Der zerstörte Tasso: Ausgewählte Gedichte

Part 2

Chapter 23,383 wordsPublic domain

Doch die Manege der Galerien wartet, trampelt und klatscht schon anspruchsvoll, und statt still einzutreten in den Käfig, macht Timolnandi, man verlangt Gefahr zu zeigen, einen Sprung und knallt. Schon kreisen die gallonierten Diener aufgeregt mit großen Stangen und bieten eifrig, eingelernt und ahnungslose Hilfe jedem sichtbar auf der Galerie. Die Löwen liegen träg herum, doch man will Wildheit in den Logen, Verfolgung, Katzensprung und Fellgeruch, Timolnandi weiß es, und er knallt, feixt und springt. Die Löwin sieht ihn ernst und freundlich an, und alle Tiere stehen auf zur Arbeit. Sie machen den Rundgang, der sie wenig unterhält, und geben ihre Gruppenbilder. Der große Löwe auf dem Stuhl öffnet den Schlund mit Furchtbarkeit und wartet gehorsam auf den grellen Pfiff, und schließt ihn wieder. Nun hebt die Löwin seit langem stets nach jenem Pfiff die Tatze, schon hat der Bändiger den Kopf darunter, die Diener bleiben sprungbereit und halten selbst den Atem. Es kommen noch die kunstvollen Figuren, die Pyramide, eine Löwenwendeltreppe, nun kommt noch der verfluchte Peitschenschlag, den jene Bestien mit dem Geld von ihm verlangen, und Timolnandi, tief betroffen, schmerzlich ein jedesmal, gibt einem Löwen mit der Peitsche dieses Opfer eines Hiebs. Der Löwe brüllt und alle andern brüllen, wie fühlt sein Herz mit ihnen ob der Schmach während er springt, fuchtelt und pfeift, die Diener laufen angstvoll und entsetzt zweimal um den Käfig, und das Programm ist aus. Timolnandi läßt den Karren wieder schieben, das Publikum sieht lüstern seinen unberührten Frack, der auch für morgen abend nicht gebügelt werden braucht, und jenes vielsagende Zirkuslächeln auf der Lippe, das ebenso bezahlt wird wie die Schauer gequälter unschuldiger Wildheit, die gefangen ist. Während der Bändiger vor Logen wie vor Galerie, als wären es ausschließlich Fürsten, sich tief verbeugt und ehrfurchtsvoll die Arme breitet, die Hände schaukelt, sich immer wieder streckt und wendet und verbeugt: »Und hinten hab' ich einen Hintern«.

DAS BETT

Heilige Heimat, meiner Ausgesetztheit unbeschreibliches Gehäuse, und nach den Umdonnerungen des Gehenden windgestillte Zuflucht, o du weiße Madonna der Beschützung: Trost vor den Erschütterungen des Draußen und seinem ungleichen, bösen Schwanken. Trostreiche Mutter, die mich einwiegt in Ruhe und Sammlung --, und die sanftesten Verzückungen des Ichs, Einkehr zu mir und Aufruf meiner Abgeschiedenheiten schenkt.

Maßlos versplittert und angetan mit den erbärmlichsten Geschwüren der Feinde und den Aussätzen mitmenschlicher Berührung -- wie linderst du aufgepflanzte Wunden und Angriffe gegen mein inneres Leben, das nun auf ruhigen, strömenden Bahnen leise zurückkehrt, und heilst mit den Wärmen, Geborgenheiten und Verschmelzungen des Schoßes Willkür und Verzweiflung. Das Blut aus deinen linnenduftenden Armen übergeht in meine Verwirrungen, kühlt fiebernde Pulse und den heroischen Aufwand vergeblichen Einsatzes. Du, marienhaft, senkst schwesterliche Rührung und die verzeihenden Gefühle demütiger Unerreichbarkeit in die Flocken meines Herzens, einst das zerstückelte wieder zu den sanften, gesammelten und ergriffenen Schlägen gläubiger Aufrichtung und des glückselig lächelnden Aufblickes zu Gott.

DER ZERSTÖRTE TASSO

I.

Das dünne Zirpen der Harfen um mein Haupt, und leblos lösen Akkorde von den Ohren sich, große unwirtliche Töne. Durch die Waldung schimmern Tücher sanfter Rötung hin und her. Abendliche Szene taut hinter Blumen gelb auf, es folgen dicht die weißen, kleinen Wolken. Ich hebe die Hand mit gespreizten Fingern, leise, schmerzlich löst sich Krampf gegen die Landschaft, und die Knöchel spüre ich gebettet in segelnder Luft.

II.

Himmel spannt gefasert. Grün liegt aufgeschlagen auf den weiten Flächen der Erde, ein Hügel wellt gelenkig in den Horizont hinauf. Stürmische Sonne umsticht mich, daß ich wirrend fliehe, schreiend mein Herz verweißt. Und ich gehe schon ganz auf und auseinander in den Äther und die rinnende Bläue sprengt meine Lunge mich aus.

III.

Fäuste schließen mich ein, Gewänder werfe ich ab. Ich stehe selbstlos angedrängt und verzweifelt wie eine zerwindete Fahne gezückt gegen den zudunkelnden Himmel, ich, Dichter der Leben, schreiender Gott, vertausendfacht geboren und gelebt, in die Stunden der millionen Leben hineingesaugt. Flucht, o tobsüchtige Befreiung, aber wie sich herausbeißen aus den geschlossenen Lippen der Sänger und aufbrechen die Münder der Mädchen?

IV.

Nackte Zehen klatschen über meiner Stirn. Bin ich wach, sind die Nächte aller Frauen mir auferlegt? Gehen die Türen, die Gemächer verdunkeln, Fackeln stehen nicht mehr. Huschen weiße Hemden und eilige Beine an mir vorbei. Erfaßte ich eine. Ich zerdrückte sie tödlich an meinem gestemmten Körper. Meine Hände kriechen schon. Ich liege versteckt und geduckt auf den Fließen. Ruft der Mond euch heraus? Aber ich zerfresse euch die Schritte, ich zerschlage eure Knöchel klirrend. Kommt nur, mit meinen Liedern, auf dem bereiten Mund, an mir vorbei. Die Stunden sind wild gezählt. Ich breche von unten mit meinen Fäusten in euch hinein.

V.

Dunkler Kerker, angeleuchtet von meinen Augen. Deine Wände zerschmelzen vor meinem Finger. Und ich gehe über die geschlossenen Wiesen, die hinter dir stehn. Meine Schritte sind heilig, die Schritte des Dichters, und auf Wasser sinken sie nicht ein. Ich fliehe mit den Spitzen auf den Spitzen der Gräser, selig breiten Mücken summende Gefolgschaft aus, aufschreien gebückte Fische, Würmer und Schlangen, Elefanten mit roten Satteln schweben langsam hin und her. Hunderttausend Hirsche fliegen mit dünnen Beinen. Der Himmel dreht sich mir wie ein Teppich entgegen, er verblättert zu Zweigen unter meinen Füßen, und die Fanfaren des befreiten Jerusalem stehen als brennende Kugeln den Weg.

LANDSCHAFTEN

MANN AM SEE

Der Mann steht unter dem eingedrückten Hut schon spät in der Landschaft. Kühl und von grauenden Nebeln verwäscht die Luft. Weißer Riese, der Berg, geht über den See, dunkeln die Wasser, und es verlöscht links geräuschvoll der Wald. Blauen die Sterne schon angestrengt herunter, nasse Lichter ziehen um die Horizonte herum, der See geht auf, biegen die Ufer, und er versenkt immer wieder sich in den Himmel, eine große Kehle. Stumm segeln Küsten vorbei. Rufe, sagenhaft, schlagen an das Herz des späten Mannes, doch er bleibt herbstend, ungenau erregt, während auf den Wassern Bäume in schattenhaften Kugeln jagen über den Berg und den Wald, der sich immer wieder hebt und in die Kniee legt.

ABENDSONNE

Grüne Berge, weitgeflächt, schaukeln in den Himmel auf, Schluchten rote Rosen, ausgefaltet, scheinen himmelauf. Flüsse werden gläsern dicht und brennen in der Erde, springen weiße schlanke Hirsche durch die Luft, schwarze Pferde, aufgenüstert seliger Gebärde, sternen glanzvoll ein in Duft.

Schreie wiegen über Gipfel und der See voll roten Mohn rundet sich zu einem dünnen angestrengten Ton. Schäumende Sonnen voller Salz geht mein Atem abendverzückt und ciaconnen über Wiesen und Herz. Flüsse fiebern in den Fersen, Knie spannen sich verzückt und aus weitgetanen Seelen glückt tierisches Verversen.

Rasen mildgedehnte Hände und das gezeltete Gehirn abendsternt. Gehen die verschichteten Gelände der Luft über das himmlische Angesicht, verschmelzen im Blitz der blauenden Brände Ampel und Dunkelheit, Mond und Licht.

Grünen die Büsten auf gefeuerten Balkonen, Brust der Menschheit wehet auf, dröhnen die wiegenden Anemonen mitten im himmlischen Verlauf.

SPÄTE LANDSCHAFT

Die Bitterkeit der Abende fließt sickernd durch die Landschaft auf das Feld. Gezinkter Stern für Stern verschießt. Stumpf und mit der Fülle Mond entseelt ein großer Wald sich ein. Gehäusig und verdichtet fällt der Himmel ständig und ein Stein auf diese unerschöpflich dunkle Nebelwelt.

Schweben langsam Himmelstücher auf und eine Wolke schaukelt vor den Mond. Summende Erde wiegt verschlossen auf und über allen Gräsern tont ein Schatten aquamarin, körperlos gefüllt. In Schleier grau und wehend eingehüllt frauengleichem Moll weich schreiten Terzen, und unaufhörlich rollt um sanft gespannte Herzen der nächtliche Verlauf.

NACHT

Magischer Urwald des Himmels breitet sich, Wolken schleichen schwarze Panther. Grau verliert ihr Schritt. Der Mond reitet auf, das große Zeichen der gekreuzten Sterne phosphoresziert grün und grundlos. Voller Nässe wäscht die Ferne zusammen und schwimmt aufgeblasen, Nacht und Regenmesse dröhnt mit schwarzen Stimmen an die Scheiben der Luft, heimatlos und irrend unter keinem Dach. Menschen schon verglimmen und die dunklen Spiegel rasen.

OHNMÄCHTIGE STUNDE, VERSAILLES

O, gehn wir den Weg bis zum Wasser, den langen, ausgehöhlten,

die Bäume stehen kalt und grau auf beiden Seiten in Kutten, die Mönche des Herbstes.

Der Weg ist bilderlos und lang, wie ein Gang in den Klöstern.

Kein Leben schreit auf, nicht eine Krähe wirrt und der See glänzt bös und angefault.

Mein Herz schlägt ohne Atem, angehalten, fröstelnd und schwer in den Klöstern des Bluts.

LANDSCHAFT

Der Berg geht über den Wiesen auf großtümlich und mit offenen Armen. Kühe weiden ernst und voll sanfter Bückung. Fern und in glänzender Verrückung faltet sich mit einiger Mühe der Himmelssturz hinauf.

Seine Fasern gelben wie alterndes Pergament und die Wolken eilen fußlos unten vorbei, segelnde Unbesorgtheit. Weit und leise tönt ihre weiße Reise zurück, Krähen stechen, mit dickem Schrei blitzen sie ein in das Firmament.

NASSER ABEND

Dumpfen die kugelnden Sternbilder nassen Abend ein und die Luft schleiert in den hängenden Fäden des Regens langsam und grau zu einem Weiher ein. Dünn geht ein Schein durch die hängenden Wasser und in die Ermüdung eines Bewegens aufglotzender Chimären, naßstechend, bettet sich Spleen. Fernen stehen undurchsehbar um mich herum, und welches Wissen, daß sie ohne mich weiter unter dem Himmel ziehn, sonnig blau beschienen und freundlich, während ich stumm einsame unter den fallenden Kuttichen, wie ein Mönch mich zwänge durch der Regen lange, drohend dunkle kalte Klostergänge.

MITTERNACHT

Über die sich verschließenden Wiesen jagen letzte, tuschtiefe Wolken leicht, Nacht schwebt in Sänften vorübergetragen, Monde galeeren, Sterne verflaggen und das Firmament glast und entweicht.

Gehen die stürmischen Himmel schon ein in das verzückte Luftreich da oben, sammelt sich rötlich verfließender Schein, Wolken verweiden, Bläuen vertoben, schaukeln die Erde in Finsternis ein.

Herrisch ziehen die Planeten auf wachsen zu Wäldern, Schluchten und Ozean schleifen zerstörend stromauf -- sinken die Sterne und der Mond, vertan, spreizt ein breites Gesicht. Zartes wogendes Bewegen schleiert und dunkelt, und das Herz seelt aufgetan durch die Landschaften des Äthers nachtverwegen.

MITTAG

Opium kriecht spurig im Gedächtnis auf, schwarzes Morphium tont die Welt, der Landschaft weißkohlenes Vermächtnis mittagdunkelt überhellt.

Rote Striche schießen nieder, platzt das kugelnde Firmament, heiß wirren die gezogenen Lider, das kühle Zimmer verbrennt.

Maulwurf hält leise angeschienen, Sonne knäult das Blut, in den Hintergründen tut Muschel des Horizonts sich auf.

Jagen über die Gipfel der Herzen Blumen und ich verstreue mein Blut an die staubende Seele, himmelhoch schichtet mein Fuß in den Ruhmen -- stürzet die Landschaft und bronzen zerwässert der Tag.

WINTER

Steinen die Gefühle in müder Erschrockenheit unerwartet ein, und in der Menschen sich schließenden Brust verglasen die Weiher. Vor dem schon immermehr dünnenden Sonnenschein steht in geschichteten Scheiben die Luft, klirrend und gefroren und das heiße Rasen der Herzen hält verwirrend. Breitet das Eis sich hart und stumm auf Bewegen, steifen die Gedanken und verloren, plötzlich schon alt, fahlen Gesichter und letzte herbstrote Ranken. Tiere in Käfigen gehen unruhig um, werden sprachlos und kalt.

SOMMERABEND

Gehen über den Fluß leichte versonnte Schritte des Himmels schon und die Wolken schatten einen blauen undurchwirkten Ton auf die rundenden Wellen. Dunkelt der Grund grün und scheinen schlanke blitzende Forellen vorbei, sickert ein grelles Weinen der gehenden Sonne nach durch die Fasern der Luft, Feldblumen schließen sich, Büsche und Sträucher schleiern in Duft. Silbern verschießen Villen und Brunnen und der Polarstern heilt, nachtblauender Heiland. Bäume verelfen aufrecht und hinter der weißenden Wiese steht der Horizont getan, hebt breite Hände gleichmäßig gegen diese verballende Abendnacht, die kühl und schäumend sich verteilt.

PSALMEN DAVIDS

DER ERSTE PSALM

Der nicht wandelt mit den Gottlosen gebenedeit, der nicht die Sünde geht und bei den Spöttern nicht ruht lobsingt des Herren Worte Tag und Tag.

Ist ein Baum an den eilenden Bächen ruhig reift klar, nie braunen die Blätter ihm, dem alles gerät und sich versammelt

doch die Gottlosen zerstreuen. Im Wind sind Spreu werden nicht geduldet im Gerechten und versinken ihre Wege vor Jehova.

DER SECHZEHNTE PSALM

Hüte mich, Herr, denn ich bin eingezogen in Dich.

Ich bin gut Deinen Heiligen und Herrlichen -- fahlen unnennbare Läufer hinter erlogenem Gott.

Du aber, Herr, wirst mein Erbe, der immer sitzt an meiner Rechten, und meine Ehre ist fröhlich, in den Nächten gehe ich auf, sicher liegt mein Fleisch.

Du wirst Deinen Heiligen nicht verwesen lassen -- ist ewig der liebliche Atem um Dich.

DER EINHUNDERTUNDZWEITE PSALM

Nicht länger verberge Dein Antlitz, Herr, Stunden meiner Angst -- jetzt neige Dich mir und rasch antworte gleich, rufe ich Dich auf.

Gehen meine Tage vorüber wie der Rausch und es verbrennen mir die Knochen im innern Herd.

Geschlagen wurde mein Herz und es verdorrt wie das Gras

und ausgebrannt ist mir Gedächtnis und ich vergaß mein Brot.

Aber ich heule mich aus und auseinander und es erdrückt mein Fleisch schon die Knochen.

Ich bin ein Pelikan in der Einöde und die Nachteule in den Ruinen und ich wache verlassen -- ein Sperling allein auf dem Dach.

Meine Feinde schmähen mich und höhnen meinen Namen, denn ich aß die Asche wie das Brot und Weinen kam in meinen Trank vor Deiner Ungnade und Wut, aufhobst Du mich und schleudertest mich weit -- meine Stunden sind wie der Schatten wenn er verweht --, und ich trockne ein.

Aber Du herrschest, Ewiger, unabänderlich dauerst Du die Zeitalter,

Du stehest auf in Mitleid, denn es ist Zeit über Zion, denn der Augenblick ist gekommen, denn wir lieben diese Steine und haben Schmerz für den Staub.

Dann werden die Völker fürchten den Namen des Ewigen und alle Könige der Erde den Glanz. Herr, wiedergebaut steht Zion und strahlt Deinen Glanz -- Betteln die Verlassenen laut und Du verjagst sie nicht -- melden es kommenden Geschlechtern Dich zu loben, Deine Erscheinung auf den Erhöhnissen der Heiligkeit -- herabfielen Deine Augen von den Himmeln und du hörst das Zittern der Schuldigen und machst los die vor dem Tod sich neigten.

Sammeln sich alle Völker und die Königreiche Dir zu dienen.

Er schlug ab meine Kraft unterwegs, er kürzte meine Tage. Herr! Nehme mich nicht heraus aus der Mitte meiner Tage. Deine Jahre gehen immerdar durch die Zeitalter. Du hast die Erde geschmolzen wurden die Himmel von Deinen Händen gemacht. Sie zerfallen -- Du überwährst, sie altern wie ein Kleid -- Du wirfst sie fort und wechselst sie wie ein Kleid. Immer bist Du, Gott, Dir gleich und Dein Jahr ist ohne Aufhör.

DER SIEBENUNDSECHZIGSTE PSALM

Möchte Gott Mitleid mit uns haben und uns benedein. Ließe sein Angesicht herab er auf uns scheinen. Gekannt wird Deine Stimme auf Erden und Dein Gruß bei allen Nationen.

Alle Völker werden Dich preisen Lob singen alle Völker führest sie zur Erde, Herr.

DER FÜNFUNDVIERZIGSTE PSALM

Dichter Herz lobsingt einem König -- schönster Du der Menschen holdselige Lippen, umgürte leicht das Schwert und ziehe gerechten Weges. Wendet Deine Hand Stütze und Erhaltung den Armen.

Versende die Pfeile, fallen Völker in die Knie und es fällt der Feinde König. Unverrückbar in die Tage steht der Herr Dein Stuhl und es steilt der Szepter, unter Freudenöl wandelt

des Königs Kopf und Myrrhen sind Deine Gewänder trittst Du aus den chryselephantinen Palästen.

DER DREIUNDDREISSIGSTE PSALM

Gerechte erfreut Euch des Herrn lobredet! Feiert ihn mit der Harfe singt ihn auf den zehn Saiten der Lyra -- singt ein neues Lied, daß Eure Stimmen zittern und die Instrumente.

Aufrecht ist das Wort des Herrn und seine Werke sind treu, sein Wort schuf die Himmel, die Heere des Himmels schuf der Atem aus seinem Munde mit einem Mal. Er sammelt die Meerwasser auf einen Haufen und er spricht, so ist es geschehn

und er zerstreut die Entschlüsse der Nationen und wendet das Schicksal der Völker, doch die Schicksale seines Herzens dauern durch die Zeitalter. Herabblickt vom Himmel er auf alle Kinder der Menschen, keines Königs Macht errettet vor dem Herrn, und kein Pferd kann fliehn vor dem Herrn: liegt sein Auge auf die ihn fürchten und auf die ihn erwarten, daß er befreie die Seele vom Tod und stütze in der Hungersnot.

DER NEUNUNDDREISSIGSTE PSALM

Ich überwache meine Stimmen daß ich nicht Sünde begehe mit der Zunge, Herr. Ein Zaun bindet den Mund mir, solang der Böse vor mir schwebt und zu verführen versucht. Ich stumme in der Stille ein, Enthaltung des Wortes übe ich bis zum Verschweigen des Guten -- doch mein Schmerz schwillt immer lauter an

hitzt mein Herz in mir, und das Klagelied umschlingt mich leidenschaftlich:

Herr, zeige mir mein Ende und das Ausmaß meiner Tage. Du schufst meine Dauer vier Finger breit -- und ich bin nichts vor Dir -- ach jeder Mensch, aufrecht und stehend ist nichts als Vergeblichkeit alles ist Eitelkeit.

Ach der Mensch lustwandelt sicher doch ein farbloser Schatten ach und vergeblich und eitel jede Bewegung und Sammeln von Gütern -- doch wer wird sie besitzen?

Befreie mich, Herr, ich schweige, laut geschlossen bleibt der Mund, weil Du ihn mir schlossest, doch wende ab die Züchtigung, ich vergehe vor dem Schlag Deiner Hand.

Fassest Du den Menschen an den Sünden zerfällt wie von Motten zerfressen selbst Schönheit an ihm -- alles ist Eitelkeit und vergeblich.

Höre mich, Herr, sei vor meinen Tränen nicht taub, ich bin nur ein Fremder vor Dir ein Vorübergeher wie meine Väter

o lasse mich los, daß ich meine Kräfte versammele bevor ich gehe und nicht mehr bin.

DER EINHUNDERTUNDNEUNUNDDREISSIGSTE PSALM

Mein Lot, Herr, warfst Du und erkanntest mich. Alles weißt Du jetzt, wann ich sitze und wann ich mich erhebe, und von der Ferne enthüllst meinen Gedanken,

der Du siehst wann ich gehe, und wie ich mich hinlege -- alle Wege in mir vollenden Dich.

Ach Herr, noch ist das Wort auf meiner Zunge, und der Gedanke endet in Deinem Gedächtnis schon. Du hast mich geschlossen vorne und hinten, und Deine Hand liegt mir oben und unten -- o welche Weisheit mir so unerreichbar mir -- wohin ginge ich, und wäre nicht in Deinem Geist, wohin flöhe ich und wäre nicht vor Deinem Angesicht?

Steige ich in den Himmel und Du bist da, liege ich im Bett der Hölle Du bist da, trügen die Flügel der Tagesdämmerung mich an das Ende des Meeres: wieder, Herr, wieder Deine Hand unterstünde mich und Deine Rechte beschützte mich.

Wollten mich die Nebel überhüllen -- aber die Nacht um mich leuchtet an, hell scheinen und sanft die Nebel Dir und aufleuchtet in Strahlen die Nacht, in den blendenden Finsternissen.

In der Nacht des Schoßes schufen Deine Hände mein Bildwerk und die Nieren. Ich lobe herrlich Dich, der ich gemacht wurde auf eine wunderbare Weise. Sind Deine Werke alle erfremdend wunderbar, und im Geheimnis meine Knochen: schufst Du wie die Gewebe gearbeitet sind unbeschreiblich in den Orten unter der Erde.

Deine Augen sehen mich, da noch im Teig der Lebenden ich unterging, und meine Tage hast Du eingetragen in das Buch und in die Reihe geordnet, da sie nicht einmal begonnen. O wie teuer, Herr, sind mir Deine Gedanken, o wie groß, Herr, ihre Anzahl!

Lasse Du sterben den Bösen -- gehet ihr Männer des Blutes von mir -- ihr schwöret falsch seinen Namen, schändet ihn nicht Missetat?

o ihr Bösen, wachet auf aus den brüllenden Höhlen der Verruchnis: ihr verbrechet an Euch.

DER EINHUNDERTVIERUNDVIERZIGSTE PSALM

Herrlich der Vater stehet ein Fels, führet die Hände im Kampf und in den Schlachten unsere Finger!

O Wohltat Du, o meine hohe Zuflucht, Befreier, Schild meiner Rückkehr, was ist der Mensch, daß ihn siehst und um ihn sorgst, und der Sohn des Menschen daß Du in den Augen ihn hältst?

Und er gleichet dem Windhauch, sind seine Tage wie der Schatten, der vorübergeht.

O Herr! senke Deine Himmel nieder und steige herab, rühre die Berge an daß sie flammen! mache blitzen und zerstöre sie, schütte Deine Pfeile über sie und sie fliehen.

Erhebe, ach, Deine Hand auf, und befreie mich und ziehe aus den großen Wassern mich heraus, und aus der Hand des fremden Sohnes, dessen Mund laut wagt die Lüge und dessen Rechte betrügt.

O Herr, ich singe Dir ein neues Lied, ich lobpreise Dich auf den zehn Saiten der Leier --

Dich, ach, der Befreiung gibt den Königen -- der errettet David, Deinen Diener, vor dem tödlichen Schwert.

Laß unsere Söhne wie die wachsenden Pflanzen sein in ihrer Jugend, und zierlich geschnitten Gärten in den Palästen unsere Töchter.

Fülle unsere Gewölbe, und lasse die Lämmchen vertausendfachen sich auf den Feldern, und die Ochsen überlade mit ihrem Fett, und gebe, Herr keinen Lärm und Angriff, _und keine Abbrüche_ _in den wohnlichen Straßen_.

DER EINHUNDERTSIEBENUNDVIERZIGSTE PSALM

Lobet den Herrn, psalmet den Herrn, es ist gut, es ist süß, es ist verseligend.

Er schuf Jerusalem und eint die Zerstörten, und heilt die zersplitterten Herzen, und überspannt die klaffenden Plagen.

Er zählt die Zahl der Sterne, _allen_ ruft er einen Namen aus. Unser Herr ist groß und von Macht, und kein Ende hat seine Klugheit: die stützt die Elenden und niedertritt die Bösen unter die Erde.

Besingt die Wohltaten psalmet seinen Namen.