bezeichnet hab’, macht gefälligst eine Pause, und seid schweigsam wie das Grab! Scht und hm, scht und hm, sachte um das Haus herum.

Meine heftige Henriette wohnt in diesem kleinen Haus, lärmen die wir aus dem Bette, kratzt sie uns die Augen aus. Scht und hm, scht und hm, sachte um das Haus herum.

Lustig wieder, Musikanten! Die Gefahr droht nun nicht mehr, trommelt alle alten Tanten wieder an die Fenster her! Tuut und trumm, tuut und trumm, Zipfelmützen ringsherum.

Ja, so geh’ ich durch die hellen, mondeshellen Gassen hin, fröhlich zwischen zwei Mamsellen, Wäscherin und Plätterin: links Luischen, rechts Marie, und voran die Musici.

Zwanzig Mark

von

Gustav Falke.

Herr Wirt, heut’ hab’ ich zwei Zehner im Sack, dafür kann ich den König nicht kaufen, und könnt’ ich ihn kaufen, zwei Zehner im Sack, den König mit Krone und Orden und Frack, ich lachte und ließ ihn laufen. Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark, ja, zwanzig Mark, und die, die will ich versaufen!

Und hier auf dem Tisch, heraus aus dem Sack, wie köstlich das klimpert und klappert! Zwei goldene Zehner heraus aus dem Sack, zwei silberne Flaschen, herunter den Lack, kein Tröpfchen werde verlappert. Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark, ja, zwanzig Mark, doch vor allem, Herr Wirt, nicht geplappert.

Denn hört es ein dritter, zwei Zehner im Sack, die Stadt gleich wird es durchlaufen, der Schneider, der Schuster, zwei Zehner im Sack, die Wirtin, die Waschfrau, o Weiberschnack, sie kommen und zetern in Haufen: zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark, ja, zwanzig Mark, und die, die will ich versaufen.

Und darum, Herr Wirt, zwei Zehner im Sack, was rund ist, was rund ist, muß laufen, so lauf’ denn, mein Freund, zwei Zehner im Sack, he, tummle dich, hurtig! Zwei Zehner im Sack. Zwei Witwen will ich mir kaufen. Zwei goldene Zehner macht zwanzig Mark, ja, zwanzig Mark, und die, die will er versaufen!

Gute Nacht

von

Gustav Falke.

Das war der Junker Übermut, die Stirne frei, den schlappen Hut verwegen nur im Nacken; laut klirrten ihm die Hacken.

Das war die Jungfer züchtiglich, ging stets einher, als schämt’ sie sich, als könnt’ sie beim Spazieren ihr Seelenheil verlieren. --

Das war, das war, das ist, das ist, sein Rößlein ihren Hafer frißt, er sitzt zu ihren Füßen und muß im Garne büßen.

Draus wirkt sie ihm ein weiches Hemd, das macht ihn welt- und menschenfremd, der Rest, daß sie ihm nütze, der Rest gibt eine Mütze.

Was sagt er jetzt, Herr Übermut? Schön gute Nacht und schlaf er gut! Das Spiel hat er verloren, sein Weib gewann die Sporen.

De kloke[237] Spitz

von

Gustav Falke.

„Spitz,“ seggt[238] Fritz, „sett di hen[239], Spitz!“

„Spring,“ röpt[240] Karlin, „warst König, kriegst ’n Buddel Win[241].“

„Apport!“ kummandeert Hans. „Na? Woans[242]?“

„Ach,“ denkt de Spitz, „man hett ja sinen Witz, strengt sik ok an un deit[243], wat man kann. Awerst dree Schoolmeester to hoop[244], all upp’n mal: Sett di hen, spring, loop[245]! Da kann ja’n Pudel de Geduld bi verleern, un so’n Pudel deit so wat doch süß[246] ganz geern. Wardt’t mi to veel -- Hans kiekt[247] mi all so an -- nei ik ut[248]. All wat ik kann.“

„Spitz,“ seggt Fritz, „sett di hen, Spitz!“

„Spring,“ röpt Karlin, „warst König, kriegst ’n Buddel Win.“

„Apport!“ kummandeert Hans. „Na? Woans?“

„Soans,“ knurrt Spitz, un hei! weg is he, as[249] de Blitz.

Döntje[250]

von

Gustav Falke.

Dar weer mal’n lütt Hohn[251], dat harr nix to dohn, do leggt dat en Ei, dat Ei güng entwei, do keem dar’n lütt Katt rut[252], de Katt, de seeg swatt ut[253] un sä[254] to’t lütt Hohn: „Du hest nix to dohn? Denn wil ’k di wat wisen[255], ik warr di verspisen, ik freet di un denn hett all Not ’n Enn[256].“

Die zierliche Geige

von

Gustav Falke.

Ein klapperdürrer Fiedelmann stand unter einem Baume, und setzte seine Geige an und geigte wie im Traume, und sang ein leises Zwitscherlied, das rührte an die Äste, und als der letzte Ton verschied, da starb ein Spatz im Neste.

Der klapperdürre Fiedelmann stand unter trocknem Kranze, und setzte seine Geige an und geigte flott zum Tanze, und geigte flott zum Erntebier, wo Rock und Schürze fliegen, ein letzter Triller, zart und zier, da muß die Großmagd liegen.

Und wieder stand der Fiedelmann stocksteif vorm Pastorate, und setzte seine Geige an zur geistlichen Sonate. Ein rührend Religiosa sang von allen Himmelsschauern, ein schluchzender Morendogang -- wer predigt nun den Bauern?

Dann stand der fleißige Fiedelmann wohl auf der Herrendiele, und setzte seine Geige an zu raschem, scharfem Spiele. Das klang halb wie ein Trinklied froh, halb wie ein Sturm auf Schanzen, ein kurzes, keckes Tremolo, da muß der Schloßherr tanzen.

Und neulich stand der Fiedelmann auch vor des Schulzen Kammer, und setzte seine Geige an und sang wie eine Ammer, und sang und sang den ganzen Tag, und sang vor tauben Ohren, an dem, der da im Fieber lag, schien jede Kunst verloren.

Da trat er dicht ans Bettgestell, hub wütend an zu kratzen, doch statt des Kranken Trommelfell mußt’ ihm die Quinte platzen. Erbost schlug er sein Saitenspiel aufs Haupt dem zähen Recken, die Geige in zwei Stücke fiel, der Schulze starb vor Schrecken.

Der klapperdürre Fiedelmann, da hockt er nun am Rande, und leimt sein Zeug so gut er kann, flickt Saiten, Steg und Bande, und brummt: „Das hat man nun davon, dem spielt’ ich zu manierlich, jetzt lern’ ich Baß und Bombardon, die Geige ist zu zierlich.“

Auf dem Maskenball

von

Gustav Falke.

Die Geigen girren leise, die Flöten flüstern so fein, die Masken dreh’n sich im Kreise, plump fährt die Pauke drein.

Die Bläser blähen die Backen, das Bombardon poltert wie wild, da dreht sich auf zierlichsten Hacken auf einmal das zierlichste Bild.

Ein Seufzer der Klarinette, ein zärtliches Ach der Obo; Tanze mit mir, Pierette! -- Kein Füßchen tanzte je so.

Die Geigen girren leise, die Flöten flüstern so fein, die Masken drehn sich im Kreise, ein Pfropfenknall fährt drein.

Die Bläser blähen die Backen, das Bombardon winselt wie wund. Den Arm um den reizendsten Nacken, such’ ich den reizendsten Mund.

Ein Seufzer der Klarinette, ein zärtliches Ach der Obo; Küsse mich, Pierette! -- Kein Mündchen küßte je so.

Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.

Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung.

Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, „hervorragenden Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des deutschen Volkes zu setzen“ und durch Verbreitung guter Bücher der schlechten Literatur den Boden abzugraben. Sie begann ihre +Tätigkeit+ i. J. 1903 damit, daß sie an 500 Volksbibliotheken je 20 Bände verteilte, unter denen sich z. B. Fontanes „Grete Minde“ -- M. v. Ebner-Eschenbachs „Gemeindekind“ -- eine Auswahl der „Deutschen Sagen“ der Brüder Grimm -- Roseggers „Als ich noch der Waldbauernbub’ war“ befanden. Die zweite Bücherverteilung umfaßte 40 Werke (in 23 Bände gebunden) in je 750 Exemplaren -- die dritte 42 Bücher (31 Bände) in je 750 Exemplaren -- die vierte 43 Bücher (36 Bände) in je 800 Exemplaren, die fünfte 28 Bücher (25 Bände) in je 900 Exemplaren.

Abzüge des +Werbeblatts+, des letzten Jahresberichts, auch des Aufrufs und der Satzungen usw. werden von der Kanzlei der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel gern unentgeltlich übersandt. -- Die Stiftung hatte 1905 erst 934 Mitglieder, im Jahre 1906 schon 3.688, 1907 6.500, Ende 1908 9.161. Sie führt diesen Aufschwung auf das allgemeine Wachsen des Kulturinteresses zurück und bittet alle Freunde, ihr durch Zusendung von Adressenmaterial an ihr Werbeamt bei der Ausnutzung dieser Wendung zum Besseren zu helfen.

Die Stiftung erbittet besonders jährliche, aber auch einmalige Beiträge. +Für Jahres-Beiträge von 2 Mk.+ aufwärts gewährt die Stiftung durch Übersendung eines Einzelbandes ihrer „Hausbücherei“ oder ihrer „Volksbücher“ oder des Schillerbuches Gegenleistung. Wer 25 Mark Jahresbeitrag zahlt, erhält auf Wunsch alle im gleichen Jahre erscheinenden Bände der „Hausbücherei“.

Die +Beiträge+ werden in jeder Höhe entgegengenommen von der Deutschen Bank, Berlin, und ihren sämtlichen Zweiganstalten und Depositenkassen -- Postscheckkonto Hamburg Nr. 737 -- der k. k. Postsparkasse, Wien [auf Konto Nr. 859112] -- und der Stiftung selbst in Hamburg-Großborstel.

Alle +Briefe+, +Anfragen+ usw. werden unpersönlich mit der Aufschrift „Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel“ (möglichst unter Hinzufügung der betr. Abteilung) erbeten.

Man verlange die erwähnten Drucksachen.

Gute und billige Bücher

Unter den mancherlei billigen Sammlungen, die in den letzten Jahren zur Verbreitung guter Literatur geschaffen wurden, zeichnen sich die Bücher der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung durch sorgfältige literarische Auswahl und ausgezeichnete Ausstattung aus: holzfreies Papier, schönen und großen Druck, abwaschbaren, geschmackvollen Einband. Diese Eigenschaften haben in Verbindung mit dem äußerst billigen Preise den beiden Sammlungen der Stiftung schnell große Verbreitung verschafft.

Bisher sind erschienen:

Hausbücherei

(nur gebunden, jeder Band 1 Mark)

Bd. 1. +Heinrich von Kleist+: Michael Kohlhaas. Mit Bild Kleists. 7 Vollbilder von Ernst Liebermann. Einleitung v. _Dr._ Ernst Schultze. _11.-20. Taus._ 170 S.

Bd. 2. +Goethe+: Götz von Berlichingen. Mit Bild Goethes. Einleitung v. _Dr._ W. Bode. _6.-10. Taus._ 178 S.

Bd. 3. +Deutsche Humoristen.+ _1. Bd._: Ausgew. humor. Erzählungen v. P. Rosegger, W. Raabe, Fr. Reuter und A. Roderich. _31.-35. Taus._ 221 S.

Bd. 4. +Deutsche Humoristen.+ _2. Bd._: Cl. Brentano, E. Th. A. Hoffmann, H. Zschokke. _16.-20. Taus._ 222 S.

Bd. 5. +Deutsche Humoristen.+ _3. Bd._: Hans Hoffmann, Otto Ernst, Max Eyth, Helene Böhlau. _21.-25. T._ 196 S.

Bd. 6/7. +Balladenbuch.+ _1. Bd._: Neuere Dichter. _11.-20. T._ 498 S. 2 Mark.

Bd. 8. +Herm. Kurz+: Der Weihnachtsfund. Eine Volkserzählung. Mit Bild Kurz’. Einleitung v. Prof. Sulger-Gebing. _6.-10. Taus._ 209 S.

Bd. 9. +Novellenbuch.+ _1. Bd._: C. F. Meyer, E. v. Wildenbruch, Fr. Spielhagen, Detl. v. Liliencron. _21.-25. Taus._ 194 S.

Bd. 10. +Novellenbuch.+ _2. Bd._ (Dorfgeschichten): E. Wichert, H. Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. _11.-15. T._ 199 S.

Bd. 11. +Schiller+: Philosophische Gedichte. Ausgew. u. eingel. v. Prof. E. Kühnemann. Mit Bild Schillers. _6.-10. T._ 230 S.

Bd. 12/13. +Schiller+: Briefe. Ausgew. und eingel. von Prof. E. Kühnemann. Mit 2 Bildern Schillers. 2 Bände in 1 Bande. _6.-10. Taus._ 226 u. 302 S. 2 Mark.

Bd. 14. +Novellenbuch.+ _3. Bd._ (Geschichten aus deutscher Vorzeit): A. Schmitthenner, J. J. David, W. Hauff. _11.-15. Taus._ 246 S.

Bd. 15. +Novellenbuch.+ _4. Bd._ (Seegeschichten): Joachim Nettelbeck, W. Hauff, Hans Hoffmann, W. Jensen, Wilh. Poeck, Johs. Wilda. _11.-15. Taus._ 179 S.

Bd. 16. Auswahl aus den Dichtungen +Eduard Mörikes+. Herausgeg. u. eingel. v. Dr. J. Loewenberg-Hamburg. Mit Bild u. Silhouette Mörikes _6.-10. Taus._ 235 S.

Bd. 17. +Heine-Buch.+ Eine Auswahl aus Heinrich Heines Dichtungen Herausgeg. und eingel. von Otto Ernst-Hamburg. Mit Bild Heines. _6.-10. Taus._ 203 S.

Bd. 18 u. 19. +Goethes+ ausgewählte Briefe. Herausgeg. u. eingel. v. Dr. Wilh. Bode-Weimar. Mit Bildern Goethes. 2 Bände. _11.-15. Taus._ 169 u. 197 S.

Bd. 20/21. +Deutsches Weihnachtsbuch.+ Eine Sammlung der schönsten u. beliebtesten Weihnachtsdichtungen in Poesie u. Prosa. _11.-20. Taus._ 413 S. 2 Mark.

Bd. 22. +Novellenbuch.+ _5. Bd._ (Frauennovellen): Cl. Viebig, L. v. Strauß u. Torney, Lou Andreas-Salomé, M. R. Fischer. _6.-10. Taus._ 198 Seiten.

Bd. 23. +Novellenbuch.+ _6. Band._ (Kindheitsgeschichten): A. Schmitthenner, H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz, Hans Land, A. Bayersdorfer, Ch. Niese, Th. Mann. _6.-10. Taus._ 199 S.

Bd. 24. +Novellenbuch.+ _7. Bd._ (Kriegsgeschichten): Carl Beyer, H. v. Kleist, W. v. Conrady, M. v. La Roche, D. v. Liliencron, Th. Fontane. _6.-10. Taus._ 177 S.

Bd. 25/26. _Balladenbuch._ _2. Bd._: Ältere Dichter. _6.-10. T._ 518 S. 2 Mark.

Bd. 27. +Karl Immermann+: Preußische Jugend zur Zeit Napoleons. Herausgeg. u. eingeleitet von Dr. Wilhelm Bode-Weimar. Mit Bild Immermanns und 3 Bildern Magdeburgs. _6.-10. Taus._ 171 Seiten.

Bd. 28. +Martin Luther als deutscher Klassiker+, nebst einer Einführung von Dr. Eugen Lessing. Mit Bild Luthers. 176 Seiten.

Bd. 29/30. +Deutsche Humoristen.+ _4. und 5. Bd._ (Humoristische Gedichte.) 351 Seiten. 2 Mark.

Bd. 31. +Deutsche Humoristen.+ _6. Bd._: E. Th. A. Hoffmann, B. v. Arnim, Fr. Th. Vischer, A. Bayersdorfer, Henry F. Urban, Ludw. Thoma. 160 S.

Geschenkausgabe

+mit prächtigem, biegsamem Einband+ mit Goldschnitt sind +zum Preise von je 4 Mark+ hergestellt von:

Bd. 6/7 (rot, Ganzleder) Bd. 12/13 (grün, Ganzleder) Bd. 18/19 (grau, Ganzleder) Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid) Bd. 25/26 (rot, Ganzleder) Bd. 29/30 (rot, Ganzleder).

Luxusausgabe