Des Meeres und der Liebe Wellen: Trauerspiel in fünf Aufzügen
Chapter 6
Schon nimmt sie auf die Wölbung. Die sein warten, Von jenseits kommen sie. Gedränge, Fackelglanz. Die äußre Pforte tut sich auf. Weh uns Sie donnert zu. Der Gang hüllt sich in Dunkel. Sie haben, halten ihn. Er kommt nicht wieder.
(Hero, die bisher halb sitzend an Janthes Knie gelehnt, gleitet jetzt herab und liegt auf den Stufen.)
Janthe. Hero! O mir! Wer steht der Ärmsten bei?
Priester (zurückkommend). Sie führen ihn mit sich, sie rudern fort. Bald trennt das Meer die unheilvoll Vereinten.
Janthe (nach einer Pause aufstehend und herabkommend). Es braucht kein Meer, der Tod hat gleiche Macht, Zu trennen, zu vereinen. Komm und schau So sehn die Toten aus in diesen Landen.
Priester. Spricht das der Wahnsinn?
Janthe. Nein, er hört's. Vorsicht'ger Tor, sieh deiner Klugheit Werke!
Priester. Und gält's ihr Leben! Gäb' ich doch auch meins, Um Unrecht abzuhalten. Doch es ist nicht.
(Er eilt die Stufen hinauf, vor der Hingesunkenen kniend.)
Janthe. Heißt nur die Männer, die den Jüngling tragen, Drauß' harren, es bedarf noch ihres Amts. Zwei Leichen und (ein) Grab. O gönnt es ihnen!
(Zum Priester, der die Stufen herabkommt.)
Nun, Mann, du gehst? So gibst du sie denn auf? Bleib! Eine Dienerin begehrt der Freiheit, Ich kehre heim zu meiner Eltern Herd.
(Der Priester geht, sich verhüllend, ab.)
Du gehst und schweigst? Sei Strafe dir dies Schweigen! Ihr sorgt für sie, wie sonst ich selbst getan. Mich duldet's länger nicht in eurem Hause.
(Sie nimmt den Kranz von Amors Bildsäule.)
Hier diesen Kranz tragt mit der Bleichen fort.
(Den Kranz nach der mit Hero beschäftigten Gruppe hinwerfend, gegen die Bildsäule sprechend.)
Versprichst du viel, und hältst du also Wort?
(Der Vorhang fällt.)
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Des Meeres und der Liebe Wellen, von Franz Grillparzer.